Montag, 31. August 2015

Hell und Dunkel

30. August 2015

Interessante Liste über die Ursachen von Bränden in hiesigen Asylbewerber- oder Flüchtlingsheimen: Wenn ich mich nicht verzählt habe, gab es 89 Feuer, derer 48 von Bewohnern verursacht oder gestiftet wurden (künftiges "Helldeutschland"), 14 hatten wahrscheinlich einen fremdenfeindlichen Hintergrund ("Dunkeldeutschland") – wobei mitunter die Rede von "unbekannten" Tätern ist –, der Rest ist ungeklärt (Versicherungsbetrug? Antifa? Schlapphüte?). Man kann davon ausgehen, dass sowohl Merkel als auch Gauck als auch die Genossen Propagandisten von beispielsweise Spiegel online über dieses Zahlenverhältnis recht gut im Bilde sind, zumal Letztere, denn sie müssen ja in jedem Fall entscheiden, was sie beschweigen und was groß aufblasen.

Nachdem vor kurzem Flüchtlinge, nein: Schutzsuchende ihre Herberge im thüringischen Suhl mehr elan- denn kummervoll in deren Bestandteile zerlegt hatten – wie günstig, dass Heidenau dazwischenkam und unsere Medienschaffenden die multikulturelle Kirmes zu Suhl ignorieren konnten –, beteuerten führende Einwanderungslogistiker, dass es sich keineswegs um "Pack" handele, sondern nur die Zusammenlegung so vieler Menschen in den Unterkünften, mithin also die mangelhafte Willkommenskultur, mithin also Düsterdeutschland, für solche Vor- und Zwischenfälle verantwortlich zu machen sei; besonders Avancierte erklärten, man müsse die verschiedenen Ethnien getrennt unterbringen, um Konflikte zu vermeiden, eine klassische NPD-Forderung übrigens, sofern man die Deutschen einbezöge (für die gilt es aber nicht).

Merke: "Die Begegnung der Völker ist ihrer Verständigung nicht dienlich." (Johannes Gross). Zumindest nicht unterhalb eines bestimmten Einkommensniveaus.

Im Übrigen sind Binnenraufereien, wie in Suhl besonders elaboriert vollführt, in deutschen Ausländerheimen an der Tagesordnung, Mord und Totschlag zuweilen inclusive, und wenn ich nichts übersehen habe, stammen hier die Täter durchweg aus dem Kreise der Verfolgten und Hilfesuchenden, wie auch die wachsende Alltagskriminalität im Umkreise der spontan gestifteten Herbergen, von Diebstahl bis Raub, Körperverletzung und Vergewaltigung, sich ganz ohne die Beteiligung von Dunkeldeutschen ereignet (also auf Seiten der Hämmer, als Ambosse müssen sie schon herhalten). Gleichwohl handelte es sich bei den Randalierern von Heidenau um Pack, nur eben kein solitäres, sondern bloß einheimisches, und die meiste Angst müssen Flüchtlinge bzw. Einwanderer bzw. Asylforderer vor ihresgleichen haben.

Erhellend für die Diagnose des Geisteszustands gewisser Wortführer dieses Landes war überdies das verdruckste Herumeiern der Berichterstatter nach dem Doppelmord vor laufender Kamera, der sich letzte Woche im amerikanischen Virginia ereignete, als sich herausgestellt hatte, dass der Täter ein Schwarzer war – sowie das jähe Verschwinden jeglichen Medieninteresses an dem Verbrechen daraufhin (noch der letzte Volontär weiß heutzutage genau, für welches Thema er ein Bienchen bekommen kann und von welchem er besser die Finger lassen sollte). Hier konnte der verblüffte Leser zuletzt nur noch erfahren, dass es der Rassismus der Weißen war, der den Mann "zu Tat und Tod" (Wagner: Die Walküre) gedrängt hatte.


In seinen Tagebüchern aus der NS-Zeit erwähnt Victor Klemperer eine Dresdnerin (sic!), die, als sie vom Tod ihres Mannes an der Front erfährt, hysterisch herumschreit "Schuld der Juden! Schuld der Juden! Schuld der Juden!" Etwas weniger hysterisch, weil eben persönlich kaum betroffen, indes vergleichbar beharrlich echolaliert ein irgendwie ähnlicher Typus heutzutage stattdessen: Schuld der Deutschen! Schuld der Weißen! Schuld des Westens!

Klonovsky am 30. August


Bright & Dark

"Wenn sich die Völker besser kennen würden, würden sie sich mehr hassen." Ennio Flaiano


Freitag, 28. August 2015

Les Murray

(übersetzt von Margitt Lehbert)


Die Annalen der Jähe

Wie ein Sprung in einer Windschutzscheibe
windet sich dieser alpine Schafpfad
um vorspringende Felsen der Jähe
nirgendwo eine Leitplanke
wie Spinngewebe um einen Mantel
fädelt er sich durch die nackte Steinwelt,
zu steil, Erde haften zu lassen,
nackt wie die Not der Armen.

Hochplateau-Weiden müssen großartig sein
und auf diese Weise dorthin zu gelangen
oder wieder hinabzukommen muß Tage sparen
sonst hätten Männer sich nie zentimeterweise
über Quergänge bewegt, irgendwann nach der Eiszeit,
um dann mit Stoß und Hammer
Erinnerungen über die Kante zu werfen und
einen Steig zu keilen, zwei Schafe breit.

Im internationalen Zeichencode
wäre das mein Piktogramm für
den blanken Horror, doch Generationen
haben ihre Herden dieses Fallrohr
hinauf- und hinabgeführt, wo jeder Spurt
und jedes Innehalten im aufmerksamen Gehen
ein Überschießen erlaubt und den tiefen Sturz
zu Wölkchen des Zerschmetterns, zu Vernichtung,

die diese Männer das ruhige
Geschick hatten, auf frisch gefrorenen
Nebeltritten zu verhindern,
noch bevor Hammer auf Eisen erklang.

The Annals of Sheer
Like a crack across a windscreen
this Alpine sheep track winds
around buttress cliffs of sheer
no guard rail anywhere
like cobweb round a coat
it threads a bare rock world
too steep for soil to cling,
stark as poor people's need.
High plateau pasture must be great
and coming this way to it
or from it must save days
for men to have inched across
traverses, sometime since the ice age,
and then with knock and hammer
pitching reminders over-side
wedged a pavement two sheep wide.
In the international sign-code
this would be my pictograph for
cold horror, but generations
have led their flocks down and up
this flow-pipe where any spurt
or check in deliberate walking
could bring overspill and barrelling
far down, to puffs of smash, to ruin
which these men have had
the calm skills, on re-frozen
mist footing, to prevent
since before hammers hit iron.


Wahre Geschichte

Ein Mann nähert sich der Kante
seines Lebens, das gescheitert ist.

Er blickt die gigantische Wand
aus Stein hinab auf die Meeresfelsen
weit unten. Sie scheinen wie die Zähne
eines weißgrünen Gezeitenmixers
der ihn nicht im Stich lassen wird. Er springt
in dem Moment, wo die mächtigste Welle
die je in Sydney aufgezeichnet wurde
im Schornstein des Gap an Höhe gewinnt wie
ein Lastenaufzug, wie der anschwellende
Schmauch vor einem Silo für ballistische Raketen
wie ein gischtbedeckter kosmischer Airbag
der ihn empfängt und dann selber so schnell
zurückfällt, daß der Mann nicht nur nicht sinken kann
sondern sich an dem immer schmaleren Donnerdach
aus ertrinkenden Möwen festklammern muß
und das Einstürzen ist dann so reichlich
daß er Stockwerke über dem tödlichen Schaum
vom Strömungssog eine ganze Meile
von den Felsen weggespült wird,
dem schnellen Rettungsboot überlassen.

Noch ein Fehlschlag? Und doch machte seine Rettung
den Eindruck eines gebieterischen Zorns.
 
True Yarn
A man approaches the edge
of his life, which has miscarried.
He looks down the enormous wall
of rock to the ocean-boulders
far below. They seem the teeth
in a white-green tidal blender
that won't fail him. He launches
off, just as the mightiest wave
ever recorded at Sydney gathers
lift in the chimney of the Gap like
a freight elevator, like the swelling
fore-smoke of a ballistic missile silo,
like a foam-faced cosmic air bag
that receives him, then drops back
so fast he not only can't sink
but has to cling to its narrowing
thunder-roof of drowning seagulls
and the collapse is so abundant
that, storeys above the death-studs,
he is surfed away in the wash
a mile clear of the cliffs
and left to the fast life boat.
More failure? Yet his rescue looked
like a wrathful peremptoriness.


Eine australische Legende

Es ist jene Tageszeit
wo die Schatten sich zurückziehen wie Tiere
und unter ihren Bäumen Zuflucht suchen

wo sich der Schatten auch verengt
dort am Netzwerk von Wasserläufen
die alte Baumlinien und Flut wiederholen

all diese Entwässerung endet abrupt
an einer Landschaft von Salzmarschen
in denen wippende Vögel stapfen

dies ist das uralte Meeresufer
wo die Tante in ihrem zaubergetriebenen
Boot den jüngeren Bruder raubte

und von der großen Männerinsel auf die Insel
der linkshändigen Frauen brachte
welche Männer ohne Warnung töten

wilde spiegelverkehrte Kämpferinnen
ihr Arm überkreuzt nicht die Brüste
sie greifen von deiner eigenen rechten Seite an

es verlangte Gehorsam und Disziplin
als der Jüngere Bruder sich den ganzen Tag im Boot
versteckte, dann bei Nacht ans Ufer schlich,

liegend den Schlafenden spielte, um von verstohlenen
rechten Händen befühlt zu werden und so Frauen
für seine Brüder und sich selbst zu gewinnen

Bruder, diese Menschen nennt man Frauen
danach begannen Menschen geboren zu werden
entlang der Küste hier geschah all das.

Australian Legend
It is the time of day
when shadows come in like animals
and shelter under their trees
when shade also tightens
in along the web of gullies
rehearsing old treelines and flood
all this drainage stops short
at a country of salt marsh
plodded in by dipping birds
this is the ancient sea shore
where the Aunt in her magic-propelled
boat carried off the younger brother
from the big island of men
to the island of left-handed women
who kill men on sight
wild mirror-image fighters
their arm doesn't cross their breasts
they strike from your own right side
it took obedience and discipline
for Younger Brother to hide prone in the
all day, then creep ashore at night,
lie pretending sleep and be felt
by furtive right hands, and so win
wives for his brother and himself
Bro, these people are called Women
people started to be born after that
along the coast here this happened


Der Mondmann
Schattenhafte Känguruhs verschwanden
als wir auf dem Heimweg nach einer Hochzeit
unter einem geronnenen Mitternachtshimmel
in das obere Feld einbogen

dann klärte sich sein volles Gesicht:
der Mondmann, die allererste Geburt,
der heute noch seine Mutter massiert
und ihr sein Licht schickt, als Dank dafür

ihn ausgewachsen geboren zu haben.
Sein Glänzen liegt in unserem Blut.
Wäre die Erde von dieser Geburt genesen,
es hätte keine kleinen Geburten gegeben.

The Moon Man
Shadowy kangaroos moved off
as we drove into the top paddock
coming home from a wedding
under a midnightish curd sky
then his full face cleared:
Moon man, the first birth ever
who still massages his mother
and sends her light, for his having
been born fully grown.
His brilliance is in our blood.
Had Earth fully healed from that labour
no small births could have happened.


Honigzyklus
Grisaille aus Knorpellichtern in einem hohen Zellenauge,
gewesene Puppen, in sechsseitigen Schächten kristallgefüttert,
viele schwitzen Wachs und waben es, sitzen sie sechsfächrig.
Die einmalige Sie trieft Nachkommenschaft im Abstieg nach Sex,
und Drohnen werden vom Honig vertrieben, haben sie das Ihre gegeben:
sein Oeuvre mit ihren Ova oder nicht, jetzt lernt er wieder Alleinsein.
Die Regeln des Seins, nie unsere eigenen, geben uns auf, Futter zu bauen,
dann steife Wächter zu werden, stecherbereit für den Streit mit Nichtbrut.
Dann erheben sich zum Sammeln gebildete Netzaugen, wo Gegenwind
schillernden Hängeflug stützt, Wiederkehr mit prallen juckenden Halftern
und dem Tanz des Nektarvektors. Borstige Sammler, von Tänzern verzückt,
starten durch, unsere Stachel gespannt. Und wenn wir Neutra uns jenseits
von Flügeln entwickeln oder Wasser, flackert das Licht in unserem Sehgitter
und wir sind wieder Eier. Verbrauchte Kampfanzüge erstarren im Gras. 
 
Honey Cycle
Grisaille of gristle lights, in a high eye of cells,
ex-chrysalids being fed crystal in six-sided wells,
many sweating comb and combing it, seating it sexaplex.
The unique She sops lines of descent, in her comedown from sex
and drones are driven from honey, having given their own:
their oeuvre with her ova or not, he's re-learn the lone.
Rules never from bees but from being give us to build food
then to be stiff guards, hairtrigger for tiffs with non-Brood.
Next, grid-eyes grown to gathering rise where a headwind bolsters
hung shimmering flight, return with rich itchy holsters
and dance the nectar vector. Bristling collectors they entrance
propel off, our stings strung. And when we its advance
beyond wings, or water, light gutters in our sight-lattice
and we're eggs there again. Spent fighting-suits tighten in grass.


Hirschrudel auf den nassen Hügeln

Wie überall jenseits der Welt
ist es immer der erste Tag.

Geruch ersetzt Farbe
für diese Einen, die geliebt sind
wie sie rot sind: von innen her.

Das Bett erhellt sich zu Weide,
die Liebe hält Hufe auf dem Abhang.

Geschichte ist Unvergebung.
Knapp wie ihr Sprechen wäre,
breitet Futterzupfen sich weit aus.

Aufmerksam für Pirschen und Plötzliches
richten die Einen alle Sinne, kauen
Desintresse, wenn Schmerz einen Flügel schlägt.

Tagesstreifen, Sternenasche.
Schwarzer Himmel. Dort wachsen blasse Euter.

Die Felle all dieser Einen löffelig geleckt
wie wechselseitige, schweigende Sätze,
Gestalt zu gespiegelter Gestalt.

Einer vergißt das Männlichsein
gleich nach der Paarungszeit.

Deer on the Wet Hills

As anywhere beyond the world
it is always the first day.
Smell replaces colour
for these ones, who are loved
as they are red: from within.
Bed brightening into feed,
the love stays hooves on steep.
History is unforgiveness.
Terse, as their speech would be,
food-rip gets widespread.
Tuned for stealth and sudden
ones' senses all point, chewing
uninterest as anguish flaps one wing.
Day-streak, star-cinders.
Black sky. Pale udders forming there.
Ones' nap spooned in licks
like mutual silent sentences,
bulk to mirrored bulk.
One forgets being male
right after the season.


http://lesmurray.org/transger.htm

Aries


Altes Haustier

Mittwoch, 26. August 2015

So ist das

Dienstag, 25. August 2015

Wendehals


Nach der Niederlage in der Schlacht bei Jena und Auerstedt (wo er die Vorhut des preußischen Hauptheeres kommandiert hatte) wechselte er die Seiten und trat in den Rheinbund ein und wurde dadurch nicht von Napoleon entmachtet. Nach der Völkerschlacht bei Leipzig wechselte er wieder die Seiten. Vernünftige Entscheidungen.

Bandenkriminalität in Deutschland

"Die DDR-Aspiranten von Spiegel online bringen es fertig, ein vertrauliches Papier des Duisburger Polizeipräsidiums über die Entstehung rechtsfreier Räume in Ballungszentren zu zitieren, ohne mit einer Silbe zu erwähnen, wer in diesen lauschigen restdeutschen Krähwinkeln der Staatsmacht die Kontrolle streitig macht. Es ist lediglich die Rede von "Banden", die ganze Straßenzüge für sich reklamierten. Anwohner und Geschäftsleute würden eingeschüchtert und schwiegen aus Angst, heißt es in dem zitierten Bericht; für viele Menschen (i.e. Nichtbandenmitglieder) verwandelten sich öffentliche Verkehrsmittel nach Einbruch der Dunkelheit in "Angsträume"; Polizisten und vor allem weibliche Beamte sähen sich einer "hohen Aggressivität und Respektlosigkeit" ausgesetzt. Die Kommentarfunktion zu dieser Meldung war von vornherein deaktiviert worden, das heißt, es handelt sich um einen jener Fälle, für welche in routinierten Leserkreisen der natürlich viel zu harte, wenngleich durchaus den Kern treffende Begriff Lügenpresse seine hiermit von mir abgesegnete und also vollrohr legititimierte Anwendung findet, insofern das Verschweigen entscheidender Informationen das Schmähwort eben rechtfertigt.

Auf Focus online erfährt man dann, dass der nordrhein-westfälische Polizeigewerkschafts-Chef zur Situation "in Städten wie Essen, Dortmund, Duisburg oder Köln" folgende für zumindest temporäre Lügenpressevertreter einstweilen noch irrelevante Einschätzung kund und zu wissen tat: "Dort kämpfen mehrere rivalisierende Rockergruppen sowie libanesische, türkische, rumänische und bulgarische Clans um die Vorherrschaft auf der Straße. Die definieren für sich: Hier hat die Polizei nichts mehr zu sagen." Immerhin vermeldet Spiegel online, in dem Papier werde prognostiziert, dass sich "mittelfristig" an der traurigen Lage nichts ändern werde. "Dem stünden unter anderem die hohe Arbeitslosigkeit, die Perspektivlosigkeit von Zuwanderern ohne Qualifikationen für den deutschen Arbeitsmarkt und ethnische Spannungen unter den Migranten entgegen."

Gleich neben der Meldung und unter dem Motto "Fremdenhass vergiftet Deutschland" bewirbt Spiegel online die aktuelle Ausgabe des Mutterschiffs. Naturgemäß geht es in der Titelgeschichte des Magazins nicht um einen Fremdenhass seitens gewisser hier ansässiger Nichtganz- oder Keineswegsdeutscher, der sich unter anderem gegen Einheimische richtet, denn einen solchen Hass gibt es nämlich gar nicht. Warum sollten diese Typen ein Land hassen, das sie willkommenskulturbeflissen beherbergt, getreulich alimentiert, jede ihrer rustikalen Eigenarten als Folklore duldet, sie sogar in ihrem kriminellen Treiben gewähren und überdies von Medienclowns zu gestandenen Mitbürgern mit sozialen Problemen zurechtpudern lässt?" Klonovsky vor einem Monat

Es wird immer schlimmer werden. Und man wird am Ende der Eskalation die Schuld den Warnern geben und behaupten, sie hätten die Vorfälle durch ihre volksverhetzenden Vorbehalte erst ins Rollen gebracht und den aus dem Ruder laufenden Ereignissen "den Weg bereitet". Es gibt gegen Dummheit wirklich kein Mittel mehr, wenn man sie erst einmal auf den Thron gesetzt hat.

Montag, 24. August 2015

Die Widersprüchlichkeit des Westens

Mephistopheles stellt sich vor. Er sei:
      "Ein Teil von jener Kraft,
Die stets das Böse will und stets das Gute schafft."


Der Westen ist mittlerweile das Gegenteil von Mephistopheles. Er will stets das Gute und schafft dadurch das Schlechte.


Franz Joseph I.  verabscheute alles Neue. Aber er war gezwungen, ständig zu modernisieren, und er war - zusammen mit Theodore Roosevelt - der erste, der begriff, dass das 20. Jahrhundert das amerikanische sein würde.


Spengler hätte sein Buch besser "Der Untergang Europas" nennen sollen.

Nur 70 Km von Aub entfernt


Die Grablege der Hohenzollern Nürnbergs.

Deutsche Wirbeltiere

Nicht genug damit, dass in Italien - trotz Berlusconis Medienmacht - in jeder Sekunde der 20 Jahre, in denen Berlusconi politisch einflussreich war, die Meinungsvielfalt in Italien viel größer war als sie dies in Deutschland je war (und vermutlich auch je sein wird), wird nun auch noch gezielt wegzensiert, was den rot-grünen Rundfunkräten, der rot-grünen Journalistenkaste und dem rot-grünen Politikeragglomerat nicht genehm ist.

Ausgerechnet jetzt, wo die Ereignisse die Vorhersagen der AfD bestätigen, besitzt Frau Maischberger die Unverfrorenheit die bereits eingeladene Frauke Petry wieder auszuladen.

Und beim WDR wird man stromlinienförmig gegenüber Frauenverbänden, denen Birgit Kelle zu intelligent ist.

Deutschland ist nach wie vor nicht pluralismustauglich. Die Fähigkeit, politische Kontraste sachlich auszudiskutieren (statt sie durch Verbote und Kriminalisierung auszugrenzen) wurde zwar nach dem Mauerfall nach links erweitert, und dass Kommunisten keine Schmuddelkinder zu sein brauchen, ist inzwischen eine Einsicht der Mehrheit, von der man 1978, als die taz gegründet wurde, nicht zu hoffen wagte, dass sie sich durchsetzen könnte.

Aber nach rechts wurde sie bis heute nicht ausgedehnt (obwohl und weil man den gesunden Menschenverstand des Mannes aus dem Volk in den "neuen Bundesländern" so gerne braun anstreicht). Die Unfähigkeit, sachliche Argumente der Rechten sachlich zu widerlegen, ist umso größer.

Sonntag, 23. August 2015

Astronomie

Was ist eigentlich "Metapolitik"?

Das altgriechische Wort μετά bedeutet, wenn es beim Genitiv steht, "mit, inmitten, zwischen" und, wenn es beim Akkusativ steht, "hinter, nach, gemäß".

Samstag, 22. August 2015

Die Zensoren


Woher nehmen solche Leute die Anmaßung, um redliche Menschen mundtot zu machen, ihnen das Wort im Mund umzudrehen oder Dinge in den Mund zu legen, die sie nie gesagt haben. Woher kommt die würdelose Spitzfindigkeit bei einem Menschen wie Heinemann, der im Ausland studiert hat und es daher eigentlich besser wissen könnte, zumindest wenn er sich a) auf das Land, das ihn aufgenommen hatte, eingelassen hätte und b) auch mit den dort aus anderen Ländern angereisten Menschen ins Gespräch gekommen wäre. Und so jemand wagt es, Frauke Petry zu fragen, ob, wer Angst vor Fremden hat, Fremde kennenlernen sollte...

Hochtrabend und weltfremd, dafür aber umso verbissener und gehässiger an den Vorbehalten festhaltend, die sie gegenüber den eigenen Wurzeln hegen - und denen, die sie verteidigen - und umso perfider an der Verleumdung derjeniger beteiligt, die versuchen, der um sich greifenden Verlogenheit und Heuchelei nüchterne Vernunft und Wahrhaftigkeit entgegenzusetzen.

Ähnlich gefährlich - weil ebenfalls auf dem hohen Ross der moralischen Eitelkeit sitzend - ist ein anderer progressiver Journalist, der sich gerade mit der Frage „Darf es in Deutschland Gesetze und Behörden geben, die aus Taten, die Leben retten, schwere Verbrechen machen?" um die Position des Chefzensors bemüht: der Arabist Stefan Buchen.



Sein Buch sollte jeder Deutsche (und jeder Europäer) unbedingt gelesen haben. Nicht, um zu dem Schluss zu kommen, die böhsen Schlepper und Schleuser seien in Wahrheit ehrenhafte Fluchthelfer, sondern um sich bewusst zu werden, dass nicht nur skrupellose Schlepperbanden gefährlich sind, sondern auch all diejenigen Ausländer, die in Deutschland (und Europa) nichts anderes sehen als ein (bisher noch halbwegs sicheres) Territorium mit Ressourcen, auf die man ein Zugriffsrecht geltend machen möchte und daher - Hemd näher als Jacke - ihren Bekannten und schwangeren Cousinen helfen, Mittel und Wege für illegale Zuwanderung zu finden und dabei natürlich keine Sekunde lang davor zurückschrecken die Konflikte der Herkunftsländer nach Europa zu importieren.

Die einzige gute Nachricht ist im Moment: noch nie war die linke Jugend der 15- bis 25-jährigen so dumm, ignorant, einfältig und hedonistisch wie heute, und noch nie war die rechte Jugend derselben Altersgruppe gleichzeitig so luzid, aufmerksam, interessiert, sensibel, opferbereit und intelligent wie heute. Die unaufhaltsame Verschärfung der sozialen Spannungen und Konflikte kann also nur zweitere begünstigen.

Mittwoch, 19. August 2015

Intoleranz heute


"Noch unter jedem Regime“, notierte der Aphoristiker Johannes Gross, „gehörte der Maulkorb zur korrekten deutschen Straßenbekleidung.“ Respektvoller Gedankenaustausch mit Linken war noch in den 70-ern undenkbar in Deutschland. Dank Gysi wurde die Linke Gott sei Dank als Gesprächspartner anerkannt. Dass dank Frauke Petry auch die Rechte einst respektiert, angehört, ernst genommen und fair widerlegt werden könnte, statt immer nur überheblich geächtet zu werden, ist bisher nur eine Hoffnung.

Dabei ist Petrys Rechte so rechts nicht.

Sagen wir so: Es darf keine Partei rechts von der AfD geben. Aber es muss eine Partei rechts von der CDU geben: die AfD.


Montag, 17. August 2015

"Rational"


Vollständig durchdachte Hölle

Identität und AfD

Lieben Sie das deutsche Volk?
SCHEIL: Ja, der Begriff “Liebe” kommt der Sache wohl wirklich am nächsten. In seinen vielen Schattierungen gilt das allerdings, wie Leidenschaft, Respekt, Sorge, Distanz, Stolz und anderes mehr. Daß es zum deutschen Sein keine einfache Liebesbeziehung gibt, müssen wir hier ja wohl nicht extra erörtern. Der damalige Bundespräsident Gustav Heinemann hat auf die gleiche Frage die berühmte Antwort gegeben: “Nein, ich liebe meine Frau”. Ich persönlich glaube, daß diese Antwort bei ihm nicht ganz ehrlich war. Aber sie hat mit ihrer Absicht, die Liebe zu Volk und Land aus der Politik zu entsorgen, einen verhängnisvollen Tonfall vorgegeben, der überwunden werden muß.
HÖCKE: Ja, dieser Zungenschlag muß überwunden werden. Die Liebe zu unserem Volk gründet im Gefühl der Nähe, die im Gegenüber das Eigene erkennt. Sie wird gespeist durch das Wissen um das Herkommen aus der Zeit und den Gelingensbedingungen der Gegenwart. Ein gelebter politischer Bezug nährt nicht nur den Willen, das Volk zu vertreten, sondern auch den Wunsch, selbiges in seinen Anlagen zu entfalten. Im Wahlkampf habe ich stets ein neues, auf den preußischen Tugenden fußendes Dienstethos für Politiker eingefordert. Liebe zu empfinden und Vorbild sein zu wollen, ist den allermeisten Berufspolitikern weltenfern gerückt, sie besitzen als Teil einer technokratisch veranlagten Funktionselite keine Volksnähe mehr und sind deshalb nicht in der Lage, eine Politik zu machen, die am Volkswohl orientiert ist. Oktober 2014

1 Monat später

Auf dem guten Weg

Die geheime Rede Erich Honeckers zum 20. Jahrestag der deutschen Einheit

  

 Liebe Genossinnen und Genossen,

 vor 20 Jahren haben die reaktionären Kräfte des deutschen Monopolkapitalismus mit Hilfe des US-amerikanischen Imperialismus und des Verräters Gorbatschow das Ende des ersten Arbeiter- und Bauernstaates auf deutschem Boden besiegelt. Damals haben viele geglaubt, es sei mit uns dahin. Die Realität hat sie widerlegt. Unsere Partei hat überlebt. Nun gut, der Vorsitzende war bis Mai ein Sozialdemokrat aus dem Westen, aber der Mann hat sich immer loyal gegenüber der DDR und mir verhalten und sich gegen die sogenannte Wiedervereinigung ausgesprochen. Außerdem ist er, wie ich, Saarländer. (Heiterkeit.)

 Der Fraktionsvorsitzende gefällt mir da etwas besser. Aber, falls hier irgendwelche Maulwürfe aus den Medien sitzen, eines will ich klarstellen: Der Genosse Gysi hat natürlich niemals für die Staatssicherheit gearbeitet. (Ausgelassene Heiterkeit.)

 Genossen, das Ministerium für Staatssicherheit ist zerschlagen, doch viele verdienstvolle Inoffizielle Mitarbeiter arbeiten im System BRD. Sie sitzen in den Parlamenten, einer sogar im Bundestag – also einer, der es zugibt (Heiterkeit) –, ein anderer kandidiert für das Bürgemeisteramt in Potsdam. Das sind bescheidene Fortschritte, aber es sind Fortschritte. (Beifall.)

 Liebe Genossen, eine sozialistische, in Teilen sogar kommunistische Partei ist heute im Bundestag vertreten. Wer hätte das vor 20 Jahren gedacht? Genossen, das parlamentarische System und sein angeblicher Pluralismus sind stets bloß ein Märchen der herrschenden Klasse gewesen, um das Volk, den großen Lümmel, einzulullen. Aber noch nie waren die Ähnlichkeiten zwischen den BRD-Parteien größer als heute, nie bewegten sie sich näher am demokratischen Zentralismus, wie er bei uns in der DDR herrschte. Es gibt keine Partei, die es heute noch wagen würde, fundamental antisozialistisch zu argumentieren oder die Interessen der bürgerlichen Klasse zu vertreten; sie wäre sofort erledigt.

 Alle Parteien beteiligen sich am Kampf gegen rechts. Die Familienpolitik der Bundesregierung nähert sich der sozialistischen, der Staat greift immer stärker in die Familien ein, und wir Kommunisten wissen, dass die Familie die Keimzelle des Egoismus und der bürgerlich-reaktionären Gesinnung ist. Die Bildungsreformer versuchen, an den Schulen genau jene Gleichheit durchzusetzen, die bei uns herrschte, gegen den Widerstand reaktionärer Kreise, und an den Universitäten ist dieser Prozess nahezu vollendet. Sozialistische Studentenorganisationen attackieren regelmäßig reaktionäre Lehrkräfte. Überall gibt es positive Entwicklungen. Unbedingt erwähnen muss ich an dieser Stelle die Enkel des Roten Frontkämpferbundes, die deutsche Antifa. Diese jungen Enthusiasten tragen den Kampf um soziale Gerechtigkeit in die Innenstädte und lehren die Neonazis das Fürchten. (Beifall.)

 Einigkeit herrscht bei allen Parteien auch in der Frage der sogenannten Erderwärmung. Genossen, unter uns, ich weiß nicht, was ich davon halten soll – wenn wir wieder regieren, wird es jedenfalls so eine Schweinerei nicht geben. Aber wenn es sie gibt, ist nicht der Mensch, sondern der Kapitalismus schuld!
 Jedenfalls haben die ehemals bürgerlichen Parteien längst eine Art Nationale Front gebildet, auch wenn sie es heute anders nennen würden. Alle Systemparteien sind reif, Blockparteien zu werden! (Stürmischer Beifall.)

 Genossen, nichts hat den Sozialismus so sehr legitimiert wie der Antifaschismus, und das wird auch künftig so sein. Der Antifaschismus ist der kleinste gemeinsame Nenner zwischen progressiven Kräften und Sozialisten. Der Kampf gegen rechts darf nie enden! (Beifall.)

 Hier ist nun ein Wort zu Frau Merkel zu sagen, die von vielen falsch eingeschätzt wird. In Wirklichkeit ist sie eine von uns. Sie hat aus der christlich-reaktionären CDU eine Partei ohne Konservative und tendenziell ohne Christen gemacht, die heute schon viele unserer Positionen teilt. Sie hat den Papst attackiert. Sie hat mit der staatlichen Finanzierung der Banken aller Welt vor Augen geführt, dass Lenins Theorie vom staatsmonopolistischen Kapitalismus wahr ist. Sie vertritt geschichtspolitisch, anders als noch ihr Ziehvater Kohl, das Weltbild der SED und feiert mit unseren sowjetischen Freunden am 8. Mai den Tag der Befreiung vom Hitler-Faschismus. Sie hat die Partei von jenen Revanchisten gesäubert, die die Umsiedlung der Nazis aus dem Osten als Vertreibung und die beklagenswerten Härten dieser Maßnahme als Völkermord bezeichen, bislang noch ohne strafrechtliche Folgen. Sie hat mit ihrer Hilfe für Griechenland gezeigt, dass in ihr der Geist des proletarischen Internationalismus lebt. (Heiterkeit.)

 Genossen, die DDR war ein Sozialstaat, und zwar einer für alle. Die Bundesrepublik arbeitet noch daran, ist aber auf gutem Wege. Alle Parteien haben das Ziel der sozialen Gerechtigkeit zumindest in ihre Programme geschrieben. Mag sein, dass die Dings, äh Marktwirtschaft ziemlich erfolgreich ist, aber entscheidend ist doch, wer die sogenannten Früchte – auch Südfrüchte – der Arbeit erntet. (Heiterkeit.)

 Schon heute geht jeder zweite Steuer-Euro in den Sozialhaushalt und kommt den vom Kapital Unterdrückten zugute. Ohnehin ist der Staat längst der wichtigste Wirtschaftsfaktor. Er verzeichnet mit Abstand den höchsten Umsatz im Lande. 1980 betrug der Anteil des Sozialministeriums der BRD 16 Prozent am Staatshaushalt, heute sind es 55 Prozent. Das sind positive Entwicklungen, die uns in die Hände spielen. (Beifall.)

 In der DDR herrschte Gleichberechtigung von Mann und Frau. Die Kinder gingen früh in die Krippe, wo staatlich geprüfte Erzieherinnen ihnen die Werte unserer Gesellschaft vermittelten. In der Bundesrepublik gibt es noch viel zu viele Hausfrauen, die sich als Mütter den staatlichen Produktionsaufgaben entziehen wollen, aber mit der Etablierung des Gender-Mainstreaming ist zumindest der richtige Weg eingeschlagen. 

 Auch in Presse und Fernsehen gibt es positive Tendenzen. Die Medienschaffenden der BRD agitieren erfolgreich gegen Ausbeuter, Unternehmer, Militärs, Waffenbesitzer, Konservative, Wohlstandsbürger und die katholische Kirche. Die formale Meinungsfreiheit ist für bürgerlich-reaktionäre Kräfte erfreulich weit eingeschränkt. Vom Historikersteit bis zum Fall Sarrazin haben die fortschrittlichen Medien der Öffentlichkeit vorgeführt, dass von der DDR lernen siegen lernen bedeutet. Kein Fußbreit den Faschisten! (Stürmischer Beifall.)

 Viele von euch wissen noch, wie wir uns damals, als die Genossen des MfS noch im Westen arbeiteten, darüber wunderten, dass viele Medienschaffende der BRD auch ohne unser Zutun sozialistischen Journalismus betrieben und ihr System einer vernichtenden Kritik unterzogen. Mir fällt da dieser Mann vom WDR ein, ich habe den Namen vergessen, der nie lachte, wo unsere Kundschafter immer sagten: Nein, Genosse Honecker, wir bearbeiten den Mann nicht, der tut das von ganz alleine. (Große Heiterkeit.)

 Die Ausrottung von Nationalismus und Chauvinismus ist durch die EU-Zwangsmaßnahmen erfreulich fortgeschritten. Genossen, ich war nie Trotzkist, aber vielleicht lag der Mann doch nicht ganz falsch. Wie man Hunderte Millionen Menschen aus dem bürgerlichen Scheinparlamentarismus langsam herausnimmt und einer zentralistischen Regierung unterstellt, ohne nennenswerte Proteste, das ist beeindruckend, davon können wir nur lernen! (Beifall.)

 Vor acht Jahren hat ein bürgerlicher Theoretiker die erfolgreiche Verwandlung des Landes mit dem Wort „DDR light“ beschrieben. Er meinte das kritisch. (Heiterkeit.)

 Genossen, auch die Klassiker konnten sich irren. Es ist, wie wir heute wissen, gar nicht nötig, den Sozialismus mit einer Revolution zu errichten, er kommt evolutionär sowieso. Man kann den Kapitalismus durch Aufstände, aber auch ständige Steuererhöhungen bekämpfen. Der Klassenfeind ist dabei, sich selber abzuschaffen. Alle Entwicklungen, die ich beschrieben habe, führen in Richtung Sozialismus. Die Menschen der BRD und Westeuropas sind allmählich so sehr daran gewöhnt, dass ihnen der Staat ihr Leben vorschreibt, dass sie der letzte kleine Umsturz kaum mehr überraschen wird. Jedenfalls vollzieht sich der Niedergang der bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft gesetzmäßig. Langsam, fast unmerklich, werden wir wieder hinübergleiten in den Sozialismus. Liebe Freunde und Genossen, dass man die „Aktuelle Kamera“ auf eine Viertelstunde verkürzt hat, wenngleich inhaltlich heute schon gewisse Übereinstimmungen bestehen, das werden wir nach der Machtübernahme natürlich ändern, und das wird wohl das auffälligste Merkmal des Übergangs sein. Dann wird es wohl auch der Letzte begriffen haben. (Beifall, Heiterkeit.)

 Genossen, als ich vor 20 Jahren sagte: Den Sozialismus in seinem Lauf hält weder Ochs noch Esel auf, da haben viele gelacht. Heute lachen sie nicht mehr. Lasst uns das Glas erheben auf den 61. Geburtstag der DDR und auf die Zukunft des Sozialismus!
(Stürmischer Applaus, Hochrufe, Sprechchöre: „D-D-R – Un-ser Va-ter-land!“)

  
Michael Klonovsky - Erschienen in: Focus  40/2010, S. 70 ff.



Unerwünschte Ansichten werden in Deutschland immer mehr stigmatisiert. Der Angriff auf die Freiheit kommt auch aus der Mitte der Gesellschaft

 Noch unter jedem Regime“, notierte der Aphoristiker Johannes Gross, „gehörte der Maulkorb zur korrekten deutschen Straßenbekleidung.“ Derzeit sind wieder einmal bemerkenswert viele rechtschaffene Verfechter von Gesinnungsdressur und diskursivem Leinenzwang unterwegs, um ein beschränktes Repertoire erwünschter („hilfreicher“) Ansichten durchzusetzen, was vor allem so läuft, dass abweichende Ansichten stigmatisiert oder sanktioniert werden. Vier Beispiele.

 Die phil.Cologne, „das internationale Festival der Philosophie“, hat den australischen Bioethik-Professor Peter Singer erst ein- und dann wieder ausgeladen, weil er sogenannte „umstrittene“ Ansichten vertritt. Das ist offenbar für einen Philosophen nicht vorgesehen. Singer hält unter anderem die Tötung schwerstbehinderter Neugeborener für diskutabel. Für seinen Ausschluss hatte speziell eine Initiative namens „Kein Forum für den 'Euthanasie'-Befürworter Peter Singer“ getrommelt, deren Aktivitäten sich im Wesentlichen auf Empörungsbekundungen beschränken. Die Leitung der phil.Cologne begründete den Verzicht auf den Austausch von Argumenten mit dem Hinweis auf ihr „humanistisch-emanzipatorisches Selbstverständnis“, welches schwerer wiege als die freie Rede. Eine bemerkenswerte Aussage.

 Schäumende Empörung löste im Mai auch eine Kolumnistin des westfälischen Anzeigenblattes „OWL am Sonntag“ aus. Die Diplomsoziologin hatte in ihrer Rubrik „Guter Rat am Sonntag“ einem um selbigen fragenden Leser empfohlen, seine beiden Töchter, sechs und acht Jahre alt, im Zweifel eben nicht an der Hochzeit seines schwulen Bruders teilnehmen zu lassen, wenn er befürchte, dass die Kinder dadurch „verwirrt“ werden könnten. Dies tat sie ausgerechnet in der Woche, als nahezu sämtliche Medien zu einer Kampagne für die Homo-Ehe nach irischem Vorbild (natürlich ohne Volksabstimmung) ansetzten und sie quasi als den Schlussstein der Zivilisation priesen. Nachdem in sozialen Netzwerken ein offenbar gut organisierter Wutsturm ausbrach, übte die Redaktion beflissen Selbstkritik, nannte den Text „eine gravierende journalistische Fehlleistung“ und trennte sich mit sofortiger Wirkung von ihrer Kolumnistin. Der Chefredakteur bedauerte in einer Erklärung, dass der Beitrag „Gefühle verletzt“ habe. Die Kolumne wurde eingestellt. Wer künftig vorsätzlich oder arglistig die Verbindlichkeit der Teilnahme an einer Homo-Trauung bestreiten will, ist hiermit gewarnt. Der grüne Bundestagsabgeordnete Volker Beck, der seine verletzten Gefühle vermutlich kaum mehr zählen kann, verkündete via Twitter Genugtuung über die Abstrafung der Kolumnistin.

Einen Monat zuvor hatten zwei ebenfalls linke Politiker ebenfalls Genugtuung über eine Art Rausschmiss bekundet. Anhänger des 1. FC Köln hatten versucht, den AfD-Vorsitzenden Bernd Lucke samt seiner Frau zum Verlassen des ICE zu zwingen, und zwar mit den Worten: „Wir wollen keine Nazis hier!“ Der SPD-Politiker Sascha Vogt, Mitglied des Bundesvorstands und früherer Juso-Chef, twitterte enthusiasmiert: „Heute mag ich den effzeh gleich doppelt.“ Lob für die Aktion kam auch von Niema Movassat, einem Bundestagsabgeordneten der Linkspartei. Auf Twitter schrieb er: „FC-Fans wollten Lucke aus dem ICE werfen. Verständliche Aktion und danke für den Mut!“ Auf seiner Website stellt sich Movassat vor mit den Worten: „100 % sozial. 100 % friedlich.“ So einer ist auf Bodentruppen irgendwie angewiesen.

 Während anderswo das Rausschmeißen in Mode kommt, wollen trendbewusste Münchner gar nicht erst hereinlassen. „Kein Bier für Neonazis“ heißt heute die Parole in der einstigen Hauptstadt der Bewegung. Die Stadt schrieb alle 7000 Gastwirte an und fordert sie auf, rechtsextreme Gäste aus ihren Lokalen, Bierkellern und Hotels fernzuhalten. "München ist bunt! . . . auch in Gaststätten und Hotels“ heißt die Kampagne der Stadt und des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbands Dehoga. Gerade in München bestehe eine historische Verantwortung, „rechte Umtriebe schon im Keim zu ersticken“, versicherte Miriam Heigl von der städtischen „Fachstelle gegen Rechtsextremismus“. Wenn ein Wirt seine Räume „Nazis“ zur Verfügung stelle, werde die Dehoga informiert, die dann mit den Brauereien rede. Die könnten Wirten in solchen Fällen auch die Konzession entziehen. Wie man als anständig Gebliebener veritable „Neonazis“ und ihre rechtspopulistischen Milchbrüder erkennt, wurde so wenig endausdiskutiert wie die Frage, wer eigentlich definiert, was rechts, rechtsextrem oder vollnazi ist. Da der Kampf gegen die Neonazis sich methodisch durchaus an den echten Nazis zu orientieren scheint, böten sich vielleicht deutlich sichtbare Aufnäher auf der Kleidung an?

 Solch ideologische Gängelei ist keineswegs auf Deutschland beschränkt. Im vergangenen Jahr rief der „Europäische Rat für Toleranz und Versöhnung“ in einem Statut dazu auf, „konkrete Maßnahmen zu ergreifen zum Kampf gegen Intoleranz“. Der Tatbestand der Intoleranz bestehe bereits, wenn jemand sich zum Beispiel über Feministinnen lustig mache („holding it to ridicule“). Insbesondere die Medien sind gehalten, ihren Beitrag zu leisten: „Die Regierung möge dafür sorgen, dass die öffentlichen Sender (TV und Radio) einen vorgeschriebenen Prozentsatz ihrer Programme der Verbreitung eines Klimas der Toleranz widmen.“

 Neuerlich stehen wir vor dem Phänomen, dass die Toleranzerzwinger die Sprache von Diktatoren sprechen - und vor der Frage, wer eigentlich das bunte Sammelsurium von Intoleranzkriterien definiert und ihren Geltungsrahmen festlegt. Natürlich weiß jeder die Antwort: Dafür gibt es in einem Rechtsstaat die Gesetze - und nichts außerdem. Alles andere ist Gouvernantenanmaßung bis hin zum Gesinnungsterror. Längst sind ergebnisoffene Diskussionen durch das Vorzeigen von konformistischen Affekten ersetzt worden. Dass jemand empört ist - oder so tut -, dass jemandes „Gefühle“ verletzt wurden (sofern er nicht gerade ein christlicher heterosexueller biodeutscher Spießer ist), dass sich jemand diskrimiert „fühlt“, gilt als Anklage und Urteilsspruch in einem. Wobei die eigentlichen Absahner die selbst berufenen Anwälte sind. Wenn die freie Rede beschnitten wird, steckt nicht guter Wille dahinter, sondern Machtanspruch, Lobbyismus und Rangelei um staatliche Fördermittel.

Ein freier Mensch sagt, was er meint. Wenn es möglichst viele tun, ist alles gut. Ansonsten droht uns eine Art moderate DDR.


Michael Klonovsky - Erschienen in: Focus 24/2015

Freitag, 14. August 2015

Der Kehricht und das Lebenswerte


Vita 
  
70-er Jahre Dieter Wieland gab gute Anstöße. Aber seit damals wurden deutsche Dörfer und Kleinstädte schöner und schöner. Das Moderne wurde mittlerweile besser ins Althergebrachte eingepasst. Und die großen Fenster lassen mehr Licht rein, obwohl sie Wärme besser isolieren. Schade nur, dass weiterhin so viele Dorfwirtschaften schließen und die lokale Küche trotz Schubeck, Vincent Klink und Slow Food immer mehr verlernt wird.

Schade auch, dass die moderne Architektur bisher fast nur beim Brückenbau einige beschauliche Ergebnisse erzielt hat, um zu beweisen, dass auch sie ihre Berechtigung haben kann.

Anthropologie Sardiniens




Gesicht


Bei Sander hatten die Menschen noch ihr Gesicht. In Sardinien gibt es das noch heute, wenngleich Akzeleration und Eradikation auch dort auf die von Grazia Deledda, D. H. Lawrence und Ernst Jünger beschriebene Welt eingewirkt haben.

Mittwoch, 12. August 2015

Dem Himmel sei Dank



dafür, dass es Peter Weck gibt.

Dienstag, 11. August 2015

Hut ab vor Bernd Wollschläger

Seine Eltern belogen ihn genauso wie mich die meinen (ganz zu schweigen von meinen Geschwistern...).

Die Geschichte des Bernd Wollschlaeger klingt unglaublich. 1958 im beschaulichen Bamberg geboren, ist für den kleinen Bernd die Welt zunächst noch in Ordnung. Allenfalls die Besuche der Kriegskameraden seines Vaters, bei denen die "gute alte Zeit" beschworen wird, kommen ihm merkwürdig vor. Als er in der Schule dann zum ersten Mal vom Holocaust hört, beginnt er endgültig, Fragen zu stellen. Was er dabei erfährt, erschüttert ihn bis ins Mark. Bernds Vater war ein überzeugter Nazi, der als Panzerkommandant überall an vorderster Front seine Angriffe fuhr: beim Einmarsch in Polen, bei der Besetzung Frankreichs wie bei der Invasion Russlands. Das Ritterkreuz, das "sein Führer" ihm dafür angeheftet hat, hütet er wie ein Heiligtum.

Bernd Wollschlaeger knüpft Kontakte zur kleinen jüdischen Gemeinde in Bamberg. Sie wird seine zweite Familie, bis ihm sein Vater ein Ultimatum stellt: "Sie oder wir". Zur Entscheidung gedrängt, trennt sich Wollschlaeger von seiner Familie. Er tritt zum Judentum über, emigriert nach Israel, wird Arzt und wandert schließlich in die USA weiter. Seine Familiengeschichte macht er selbst gegenüber seiner Frau und seinen Kindern zunächst zum Tabu, hält sie für seine Privatsache. 
Inzwischen allerdings ist der Kampf gegen Rassenhass und für eine Verständigung zwischen den Völkern und Religionen Bernd Wollschlaegers großes Thema geworden. Vor dem Hintergrund seiner eigenen Geschichte hält er dazu überall auf der Welt leidenschaftliche Vorträge. Nur dort, wo diese Geschichte vor über 30 Jahren begann, hat er sie noch nie erzählt: in Deutschland.

Fast 70 Jahre nach dem Holocaust und in einer Zeit, in der überall in Europa ein neuer Antisemitismus ausbricht, hat Filmautor Uri Schneider jetzt Bernd Wollschlaeger in seine Heimatstadt Bamberg zurückgebracht. Entstanden ist dabei ein Film über eine Reise voller überraschender Begegnungen: Wollschlaegers Schwester Helga wollte die Wahrheit über ihren Vater nie wissen: Die Beschäftigung mit der Vergangenheit hilft ihr, eine neue Beziehung zu ihrem Bruder aufzubauen. In einer Bamberger Schule spricht Wollschlaeger vor Jugendlichen unterschiedlicher Herkunft: Sie können überhaupt nicht verstehen, was Fremdenhass bedeutet.
Und ein Militärexperte enthüllt schließlich ein bis dahin gehütetes Geheimnis: Kriegskameraden von Bernd Wollschlaegers Vater haben für Juden heilige Torahrollen zerschnitten, um mit ihnen ausgerechnet die Vergaser ihrer Panzermotoren abzudichten.
Mit "Der Sohn des Nazis" zeichnet der Filmemacher Uri Schneider das Porträt eines Menschen, der mit den Dämonen der Vergangenheit ringt - bis heute.

Im Namen der Menschlichkeit



 Neudeck fordert von EU kostenlose Mittelmeerfähre für Afrikaner

Ein Leben im Dienst der Flüchtlinge



Wo er recht hat, hat er recht

"Ich klage an: Die Kultusminister der deutschen Bundesländer. Sie tragen die Verantwortung für die größte, systematischste, vermeidbarste und gravierendste Bildungsbenachteiligung an deutschen Schulen. Denn vergleichende Bildungstests von Neuntklässlern fördern seit den ersten Pisa-Studien vor 15 Jahren immer wieder in aller Deutlichkeit zutage: Die Qualität der Schulausbildung weist massive Unterschiede zwischen den deutschen Bundesländern auf.
Im letzten Leistungsvergleich 2012 betrug der Rückstand von Fünfzehnjährigen in Bremen gegenüber vergleichbaren Fünfzehnjährigen in Sachsen rund zwei Schuljahre. Die gerade abgeschlossene Datenerhebung 2015 wird vermutlich zu ähnlichen Ergebnissen kommen.

Dieser Sachverhalt ist ein Skandal – eine grobe Benachteiligung von Schülern, die das Pech haben, im falschen Bundesland zur Schule zu gehen. Schuld tragen die Kultusminister der entsprechenden Länder. Denn trotz mancherlei Bemühungen, trotz bundeseinheitlicher Bildungsstandards sind die Unterschiede zwischen den Ländern nicht kleiner geworden.
Wohlgemerkt: Die Leistungsstände klaffen auch dann um bis zu zwei Schuljahre auseinander, wenn sie um unterschiedliche Sozialstrukturen bereinigt werden. Es liegt nicht daran, dass es in manchen Ländern mehr Kinder aus Arbeitnehmerhaushalten oder mehr Schüler mit Migrationshintergrund gibt. Nein, es sind die Schulen, die um bis zu zwei Schuljahre besser oder schlechter sind. Es liegt an den Schulsystemen und den Lehrplänen. Für sie tragen die Kultusminister die Verantwortung.

Kultusminister schalten und walten wie Monopolisten

Ein Kind, das in einem Bundesland schlechter beschult wird als Altersgenossen andernorts in Deutschland, ist ein benachteiligtes Kind. Punkt. Seit 15 Jahren wissen wir, dass es in Ländern wie Hessen, Berlin, Hamburg, Nordrhein-Westfalen und Bremen Hunderttausende solcher benachteiligter Kinder gibt. Seit 15 Jahren wissen wir, dass die Kultusminister die Verantwortung dafür tragen. Und seit 15 Jahren verhindern diese Kultusminister, dass irgendjemand anders als sie selbst tätig wird, um die Benachteiligungen abzubauen.
Darüber wachen die Kultusminister mit Argusaugen. Sie verteidigen ihre Gestaltungshoheit mit dem Argument des Bildungswettbewerbs. Das klingt gut, aber worin, muss man fragen, besteht der Wettbewerb? Kinder gehen üblicherweise da zur Schule, wo die Eltern ihre Arbeitsplätze haben. Kaum jemand zieht nur deshalb in ein anderes Bundesland, weil dort die Schulen besser sind. Das Problem ist, dass man den kultusministeriellen Entscheidungen kaum ausweichen kann. Der Wettbewerb kann nicht wirken, solange die Kultusminister in ihren Ländern wie Monopolisten schalten und walten können.

Meine Forderung: Lehrplan-Zwang aufheben!
In allen Bundesländern erlassen die Kultusministerien die Lehrpläne und bestimmen so die Lehrinhalte. Die Schulen sind gezwungen, den Lehrplänen ihres Kultusministeriums zu folgen. Mein Vorschlag ist: Diesen Zwang heben wir künftig auf. Jede Schule soll sich künftig frei für den Lehrplan eines beliebigen Bundeslandes entscheiden dürfen.
Das kostet erst einmal gar nichts. Es kostet nur die Kultusminister einen Teil ihrer Macht. Ein hessisches Gymnasium könnte nach bayrischen Lehrplänen unterrichten und das bayrische Zentralabitur abnehmen. Eine Realschule in Flensburg könnte entscheiden, nach sächsischen Lehrplänen zu unterrichten, weil Schüler an sächsischen Realschulen augenscheinlich besonders gut ausgebildet werden. Warum nicht? Warum sollten Schüler in Schleswig-Holstein nicht dieselben Chancen haben dürfen wie Schüler in Sachsen? Warum sollte ein hessischer Abiturient nicht stolz darauf verweisen können, dass er das bayrische Abitur bestanden hat?

Was wären die Folgen einer solchen Liberalisierung und Stärkung des Wettbewerbs? Zunächst einmal würde sich wohl kaum eine Schule für Lehrpläne eines Bundeslandes entscheiden, das schlechtere schulische Resultate liefert. Kein Lehrerkollegium könnte dies vernünftig begründen und die Elternschaft würde sicherlich Sturm dagegen laufen. Also bleibt man bei den Lehrplänen des eigenen Landes oder man entscheidet sich für die eines Bundeslandes, dessen Schulen besser sind.
Es kann freilich für manchen Kultusminister peinlich werden, wenn die eigenen Schulen fremde Unterrichtsmodelle für besser halten. Damit das Kultusministerium derart unbotmäßige Schulen nicht mit unterdurchschnittlicher Lehrerausstattung bestraft, muss die Wahlfreiheit der Schulen noch mit einem zweiten Element abgesichert werden: Eine Schule, die nach den Lehrplänen eines anderen Bundeslandes unterrichten will, muss auch die Lehrerausstattung erhalten, die dort für Schulen dieses Typs üblich ist. Die Schule muss also einen Anspruch gegen das eigene Kultusministerium erhalten. Sie darf mit Lehrern nicht schlechter gestellt werden als in dem Bundesland, nach dessen Lehrplänen sie unterrichtet.

Sich für andere Unterrichtsmodelle zu entscheiden ist richtig

Das kann natürlich zu Mehrkosten führen. Manche Schulen werden sich vielleicht auch deshalb für das Unterrichtsmodell eines anderen Bundeslandes entscheiden, weil damit ein Anspruch auf bessere Lehrerversorgung einhergeht. Ist das schlimm? Nein, es ist richtig! Wenn wir Chancengerechtigkeit für unsere Kinder wollen, dann müssen wir auch die Benachteiligung abbauen, dass in manchen Bundesländern weniger Lehrer pro Kind eingesetzt werden. Soviel muss uns Bildungsgerechtigkeit wert sein.
Wenn die Schulen frei entscheiden könnten, gäbe es innerhalb eines Bundeslandes Schulen, die damit werben würden, dass sie besser ausbilden als benachbarte Schulen. Manche Eltern werden bewusst diese Schulen für ihre Kinder wählen. Andere werden an den Schulen ihrer Kinder auf Reformen drängen. Und manche Kultusministerien werden ihre Lehrpläne an denen erfolgreicherer Länder ausrichten, um nicht von ihren eigenen Schulen desavouiert zu werden.
Insgesamt ist das eine win-win-Situation. Erfolgreiche Bundesländer können ihre Stärken weiter ausbauen – sie müssen keine Nivellierung durch Zentralisierung fürchten. In den Bundesländern mit den schlechteren Schulen aber werden Strukturen aufgebrochen und Fortschritte erzielt. Gewinner sind die Schüler. Verlierer gibt es keine. Es ist ganz einfach. Wir müssen nur die Macht der Kultusministerien beschneiden. Wir müssen nur den Schulen die Wahlfreiheit zwischen unterschiedlichen Lehrplänen gewähren. Dann wird es bald keine Bundesländer mehr geben, in denen Schüler systematisch um gleichwertige Bildungschancen gebracht werden." Bernd Lucke

Montag, 10. August 2015

Fonte Gambinossi





Der Kahn der fröhlichen Leute


Im selben Jahr geboren wie mein Vater wuchs auch Jochen Klepper an der Oder auf.

Götz Kubitschek sagt über ihn: "Also ich lese ja den 'Vater' von Jochen Klepper alle zwei Jahre wieder. Ein unglaubliches Buch. Ich lese das immer wieder, um zu wissen, was Dienst eigentlich ist."



Der Kahn der fröhlichen Leute

Langsam, ganz langsam, erholen wir uns von Reich-Ranickis Weisungen.

Freitag, 7. August 2015

Verflechtung


Harald Rau

Nicht die Verflechtungen sind das größte Übel, sondern dass sie vor dem Hintergrund eines defizitären Meinungsspektrums gedeihen, dass die Medien nicht schufen, sondern übernahmen, wiederspiegeln und reproduzieren.

Der Untergang des Mittagslandes

Der Präsident des Münchener Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung, Hans-Werner Sinn, hat Bundeskanzlerin Angela Merkel schwere Fehler in den Verhandlungen zur Rettung Griechenlands vorgeworfen.

„Angela Merkel hatte direkt nach dem negativen Ausgang des Referendums die Möglichkeit gehabt, dem Spuk ein Ende zu bereiten“, sagte Sinn dem „Handelsblatt“. Die Chance habe sie aber nicht genutzt, sondern sich vom französischen Präsidenten François Hollande in eine weitere Verhandlungsrunde hineinziehen lassen. „Nun ist der Marsch in die mediterrane Transferunion, die sich im politischen Streit über die Modalitäten des europäischen Finanzausgleichs zerreiben wird, kaum noch zu stoppen“, glaubt Sinn und fügte hinzu: „Während Frankreich sich umarmen lässt, ist Deutschlands Rolle als hässlicher Gläubiger programmiert.“
Mit Blick auf Griechenland kritisierte der Ifo-Chef, dass der griechische Premier Alexis Tsipras nun wesentlich mehr Geld herausgeschlagen habe, als man vor einer Woche noch für möglich gehalten hätte. „Das Geld wird genauso verpulvert werden wie die 332 Milliarden Euro, die Griechenland bislang an öffentlichen Mitteln zugeflossen sind“, ist Sinn überzeugt.
Es werde abermals dazu verwendet werden, die von den Märkten erzwungene Austerität zu mildern und damit die reale Abwertung zu verlangsamen oder zu verhindern, ohne die sich die Wettbewerbsfähigkeit im Euro nicht herstellen lässt.
„Nur ein Austritt und eine Abwertung kann die Arbeitslosen von der Straße bringen und eine wirtschaftliche Gesundung einleiten, die dem Land erlaubt, wieder auf eigenen Beinen zu stehen“, sagte Sinn. newsburger

Unterdessen in Sachsen...

...und anderswo

Aber das, was den kulturellen Reichtum des mediterranen Einzugsbereichs ausmacht, das, was das Mittelmeer immer noch zur Mitte unserer Wurzeln macht, wo immer noch Rettung geborgen ist, es verkümmert tagtäglich durch Sachzwänge, die die UE blindlings fördert; es stirbt durch den nordeuropäischen Stumpfsinn tagtäglich tausend Tode.