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Donnerstag, 20. Februar 2014

Drei ungewöhnliche Konversionen


planet-wissen

Tom Franz trat also zum Judentum über. Ich kann ihn verstehen. Es ist immer noch eine großartige Religion, die faszinierende Sinnbildungen anbietet. Aber man tritt nicht einfach so über.
Das hört sich so einfach an. Ist es aber nicht. Nur Dummköpfe treten leichtfertig zu einer Religion über, und nur Dummköpfe nehmen leichtfertig Proseliten auf. Man muss schon bessere Beweggründe haben als den Wunsch nach Buße, wenn man Jude werden will. Die Juden können keine zerknirschten Deutschen, die Erlösung bei ihnen suchen, gebrauchen und sind auch von diesem spezifischen Problem einmal abgesehen nicht besonders an Konvertiten interessiert und nicht leicht zu überzeugen. Sie missionieren im Gegensatz zu den Christen nicht. Sie stehen nicht im Auftrag, ein Evangelium aller Welt zu verkündigen und halten die Hürde für Neuzugänge eher hoch.




In Deutschland hört man zu Papast Pius XII immer nur Häme. Er sei "der Papst des Führers" gewesen, heißt es seit Hochhuths "Der Vikar". Es wird generell gern über die Katholische Kirche gespottet, je weiter man sich vom Main aus nach Norden bewegt, desto hemmungsloser.

Ich will es kurz machen. Die evangelische Kirche spaltete sich damals: die "Deutsche Christen" stellten sich hinter, vor und neben Hitler (und sahen sich dabei womöglich auch noch in Luthers Fußstapfen: Von den Juden und ihren Lügen),  die "Bekennende Kirche" stellte sich entschlossen in die Fußstapfen Luthers ("Hier steh ich, und ich kann nicht anders") und war dabei sogar edler und mutiger als er. 

Klug war das nicht! Sie wurde handlungsunfähig, und Bonhoeffer wurde im KZ Flossenbürg gehängt.
Die katholische Kirche war pfiffiger. Bzw. sie hat 1500 Jahre mehr Erfahrung. Sie leistete sich in Deutschland die geniale symbolische Geste von Xanten: Eine schallende Ohrfeige für Siegfried.
Ansonsten hielt sie sich bedeckt. 1934 stellte der Vatikan zum ersten Mal eine Frau ein: eine deutsche, jüdische Wissenschaftlerin. Auch eine symbolische Geste. Im Verborgenen half man Tausenden (wenigstens ein paar Tausend von all den Millionen), denn - anders als die Lutheraner - hatte man sich einen gewissen Handlungsspielraum erhalten, indem man es vermied, Grundsatzerklärungen wie "Hier steh ich, und ich kann nicht anders" abzugeben. Wenigstens für den lieben Gott sollte man vortäuschen und auch lügen können, auch wenn der Heilige Michael (Nationalheiliger der Deutschen) - im Gegensatz zum Heiligen Franziskus (Nationalheiliger der Italiener) - lieber das Schwert benutzt.

Unter den Geretteten war auch Israel Zolli, der Oberrabbiner der Gemeinde von Rom, einer der ältesten jüdischen Gemeinden der Welt. Zolli trat nach dem Krieg zum Katholizismus über, und um Pius XII (mit bürgerlichem Namen Eugenio Pacelli) zu ehren, nahm er bei der Taufe den Vornahmen Eugenio an.




Hermine Speier ist die jüdische Archäologin, die Pius XII 1934 einstellte. Auch sie trat zum Katholizismus über. Hier ist ihre Geschichte.

Artikel in "Il foglio"


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