Montag, 10. Dezember 2012

Stimmungsbild

 Die italienische Linke überlebt tatsächlich, weil sie selbst zum Sterben noch zu dumm ist. Italiens Problem war nie Berlusconi, sondern das Fehlen einer glaubwürdigen Sozialdemokratie. Die italienische Linke besteht aus Ex-, Post- und Nochkommunisten. Eine der wenigen löblichen Ausnahmen ist Matteo Renzi, Bürgermeister von Florenz und jüngster Bürgermeister Italiens. Kürzlich kandidierte er bei den Urwahlen der Linken gegen den aus der Szene der kommunistischen Gewerkschaft stammenden Grufty Pier Luigi Bersani (mit dem Peer Steinbrück kurz zuvor in Mailand vor die Kameras getreten war, was nicht für Bersani, sondern gegen Steinbrück spricht). Im Rahmen der Urwahlen kam es zu einem Fernsehduell zwischen Bersani und Renzi. Bersani gab der Moderatorin auf ihre Fragen nur müde Gemeinplätze zur Antwort. Renzi brillierte mit Dynamik und mit treffenden Formulierungen, die den Stand der Dinge hervorragend veranschaulichen und zusammenfassen. Trotzdem verlor er die Urwahl!!! Er war schlicht und einfach zu intelligent und lebendig für die tumben Zombies, die in den linken Parteien militieren.

In der Gewissheit, dass sein wichtigster Gegenkandidat nun Bersani sein wird, tut Berlusconi allerdings gut daran, abermals zu kandidieren. Im Vergleich zu Bersani ist Berlusconi, obwohl an Jahren älter und ohne den einstigen Glanz immer noch ein junger, dynamischer Politiker. Gegen Renzi hätte es keinen Sinn gehabt zu kandidieren, und er hätte es gewiss bleiben lassen. Aber jetzt hat er wieder eine große Chance. Nicht, die Wahlen zu gewinnen. Das wohl nicht. Aber weiterhin persönlich ein spürbares Gewicht zu behalten, ohne es seiner rechten Hand, dem brillanten Angelo Alfano (den ich für den Wunschkandidaten der Mafia halte) delegieren zu müssen. Als Mario Monti sein Amt antrat, sagte Berlusconi: "Wir können ihm den Strom ausschalten, wann wir wollen." Monti antwortete, er glaube nicht, ein elektrisches Haushaltsgerät zu sein... Aber jetzt hat Berlusconi, der ihm bisher aus Staatsräson die Stange hielt, den Strom ausgeschaltet.


Allein die Sachzwänge und spontaner, passiver Widerstand werden dafür sorgen, dass Südeuropa in den kommenden Jahrzehnten Europa so konditionieren wird, wie Süditalien es mit Italien macht. Vermutlich sogar in größerem Ausmaß, da sich Verantwortung im anonymen, europaweiten Kontext noch sehr viel mehr verflüchtigt als innerhalb Italiens, wo ein letzter Rest nationaler Loyalität das endgültige Ausufern bremst.

Berlusconi wird es sich nicht nehmen lassen, "linke Politik" zu machen und das Tauziehen zwischen Norden und Süden offiziell zu machen, unausgesprochene Grundüberzeugungen Südeuropas klar und unüberhörbar immer wieder auszusprechen. Daniel Cohn-Bendit wird nolens volens mit Berlusconi am selben Strang ziehen müssen, wenn er sein Gesicht nicht verlieren möchte (genau wie Gysi und Gabriel und am Ende auch Peer Steinbrück). Mario Monti wird wegen der auferlegten Opfer, die so manchen Rentner in den Selbstmord trieben, auch von besonnenen, klugen Italienern zunehmend als Handlanger Deutschlands angesehen. Der Satz "Was schert mich der Spread!" macht die Runde, ist immer häufiger zu hören und immer wütender.


Die Tatsache, dass die Roten Brigaden im Gegensatz zur RAF (die nur bei der SED Rückhalt hatte) eine gewisse Zustimmung in der italienischen Bevölkerung genoss (und in Umbrien, der Toskana und Emilia-Romagna immer noch genießt), sollte man nicht unterschätzen. Auch sollte man sich keine Illusionen darüber machen, dass die Italiener eher deutschfeindlich als deutschfreundich gesinnt sind und als Beispiele für Deutschfreundlichkeit heute immer noch vor allem Mussolini und dessen Tochter Edda gelten. Markus Lanz arbeitet ja auch nicht fürs italienische Fernsehen, sondern fürs deutsche, denn die römische Deutschfeindlichkeit hätte ihm bei der RAI nie eine Karriere ermöglicht, zumal der Unterhaltungssektor fest in apulischer Hand ist. Und deutschfeindlichere Menschen als die Apulier gibt es nicht. Klaus Davi ist praktisch der einzige, der sich manchmal bemüht, den Italienern deutsche Denkweisen nahezubringen. Wenn es etwas gibt, was im italienischen TV fast nie zu sehen ist, dann sind es wir Deutschen und diejenigen Italiener, die Deutschland gut kennen, wie zum Beispiel Franco TatòGiuseppe Vita oder Roberto Giardina. Wie es ja auch nicht zu übersehen ist, dass die Türken - deren "Migrationshintergrund" eigentlich eine sehr viel größere kulturelle Distanz zu uns mit sich brachte - sich viel besser in unsere Gesellschaft - sogar in Film, Literatur, Medien und Politik - eingegliedert haben als Kalabresen, Apulier und Neapolitaner.

Ein Freund von mir aus Ferrara, der in Mailand an einer Universität Geschichte unterrichtet, sagt immer ironisch-kynisch zu seinen italienischen Mitbürgern "Warum haben wir die Österreicher weggejagt, wenn wir es nicht schaffen, uns selber zu regieren?" Wenn wir selbstzufrieden über diese Bemerkung schmunzeln und dabei an Radetzky denken, der Italien liebte und Norditalien von Mailand aus regierte (und die Bistecca alla milanese angeblich in Wien als Wiener Schnitzel einführte; ich halte das für ein gehässiges italienisches Gerücht), sollten wir uns auch daran erinnern, dass Sissi von Luigi Lucheni ermordet wurde, und dass Giovanni Passannante vor kurzer Zeit quasi rehabilitiert wurde, als unter Prodis Regierung sein erzkommunistischer Justizminister (der unter Bersani wieder zu Amt und Würden kommen könnte) die Überführung von Passannantes in Formalin liegendem Gehirn bewilligte und zur Beerdigung freigab.


Roadmap: Italien möchte die Eurobonds. Angela Merkel sagte "Solange ich lebe, wird es keine Eurobonds geben!". In italienischen Ohren ist das sozusagen eine Aufforderung zum Attentat. Peer Steinbrück wird Angela Merkel nicht erdolchen, aber er könnte zu Italiens Interessenvertretung werden und derjenige sein, der - statt die Ausbreitung von Mafia und Geldwäsche zu bekämpfen - die Einführung der Eurobonds, die Joschka Fischer schon beschlossen hat, tatsächlich beschließt.

Erfreulich ist, dass - wie ich im Mai 2010 begann zu hoffen - sich einige Persönlichkeiten mit politischem Gewicht offen für Mario Monti ausgesprochen haben und zwar nicht nur für den politisch neutralen Experten und "technischen Gouverneur", wie man die Übergangslösungen nennt, die in Italien zustandekommen, weil die Polarisierung im Parlament immer zu groß ist, um die Große Koalition zu ermöglichen, durch die bei uns die Entstehung eines Exekutivvakuums verhindert wird, sondern für den Politiker Monti. Mit anderen Worten, Montezemolo, Buttiglione, Fini und Pisanu (ehemals Innenminister Berlusconis und einer seiner besten Männer) glauben an Montis politisches Projekt, und das ist ein gutes Zeichen. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass Monti genau so endet wie Lamberto Dini, der vor 10 Jahren mein Lieblingspolitiker war, ist immer noch hoch.

Samstag, 8. Dezember 2012

Kurzweil


In 30 Jahren werden die Maschinen intelligenter sein als der Mensch, meint er.

Ganes


Montag, 26. November 2012

Tragweite


Nicht in Allem stimme ich Klonovsky zu, aber fast. Auf jeden Fall sprechen wir auch da, wo ich ihm nicht zustimmen kann, noch im singulärsten Detail auf geradezu frappierende Weise immer über denselben Gegenstand.

So soll es sein


Sonntag, 25. November 2012

Herbststorm



Der Nebel steigt, es fällt das Laub;
Schenk ein den Wein, den holden!
Wir wollen uns den grauen Tag
Vergolden, ja vergolden!

Und geht es draußen noch so toll,
Unchristlich oder christlich,
Ist doch die Welt, die schöne Welt,
So gänzlich unverwüstlich!

Und wimmert auch einmal das Herz, -
Stoß an und laß es klingen!
Wir wissen's doch, ein rechtes Herz
Ist gar nicht umzubringen.

Der Nebel steigt, es fällt das Laub;
Schenkt ein den Wein, den holden!
Wir wollen uns den grauen Tag
Vergolden, ja vergolden!

Wohl ist es Herbst; doch warte nur,
Doch warte nur ein Weilchen!
Der Frühling kommt, der Himmel lacht,
Es steht die Welt in Veilchen.

Die blauen Tage brechen an,
Und ehe sie verfließen,
Wir wollen sie, mein wackrer Freund,
Genießen, ja genießen.


Leider ist die Welt nicht mehr so unverwüstlich wie damals. Aber die Schönheit dieses Gedichts, die ist immer noch beständig.

"Der Herbst ist ein zweiter Frühling, wo jedes Blatt zur Blüte wird.", sagte Albert Camus

Dienstag, 13. November 2012

Samstag, 10. November 2012

Freitag, 9. November 2012

9. November

Für den heutigen Tag mag gelten, was Goethe 1792 bei Valmy angeblich doch nicht gesagt hat, aber irgendetwas Vergleichbares wird er schon geäußert haben, nämlich: "Von hier und heute geht eine neue Epoche der Weltgeschichte aus, und ihr könnt sagen, ihr seid dabei gewesen."

Mein Motto für heute ist einfacher: "Schweig und tanze!" (Elektra).

God bless America!


schrieb Michael Klonovsky, als Donald Trump Präsident der USA wurde.

Man könnte abergläubisch und sterngläubig werden bei diesem Datum. Ob Kary Mullis sich wohl auch mit so etwas befasst? Napoleons 18. Brumaire war ein 9. November, Hitlers misslungener Putsch 1923 auch. Auch die Republik war 5 Jahre zuvor an einem 9. November ausgerufen worden. Hitler nahm in seiner Verteidigungsrede nach dem gescheiterten Putsch explizit auf die "Novemberverbrecher" bezug. Später ließ er den als Kristallnacht berühmt gewordenen Pogrom an einem 9. November stattfinden.

Beunruhigend wird diese Anhäufung von Schicksalstagen aber erst dadurch, dass die Berliner Mauer ebenfalls an einem 9. November fiel, so dass wir jetzt gar nicht anders können, als am 9. November gleichzeitig eines der schönsten Tage der deutschen Geschichte zu gedenken und eines der unangenehmsten.

Diese Tatsache ist einerseits eine Chance und andererseits eine Gefahr. Sie ist für Deutschland eine ambivalente Herausforderung unserer Vernunft und eine Belastungsprobe für das emotionale Gleichgewicht, das kollektive Unbewusste und den Hort des irrationalen Erbes, das bei jeder Nation im Innern der Menschen, "in ihrem Herzen"  mehr oder weniger anamorph mitschwingt. Meine Mutter konnte sich dem Sog religiöser Deutungen gerade in Bezug auf den Nationalsozialismus nicht entziehen. Nicht nur, weil Hitler die zahlreichen Attentate alle überlebte, sondern auch weil Gegner des Hitlerregimes, deren Schicksal ihr persönlich bekannt war, auch nach dem Krieg auf Grund erschwerter Ausgangsbedingungen - viele Männer in Rang und Würden in Adenauers Zeit waren vorher nationalsozialistische Funktionäre und begünstigten ihre Gesinnungsgenossen - kein Glück hatten. Das Missverhältnis, das darin besteht, dass Gleichgeschaltete und Offiziere oft Anrecht auf eine Pension hatten und Verfolgte des nationalsozialistischen Regimes sich eine Entschädigung für erlittenes Unrecht erst in jahrzehntelangem Ringen erkämpfen mussten, durchschaute sie nicht, weil sie es nicht durchschauen wollte. Sie war gewissenlos genug, um in den fortdauernden, erschwerten Existenzbedingungen der Gegner und Verfolgten ein Zeichen des Himmels zu sehen.

Politik und Weltgeschehen am 9. November


Hedwig Kiesler

Robert Blum


Verdrängung ist ansteckend, denn es ist die Sehnsucht nach Harmonie, durch die die Verdrängung bewirkt wird; diese Sehnsucht übt auf den Menschen einen Sog aus, durch den Familie und Harmonie über die Wahrheit gestellt werden soll (wie ja auch in den 10 Geboten die Ermahnung, die Eltern zu ehren, gegenüber einer Reihe anderer Gebote Vorrang hat, die das zivile Zusammenleben betreffen; nicht aber gegenüber den zu Anfang stehenden Geboten, die das Adyton selbst zum Gegenstand haben).

Meine Mutter hat die "Kristallnacht"" in Berlin erlebt. Obwohl ich seit meinem 15. Lebensjahr versuchte, die NS-Zeit zu verstehen, bin ich nie auf den Gedanken gekommen, meine Mutter zu bitten, mir ihre Erinnerungen an diese Nacht, oder zumindest an den Tag danach zu schildern. So stark kann die ansteckende Wirkung der Verdrängung sein. Es entsteht eine Starre, wie bei den verwunschenen Kindern in Grimms Märchen. Dass alle, die diesen Tag erlebt haben, wissen, wo und wie sie ihn erlebten, dessen bin ich mir sicher. Jeder weiß, wo er war, als er vom 11. September 2001 erfuhr. Jeder kann sich an die Mondlandung erinnern. In Deutschland gab es kein Fernsehen, als überall im Land Synagogen brannten. Dennoch bin ich felsenfest davon übereugt, dass an diesem Tag in Deutschland Millionen von Menschen Dinge sahen, die sie ihr Leben lang nicht vergaßen. Aber ich habe meine Mutter, die vor ein paar Jahren starb, nie danach gefragt, weil ich Angst vor ihr hatte, seit sie mir mit grauenhafter Härte und hasserfüllter Bestimmtheit mitgeteilt hatte, sie verachte diejenigen, die glaubten, dass wir Deutschen in Auschwitz Juden ermordet haben.

Die Verdrängung hat also nicht nur bewirkt, dass ich mein Vorhaben, sie über diese Nacht zu befragen, etwa immer wieder vergessen hätte, sondern sie bewirkte sogar, dass ich, solange meine Mutter noch am Leben war, vor lauter Angst nicht einmal auf den Gedanken kam, sie zu fragen. Ich wusste seit meiner Kindheit, dass meine Eltern die Hitlerzeit miterlebt hatten und sich nicht nur gut an sie erinnerten, sondern sie in guter Erinnerung hatten. Aber ich war schon über 40, als ich mir endlich bewusst wurde, dass sie die "Kristallnacht" miterlebt haben mussten: also nicht nur eine Zeit, in der unüberprüfbare Gerüchte an ihr Ohr kommen konnten, sondern ein einschneidendes Ereignis, dass sich ganz in ihrer Nähe vor ihren Augen abgespielt hat, und noch dazu in Berlin, falls sie nicht ausgerechnet woanders waren an diesem Tag. Im Ausland waren sie bestimmt nicht, denn sie haben Deutschland beide nie verlassen bevor der Krieg ausbrach, und der Krieg wurde für meinen Vater zum ersten Auslandsaufenthalt. Auch muss meine Mutter den gelben Judenstern gesehen haben. Ich habe sie, solange sie lebte, nie danach gefragt und werde nie wissen, was sie mir geantwortet hätte, und ich werde nie wissen, was sie dabei für ein Gesicht gemacht hätte. Aber ich kann es mir gut vorstellen. Denn glücklicherweise habe ich, als ich das richtige Alter dafür hatte (ich war inzwischen fast 40),  ihr gegenüber genug Dinge angesprochen, deren Beantwortung aufschlussreich wurde und es ermöglichte, ihr auf den Zahn zu fühlen, um der amorphen Wahrheit näher zu kommen und ihre Gestalt zu erkunden.

Um es zu tun, war eine äußerste Kraft- und Willensanstrengung nötig. Ich liebte sie sehr und sie liebten mich sehr. Und dieses Glück hat ja nicht jeder. In meinem Fall war dieses Glück gleichzeitig auch ein quälendes Unglück, das mich dazu zwang, mit der Wahrheit und mit der Sehnsucht nach Harmonie auf eine Weise zu ringen, für das mir ein einziger Vergleich einfällt, der vielleicht die hierfür nötige Anstrengung veranschaulichen kann: Jakobs Kampf mit dem Stellvertreter, Hologramm, Qui pro Quo, Engel, Alien Gottes am Fluss Jabbok, der in Genesis 32, 23 - 33 beschrieben wird. Ich kann versichern: dass man nach einem solchen Kampf hinkt, ist wirklich das Mindeste.


Nichts ist tröstlicher, als der erste Psalm in dieser Hinsicht. Wie sich überhaupt in den mythologischen Überlieferungen und in Boccaccios kurz nach dem Schwarzen Tod geschriebenem Dekameron oft brauchbarere und treffendere Texte finden, als bei der zeitgenössischen Psychologie, bei den deutschen Hirnforschern oder Robert Musil oder Richard David Precht. Vielleicht liegt es daran, dass der Schmerz die sogenannten "Ich-Zustände", die der letzte Schrei wissenschaftlicher Begrifflichkeit im Bereich des Seelenlebens sind, zusammenschweißt und die Alten noch eine Ahnung davon besaßen, die in Nordamerika und Nordeuropa nicht mehr zu finden ist. Boccaccio muss allerdings entweder im Original oder in Flaschs Übersetzung gelesen werden, und leider hat Flasch nur einige Novellen übersetzt. Seltsamerweise gibt es ausgerechnet in Luthers Land auch keine brauchbaren Bibelausgaben. Und ausgerechnet in einem atheistischen Land wie Frankreich gibt es eine Bibel mit einem der besten Fußnotenkommentare, den ich je gesehen habe: die Traduction Oecomenique de la Bible, kurz TOB genannt. Von dieser Bibel gibt es auch eine italienische Ausgabe, und in Italien gibt es noch mehrere andere hochinteressante Übersetzungen und Ausgaben, sogar eine Bibel, die die Anerkennung von Protestanten, Katholiken und Orthodoxen fand und zusätzlich auch noch die Zustimmung des Rabbiners von Rom erhielt. Allein die Bescheinigungen dieser verschiedenen religiösen Einrichtungen zu lesen, ist ein Erlebnis. Die deutschen Theologen machen sich zum Hanswurst des Zeitgeists, und es scheint in Deutschland keinen einzigen großen Schriftsteller zu geben, der in der Lage ist, ihnen die Stirn zu bieten. Aber aus Mathias Matussek und Martin Mosbacher könnte noch was werden.

Jakob und Romulus sind zwei Symbole des Überlebens. Der eine ist ein Betrüger, der zusammen mit der Mutter den eigenen Vater betrogen hat, der andere ein Mörder, der den eigenen Bruder umgebracht hat.

Späher


Maßstab

Spaemann ist einer der wenigen, bei denen die Zeit des Nationalsozialismus - ähnlich wie bei Loriots Beschreibung der "Reichskristallnacht" - so anschaulich wird, dass nuancierte Proportionen erkennbar werden.

Als 14-jähriger Gymnasiast erlebt er in der Straßenbahn, wie ein junger Mann einen würdigen Alten mit Judenstern lautstark von seinem Sitzplatz vertreibt, um sich statt seiner zu setzen. Spaemann war in diesem Augenblick klar, »dass es jetzt nur eine anständige Weise des Verhaltens gebe könne, nämlich aufzustehen und dem Herrn meinen Platz anzubieten. Ich tat das nicht. Ich blieb sitzen. Ich hatte Angst. Bis heute schäme ich mich. In diesem Augenblick erfasste mich eine ungeheure Wut. Eine Wut gegen die, die es fertiggebracht hatten, mich zu diesem unwürdigen Sitzenbleiben, zu diesem Sieg der Feigheit, zu veranlassen.«

Den 21. Juli 1944, als das Scheitern von Stauffenbergs Attentat bekannt wird, bezeichnet er als düstersten Moment seines Lebens. Falls Hitler siegte, hätte er Gärtner werden wollen. Misstrauisch recherchierte er bei Ostfrontsoldaten nach dem Verbleib der deportierten Juden: »Nach einem halben Jahr wusste ich Bescheid. Ich wusste, dass sie vergast wurden.« Sein Fazit: Die Deutschen wussten nichts, weil sie es nicht wissen wollten. Vieles an dieser Jugend erinnert dabei an die Erinnerungen von Joachim Fest an dessen Aufwachsen in einem ebenfalls katholisch-antinazistischen Elternhaus.

Die Lutheraner setzten sich selbst durch ihre Offenheit und Aufrichtigkeit schachmatt. Die doppelbödigen Katholiken blieben handlungsfähig. Selbst der vielgescholtene Pius XII rettete Tausende verfolgter Juden. Der damalige Rabbiner von Rom trat nach dem Krieg zum Katholizismus über und nahm Pius XII zu Ehren dessen Namen als Taufnamen an. Aber der Katholizismus ist nicht nur doppelbödig, sondern auch zweischneidig. Jakob Taubes trifft den Nagel auf den Kopf. Er sagte einmal, er habe lange darüber nachgedacht, was Adolf Hitler, Martin Heidegger und Carl Schmitt verbinde und sei zu dem Schluss gekommen, dass es der Katholizismus sei. Friedrich Heer würde dem wohl zustimmen.

Spaemann ist sehr konsequent und akkurat. Er feindet die 68-er im Moment ihrer vitalsten Stärke unmissverständlich und proportioniert heftig an und wird trotzdem Heinrich Bölls Freund. Als er mit seiner Frau einen Abend bei ihm verbringt, werden sie hinter vorgehaltenem Maschinengewehrlauf für Ulrike Meinhof und Andreas Baader gehalten. Je präziser man ist, desto mehr ist man den Gefahren ausgesetzt, die von der Plumpheit ausgehen. Egal ob man Jakob Taubes heißt oder Robert Spaemann.

Dienstag, 6. November 2012

Montag, 29. Oktober 2012

Sonntag, 28. Oktober 2012

Wotan und Bacchus




Der dunkle Herbst kehrt ein voll Frucht und Fülle
Vergilbter Glanz von schönen Sommertagen.
Ein reines Blau tritt aus verfallner Hülle:
Der Flug der Vögel tönt von alten Sagen.
Gekeltert ist der Wein, die milde Stille
Erfüllt von leiser Antwort dunkler Fragen.

Und hier und dort ein Kreuz auf ödem Hügel;
Im roten Wald verliert sich eine Herde.
Die Wolke wandert übern Weiherspiegel;
Es ruht des Landmanns ruhige Gebärde.
Sehr leise rührt des Abends blauer Flügel
Ein Dach von dürrem Stroh, die schwarze Erde.

Bald nisten Sterne in des Müden Brauen;
In kühle Stuben kehrt ein still Bescheiden
Und Engel treten leise aus den blauen
Augen der Liebenden, die sanfter leiden.
Es rauscht das Rohr; anfällt ein knöchern Grauen,
Wenn schwarz der Tau tropft von den kahlen Weiden.




La nebbia a gl'irti colli
piovigginando sale,
e sotto il maestrale
urla e biancheggia il mar;

ma per le vie del borgo
dal ribollir de' tini
va l'aspro odor dei vini
l'anime a rallegrar.

Gira su' ceppi accesi
lo spiedo scoppiettando:
sta il cacciator fischiando
su l'uscio a rimirar

tra le rossastre nubi
stormi d'uccelli neri,
com'esuli pensieri,
nel vespero migrar.

Montag, 15. Oktober 2012

Oh wie so trügerisch - zwischen Arno, Donau, Inn, Cross River und Main




Biologie - Chemie - Theologie - Primatologie - Anthropologie

Tanzango

Konrad Lorenz war ein begnadeter Beobachter. Und wie der von Volker Sommer scheinbar widerlegte Joseph Ratzinger war auch Konrad Lorenz Katholik. Jedoch kein Katholik, der die katholische Glaubenslehre wortwörtlich genommen hätte. Sondern mehr so wie Luis Trenker, insofern seine forma mentis dem in den Tälern von Donau, Inn und Isar verbreiteten, zwischen Laster und Frömmigkeit vermittelnden, Gebräuchen entsprach. Über unsere moderne Zeit sagte Konrad Lorenz einmal (in "Der Abbau des Menschlichen"), dass dem "modernen Menschen die Fähigkeit, einem gesunden Laster nachzugehen, abhanden gekommen" sei.

Er wurde durch die neueren Erkenntnisse in ein paar Details bezüglich seiner Ansichten über das Verhalten der Vögel widerlegt, im Prinzip jedoch nur scheinbar widerlegt. 18% bis 43% der Eigelege in den Vogelnestern stammen nicht vom ständigen Partner des Vogelweibchens. Dass Konrad Lorenz das übersehen hat, kann überraschen. Denn die Vögel sind in gewissem Sinn katholisch. Es handelt sich da allerdings um einen etwas italienischeren Katholizismus als den alpinen (wenngleich "Der Pfau mit seinem langen Schwanz, der führt die Braut wohl zu dem Tanz" sich so anhört, als sei auch in deutschen Landen die Förderung der Zweisamkeit ein Pendant zur Tradition des Cicisbeo; und als hätten deutsche Bauern und Jäger etwas beobachtet, was Konrad Lorenz übersehen oder verschwiegen hat. Dieses Volkslied ist eines unserer ältesten - ab 1603 taucht der Stoff auf - , und es gibt davon unzählige, oft sehr derbe Strophen). In Italien gilt ein Mann schon als homosexuell, wenn er eine schöne Frau nicht versucht zu verführen, bloß weil er in die eigene Gattin verliebt ist. Natürlich nur unter Männern, in Abwesenheit weiblicher Ohren. Bei den Damen gilt er als einer, der es wert sein könnte, in Versuchung geführt zu werden. Wir Deutschen sind da sehr viel prüder. Alles hat seine zwei Seiten. Und "Non si può avere la moglie ubriaca e la botte piena": man kann nicht gleichzeitig eine besoffene Frau und ein volles Fass haben.

Scheinheiligkeit und echte Heiligkeit

In den deutschen Schulbüchern steht ein merkwürdiges Lied, das selbst in den volksliedfeindlichen 70-er Jahren in Deutschlands Gymnasien gesungen wurde, und das man für ein jahrhundertealtes Volkslied halten könnte, weil darin Wörter wie "König" und "Marketenderin" vorkommen. Dieses Lied, das das Thema Homosexualität zum Inhalt hat,  wurde aber erst 1920, also kurz nach dem 1. Weltkrieg geschrieben. Es ist jedoch nicht zeitlos, sondern eine damals zeitgemäße Elegie, die sich in ein altertümelndes Gewand kleidete und dadurch ihr Thema geschickt tarnte. Offenbar brachte die Mehrheit der Bevölkerung noch in den 70-ern Dinge wie Marketenderin und König nicht mit Homosexualität unter einen Hut (schon Ludwig II von Bayern hatte sich erfolgreich durch märchenhafte Entrückung getarnt), weshalb das Lied es, obwohl der Paragraph 175 in den 70-ern Homosexualität noch unter Strafe stellte, in leicht veränderter Form - im Originaltext heißt es noch "knabenfrische Wangen", statt "jugendfrische" - bis in die Schulbücher schaffte. Auch in einer Broschüre von Jörg Zink tauchte es mit einer an den Haaren herbeigezogenen Interpretation auf. Ich kann mich erinnern, dass mich die Unverständlichkeit des Textes irritierte. Aber da altertümliche Volksliedtexte oft etwas Unverständliches enthielten, über das man hinwegsang, weil die Lehrer in dieser volksliedfeindlichen Zeit die Texte nie erklärten und historisch kontextualisierten, wäre ich damals nie auf die Idee gekommen, dass hier von Homosexualität die Rede ist.

 

Der Wunsch ist immer Vater des Gedankens. Das gilt für die Gedanken der Väter wie der Nichtväter. Und auch für Volker Sommer. Und Indizien, die eine Theorie stützen, finden sich immer. Wissenschaftlich sind am Ende nur die falsifizierenden Beweise. Diese aber finden sich eben nicht immer (und manchmal überhaupt nie, möchte ich vermuten und behaupten). Man soll sich nicht zum Affen machen. Die oberhalb des Arnotals lebende Tochter von Konrad Lorenz wurde von einem jüdischen Psychoanalytiker geschwängert, der seine Patienten malt und mit diesen Bildern Ausstellungen macht. Mater semper certa est.

Natürlich ist es richtig, dass die Evolution darauf beruht, dass die Natur selbst immer wieder in Widerspruch zu ihrer eigenen "Natur" tritt und jedes neue natürliche Gleichgewicht von einst widernatürlichen Außenseitern ihren Ausgang genommen hat, wodurch die Natur eine neue Stufe betritt. Es ist umgekehrt aber nicht so, dass die Zerstörung eines Gleichgewichts per se schon zwangsläufig schon zu einem neuen Gleichgewicht führt, das die Evolution auf eine höhere Stufe heben kann; im Gegenteil.

Volker Sommer hebt zu Recht hervor, dass der Homo sapiens ein religiöses Tier ist, aber er übergeht wie eine homosexuelle Anna Karenina die banale Tatsache, dass es sich da um ein Tier handelt, dessen Fortpflanzung und soziale Strukturen auf Heterosexualität beruhen, wobei die Ausnahmen die Regel nur bestätigen, solange es ihnen nicht gelingt diese zu ändern. "Die gücklichen Familien sind sich alle ähnlich" beginnt Tolstojs Roman sehr richtig.
Daran würde sich auch nichts ändern, wenn die Primaten alle die spanische Staatsbürgerschaft erhalten sollten und ihnen in London Lehrstühle für primatologologische Anthropologie eingerichtet würden. Man verzeihe mir die Verwortelung dieses Begriffsungetüms. Sie ist nicht auf meinem Mist entstanden. Ich bilde nur ab, was Volker Sommer in letzter Konsequenz als Neues unter der Sonne vorschwebt (wobei der konsequente Theologe Sommer sicher auch ein Neues über der Sonne im Sinn hat): er möchte beweisen, dass es keine eindeutigen begrifflichen Unterscheidungen in der Biologie geben kann, die die Trennung der Kathegorien "Mensch" und "Affe" zulassen, und dass deshalb ein nomenklatorisches Umdenken wünschenswert sei. Freiheit gibt es aber nur dort, wo es auch Einbindung gibt, wohltuende Veränderung nur dort, wo die bewahrenden Elemente Schutz bieten und Evolution nur dort, wo das Bewährte durch die wenigen positiven Mutationen verbessert wird und durch Selektion die vielen schlechten Mutationen ins Aus fallen lässt. Es hat keinen Sinn, die Vergleichende Verhaltensforschung, die Konrad Lorenz aus der Vergleichenden Anatomie entwickelt hat, zu verbiegen, um sie den eigenen Träumen anzupassen. Solch privater Relativismus wird auch in der Epoche von Relativismus und New Age  (obwohl vielleicht tatsächlich ein Neues unter der Sonne mit großer Tragweite im Entstehen ist; wir kennen aber seine Gestalt noch nicht, wir spüren nur manchmal diese Tragweite und eine Unruhe, die die vage Vorsilbe "Post-" häufig werden ließ)  immer wieder Antirelativisten auf den Plan rufen, denen das Gemeinwohl am Herzen liegt. Auch wenn sie im Moment in der Defensive sind und nur eine verschwindende Minderheit darstellen. Die Tatsache, dass innerhalb des Rahmens unserer kollektiven, individuellen, onthogenetischen Schicksale die philogenetischen Einheiten als zeitlos angesehen werden, obwohl auch sie letztlich am Webstuhl der Zeit gestrickt werden, hat schon ihren Sinn! Da es aber - wie Richard Dawkins uns wissen lässt - russischen Züchtern vor einiger Zeit gelungen ist, innerhalb von nur 12 Generationen aus wilden Füchsen collieartige, anhängliche Hausfüchse herbeizuzaubern, wird dieser sensationelle Zuchterfolg, der die Annahme widerlegt hat, um sich den "besten Freund des Menschen" nach seinem Bilde zu schaffen, habe der Mensch Jahrhunderte oder gar Jahrtausende gebraucht, wohl die eugenetische Phantasie homosexueller und feministischer ÄrztInnen und JuristInnen in Zukunft sehr beflügeln. Befruchtung wird immer häufiger künstlich sein und sicherlich bald zwischen Gleichgeschlechtlichen stattfinden. Der Körper wird in steigendem Maß zum Fremdkörper, das Bewusstsein zu Shareware.

Jedenfalls ergänzen sich Wolf Singer und Volker Sommer prächtig. Während der eine mit einer neuen Gestalt uralter Argumente dem Menschen wieder mal den freien Willen abspricht (und diesmal sogar die Schuldfähigkeit) bügelt der andere diesen peinlichen Fehlschluss wieder aus, indem er den Affen die Fähigkeit zu Traum, Wunsch und bewusster Entscheidung zugesteht.

Bei Gerhard Roth hat man den Eindruck, erst liest er Gramsci, und dann schaut er nach, was im Gehirn am besten zu Gramscis gemäßigtem (die Errungenschaften des Bürgertums wahrenden) Marxismus und zu einem  säkularisierten Lutherismus der Verantwortung passt.


 Zeitloser als "Jenseits des Tales" ist gewiss ein ebenfalls sehr altertümlich wirkendes Lied, das aber erst 1952 von Felicitas Kukuck geschrieben wurde und erst seit wenigen Jahren als Volkslied Verbreitung findet. Eine so gelungene "echte" Fälschung, dass wahrscheinlich wirklich ein dauerhaftes, echtes Volkslied daraus werden kann.

Donnerstag, 4. Oktober 2012

1982


Mittwoch, 3. Oktober 2012

Modell Italien

Europa wird Italien immer ähnlicher. Je mehr Europa vorankommt, desto deutlicher wird dies werden. Hier ist ein erstes Stimmungsbild:

Messiah & Mephisto


Stimmungsstimme



Freitag, 21. September 2012

Da, wo wir empfindlich sind



Das zugedeckte Pferd

Dass schon das alte Testament von der Beschneidung des Herzens spricht, wusste ich gar nicht. Im neuen Testament ist immer wieder die Rede von der Beschneidung des Herzens. Ich hielt das für eine sehr gelungene von Jesus Christus erdachte Metapher, durch die etwas sehr Jüdisches fortgesetzt wird (und im Rahmen einer Umwertung aller Werte, wie durch Einführung einer neuen Währung und Konstitution, gleichzeitig uminterpretiert wird): die gezielte, messerscharfe Kürzung der menschlichen Natur, da, wo wir deutlich fühlen (wobei in der Bibel das Herz als Sitz der Intelligenz gilt, Intelligenz also mit der Fähigkeit zu fühlen zusammenhängt, egal, ob diese Gefühle angenehm oder unangenehm sind). Jakob wurde die Hüfte ausgerenkt. Schmerzhafte Beeinträchtigung ist in der Bibel oft ein angemessener Preis, der entrichtet werden muss, um den Preis einer besonderen Habilitierung zu erlangen. Eine Art spirituelle Doppelbuchführung.

Männer fühlen am deutlichsten mit dem Penis, Frauen mit dem Herzen, zumindest dann, wenn unter dem Herzen ein Kind wächst. Die Beschneidung des Herzens ist somit einerseits Attribut einer Religion, die weiblicher ist als die jüdische und erst recht die islamische, denn erst das Christentum hat die Beschneidung des Herzens auf ihre Fahnen geheftet. Andererseits beinhaltet sie durch diesen Aspekt auch deutlich die Kürzung des spezifisch weiblichen Egoismus. Und nichts ist ja egozentrischer als Intelligenz (auch die emotionale). Penis und Herz. Das sind genau die beiden Punkte, an denen ich dem Menschen auch rituelle Beschneidung nahegelegt hätte, wenn ich Gott wäre. Es sind die Schnittstellen, vermittels derer Gott die Kandare an seinem Ebenbild befestigt. Es handelt sich bei der Beschneidung um die jüdische Entsprechung von Platons Wagenlenker bzw. des chinesischen Ochsensymbolismus.




Das Ende Preußens


Otto Braun

Preußen war vor dem 2. Weltkrieg ein Bollwerk der Demokratie und wurde nach dem 2. Weltkrieg zum Sündenbock für die Verbrechen der Diktatur gemacht.

Dienstag, 18. September 2012

Scardanelli






Samstag, 15. September 2012

Apokalypse

Heute hat wieder mal so ein Pianist Buxtehude als wichtigsten Komponisten des deutschen Frühbarock bezeichnet und dabei vermieden zu erwähnen, dass Buxtehude Däne war. Woher nehmen diese pseudodeutschen Pseudopatrioten bloß ihre überhebliche Dummheit.

Wie schön, dass die Komiker nicht klüger als die Pianisten sind. Christian Ulmen lag heute daran klarzustellen, dass er es blöd fände, über die Bayern zu lachen, bloß weil sie Bayern sind; ihm gehe es darum, die katholische Kirche zu verarschen. Wann verarscht eigentlich endlich mal einer dieser oberschlauen Witzbolde die grimmige evangelische Kirche, die sich so viel auf ihre raunende Dogmatik einbildet?


Gott sei Dank gibt es Andy Borg. Er ist der Beweis, dass man Wiener sein kann und trotzdem nicht eingebildet oder affektiert zu sein braucht, sondern ein liebenswürdiger, cleverer Mensch sein kann.


Absolute Wellness


Wunderschöne, wunderschöne Sendung

Freitag, 14. September 2012

Pour le Roi de la Prusse


http://de.wikipedia.org/wiki/Christopher_Clark

Monarchie

Republik

Christopher Clark hat eine sehr schöne Dokumentation über Preußen aus englischer Sicht gedreht, bzw. aus australischer Sicht, was trotz mancher gegenseitiger Verwahrungen, durch die beide manchmal auf Distanz zueinander gehen, doch sehr ähnlich ist. Nur ist die Sicht dieses Australiers eben sehr, sehr viel "distanzierter" durch die geografische Entfernung seines Herkunftsorts, auch vom übrigen Europa; jedenfalls handelt es sich hier um die Sicht einer uns sehr ähnlichen Kultur.

Verwunderlicher als diese Dokumentation ist, dass Goethe in Sizilien, auf dem Marktplatz von Caltanisetta, auf so viel Verehrung für Friedrich den Großen stieß, dass er es nicht übers Herz brachte, den Menschen mitzuteilen, Friedrich sei verstorben, wie er kurz zuvor erfahren hatte. Verwunderlich nicht nur wegen der großen kulturellen Unterschiede, sondern auch der großen geografischen Distanz wegen, in einer Zeit, in der Nachrichten sich nicht schneller verbreiten konnten als Pferde. Das ist die Art von Kennzeichen, an denen man Größe erkennt und vox popoli tatsächlich mal zu vox Dei wird.






King Frederick II of Prussia was one of the greatest warriors and leaders in modern history, achieving unparalleled power for Prussia through the Seven Years War and lauded as a philosopher and cultured prince. Yet the reputation of both Frederick and his Prussia was to be brought into disrepute by the Allies' effort to pacify Germany after the Second World War. Historian Christopher Clark re-examines the life and achievements of one of Germany's most colourful and controversial leaders.






Deutsches Historisches Museum

Schlacht bei Roßbach

Battle of Rossbach

Schlacht von Leuthen

Battle of Leuthen

Choral von Leuthen




Schlacht bei Kunersdorf

Battle of Kunersdorf


"Militarism and bellicosity, militarism and warmongering are not the same thing. Prussia was not a warmongering state during the reign of Frederic the Great. In fact Prussia
has spent less time with war than any of the other major european powers". Christopher Clark



Es gibt tatsächlich keinen Wikipediaartikel über Johann Heinrich Christoph Franke

Hier ist noch die ZDF-Dokumentation - sie ist einerseits flapsiger, andererseits jedoch vollständiger, was die Dokumentation der Skrupellosigkeiten angeht. Inwiefern Friedrich damit im Zeitstil lag, ist allerdings nicht ersichtlich, und aus dem moralisierend-wichtigtuerischen Unterton zieht man besser keine voreiligen Schlüsse.
Besonders vertrauenerweckend ist eine Dokumentation nicht, wenn flapsig bemerkt wird, auch "ein selbsternannter größter Feldherr aller Zeiten" habe sich Friedrich zum Vorbild gewählt. Nicht Hitler selbst hatte sich dazu ernannt, sondern Generalfeldmarschall Keitel hatte ihn überschwenglich mit einigem Grund so bezeichnet. Nach einer strategischen Glanzleistung, die auf autodidaktisch erworbenem Wissen beruhte, das Hitler sich gerade erst während der Kriegsführung angeeignet hatte.

Es ist reichlich unangenehm, wenn man durch die überhebliche Wichtigtuerei von Ignoranten dazu gezwungen wird, Hitler zu verteidigen! Und erst recht, wenn es geschehen muss, weil das Zweite Deutsche Fernsehen sich wie eine der Kulturpolitik und dem Kultuswesen übergeordnete Instanz von Gottes Gnaden gebärdet, die Überparteilichkeit für sich beansprucht, ohne darzulegen, wodurch diese gewährleistet sein soll und Ignoranten dadurch unanfechtbare Fachkompetenz bescheinigt, dass es ihnen seine Sendeanstalt als Plattform für die Volkserziehung (auf griechisch "dema-gogie") zur Verfügung stellt. Wenns das Fernsehen sagt, muss es ja wahr sein... Auch diese pikante Mythenblüte gehört zum Thema "Lügen mit langen Beinen". Kultus ist eigentlich ein schönes Wort. Aber im Vordergrund sollten dessen Bedeutungen "Bildung, Erziehung, Anbau" stehen, nicht aber die Bedeutung "Kult", bzw. nicht so schlampig. Statt Ende Mai in der BRD das Hambacher Fest zu feiern, wird ab und zu im ZDF Hitler durch den Dreck gezogen. Es ist der Wahrheit nicht dienlich und auch sonst niemandem gedient, wenn man Hitler außer dem, was er tatsächlich vom Zaun gebrochen hat, auch noch Dinge anlastet und andichtet, mit denen er nichts zu tun hat. Die Dokumentationsreihe "Die Deutschen" des ZDF ist eine hervorragende Initative und ein begrüßenswerter Anfang, aber es wäre wünschenswert, wenn die Ausstrahlung der einzelnen Folgen mit Talkshows begleitet würden, bei denen sich Historiker, Politiker und Philosophen zu den jeweiligen Themen äußern würden. Dass man damit auch ein großes Publikum erreichen kann, hat Richard David Precht bewiesen, und wer auch nur einen Funken Verstand hat, spürt, dass geschichtlich gewachsene Gesinnungen, Geisteshaltungen, Mentalitäten und Zusammenhänge und das damit verbundene Selbstverständnis als Deutungsschlüssel der Gegenwart genauso aktuell sind wie die alltäglichen Ereignisse und Neuigkeiten der Aktualität.





Gut an der ZDF-Dokumentation ist, dass endlich mal hervorgehoben wird, dass sich außer Voltaire von Sans Souci kaum jemand angezogen fühlte und auch nicht dorthin eingeladen wurde. Carl Philipp Emanuel Bach war Hofmusiker bei Friedrich (und eines Abends kam der alte Bach zu Besuch). Aber Kant und Herder ließen sich nie dort blicken, obwohl es beide Preußen waren, und von Goethe und Schiller, Casanova und Mozart könnte man meinen, sie hätten in einer anderen Zeit und Welt gelebt. Friedrich komponierte von 1739 bis 1773, und seine Kompositionen sind wirklich nicht schlecht (mal angenommen, sie sind auch wirklich von ihm und nicht von seinem Flötenlehrer). Aber wenn man bedenkt, dass seine Werke ab 1749 gleichzeitig mit Haydns Werken entstanden, spürt man sofort wie statisch sie in einer soliden vertrauten Ästhetik verharren.

Arnulf Baring


http://www.arnulf-baring.de/

Montag, 10. September 2012

Sonntag, 9. September 2012

Pacta iam non sunt servanda

Eigentlich ist das Maß jetzt voll, und es müsste eigentlich Merkels Ende angefangen haben, weil jetzt ein Umdenken beginnen müsste. Denn Draghis Bereitschaft zu kaufen, kann nur dann Wirkung auf die Märkte haben, wenn die Bereitschaft als solche glaubwürdig ist, auch wirklich Bereitschaft ist. In dem Maße, in dem sie an Bedingungen gebunden ist, ist diese Bereitschaft aber keine Bereitschaft und kann den erwünschten Effekt auf die Märkte und die Zinsen nicht bewirken. Das Gerüst der Bedingungen, an die der Anleihekauf angeblich geknüpft sein soll, besteht daher lediglich darin, den hilfsbedürftigen Staaten Beteuerungen abzuringen, die wie alle bisherigen Zusicherungen auf geduldiges Papier geschrieben werden. Es ist nur Showgeschäft, um dem Medienzirkus ein Programm zu sichern. In Wirklichkeit kann der positive Effekt auf die Märkte nur dann eintreten, wenn an der Willigkeit der BZE, unbegrenzt zu kaufen, keine Zweifel bestehen.

"Die stärkste Kraft im Universum ist der Zinseszins.", soll Albert Einstein gesagt haben. Das ist aber nur dann so, wenn die Gewissheit besteht, dass man sie einstreichen kann.

Die eigentliche Krise besteht in der ständigen Ambiguität der Protagonisten und vor allem im kontinuierlichen Rechtsbruch. Dass beides aus pragmatischer Trägheit zur Routine werden wird, darin besteht die Italienisierung Europas.

Hinzu kommen die Halluzinationen der deutschen Journalistenkaste, die jedes Mal in Trance fällt, wenn von Italien die Rede ist. Draghi sei "sehr angespannt" gewesen, als er in die Pressekonferenz ging, hieß es im ZDF. Das genaue Gegenteil war der Fall. Draghis Körpersprache sprühte nur so vor Entspannung. Wie jeder Italiener, der auch wirklich ein Italiener ist (der ordnungsliebende Monti gehört wie Padoa-Schioppa eher zu den ganz seltenen Ausnahmen), fühlt sich auch Draghi im Chaos wohl wie ein Fisch im Wasser. Je ungemütlicher es für uns deutsche Weidmänner wird, desto ausgelassener und entspannter werden die Italiener. Das Chaos ist ihr eigentliches Element. Hierauf beruht ihre Schwäche, wo Ordnung notwendig ist, aber auch ihre Überlegenheit, wo Ordnung nicht möglich ist. Nichts hassen Italiener mehr als Ordnung, und nichts lieben sie mehr als die Umgehung oder Abwandlung der Bestimmungen. Das ist so im Spiel, und erst recht in Wirtschaft und Politik. Wo Übersichtlichkeit gewährleistet ist, wird sie verschwinden, sobald ein paar Italiener die Hand mit im Spiel haben, denn der eingrenzende Überblick über die eigene Interessenlage und die indirekte Einflussnahme sind die Grundelemente des italienischen Korporationswesens. Schlimm ist, dass kein einziger deutscher Journalist in der Lage ist, diese Zusammenhänge auch nur zu sehen, die für die italienischen Journalisten zu selbstverständlich sind, um sie zu debattieren. Die paar Italiener, die in Deutschland interviewt werden, hängen diese Binsenweisheit natürlich erst recht nicht an die große Glocke. Täten sie es, wären sie keine Italiener, und es würde sie ohnehin niemand verstehen in Deutschland.

Berlusconi sagt der BILD-Zeitung, er ziehe einem deutscheren Europa ein europäischeres Deutschland vor. So denken in Italien alle. Genau das ist das Problem. Ich hätte lieber ein deutscheres Europa, und ein europäischeres Italien, statt einem italienisierten Europa. Lieber gar kein Europa als ein italienisiertes Europa. Franz Josef Strauss sagte einmal: "Die Italiener kommen mit Verhältnissen zurecht, in denen das deutsche Volk längst ausgestorben wäre."

Dass Italiener so gut wie nie in deutsche Talkshows eingeladen werden - ganz zu schweigen von hochintelligenten Politikern wie Rocco Buttiglione, der außerdem sehr viel besser deutsch spricht als Leoluca Orlando - sei nur am Rande vermerkt: die Stimme eines der meistkommentierten Länder hat man in Deutschland noch nie gehört, weil nur Themen, die sich für elegische Verklärungen eignen, das Interesse deutscher Moderatoren wecken. Oder die Mafia und die Camorra. Aber auch diese Themen möchte eigentlich niemand verstehen. Man möchte nur das Gefühl haben, trotz verklärender Italiensehnsucht besser als die Italiener zu sein. Man ist sich von vornherein sicher, dass es nie eine deutsche Mafia geben wird. Aber niemand könnte eigentlich plausibel begründen, weshalb er diese Möglichkeit ausschließt. Zumal systematische Betrugsdelikte in Deutschland viel verbreiteter sind als in Italien, wo der Verkauf von Wundermitteln der bequemere Weg ist.

Man weiß in Deutschland nichts über Italien. Man weiß jedoch auch  in Italien nichts über Deutschland. In Italien nahmen schon in den 80-er Jahren Experten aus Amerika über Satellit an italienischen Talkshows und politischen Diskussionen teil, aber aus Deutschland oder der Schweiz, wo so viele Italiener arbeiten, wird nie jemand in die Studios der RAI gebeten. Der Durchschnittsitaliener ist deshalb nicht der einzige, der in Italien nie vom "Nettozahler Deutschland" gehört hat. Auch gebildete Italiener sind darüber nicht im Bilde, denn das ist in den italienischen Medien nun einmal kein Thema. Nicht einmal in Il sole 24 ore habe ich je darüber eine Reportage gelesen. Bereits 1993 flossen 20000 DM/Minute nach Spanien, stand damals in der FAZ. Und schon damals schüttelte man darüber den Kopf, dass deutsche Steuergelder nicht die Entwicklung ankurbelten, sondern zur Begrünung des Autobahnmittelstreifens verwendet wurden. In Italien können die Kommunisten auch heute noch unwidersprochen im TV behaupten, Deutschland habe nie für den 2. WK gezahlt. Und auch diejenigen, die gewöhnlich besser informiert sind, glauben allen ernstes, Italien nehme mehr Flüchtlinge und Asylanten als Deutschland auf, während Deutschland alle abschiebe. Unverrückbare, vorgefasste Meinungen, wohin man blickt. Seit Jahrzehnten. Dass es keinen Sinn hätte, aus dem Nähkästchen zu plaudern, wissen Giovanni Di Lorenzo und Markus Lanz sehr gut. Beide haben ihre Wahl getroffen und arbeiten nicht fürs italienische Fernsehen. Klaus Davi hat sich für Italien entschieden, und kämpft dort manchmal ein bisschen gegen Windmühlenflügel. Lilli Gruber und Michelle Hunziker pendeln zwischen Deutschland und Italien hin und her. Aber ihr Profil ist stromlinienförmig. Statt zu vermitteln vervollkommnen sie die Mythenbildung, indem sie ihren Zuschauern genau das sagen, was diese hören möchten.

Ambiguität und ständiger Rechtsbruch sagte ich. Vor ein paar Jahren waren wir entsetzt darüber, wie George Bush sich über Regeln hinwegsetzte, um Krieg mit dem Irak zu führen. Jetzt stecken wir selber bis zum Hals in illegalem Pragmatismus. Anders gesagt: das Jahrzehnte lang bewährte Modell Italien gibt Europa nun seit Jahren die Richtung vor. Seit kurzem geschieht es mit erhöhter Unbefangenheit, wenn auch immer noch ein kleines bisschen verblümt.

Bedingung und Gesetz; und aller Wille
ist nur ein Wollen, weil wir eben sollten,
und vor dem Willen schweigt die Willkür stille;
das Liebste wird vom Herzen weggescholten,
dem harten Muss bequemt sich Will und Grille.

Erschreckend ist die Merkelhörigkeit. Das ganze Land ist wie in Traum verfallen. Die Frau hat wirklich ein Händchen. Jeder heranwogenden Bedrohung begegnet sie mit dem Gleichmut eines Korkens und einem entschiedenen "Jein". Und die Menschen in Deutschland vertrauen ihr: die Führerin wird schon wissen, was sie tut. Und wenn Draghi ihr ein Zeitfenster öffnet, für das nicht sie, sondern er verantwortlich ist, um so besser. Nur schade, dass Draghi nie für etwas gerade stehen müssen wird und nicht mal riskiert, eine Wahl zu verlieren, dass der Rechtsbruch zur Routine geworden ist, dass das italienischer Stil ist (wobei das, was wir in Deutschland als pathologische Entwicklung empfinden, für die Italiener "nur" eine anthropologische Konstante ist) und Merkel den Schlawiner Draghi, den wir im Moment gerne als ihren rechten oder linken Arm sehen, mit ins Amt gehieft hat und damals alle lobend über ihn sagten, er sei ein rigoroser Preuße. Wenn man auf der Stirn einen Zettel hat, auf dem "Verarscht mich!" drauf steht, wird man eben irgendwann verarscht.

Jetzt, wo Merkel in Spanien ist, ist es lehrreich, sich das spanische Fernsehen anzusehen. Nichts von dem in Italien zu beobachtenden Hass ist in Spanien zu sehen. In Spanien hat Angela Merkel prominente Bewunderer, und man schätzt sie im allgemeinen. In der italienischen öffentlichen Meinung schätzt sie eigentlich niemand, und selbst die deutschfreundlichsten Journalisten haben keine Zweifel, dass Joschka Fischer Recht hat und dass niemand so vom Euro profitiert wie Deutschland und dass Deutschland am längeren Hebel sitzt, egal was kommen wird, und dass Deutschland sich seines Despotismus schämen soll und zahlen, zahlen, zahlen. Die in Deutschland lebenden Italiener sehen das auch nicht anders, wenn sie den Brenner in Richtung Süden hinter sich haben und wieder mal zu einem Familientreffen reisen. Aber sie hüten sich, das im deutschen Alltag so zu sagen.

Die antideutsche Haltung Italiens hat nichts mit Berlusconis Medienmacht zu tun oder mit den sogenannten Geoklischees, die sich linke Soziologen an deutschen Universitäten ausgedacht haben. Italien ist in vielerlei Hinsicht de facto Deutschlands Antipode. Mit dem Unterschied, dass die Italiener sich dessen bewusst sind, nie an diesem Gegensatz zweifeln und Deutschland nie verklären.

Berlusconi

http://storyarchitekt.blogspot.de/2012/09/gut-erkannt.html







Mittwoch, 5. September 2012

Freitag, 31. August 2012

Hamburg again und again



Jochen Distelmeyer, Anna Depenbusch, Milla Kay... Die Wiederauferstehung der deutschen Musik geht von Hamburg aus. Für Sie






Dienstag, 28. August 2012

John Brown



http://de.wikipedia.org/wiki/John_Brown_(Abolitionist)

http://en.wikipedia.org/wiki/John_Brown's_Body



"Bei der Sklaverei bleiben ist dasselbe wie einen Wolf an den Ohren zu halten: Man will ja gerne loslassen, aben man kann es nicht. Zu groß ist die Angst, gefressen zu werden." Thomas Jefferson

Montag, 27. August 2012

Vietnam



http://www.ellsberg.net/

Interessant ist, dass Ellsberg durch Franz Jägerstätter motiviert wurde. Woran ersichtlich ist, wie groß der Einfluss eines einzigen, sehr einfachen Menschen sein kann, der seinem Gewissen gehorchen möchte. Aber auch wie klein und letztlich vergeblich dieser Einfluss immer bleiben wird. Trotzdem gebührt solchen Helden Achtung. Sie sind keine Don Quijotes. Diese Helden sind wie Sisyphos.

http://de.wikipedia.org/wiki/Daniel_Ellsberg

Knalldeutsch

Im April wurde im Berliner Dom eine neue Fassung von Bachs „Johannespassion“ aufgeführt. Die Musik wurde nicht geändert, allerdings in einigen Passagen der Text. Begründung: Bachs Werk sei judenfeindlich, man könne es Menschen von heute nicht mehr unverändert zumuten. Die Initiative kam von einem Stuttgarter Kirchenmusiker, den ideologischen Unterbau lieferte der evangelische Theologieprofessor Peter von der Osten-Sacken, der sagt: „Es geht mir gegen den Strich, dass ein Text, der belastet ist mit einer Wirkungsgeschichte, die auf Kosten der Juden gegangen ist, unkommentiert weitergegeben wird.“

Diese vorauseilende Beflissenheit gegenüber dem Zeitgeist, diese Streberei in Gesinnungsdingen, dieser Denunziationseifer gegenüber der (tatsächlich: jeder) Vergangenheit zum elenden Zwecke eigener moralischer Heiligenscheinpolitur, diese knalldeutsche Symbiose aus Petze und Schulmeister, diese Lust am Ausradieren aus späterer "Einsicht", die nichts von ihrer eigenen Relativität wissen will, dieses feige Offene-Türen-Einrennen bei fingierter Couragiertheit: Man lernt letztlich bei den "Bewältigern" der NS-Ära mehr über den autoritären Charakter als bei den Historikern. (Klonovsky)

Man kann sich durchaus fruchtbare Gedanken darüber machen, wie und was an Dantes "Göttlicher Komödie" heute zu Ende gedacht werden muss, und man sollte sich auch bewusst sein, inwiefern Goethes "Faust" ebenfalls durch die Ereignisse un-zeitlos und unvollständig wurde. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass Goethe und Dante angesichts des Archipel Gulag solide, sinngebende Daseinsentwürfe bleiben, während sie gegenüber Auschwitz beide versagen und wie ein schöner Kahn aus morschem Holz wirken, mit dem ein zu breites Wasser überquert werden soll.

Aber diese plötzliche Unangemessenheit darf nur durch angemessene Kommentare ergänzt werden oder durch ein Werk, das Vergils, Dantes und Goethes Rang und langen Atem hat, während es völlig irrsinnig ist, das Johannesevangelium (das nun einmal "antisemitische" Aspekte hat, obwohl es aus dem Judentum heraus entstand) oder auch die Johannespassion durch Umschreiben und Rumkorrigieren zu verfälschen oder sonst irgendwie Adornos Behauptung, nach Auschwitz könne man keine Gedichte mehr schreiben, ernstzunehmen.

Interessant ist vielmehr, dass das Neue Testament - im Gegensatz zu Dante und Goethe - schon vor Auschwitz veraltet war (ganz zu schweigen vom Alten Testament). Eigentlich bräuchten wir ein wirklich neues, wie schon Gioachino da Fiore sich erhoffte. Aber alles, was dem Bewusstsein der Unzulänglichkeit dienlich ist, ist bis auf weiteres mehr wert als die Glätte makelloser Entsprechung. Das wirklich Große war immer zeitgemäß, unzeitgemäß und gleichzeitig zeitlos. Diese Formel ist jedoch seit Jahrzehnten der Insicuritas ausgesetzt.

Anno post finem Auschwitzi 67

1972



Freitag, 24. August 2012

Gesprächsrunde



„Das ist der ganze Jammer: Die Dummen sind sich so sicher und die Gescheiten so voller Zweifel“

Bertrand Russell

Mittwoch, 8. August 2012

Fast wie in Italien

"Am 29. Juli in der FAZ lobende Worte des Linksradikalen Dietmar Dath über den Rechtsradikalen Günter Maschke samt Hinweis auf dessen nicht mehr neues, aber neuestes Buch, was bei einer persona non grata wie Maschke und im herrschenden Klima notorischer Gesinnungskontrolle gegen "rechts" mindestens überraschend ist. Der FAZ-Autor Dath empfiehlt ausdrücklich die Lektüre des Antipoden – der übrigens in der FAZ seit vielen Jahren Schreibverbot hat – und endet mit dem Wunsch, dass sich hierzulande niemals eine Partei entwickeln möge, die Maschkes Denken in Taten umsetze. Wie generös! Immerhin ist Gevatter Dath bekennender Leninist! Und wie erhellend, was die medialen Machtverhältnisse in Deutschland betrifft!" (Klonovsky)



Als ich vor 30 Jahren zur Kenntnis nehmen musste, dass Italien völlig verblödet war durch einen Linkskonformismus, den man sich selbst heute in Deutschland nicht vorstellen kann, war mir bald klar, dass bis zum Jahr 2000 in Italien ein Rechtsruck erfolgt sein würde (seit 1985 rechnete ich fest damit, 1994 war es dann so weit). Damals hätte ich jedoch nie gedacht, dass ich einst in Deutschland  Linkskonformismus erleben würde (weniger crass, dafür jedoch umso eindimensionaler). Da dies nun aber so ist, gehe ich davon aus, dass in spätestens 30 Jahren in Deutschland ein Rechtsruck erfolgt sein wird. 1977 war ich Abonnent einer Zeitschrift, die nur 150 Abonnenten hatte. Einer der Autoren dieser Zeitschrift war Joschka Fischer. So wie es damals linke Keimzellen gab, gibt es heute rechte Keimzellen.

Beunruhigend an diesem Gedanken ist, dass, was in Italien als Farce in Erscheinung tritt, deren Wirkung immer durch allgemeines Chaos gebremst bleibt, in Deutschland nur eine ernste Gestalt annehmen kann, die bereits vorhandene, geordnete Bahnen nur zu übernehmen braucht. Das wäre eine Situation in der sich zeigen würde, ob es in der Piratenpartei Köpfe gibt, die sich bewähren können und in der Lage sind, eine verlässliche und starke Cybergewerkschaft zu schaffen.

Dienstag, 7. August 2012

Nationalcharakter



"Jan Fleischhauer hat via "Spiegel online" auf die inzwischen zwar stets bestrittenen, indessen mit Händen zu greifenden Unterschiede der Nationalcharaktere hingewiesen und sich dabei eines steilen Exempels bedient: Ob sich jemand vorstellen könne, dass ein Unglücksmanöver wie jenes der "Costa Concordia" inklusive anschließender Fahrerflucht auch einem deutschen oder britischen Schiffsführer unterlaufen wäre? Man kenne den vom Kapitän verkörperten Typus aus dem Strandurlaub: ein Mann der großen Geste und sprechenden Finger. Im Prinzip harmlos, man sollte ihn nur nicht zu nahe an schweres Gerät lassen. Soweit Fleischhauer.

Nun ist heutzutage sofort jeder gern beleidigt, wenn mehr oder minder statthaft verallgemeinert wird (das Augenzwinkern dabei sieht nie jemand), weshalb sich immerhin u.a. der italienische Botschafter beschwerte. – Womit wir wieder bei den Nationalcharakteren wären: Ein deutscher Botschafter, so viel dürfte sicher sein, hätte sich im umgekehrten Fall nicht beschwert. Der Deutsche ist das Bespöttelt- und  Angepinkeltwerden schließlich schon von daheim gewohnt.

O sole mio!

 Angela Merkel erlebt gerade ihr finanzpolitisches 1914. Wieder eingekreist. Und wieder keine passablen Verbündeten. Und wieder Amerika auf der Seite der anderen. Und wieder keine vernünftige Diplomatie. Und wieder keine taugliche eigene Propaganda. Und wieder zahlreiche Sympathisanten der anderen im eigenen Land, ja sogar im eigenen Parlament. Und dabei so viel Wohlverhalten gezeigt, so viel historische Reuebekundungen, so viel symbolische Unterwerfungen, und zwar mit wachsender Intensität, je mehr das Dritte Reich zurückliegt, brav auf die Ostgebiete verzichtet (ohne im mindesten mit den Leiden der Ermordeten und Vertriebenen und dem Völkerrechtsbruch dahinter diplomatisch zu wuchern), inzwischen sogar brav auf deren Erwähnung verzichtet, alle Untaten des 20. Jahrhunderts auf den deutschen Scheitel gehäuft, auf die Mark verzichtet, bis heute auf Souveränität verzichtet, und das Militär ruiniert, und die Universitäten ruiniert, und das eigene Land in Schulden gestürzt, um den anderen Geld zu geben, und die genetische Wolfssubstanz brav mit Zuwanderern verdünnt  – und wieder umzingelt, und wieder sind die Bösen wir...

Man muss in Sachen EU nur ein einziges Gedankenexperiment anstellen: Wie würde der ganze Laden laufen, wenn Deutschland einfach nicht existierte? Nun, überhaupt nicht. Es gäbe ihn nicht. Die Idee einer bundestaatartigen Union wäre von vornherein als völlig absurd verworfen worden. Nur gegen Deutschland hat die EU einen Sinn, und sie wird nicht ruhen, bis das Land finanziell erdrosselt ist, bis der Streber endlich für immer am Boden liegt. – Dass Deutschland selber mitspielt, macht die Angelegenheit zumindest für spätere Historiker pikant. Die Streberei auch im Besiegtsein ist schließlich ein weiterer Beleg dafür, dass es sich um ein außergewöhnliches, aber auch außergewöhnlich närrisches Volk handelte. 


Als er noch Bundespräsident war, hat Wulff eine Rede zum 300. Geburtstag von Friedrich dem Großen gehalten. Darin lobte er unter anderem die tolerante Einwanderungspolitik Preußens. Das stand schließlich irgendwie in Zusammenhang mit seiner Aussage, der Islam gehöre zu Deutschland. Über das preußische Dienst-Ethos dagegen – im Idealfall verwendete ein friderizianischer Beamter einen Bleistift für die dienstliche, einen separaten für die private Korrespondenz – sprach Wulff nicht.

Wo Wulff recht hat, hat er's. In Preußen hätte es keine Proteste gegen Moscheen und kein Plebiszit über Minarette gegeben. Seit dem Potsdamer Edikt des Großen Kurfürsten von 1685 über die Aufnahme der in Frankreich verfolgten Hugenotten stand Brandenburg-Preußen für Religionsfreiheit und weitgehendes Asylrecht. „Wenn Türken und Heiden kämen und wollten das Land peuplieren, so wollen wir ihnen Moscheen und Kirchen bauen“, lautet eine viel zitierte Bemerkung Friedrichs. Die während des Siebenjährigen Krieges angeworbenen Bosniaken etwa erhielten nicht nur Wohnungen und Gebetsräume in Potsdam, sondern auch einen eigenen Heeres-Imam.

Allerdings hat Wulff in seiner Rede die Bedingungen unterschlagen, die Preußen seinen Zuwanderen stellte. Jedenfalls haben keine Hugenotten-Clans in Berlin mit Drogen und Prostituierten gehandelt, Schutzgeld erpresst und, wenn schon mal gegen sie ermittelt wurde, Justizbeamte bedroht. Keine Jugendgangs aus den Vierteln der Salzburger Protestanten machten nachts die Straßen unsicher und stürzten sich mit „Scheiß Preußen!“-Rufen auf Einheimische. Niemand kam nach Preußen mit der Idee im Kopf, sich sein Leben vom Staat sozialfinanzieren zu lassen, weil er keine 24 Stunden später wieder draußen gewesen wäre. Dieser Staat ließ seiner nicht spotten, was seine Attraktivität nicht minderte. Kurzum: Die preußische Einwanderungspolitik war in der Tat vorbildlich.

Das erwähnte der Präsident der Schnäppchenjäger leider nicht. Immerhin lobte er Friedrichs Maxime, in seinem Land dürfe „jeder nach seiner Facon selig werden“. Auch da vergaß der Bundespräsident freilich, darauf hinzuweisen, dass diese heutzutage ja vor allem ins Politische zu erweiternde Toleranz in seinen Kreisen gegenüber jenen deutlich nachlässt, die rechts von der CDU stehen." (Klonovsky)

Dass die EU nur gegen Deutschland einen Sinn hat, halte ich für eine optische Täuschung. Die von Bismarck verwirklichte Einung Deutschlands hatte ja schließlich auch nicht "gegen Preußen" einen Sinn und schon gar nicht nur gegen Preußen. Sie wurde damals vor allem als Schutz vor Frankreich propagiert (z.B. Ernst Moritz Arndt) aber auch als Schutz vor den Monarchen (z.B. Hofmann von Fallersleben, der auch unsere Nationalhymne schrieb). Dabei hatte eigentlich Napoleon die Einung Deutschlands ins Rollen gebracht, indem er dem deutschen Kleinstaatenindividualismus ein Ende machte, bzw. wenigstens die Zahl der Kleinstaaten drastisch reduzierte. Bismarck ging es darum, dieses postnapoleonische deutsche Land zwischen Frankreich und Russland das Schicksal Polens zu ersparen. Insgesamt kann man sagen, dass im Zeitalter von Telegraph und Lokomotive eben eine größere geografische Einheit zeitgemäß wurde. Ebenso ist im Zeitalter von Satelliten, Internet und Interkontinentalflügen und -raketen eine noch größere geographische Einheit von Vorteil, wenn man nicht nur wirtschaftlich, sondern auch politisch und militärisch Gewicht haben möchte auf Kugel Earth.

Zum ersten Mal wird versucht, eine solche angemessenen und zeitgemäße, dem technischen Stand der Dinge entsprechende Gebietsvereinheitlichung nun ohne militärische Gewalt zu verwirklichen. Deutschland entstand durch preußische Eroberung, und Italien durch einen Eroberungszug Piemonts. Dass kleine Einheiten ihre Souveränität zu Gunsten einer größeren Einheit im Konsens abgeben, ohne durch den Druck einer Übermacht dazu gezwungen zu werden, ist unwahrscheinlich. Aber man versucht es. Sobald außerhalb Deutschlands jedoch deutscher Druck spürbar wird, macht das Wort vom Vierten Reich die Runde.

Italien hat gewonnen


Niederlage

Marschrichtung

Überblick

Montag, 6. August 2012

Premier in Italien

Der erste, der sich mehr Handlungsspielraum wünschte, um die italienischen Probleme lösen zu können, war Giuliano Amato, einer der besten Ministerpräsidenten der letzten 30 Jahre. Er bat das Parlament tatsächlich, ihm für 4 Jahre eine Art Blankovollmacht zu geben. Das war 1992. Schon damals waren die italienischen Staatsschulden so hoch wie das Bruttoinlandsprodukt. Natürlich wurde ihm die Vollmacht nicht gewährt.

Dass Berlusconi beklagte, ein italienischer Ministerpräsident habe weniger Spielraum als ein Bürgermeister, ist wahrscheinlich bekannt. Jetzt ist Monti an der Reihe. Man kann die Pragmatiker unter den italienischen Ministerpräsidenten an Hand dieses Wunsches von denen unterscheiden, die sich bereitwillig damit abfinden, dass alles in Sachzwängen ersticken muss.

Spiegel

Samstag, 4. August 2012

Jaromír Weinberger




Tolle Handlung, tolle Musik! Das ist ein Meisterwerk



Großartige Aufführung!

Raoul Wallenberg


Heute vor hundert Jahren wurde Raoul Wallenberg geboren.

http://www.raoulwallenberg.se/

http://raoulwallenberg.org/

http://www.jewishvirtuallibrary.org/

Gershon Kingsley und Michael Kunze

Raoul

http://www.j-zeit.de/

Nikolaus Lenau



http://de.wikipedia.org/wiki/Nikolaus_Lenau

Der arme Pfarrer Stalter, der mich konfirmiert hat, war sehr krank. Nicht darauf, lange zu leben komme es an, sondern auf die Qualität des Lebens, sagte er mal voller hilfloser Bitternis. Als junger Mann war er kräftig und gesund und ging als Missionar nach Brasilien. Aber eines Tages in der Sommerhitze bei einer Beerdigung wurde ihm schwarz vor den Augen, und seitdem litt er sehr. Dostojewski, Borges und Kierkegaard bedeuteten ihm nicht weniger als Luther. "Drei Zigeuner" war sein Lieblingslied.

Lenaus Faust

Freitag, 3. August 2012

Ἀλέξανδρος ὁ Μέγας


CSU-Generalsekretär Dobrindt hat EZB-Präsident Draghi vorgeworfen, die Europäische Zentralbank für italienische Interessen zu missbrauchen. Es sei auffällig, dass Draghi immer dann aktiv werde und über die EZB Staatsanleihen kaufen wolle, wenn es in Italien mal wieder eng werde, sagte Dobrindt dem Berliner "Tagesspiegel". Auch Draghi müsse sich an die Verträge halten, und die sähen vor, dass die EZB keine Staatsanleihen kaufen dürfe. Dobrindt meinte weiter, Draghi müsse sich entscheiden, auf welcher Seite er stehe: auf der der Stabilitätsunion oder auf der Seite der Krisenstaaten, die versuchten, still und leise an deutsches Steuergeld zu kommen.

Ich hätte nicht gedacht, dass in Deutschland jemand genug Rückgrat haben würde, einen Interessenkonflikt anzusprechen, der nie zur Ernennung Draghis hätte führen dürfen. Die Position des Direktors der Zentralbank ist ohnehin auch in gemütlicheren Zeiten bedenklich undemokratisch (wie Karl Popper in seinen letzten Lebensjahren an der des Direktors der deutschen Zentralbank bemängelte, nach deren Vorbild dann die europäische gestaltet wurde), weil sie sehr viel Macht mit sich bringt, aber völlig von demokratischer Amtseinsetzung abgekoppelt ist. Unverantwortlich war es, diesen Interessenkonflikt zu schaffen, als die jetzige Krise gerade einen ihrer Höhepunkte hatte und keine Veranlassung bestand, ein kurzfristiges Abklingen zu erwarten, sondern im Gegenteil, eine Ausweitung, die Italien mit sich reißen würde. Und das, nachdem man 17 Jahre lang über die skrupellose Leichtfertigkeit des italienischen Umgangs mit Interessenkonflikten gewettert hatte. Wie standhaft Draghi sich innerhalb eines Interessenkonflikts verhält, ist dabei sogar völlig unerheblich. Ein Direktor der EZB darf sich schlicht und einfach nicht in einem solchen Interessenkonflikt befinden. Denn es ist ja nicht so, dass man in Europa keine Alternative zu Draghi gehabt hätte!

In Italien war es etwas anders. Dort hat man Berlusconi im Vertrauen darauf, dass er sich standhaft verhalten würde, Regierungsverantwortung mehrmals durch freie Wahlen übertragen, weil man die Alternative zu ihm nicht wollte.

Draghi

Meridionalisierung Europas

Den Begriff "das Vierte Reich" habe ich zum ersten Mal in den Monaten vor der Unterzeichnung des Maastrichter Vertrags gehört. Die Mauer war keine drei Jahre verschwunden damals. Da wurde schon darüber nachgedacht, wie man Deutschland am besten Zügel anlegen könnte. Es war damals ein Slogan der Kommunisten. Aber der Konsens, auf dem er fußt, ist in Italien leider allen Parteien gemeinsam, sozusagen überparteilich, bzw. interparteilich. Und er zeigt jetzt, dass er Gewicht besitzt.

Zwischenbilanz

Donnerstag, 2. August 2012

Dienstag, 31. Juli 2012

Nebel in Paris



John Searle fragte einmal seinen Freund Michel Foucault, weshalb er so schlecht schreibe. Foucault antwortete, "Wenn ich so klar schriebe wie du, würde mich in Paris niemand ernst nehmen."