Stationen

Samstag, 7. März 2015

La cucaracha

Die Zergliederung schreitet fort. Wenn nicht grimmig wie in Schweden, dann eben sweet and easy wie in Australien. Was vor 40 Jahren als Variante des Menschlichen noch amüsant, außergewöhnlich und minoritär war, ist jetzt totalitär und breitspurig ("in der Mitte der Gesellschaft angekommen"). Nicht nur in den Vorratskammern soll das in Jahrhunderten angehäufte Gut den Küchenschaben ausgehändigt werden, in jedem Haus soll Zugang zur Speisekammer gewährt werden. Und man möchte mit dem Finger auf mich deuten und mich als menschenverachtenden Polizist bezeichnen, weil ich die Kraft der Ordnung schätze und um den Schwund, die Flachköpfigkeit und den verhexten Ritt der Entropie zu veranschaulichen ein Bild von Ungeziefern wähle. In Wirklichkeit bedeutet es nur, dass selbst die hartnäckigsten Relativierer vor den Blatten endlich haltmachen und kon-servativ werden.

Durch das Angebot von Willkür, Diskontinuität, Beliebigkeit, prinzipieller Akzeptanz und Entwurzelung wird die sexuelle Identitätsfindung nicht erleichtert, sondern noch zusätzlich erschwert. Auch greift auf Seiten der "Experten", die als "wissenschaftliche" Schreibtischtäter, Dozenten an den Hochschulen und erzieherischer Handlanger an Schulen und KiTas tätig sind eine Verschematisierung um sich, deren Brutalität und Plumpheit geschichtlich wohl präzedenzlos ist. War es bereits vor 40 Jahren möglich, dass eine völlig unverfängliche Geste der Aufmerksamkeit und Zuneigung zu einer befreundeten Person desselben Geschlechts von Dritten als Homosexualität gedeutet wurde, wird es in Zukunft schon für Kleinkinder schwierig werden, sich diesem Deutungsdruck zu entziehen. Die unsägliche Verblödung, mit der mittlerweile über diesen Kamm geschoren wird und eine Art Wettlauf der Fortschrittlichkeit entsteht, dessen Ausrichtung durch und durch ideologisch ist, so sehr er auch mit statistischen Erhebungen einer vermeintlichen Wissenschaftlichkeit wegen unterfüttert wird, ist umso siegreicher, je kompakter ein Volk ist und je konformistischer es sich auf der vorgezeichneten Bahn durch die Zeit wälzt. Aber auch im familistischen, undisziplinierbaren Italien ist die sexuelle Orientierung seit über 3 Jahrzehnten obsessives Hauptthema an den Tischen der Restaurants (obwohl vor 20 Jahren mit Mani pulite und Berlusconi ein völlig neuer, ewig aktueller Kanal hinzukam).

Partikularisierung, gesellschaftliche Verinselung und Vereinsamung werden noch mehr überhandnehmen, wenn die frühkindliche sexuelle Orientierung betreffend die Aleatorik zum zentralen Grundrecht erklärt wird und die Tatsache, dass die Menschen nicht nur Freiheit brauchen, sondern auch Verbundenheit, kulturelle Einbindung in einen Diskurs geschichtlicher Kontinuität, Zugehörigkeit und Verwurzelung immer mehr in den als reaktionär gebrandmarkten Hintergrund verbannt wird. Aber die Verschwörung der Idioten ist unaufhaltsam und die cool Tour endlos. Es ist als wühle Occam's razor in den Eingeweiden.

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