Dienstag, 29. September 2015

Moralische Eitelkeit

Vor 40 Jahren gesät, heute flächendeckend.


16. September 2015. Bundeskanzlerin Merkel (CDU) hat die unkontrollierte Aufnahme Zehntausender Asylbewerber aus Ungarn verteidigt: „Ich muß ganz ehrlich sagen: Wenn wir jetzt anfangen, uns noch entschuldigen zu müssen dafür, dass wir in Notsituationen ein freundliches Gesicht zeigen – dann ist das nicht mein Land“, sagte Merkel bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem österreichischen Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) in Berlin.

Dazu erklärt die Vorsitzende der Alternative für Deutschland, Frauke Petry:
„Etwa die Hälfte des deutschen Volkes, nämlich 47 Prozent, steht der unkontrollierten Masseneinwanderung skeptisch bis ablehnend gegenüber. Diese Äußerung der Kanzlerin ist ein Schlag ins Gesicht aller asylkritischen Bürger dieses Landes. Merkel spricht ihnen ab, Bestandteil ‚ihres Landes‘ zu sein. Noch dazu scheint sie sich selbst beharrlich der Erkenntnis zu verweigern, dass die Förderung einer unkontrollierten Masseneinwanderung gerade diejenigen Flüchtlinge trifft, die auf unsere Hilfe am meisten angewiesen sind.
Es ist nicht Aufgabe der höchsten Repräsentantin deutscher Politik in Europa und der Welt, ihr eigenes Volk zu verunglimpfen, nur weil es sich traut, eine andere Meinung zu haben, als Merkel selbst. Sogar die mitregierende CSU bescheinigte ihr, in der Asylpolitik versagt zu haben. Auch wenn die CSU in dieser Frage heuchelt, weil sie in Regierungsverantwortung und damit mitschuldig an dem Asylchaos ist, hat sie zumindest mit dieser Aussage Recht. Angela Merkel hat versagt. Auch die meisten europäischen Partnerländer verstehen die kopflose ‚Kommt-Alle-Rein-Politik‘ dieser hilflos wirkenden Regierung nicht mehr.“

Kraja

Nein, Kraja heißt nicht Krähe. Es ist samisch und bedeutet „Platz, nach dem man sich sehnt". Also so ähnlich wie "Smultronstället".

Obmutesco

29. September 2015

Angesichts der regelmäßig zelebrierten Gewaltfolklore in den Asylantenheimen und des vergnügten kriminellen Treibens drumherum dämmert es mählich sogar den exponiertesten Lautsprechern der "Willkommensdiktatur" (Alfons Proebstl), welch munteres Gelichter da im Schwarm der vermeintlichen und tatsächlichen Flüchtlinge ins Land gedrungen ist. Vor allem setzen diese Schöngeister und Buntheitsgaranten die bei ihnen daheim praktizierte Christenverfolgung auch hierzulande fröhlich fort. Und was fällt deutschen Offiziellen dazu ein? Raus mit solchem Pack, weil es automatisch ein Recht auf Asyl verwirkt hat? Nicht doch, alles was Pack ist, lebt ja schon seit Generationen in vornehmlich Sachsen. Man muss die Ethnien und Kulturen nur getrennt unterbringen, schon wird alles noch besser & bunter! Denn das ist schließlich Multikultur: Jeder für sich! Und die Eingeborenen als Knautschzone dazwischen! Wir schaffen das!


„Die tiefste, tödlichste und geläufigste aller Sünden: Fortsetzung des Kampfes gegen den besiegten Feind; Kampf gegen den nicht mehr vorhandenen Feind von gestern, um sich dem Feind von heute nicht stellen zu müssen; diese häßlichste Form der Fortsetzung des Krieges, zugleich die gemeinste Drückebergerei und der verlogenste Pazifismus."
Carl Schmitt

Klonovsky am 29. 9. 2015


Klonovskys, Proebstls und Schmitts Worten etwas wesentlich weiterführend Kluges hinzuzufügen ist völlig unmöglich. Das Klügste, was ich tun kann, ist, sie wie ein Papagei zu wiederholen. Daran wird sich so schnell nichts ändern. Warum? Weil sich die Dinge weiterhin weiter zuspitzen werden.




Piemont


Sacra di San Michele

Montag, 28. September 2015

Heiner Müller

Später 27. September 2015

Ziemlich genau auf den Tag vor 25 Jahren saß ich, weiland in Diensten der Ostberliner Tageszeitung Der Morgen, mit Heiner Müller beim Whisky und sprach mit ihm darüber, wie die damals ihrem staatlichen Vollzug entgegenstrebende deutsche Wiedervereinigung sich wohl im Rückblick nach einem Vierteljahrhundert ausnehmen würde. Der Dichter stellte eine erstaunlich exakte Prognose. Wie durch ein umgekehrtes Fernrohr, sagte er, würden wir dann – also heute – auf die Vereinigung zurückblicken, sehr fern und klein stünden die Probleme da, die wir gerade für wunder wie bedeutend hielten, denn längst werde eingetreten sein, was er "die Rache der Kolonien an den Metropolen" nannte (er war halt ein Linker, aber einer von der angenehmen Sorte); an die Stelle des Ost-West-Konfliktes werde bis dato ein Nord-Süd-Konflikt getreten sein, und die Menschenmassen Afrikas und des Orients würden einen gewaltigen Einwanderungsdruck auf Europa ausüben. Müller beschloss sein Orakel, indem er Herder über die Völkerwanderung zitierte mit den Worten: "Und dann war da nur noch das dunkle Getümmel ziehender Barbaren." –


P.S.: Das Zitat lautet übrigens korrekt und vollständig (und mich selber noch ein bisschen mehr betreffend): "Kurz, womit konnte die Disharmonie einer so schwachen, unruhigen, sich selbst widersprechenden Regierung als mit Barbarei und dem Tode aller vernünftigen, nützlichen Literatur endigen? Hier war kein Griechenland, kein Rom mehr; Europa war ein dunkles Getümmel ziehender Barbaren." (Johann Gottfried Herder: "Vom Einfluß der Regierung auf die Wissenschaften und der Wissenschaften auf die Regierung", 1780) Klonovsky am 27. 9. 2015

Freitag, 25. September 2015

Mittlerweile sekundär

Stiglitz meint

Beschleunigte Implosion

23. September 2015

Die Deutsche Presse Agentur, bekannter, wenngleich längst nicht hinreichend berüchtigt unter dem Kürzel dpa, hat vor einem Monat verfügt, dass in ihren sogenannten Nachrichten die Begriffe Asylkritiker/Asylgegner nicht mehr verwendet werden dürfen und durch die Bezeichnung „Fremdenfeinde“ zu ersetzen sind. Liebe Kinder, ergänzt bitte folgende Tabelle:
EU-Kritiker = Europafeind.
Kapitalismuskritiker = ...
Literaturkritiker = ...
Regierungskritiker = ...
Atomenergiekritiker = ...
Putinkritiker = ...
Sucht weitere Beispiele aus eurem Alltag!



22. September 2015

„Wie lange die nachgeschichtliche Menschheit noch fortbestehen wird, weiß niemand; nur das eine wissen wir mit Bestimmtheit, daß sie überhaupt enden wird, und mit Wahrscheinlichkeit, daß es kraft rapider Entartung verhältnismäßig schnell geschehen dürfte, weil Abläufe parasitären Charakters a u f z e h r e n d e Abläufe sind, denen früher oder später der „Stoff“ ausgeht. Die Vorzeichen dessen inbezug auf den Menschen gewahren wir in allgemeiner Verblödung des Urteils, ja, in umheimlich umsichgreifender B o r n i e r t h e i t. Der sog. Amerikanismus z.B., an dem wir stets die nächste Weltminute der Menschheit ablesen können, zeigt uns eine ans Idiotische streifende Hörigkeit der Einzelgeister gegenüber der „öffentlichen Meinung“, die ihrerseits h e r g e s t e l l t wird von der Presse. Die „Volksseele“ kocht heute oder kocht nicht, je nachdem eines oder das andere gestern in den gelesensten Tagesblättern gestanden hat, und der Schaffende, soweit es deren noch gibt, h a t Wert oder keinen Wert, je nachdem diese Presse es hinausbrüllt oder „totschweigt“; und das alles ereignet sich Tag für Tag, ohne daß die breitere Masse der solcherart „Aufgezogenen“ und „Angeführten“ (man beachte beidemal den Doppelsinn) das mindeste davon merken würde – dank nämlich ihrer Borniertheit. Was aber die freilich weit gescheiteren Macher und Regisseure anbelangt, so reicht ihr Scharfsinn doch nur bis zu den Zielen ihrer Machtsucht und nicht darüber hinaus, weil sie sonst wissen müßten und wüßten, daß mit den Gleisnereien der Machtverheißung der Satan selber zur Vollbringung von Taten ködert, deren letzter Erfolg die a b s o l u t e Z e r s t ö r u n g ist.“

Aus: Ludwig Klages, "Der Geist als Widersacher der Seele" (1929), Ungekürzte Studienausgabe, München/Bonn 1960, S. 767

 26. September 2015

Dank Frau Merkels Politik der offenen Tore sind in den vergangenen Wochen Abertausende nichtregistrierte Illegale in dieses Land eingedrungen und dabei zum Teil, wie freiwillige Helfer berichteten, direkt aus den Zügen in Taxis umgestiegen und irgendwo untergetaucht; die Kanzlerin soll nicht hoffen, dass sich nach dem ersten Anschlag keiner an ihre Beihilfe erinnern wird.

 Klonovsky am 22., 23. und 26. 9. 2015




Erfurt

Dresden

Mittwoch, 23. September 2015

Sich als Moral-Herrenmensch aufspielen

Die einzigen, die Frau Merkel den Hintern retten können, sind diejenigen, die sie diskreditiert oder von ihrem Außenminister und ihren Medienkulis schmähen lässt: die Ungarn, Kroaten, Slowenen, sofern sie es schaffen, ihre Grenzen dicht zu machen. Und sich dann neuerlich werden beschimpfen lassen dürfen von den Sachwaltern des Moralherrenmenschentums.


Es ist nur noch peinlich. Peinliche, abgrundtiefe, erbärmliche Dummheit.





Restredlichkeit

Verheerend


"Was VW darf, dürfen wir erst recht.", denkt man im Süden.


Dienstag, 22. September 2015

ISIS recruits shout Allah Akbar in Refugee trains going to Germany



Wolle mer se neilasse?

Die dunkle Seite des Islam

Ein Glaube zum Fürchten

Deutsche ziehen in den Dschihad, Muslime liefern sich bei uns Straßenschlachten, ein Kabarettist soll den Mund halten: Der Islamismus ist ein deutsches Problem geworden. Doch vieles, worauf sich die Extremisten berufen, ist im Islam angelegt.

Der Islam besitzt eine magische Eigenschaft. Eigentlich gibt es ihn gar nicht. Es gibt vielmehr zahlreiche islamische Glaubensrichtungen, Strömungen, Lehrmeinungen, Schulen, Sekten. Die Schreckenstaten des Islamischen Staates, so lautet der Kanon von Grün bis Muslimfunktionär, haben nichts mit dem Islam zu tun. Überhaupt ist absolut unstatthaft, von „dem“ Islam zu sprechen. Nur wenn er beleidigt wird, ist „der“ Islam plötzlich da.

Diese Erfahrung muss, neben vielen anderen, derzeit der Kabarettist Dieter Nuhr machen. Ein in Osnabrück lebender Muslim erstattete Strafanzeige gegen Nuhr, weil er „unter dem Deckmantel der Satire eine blöde, dumme Hetze“ gegen den Islam treibe. Als besonders verletzend empfand der Kläger den Satz: „Der Islam ist ausschließlich dann tolerant, wenn er keine Macht hat. Und wir müssen dafür sorgen, dass das so bleibt.“

Kultursensibel sprang der Migrationsforscher Klaus J. Bade dem Kläger zur Seite: „Da verwechselt einer den Islam mit dem Islamischen Staat.“ Und auch der SPD-Vizevorsitzende Ralf Stegner stellte eilends klar: „Wenn ich es richtig sehe, kritisiert Dieter Nuhr nicht den Islam als Religion, sondern den Islamismus.“


Und was wäre, wenn er den Islam als Religion kritisierte? Das tun längst einige. „Ist der Islam böse?“, fragt das Magazin „Cicero“, der ägyptische Publizist und ehemalige Muslimbruder Hamed Abdel-Samad hat ein Buch namens „Der islamische Faschismus“ geschrieben. Für den Historiker Egon Flaig ist der Islamismus der „gefährlichste Rechtsextremismus der Gegenwart“.
Etliche junge Männer aus Deutschland kämpfen als Dschihadisten im Irak und in Syrien


Konservative machen darauf aufmerksam, dass sich das Abendland mit dem Islam praktisch seit dessen Auftauchen im Krieg befinde. Linke wiederum weisen darauf hin, dass der europäische Kolonialismus und die brutale Nahost-Politik der USA für die derzeitigen Konflikte verantwortlich seien.


Wie auch immer - Ausläufer des Kriegs in Nahost haben uns längst erreicht
. Antiisraelische, muslimische Demonstranten zogen mit „Juden ins Gas!“-Rufen durch deutsche Innenstädte. Im Hamburger „Moscheenviertel“ Sankt Georg fielen Hunderte Kurden und Salafisten mit Messern und Knüppeln übereinander her. In Celle machten Tschetschenen Jagd auf Jesiden. Bis zu tausend junge Männer aus Deutschland kämpfen und töten inzwischen als Dschihadisten im Irak und in Syrien. Und Hooligans wollen jetzt auf eigene Faust den Salafismus in Deutschland bekämpfen.



Grüne und Sozialdemokraten finden es schlimm, dass Rechte oder Rechtsextreme gegen den militanten Islamismus mobil machen, aber sie blieben stumm, als die deutsche Salafistenszene demonstrierte, rekrutierte und randalierte - in solchen Kreisen gilt man schnell als „islamophob“. Periodisch erscheinen hierzulande soziologische Studien, in denen der Rechtsextremismus in der Mitte der Gesellschaft verankert wird. Aus denselben Theoriezirkeln hören wir, der Islam habe mit dem Islamismus nichts zu tun.


Der Politologe Abdel-Samad meint, dass diese Trennung „nur Islamisten in die Hände spielt“. Stattdessen plädiert er für eine Unterscheidung zwischen dem Islam und den Muslimen.

Eine große Mehrheit der Muslime lebt friedlich ihren Glauben und lehnt den Islamischen Staat (IS) ab. Viele empfinden Schmerz darüber, dass ihre Heilige Schrift von Banditen zur Begründung grässlicher Verbrechen genutzt wird. Aber ist „der“ Islam wirklich ganz unbeteiligt an den kollektiven Gewaltausbrüchen?

Dazu im Folgenden acht Thesen.



1. Der Islam will das gesamte Leben bestimmen

Neben den „fünf Säulen“ - Glaubensbekenntnis, Gebet, Almosengeben, Fasten und Pilgerreise nach Mekka - existieren für den muslimischen Gläubigen umfassende Regeln, wie er zu leben hat. Speise- und Kleidungsvorschriften, Alkohol- und Glücksspielverbot, das Verhältnis der Geschlechter, Strafen von Blasphemie bis Diebstahl, Begräbnis - alles ist festgelegt; darin ist der Islam am ehesten mit dem orthodoxen Judentum vergleichbar. „Der Islam, nicht nur der Islamismus, hat den Anspruch, das Leben der Gläubigen zu regulieren“ (Abdel-Samad).
Mehrere Koran-Stellen gebieten zudem den bewaffneten Kampf (Dschihad) für die Sache Gottes. Alle islamischen Staaten tragen zumindest Züge einer Theokratie.


2. Der Islam ist intolerant

Intoleranz liegt im Wesen von Religion, könnte man einwenden. Doch der Buddhismus ist nicht intolerant. Auch der antike Polytheismus kannte den Alleingeltungsanspruch eines Gottes nicht. Der Allmächtige betritt erst mit dem Monotheismus die Weltbühne. Der Islam versteht sich als der reinste und ultimative Monotheismus.

Es hat unter seiner Herrschaft nie Religionsfreiheit gegeben. Für andere Religionen herrscht Missionierungsverbot. Man kann zum Islam konvertieren, aber der umgekehrte Schritt ist ein todeswürdiges Verbrechen. In keinem muslimischen Land sind Christen gleichberechtigte Bürger, vielerorts gelten sie als Menschen zweiter Klasse, sogenannte Dhimmis.

Bis heute unterscheiden islamische Rechtsgelehrte zwischen dem „Haus des Islam“ (Dar al-Islam) und dem „Haus des Krieges“ (Dar al-Harb), also den friedvollen Gebieten unter islamischer Herrschaft und denjenigen, die es (noch) nicht sind.


3. Der Islam unterdrückt die Frauen

Dieser Punkt bedarf keiner ausführlichen Begründung. In weiten Teilen der islamischen Welt dürfen Frauen weder am öffentlichen Leben teilnehmen noch Eigentum besitzen, noch heiraten, wen sie wollen. Sie haben Burka, Tschador oder Schleier zu tragen. Eine Steinigung wegen Ehebruchs oder ein Ehrenmord schweben als konstante Drohung über dem Dasein vieler Muslimas.

Wiederholt haben islamische Gelehrte darauf insistiert, dass westliche Frauen mit ihrer Kleidung zur Vergewaltigung geradezu einlüden. 2007 erklärte der australische Imam Sheik Faiz Mohammed, dass westliche Mädchen „Huren und Schlampen“ seien und Vergewaltigungsopfer niemanden anzuklagen hätten als sich selbst. „Der Scharia-Islam“, notiert Althistoriker Flaig, „billigt solche Vergewaltigungen andersgläubiger Frauen seit über einem Jahrtausend.“


4. Der Islam ist innovationsfeindlich

Das war nicht immer so. Besonders unter der Herrschaft der Abbasiden im 8. und 9. Jahrhundert erlebten Wissenschaft und Kultur im arabischen Raum eine Blütezeit. Der Ruf arabischer Ärzte war legendär. Viele Texte der Antike wurden durch arabische Übersetzungen gerettet.

Heute rangieren die meisten islamischen Länder, was ihre wissenschaftliche und wirtschaftliche Leistungsfähigkeit angeht, am Ende des globalen Vergleichs, desgleichen bei den Patentanmeldungen und Nobelpreisen. Indonesien und Malaysia bilden Ausnahmen, dort hat sich offenbar die asiatische Mentalität durchgesetzt. Die bemerkenswerten wirtschaftlichen und urbanen Entwicklungen in Ländern wie Saudi-Arabien oder Katar resultieren aus dem Erdölreichtum dieser Regionen. Weder Ölförderung noch Städtebau könnten ohne westliche Hilfe stattfinden.

Zugleich herrscht bei den Saudis der Wahhabismus, eine Lehre, die sich ausschließlich am Koran und der Sunna orientiert und Wissenschaft für Blasphemie hält. „Schizophrenie“, nennt das der deutsch-türkische Schriftsteller Akif Pirinçci: „Die Geräte zum Ölbohren sind allesamt im Westen erfunden worden, die Ölscheichs fahren westliche Autos, ihre Villen haben westliche Architekten gebaut, und über ihr iPhone, das Ungläubige erfunden haben, befehlen sie, dass man im Westen mehr Moscheen errichten soll.“


5. Die islamische Welt ist heute islamistischer als vor 100 Jahren

Nach dem Ersten Weltkrieg ging ein Säkularisierungsschub durch den Orient. Die Türkei avancierte 1923 unter Kemal Atatürk zum ersten laizistischen Staat in der muslimischen Welt. Atatürk brach die Macht der Rechtsgelehrten (Ulama), ließ die Koranschulen schließen, verbot Schleier, Kopftücher, Fes und erklärte Turbane sowie Bärte für unerwünscht. Er beendete die Polygamie und verschaffte den Frauen das Recht, zu wählen und politische Ämter zu bekleiden. Auch im Iran und in Afghanistan wurden Kopftücher, Schleier, Turbane und Bärte verboten.

Überall in der muslimischen Welt machte das Zauberwort „Entwicklung“ die Runde. Heute haben sich die Verhältnisse umgekehrt. Der Roll-back begann in Pakistan mit der Hinrichtung des laizistischen Premierministers Zulfikar Ali Bhutto durch islamistische Putschisten anno 1979. In Afghanistan spülte der Einmarsch der Sowjetunion die Radikalen an die Macht. Den Iran verwandelte Ajatollah Chomeini im selben Jahr in eine Islamische Republik.

In Algerien bildete sich die Islamische Heilsfront, in Palästina löste die Hamas die PLO ab. In Ägypten, Syrien und im Irak kämpften die Muslimbrüder gegen die autokratischen Regierungen. Der „Arabische Frühling“ demonstrierte vor allem das Erstarken der Islamisten in all diesen Ländern.

Auch die Türkei hat unter Recep Tayyip Erdogan wieder einen islamischen Weg eingeschlagen. Erdogan hatte 1998 in einer Rede zustimmend aus einem religiösen Gedicht zitiert: „Die Demokratie ist nur der Zug, auf den wir aufsteigen, bis wir am Ziel sind. Die Moscheen sind unsere Kasernen, die Minarette unsere Bajonette, die Kuppeln unsere Helme und die Gläubigen unsere Soldaten.“ Ein türkisches Gericht verurteilte ihn deshalb wegen „Aufstachelung zur Feindschaft“ zu zehn Monaten Gefängnis und lebenslangem Politikverbot. Fünf Jahre später wurde er Ministerpräsident.


6. Die Anpassung der Muslime an europäische Sitten ist rückläufig

Bei seinem Deutschland-Besuch 2008 bezeichnete Erdogan die Assimilation türkischer Einwanderer als „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“. Der Unternehmer Vural Öger, der bis 2009 für die SPD im EU-Parlament saß, kündigte mit Hinweis auf die unterschiedlichen Geburtenraten bei Einheimischen und muslimischen Zuwanderern an: „Was Sultan Suleiman 1529 mit der Belagerung Wiens begonnen hat, werden wir über die Einwohner, mit unseren kräftigen Männern und gesunden Frauen verwirklichen.“

Eine 2013 veröffentlichte Studie des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB) unter 9.000 Personen mit muslimischem Migrationshintergrund in sechs europäischen Staaten ergab, „dass fast die Hälfte der in Europa lebenden Muslime findet, dass es nur eine gültige Auslegung des Korans gibt und dass Muslime zu den Wurzeln des Islam zurückkehren sollen“. 65 Prozent waren der Meinung, dass religiöse Gesetze wichtiger seien als weltliche.

Die renommierte französische Demoskopin Michèle Tribalat hält das französische Modell der kulturellen Annäherung für gescheitert. Die wachsende Religiosität („Desäkularisierung“) der Zuwanderer und ihre Konzentration in urbanen Ballungsgebieten habe dazu geführt, dass sich auch die Einheimischen in „eigene Gebiete“ zurückzögen, um ihre Lebensweise zu schützen. Das Resultat sei Trennung statt Vermischung - wobei im letzten Erhebungszeitraum auf ein autochthones Kind fast zwölf muslimische Geburten kamen. Der Trend ist klar.

Hierzulande nehme nicht nur der Anteil von Kopftuchträgerinnen unter den Muslimas zu, hört man von Sozialarbeitern und Lehrern, sondern desgleichen die Zahl der Jugendlichen, die Sätze sagen, die vor 20 Jahren kein muslimischer Zuwanderer gesagt hätte, etwa dass in 20 Jahren dieses Land sowieso ihnen gehöre oder dass „Ungläubige“ mit gutem Gewissen betrogen werden dürften.

Im Wiener Stadtteil Floridsdorf flog im Oktober ein Musikpädagoge von einer islamischen Privatschule, weil er den Kindern klassische Musik vorspielte - nach Ansicht der Eltern „Teufelszeug“. Der gebürtige Ägypter war „aus Liebe zu Beethoven“ nach Österreich umgesiedelt. In einem Zeitungsinterview sagte er: „Es ist erschreckend, dass Leute mitten in Österreich von Dingen überzeugt sind, die nicht einmal einige Verwandte von mir, die nie aus Kairo hinausgekommen sind, glauben würden.“

Amüsant ist in diesem Zusammenhang die Bemerkung des Islamwissenschaftlers Tariq Ramadan, wir befänden uns „in einer Übergangsphase, in der Muslime immer sichtbarer werden“, doch „gerade weil Muslime im Alltag sichtbar werden, sind sie integriert“. Das zeigt zumindest, wie gut sich muslimische Vordenker in puncto Rabulistik in die westliche Linke integriert haben.


7. Der Islam eignet sich zum Missbrauch durch Extremisten

Das Grundproblem des Islam besteht darin, dass er mit dem Schwert verbreitet wurde und ihm „die Verbindung von Sieg und Wahrheit“ (so der Schriftsteller Tamim Ansary) in die Wiege gelegt war. Im Umkehrschluss ließ sich die welthistorische Niederlage des Morgenlandes gegen die technische und industrielle Revolution des Westens als eine Folge des Abfalls von Allah interpretieren. Nichts anderes unternimmt der radikale Islamismus, indem er ein Zurück zu den Geboten der Vorfahren („Salaf“) fordert.

In keiner anderen Religionsgemeinschaft wird das kriegerische Märtyrertum so verherrlicht wie im Islam. Das Aufgehobensein in einer viele Länder umfassenden, solidarischen Gemeinschaft, in der sich das Männlichkeitsideal des Dschihad mit Verachtung für den westlichen, dekadenten Lebensstil verbindet, übt auf viele junge Männer eine starke Anziehung aus.


8. Der Islam braucht einen Luther

Ohne die westliche Tradition als einzig richtiges Vorbild hinzustellen: Ein muslimischer Reformator müsste Luthers Trennung von Evangelium und Gesetz, aus welcher im Westen die Trennung von Staat und Kirche wuchs, auf den Islam anwenden. Wenn wir alle in Gottes Hand sind, braucht es keine Autorität, die anderen die richtige Lebensweise aufzwingt.

Der Prophet Mohammed habe eine Gesellschaftsordnung begründet und Regeln für das Zusammenleben aufgestellt, sagt Scheich Ahmed al-Karima, Professor für islamische Theologie an der Universität Kairo. „Das darf man nicht als Gebot missverstehen, einen islamischen Staat zu errichten. Ein solcher muss zwangsläufig faschistisch sein und Andersdenkende ausgrenzen.“ Der Kairoer Islamwissenschaftler Ahmed Said al-Masry sekundiert: „Die Hoffnung auf einen islamischen Staat müssen wir ein für alle Mal aufgeben. Das Beispiel IS zeigt, dass es nur schiefgehen kann. Das Einzige, was hilft, ist die Trennung von Religion und Staat.“
Halten wir fest:

Der gläubige Muslim, der täglich fünfmal vor seinem Gott kniet, stört niemandes Frieden - im Gegenteil, die fromme Übung in Demut täte manchem Westler gut, auch wenn er nicht an Gott glaubt. Aber ein Teil des Islam betrachtet heute den Westen als Feind und sucht den Konflikt mit ihm.
 Es ist nicht das erste Mal in der europäischen Geschichte, dass dies geschieht. Aber nie zuvor hat Europa angesichts der Herausforderung seine religiöse und kulturelle Identität verleugnet. Klonovsky im November 2014


Die helle Seite des Islam

Sonntag, 20. September 2015

Bewusstseinserweiterung

Bestrickende Kurzfassung rotgrüner und schließlich Merkelscher Weltrettungspolitik:

1980 Rettet den Baum!
1990 Rettet den Regenwald!
2000 Rettet den Eisbär!
2010 Rettet den Euro!
2011 Rettet das Klima!
2013 Rettet Griechenland!
2015 Rettet die Flüchtlinge!
2020 Rette sich wer kann!

Samstag, 19. September 2015

Die helle Seite des Islam

Ist er gut oder böse? Kann er hierhergehören oder nicht? Für Zigtausende Muslime bedeutet Allah Frieden und Deutschland Heimat. Sechs Beispiele

Nachträgliche Vorbemerkung: Den folgenden Artikel habe ich weder zur Korrektur der Focus-Titelgeschichte "Die dunkle Seite des Islam" geschrieben noch als "PR-Gag", wie im Netz zu lesen, noch um etwas gutzumachen oder mich gar irgendwem anzudienen. Ich habe ihn geschrieben, weil es eben beide Seiten gibt. ("Jetzt", sagte ich einem muslimischen Bekannten, "sind wir quitt.") Möge Allah mit der bescheidenen Unterstützung aller Menschen guten Willens entscheiden, welche Seite die Oberhand gewinnt.


Und jetzt der Artikel:

Vor einem knappen Jahr veröffentlichte FOCUS die Titelgeschichte „Die dunkle Seite des Islam“. Nun begab sich FOCUS-Autor Michael Klonovsky auf die Suche nach der anderen Seite. Die Muslime, mit denen er sich traf, beten fünfmal am Tag, fasten im Ramadan, halten sich an die Gebote (keiner trank Alkohol) und runzelten die Stirn bei der Frage, was wäre, wenn ihre Kinder einen Nichtmuslim heiraten wollten. Hören wir ihnen zu:


Der Intellektuelle

„Ein ‚liberaler‘ Islam? Was soll das sein? Ich kann nicht liberal beten“, sagt Eren Güvercin. Man möge nicht vermischen, was nicht zusammengehöre. Der Kölner, 1980 als Sohn türkischer Eltern geboren, arbeitet als freier Journalist und ist Autor des Buches „Neo-Moslems. Porträt einer deutschen Generation“. Was das ist? „Sie sehen sich in erster Linie als Deutsche, machen aber keinen Hehl daraus, Muslime zu sein.“

Güvercin, der Goethe und Ernst Jünger liest, ist habituell ein typischer europäischer Intellektueller, der ebenso in einem Pariser Café über Camus sprechen könnte, wie er jetzt bei einem Kölner Italiener über den Islam spricht. „Man soll kulturelle Identitäten nicht religiös erklären oder begründen“, sagt er. Türkei sei nicht gleich Islam. „Türken sind Türken. Und wie es spezielle Ausprägungen des Islam gibt, kann es auch eine deutsche Version geben.“

In der Einwanderungsfrage besteht für Güvercin ein Hauptproblem darin, „dass eine nüchterne Debatte fast unmöglich ist“. Für echte Flüchtlinge sollte Deutschland Verantwortung übernehmen. „Aber man muss die Multi-Kulti-Romantik in Frage stellen dürfen, ohne sofort regelrecht für vogelfrei erklärt zu werden.“

Den Islamismus nennt Güvercin „eine kranke Mischform aus westlich-politischem Denken und Islam“. Er beruft sich auf den Islamwissenschaftler Thomas Bauer, der in seinem Buch „Die Kultur der Ambiguität“ demons-triert, wie die zunehmende Ideologisierung des Islam im 19. und 20. Jahrhundert zu einem Nachlassen der muslimischen Toleranz gegen Andersgläubige geführt habe.

Das Gottesbarbarentum des IS sei keineswegs ein mittelalterliches Phänomen, sondern im Gegenteil ein modernes, denn die traditionellen islamischen Rechtsschulen hätten die rigide Teilung der Welt in wahr und falsch nicht gekannt, statuiert Güvercin. Verschwunden sei leider die altorientalische Neigung zur Mehrdeutigkeit. Auch die salafistische Vorstellung, dass am Koran nichts zu interpretieren sei, entstamme der jüngeren Gegenwart. „Ohne Kommentar ist der Koran nicht zu verstehen“, erklärt Güvercin. Die Vordenker der Dschihadisten bedienten sich aus der Schrift „wie aus einem Werkzeugkasten“. Auch die Islamkritiker zögen sich heraus, was ihnen gerade passe – „da sind sie den Salafisten erstaunlich ähnlich“.

Güvercin streitet für die Unverfügbarkeit seiner Religion, wer auch immer sich anmaßt, über den Glauben bestimmen zu wollen. Über die von Saudi-Arabien finanzierte König-Fahd-Akademie in Bonn sagte er: „Warum unterbindet das der deutsche Staat nicht? Da werden Leute radikalisiert.“ Aber wenn die CDU ein Thesenpapier zum Islam vorlegt, ist ihm das ähnlich suspekt: „Was geht sie das an? Das Schlimmste wäre ein offizieller Staats-Islam mit Kirchensteuer. So etwas hat es im Islam nie gegeben.“ Überhaupt ärgeren ihn die sich ausbreitende „Gesinnungsschnüffelei“ und der „Wertezwang“. „Man ist dauernd mit irgendwelchen Gesinnungstestfragen konfrontiert, etwa wie man zur Homosexualität steht.“

Die obligate Frage, was er davon hielte, wenn seine (noch nicht vorhandenen) Kinder einen Nichtmuslim heiraten würden, beantwortet Güvercin am lockersten: „Am besten, sie heiraten jemanden, den sie lieben. Muslim kann er ja immer noch werden.“


Die Theologin

Unter dem Kopftuch trägt Tuba Isik Ohrstecker, als sie auf ihr Paderborner Lieblingsrestaurant, eine französische Brasserie, zustrebt. Was für Musik sie hört? „Och, alles querbeet, jüdische Musik, arabische, türkische, auch Pop oder moderne Klassik.“ Später wird sie beim Gespräch über Koran-Exegese auf das Thema zurückkommen. Für Strenggläubige ist Musik nämlich „haram“, verboten. „Man muss immer analysieren, in welchem Kontext Koran-Aussagen stehen. Zur Zeit des Propheten war Musik verbunden mit Freudenhäusern. Warum aber sollte Musik verboten sein, wenn sie zum Beispiel den gesegneten Freitag preist?“

Tuba Isik – ihr Vorname bedeutet auf Arabisch so viel wie Glückseligkeit – studierte Pädagogik, Rechtswissenschaften und islamisches Recht und promovierte an der Uni Paderborn in Komparativer Theologie über „Muhammad als Gesandter Gottes im islamischen Religionsunterricht“. Sie habe sich während ihres Promotionsstudiums viel mit dem Katholizismus beschäftigt, sagt die Tochter eines türkischen Theologen, die in Mainz zur Welt kam. „Mein Gottesbild hat sich weiterentwickelt im Dialog mit dem christlichen, der erbarmende Gott ist dabei in den Vordergrund getreten. Mein Gott ist ein freundlicher Gott, kein Rechnergott.“ Und der Prophet ihrer Doktorarbeit sei ein „nüchterner, geerdeter Mann“, kein Wundertäter.

„Religion sollte befreien“, sagt die junge Frau mit den vor Gescheitheit blitzenden Augen. Es sei „Migrantendenken“, sich abzukapseln. Muslime sollten offener werden für die wechselseitige Verbundenheit der Religionen, sie sollten selber theologische Texte lesen, nicht nur auf Imame und YouTube-Prediger hören. „Es geht darum, im Umgang mit Nicht-muslimen ein gesundes, tolerantes Das-bin-ich-nicht zu entwickeln und Deutschsein als das Verbindende zu erkennen. Ich will, dass wir eine Synthese aus dem Kulturellen und dem Religiösen schaffen und mit gutem Gewissen einen deutschen Islam leben.“

Das Leben mit Kopftuch kann hierzulande gleichwohl recht anstrengend sein. Nach dem 11. September, erzählt Tuba Isik, habe sie ein Mann auf offener Straße angeschrien: „Euch sollte man alle vergasen, den ganzen Iran und Saudi-Arabien!“ Da ihr nichts anderes eingefallen sei, habe sie ihn mit den Worten „Wissen Sie was: Sie haben Recht!“ zum verblüfften Schweigen gebracht.

Als ihren deutschen Lieblingsautor nennt Isik Theodor Fontane. Bevor sie nach Paderborn umsiedelte, hat sie drei Jahre in Dortmund gelebt, „aber ich war schon vorher für den BVB“. Ohne das Kopftuch, sagt sie, „bin ich 08/15. Sie hätten gar nicht mit mir reden wollen.“ Womit sie, zuletzt, denn doch ziemlich danebenliegt.


Der Journalist

Tahir Chaudhry, 25, betreibt seit zwei Jahren ein journalis-tisches Online-Portal namens „Das Milieu“, wo keineswegs nur Islamthemen behandelt werden. Die Liste der Interviewpartner reicht von Diether Dehm über Thilo Sarrazin bis zum Verfasser dieser Zeilen.

Chaudhrys Familie, muslimische Einwanderer aus Indien, lebt in einem Dorf bei Schleswig. Er studierte Philosophie und Islamwissenschaften in Kiel und ist Mitglied der Ahmadiyya Muslim Jamaat, deren Anhänger in der muslimischen Welt vielerorts als Abtrünnige gelten. Die Ahmadiy-ya strebt die islamische Weltmission an, allerdings mit ausschließlich friedlichen Mitteln. „Wenn wir den Zustand, in dem sich der Islam derzeit befindet, global verbreiteten, wäre das keine schöne Welt“, räumt Chaudhry ein. „Solange die spirituelle Dimension hinter der Politik verschwindet, wünsche ich mir keine muslimische Mehrheit.“

Dass Muslime in den Medien oder in Talkshows stets in dasselbe enge Themenspektrum gepresst werden – Einwanderung, Integration, Islam –, stört Chaudhry enorm. „Warum fragt man uns nie zur Bildungspolitik, zur Homo-Ehe, zur Außenpolitik?“

Ein konservativer Muslim, führt Chaudhry aus, lege Wert auf moralische Erziehung. Das Verhältnis der Geschlechter soll nicht auf Sex gegründet sein – man sehe ja überall, wie sexuelle Freizügigkeit Familien zerstöre. Man müsse eben nicht alles ausprobieren. Das Kopftuch gehöre zu den „Vorkehrungen für reizfreie Räume“, die der Islam schaffe, „damit sich die Geschlechter würdevoll auf Augenhöhe begegnen können“. Die Burka indes sei „unislamisch“.

Wie anständiger Journalismus funktioniert, erfuhr er als schreibender Hospitant in der Online-Redaktion einer großen linksliberalen Zeitung: In seinem Interview mit dem Oberhaupt der Ahmadiy-ya wurden skeptische Aussagen des Gottesmannes zum Klimawandel kurzerhand gestrichen.

Auf dem Höhepunkt der Pegida-Demonstrationen schlug Chaudhry mit drei anderen Ahmadis einen muslimischen Informationsstand in Dresden auf. „Ich finde die Dämonisierung der Pegida-Leute schwachsinnig“, sagt er. „Man kann mit denen reden, ich habe mich sogar mit einigen angefreundet.“ Ein andermal habe er den AfD-Gründer Bernd Lucke am Berliner Flughafen gesehen, von den Mitpassagieren sichtlich gemieden, da habe er ihn angesprochen und ihm gesagt, er möge die Muslime mehr einbeziehen. „Der konservative Muslim kann in gesellschaftspolitischer und moralischer Hinsicht nichts anderes wählen als CSU oder AfD. Und aus außenpolitischer und wirtschaftspolitischer Sicht Die Linke.“

Und wo liegt bei ihm daheim der Koran? „An einem erhöhten Platz. Übrigens unweit der Bibel.“


Der Jurist

„Nein, Sie dürfen nicht zahlen“, sagt der Kellner und hält Ausschau nach demjenigen, dem diese Pflicht offenbar obliegt. „Der Gast darf nicht zahlen.“ Es dauert eine Weile, bis der Mann akzeptiert, dass Engin Karahan heute der Gast war. Die Szene spielt im „Kilim“, einem Lokal mit schmackhafter orientalischer Küche in der Kölner Keupstraße (Wein gibt es hier leider nicht).

Karahan ist Deutsch-Türke, was für ihn konkret heißt: „Schreiben auf Deutsch, Stoßgebete auf Türkisch.“ Sein Vater war Schweißer, der Sohn hat Jura studiert. Er ging in Ludwigshafen auf dasselbe Gymnasium wie Helmut Kohl. Im Deutschunterricht rezitierte er Uhlands Kreuzzugsballade „Schwäbische Kunde“ vor der Klasse („Zur Rechten sieht man wie zur Linken,/einen halben Türken heruntersinken“), ohne sich viel dabei zu denken.

Karahan ist ein stolzer Mann mit einem hintersinnigen Lächeln. Am Gymnasium habe man ihn wegen seines Lernehrgeizes „Lexikon“ genannt, erzählt er. An der Uni wollte er es den Kommilitonen aus Juristenfamilien zeigen, die am Frühstückstisch mit ihren Vätern die aktuellsten Urteile durchsprechen konnten. Heute arbeitet der 36-Jährige als freiberuflicher juristischer Berater und Vermittler zwischen muslimischen Gemeinden und deutschen Behörden. Er ist Mitglied der islamischen Gemeinschaft Milli Görus, in deren Europazentrale er bis vor Kurzem als stellvertretender Generalsekretär fungierte – und bei den Grünen. Wie kommt ein frommer Muslim mit dem Familienbild dieser Partei klar? „Man muss nicht alles gutheißen, was im Programm steht.“ Er hat drei Kinder, seine Frau betreut sie daheim. „Ich kann mich mit dem Gedanken, windeltragende Kinder in fremde Obhut zu geben, nicht anfreunden.“

Apropos Kinder: Als Pro NRW im Wahlkampf Plakate aufhängte, auf denen eine durchgestrichene Moschee abgebildet war, habe ihn die älteste Tochter gefragt: „Papa, warum wollen die unsere Moschee kaputt machen? Hassen die Muslime?“ Die Vorstellung, dass Muslime den Westen über den Kreißsaal erobern, hält er für alarmistisch: „Mit drei Kindern bin ich in meinen Kreisen schon ein Exot.“ Die meisten Muslime passten sich den deutschen Gepflogenheiten an. Alle Bekannten, die in die Türkei gegangen waren, seien wieder nach Deutschland zurückgekehrt. „Am längsten hat es einer drei Jahre ausgehalten.“

Karahan nimmt den Gast am nächsten Tag zum Mittagsgebet mit. Er ist ein bisschen traurig über den ästhetischen Zustand vieler Moscheen, aber er rühmt diejenigen, die ehrenamtlich und mit wenig Geld diese religiösen Stätten errichtet haben. 

Was zeichnet einen guten Muslim aus? „Seiner Umwelt nicht schaden, seine Erfüllung auch im Dienst an den Menschen sehen.Fünfmal beten, aber als Unternehmer die Angestellten schlecht behandeln ist nicht islamisch.“ Ist es islamisch, über Mohammed-Karikaturen empört zu sein? „Das nervt mich!“, stoßseufzt Karahan (auf Deutsch). „Sind wir Muslime wirklich so manipulierbar und lassen uns dermaßen leicht provozieren? Gerade im Wissen über die Erhabenheit Gottes sollten wir darüber hinwegsehen.“


Der Betriebswirt

„Wie können Leute behaupten, der Islam gehöre nicht hierher?“, sagt Achim Seger, 23, und nimmt einen Schluck von seinem Früchte-Cocktail. „Wir haben doch Religionsfreiheit. Aber wenn wir uns integrieren, heißt es Islamisierung. Was sollen wir denn tun?“

Der Vater von Seger ist Ägypter, die Mutter Deutsche, aber Muslima. Seine Eltern lernten sich in einer Moschee kennen. Er selbst, erzählt der Münchner, habe überwiegend mit Nichtmuslimen zu tun, auch die Halbgeschwister beten nicht zu Allah. Freiwilligkeit ist der Dreh- und Angelpunkt seines Weltbildes, ob nun in weltlichen oder religiösen Fragen. Es soll kein Zwang im Glauben sein, steht im Koran, und das nimmt er wörtlich. „Wir Muslime wollen einladen.“

Seger ist Diplom-Betriebswirt, seine Abschlussarbeit trägt den Titel „Das islamische Riba-Verbot im Spannungsfeld der modernen Geldwirtschaft“ (Riba bedeutet Zins). Es handelt sich um eine heftige Kritik am derzeitigen Staatsgeldsystem, zu seinen Kronzeugen gehört die libertäre „österreichische Schule“ um Denker wie August von Hayek und Ludwig von Mises. Wie der Islam, so Seger, gingen diese Männer davon aus, „dass das Geldsystem auch eine spirituelle Ebene hat“. Anders gesagt: „Geldentwertung bringt auch einen moralischen Verfall mit sich.“ Wirtschaft ohne Moral führe ins Verderben. Es dürfe beim Erwägen von Alternativen zum derzeitigen Weltfinanzsystem „keine Denkverbote“ geben. Die Arbeit wurde mit „sehr gut“ bewertet.

Die „kollektive Verteufelung“ von Muslimen, wie sie auf gewissen Web-Foren praktiziert wird,  irritiert Seger. „Wohin soll das führen?“ Es herrsche „Unsicherheit und Verwirrung“. Vieles von dem, was die Pegida-Demonstranten kritisierten, sei berechtigt, „aber wir sollten nach Dingen suchen, die uns verbinden“. Und was ihn selbst betrifft: „Ich diene Allah, und wenn Allah alles ist, kann ich niemandem schaden dürfen.“


Der Seelsorger

„Islam ist, wie man sich gegen alle Geschöpfe Gottes verhält.“ Nicht nur gegenüber Muslimen? „Auf keinen Fall. Der Prophet Mohammed sagt, wenn einer satt einschläft, während der neben ihm hungert, dann ist das kein Muslim.“ Spricht Cemil Sahinöz. 

Der studierte Soziologe und Psychologe, der momentan an seiner Doktorarbeit schreibt, lebt in Bielefeld und will als Pendant zur christlichen eine muslimische Seelsorge etablieren. Für jedermann. „Ich rede auch mit Salafisten oder Neonazis.“

Sahinöz ist ein heiterer Mensch, für den die Formulierung geschaffen scheint, jemand gehe hellwach durchs Leben. Während er seinen Gast zum angesagtesten Bielefelder Kebab-Lokal führt, vereinbart er am Telefon einen Therapietermin mit einem Spielsüchtigen und macht in einem Gebetsraum Halt, um sein Nachmittagsgebet zu verrichten. Er wohne mit seiner Familie übrigens direkt neben einer Kirche, erzählt er. Das ältere seiner beiden Kinder, einen Jungen, hat er Ensar genannt, das ist Arabisch und bedeutet so viel wie: der Einheimische.

Wie erzieht ein Familienberater seine Kinder zum Islam? „Der Glaube muss aus dem Herzen kommen. Ob Kopftuch, Gebet oder Fasten: Man soll Kindern nichts vorschreiben.“ Steht das Kopftuch eher für Sitte oder eher für Religion? „Ganz klar für Religion.“ Wie würde er reagieren, wenn seine Kinder später einen Nichtmuslim heiraten oder Atheisten werden? „Jeder trifft seine Entscheidungen selbst. Der Prophet sagt: Wenn deine Eltern Atheisten sind, dann folge ihnen in allen anderen Dingen.“

Zum Beginn des Fastenmonats Ramadan treffe man sich traditionell beim ältesten Mitglied der Familie, erklärt der 34-Jährige. In seinem Fall ist es die Großmutter, und ungefähr 30 Leute versammeln sich bei ihr, eine für BioDeutsche kaum mehr vorstellbare Zahl von Angehörigen. Als Familienfest ist Ramadan so etwas wie das Gegenstück zu Weihnachten. Zum Christfest, erzählt Sahinöz, beschenke er seine deutschen Freunde, für ihn selbst sei es aber kein Feiertag. „Jede Religion feiert ihre Feste. Alles andere wäre Selbstverleugnung.“

Als Sozialpsychologe kennt Sahinöz die Probleme der Muslime mit der Mehrheitsgesellschaft, aber auch die Angst vieler Bio- Deutscher vor Gewalttätern muslimischer Abkunft. „Vor denen habe ich auch Angst“, sagt er. „Aber es ist nicht der Islam, der sie zu Gewalttätern macht.“ Das wohl nicht, aber verläuft die Konflikt-linie nicht zwischen muslimisch und nichtmuslimisch, zwischen rein und unrein? „Die Herzen kennt nur Allah. Wie kann da jemand entscheiden wollen, wer rein und wer unrein ist?“

Beim Abschied fragt Sahinöz: „Was meinen Sie, wie wird die Zukunft hier?“ – „Die optimistische oder die pessimistische Antwort?“ – „Die optimistische“, versetzt Sahinöz. „Wir müssen das doch zusammen hinbekommen, nicht wahr?“


Erschienen in Focus 39/2015, S. 52-58

Michael Klonovsky

Durst

Jetzt wird Jenny Erpenbeck als Visionärin gefeiert, ja fast als Heilige verklärt. Raspail wird weiterhin ignoriert, oder irgendwo am Rande gehässig diffamiert. Die eine gilt als Künstlerin mit seismographischer Empfindsamkeit und seherischen Fähigkeiten, der andere als Rüpel.
Käßmann und Wecker tingeln wie die Avantgarde eines Geisterfahrerheeres durch die Talkshows. Die sehnsüchtige Heuchelei hat in Deutschland jetzt einen Grad erreicht, der in jedem Nichtdeutschen, sobald er die Lage halbwegs durchschaut, nur noch Groll und Verachtung wecken wird, wenn das anfängliche Erstaunen erst einmal verflogen ist. Denn die deutsche Sehnsucht nach Harmonie, Liebe und Vergebung versteht niemand, zumal sie der Durst nach Anerkennung verdeckt.

Freitag, 18. September 2015

Der Gast am dritten Tag


Man kann Liebe nicht kaufen. Besonders wenn man kein Mann ist. Und schon gar nicht als Nation.

Kater

Donnerstag, 17. September 2015

Gründlich verirrt

Zeitgenössischer Totalitarismus

Nicht einmal die Betonköpfe der RAF waren so borniert, und selbst Sektierer wie Otto Muehl, die Wilhelm Reichs irrsinnige Theorien propagierten und in die Tat umsetzten, gelang es nicht, ihren Firlefanz vom Lehrstuhl einer Universität aus zu verkünden. Aber heute ist es möglich, diesen übergeschnappten Sexualfundamentalismus an den Universitäten zu lehren und mit öffentlichen Geldern in der Schule zu verbreiten.

Ganz einfach

Wenn man jemanden, der 10000 Euro ausgegeben hat, um nach Europa zu kommen (weil er dort Karriere machen möchte, obwohl er keinen Anspruch auf Asyl hat, aber trotzdem versucht, Asyl zu bekommen) mit einem Flugzeug voller Leidensgenossen in sein Land zurückbringt, dann wird sich das in seinem Land sehr schnell rumsprechen und sein Cousin, der eigentlich vorhatte, dasselbe zu tun, wird es gar nicht erst versuchen!!!

Warum ist es in Deutschland unmöglich, dies öffentlich im Fernsehen zu sagen??? Obwohl jemand wie Edward Luttwak es im italienischen Fernsehen sagen kann. Und zwar nicht erst jetzt oder weil Berlusconi das TV umgekrempelt hätte, sondern weil man in Italien bereits in den 80-ern sagen konnte, was man wollte, ohne Angst zu haben, am nächsten Tag von den Kollegen geschnitten zu werden und womöglich entlassen zu werden, weil der Chef einen als rufschädigend einschätzen könnte...

Schmu aus Instituten (und Redaktionen)

secundum TAZ

secundum ZEIT

secundum SPEKTRUM

Mittwoch, 16. September 2015

Marasmius oreades


Gewürznelke und Bittermandel

Dieser Pilz wird auch Wiesenpieper genannt. Wahrscheinlich weil dort, wo er gefunden wird, manchmal auch Anthus pratensis brütet, dessen wissenschaftlicher Name wiederum "Wiesenblüte" lautet. "Oreiades" dagegen sind eigentlich Bergnymphen ("Echo" ist eine von ihnen), und "Marasmos" ist das "Aufbrauchen", der "Schwund".

Dienstag, 15. September 2015

Bundesrepublik Eurabien

Vorausgeschickt sei, dass die ungarische Klugheit, die 1989 deutsche Republikflüchtlinge ausreisen ließ, dieselbe ungarische Klugheit ist, die heute keine arabischen Flüchtlinge einreisen lassen will. Zwei Seiten einer Medaille.
Die italienischen Kommunisten hingegen ergreifen die Gelegenheit, um wieder mal vorzuschlagen, Armut verfassungsrechtlich zu verbieten (dass genau dies dazu führen würde, dass alle verarmen, ist diesen Unbelehrbaren immer noch nicht ersichtlich, obwohl es mittlerweile von keinem Historiker mehr geleugnet werden kann). Und Orbans Stacheldraht ist in ihren Augen identisch mit dem Stacheldraht in Auschwitz, einsperren und aussperren seien dasselbe. Es ist dieselbe weltfremde (bzw. perfide, insoweit durch ihre Instrumentalisierung persönliche Bereicherung erreicht wird) Anschauuung, die auch aus der Mauer, mit der Israel sich versucht, vor Selbstmordattentätern zu schützen, eine Berliner Mauer macht. Die, wie wir ja wissen nie jemandem Schutz bot, sondern nur dazu diente, die eigenen Bürger einzupferchen, während die israelische Mauer als Filter konzipiert wurde und auch als solcher funktioniert.


Als die PEGIDA-Proteste ihren Höhepunkt hatten, prognostizierte die Bundesregierung beschwichtigend 250000 Einwanderer. Denn wer hätte damals gewagt, eine Million muslimische Einwanderer anzukündigen? Götz Kubitschek prognostizierte im August, dass spätestens im Oktober von 1000000 die Rede sein würde. Nun hat Sigmar Gabriel diese Zahl bereits genannt.

Die Gewerkschaft warnt. Die Willkommensbesoffenheit ließ die Flüchtlingsströme mittlerweile so stark anschwellen, dass jetzt die Grenzen dicht gemacht werden mussten, und sich dadurch in Serbien und Österreich Massen von Flüchtlingen anstauen, die sich eigentlich nach Deutschland eingeladen fühlten, aber besser in der Türkei geblieben oder nach Saudiarabien oder irgendeinem anderen arabischen Land, dessen Sprache sie nicht erst zu erlernen und dessen Kultur sie nicht erst zu begreifen und womöglich sogar zu respektieren brauchen, weitergezogen wären.

Merkel hat ihr Griechenlandkonsensproblem gelöst, indem sie ein viel größeres Problem, bei dem man mit der Packen-wirs-an-Parole an das deutsche Gewissen appellieren kann, herbeizauberte. Dass wir etwas haben, was wir uns verzeihen lassen können/müssen, wird immer wieder zu einem erstaunlichen Motor. Das Genialste an ihrem Schachzug ist, dass sie dadurch quasi nebenbei Europa unter Zugzwang setzt. Ein Händchen für den richtigen Moment hat sie wirklich.

Es wäre alles nicht einmal halb so schlimm, wenn nicht so viel gelogen würde. Aber auch die Lügen stauen sich in einem Maße an, das auf die Dauer von Propagandisten wie Johannes B. Kerner, Jauch, Will, Maischberger, Illner, Gauck und den in die Sendung eingeladenen "Rechtsextremismusexperten" nicht mehr glaubwürdig durchgehalten werden können wird. Selbst wenn man Johannes B. Kerner zum Bundespräsidenten wählen würde nicht.

Montag, 14. September 2015

Focus Nr. 38 - 12. September 2015

Der in Kassel und Stanford lehrende Evolutionsbiologe Ulrich Kutschera im Interview: Gender sei "Nonsens", verbreitet von "weltfremden, quasi-religiösen Normalfrauen-Hasserinnen, die meist homoerotisch gepolt und kinderlos sind", und es sei "eine Schande für den Wissenschaftsstandort Deutschland", dass an den einstmals höchstangesehenen Universitäten dieses Landes okkultistische Ideologien wie die Gender Studies gelehrt und verbreitet werden (Seite 82).

Weiterhin ein Artikel (Seite 40), der die pädophile (und leider in Enzensbergers Kursbuch N. 17 auch seitenlang als neue Lebensform dokumentierte) Vergangenheit jenes Mannes unter die Lupe nimmt, welcher sich heute als Anwalt und PR-Berater des sogenannten Flüchtlingsmädchens Reem Sahwil wichtig macht, welches durch ihre Tränen in Gegenwart der Kanzlerin bekannt wurde (und durch ihren Wunsch, nach Palästina zurückzukehren, wenn Israel endlich verschwunden ist).

Apropos! Wie hoch hierzulande die Zahl der Menschen, die den welthistorischen Kunstflug von New York für eine gute Tat halten, mittlerweile wohl angestiegen ist?



Übrigens, hier ein anschauliches Beispiel für die abgrundtiefe Dummheit (und opportunistische Verschlagenheit), die lange vor Miriam Meckel zur Voraussetzung und zum Fundament politsektiererischer Karrieren wurde. "Wen kümmerts, was ein paar weltfremde linke Spinner in Bereichen wie Literatur, Musik und Bildenden Künsten für Dummheiten verbreiten"?, dachte ich vor langer Zeit. Damals hielt ich nicht für möglich, dass ihnen je eine breite Öffentlichkeit zur Verfügung stehen könnte und sie echten Schaden anrichten könnten. Aber zu unserem Epochenstil gehört auch, dass die graue Muse das Absterben alles Edlen, Erhabenen, Spontanen, Ergreifenden, Erhebenden, Authentischen, Schönen und Wahren als Verlebendigung verkauft.

Ich habe die Hartnäckigkeit dieses verlogenen Menschenschlags - dessen Rücksichtslosigkeit und Kaltschäuzigkeit ich sehr gut kannte - unterschätzt.

Nie hätte ich damals geahnt, dass derartige Eseleien je hätten irgendeinen nennenswerten - und vor allem dauerhaften - Einfluss auf die Kunst und ihre Rezeption ausüben können. Nie hätte ich gedacht, dass im Weiteren selbst die Wissenschaft von ihnen beeinträchtigt werden könnte und dieses Gelichter eines Tages auf Lehrstühle deutscher Universitäten gelangen könnte, im Sessel eines Chefredakteurs landen könnte, Buchpreise gewinnen würde... Aber wenn Hitler einem das Feld bestellt hat, dann braucht man sich nur unerschütterlich auf die Antithese zu versteifen, um auf der sicheren Seite zu sein, unter dem Schutz der grauen Muse.

Die Unbelehbarkeit dieses Menschenschlags beruht nur zum Teil auf dem hartnäckigen Willen zur Macht. Zu einem großen Teil handelt es sich um echte Dummheit! Wie aber konnte so viel Dummheit Erfolg haben?? Nun, erstens wurde sie durch das schlechte Gewissen derer gefördert, die verunsichert durch Fehlleistungen im Zusammenhang mit dem Nationalsozialismus ihre eigene Raison d'etre in Frage stellten und einer Inklusionsethik huldigten. Zum anderen gelangten die Hartnäckigen auf der Fähre der eindimensionalen Spezialisierung vom Strom der eigenen Unbefangenheit getragen an bestimmte Schlüsselstellen und Schaltknöpfe. So funktioniert kultureller Niedergang seit Menschenbestehen. Es sei denn die Enkel der Verunsicherten retten uns noch einmal. Aber im Moment sieht es aus, als sei der Erfolg der Dummheit nicht nur vorübergehend, sondern wahrer Triumph.

Samstag, 12. September 2015

Vom Schwarzwald bis zur Lausitz

Miriam Meckel, die vor Jahresfrist an der Spitze der Wirtschaftswoche den sachverständigen Roland Tichy ablöste, weil sie als Kommunikationswissenschaftlerin, SPD-Symphatisantin, Frauenquotenpropagandistin, Lebenspartnerin von Anne Will und öffentliche Bekennerin eines sogenannten Burn-outs (zu einer anständigen Depression hat es wohl nicht gereicht) viel besser für diesen Posten geeignet ist als der Volkswirt Tichy, dankte ihre Nobilitierung erwartungsgemäß damit, dass sie das ehedem vergleichsweise freimütige Magazin auf Staats- und Parteienlinie gebracht hat, das heißt, die EU-Finanzpolitik wird heute dort ebenso gepriesen wie die Energiewende oder die Privilegierung von Frauen im Wirtschaftsleben einzig ihres Chromosomensatzes wegen.

Diese Woche widmet sich Frau Meckel in ihrem Editorial dem Thema "Flucht und Migration" und vergleicht die heutige Situation alsogleich mit jener Amerikas am Ende des 19. Jahrhunderts, als sich dort erstmals Unmut über die immer neuen Ankömmlinge aus Europa breit machte (also innerhalb der Weißen, die Rothäute hatten diesen Unmut bereits etwas eher zu äußern begonnen). Meckel schreibt: "Damals waren die Europäer die armen Schweine, und das gelobte Land hieß Amerika. Heute heißt das gelobte Land Deutschland, und die armen Schweine kommen aus Syrien, Libyen und anderen von Krieg und Notstand geplagten Ländern."

Die Dame fingiert also, sie könne nicht unterscheiden zwischen der Einwanderung in die endlosen Weiten eines kaum besiedelten Kontinents, wo von Anbeginn jeder Einwanderer sein Glück selber in die Hand nehmen musste, weil ihm niemand einen Cent schenkte, weshalb auch überwiegend sozial depravierte, aber arbeitswillige, entschlossene Europäer dorthin übersiedelten und ihre Vorstellungen von Staat, Gesellschaft, Moral etc. gemeinsam prägten, und der Invasion eines rappeldicht besiedelten Industrielandes durch meistenteils unqualifizierte, aber von tollkühnen Phantasien über das deutsche Schlaraffenland leider Gottes nicht einmal zu Unrecht beseelte Scharen künftiger Sozialhilfeempfänger und Billiglöhner aus einem durchaus fremden Kulturraum, dessen Wertvorstellungen in puncto Religion, Freiheit, Alltagsmoral, Rolle der Frau etc. samt der Aggressivität vieler männlicher Träger dieser Vorstellungen sich erheblich von den Gepflogenheiten des Gastgeberlandes unterscheiden.

Wäre das heutige Deutschland das Amerika von 1890, wäre die milliardenteure Landnahme, wie sie sich gerade mit dem Segen der Partei- und Staatsführung und nahezu ohne Widerstand vollzieht, überhaupt kein Problem, es gäbe ja erstens keine Milliarden und zweitens genug Land, jeder Einwanderer müsste sich sein Haus selber bauen, seinen Job selber suchen, die Ausbildung seiner Kinder selber finanzieren, Unterstützung durch mildtätige Ortsansässige fände durchaus statt, aber nur für kurze Frist, und für den unvermeidlichen gelegentlichen Konfliktfall hätte jeder Einheimische ein Gewehr im Schrank.

Wie heute gemeinhin üblich, verweist Meckel in ihrem Editorial auch auf die "etwa zwölf Millionen Menschen" die nach Ende des Zweiten Weltkriegs "aus dem Osten in die Westzone geflohen" sind, um die Aufnahmebereitschaft der Deutschen zu spornen. Auch hier fingiert sie eine Vergleichbarbeit des Inkommensurablen: Damals flohen Deutsche innerhalb Deutschlands, sie sprachen die gleiche Sprache, gehörten fast allesamt zur Christenheit, besaßen eine ähnliche Mentalität und den meinethalben absonderlichen, aber nun einmal Zusammenhalt und Wohlstand stiftenden, typisch deutschen Drang zur Arbeit. Auch diese Menschen wurden nicht vom Staat alimentiert (es gab den Lastenausgleich, doch das ist ein ander Ding) und sie wären im Traum nicht auf den Gedanken gekommen, dergleichen frech zu fordern.

"Die derzeitigen Flucht- und Wanderbewegungen sind Zeichen einer weiteren Wende, hin zur real existierenden Globalisierung, in der dieser Begriff so richtig mit Leben gefüllt wird", freut sich Frau Meckel, der neun von zehn Einwanderen als Lesbe das Daseinsrecht absprechen würden. Flucht und Migration seien eben der Normalfall in der Geschichte, belehrt sie die Zagenden. Aber Kriege, Zerstörung und der Zusammenbruch von Zivilisationen sind ebenso der Normalfall in der Geschichte. Meckels Schluss hätte auch ein römischer Patrizier des frühen 5. Jahrhunderts ziehen können, nur eben, als Römer, in stoischer Erkenntnis des Fatums, ohne dieses selbstgefällige, auf weitere Pfründen spekulierende MoralpredigerInnengrinsen, dessen immer weiterer Verzerrung ins Fratzenhafte und schließlichem Erstarren wir in den nächsten Jahren immerhin amüsiert werden hospitieren dürfen.




 Wenn in dieses Land eine Million Fremde einwandern können, ohne dass Truppen an der Grenze aufmarschieren; wenn der Vizekanzler verkünden kann, es dürften künftighin jedes Jahr noch eine halbe Million mehr sein, ohne dass ihm fürsorgliche Hände das Mikrophon entwenden und ihn hinwegführen; wenn aus diversen Großstädten verdruckst gemeldet wird, dass Banden von Zugewanderten die Macht über ganze Stadtteile ausüben und die Polizei ihrer nicht mehr Herr werde ... –

... dann ist die Erosion von Staatlichkeit offenbar so weit fortgeschritten, dass Bayern, Baden-Württemberg (wenn sie wieder zur Vernunft gekommen sind und die Grünen in die Wüste geschickt haben) und vielleicht Sachsen anfangen könnten, über eine Sezession von der BRD nachzudenken. Wer sollte sie schließlich am Vollzug hindern? Merkel? Die Bundeswehr? EU-Truppen? Die Antifa-SA? Die Katalanen werden es vormachen.

Um mich selber zu zitieren: Wie Israel und Palästina braucht auch die Bundesrepublik eine Zwei-Staaten-Lösung. Der eine Staat soll von denen besiedelt werden, die an Freiheit und an die „konventionelle“ Familie glauben, die nicht an Sozialismus oder „sozialer Gerechtigkeit“, sondern an Eigenverantwortung interessiert sind, die sich nicht den absonderlichen Diktaten eines Zentralkomitees mit Sitz in einer belgischen Kleinstadt unterwerfen, denen der Rechtsstaat so heilig ist, dass sie ihn mit Gewalt gegen jedermann durchsetzen, der ihn angreift, die einen weltoffenen Patriotismus pflegen und religiös tolerant sind, ohne sich ihre Traditionen wegdiskutieren zu lassen, die Sozialleistungen nur für wahrhaft Bedürftige zahlen und Zuwanderer, die ihre Rechnungen selbst bezahlen wollen, willkommen heißen, die anderen aber stracks vor die Tür setzen. In den zweiten, den fortschrittlichen, emanzipierten, sozialistischen, „antirassistischen“ Staat mag dann der Rest ziehen und, Gott befohlen, sehen wo er bleibt.  Klonovsky am 12. September 2015


Vielleicht kann man ja Schweiz und Österreich mit ins Boot holen. Bzw. darum bitten, annektiert zu werden.

Freitag, 11. September 2015

Man reibt sich die Augen

Erst bringen wir Millionen Familien systematisch um. Dann haben wir eine weltfremde Terrororganisation, die nicht für die Freiheit Schlesiens kämpft, sondern das eigene Land (eine der demokratischsten Demokratien der Welt) bekämpft, weil es ihrer Chefin nicht demokratisch genug ist und sie nur die Dritte Welt als Volk anerkennen will. Und jetzt haben wir eine Kanzlerin, die vergangenes Leid von einst nun sozusagen in den Fußstapfen dieser Terrorchefin büßen möchte, indem sie ihr Land umvolkt und ganz Europa gegen die Wand fährt. Man reibt sich die Augen. Dümmer als deutsch geht offenbar nicht. Der Gipfel sind die Willkommensrituale und die verordnete Fremdenfreundlichkeit. In einem Land dessen Bevölkerung (als Volk kann man diesen amorphen Haufen bei aller Volksamkeit ja nicht mehr bezeichnen) keine Ahnung hat, was Gastfreundschaft überhaupt ist und speziell für Zuwanderer (wenn sie nicht aus den USA kommen) genauso wenig Sympathie hegt, wie diese für uns.

Was haben Israel und Deutschland gemeinsam? Antwort: Von beiden Ländern wird immer wieder erwartet, sich besser zu verhalten als alle anderen sich völlig normal verhaltenden Staaten. Was unterscheidet Israel und Deutschland? Antwort: Deutschland springt tatsächlich über dieses Stöckchen.

Putin als Hoffnung

Soweit sind wir schon. Der IS hat zwei Stadtviertel von Damaskus besetzt, und die Endschlacht zwischen Assad und IS steht bevor. Wenn der IS gewinnt, werden aus Hunderttausenden Flüchtlingen Millionen. Und der einzige, der etwas dagegen tut, dass der IS diese Schlacht gewinnt, ist Putin. Putin als Retter Europas hatte gerade noch gefehlt.

Mittwoch, 9. September 2015

Rechnung

8. September 2015

SPD-Chef Gabriel hat die ganze Nacht am Rechenschieber nachgerechnet und am Morgen verkündet: "500.000 Flüchtlinge (i.e. Einwanderer – M.K.) jährlich" hält Deutschland aus. Man muss dann wohl nur mit dem IS abstimmen, dass die Vertreibungen entsprechend dosiert werden. Von diesen 500.000 werden ca. 400.000 Muslime sein, die wenigsten übrigens aus dem Gebiet des Terrorkalifats. Die "Islamisierung Deutschlands" bleibt aber einstweilen eine "angebliche" (so Gabriel im Februar dieses Jahres). Ich habe in den vergangenen Wochen eine Reihe sehr angenehmer deutscher Muslime kennengelernt – mehr darüber demnächst –, mit denen zusammenzuleben in der Tat eine Bereicherung ist. Die Annahme freilich, man könne jedes Jahr eine muslimische Großstadt in dieses Land pflanzen, ohne Konflikte erheblichen Ausmaßes zu riskieren, ist, gelinde gesagt, naiv, und drastisch gesagt eine Verletzung des politischen Amtseides, den auch unser Vizekanzler abgelegt hat und der lautet: „Ich schwöre, dass ich meine Kraft dem Wohle des deutschen Volkes widmen, seinen Nutzen mehren und Schaden von ihm wenden werde." Doch bei Lichte besehen ist diese Formel sowieso vollrohr Nazi und gehört abgeschafft.



Merkel mahnt: "Flüchtlingsstrom erfordert nationale Kraftanstrengung" (FAZ). Aber die Deutschen können getrost sein: Wenn sie sich wirklich richtig doll anstrengen, ist es vielleicht die letzte.



Haben Sie schon mal in einer deutschen Gazette einen detaillierten Bericht über Migrationsursachen und -gründe (und den Unterschied zwischen beidem) gelesen? Nein? Nur al fresco aufgetragenen Moralseim? Ts ts ts.



Auf einer Webseite fand ich den von mir hier mit allem gebotenen Abscheu und unter dem Abmurmeln der "Internationale" zitierten Satz: "Heute gehört uns Deutschland, und morgen der ganzen Welt."

Klonovsky am 8. September 2015



Bruder


Beethoven hatte 3 Brüder. Hier sieht man den Apotheker Johann van Beethoven. Ludwig grollte ihm, als er das Heiligenstadter Testament an seine Brüder schrieb und ließ an der Stelle, wo "Johann" stehen müsste, einen leeren Raum, damit er sich, ohne direkt angesprochen zu werden, angesprochen fühlen konnte.

Mitgefühl


Klärung eines Missverständnisses

Dienstag, 8. September 2015

Deutsche Welle

Wes das Herz voller Dummheit, des geht der Mund über.

De mendacio deque simulatione

7. September 2015

"Unter dem Druck der Völkerwanderung und der sie begleitenden, schriller werdenden politischen Korrektheit wird die europäische Rechtsordnung ausgehöhlt", notiert Roger Köppel in der Weltwoche. "Die gesetzlich verankerte Unterscheidung zwischen echten Flüchtlingen nach Genfer Konvention und illegalen Wirtschaftsmigranten verfließt. Wer auf die Gesetze hinweist, gilt als unanständig. Stillschweigend dehnen die Behörden den Asylbegriff auf alle Ankommenden aus. Übers Recht erhebt sich tyrannisch die Moral."

Wenn die Kraftlinien des Zeitgeistes solchermaßen klar sind, wird bekanntlich auch die Provinzpresse mutig. Freund F. aus Strausberg bei Berlin schreibt, im lokalen Anzeigenblättchen Blickpunkt fordere ein Kommentator nach dem Brandanschlag auf eine Turnhalle in Nauen, die als Unterkunft für Einwanderer vorgesehen war, die "rechtsextremen" Brandstifter, von denen Genaueres bislang noch nicht bekannt ist, also auch nicht, ob es sich tatsächlich um Rechtstextreme handelt, "gehören mit Schimpf und Schande aus dem Land gejagt und geächtet". (Am Rande: Bei linksextremer "Gewalt gegen Sachen" vernimmt man solche Forderungen nie.) Weiter im Text: "Aber weniger die braune Idiotie, sondern die stereotypen Vorurteile, die immer gesellschaftsfähiger werden, halte ich für gefährlich. In der Mitte der Gesellschaft dürfen die Leute nicht die Oberhand gewinnen, die bei Asylbewerbern zuerst an Diebstahl und Raub denken und die die deutsche Kultur zugrunde gehen sehen. Welche Kultur denn? Die Kultur des Egoismus, der Überheblichkeit und der Feigheit?"

Ob dergleichen kommentierende Würstchen nun aus Überzeugung, im gewitterten Auftrage oder zuweilen gar à contre coeur schreiben, ist unerheblich vor der Tatsache, dass sie durch die Bank natürlich wissen, wie feige, machtlos und unwichtig sie selber sind, wie sehr Spielball der Tagesbefehle und -parolen, weshalb sie ihr Ressentiment auch so auffällig schrill in die einzig mögliche Richtung ausagieren.

Das so etwas in den nächsten Jahren überrannt wird, kann man sich doch gar nicht nicht wünschen.



6. September 2015

Flüchtlinge, zum ersten: "Auch auf mich – selbst Vater zweier kleiner Kinder – wirkt dieses Bild, auch mir zerküllt es das Herz. Darum wird es auch auf allen Kanälen gesendet. Es ist Aufgabe des Betrachters, sich hiervon nicht auch das Hirn zerknüllen zu lassen", schreibt, hier stellvertretend für andere zitiert, Leser B. zum ertrunkenen syrischen Flüchtlingsjungen. "Allerdings musste jedem nachdenklichen Beobachter klar sein, dass die tödliche Überfahrt der Familie weder eine Flucht vor politischer Verfolgung (einziger Grund für die Gewährung politischen Asyls in der Bundesrepublik) noch vor dem Krieg (Grund für Erteilung des Flüchtlingsstatus nach UN-Kriterien und damit Grundlage für die Aufenthaltsgewährung in der Bundesrepublik) war. In der Heimat mögen diese Gefahren zumindest zum Fluchtzeitpunkt wohl gedroht haben, an der türkischen Westküste mit Sicherheit nicht." Auch dass der Vater seine ertrunkene Familie schließlich in Kobane beerdigte, also in jenem Land, aus dem die Familie angeblich geflohen war, verwundert im nachhinein denn doch. Schwerlich lässt sich das Argument von der Hand weisen, dass die hierzulande gestifteten Einwanderungsverlockungen für den Tod des Jungen mitursächlich sind, sofern man sich nicht darauf beschränken will, das unverantwortliche Handeln des Vaters, der seinen Kindern nicht einmal billige Schwimmwesten verschaffte, anzuprangern.

Flüchtlinge, zum zweiten: Egal mit wem ich in den vergangenen Tagen sprach, ob Professor, Journalist, Künstler, Ministerialrat, Arzt, Minister a.D., Gastwirt oder Offizier (egal übrigens auch ob Deutscher, Franzose, Italiener, Türke oder Israeli), alle sagten unter vier Augen recht unverblümt, dass Deutschland sich derzeit mehr Probleme auflade, als das Land womöglich je werde bewältigen können, ganz abgesehen davon, dass dies alles ja nur, wenn die Regierung nicht rasch entschlossene Maßnahmen treffe, nur das Präludium zu einer Völkerwanderung sondergleichen sei. Aber keiner sagt es öffentlich...

... denn dort, Flüchtlinge zum dritten, walten vielmehr die Jubelperser. "Egal wo die Menschen ankommen, die Bilder ähneln sich", meldet die Süddeutsche Zeitung, "Bürger begrüßen erschöpfte Flüchtlinge mit Applaus und Geschenken." Das ist reizend, aber wie wird es in drei Wochen aussehen? Wo doch bereits eingeladene Gäste nach ein paar Tagen zu stinken anfangen...



4. September 2015

"Und unter uns", schreibt Leser K. in einem Brief, "die DDR-Kommunisten hatten sehr viel mehr Schneid, als die bundesrepublikanischen, androgynen und geduldig antiautoritär verzogenen neosozialistischen Bettnässer. Denn die sind so individuell und autonom, daß sie nur noch, wenn überhaupt, im Rudel einen hoch kriegen. An ersteren jedoch war unter vielen anderen auch ich gezwungen, mein Rückgrat aufzurichten..."

Da ist was dran, die Gegnerschaft zu solchen Mollusken, wie sie hier & heute das große Wort führen, stärkt naturgemäß niemandes Statur.  



3. September 2015

Das Bild des toten syrischen Jungen, den das Meer an den Strand nahe des türkischen Ferienorts Bodrum gespült hat, zerknüllt einem das Herz. Der Dreijährige war mit seiner Familie vor den Gottesbarbaren des Islamischen Staates geflohen. In Deutschland hätte er Asyl gefunden. Fluch über das Gelichter, das ihn in den Tod getrieben hat.

Und Schande über diejenigen, die seinen Tod jetzt für ihre Einwanderungspropganada nutzen, statt das Maul zu halten und ein Gebet zu sprechen, egal was für eins. Kein zurechnungsfähiger Mensch, auch nicht bei Pegida, der AfD und in anderen Etagen der Unterwelt, hat sich nämlich gegen die Aufnahme tatsächlicher Flüchtlinge ausgesprochen (und wenn, dann Schande auch über diese Figuren).



1. September 2015

"Entgegen allen Verlautbarungen (...) leben wir heute gerade nicht in einer 'pluralistischen' Gesellschaft. Es gab sie etwa in Weimar, als es ein nationales, ein kommunistisches, ein katholisches, ein sozialdemokratisches etc. Milieu gab – mit den entsprechenden Ideologen, Zeitschriften, Verlagen usf. Davon kann keine Rede mehr sein. Wir haben heute nur ein einig Volk von Verfassungspatrioten", notierte Günter Maschke vor 30 Jahren in seinem glanzvollen Essay "Die Verschwörung der Flakhelfer", der vielleicht profundesten Analyse deutscher Nachkriegsbefindität, die ja letztlich darin besteht, dass wir in einem Land leben, "in dem jeder zum Verfassungsfeind des anderen werden kann". Deshalb gibt es hier auch mehr ehrenamtliche Verfassungsschützer als in jedem anderen Land der Welt, sei es nun im Auftrag oder bloß im Namen der verschiedenen Parteien, Lobbys und Minderheiten. (Manche Hilfsverfassungsschützer wollen den Geltungsrahmen des Grundgesetzes gar via Asylrechtshypertrophie auf die ganze Welt erweitern und dafür sorgen, dass irgendwann jeder Bewohner der Bundesrepublik zum Verfassungsfeind sämtlicher Bewohner des Planeten werden kann, die daran Interesse bekunden.) Maschke: "Weil es um nichts geht, was dieses System transzendieren könnte, weil es immer nur um Varianten der Unterwerfung und der Selbstfesselung geht, ist es so schwierig, sich zu den einzelnen Konflikten und Ereignissen eine Meinung anzuquälen."

Nach einer Besprechung im Auswärtigen Amt am 8. November 1941 – Thema: die Enteignung der deportierten Berliner Juden; von 25 Anwesenden sind 24 dafür – schreibt Helmuth von Moltke, diese Leute seien "wie Chamäleons. In einer gesunden Gesellschaft machen sie einen gesunden Eindruck, in einer kranken, wie der unseren, machen sie einen kranken. In Wahrheit sind sie weder das eine noch das andere. Sie sind Füllsel."

Klonovsky Anfang September 2015

Samstag, 5. September 2015

Aufrichtigkeit


So (hier und hier) sieht Aufrichtigkeit aus. Und Angemessenheit übrigens auch!!

Man sollte nach dem Sturz einer Diktatur nie mehr als 300 Hauptverantwortliche bestrafen, sagte Karl Popper einmal (weil sonst die Schuld banalisiert wird).

Da die Schoa aber von 1 Million Personen aktiv unterstützt wurde und nur 11 Verantwortliche hingerichtet wurden, ziehe ich meinen Hut vor dieser Rachebrigade, die dafür gesorgt hat, dass die Proportionen doch noch etwas ins Lot kamen.

Freitag, 4. September 2015

Vorbildfigur


Ja, durchaus!

Wie heißt es so schön in Sophie Scholls Lieblingslied (das auch Kubitschek & Kositza oft singen)?

Dein Amt ist hüten, harren, sehen
im Tag die Ewigkeit.
Du bist schon so im Weltgeschehen
befangen und befreit.
Die Stunde kommt, da man dich braucht,
dann sei du ganz bereit,
und in das Feuer, das verraucht,
wirf dich als letztes Scheit. Friedrich Gundolf


Gute Bestandsaufnahme aus linker Sicht

Das erfolgversprechende Auftreten der AfD in der politischen Landschaft der Bundesrepublik Deutschland hat zu einer Debatte im jungkonservativen Lager geführt, in der gegensätzliche Positionen artikuliert wurden. Personelle Veränderungen hängen damit zusammen. Karlheinz Weißmann, die intellektuelle Führungsfigur im jungkonservativen Lager, ist aus der Redaktion der Sezession, der Zeitschrift des Instituts für Staatspolitik (IfS) ausgeschieden. Für das Juniheft hat er, zum ersten Mal nach rund elf Jahren, keinen Artikel verfasst. Auch auf dem Blog Sezession im Netz (SiN) wird er nicht mehr als Autor geführt. Die Junge Freiheit (JF), für die Weißmann regelmäßig schreibt, stellte ihn noch im April als wissenschaftlichen Leiter des IfS vor (JF 18/2014, 18), Anfang Juni wird auf diese Angabe verzichtet (JF 24/2014, 18). Damit scheint Weißmanns führende Rolle im IfS, das er zusammen mit Götz Kubitschek gegründet hat, beendet zu sein; solange es allerdings dazu keine offizielle Erklärung gibt, muss man dies noch mit einem Fragezeichen versehen. Möglicherweise wird es ein neues Arrangement auf veränderter Basis geben.
Im Kern geht es um die Haltung zur AfD und um die Frage, ob und, wenn ja, in welchem Ausmaß die AfD unterstützt werden kann und soll. Theoretisch gesprochen: Es geht um das ‚rechte’ Verständnis von Real- und Metapolitik. Zur Debatte steht aber auch das Verhältnis zwischen IfS und der Jungen Freiheit, die sich für die AfD von Anfang an publizistisch engagiert hat. – Im Folgenden gehe ich zunächst auf dieses Verhältnis ein, um dann im Weiteren die kontroversen Positionen der jungkonservativen Protagonisten zur AfD in ihrer Entwicklung zu skizzieren. Abschließend folgt eine Bewertung der derzeitigen Konstellation.
Zur Vorgeschichte1
Das im Jahr 2000 gegründete Institut für Staatspolitik (IfS) bildete zusammen mit dem Verlag Antaios (Leiter: Götz Kubitschek) und der Berliner Wochenzeitung Junge Freiheit (JF) den Kern eines Netzwerks von arbeitsteilig operierenden Einrichtungen, die sich auf unterschiedliche Aufgabenfelder spezialisierten und gleichzeitig miteinander kooperierten. Die politische Hauptaufgabe der JF sah Chefredakteur Dieter Stein darin, langfristig mit publizistischen Mitteln an der Bildung eines tragfähigen gesellschaftlichen Milieus für die Durchsetzung rechter Positionen auf parlamentarischer Ebene mitzuwirken. Es sei „höchste Zeit für die Formierung eines starken konservativ-freiheitlichen Widerlagers“, das in der Lage sei, die staatstragenden Parteien, insbesondere aber „die Union von rechts unter Druck“ (JF 41/2009, 1) zu setzen und eine Ausdifferenzierung des Parteiensystems nach rechts hin zu bewirken.
Das IfS enthielt sich solch parteipolitischer Ambitionen, verstand sich selbst als „Kern einer konservativen Denkfabrik“ (Weißmann 2011, 74) in der Tradition der Konservativen Revolution. Es widmete sich den Bereichen von Forschung und Wissenschaft, Fortbildung und Politikberatung. „Uns geht es“, umschrieb Weißmann die metapolitische Stoßrichtung des Instituts (JF 36/2001, 6), „um geistigen Einfluß, nicht die intellektuelle Lufthoheit über Stammtischen, sondern über Hörsälen und Seminarräumen interessiert uns, es geht um Einfluß auf die Köpfe, und wenn die Köpfe auf den Schultern von Macht- und Mandatsträgern sitzen, um so besser.“ Das IfS sei eine „Kaderschmiede des Metapolitischen“, schrieb Moritz Schwarz (JF 17/2002); es gehe aber nicht nur um die „Bildung einer rein geistigen“ Elite, sondern langfristig um die einer „klassischen Elite“, die in der Lage sei, „Geistigkeit auch in Führungskompetenz umzusetzen“ und „Entscheidungspositionen in Kultur, Gesellschaft und Politik“ zu erringen und „somit mit den Eliten des linken und liberalen Spektrums“ gleichzuziehen.
Die unterschiedlichen strategischen Orientierungen führten zuweilen zu Irritationen. So gab es über einen längeren Zeitraum eine z.T. heftig geführte Debatte über den Begriff ‚Neue Rechte’, der von Seiten des IfS durchaus als Ehrentitel für die ‚Sezession’, die Loslösung vom hegemonialen Diskurs und von einem gewöhnlichen, mehr oder weniger sinnentleerten Konservatismus, verstanden wird. Dieter Stein bestritt Sinn und Nutzen dieses Begriffs und hielt ihn für rufschädigend, aus seiner Sicht angesichts der langjährigen Auseinandersetzung mit dem NRW-Verfassungsschutz durchaus verständlich. Stattdessen plädierte er, ganz im Sinne der vorhin skizzierten strategischen Orientierung, für die vorbehaltlose Besetzung des Begriffs ‚konservativ’, da für ihn „der politisch-publizistische Standort ‚konservativ’ in Deutschland durch keine etablierte Partei oder ein Medium vertreten“ sei.
In der Sache, nämlich in Bezug auf das Konservatismusverständnis, war diese Debatte wenig ergiebig. Beide Seiten stimmten in ihrem positiven Bezug auf die Konservative Revolution und die Strömung des Weimarer Jungkonservatismus überein. Die JF hat sich in ihrem „Leitbild“ ausdrücklich dazu bekannt. Allerdings spiegelt sich in diesen Irritationen das prekäre Verhältnis von Realpolitik und Metapolitik wider. Beide Formen des politischen Kampfes finden zwar ihre Einheit im identischen Ziel, unterscheiden sich aber in ihrem Blick auf die konkrete Lage, die es nach Maßgabe des Ziels zu verändern gilt. Realpolitik orientiert sich am Möglichen, trifft ihre Entscheidungen immer unter den gegebenen Bedingungen, berücksichtigt die gesellschaftlichen und politischen Kräfteverhältnisse, macht Kompromisse, geht taktische Umwege etc.; Metapolitik dagegen bewegt sich im Modus des Weltanschauungs- und Kulturkampfes und sucht in den konkreten politischen Auseinandersetzungen die „Absicherung im Prinzipiellen“ (Weißmann 2007, 87), die das Mögliche immer mit dem Stempel des Vorläufigen versieht. Insofern stehen Real- und Metapolitik in einem Spannungsverhältnis zueinander, das die Möglichkeit von Irritationen und Differenzen in sich birgt. Andererseits aber muss auch der Metapolitiker sagen können, welche politischen Entscheidungen und Entwicklungen in einer konkreten Situation er für (relativ) sinnvoller hält und welche nicht. Metapolitik ist, so Weißmann, keine „Ausflucht“ (ebd.), etwa in Form einer unverbindlichen Kulturkritik, sondern muss auch den Regeln der Politik als einer „Kunst des Möglichen“ Rechnung tragen.
Das Verhältnis zur AfD
Dieter Stein begründete in einem Beitrag für ein Sonderheft der Sezession („Alternativen für Deutschland“, Mai 2013) die publizistische Unterstützung für das AfD-Projekt damit, dass die AfD das „Thema der verantwortungslosen Euro-Rettung“ und damit verbunden „die endgültige Schleifung der nationalen Souveränität“ in das „Zentrum der Debatte“ gerückt habe; zudem betonte er, dass es bei aller gebotenen Skepsis gegenüber der weiteren Entwicklung der AfD „von übergeordnetem Interesse“, d.h. vorrangig sei, das „Monopol[ ] der CDU“ zu brechen (Stein 2013, 19). Als ‚Morgengabe’ einer gedeihlichen Zusammenarbeit verfasste Stein einen programmatischen Text „Für eine neue Nation“ (JF 41/2013, 18), der eigentlich auf die Auseinandersetzungen in der Deutschen Burschenschaft (DB) gemünzt war,2 zweifellos aber auch die Bedürfnisse der AfD im Blick hatte, insofern er sich auf die seiner Meinung nach liberalen, freiheitlichen Traditionen der DB berief und für einen „erneuerten Volkstumsbegriff“ warb. Denn nach fünfzig Jahren Einwanderung habe „sich das Bild Deutschlands gewandelt“. Es sei daher „realitätsfremd“, „an einem engherzigen volkstumsbezogenen Vaterlandsbegriff festzuhalten, der integrationswillige Einwanderer und Kinder von solchen“ ausschließe. Steins Ausführungen knüpfen an das JF-offiziöse „Manifest für die Zukunft Deutschlands im 21. Jahrhundert“ (JF 42/2012, 3), das von dem Burschenschaftler Michael Paulwitz verfasst wurde (vgl. auch Paulwitz, in: JF 49/2012, 22). Mittlerweile hat Stein seinen Beitrag zum Ausgangspunkt eines Buches gemacht (vgl. Stein 2014).
Gegenüber soviel realpolitisch motivierter Flexibilität waren bereits vor Erscheinen dieses Artikels Stimmen aus dem IfS laut geworden, die die publizistische Unterstützungsarbeit der JF mit Skepsis und Kritik bedachten. Sie wiesen warnend auf eine womöglich zu starke Anpassungsbereitschaft der Partei an den hegemonialen Diskurs hin, die nicht mehr abgedeckt sei durch eine den Umständen angemessene Taktik der politischen „Mimikry“ (vgl. Lichtmesz 2013a). Die Unterstützung für die AfD könne dem möglicherweise Vorschub leisten (vgl. Lichtmesz 2013b). Konkrete Anlässe für diese Interventionen waren der „Fall Kuhlmann“ – der evangelikale, islamfeindliche Theologe, JF-Autor und IfS-Referent, war als Redner von einer AfD-Veranstaltung ausgeladen worden (siehe Neue Osnabrücker Zeitung v. 12.09.2013) –, der der JF nur eine Randnotiz wert war (JF 39/2013), und im verständnisvollen Ton gehaltene Äußerungen zum Aufnahmestopp für „Die Freiheit“-Mitglieder (Marcus Schmidt, JF 42/2013).
Im Oktober schließlich sagte die JF ihren Stand auf dem vom IfS veranstalteten Vernetzungstreffen, dem zum zweiten Mal stattfindenden Zwischentag, ab. Dieter Stein ließ seinen Mitarbeiter Henning Hoffgaard (JF 42/2013, 18) ‚mitteilen’, dass eine breitere politische Aufstellung der Messe erwünscht sei, vorausgesetzt, es komme „zu einer selbstkritischen Auseinandersetzung über ‚rechte’ Positionen“. Angespielt wurde damit zum einen auf den (angekündigten) Auftritt des „italienischen Publizisten und Vordenkers des neofaschistischen Projekts Casa Pound“, Gabriele Adinolfi, von dem Hoffgaard zu berichten wusste, dass ihm die Verwicklung in den Anschlag von Bologna (1980) angelastet werde. Zum anderen auf einen (nicht angekündigten) Redebeitrag des stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden der neonationalsozialistischen Partei Jobbik, Márton Gyöngyösi, der – so Hoffgaard – „in der Vergangenheit vor allem durch seine als antisemitisch kritisierte Reden auf sich aufmerksam gemacht“ habe. Und: „2012 hatte er gefordert, Juden, die für den ungarischen Staat arbeiten, registrieren zu lassen. Später hatte er sich für seine Äußerungen entschuldigt. Er habe damit nur ungarische Juden mit einer israelischen Staatsangehörigkeit gemeint.“
Die von der JF erhobene Forderung nach einer selbstkritischen Besinnung knüpfte zweifellos an ihre sorgsam gepflegten Abgrenzungsbemühungen von der NPD an, ebenso wie an ihre Kritik an der Zweckmäßigkeit des Begriffs „Neue Rechte“ (wobei letztere nie ein Grund war für die Aufkündigung der Zusammenarbeit mit dem IfS). Götz Kubitschek freilich nahm die Forderung (vor dem Hintergrund der vorhin beschriebenen Vorgeschichte) ziemlich grundsätzlich, beschwerte sich über die seiner Meinung nach einseitige und falsche Fixierung des JF-Artikels auf „die Enttarnung des fragwürdigen ausländischen Besuchs“ und rückte ihn im Rahmen eines Textvergleichs in die Nähe der Berichterstattung der Berliner Zeitung und der Jungle World (Sezession im Netz v. 06.10.2013). In der an seinen Beitrag anknüpfenden Diskussion auf SiN stellte er die polemische Frage: „wer ist partner, wer gegner, wer egal?“
Dieses Misstrauensvotum an die Adresse der JF speist sich aus einer Überlegung, die Kubitschek an früherer Stelle geäußert hat. Im Vorwort zu dem bereits erwähnten Mai-Sonderheft der Sezession (Kubitschek 2013, 1) entwickelt er folgende Problemsicht: zunächst gewinnt er dem AFD-Kurs der JF Positives ab, insofern es sich „bei der AfD um eine Ausweitung der Kampfzone und um die Öffnung eines zusätzlichen Resonanzraums“ handele. Zugleich aber, so die Warnung, sei dies „die Zementierung einer Mauer“, will sagen: „Wer jetzt nicht mit dabei ist, sondern von rechts kritisiert, ist gründlicher außen vor als bisher. Denn er ist selbst an diese Bewegung nicht mehr anschlußfähig. Insofern käme der AfD im System des Machterhalts und des Elitenwechsels der Mitte die Rolle des Staubsaugers und zugleich der Kantenschere zu.“
Götz Kubitschek: Der Einzelne, der politische Raum und das Ganze
Wovor Kubitschek warnte, ist zweifellos realpolitisch gedacht, drückt aber zugleich ein Dilemma aus, das durchaus selbstverursacht ist. Am deutlichsten wird das bei Kubitschek selbst und dessen Reflexionen über die Sphären des Einzelnen, des politischen Raums und des Ganzen (Kubitschek 2014, 33-35). Sein existentialistisches Politik-Verständnis mit der emphatischen Bezugnahme auf das „anmaßende Ich“ transportiert eine Beliebigkeit des Handelns, der es im Wesentlichen um die Selbstbehauptung im Kampf zu tun ist: der Einzelne als „Ein-Mann-Kaserne“. Das Handeln müsse dem Kriterium der „expressiven Loslösung“ genügen: „Denn dies gehört zum unverwechselbaren Stil der Ein-Mann-Kaserne, deren Tore aus Mangel an Versöhnung mit den gegenwärtigen Verhältnissen geschlossen wurden“ (Kubitschek 2012, 13; Hervorh. v. Vf.). Daran gemessen erscheint der gegebene Raum des Politischen bloß als eine Sphäre, die von „der Arbeit am Machbaren“, von „Ausgleich und Kompromiß“ geprägt ist (2014, 34). Hier regiert das „Angemessene“, nicht die „Anmaßung“ des Einzelnen, sein Schicksal selbst zu bestimmen. Der Politiker wird zum „anti-erhabenen Typ […] und kann keine Alternative mehr formulieren.“ (35) Was aber ist die große Alternative, wenn das „Ganze“, vulgo: das System, angesichts der „schleichende Katastrophe, dieser Auflösung aller Dinge“ in Frage steht? Kubitschek nimmt diesbezüglich Zuflucht zu Maßstäben, die aus anderen Feldern als dem der Politik herrühren, aus den Bereichen des Religiösen und Ästhetischen. Wer die Alternative wolle, brauche eine „Große Erzählung“, eine nationale Mythologie, „und vor allem wäre er von furchterregender, angemessen (!) rücksichtsloser Entschlossenheit. Der Einzelne und sein inneres, sein poetisches Reich – wer wirklich schöpferisch und restaurativ zugleich wirken will, muß dort gewohnt haben.“ Stauffenberg und das Geheime Deutschland lassen grüssen.
Kubitscheks Absage an eine realistische Sichtweise des Politischen führt ihn vor eine Grundsatzentscheidung. In einer Situation, in der viel „Konservative und Rechte“ die Möglichkeit sähen, vermittels der AfD „zu Wirkung, Einfluß, sogar zu Macht zu gelangen“, wirft er die Frage auf, ob es recht sei, die Regularien des politischen Raums zur „Richtschnur rechten Denkens, Publizierens und Handelns“ zu machen, Parteidisziplin zu üben und auf die „Anmaßung – diese Maximalforderung des Ichs oder des Ganzen“ zu verzichten? Und das zu Gunsten einer „ganz klein wenig aufbrechenden, durch und durch liberalen, abgesicherten, auf die Mitte hin orientierten Konservatismus?“ Und mit Blick auf das Projekt Sezession heißt es zugespitzt: „Dies ist also eine grundsätzliche Entscheidung: für oder gegen die Sezession“ (Hervorh. v. Vf.).
Kubitscheks Haltung zur AfD (und zur JF) nahm hier eine Wendung, die die Funktion und das Selbstverständnis der Zeitschrift berührte und damit der intern und zugleich öffentlich geführten Debatte im Umkreis des Instituts für Staatspolitik eine bewusste Schärfe verlieh. Der Adressat war vor allem: Karlheinz Weißmann.
Karlheinz Weißmann: Politik und Metapolitik
Die Frage, wie man sich im jungkonservativen Lager auf die AfD zu beziehen habe, hat Weißmann zu Präzisierungen ‚gezwungen’, die das Verhältnis von Real- und Metapolitik berühren.
Bereits im Augustheft 2013 hatte er gegen die Hype um die Identitären in Frankreich, deren Bewegung in der Sezession vor allem von Lichtmesz und Kubitschek positiv aufgegriffen wurde, die Notwendigkeit von politischen Organisationen und Parteibildungsprozessen betont, die willens und fähig seien, auf die „Mitte“ Einfluss zu nehmen. In diesem Zusammenhang ging er gezielt und wohlwollend auf die AfD ein: „Dieser Versuch, den gesunden Menschenverstand zu organisieren, setzt auf die Mobilisierung der […] Mitte, was angesichts der bestehenden Kräfteverhältnisse die einzig denkbare Option für ein anderes politisches Handeln ist“ (Weißmann 2013a, 13; Hervorh. v. Vf.). Die Rolle, die er dem IfS dabei beimaß, beschrieb er als eine weiterhin metapolitische und insbesondere konzeptionelle Arbeit, deren Ziel es letztendlich sein müsse, „einen ideologischen Gesamtentwurf zu schaffen“.
Auf dem 2. Zwischentag hielt Weißmann dann zum Thema „Politik und Metapolitik“ einen Vortrag, dem er im Dezemberheft 2013 der Sezession einen demselben Thema gewidmeten Artikel folgen ließ. Der Artikel führt das Verhältnis von situationsbezogener realpolitischer Option und langfristiger konzeptioneller Arbeit (im Übrigen unter Bezugnahme auf Gramsci) weiter aus (Weißmann 2013b, 41):
1. „Metapolitik ist […] nur sinnvoll als Teil von politischen Strategien.“ Sie „muß Lagen analysieren und Machbarkeitsfragen stellen“, sie „interessiert sich zwingend auch für politische Praxis und deren Träger“, was nicht bedeute, so Weißmann mit Blick auf Kubitschek, „seine persönlichen oder ästhetischen Maßstäbe gegenüber der Politik zur Geltung“ zu bringen, denn die seien „nicht politisch“.
2. Metapolitik kann nur dann Wirksamkeit entfalten, wenn sie anschlussfähig ist und „gehört“ wird. „Provokation und Konfrontation“, d.h. die von Kubitschek bevorzugten Optionen (vgl. Kubitschek 2007), seien daher „nur ausnahmsweise Mittel der Wahl“.
3. Metapolitik ist auf einen langen Zeitraum eingerichtet („gedehnte Fristen“, „langer Atem“) und erfordere ob vieler „Unwägbarkeiten […] Geduld, Klugheit und Geschick“, immer aber den Bezug auf den „Alltagsverstand“. Mit einer voluntaristischen und sektiererischen („Konventikel, in denen jeder die ‚Sprache Kanaans’ spricht“) Praxis sei das nicht vereinbar.
4. Es gibt keine „Erfolgsgarantie“ für Metapolitik, zumal der „Kulturkampf von rechts auch in Zukunft aus einer Position der Schwäche geführt“ werde, was „die Zielsetzung und die Wahl der Mittel bestimmen“ müsse.
Repliken
Diese Ausführungen Weißmanns blieben nicht unbeantwortet. Vor allem aus der jüngeren Autoren-Generation des IfS sprangen Martin Lichtmesz und Manfred Kleine-Hartlage im selben Heft der Sezession Kubitschek zur Seite.
Lichtmesz (2013c, 42-45), der sich als Sprachrohr der sog. Identitären Bewegung versteht, beschwor mit Blick auf die Zuwanderung das apokalyptische Bild, dass es bereits „fünf nach zwölf“ sei, und fragte als selbsternannter Anwalt der heute zwanzigjährigen ‚Einheimischen’: „Ist es da ein Wunder, dass sie kaum ein Ohr haben für jene, die ihnen zuviel von einer Metapolitik des ‚langen Atems’ und der ‚Vorbereitung’ reden, Strategien, deren Wirkung völlig unbewiesen ist, und die offensichtlich bis heute nicht aufgegangen sind?“ Und er verteidigte die von Weißmann als Ausnahmestrategien abqualifizierten Optionen „Provokation und Konfrontation“, wie sie auch von der Identitären Bewegung verfolgt werden: „Deren Erfolgsaussichten scheinen mir jedenfalls auch nicht weniger gewiß zu sein als die Hoffnung, dass die gut vorbereiteten Konservativen in der Stunde X aus ihrer Schattenexistenz geholt würden.“ Natürlich müsse man weiterhin Metapolitik betreiben und natürlich müsse man sich auf die „Widerstandspotentiale“ im „bürgerlich-liberalen Lager“ – darunter subsumiert er die AfD genauso wie die FPÖ und den Front National – beziehen. Aber, so seine skeptische Auskunft, man werde sehen, „ob all diese nicht lediglich dies waren: nützlich retardierende Werkzeuge auf dem Wege zur vollendeten Zersetzung.“
Kleine-Hartlage (2013b, 46-48), der von sich glaubt, dass er mal ein ‚Linker’ gewesen sei, sich nun aber auf dem ‚rechten’ Pfad der Tugend befände, opponiert gleich gegen die politische Geschäftsgrundlage des IfS, indem er dessen strategischen Bezug auf die Eliten, zu denen er auch die ehemals oppositionelle 68er-Linke rechnet, in Frage stellt: „Für eine rechte Opposition kommt […] eine Strategie von vornherein nicht in Betracht, die primär darauf abzielt, Positionen innerhalb der Eliten zu besetzen und von dort aus in die Gesellschaft hineinzuwirken.“ Stattdessen empfiehlt er eine „Einkreisungsstrategie“. Es gelte, „das Feld von unten nach oben und von außen nach innen aufzurollen, das heißt das herrschende Machtkartell von der Peripherie her unter Druck zu setzen“.
Dazu sei es erstens notwendig, so Kleine-Hartlage in einem früheren Aufsatz (2013a, 42-44), eine Einengung von Metapolitik auf konzeptionelle Arbeit zu vermeiden, sondern von „eine[r] Pluralität metapolitischer Kommunikationsformen“ auszugehen und an einer Vernetzung von „politisch und soziologisch heterogene[n]“ Milieus über eine gemeinsame Feindbestimmung (gegen die herrschenden Eliten) zu arbeiten. Diesbezüglich plädiert Kleine-Hartlage – nach dem Muster der Querfront-Strategie des jungkonservativen TAT-Kreises in der Endphase der Weimarer Republik – für ein „Bündnis mit der linken Peripherie“ (2013b, 47): Es gäbe „eine kleine, aber wachsende Fraktion der antiimperialistischen Linken, die gegenüber rechten Themen und Positionen kaum noch Berührungsängste“ habe, wie z.B. die Gruppe um Jürgen Elsässer und dessen Zeitschrift Compact (vgl. Kleine-Hartlage 2013a, 44). Zweitens betont er die Nachrangigkeit von Parteipolitik gegenüber Metapolitik: „Wer metapolitisch wirken will“, der dürfe „nicht darauf aus sein, schon zu Beginn den kleinsten gemeinsamen Nenner mit der ‚Mitte’ zu suchen“ (2013a, 44).
Karlheinz Weißmann: Umbau des Parteiensystems
Die Gegenreplik von Weißmann – die Europawahlen hatten soeben den Aufwärtstrend der AfD bestätigt – ließ nicht lange auf sich warten. Interessant ist nur, wo sie erschien. Jedenfalls nicht im Juniheft der Sezession (H. 60), das dem Thema „Demokratie“ gewidmet war und den Abonnenten im Begleitschreiben Kubitscheks süffisant als „eines der besten Sezession-Hefte, das wir je fertig stellten“, offeriert wurde, und das nach rund elf Jahren zum ersten Mal ohne einen Text von Weißmann. – Nein, die Gegenreplik erschien auf der Forums-Seite der JF mit dem hintersinnigen Titel „Die Geduld hat ein Ende“ (JF 24/14, 18), womit Weißmann auf den bereits zitierten Artikel in der Sezession anspielte, in dem er die Geduld des Metapolitikers beschworen hatte. Dass die Geduld nunmehr ein Ende habe, signalisierte freilich nicht den Abschied vom „langen Atem“, sondern zielte auf den politischen Möglichkeitsraum, der sich mit der Etablierung der AfD, getragen von einer Aufkündigung „schafsmäßige[r] Geduld“ von Seiten ihrer Wähler, eröffnen könnte.
Weißmann skizziert also ein Szenario für die weitere Entwicklung der AfD und ordnet es dem langfristigen strategischen Kalkül der Jungkonservativen zu. Es geht perspektivisch um den „Umbau des Parteiensystem“ als einem Teilziel des von den Jungkonservativen angestrebten Umbaus des Staates. Damit knüpft er an einen Artikel Dieter Steins vor den Europawahlen an (JF 22/2014, 1), in dem dieser eine „historische Umwälzung des deutschen Parteiensystems“ prognostiziert hatte.
Weißmann holt zunächst weit aus und beginnt mit einem Rückblick auf die Parteiengeschichte, besonders im Kaiserreich. Auf die Ausbildung von Massen- und Weltanschauungsparteien auf der Linken und im Lager des politischen Katholizismus hätten Liberale und Konservative aufgrund ihrer Organisation in Honoratiorenvereinigungen keine angemessene Antwort gehabt. Dazu hätte es der Weiterentwicklung zur Volkspartei bedurft, was dann unter den veränderten historischen Bedingungen der Nachkriegszeit von den Unionsparteien nachvollzogen worden sei. Auf europäischer Ebene erwähnt Weißmann als Beispiele für die von ihm als notwendig erachtete „Anverwandlung“ an den Gegner die Tories oder die Gaullisten in Frankreich.
Es folgt der Blick in die Gegenwart: Ob sich die rechtspopulistischen Parteien zu Volksparteien weiterentwickeln könnten, stünde noch nicht fest. „Protestler“ wie die Freiheitspartei in den Niederlanden drohten an dieser Hürde zu scheitern, die „Nationalen“ wie der Front National oder die FPÖ verfügten über eine „stabile Basis“ und ein „erprobtes Rezept“3 für einen weiteren Ausbau. Zu einer dritten Gruppe, den „Unbeugsamen“, zählt Weißmann die UKIP und – trotz der Abgrenzungsbemühungen Luckes – die AfD, die beide sich durch eine „strukturelle Ähnlichkeit“ auszeichneten:
In beiden Fällen sei die „Führungsriege“ seriös; Personal und Anhängerschaft kämen zum großen Teil „aus den Reihen der eigentlich dominierenden bürgerlichen Parteien“; aber auch Menschen ohne politische Heimat oder aus dem Umfeld von Außenseiterparteien würden erreicht. In beiden Fällen sei man „beunruhigt“ über den Verrat nationaler Interessen durch die politische Klasse zu Gunsten „einer gesichtslosen Bürokratie“, des „global operierenden Kapital[s]“ oder „der vaterlandslosen Intelligenz“; beide Parteien repräsentierten vor allem die Mittelschicht, d.h. solche Leute, die „hart“ arbeiteten, Steuern zahlten, Familien gründeten und Kinder großzögen.
Der Erfolg der AfD, so Weißmann weiter, sei einerseits der „klugen Taktik“ ihrer Führungsgruppe geschuldet, „möglichst wenig Angriffsflächen zu bieten […] und immer die ‚Normalität’ der Partei“ zu betonen; andererseits sei die Zeit, angesichts der „Veränderung des gesellschaftlichen Klimas“, einfach reif gewesen für eine Partei wie die AfD. Zeit also auch, um über wünschens- bzw. nicht-wünschenswerte Perspektiven nachzudenken.
Nicht-wünschenswert sei es, wenn durch die Etablierung der AfD das „bürgerliche Lager“ insgesamt, nämlich infolge der Spaltung und aufgrund fehlender Kooperationsbereitschaft, geschwächt würde; es würde dann eine „ähnliche Situation wie für die Grün-Rot-Tiefroten auf der Gegenseite entstehen“. Im Umkehrschluss hält also Weißmann, ohne das offen auszusprechen, eine Koalition der Unionsparteien mit der AfD als naheliegendste Perspektive für wünschenswert (was den Planspielen mancher Konservativer in der Union entgegenkäme). Er geht aber noch einen Schritt weiter:
„Die AfD ist aber noch nicht am Ende ihrer Möglichkeiten angekommen, und wenn sie zur Sammlung all derjenigen wird, die die Tassen im Schrank behalten, ergeben sich ganz neue Perspektiven. Dann geht es nicht mehr um Juniorpartnerschaften, dann geht es tatsächlich um eine Neugestaltung des deutschen Parteiensystems.“
Will sagen: Wünschenswert wäre es, wenn die AfD sich realiter in Richtung einer Volkspartei entwickeln würde, was Lucke ja bereits anlässlich der Ergebnisse der Europawahlen als gegeben konstatiert hatte. Diese „Anverwandlung“ an den Gegner, von der Weißmann eingangs gesprochen hatte, würde die Kräfteverhältnisse im bürgerlichen Lager ändern, und die Koalitionsfrage könnte aus einer Position der Stärke neu verhandelt werden, etwa nach dem Modell der grün-roten Koalition in Baden-Württemberg. Das ist sicherlich Zukunftsmusik und wird es womöglich auch bleiben. Weißmann ist sich darüber im Klaren, dass eine solche Entwicklung von „schwer kalkulierbar[en]“ Faktoren abhängt. Die AfD müsste weiter an „Anziehungskraft“ gewinnen und die Krisenlage sich weiter verschärfen. Die Frage sei, „ob es das Personal der Altparteien weiter schafft, die Krisensymptome zu kaschieren, oder ob der Prozeß eskaliert und die Einschätzung Luckes zutrifft, daß die Probleme viel größer und viel schwerwiegender sind, als bisher zugegeben“.
Die Bedeutung der ‚große Krise’ für einen Wandel der Machtverhältnisse hat Weißmann in den letzten Jahren immer wieder betont. „Die Konjunktur der Rechten“ hänge ab von der „Wahrnehmung innerer oder äußerer Bedrohung“, schrieb er 1996 in der Jungen Freiheit (JF 44/1996, zit. nach Weißmann 2000, 250). 2007 prognostizierte er „eine dramatische Zuspitzung der Krise“ für die „nächsten zehn Jahre“, die „Unfähigkeit“ der Politischen Klasse werde überdeutlich werden (Weißmann 2006, 80). Nur in einer solchen Situation sei ein Elitenwechsel möglich (Weißmann 2009b, 14). Und nur dann sei es möglich, die Verfassung aus „der Gefangenschaft der Linken und Liberalen zu befreien“ (ebd., 15).
Fazit
Die Gründung und die bis dato erfolgreiche Entwicklung der AfD haben im jungkonservativen Lager kontroverse Reaktionen hervorgerufen. Was die JF anbetrifft, war es nicht weiter verwunderlich, dass sie sich als publizistische Plattform für die Anliegen der AfD präsentierte, hat sie doch seit Jahren auf eine solche politische Konstellation hingearbeitet und programmatische Vorarbeit geleistet. Wenn sich die JF 2011 in ihrem „Leitbild“ als national, freiheitlich, konservativ und christlich definiert (Junge Freiheit 2011, 6), so ist das der programmatische Rahmen (vgl. dazu Kellershohn 2013), in dem sich die AfD bewegt und bewegen wird. Die Nähe zwischen dem JF-Milieu und dem Kreis der AfD-Mitglieder und Sympathisanten ist unübersehbar.
Die Haltung des IfS und der Sezession zu dieser ‚Kumpanei’ war in ihrer Gespaltenheit zwischen „neuem Realismus“ (Weißmann 2014), politischem Existentialismus und metapolitischem Pluralismus nicht unbedingt vorherzusehen. Selbst Weißmann notierte noch 2009 in seinem „Konservativen Katechismus“, dass man sich als bekennender ‚Rechter’ vor „jeder Ablenkung ins ‚Liberalkonservative’, ‚Freiheitlich-Konservative’, ‚Kulturkonservative’. ‚Wertkonservative’“ hüten müsse (Weißmann 2009a, 36). Die Feigheit der bürgerlichen Mitte hat er des Öfteren beklagt. Insofern ist er es, der sich umorientiert hat und nunmehr auf die „’populistischen’ Möglichkeiten“ (Weißmann 2000, 251) setzt (und Gleiches der intellektuellen Rechten empfiehlt), die die JF schon seit längerem verfolgt und jetzt in einer ‚freiheitlich-konservativen’ AfD gegeben sieht.
Es bedarf noch einer genaueren Analyse, inwieweit die Kontroversen, die nun eine Zuspitzung erfahren haben, schon in früheren Konflikten angelegt gewesen sind. Es ist zu vermuten, dass bereits die Ablösung Kubitscheks als Geschäftsführer des IfS (2008) im Zusammenhang mit den internen Diskussionen um die von ihm initiierte Konservativ-subversive Aktion (vgl. dazu Kellershohn 2010b) einen Konfliktpunkt gesetzt hat, der nachwirkt. Schon damals ging es um die Frage, ob eine Strategie der Provokation zum ‚Geschäftsbereich’ des Instituts gehöre. Wenn Kubitschek nun als verantwortlicher Redakteur der Sezession die Grundsatzfrage „für oder gegen die Sezession“ stellt, während Weißmann die AfD als „einzig denkbare Option“ unter den gegebenen Bedingungen bezeichnet und damit die Position der JF unterstützt, so sind dies zweifellos Ausschließlichkeitsformeln, die eine Trennung nahelegen. Möglich ist aber auch, dass die Grundlagen der Arbeitsteilung und Kooperation im jungkonservativen Lager, sowohl im IfS als auch zwischen IfS und JF neu verhandelt werden. Helmut Kellershohn