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Sonntag, 13. Februar 2011

Kelsos (um 178 n.Chr.)

Die erste umfassende Kritik am Christentum verfasste Kelsos. Kelsos ist in Deutschland merkwürdig unbekannt. Genauso unbekannt wie Martin Luthers Buch "Von den Juden und ihren Lügen". In Italien ist Kelsos sehr viel bekannter, und auch Luthers Buch im Handel.



Zu den Argumenten des Kelsos, mit denen er das Christentum und einzelne christliche Lehren bekämpfte, gehören folgende, immer noch kluge und treffende Einwände:

Es sei absurd zu glauben, dass sich die höchste Gottheit in einen menschlichen Körper begebe, noch dazu einen normalen und unauffälligen, dem man das Göttliche nicht ansieht, und dass Gott sich mit Bösem und Hässlichem abgebe und dem Leid aussetze. Außerdem sei nicht einsichtig, dass Gott dies erst zu einem bestimmten Zeitpunkt getan habe und nicht schon früher.

Es sei unsinnig zu glauben, dass Gott sich um die Juden und die Christen mehr kümmere als um die übrige Welt und nur zu ihnen seine Boten entsende. Ebenso könnten Würmer oder Frösche sich einbilden, dass das Weltall ihretwegen bestehe und dass Gott sie gegenüber allen anderen Wesen bevorzuge.

Wenn alle Menschen so wie die damaligen Christen sich der Beteiligung an der staatlichen Gemeinschaft verweigern würden, müsse das Reich zugrunde gehen; dann würden Barbaren die Macht übernehmen und jegliche Zivilisation und Weisheit vernichten. Auch vom Christentum bliebe dann schließlich nichts übrig.

Dem linearen, eschatologischen Geschichtsverständnis der Christen stellt Kelsos eine zyklische Geschichtsdeutung entgegen. Nach seiner Überzeugung strebt die Geschichte nicht einem Endpunkt wie dem Weltuntergang und Jüngsten Gericht zu, sondern ist ein ewiger Kreislauf.

Es gebe keinen Grund anzunehmen, die Welt sei um des Menschen willen geschaffen worden. Eher könne man sogar behaupten, sie sei um der Tiere willen da. Zwar würden die Tiere vom Menschen gejagt und verspeist, aber das Umgekehrte komme auch vor und sei früher – bevor die Menschen Waffen, Netze und Jagdhunde einführten – sogar der Normalfall gewesen. Daher scheine Gott eher die Raubtiere bevorzugt zu haben, da er ihnen ihre Waffen schon mitgab. In Wirklichkeit sei die Welt jedoch eine Gesamtheit; es sei nicht einer ihrer Teile um des anderen willen da oder eine Gattung von Lebewesen wegen einer anderen geschaffen, sondern jeder Teil bestehe unmittelbar im Hinblick auf das Ganze.

Es sei ein Widerspruch, dass Jesus als Sohn eines Zimmermanns bezeichnet wird und zugleich sein Stammbaum zu den jüdischen Königen zurückverfolgt wird.

(wobei der Zimmermann auch noch der Stiefvater ist, füge ich hinzu)

Jesus drohe und schimpfe, weil er unfähig sei zu überzeugen.

Die Christen seien ungebildet und betrachteten dies nicht als einen Mangel, sondern als ob es ein Verdienst wäre. Sie meinten, ein Ungebildeter habe besseren Zugang zur Wahrheit als ein Gebildeter.

Es sei unsinnig anzunehmen, dass Gott außerstande gewesen sei, sein eigenes Geschöpf Adam zu überzeugen.

Es sei lächerlich, Gott menschliche Leidenschaften wie Zorn zuzuschreiben.

Die Lehre von der Auferstehung des Fleisches unterstelle Gott ein naturwidriges und unsinniges Verhalten.

Es sei abgeschmackt anzunehmen, dass Gott nach dem Sechstagewerk der Schöpfung einen Ruhetag benötigt habe, als wäre er wie ein Handwerker nach der Arbeit ermüdet.

Es werde nicht einsichtig gemacht, warum man glauben soll, sondern der Glaube werde als Voraussetzung für die Erlösung einfach gefordert.

Der Teufelsglaube, also die Idee, dass Gott einen Widersacher habe, sei ein Zeichen von größter Ignoranz. Wenn es den Teufel gäbe und er die Menschen betrogen hätte, so gäbe es für Gott keinen Grund, den Betrogenen zu drohen; überhaupt drohe Gott niemandem.

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