Sonntag, 31. Oktober 2010

Erdbeerbaum


Die Erbeerbäume blühen gerade. Dieses Bild ist allerdings aus dem Sommer. Mal sehen, ob ich dazu komme dieser Tage, ein aktuelles zu knipsen. Die Früchte sehen so ähnlich aus wie die kleinen Walderdbeeren, auch die Konsistenz ist ähnlich, sie schmecken aber viel fader, nur gering süß. Der wissenschaftliche Name - Arbutus unedo - ist angeblich auf den faden Geschmack zurückzuführen. Die Frucht hieß nämlich schon in der Antike "unedo", was angeblich eine Kontraktion von "unum tantum edo" sein soll: "nur eins esse ich".
Interessant, außer der ungewöhnlichen Blütezeit, ist, dass sich Früchte und Blüten gleichzeitig auf dem Baum befinden. Da die Blüten weiß sind, ergeben sich die Farben der italienischen Trikolore. Kurz nach der Einung Italiens war daher der Erdbeerbaum das Symbol Italiens.

Freitag, 29. Oktober 2010

Gegenüberstellung - Land des Lächelns



Pavarotti war ein großer Tenor. Gerade deshalb ist diese Gegenüberstellung besonders interessant. Denn man kann bei diesem Beispiel hören, dass die Beherrschung der Technik, die die klassische Gesangsausbildung bietet, nicht immer auch Ausdrucksstärke gewährleistet. Laura Pausini bräuchte Mikrofon und Verstärkung auch in einem Theater, wo Pavarottis Technik ausreichen würde, um aus lautem Schreien lautes, deutlich hörbares und verständliches Singen zu machen. Aber ihr modernes Mikrofonsingen ist ausdrucksstärker, weil es der natürlichen Stimmmodulation näher ist, mit der bei unbefangenem Sprechen unsere Gefühle zum Ausdruck kommen. Im Grunde ist Singen eine Potenzierung ausdrucksvollen Sprechens. Wes das Herz voll ist, des geht der Mund über.

Man beachte, dass Pavarotti konstant dicht am Mikrofon singt (der Toningenieur hat sein Mikrofon weniger verstärkt), während Laura Pausini das Mikrofon wie ein Musikinstrument einsetzt: sie nähert ihre Lippen dem Mikrofon, wenn sie leise singt, und sie entfernt das Mikrofon, wenn sie laut singt.

Zu beachten ist bei einer solchen Gegenüberstellung allerdings, dass bei einem Singen wie dem Laura Pausinis sehr persönliche Elemente hervortreten, die in diesem Fall von Vorteil sind, weil das Lied, das sie hier singt, besonders gut zu ihr passt, während das allzu Persönliche bei einem anderen Werk auch störend sein kann. Durch die klassische Gesangsausbildung hingegen wird ein Strument geschaffen, das neutraler ist und gerade deshalb für jedes Repertoire geeignet ist, weil die persönlichen Elemente nicht so sehr in den Ausdruck mit hineinspielen. Es hätte daher keinen Sinn, Opern und Operetten heute einfach von Schlager- und Musicalinterpreten vortragen zu lassen, obwohl dem Orchestra di Piazza Vittorio ein aktualisierendes Anknüpfen an Schikaneders Volkstheater gelungen ist. Das ist aber ein ganz anderes Paar Schuhe.


(Leider ist die Klangqualität dieser Aufnahme sehr minderwertig)


Caetano Veloso




Dicen que por las noches
no más se le iba en puro llorar
dicen que no comía
no más se le iba en puro tomar
juran que el mismo cielo
se estremecía al oír su llanto
como sufrió por ella
que hasta en su muerte
la fue llamando.

Ay, ay, ay, ay, ay! Cantaba
ay, ay, ay, ay, ay! Gemía
ay, ay, ay, ay, ay! Cantaba
de pasión mortal! Moría

Que una paloma triste
muy de mañana le va a cantar
a la casita sola,
con sus puertitas de par en par
juran que esa paloma
no es otra cosa mas que su alma
que todavía la espera
a que regrese la desdichada.

Cucurrucucú! Paloma
cucurrucucú! No llores
las piedras jamás, paloma
qué van a saber de amores!

Cucurrucucú
cucurrucucú
cucurrucucú
paloma, ya no llores



http://de.wikipedia.org/wiki/Caetano_Veloso





http://de.wikipedia.org/wiki/Freddy_Quinn





http://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Albers

Montag, 18. Oktober 2010

Villanova

http://de.wikipedia.org/wiki/Villanova-Kultur



Schon vor 2700 Jahren hatten die Etrusker Häuser mit Atrium (vermutlich von ater, schwarz, wegen der einst rußgeschwärzten Wände... ), in dessen Mitte sich ein Impluvium befand, das das Regenwasser auffing, das durch die darüberliegende, von den Dachflächen eingerahmte, rechteckige Aussparung (Compluvium) hineinregnen konnte. Um eine solche Architektur entstehen zu lassen, musste es in der warmen Jahreszeit ausreichend regnen. In der Tat regnet es in Florenz zwar nicht so oft wie in Hamburg, aber wenn es regnet, regnet es so heftig, dass jährlich ein größeres Regenvolumen niedergeht als in Hamburg. Man könnte bei solchen Überlegungen zu dem Schluss kommen, es fänden nie Klimaveränderungen statt.

http://de.wikipedia.org/wiki/Atrium_(Architektur)

http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/1004964/Die-Botschaft-der-12.-Etruskerstadt-?setTime=3

http://de.wikipedia.org/wiki/Etrusker#Einwanderungstheorie

Dienstag, 12. Oktober 2010

Smultronstället - Erdbeereck




"Smultronstället" ist der Titel des wundervollen Films von Bergman, der in der deutschen, spanischen und englischen Version den irreführenden Titel "Wilde Erdbeeren" trägt, was viele Menschen dazu brachte, den Film völlig falsch zu verstehen, unter anderem meinen Bruder (obwohl er ihn vielleicht nie gesehen hat). In Italien heißt dieser Film "Il posto delle fragole", in etwa „Die Stelle, wo es Erdbeeren gibt“, was dem schwedischen Originaltitel sehr nahe kommt. Damit ist etwas Kleines, aber herzerwärmend Kostbares gemeint, wie es Kinder kennen, die wissen, an welchem Eck in einem Wald manchmal Walderdbeeren zu finden sind, und dieser Film ist ja eine Rückreise zum Urgrund und den Stationen. In Schweden bezeichnet der Ausdruck "Smultronstället" ganz generell ein kostbares Kleinod, das nicht so leicht zu finden ist. Eine schwedische Freundin bezeichnete einmal ein wunderschönes kleines Restaurant in Settignano als "Smultronstället", um mir zu veranschaulichen, was mit dem Ausdruck gemeint ist.

Der deutsche Titel „Wilde Erdbeeren“ weckt eine dumme Assoziation von Sünde und Erotik, die nichts mit dem Film und den Absichten des Autors zu tun hat. Und das Thema der Dekadenz, das anmaßende Dummköpfe aus einer Art gequälter, militanter Missgunst und im paranoiden Irrglauben, sich (und die wahre Kunst) gegen eine kulturanthropologische Offensive verteidigen zu müssen, in diesen Film hineinlegen, hat erst recht nichts mit dem Film und den Absichten Ingmar Bergmans zu tun.

Als ich 13 Jahre alt war, kam es zu einer grauenhaften, kennzeichnenden Begebenheit. Es war im Sommer des Jahres, in dem mein 18 Jahre älterer Bruder sich im April oder Mai urplötzlich von mir abgewandt hatte und feindselig geworden war, als ich ihm mein damals gerade erwachtes Interesse für klassische Musik und Rockmusik, die sich - wie The Nice oder Jethro Tull - an selbiger orientierten, kundtat. Seine Attacke im Sommer darauf, als ich nach Hause kam und Mutti in der Küche auf der Geschirrspülmaschine sitzend mit klopfendem Herzen von Smultronstället erzählte, gab mir den Rest. Ich hatte den Film gerade in der Schule gesehen, wo manchmal nachmittags welche gezeigt wurden. In diesem Film herrscht eine Atmosphäre, die das Geheimnis des Lebens einfängt und den Zuschauer spüren lässt, wie schnell es vorbei ist und wie kostbar es ist, und wie behutsam man damit umgehen muss.

Ich war von diesem Eindruck erfüllt, wenngleich ich damals noch zu jung war, um den Dialogen ihre Bedeutung in ihrer vollständigen Tragweite zuordnen zu können. Mein Bruder fuhr mich während meiner Erzählung plötzlich mit gehässiger Wucht an und belehrte mich giftig, wenn einem dieser Film gefalle, müsse man krank sein. Wobei kein Zweifel darüber möglich war, dass er mir weh tun wollte und beabsichtigte, mich durch Schmerz zu einer Richtungsänderung zu bewegen. Sein "pädagogisches" Anliegen stellte sich als Vorwand heraus. In Wirklichkeit verstieß er mich. Denn um Gnade vor seinen "pädagogischen" Augen finden zu können, hätte ich stammelnd beteuern müssen, er hätte ja nur allzu Recht, Bergman sei pervers, sein Film sei entartete Kunst, und ich bereute, keine Abscheu beim Ansehen des Films empfunden zu haben und würde mich von nun an nur noch für Liselotte Pulver und Curt Goetz begeistern.

Ich glaube, ich hätte als verantwortlicher und gereifter Mann (und Taufpate) im Alter von 31 Jahren einen 13-jährigen Jungen, der noch so jung ist, vor einem Autor wie Bergmann gewarnt, und dass ein so junger Mensch von diesem Film angezogen war, hätte sicherlich meine Besorgnis geweckt. Ich hätte vorsichtig geprüft, ob alles in Ordnung sei und evt. versucht, ihn behutsam vor irrigen Deutungen zu wappnen (vor allem, wenn es mein kleiner Bruder ist).

35 Jahre später erzählte er mir unaufgefordert bei unserem ersten gemeinsamen Waldspaziergang seit damals, dass einer seiner Kollegen, wenn er in den Stall kam, den Kälbern erst mal eins mit dem Stock überzog, wobei ich sofort an diese "Bergmanszene" zurückdenken musste, denn wir waren zweifellos beim Thema. Es fehlten nur noch die Erdbeeren. Diese Szene seelischer Grausamkeit ist eine Szene unserer Familie, sie kommt in keinem Bergmanfilm vor, sondern in der Wirklichkeit der protestantischen Familie K, und sie wurde durch die bloße Erwähnung Bergmans und eines seiner Filme ausgelöst. So stark kann die wahrheitsweckende Wirkung des akurat und unerbittlich ehrlich beschreibenden protestantisch geprägten Stimmungsbarometers Bergman sein. Ernst Jünger, der mit ähnlichen Schmähungen wie Bergman leben musste, sagte einmal "Nach dem Erdbeben wird auf die Seismographen eingeschlagen". Jetzt fehlt nur noch ein Sprichwort, um den Stromkreis zu schließen und meinen Bruder für den elektrischen Schlag aufzuladen: "Kindermund tut Wahrheit kund". Heute kann ich sagen, wenn damals jemand krank war, dann eindeutig er, der sich inzwischen dem Alter des Protagonisten von Smultronstället nähert und wie sein Vater durch Arteriosklerose vor kathartischer Einsicht bewahrt bleiben wird.

Der Mann mit dem sanften Lächeln

Das zugedeckte Pferd

GESUNDHEIT UND NORMALITÄT IN EUROPA - ein Überblick

Sonntag, 10. Oktober 2010

Der Herbst ist jetzt da




Feinslieb, nun ist das Blätterbraun
Schon wieder in den Spitzen,
Wann wir unterm Kastanienbaum
Am Abend fröstelnd sitzen.
Das Jahr geht fort mit schwerer Fracht,
Es bindet sich die Schuh.
Ich bin so traurig heute nacht,
Und du, du lachst dazu.

Feinslieb, die schwarze Jacke hängt,
Die Schultern ab mir wieder,
Wann schon so früh das Dunkel fängt
Uns und die Kält der Glieder.
In deinen Augen glimmt noch leis
Der Sommer voller Ruh.
Ich wein, weil ich nicht weiter weiß,
Und du, du lachst dazu.

Feinslieb, das war es also schon,
Der Sommer ist vertrieben,
Die Vögel sind auf und davon,
Und wir sind hier geblieben.
Fremd zieh ich ein, fremd zieh ich aus,
Ich weiß nicht, was ich tu
Heut nacht, verwelkt ist mein Zuhaus,
Und du, du lachst dazu.

Feinslieb, komm stirb mit mir ein Stück,
Sieh, müd die Blätter schunkeln,
WIr drehn das Jahr doch nicht zurück,
und sehn uns nicht im Dunkeln,
Lass in dem Kommen, Bleiben, Gehn
Zertanzen uns die Schuh!
Ich will noch soviel Himmel sehn,
Und du, du lachst dazu.



(Hans-Eckardt Wenzel)


"Ciuis mundi sum communis omnium uel peregrinus magis" sagte Erasmus

Pietro Citati sagte über Goethe "Wenn er litt, legte er gefällig das elegante Kleid des Schmerzes und der Verzweiflung an."

Die Gedanken sind frei

Die Gedanken sind frei



Auszug aus Wolffsohns Festrede vom 27. September in der Gedenkstätte Hohenschönhausen

Demokratie oder Populismus

Die vollständige Festrede

Über unsere Freiheit

Capo Caccia

Samstag, 9. Oktober 2010

Freitag, 8. Oktober 2010

Orkan






Walter Benjamin hat nicht richtig hingesehen. Der Engel schaut nach schräg links, nichts deutet daraufhin, dass sein Antlitz der Vergangenheit zugewendet sein könnte, sein milder Blick hat nicht im Mindesten etwas Starrendes. Weder seine Haare, noch sein Gewandt wecken den Eindruck, in ihnen könne sich ein aus dem Paradiese wehender Wind verfangen haben, gegen den es gälte sich zu stemmen. Es sind auch keine Flügel zu sehen, die dieser Wind aufblähen könnte. Mich erinnert das Antlitz dieses Engels ein bisschen an eine Schweizer Kuh und vielleicht an Zwingli. Seine Flügel sieht man nicht. Es sei denn, bei den, an den Papst gemahnenden, erhobenen Händen handele es sich eigentlich um Flügel. In der Tat ist, was den Menschen beflügelt, die außerordentliche Fertigkeit der menschlichen Hand. Seltsam ist, dass dieser merkwürdige dreizehige Ornithopter auf Hennentatzen zu stehen scheint, die wiederum statt Krallen federähnliche Formen zeigen. Man hat den Eindruck, die Extremitäten dieses Angelus Novus befänden sich noch im embrionalen Zustand eines Stammzellenagglomerats, das der Ausdifferenzierung harre.

Benjamin bezeichnete sich selbst als marxistischen Mystiker. Dass er vor allem das "sah", was er sehen wollte, trifft natürlich nicht nur auf ihn zu. Und auch dass seine gebannten Leser sahen, was der Autor ihnen zu sehen nahelegte, trifft ebenfalls nicht nur auf ihn zu. Wer ist schon souveräner Herr seiner eigenen Sinne?

Benjamin kommentierte einen der größten Erfolge in der Filmgeschichte, den Panzerkreutzer Potjemkin, mit den Worten, da schaue das Proletariat sich selbst ins Gesicht. Ich vermute, er transponierte da einen vernünftigen Gedanken Goethes auf eine Weise, die ich mich sträube, als mystizistisch zu qualifizieren. Goethe saß in der Arena von Verona und stellte sich vor, wie es sei, wenn eine Vorstellung im Gange ist und dachte, da schaut sich das Publikum ins eigene Gesicht (nachzulesen in "Die italienische Reise"). Über diesen A-spect der Publikumsbeteiligung am Spectandum sollten sich Leute wie Heiner Goebbels und Alexander Kluge Gedanken machen, die so gerne von der Rückerstattung des enteigneten Blickes sprechen. Spaß muss sein, und nach Verbundenheit und teilnehmendem Blick streben im Grunde alle.



http://persciun.blogspot.com/2010/03/one-of-you.html

Montag, 4. Oktober 2010

Cathy Berberian

http://en.wikipedia.org/wiki/Folk_Songs_(Berio)


Sie war fantastisch. Eins der schönsten Konzerte, das ich je erlebte, war ein Konzert, das sie 1982 in Florenz gab. Sie sang akzentfrei in über 20 Sprachen.









Luciano Berio - Folksongs from conestobasta on Vimeo.