Montag, 31. Oktober 2016

Vorbildlicher, zivilisierter Widerstand 1950




Wenn mir zu DDR-Zeiten jemand gesagt hätte, dass es 27 Jahre dauern würde, ehe ich die Gelegenheit wahrnehmen würde, Helgoland zu besuchen, hätte ich ihn für verrückt erklärt. Die rote Insel gehörte zu meinen Traumzielen. Als mich die DDR 1986 kurzzeitig entließ, damit ich den Onkel meines dänischen Mannes in Kopenhagen besuchen konnte, fuhr ich heimlich nach Hamburg. An den Landungsbrücken sah ich die Fähre nach Helgoland, aber ich hatte nicht genug Geld für die Überfahrt.

Die traurige Gewissheit, als ich die Grenze zum Arbeiter- und Bauernparadies überschritt, wieder endgültig abgeschnitten zu sein von den Möglichkeiten, die in der freien Welt lockten, erwies sich als unbegründet. Die DDR verschwand, mit ihr auch der Druck, unbedingt reisen zu müssen. Helgoland musste warten. Aber in dieser Woche war es endlich soweit. Ich bestieg den Katamaran nach Helgoland. Die Landungsbrücken lagen im Nebel, als unser Gepäck in Metallkäfige gesteckt und mittels Kran an Bord gehievt wurde.
Hamburg war freundlich zu mir gewesen, seit ich am Vorabend in der Stadt angekommen war. Ein Obdachloser überließ mir eine Tageskarte für 3 Euro, gleich darauf wollte mir eine junge Frau noch eine S-Bahnfahrkarte schenken. Als ich an den Landungsbrücken ankam, war mein Handy leer. Ich musste mich zu meinem Hotel durchfragen. Einer der Bierflaschenträger, die am S-Bahneingang müßig herumstehen, wies mir in reinstem Platt den Weg so genau, dass ich nicht noch einmal fragen musste.
Am nächsten Morgen machte mir die Betreiberin des Imbisses in der Nähe der Anlegestelle ein frisches Käsebrötchen und einen Pott Kaffee, obwohl sie noch nicht geöffnet hatte. Als das Schiff abfuhr, hatte sich der Nebel noch nicht gelichtet. Die Elbphilharmonie, die demnächst tatsächlich fertig werden soll, war nicht zu sehen. Den Fischmarkt und Sankt Pauli konnte man noch schemenhaft erkennen, auch der alte Schwede, ein Findling, der Anfang der Neunziger bei der Ausbaggerung der Elbe im Flussbett entdeckt und an Land gehievt wurde, war noch wahrzunehmen. Außerhalb Hamburgs verschwand alles hinter einer weiß-grauen Wand. Ich fuhr elbabwärts durch einen Nebeltunnel und sah nichts.
Erst in Cuxhaven klarte es auf. Auf hoher See schien dann die Sonne. Sie schien weiter, als wir auf der Insel ankamen. Schon am Pier konnte ich in der Ferne die berühmten roten Felsen ausmachen. Die unzähligen Kartoffelrosen prangten im Herbstgold, was der ganzen Insel einen rot-goldenen Schimmer verlieh.
Für die meisten Deutschen ist die Insel ein Tagesausflug wegen der günstigen Einkaufsmöglichkeiten. Hier gibt es das übliche Duty free Angebot mehrwertsteuerfrei. Schon auf dem Schiff hatte ich mitbekommen, dass manche Passagiere nach nur vier Stunden wieder zurückfahren würden. Auch wenn die Zeiten der Butterfahrten vorbei sind, in denen bis zu zehn Schiffe mit Schnäppchenjägern täglich anlegten, hat Helgoland den Ruf einer Shoppingmeile und des „Fuselfelsens“, also eines nordischen Ballermanns, behalten. Die Einkaufsbuden reihen sich in der Nähe des Hafens aneinander. Es sind ehemalige Fischerschuppen, skandinavisch bunt angestrichen. Erst hinter der Einkaufsmeile beginnt die eigentliche Insel. Deren wechselvolle Geschichte ist nur wenigen Besuchern bekannt.

Alles, was man heute sieht, ist nach 1952 entstanden. Die Bewohner Helgolands waren seit Urzeiten Deutsche, die zeitweilig unter dänischer oder britischer Herrschaft gelebt haben.

Als Jacob Andresen Siemens 1826 ein Seebad gründete, wurde das bald ein Anziehungspunkt für deutsche Intellektuelle und Schriftsteller, denn unter britischem Protektorat waren die Gedanken frei, die in Deutschland Kerker bedeutet hätten. Der Verleger Julius Campe machte hier Urlaub, ebenso Heinrich Heine und Hoffmann von Fallersleben. Ob Heinrich von Kleist auch hier war, ist nicht sicher. Aber er hat in seinen Berliner Abendblättern 1810 mehrmals über Helgoland berichtet, was Heinrich Heine zu seinen Besuchen animiert haben könnte. Heines erster, gescheiterter Versuch, auf die Insel zu gelangen, war der Beginn seiner Nordseelyrik. Später sind bei seinen Aufenthalten dutzende Verse aus dem „Buch der Lieder“ entstanden.
Auch das Lied der Deutschen entstand hier, als sich Hoffmann von Fallersleben, wahrscheinlich aus Liebeskummer, nach Helgoland zurückgezogen hatte. Seine Wanderungen entlang der roten Klippen trieben die Verse förmlich aus ihm heraus, schrieb er selbst. Heute erinnert eine Büste an den Dichter, die ziemlich verloren auf dem Vorplatz eines Luxushotels steht, das der Hamburger Hotelier Arne Weber bauen durfte, um besser betuchte Touristen zu locken.
Die Gemeinde war von der Idee einer Edelherberge so angetan, dass er ein Baugrundstück für einen Euro bekam. Der Betonklotz versperrt die Sicht auf das Wasser. Statt sein Versprechen zu halten, vermietete der Hotelier das Gebäude sofort nach Fertigstellung an die Stromkonzerne, die Unterkünfte für ihre Mitarbeiter brauchten, die im Nationalpark Wattenmeer riesige Windparkanlagen errichten. Der Edeltourismus muss warten.

Wenig bekannt ist die wechselvolle Geschichte der Insel. Helgoland kam erst 1890 zu Deutschland durch einen Vertrag zwischen Deutschland und Britannien über die Kolonien und Helgoland. Weil dieser Vertrag im Volksmund Helgoland-Sansibar-Vertrag genannt wurde, entstand der falsche Eindruck, es habe sich um einen Tausch  von beiden gehandelt. Das Volk spottete, der Kaiser hätte eine Hose gegen einen Hosenknopf getauscht. Erst nach und nach wurde klar, was der Kaiser mit Helgoland vorhatte.
Er ließ die Insel zu einer militärischen Festung ausbauen. Es entstand ein Hafen für Kriegsschiffe, der heutige Südhafen. Das wurde von den Nazis auf die Spitze getrieben. Sie wollten aus Helgoland den größten eisfreien Hafen der Welt machen. Wenn auch der Plan, die Insel um das Vierfache zu vergrößern, unausgeführt blieb, entstand dennoch ein riesiges Bunkersystem von 13 km Länge in den Felsen. Der Hauptteil dieses Systems, in dem sich ein Krankenhaus und mehrere militärische Anlagen befanden, ist heute ein tiefes Tal am Abbruch des „Oberlandes“ im südlichen Teil der Insel.
Kurz vor Kriegsende, am 18. und 19. März 1945 flogen die Engländer einen Großangriff mit tausend Bombern auf Helgoland, die etwa 7000 Bomben abwarfen. Eine davon, ein doppelt mannshoher „Tall Boy“, eine 5,443 kg Bombe, steht heute vor dem Museum. Die Bevölkerung konnte rechtzeitig in die Bunkeranlage evakuiert werden. Oben blieben nur die 120 Hitlerjungen, die die Flugabwehrgeschütze bedienen mussten. Von diesen 14-16jährigen Jungen hat keiner den Angriff überlebt. Auf Helgoland blieb kein Stein auf dem anderen. Mit Ausnahme eines Flakturms aus Stahlbeton und einem Maulbeerbaum war alles dem Erdboden gleich gemacht. Der Turm ist heute der Leuchtturm von Helgoland. Die Helgoländer wurden auf das Festland gebracht und durften ihre Heimat bis 1952 nicht mehr betreten.
Nach Kriegsende hörten die Bombardements auf die Insel nicht auf. Die Engländer sprengten am 18. März 1947 große Teile des Tunnelsystems. Mit dem so genannten Big Bang brachten sie 6700 Tonnen Sprengstoff zur Explosion. Wunderbarerweise führte das nur zu einer Zerstörung des Südteils. Der Rest der Insel blieb stehen. Bis 1952 setzen die Engländer ihre Bombardements fort.
Helgoland wäre militärischer Spielplatz geblieben, hätten nicht zwei Heidelberger Studenten, René Leudesdorff und Georg von Hatzfeld, die Insel im Dezember 1950 symbolisch besetzt und damit das Schicksal Helgolands in den Fokus internationaler Aufmerksamkeit gerückt. Den beiden Erstbesetzern folgten viele andere. Selbst aus der DDR wurden Mitglieder der Freien Deutschen Jugend geschickt, weil die SED die „Befreiung Helgolands von den imperialistischen Kriegstreibern“ für ihre Propaganda benutzte.

Abgesehen davon war die Besetzung ein Akt gewaltlosen Widerstands, der von allen unterstützt wurde. Die Polizei, die Besetzer davon abhalten sollte, in Cuxhaven ein Boot nach Helgoland zu besteigen, war beim Gepäcktragen behilflich. In Cuxhaven hatte sich ein von Spenden  aus aller Welt getragenes Hilfswerk gebildet, das die Verpflegung für die Besetzer organisierte. Der Cuxhavener Zoll, der das unterbinden sollte, erwiderte, dass es sich nicht um zollpflichtige Waren handelte, deshalb könnte er nicht eingreifen. Die Wasserschutzpolizei in Cuxhaven ließ verlauten, sie sei niedersächsisch, Helgoland gehöre zu Schleswig-Holstein, ihr seien die Hände gebunden. Selbst der Innenminister in Kiel erklärte: „Wir können gegen diese Invasion nichts machen; denn uns stehen keine seetüchtigen Schiffe zur Verfügung.“ Schiffe, die mit deutscher Besatzung unter englischem Befehl fuhren, erlitten, sobald sie die Weisung bekamen, die Besetzer von der Insel zu holen, Maschinenschaden oder liefen auf.

Man kann sagen, dass bei der friedlichen Besetzung Helgolands alle Formen gewaltlosen Widerstands entwickelt wurden, die später in der Geschichte der Bundesrepublik erfolgreich zur Anwendung kamen. Es kam sogar zu einer in Deutschland sehr selten vorkommenden Befehlsverweigerung: Der Kommandant der den Engländern unterstellten deutschen Minensucheinheiten Adalbert von Blanc bekam den Befehl zur Evakuierung von Helgoland, den er mit der Begründung verweigerte, dass er in Nürnberg gelernt habe, dass man Befehlen nur gehorchen solle, wenn sie mit dem eigenen Gewissen zu vereinbaren seien. Er habe Minen zu suchen, keine Polizeiaktionen durchzuführen.
Von Blanc wurde vor ein Kriegsgericht gestellt, freigesprochen, aber zeitweilig vom Dienst suspendiert. Er war später Vizeadmiral der Bundeswehr. Die Engländer mussten schließlich selbst mit einem bewaffneten Kommando die Insel von den Besetzern räumen. Die erklärten bei ihrer Ankunft in Cuxhaven umgehend, sie würden sofort wieder nach Helgoland aufbrechen, sollten die Engländer die Bombardierung wieder aufnehmen. Als auch noch der Deutsche Bundestag in einer Resolution die Rückgabe Helgolands forderte, mussten sich die Briten dem internationalen Druck beugen. Am 1. März 1952 wurde die Insel an Deutschland übergeben.
Anfangs konnte sich niemand vorstellen, dass die vollkommene Trümmerlandschaft Helgoland wieder zum Leben erweckt werden könnte.

Es wurde eine Art vorgezogener Aufbau Ost, an dem sich das ganze Land beteiligte. Man entschloss sich, nicht die elegante Bäderarchitektur, die den Charme Helgolands ausmachte, wiederherzustellen, sondern völlig neu zu bauen. An die 250 Architekten entwickelten Ideen, wie das aussehen könnte. Heraus kam eine uniforme Architektur, die heute unter Denkmalsschutz steht und den Helgoländern individuelle Eingriffe weitgehend verwehrt. Allenfalls durch die Bepflanzung der winzigen Vorgärten konnten Akzente gesetzt werden.
Am großartigen Gesamteindruck, der von den mächtigen roten Felsen und dem dramatischen Höhenunterschied zwischen Ober- und Unterland hervorgerufen wird, ändert das nichts. Die Insel ist etwas ganz Besonderes. Es ist nicht schwer, sich in sie zu verlieben. Dazu tragen auch die Helgoländer bei, die ein sehr eigenwilliger Menschenschlag sind. Deshalb haben sie die Diaspora überstanden, sind in ihre Heimat zurückgekehrt und haben sogar ihre eigene Sprache bewahrt, die heute neben dem Deutschen die zweite Amtssprache auf der Insel ist. Ihre sprichwörtliche Hartnäckigkeit hat sie die Insel wiederaufbauen und zum begehrten Reiseziel werden lassen. Sie sind jetzt dabei, die Renaissance  ihrer Heimat zu vollenden. Wie, wird im nächsten Beitrag verraten.   Vera Lengsfeld

Multitribale Eurographie

Der wackere Freiheitsstreiter Hadmut Danisch grummelt auf seinem Blog:

"Ist Euch mal aufgefallen, wie sich das Recht in Deutschland verschiebt? Einbruch, Diebstahl, Straßenraub, Drogenhandel, Erpressung, Freiheitsberaubung, Vergewaltigung, Kinderschänderei werden immer öfter gar nicht mehr verfolgt oder mit Witzstrafen auf Bewährung belegt. Ganze kriminelle Großfamilien werden nicht mehr verfolgt. Steuern werden da auch nicht mehr erhoben. 'Hate Speech' dagegen wird immer öfter mit Haftstrafen über einem Jahr und ohne Bewährung belegt. Selbst für das Nichtzahlen von Fernsehgebühren sollte neulich eine in den Knast gehen. Und wehe, einer hier zahlt seine Steuern nicht.
Man hat den Eindruck, dass Recht nur noch repressiv gegen die einheimische Bevölkerung existiert."

Das nennt sich Willkommenskultur und dürfte wahrlich ein Prozess sein, der erst am Anfang steht. Der Rechtsstaat wird überproportional – und tendenziell ausschließlich? – gegen diejenigen in Stellung gebracht, die sich von seinem Instrumentarium beeindrucken oder mit ihm drohen lassen und die ihn zugleich finanzieren; für die anderen ist er eine Kasperlepuppe.
Während in den einen Stadtteilen Knöllchen an Falschparker verteilt werden, kommt in anderen die Polizei auch dann nicht, wenn die Autos brennen. Während für den Steuerzahler eine Vorstrafe das Karriereende bedeuten kann, ist sie dem Alimentierten oder Selbstbediener völlig einerlei. Der Steuerzahler wird zur Geisel des Sozialstaats, und zwar nicht obwohl, sondern weil er ihn finanziert. Natürlich kann das nicht lange gutgehen, und in der Erosion des Rechtsstaates zum selektiven Rechtsstaat kündigt sich der Kollaps an. Der nächste Schritt wird darin bestehen, all jene mundtot zu machen, die diese Dinge beim Namen nennen; gewisse Linksextremistensüppchenkochklubs genießen bekanntlich dank justizministerlicher Förderung bereits für gewisse online-Portale Zensorenrechte.

Der Historiker Rolf Peter Sieferle hat in seinem letzten (in der Zeitschrift Tumult veröffentlichen) Essay darauf hingewiesen, was für unwahrscheinliche, seltene und zerbrechliche Phänomene der Rechtsstaat und der Sozialsstaat aus weltgeschichtlicher Perspektive sind. Wir hielten sie im Tunnelblick unseres Kurzzeitdenkes für normal, nähmen es als gegeben hin, dass sie existierten, hätten das Gefühl dafür verloren, welcher gewaltiger Aufwand und welches Unmaß an Leiden nötig waren, dass solche Strukturen ausnahmsweise entstehen konnten. Sie entstanden übrigens in Europa, ein paar andere Weltgegenden übernahmen dieses Modell, doch global und aufs Ganze gesehen sind sie exotische Ausnahmen. Die mit den Begriffen Rechtsstaat und Sozialstaat beschriebene Sphäre von Sicherheit und Prosperität wird momentan von der politischen Klasse (West-)Europas und ihren intellektuellen Lautsprechern sehenden Auges im Namen der Gleichheit, der Antidiskriminierung und der heiligen Diversivität preisgegeben. "Die europäischen Gesellschaften sind von dem Grundgedanken des Egalitarismus besessen", schrieb Sieferle dazu. "Dieses ideologische Muster produziert die Utopie der totalen materiellen Gleichheit, die gewissermaßen den naturalen Attraktionspunkt der menschlichen Existenz bildet. Ungleichheiten sind dagegen 'unnatürlich', sie gelten als bloße 'soziale Konstrukte' und sind daher ohne weiteres zu dekonstruieren. Dies gilt für alle Dimensionen, also für Geschlecht, Rasse, Begabung, soziale Position etc. Aus dieser Perspektive eines universalistisch-egalitären Programms ist jede reale Ungleichheit schlechthin unerträglich."

Die derzeit anhebende Völkerwanderung aus Afrika und dem Orient ist für einen von innen hypermoralisch weidwund geschossenen Erdteil nicht parierbar; er muss sterben, das heißt sich in eine multiethnische Stammesgesellschaft neuen Typs verwandeln, im Namen der Menschlichkeit. Und dies wird er tun, sofern nicht jemand das Ruder herumreißt. Im Gegensatz zu Australien, Japan und den USA/Kanada ist Europa nur von einem vergleichsweise schmalen Meer und nicht durchgängig von einem solchen umgeben, die Landbrücke nach Europa beherrscht ein glaubensdurchglühter Sultan, der von einem neuosmanischen Imperium tagträumt und diese Grenze als politisches Druckmittel gegen Europa benutzt.
Während die Bevölkerungen Nord- und Südamerikas ungefähr ausgeglichen sind, explodiert die Bevölkerung Afrikas und übertrifft heute bereits jene Europas um das nahezu Doppelte (um 1900 lebten in Afrika etwa so viele Menschen wie in Deutschland und Frankreich zusammen). Für Afrika gilt in noch stärkerem Maße, was Winston Churchill 1935 im Parlament zur dritten Lesung der "India Bill" ausführte, es ist ein Kontinent, der auf den Import der europäischen Ordnung und Wissenschaft "nur mit einem Wachsen der Bevölkerung reagierte. Ungeheuer ist dort das Steigen der Bevölkerungszahl. Neuer Reichtum, neue Nahrung, neue Fortbewegungsmöglichkeiten, neue Hygiene, neue Kanäle, Verbesserungen des Wald- und Ackerbaus haben an der Lage der Masse nichts geändert. Sie haben nur in den letzten fünfzig Jahren hundert Millionen Menschen mehr ins Leben gerufen (für Afrika wären es in den letzten 50 Jahren zwischen 600 und 700 Millionen – M.K.). Eine ungeheure Bevölkerung ist im großen und ganzen auf einer sehr niedrigen Lebensstufe stehengeblieben, hat sich aber vermehrt."

Und vor den Augen dieser Massen liegt, dank amerikanischer Politik nicht mehr von einem Sperrgürtel aus Diktatoren umgeben, das europäische Schlaraffenland, in dem man nur dafür, dass man anwesend ist, Geld bekommt.

Unsere Willkommenskulturbolschewisten werden selbstredend andere Früchte ernten, als sie derzeit noch mit dem inneren Frohlocken des nivellierunssüchtigen revolutionären Ressentiments wähnen. Denn während die Linke bei der Zerstörung gewachsener Strukturen stets zielstrebig und berechenbar agiert, ist sie mit eigenen Aufbauleistungen ebenso stets überfordert. Sowohl der Rechtsstaat als auch und vor allem der Sozialstaat sind als Kompromisse zwischen Konservativen und Progressisten entstanden. Das heute herbeigeholte Ersatzproletariat der Linken, die diesmal in einem welthistorisch bislang unerhörten Bündnis mit den asozialsten, bindungslosesten Teilen des Großkapitals agiert, ist aber so zahlreich, dass die verbliebenen konservativen Dämme (west)europaweit zu brechen drohen. Welche historisch gewachsenen Strukturen das Leben in Europa so einzigartig gemacht haben, "wird man erst begreifen, wenn sie verschwunden sind, d. h. wenn eine neue multitribale Struktur sie verdrängt hat. Vielleicht ist der Untergang Europas dann ein Lehrstück für andere industrialisierte Zivilisationen (wie China), und vielleicht werden die letzten Europäer in Übersee Zuflucht suchen", notierte Sieferle.

Der Prozeß der Universalisierung und Globalisierung sei wohl unvermeidlich, und jene Völker, welche die Geschichte der letzten Jahrtausende geprägt haben, "werden letztlich von ihm verschlungen werden. Wir sollten uns aber darüber im klaren sein, daß dies mit zahlreichen schmerzlichen Friktionen verbunden sein wird. Viele Deutsche möchten heute gerne als Volk verschwinden, sich in Europa oder in die Menschheit auflösen. Andere Völker werden aber heftig Widerstand gegen eine solche Aussicht leisten. Harmonisch wird dies alles nicht abgehen, zumal einzelne Kulturen versuchen werden, bei dieser Gelegenheit ihre tradierten Muster universell durchzusetzen, sei es in Gestalt der westlichen 'Menschenrechte', sei es in Gestalt des islamischen 'Dschihad' oder was auch immer. Die Immigrationskrise, in der wir uns aktuell beenden, ist daher vielleicht nur der Vorbote umfassenderer Konvulsionen, in denen alles untergehen wird, was uns heute noch selbstverständlich scheint."

Aber, wie der Genosse Marx statuierte, die Menschen machen ihre Geschichte selbst, wenngleich unter den vorgefundenen Umständen. Letztere kann man nicht ändern, das lächerliche Personal, welches ausgerechnet jetzt die Geschicke unseres Landes zu lenken fingiert, muss man gleichwohl nicht hinnehmen.  MK am 1. 11. 2016

Rimbaud

„Mir graut vor allen Berufen. Arbeiter wie Herren, es sind alles niederträchtige Grobiane. Die Hand, die die Feder führt ist nur der ebenbürtig, die den Pflug führt.“ Arthur Rimbaud



Nicht schlecht, Herr Lanz

Aber weshalb gelingt es Ihnen plötzlich, über Amerika ausgewogen zu berichten, während Sie es versäumen, sich bei Akif Pirinçci dafür zu entschuldigen, ihn verleumdet zu haben und ihm, Götz Kubitschek und PEGIDA eine ebenso ehrliche Betrachtung zu widmen?

Liegt es vielleicht daran, dass Sie gewittert haben, dass Trump die Wahlen gewinnen könnte, während Sie sich in Deutschland und Italien jahrzehntelang bei Rot/Grün angebiedert haben und vorerst lieber darauf setzen, dass sich das weiterhin lohnen wird?

Schade, dass Sie so charakterlos sind. Ihre Pflicht wäre es, beispielgebend Wahrhaftigkeit zu zeigen und Pirinçci in Ihre Sendung einzuladen, um sich öffentlich bei ihm zu entschuldigen. Gerade als jemand, der in Italien aufwuchs, verfügen Sie über Einsichten, die in Deutschland völlig ausgeblendet werden und es wäre deshalb Ihre Pflicht, wahrheitsgemäß über Südtirol und Südeuropa zu berichten. Das wären Sie auch Alexander Langer schuldig (wenn Sie schon rot-grün sein müssen, dann bitte richtig).



Die Ansicht, dass der Ausschluss Akif Pirinçcis aus dem öffentlichen Diskurs kein Verlust sei, ist eine mittlerweile für die FAZ, den Deutschlandfunk und das bundesdeutsche Fernsehen typische Dummheit, eine Dummheit, die nur noch von den Kommentaren zu Böhmermann übertroffen wird. Pirinçci wird geschmäht, Böhmermann wird verherrlicht. Böhmermann bedient das linke Establishment, Pirinçci versetzt dem linken Establishment die seit langem verdiente Ohrfeige.

Im übrigen wurde nicht nur versucht, Pirinçci aus dem öffentlichen Diskurs auszuschließen, sondern seine Existenz zu vernichten. Verträge wurden gebrochen, seine Bücher aus dem Vertrieb genommen und sogar aus Bibliotheken entfernt, bei auf seinen Büchern basierenden Fernsehfilmen seine Autorschaft verschwiegen... Pfui Deibel.

metropolico

Tuba Isik



Und wieder ist ein Monat dermaßen rasch vorbeigezischt, dass unsereinem recht viel Gelegenheit zur Besinnung nicht blieb. Hohe Zeit also für selbige – die Besinnung nämlich – in wohlgefälliger Betrachtung der Monatsendfigur! Diesmal soll es das vielleicht schönste Antlitz und einer der klügsten Köpfe des deutschen Islam sein: Dr. Tuba Isik, Theologin zu Paderborn, eine der angenehmsten Gesprächspartnerinnen, die ich je am Tische hatte (und meinen dabei vertilgten Weinen gegenüber weit toleranter als ich gegenüber den von ihr verzehrten alkoholfreien Cocktails). Der polyglotten Theologin verdanke ich unter anderem die Erkenntnis, dass ein Muslim sogar in einer Kirche beten darf, sofern er sein Gebet nicht direkt in die Richtung eines christlichen Heiligenbildes richtet. „Mein Gottesbild hat sich weiterentwickelt im Dialog mit dem christlichen, der erbarmende Gott ist dabei in den Vordergrund getreten. Mein Gott ist ein freundlicher Gott", sagte sie mir. "Orient und Okzident/sind nicht mehr zu trennen", sprach Goethe, und er meinte wahrscheinlich Tuba Isik. Obwohl SPD-Mitglied, hat sie übrigens kein Problem damit, mich ohne mit einer ihrer schönen Wimpern zu zucken zu Podiumsgesprächen einzuladen. Da immerhin besteht noch ein echtes Integrationsdefizit.  MK am 31. 10. 2016

Gestelzt im Dunkel tappen

Nach der Messerstecherei in Frankfurt am Main sucht die Polizei nun nach vier mutmaßlichen Tätern. Bei der Auseinandersetzung im S-Bahnhof Frankfurt Hauptwache waren am frühen Samstagabend vier Menschen verletzt worden. Die Auseinandersetzung hatte in der C-Ebene begonnen und sich bis zur darübergelegenen B-Ebene fortgesetzt.
Der Bahnhof in der Innenstadt musste nach der Auseinandersetzung zur Haupteinkaufszeit gegen 17.40 Uhr gesperrt werden. Auf beiden Ebenen des Gebäudes, in denen sich die Tat ereignete, waren am Boden später deutliche Blutlachen zu erkennen.
Vier Jugendliche zwischen 16 und 18 Jahren seien ins Krankenhaus gebracht worden, teilte die Polizei mit. Ein 18-Jähriger wurde demnach leicht verletzt, die drei anderen schwer. Inzwischen sind aber alle außer Lebensgefahr, sagte eine Polizeisprecherin der „Welt“.
Die Polizei geht nach den bisherigen Ermittlungen davon aus, dass es sich um Auseinandersetzungen „privater Natur“ handelte: „Im Vorfeld hatte es offenbar schon Streit zwischen den Jugendlichen gegeben.“ Noch ist nicht klar, ob es sich um gegnerische Gruppen handelte und worum es ging. Nach Angaben des Hessischen Rundfunks hat die Mordpolizei die Ermittlungen übernommen, da sie von einem versuchten Tötungsdelikt ausgeht.
Nach jetzigem Stand sucht die Polizei nach vier Männern, die auf der Flucht sind. Es sei aber nicht auszuschließen, dass noch weitere Personen an der Messerstecherei beteiligt waren. Die Polizei wertet derzeit Videomaterial aus. Nach Zeugenaussagen und Vernehmung der Verletzten sucht die Kriminalpolizei Frankfurt aktuell nach mutmaßlichen Tätern mit folgendem Profil:
1. Ein Mann, 17 bis 20 Jahre alt, etwa 1,80 Meter groß und kräftig, dunkles Haar. Er trug eine dunkle Baseballkappe, eine dunkle wattierte Jacke, Jeans, Umhängetasche und weiß-schwarze Sneakers.
2. Ein Mann, 17 bis 20 Jahre alt, etwa 1,75 Meter groß, dunkles Haar, das an den Seiten abrasiert ist. Er trug eine dunkle Trainingsjacke mit weißen Streifen der Marke Adidas, eine dunkle Jeans, schwarz-weiße Turnschuhe und eine Umhängetasche mit rot-braunem Schultergurt.
3. Ein 17 bis 20 Jahre alter Mann, kräftig, mit dunklem, kurzem Haar. Er trug eine dunkle wattierte Jacke, helle Jeans, helle Turnschuhe und eine Umhängetasche mit braun-beigem Muster.
4. Ein 50 bis 60 Jahre alter Mann mit dunklem Haar und Hinterhauptglatze. Er soll eine dunkle Jacke, Jeans und dunkle Halbschuhe getragen haben.

Alle vier Männer wiesen den Polizeiangaben zufolge ein „südosteuropäisches Erscheinungsbild“ auf. Im sozialen Netzwerk Twitter mahnte die Polizei, Spekulationen zu unterlassen. Es bestehe „keine Gefahr“, twitterten die Beamten als Reaktion auf die Mutmaßungen einiger Nutzer, es könne sich um einen terroristischen Hintergrund handeln. Würde eine Gefahr für die Bevölkerung bestehen, wäre dies kommuniziert worden, schreibt die Polizei. WeLT

Dieser Artikel wurde offenbar nachträglich abgeändert.

Sonntag, 30. Oktober 2016

Hoch lebe Steinhöfel!!

Joachim Nikolaus Steinhöfel hat den Skandal "Maas will Kindesmissbrauch legalisieren" entdeckt und publiziert, während andere Medien feste schliefen oder sogar wohlwollend berichteten, weil sie den Inhalt des Maasschen Gesetzesentwurfes offenbar gar nicht verstanden hatten.

Dann sprang BILD, dem Himmel sei Dank, auf. Und jetzt will Justizminister Maas nichts mehr davon wissen.

Samstag, 29. Oktober 2016

Die CSU gewinnt an Profil, wird aber zur schwammigen Kompensationskammer

Die CSU will auf ihrem Parteitag mit teils drastischen Worten einerseits gegen Rot-Rot-Grün und andererseits gegen den politischen Islam mobil machen. „Die offene Gesellschaft hat nur dann Zukunft und kann geschützt werden, wenn sie den Kampf mit dem Politischen Islam aufnimmt“, heißt es in einem 17-seitigen Leitantrag der Parteispitze, über den der „Münchner Merkur“ berichtete. Die CSU werde den destruktiven Bestrebungen des Politischen Islam mit aller Kraft begegnen. „Wir müssen selbstbewusst formulieren, was unsere Gesellschaft zusammenhält, und unsere Leitkultur zum Maßstab der offenen Gesellschaft machen.“
In einem weiteren Leitantrag, der der Deutschen Presse-Agentur vorlag und mit dem Titel „Linksrutsch verhindern – damit Deutschland Deutschland bleibt“, heißt es: „Wir müssen verhindern, dass eine Linksfront aus SPD, Grünen und Linkspartei nach der Bundestagswahl die Macht übernimmt und Deutschland runterwirtschaftet.“ Beide Papiere, die am Montag in einer Vorstandssitzung und dann am Freitag und Samstag kommender Woche auf dem Parteitag beschlossen werden sollen, wurden am Freitagabend an den Parteivorstand verschickt. Darin bekräftigt die CSU auch ihre Forderung nach einer Obergrenze für neu eintreffende Flüchtlinge: „Die Zahl von max. 200.000 neuen Flüchtlingen pro Jahr bildet die Obergrenze für unsere Aufnahmefähigkeit ab. Wir wollen die Obergrenze gesetzlich festschreiben.“ Das ist der zentrale Streitpunkt zwischen CSU-Chef Horst Seehofer und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU).

Die Veränderungen in der islamischen Welt durch den Politischen Islam seien bedenklich und gefährlich, warnt die CSU. „Es ist unsere Aufgabe, dafür zu sorgen, dass sie unsere Gesellschaft nicht negativ beeinflussen.“ Die CSU werde sich „derartigen Angriffen auf unsere Werte und der Ausnutzung unserer Rechte“ entschieden entgegenstellen.
Dabei warnt die Partei in ihrem Leitantrag ausdrücklich davor, die ablehnende Haltung gegenüber dem politischen Islam auch automatisch auf die Religion zu übertragen. „Es wäre grundfalsch, den Islam reflexartig mit dem Politischen Islam zu identifizieren oder gleichzusetzen.“ Umgekehrt könne auch der Islam in Deutschland von einer Auseinandersetzung mit dem Politischen Islam profitieren. „Die trennscharfe Unterscheidung von Islam und Politischem Islam beugt Islamfeindlichkeit vor und verhindert eine pauschale Verunglimpfung der Religion und ihrer Anhänger.“
Trotz der teils ungelösten Probleme in der Zuwanderungspolitik mit der CDU spricht sich die CSU klar für eine starke Union der Schwesterparteien aus: „Entweder es geht weiter aufwärts in Deutschland mit einer unionsgeführten Bundesregierung, die für Sicherheit, Wohlstand und klare Werte steht. Oder es geht abwärts mit Deutschland durch Rot-Rot-Grün.“ Ein Linksbündnis heiße „Steuererhöhungen, Multikulti, außenpolitische Isolation und eine familienfeindliche Politik“, warnt die CSU. „Davor müssen wir unser Land bewahren.“
Vor allem die Linkspartei greifen die Christsozialen massiv an: „Es darf nicht sein, dass über ein Vierteljahrhundert nach der Deutschen Einheit die politischen Enkel von Erich Honecker wieder Regierungsgewalt in Deutschland ausüben.“ Die Grünen seien „die Anti-Freiheits-Partei“: „Veggie-Day und Wochenend-Fahrverbot, dafür Freigabe von Cannabis – so sieht der grüne Umerziehungskosmos aus.“ Und die SPD sei „die Partei ohne Kompass“. „Die SPD hat keine Hemmungen vor einem Linksbündnis, wenn es um die Macht geht.“  FAZ

Jörg Baberowski


Basler Zeitung: Herr Baberowski, die FAZ schrieb, man zucke immer wieder zusammen, wenn man mit Ihnen spreche. Auf was müssen wir uns einstellen?
Jörg Baberowski: Journalisten mögen solche Einleitungen. Sie glauben, die Interviews würden besser, wenn man den Interviewten als Enfant terrible einführt.
Sie kritisieren solche Techniken als Symptome einer enthemmten politischen Korrektheit und bezeichnen Deutschland als ein «Reich der Tugendwächter». Wie kommen Sie zu diesem Urteil?
Vor einigen Tagen erschien im Tagesspiegel ein Artikel. Darin heisst es, der Historiker Baberowski dürfe sich nicht zu Fragen äussern, für die er kein Experte ist – als ob Frau Merkel als Physikerin eine Expertin für ihre Flüchtlingspolitik wäre! Ergänzt wird dieser Vorwurf mit dem absurden Hinweis, es mehrten sich die Vorwürfe, dass ich der rechtsextremen Bewegung angehöre. Die Technik ist immer die gleiche: Der Kritiker wird stigmatisiert, ausgeschlossen und erledigt. Die Tugendwächter interessieren sich nicht für Argumente. Sie wollen abweichende Meinungen ­kriminalisieren.
Sie können in grossen Zeitungen Ihre Meinungen äussern. So schlimm kann es nicht sein.
Das gelingt nur, weil in meinen Büchern nichts Verwerfliches steht – und weil es mir nichts ausmacht, mich dem Licht der Öffentlichkeit auszusetzen.
Aber Sie stürzen sich doch regelrecht auf unangenehme Themen, auch in Ihren Büchern: Stalinismus, Gewalt, jetzt die deutsche Flüchtlingsdebatte.
Einer muss es machen.
Das klingt wie Toiletten putzen.
Glauben Sie mir, es macht keinen Spass, eine Zeitung aufzuschlagen und zu lesen, man sei Rechtsextremist. Da schlafen Sie erst einmal drei Nächte lang schlecht. Freunde und Kollegen registrieren natürlich, was mit einem passiert, der sich nicht anpasst. Das intellektuelle Milieu in Deutschland ist nicht mutig. Nur hinter verschlossenen Türen sagen manche noch, was sie wirklich denken.
Sie haben einfach mehr Mut?
Ich habe keine Angst, ich sage, was ich denke. Wer exponiert sich denn sonst?
Wir können nicht einschätzen, ob sich Ihre Kollegen bloss vor negativen Reaktionen fürchten – oder ob sie einfach anderer Meinung sind.
Als im September ein Artikel von mir in der FAZ erschien, erhielt ich 500 Mails von intelligenten Bürgern, ­darunter Dutzende von prominenten Universitätsprofessoren, die nicht genannt werden wollen. Manche sind nicht unglücklich darüber, dass jemand die Schweigespirale bricht.
Angenommen, Ihr Befund trifft zu: Wie ist diese Schweigespirale entstanden?
Wer sich öffentlich äussert, muss sich fragen, ob er sich Schmutzkampagnen aussetzen will, auf Twitter und Facebook, auf Flugblättern – und ob er im Fernsehen erscheinen möchte. Wenige Menschen halten das aus.
Aber das gilt auch für andere Länder.
In anderen Ländern müssen Intellektuelle nicht fürchten, als Nazis denunziert zu werden.
Sie haben öffentlich gesagt, Deutschland könnte an der Einwanderung zerbrechen. Was meinen Sie damit?
Wir stehen vor einer gewaltigen politischen Aufgabe. Die Einwanderung wird nicht gesteuert, wir wissen nicht genau, wer kommt und was mit unserer Gesellschaft geschieht, wenn junge, ungebildete und aggressive Männer keine Perspektive haben. Schon jetzt ist die Stimmung in den Aufnahmelagern und Containersiedlungen angespannt. Frauen werden dort sexuell belästigt und bedroht, in manchen Regionen ist die Staats­gewalt schon gar nicht mehr präsent, um Ordnung zu erzwingen. Und was geschieht, wenn im nächsten Jahr weitere 1,5 Millionen Einwanderer kommen? Wo werden sie wohnen? Wir müssen erst jene in Arbeit und Brot bringen, die bereits hier sind. Es ist fahrlässig, unter diesen Umständen die Grenzen offenzuhalten.
Was würde andernfalls passieren?
In Dresden und Erfurt herrscht eine Pogrom-Stimmung auf den Strassen. Ich weiss nicht, ob den Politikern in Berlin klar ist, wie dort über die Republik geredet wird. Ich will nicht, dass die Rechtsextremen die Deutungs­hoheit erlangen. In Ostdeutschland ist diese Gefahr real, und ich sehe mit Entsetzen, dass die politische Elite dieses Problem mit Arroganz und Weltabgewandtheit ignoriert.
«Pogrom-Stimmung» ist ein starker Begriff. Wie kommen Sie darauf?
Hören Sie doch, was die Rechtsextremen auf den Anti-Migrations-Demos skandieren: «Merkel an die Wand», «Das Pack muss weg», «Ungeziefer». Die Leute trauen sich, diese Parolen in die Kameras zu rufen. Sie verstecken sich nicht mal mehr. Das war vor einem Jahr noch anders. Der Unmut entlädt sich nun in Hass und Wut.
Offenbar spielt die politische Korrektheit, die Sie beklagen, in diesem Umfeld keine Rolle – im Gegenteil: Die Leute ­setzen sich in extremster Weise über sie hinweg.
Die politisch korrekte Rede gab es in der DDR nicht. Menschen, die in der DDR aufgewachsen sind, halten sich oftmals nicht an die Sprachregelungen, die im Westen der Republik verinnerlicht wurden. Auch wollen Menschen, die in der Diktatur aufgewachsen sind, nicht bevormundet werden. Sie haben erlebt, was es heisst, wenn gelogen wird, wenn die Regierung bei Regen erklärte, es scheine die Sonne.
Wenn Frau Merkel über die Einwanderung sagt: «Wir schaffen das» – fühlen sich diese Bürger dann belogen?
Sie fühlen sich belogen, weil sie jeden Tag sehen, dass man es nicht schafft. Sie sehen, dass Probleme totgeschwiegen, wie Kritiker stigmatisiert werden. Das kennen sie, das haben schon die SED-Bonzen gemacht. Darum reagieren sie so aggressiv, aber sie tun es in einer Sprache, die sich um das Gebot der politischen Korrektheit nicht kümmert. Frau Merkel als Ostdeutsche müsste das wissen, aber sie nimmt nicht mehr wahr, was geschieht.
Deshalb haben Sie entschieden, es ihr über die Medien zu sagen?
Ich habe im Sommer zwei Wochen lang jeden Abend die «Tagesschau» geschaut und mich gefragt: Leben wir in einer Diktatur? Müssen Journalisten im Fernsehen weinen und «Herzlich willkommen» rufen? Müssen Journalisten jeden Abend die Zuschauer darüber informieren, wie sie sich Ausländern gegenüber zu verhalten haben und was moralisch geboten ist? Ich hatte den Eindruck, einer Kampagne ausgesetzt zu sein. Irgendwann habe ich eine Flasche Wein getrunken, meine Gedanken aufgeschrieben und den Text an die FAZ geschickt. So ist das entstanden, ganz spontan.
Sie geben vor, für die deutsche Coiffeuse und die sogenannt kleinen Leute zu sprechen. Weshalb sollen gerade Sie deren Nöte kennen?
Ich kenne diese Nöte zunächst einmal von meiner eigenen Coiffeuse. Sie hat mir erzählt, dass sie mit ihrem Kind auf der Strasse stünde, würde ihr die Wohnung gekündigt. Ich spreche mit Menschen auf der Strasse. Die Meinungen von Akademikern zu diesem Thema finde ich völlig uninteressant. Meine Frau arbeitet in einer Berliner Bahnhofsmission. Sie kümmert sich um Obdachlose. Dort kommen die Probleme an: Arbeitslose, die sich in Berlin keine Wohnung mehr leisten können. Manche sagen: «Wie bitte, man kann ohne Pass einreisen und bekommt eine Wohnung zugewiesen, Hartz IV und eine Krankenversicherung, und ich bekomme nichts? Das kann doch nicht sein!» Diese Leute sind wütend.
Sie haben geschrieben, Deutschland habe seine Souveränität aufgegeben. Polemisieren Sie einfach oder existiert Deutschland als Staat tatsächlich nicht mehr?
Wenn ein Staat, der durch Grenzen definiert ist, erklärt, diese Grenzen gebe es nicht mehr, man könne sie nicht mehr schützen, sie seien gleichgültig, und man brauche keinen Pass, um sie zu überschreiten, dann ist ein konstitutiver Teil der Souveränität aufgegeben worden. Der deutsche Staat hat keine Hoheit mehr über seine Grenzen! Frau Merkel hat erklärt, dass die Grenzen nicht geschützt werden können.
Deshalb werfen Sie Ihr vor, den Amtseid gebrochen zu haben?
Die Kanzlerin hat kein Mandat, Deutschland nach Belieben zu verändern. Die Aufgabe nationaler Souveränität, die Aufhebung von Grenzen, die Einführung des Euro – das alles sind Fragen, die dem Bürger zur Entscheidung vorgelegt werden müssen. Eine Parlamentswahl überträgt der Regierung noch kein Mandat, Hoheitsrechte an Dritte abzutreten – das war immer meine Auffassung.
Sie fordern also Volksabstimmungen.
Ja, natürlich! Parteien sind nicht mit dem Programm angetreten, die Gesellschaft einfach nach Belieben zu verändern. Nun müssten die Karten neu gemischt werden. Das geschieht aber nicht, und deshalb sind die Bürger wütend. In Berlin treffe ich viele Menschen, die nicht verstehen, was mit ihnen geschieht, darunter viele Einwanderer, die schon lange hier leben.
Ihre Frau ist Iranerin.
Sie versteht dieses Land nicht mehr. Sie sagt: «Ihr setzt die Zukunft dieser Einwanderungsgesellschaft aufs Spiel, wenn ihr nicht aufhört mit diesem weltfremden Willkommens­gerede.» Sie will hier nicht haben, weshalb sie selbst einmal ihr Land verlassen musste. Einwanderer haben weniger Probleme, dies ganz offen zu sagen.
Gegner der direkten Demokratie in Deutschland verweisen auf die Bilder, die auch Sie angesprochen haben: Dresden, dieser Mob, der sich da versammelt. Man müsse die Weimarer Erfahrung bedenken.
Das ist ganz falsch. Das wird nur hervorgebracht, um den Leuten zu sagen, dass die direkte Demokratie nicht gut für die Bürger sei, dass es besser sei, wenn Politiker für sie entscheiden. Aber diese Politiker zerbrechen gerade an der Aufgabe, das Land zu steuern und die Probleme zu lösen. Deutsche Politiker sind überwiegend Staatsbeamte, die die Welt aus der Perspektive einer Behörde sehen und sich den Bürger nur noch als Objekt des Staates vorstellen können. Freiberufler, Handwerker, Unternehmer oder Professoren finden Sie kaum noch in deutschen Parlamenten.
Sie müssen das nächste Mal vielleicht FDP statt SPD wählen.
Ich wähle nicht SPD.
In Zeitungen war anderes zu lesen.
Ich habe nur gesagt, ich würde SPD wählen, wenn sie die soziale Frage wieder in das Zentrum ihrer Politik stellte und der ungesteuerten Einwanderung Grenzen setzte. Ein Journalist der NZZ hat in einem sehr klugen Artikel geschrieben, dass es in Ländern mit rechtskonservativen, einwanderungskritischen Parteien weniger Gewalt gegen Ausländer gebe. Denn dort, so das Argument, lasse sich die Wut der Bürger kanalisieren und zivilisieren. Ich halte dieses Argument für sehr überzeugend.
Es gibt in Deutschland diese Ventile ebenfalls, sie sind aber immer gleich sehr braun und extrem.
Pegida ist kein Ventil. Der Schweizer Journalist hat gesagt: Protest muss zivilisiert werden. Das geschieht erst, wenn eine Partei im Parlament die Probleme aufgreift und Vorschläge zu ihrer Bewältigung macht. Im Parlament können Sie keine Galgen aufstellen, dort müssen Sie sich an der Lösung von Problemen versuchen. In der Schweiz erfüllt die SVP diese Funktion.
Würden Sie die wählen?
Nein, ich würde sie wahrscheinlich nicht wählen. Mir fehlen konstruktive Vorschläge, wie die Einwanderer­gesellschaft aussehen soll. Mit der Abwehr von Menschen ist es ja nicht getan. Aber die Funktion einer SVP im Parteiensystem ist von grosser Bedeutung, weil sie ein Korrektiv für die anderen Parteien ist. Blocher ist doch kein Rechtsradikaler. In Deutschland sind Sie ein Rechtsradikaler, wenn Sie pünktlich zur Arbeit gehen. Das ist grotesk. Blocher ist ein erfolgreicher, konservativer Unternehmer.
Die Basler Zeitung gehört unter anderem Christoph Blocher.
Ich weiss.
Sie reden wie Blocher, distanzieren sich aber von der SVP. Ähnlich ambivalent scheint uns Ihre Meinung über Thilo Sarrazin zu sein, der mit seinem Bestseller «Deutschland schafft sich ab» ähnliche Töne anschlug wie Sie.
Ich glaube, Sarrazin träumt von einem ethnisch homogenisierten Deutschland. Das ist aber vorbei, das wird es nicht mehr geben.
Auch Sie reden von einer kulturellen Gemeinschaft, die das Gleiche gelesen, das Gleiche erlebt hat. Das mahnt stark an Sarrazin, klingt nach einem geschlossenen Kulturraum.
Nein, mein Ideal sind die USA. In den USA hat die Einwanderergesellschaft funktioniert, weil Generationen von Einwanderern durch diese amerikanische Zivilisierungsmaschine durchgegangen sind: durch das Baseballteam, durch die amerikanische Schule, durch gelebten Patriotismus. Die Amerikaner sind stolz auf ihre Nation, und sie bieten ihren Einwanderern positive Identifikationssymbole an. Einwanderung kann gut funktionieren, wenn es ein Zusammengehörigkeitsgefühl gibt.
Und Deutschland bietet das nicht?
Nein, Deutschland bietet den Einwanderern vor allem negative Identifikationssymbole, nichts, worauf man gemeinsam stolz sein könnte. Deutschland ist auf seine national­sozialistische Vergangenheit fixiert.

Das Interview mit Jörg Baberowski führten Erik Ebneter und Benedict Neff. Es ist in der Basler Zeitung erschienen

Gestaltannahme


In den vergangenen Monaten ist Donald Trump zunehmend in die Rolle eines amerikanischen Rienzi hineingewachsen, wobei dem Milliardär im Gegensatz zum römischen Tribun ein Happy-ending durchaus noch gelingen könnte. Ein "artificial intelligence system", das den Ausgang der vergangenen drei US-Präsidentenwahlen korrekt vorhergesagt hat, prognostiziert diesmal den Sieg Trumps (hier).
Halten wir uns nicht mit der Provinzposse hiesiger Berichterstattung zum US-Wahlkampf auf. Bei sich daheim erhielt Trump nun Unterstützung von ausgerechnet Michael Moore, dem Darling der Globalisten, Linken und politkorrekten Konservativenverächter, einem erklärten Clinton-Wähler, der eine Art Rede gehalten hat, bei der es auch robuste Naturen sentimental ankommen kann. Wahrscheinlich wollte Moore nur die Motive der Trump-Wähler erklären, doch was er da in vier Minuten vorträgt, ist von einer dermaßen atemverschlagenden Wucht und mitreißenden Intensität, dass einen Zeugen deutscher politischer Reden nur ein rasender Neid befallen kann auf ein Land, in dem dergleichen möglich ist, und zwar auch noch aus dem Mund eines Linken. Selbst den Mitarbeitern von Trumps Wahlkampf-Team dürfte, wie man sagt, der Mund offengestanden haben, als sie das hörten:

"Ob es Trump nun ernst meint oder nicht, ist eher irrelevant, weil er diese Dinge zu Menschen sagt, die leiden, und darum liebt jeder niedergeschlagene, namenlose, vergessene Malocher, der einmal Teil dessen war, was man die Mittelschicht nannte, Trump. Er ist der menschliche Molotow-Cocktail, auf den sie gewartet haben; die Handgranate in Menschengestalt, die sie legal auf das System schmeißen können, das ihnen das Leben gestohlen hat.
(...)
Sie sehen, dass die Eliten, die ihr Leben ruiniert haben, Trump hassen. Das Amerika der Konzerne hasst Trump. Die Wall Street hasst Trump. Die Karrierepolitiker hassen Trump. Die Medien hassen Trump, nachdem sie ihn geliebt und geschaffen haben und nun hassen. Danke, Medien: Der Feind meines Feindes ist derjenige, den ich am 8. November wählen werde. Ja, am 8. November, da werdet ihr, Joe Blow, Steve Blow, Bob Blow, Billy Blow, all die Blows werden losziehen und das ganze gottverdammte System in die Luft blasen, weil das euer Recht ist. Die Wahl Trumps wird zum größten 'Fuck you!' in den Annalen der Menschheitsgeschichte werden, und es wird sich gut anfühlen." (der ganze Passus im Video hier).

Aus Moores Worten spricht die Zerrissenheit eines heutigen Establishment-Angehörigen, der in einem Vorort einer amerikanischen Kleinstadt als Sohn einer Sekretärin und eines Handwerkers aufwuchs, dessen gesamte Familie bei General Motors arbeitete und dessen Onkel zu denjenigen gehörte, die in den 1930er-Jahren die Einführung einer Gewerkschaft bei GM erzwungen hatten. Das dürfte auch der Grund sein, warum er so reden kann. Durch ihn verläuft gewissermaßen jene neue Front, welche die Bewohner der westlichen Welt in zwei Großparteien scheidet. Symptome für die Teilung der Sphären gibt es zuhauf; die amerikanische Tea-Party-Bewegung und das Erstarken der sogeschmähten europäischen Rechtspopulisten zählen dazu.

Der "Autor, Dozent und Blogger" Michael Seemann hat versucht, die neuen politischen Lager zu beschreiben. Er spricht von einer "dritten Klasse", die sich gebildet habe und gegen die sich Arbeiter und Bürger zusammengeschlossen hätten. "Um diese Klasse überhaupt wahrzunehmen, muss man etwas sehr Unangenehmes tun. Man muss, statt den Frust der Wutbürger als verkappten Verteilungskampf wegzuinterpretieren, einmal hinhören, was diese Leute von sich geben. Man muss sich in sie hineinversetzen, muss den Slogans lauschen und ihre Narrative nachvollziehen. Man muss zwar nicht ihre Ängste, aber ihre Parolen ernst nehmen.Da ist zunächst die Erzählung einer Verschwörung, über alle Parteigrenzen hinweg. Es gäbe gar keine echte Demokratie mehr, sondern nur noch die Einheits-Blockpartei CDUSPDFDPGRÜNELINKE. Auch die Medien ('Lügenpresse') steckten mit unter der Decke. Gut wird empfunden, dass die endlich Gegenwind bekämen (Trump, Le Pen, AfD, FPÖ, Brexit) und sich eine 'echte Alternative' (Alternative für Deutschland, Alt-Right-Movement) bildete.
Es ist leicht, diese Vorstellungen als Spinnerei abzutun, aber wenn man sich die drei wesentlichen Eckpfeiler der neurechten Programmatik besieht – Migration, Globalisierung und Political Correctness – dann ist nicht zu leugnen, dass es in diesen Bereichen tatsächlich einen gewissen Grundkonsens in den Medien und Parteien (die CSU mal ausgeschlossen) gibt. Ein Konsens, von dem allerdings gerne angenommen wird, dass es ein gesamtgesellschaftlicher Konsens ist. Weil es vernünftig ist. Weil es menschlich ist. Weil es das einzig richtige ist. Da müssten doch alle dafür sein. Nicht?
Hand aufs Herz! Ist es nicht erschreckend, dass man sich als Linker in so vielen politischen Fragen auf einmal an der Seite von Angela Merkel wähnt? Dass man anfängt, Projekte wie die Europäische Union zu verteidigen oder dass Yanis Varoufakis in pathetischem Ton verkündet, er wolle den Kapitalismus retten. Als genuin linkes Projekt! Gibt es nicht tatsächlich längst bei vielen Fragen einen Konsens, der über alle klassischen politischen Grenzen hinweg als 'alternativlos' empfunden wird? Refugees Welcome und kein Fußbreit. Aber auch: die Globalisierung ist eine im Grunde positive Sache, das N-Wort sagt man nicht, und Minderheitenrechte müssen geschützt werden. Doch wie weit geht dieser Konsens? Nicht so weit wie wir dachten."

Entstanden sei also eine "globalisierte Klasse der Informationsarbeiter", führt Seemann aus, "gut gebildete, tendenziell eher junge Menschen, die sich kulturell zunehmend global orientieren, die die 'New York Times' lesen statt die Tagesschau zu sehen (...) Es ist eine Klasse, die fast ausschließlich in Großstädten lebt, die so flüssig Englisch spricht wie ihre Muttersprache, für die Europa kein abstraktes Etwas ist, sondern eine gelebte Realität, wenn sie zum Jobwechsel von Madrid nach Stockholm zieht. (...) Diese neue globalisierte Klasse sitzt in den Medien, in den StartUps und NGOs, in den Parteien, und weil sie die Informationen kontrolliert, gibt sie überall kulturell und politisch den Takt vor. Das heißt nicht, dass sie politisch homogen im eigentlichen Sinne ist – zumindest empfindet sie sich nicht so – sie ist zum Beispiel in Deutschland fast im gesamten Parteienspektrum zu finden, in der CDU, SPD, LINKE, GRÜNE, FDP. Diese Klasse entspringt dem Bürgertum, aber hat sich von ihm emanzipiert."

Die eigentliche Quelle ihrer Macht: "Sie kontrolliert den Diskurs, sie kontrolliert die Moral." Seemann spricht von "kultureller Gentrifizierung" (mehr hier). Der Text war explosiv genug, dass ausgerechnet die Jungle World seinen Abdruck ablehnte, ein scheinbar nebensächlicher, tatsächlich aber ungemein bezeichnender Vorgang: Mit der Ablehnung verortet sich die vermeintlich linke Zeitung in jener "dritten Klasse" der Globalisten.

Mag das alles noch konstruiert und theoretisch unausgegoren wirken, die Tendenz steht bolzenfest: "Zwischen den Kräften des Hergebrachten und denen des ständigen Fortbringens, Abservierens und Auslöschens wird es Krieg geben" (Botho Strauß 1993 in seinem Essay "Anschwellender Bocksgesang"). Etwas später prägte der Philosoph Peter Sloterdijk den Begriff "Globalisierungsekel". Viele Rechtsintellektuelle verspürten ein solches Abgestoßensein angesichts einer "klebrigen Welt ohne Abstände". Da die Völker eher unwillig sind, den grauen Tod der Diversity zu sterben, haben die Globalisten den Migranten als neues revolutionäres, jedenfalls zu emanzipierendes Subjekt entdeckt. Die Gretchenfrage unseres Epöchleins lautet: Wie hältst du's mit der Migration? Näherhin: dem vermeintlichen Recht auf Migration? Hier scheiden sich die Geister und die Sphären.  MK am 29. 10. 2016

Duckmäuserische Richter

Nun will die Staatsanwaltschaft in Revision gegen das Urteil des Hamburger Landgerichts gehen, das vier der fünf Täter, die im Februar in Hamburg eine alkoholisierte 14jährige vergewaltigt hatten, mit Bewährungsstrafen davonkommen ließ. Bei den Vergewaltigungen war es nicht geblieben. Man hatte dem Mädchen auch verschiedene Gegenstände eingeführt und es anschließend  leicht bekleidet bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt im Freien abgelegt, ihren Tod also in Kauf genommen.
Nur durch Zufall war es entdeckt und gerettet worden. Der Vorsitzende Richter führte zur Begründung an, die Jugendlichen im Alter zwischen 14 und 17 Jahren hätten glaubhafte Geständnisse abgelegt, sich reumütig gezeigt und gute Sozialprognosen.
Wie er darauf wohl kommt? Die 2010 so merkwürdig aus dem Leben geschiedene Berliner Jugendrichterin Kirsten Heisig hatte immer wieder betont, daß milde Strafen, und als solche würden Bewährungsstrafen wahrgenommen, die jugendlichen Täter, und zwar gerade die ausländischen, nur in der Meinung bestärken, sich alles herausnehmen zu dürfen, weil ihnen niemand etwas anhaben könne.
Nach übereinstimmenden Berichten waren die Angeklagten zu Prozeßbeginn im August als siegesgewisse Matadore in den Gerichtssaal eingezogen, und als solche verließen sie ihn wieder. Die geringen Strafen, schrieb Bild, seien von den Angehörigen der Verurteilten „mit Siegerposen, Gegröle und abfälligen Gesten“ gefeiert worden. Von einer „serbischen Großfamilie“ ist die Rede, andere sprechen schlicht von „Zigeunern“.
Es ist das Rotherham-Muster im Frühstadium. In der britischen Stadt hatten Migranten im Schutze staatlichen Desinteresses englische Mädchen aus der Unterschicht jahrelang mißbraucht. Auch die von ausländischen Tätern begangenen Tötungsdelikte an jungen Deutschen und ihre Bagatellisierung durch Behörden und Medien gehören in den Zusammenhang.
Erinnert sei an den Tod des Daniel S. 2013 im niedersächsischen Kirchweyhe, der den Schriftsteller Akif Pirinçci zu dem aufsehenerregenden Aufsatz „Das Schlachten hat begonnen“ veranlaßte, in dem er die umgreifende Gewalt insbesondere junger Muslime gegen meist wehrlose autochthone Deutsche zu analysieren versucht.
Sicherlich gehen ideologische Voreingenommenheit und moralische Indifferenz der Verharmlosung solcher Straftaten voraus, doch das Hauptmotiv dürfte heute die pure Angst sein. In Berlin platzte kürzlich der Prozeß gegen einen arabischen Familienclan, weil sich keine Beisitzer für ihn fanden.

Polizisten, die gegen Straftäter aus dem Migrantenmilieu vorgehen, sehen sich in Windeseile von einer aggressiven Meute umringt; Opfern wird unter der Hand geraten, nicht auf der Strafverfolgung zu bestehen, um sich nicht in Gefahr zu bringen; Belastungszeugen werden unter Druck gesetzt – warum nicht auch Juristen? Abgesehen von der persönlichen Gefährdung müssen die Behörden damit rechnen, daß angemessene Urteile zum Aufruhr der betroffenen Milieus bis hin Bürgerkriegsszenen führen würden.
So wird den Opfern die Genugtuung vorenthalten und die verletzte Hoheit des Rechts zur inoffiziellen Rechtsnorm. Das ist die natürliche Folge der multikulturellen Gesellschaft, die „hart, schnell, grausam und wenig solidarisch“ ist und die „Verbindlichkeit ihrer Werte“ eingebüßt hat, wie Daniel Cohn-Bendit 1991 schrieb.

Anders gesagt: Die Funktionseliten verpfänden mit ihrer Zuwanderungspolitik neben dem Wohlstand auch den Rechtsfrieden und die körperliche Unversehrtheit der Bürger.
Die Justiz bleibt davon nicht unberührt und mutiert vom Organ der Rechtspflege zum Instrument eines politischen, gesellschaftlichen und ethno-kulturellen Umbaus. Denn bei anderen Gelegenheiten stellt sie unter Beweis, daß sie durchaus imstande ist, hart  zuzuschlagen. Vorige Woche bestätigte das Landgericht Würzburg die unbedingte Haftstrafe gegen einen Mann, der Haßpostings verbreitet hatte.
Der grüne Justizsenator von Bremen möchte die Beteiligung an Haßsprache (Hate speech) im Internet mit der „bandenmäßigen Begehung von Straftaten im realen Leben“ gleichstellen. Gerade wurde die 87jährige Ursula Haverbeck, eine notorische Holocaust-Leugnerin, zu elf Monaten Gefängnis ohne Bewährung verurteilt, weil sie nicht aufhört, ihre Behauptungen öffentlich vorzutragen.

Es ist bemerkenswert, daß virtuelle und Meinungsstraftaten, die sich durch ihren evidenten Unsinn selbst widerlegen, für schwerer befunden werden als zertretene Hirnschalen und sexuelle Folter. Folgerichtig ist es allemal, und alles hängt dabei mit allem zusammen. Die zivilreligiösen Gesinnungswächter triefen vor einer Hypermoral, aus der sie ihre ideologische Argumentation für den Vollzug des großen Umbaus ableiten.
Die sogenannten Haßpostings sind oft widerwärtig; bei anderen liegt lediglich die Übertretung der normierten Sprachcodes vor. Und fast immer handelt es sich um überschießende Reaktionen, in denen sich die Wut über die Hilf- und Wehrlosigkeit vor allem gegenüber der Zuwanderungspolitik, die man mit Gründen als persönliche Gefährdung wahrnimmt, Luft macht.
Ihre massierte Kriminalisierung zielt darauf ab, die Konstituierung einer Gegenöffentlichkeit und die freie Kommunikation unter Andersdenkenden zu unterbinden, indem man staatlicherseits Angst erzeugt. Kommunikation und Öffentlichkeit aber sind die Voraussetzung für gesellschaftliches Handeln und politische Wirksamkeit.
Es geht also um die Verhinderung einer Opposition, die sich gegen den Umbau und die flächendeckende Etablierung von Alltagsgewalt à la Hamburg und Kirchweyhe und ihre Verharmlosung als neuer Rechtsnorm wendet.  Thorsten Hinz

Freitag, 28. Oktober 2016

Von Garmisch bis Rendsburg, von Heiko Maas bis an die Merkel

Der Islam gehört zu Deutschland und der Moscheebesuch gehört zur deutschen Schulpflicht. Und die Koranlektüre für Volksschüler, Verzeihung Grundschüler, erst recht.

Planetarische Schicksalswahl

Es grenzt an ein Wunder: Nun hat sich ausgerechnet der Paradelinke Michael Moore, der unlängst Hillary Clinton mit Jesus verglich, für Donald Trump ausgesprochen. Mehr oder weniger zumindest. Diese Rede aus seinem neuen Film „TrumpLand“ klingt jedenfalls verblüffend nach einer glühenden Werbung.

 Moore gibt sich darin als sozialer Populist und Kleine-Leute-Versteher, ganz wie zu seinen Anfangszeiten, als er seinen (immer noch wunderbaren und sehenswerten) Debütfilm „Roger and Me“ (1988) drehte:
Ich kenne einen Haufen Leute in Michigan, die vorhaben, für Trump zu stimmen, und sie mögen ihn gar nicht mal so sehr, noch sind sie unbedingt seiner Meinung. Sie sind keine Rassisten oder Rednecks, sie sind eigentlich ziemlich anständige Leute, und nachdem ich mit einigen von ihnen gesprochen habe, möchte ich dies hier schreiben.
Donald Trump kam zum Detroit Economic Club und stand dort vor den Managern von Ford Motor und sagte: „Wenn Sie diese Fabriken in Detroit schließen, wie es Ihr Plan ist, und sie in Mexiko neu aufbauen wollen, dann werde ich diese Autos mit einer Zollsteuer von 35% belegen, wenn Sie sie zurückschicken, und niemand wird sie kaufen.“ Das war eine erstaunliche Szene. Kein Politiker, ob Republikaner oder Demokrat, hat diesen Managern jemals irgendetwas Vergleichbares gesagt, und es klang wie Musik in den Ohren der Menschen in Michigan und Ohio und Pennsylvania und Wisconsin – den „Brexit“-Staaten.
Sie leben hier in Ohio, Sie wissen, wovon ich spreche. Ob es Trump nun ernst meint oder nicht, ist eher irrelevant, weil er diese Dinge zu Menschen sagt, die leiden, und darum liebt jeder niedergeschlagene, namenlose, vergessene Malocher, der einmal Teil dessen war, was man die Mittelschicht nannte, Trump. Er ist der menschliche Molotow-Cocktail, auf den sie gewartet haben; die Handgranate in Menschengestalt, die sie legal auf das System schmeißen können, das ihnen das Leben gestohlen hat.
Und nun kommt der 8. November. Obwohl sie ihre Jobs verloren haben, obwohl die Bank eine Zwangsvollstreckung angeordnet hat, danach kam die Scheidung, und nun sind die Frau und die Kinder weg, das angezahlte Auto mußte zurückgegeben werden, und sie hatten seit Jahren keinen richtigen Urlaub mehr, stecken im beschissenen Bronze-Plan der Obamacare fest, wo man nicht einmal ein verdammtes Percocet (Schmerzmittel) bekommen kann… sie haben im Grunde alles verloren, was sie hatten, außer einer Sache, die sie keinen Cent kostet und die ihnen von der Verfassung garantiert wird: das Recht zu wählen.
Sie mögen mittellos, sie mögen obdachlos sein, sie mögen verarscht und abgefuckt sein, das ist alles egal, denn an diesem Tag sind alle gleich – die Stimme eines Millionärs zählt genausoviel wie die eines Menschen ohne Job: als eine einzige. Und es gibt mehr davon in der ehemaligen Mittelschicht als in der Schicht der Millionäre. Darum werden die Enteigneten am 8. November in das Wahllokal gehen, einen Stimmzettel bekommen, den Vorhang zuziehen, und mit diesem Knopf oder Filzstift oder Tastbildschirm ein scheißgroßes Kreuz in das Kästchen machen, das den Namen jenes Mannes trägt, der gedroht hat, genau das System umzukrempeln und geradezubiegen, das ihr Leben ruiniert hat: Donald J. Trump.
Sie sehen, daß die Eliten, die ihr Leben ruiniert haben, Trump hassen. Das Amerika der Konzerne hasst Trump. Die Wall Street hasst Trump. Die Karrierepolitiker hassen Trump. Die Medien hassen Trump, nachdem sie ihn geliebt und geschaffen haben und nun hassen. Danke, Medien: Der Feind meines Feindes ist derjenige, den ich am 8. November wählen werde.
Ja, am 8. November, da werdet ihr, Joe Blow, Steve Blow, Bob Blow, Billy Blow, all die Blows werden losziehen und das ganze gottverdammte System in die Luft blasen, weil das euer Recht ist. Die Wahl Trumps wird zum größten „Leckt mich am Arsch!“ in den Annalen der Menschheitsgeschichte werden, und es wird sich gut anfühlen. Trump’s election is going to be the biggest ‚fuck you‘ ever recorded in human history and it will feel good.
Warum Moore nach solch beflügelnden Worten immer noch Clinton unterstützt, bleibt sein Geheimnis. Gerade als Linker hätte er gemäß seiner eigenen Analyse allen Anlaß, für Trump zu stimmen. Hier schlagen vielleicht zwei Seelen in seiner Brust, der nun wiedererweckte, in einem Vorort aufgewachsene irisch-katholische Arbeitersohn aus Michigan, und der inzwischen zum Establishment gehörende, privilegierte, millionenschwere, pseudo-oppositionelle shitlib par excellence.


„TrumpLand“ – den ich noch nicht gesehen habe – versucht offenbar einerseits, „die Ängste der Menschen ernstzunehmen“, sie andererseits aber doch für Hillary zu gewinnen. Die Zeit schreibt:
Es geht ihm nicht um eine scharfe Analyse des Phänomens Trump oder die schonungslose Diagnose von dessen Wählern. Moore will die Menschen dazu bringen, nicht nur gegen Trump, sondern für Clinton zu stimmen. Er will einen Populismus der Mitte: einen, der gesunden Menschenverstand, ein Minimum an Respekt und Kompetenz mit eben dem Ingrimm einklagt, mit dem Trumps Heerscharen genau dagegen anblöken.
Was ist hier passiert? 2004 feuerte Moore in „Fahrenheit 9/11″ aus allen propagandistischen Rohren, um die Wiederwahl von George W. Bush zu verhindern; angesichts des Matches Trump vs. Clinton scheint er sich seiner Sache nicht mehr so sicher zu sein wie damals.
Wie Moore selbst einräumt: das Einzigartige an dem Phänomen Trump, das dem Wahlkampf eine präzedenzlose Dramatik verleiht, ist die Tatsache, daß hier buchstäblich Einer gegen Alle antritt – und standhält. Der gesamte Leviathan des politisch-medialen-finanziellen Machtkomplexes ist gegen Trump, inklusive einer erklecklichen Anzahl seiner eigenen Parteigenossen, die ihm am laufenden Band in den Rücken gefallen sind.
Hillary Clinton dagegen ist die Kandidatin der Mächtigen und der globalistischen Eliten, Fleisch von ihrem Fleisch. Sie wird sogar von vielen Linken zutiefst gehaßt und gefürchtet, die sich vor die Wahl zwischen Scylla und Charybdis gestellt sehen. Im Gegensatz zu Trump, der seinen Wahlkampf weitgehend aus eigener Tasche bezahlt, wird Clinton unter anderem von der Wall Street, Hollywood, Silicon Valley, Goldman Sachs, George Soros und – Saudi-Arabien finanziell und propagandistisch unterstützt, wobei Clintons Crew nur allzu gut Bescheid weiß, daß letzterer Geldgeber auch den IS mächtig unterstützt und mit Frauen weitaus unsanfter umspringt als der zu Machosprüchen neigende Trump.

Kurz nach der dritten und letzten Kandidatendebatte der Präsidentschaftswahl spielte sich während des jährlichen Benefizdinners der Alfred E. Smith Memorial Foundation, einer katholischen Wohltätigkeits-Stiftung in New York, eine geradezu surreale Szene ab. Gemäß einer alten Tradition waren beide Präsidentschaftskandidaten anwesend, und wurden zu einem „roast“ angehalten. Die Spielregel ist, daß die solchermaßen „Geehrten“ gute Miene zum bösen Spiel machen müssen, was Hillary offensichtlich schwer fiel, obwohl sie sich wie üblich mit ihrem maskenhaften Robotergrinsen und ihrer Kinohexenlache gepanzert hatte.
Ridendo dicere severum: Trump begnügte sich nicht damit, ein paar harmlose Beleidigungen und selbstironische Bemerkungen vom Stapel zu lassen, sondern bohrte tief in die Wunde, fast schon an der Grenze zum Bruch der Konvention, und erntete dafür empörte Buhrufe und entsetzte Gesichter. Die anwesenden Krokodile bemühten sich indessen zähnefletschend zu lachen und das Theater mitzuspielen.
Trump verspottete die unverhohlene Parteilichkeit der Medien:
Diese Events gaben den Kandidaten nicht nur Gelegenheit, in einem sehr sozialen Rahmen zusammenzutreffen; sie ermöglichten auch, daß die Kandidaten Gelegenheit bekamen, das Team des anderen Kandidaten kennenzulernen. Ich weiß, daß Hillary meinen Kampagnenleiter getroffen hat, und ich hatte Gelegenheit, die Leute zu treffen, die so hart daran arbeiten, daß sie gewählt wird. Hier sind sie: Die Chefs von NBC, CNN, CBS, ABC. Gleich dort hinten ist die New York Times, und dort die Washington Post. Sie leisten Überstunden.




Im Zuge einer Rede vom 13. 10. in West Palm Beach (Florida) nannte Trump die herrschende Regierung „völlig korrupt“ und nahm sich kein Blatt vor den Mund, was die Rolle der Medien angeht – die in den USA ebenso wie hierzulande als Lügen- und Lückenpresse aktiv sind:
Das Medienkartell (corporate media) in unserem Land kümmert sich nicht mehr um Journalismus. Es bedient spezielle politische Interessen, nicht anders als irgendein Lobbyist oder ein finanzielles Unternehmen mit einer totalen politischen Agenda; und diese Agenda dient nicht euch, sondern ihnen selbst. Und ihre Agenda ist es, „Crooked Hillary“ Clinton um jeden Preis zu wählen, koste es, was wolle, egal, wie viele Leben sie dabei zerstören. Soweit es sie betrifft, herrscht Krieg, und sie kennen keinerlei Hemmungen.
Dies ist ein Kampf um das Überleben unserer Nation, glaubt mir, und der 8. November ist unsere letzte Chance, sie zu retten. Diese Wahl wird darüber entscheiden, ob wir eine freie Nation sind oder ob unsere Demokratie nur eine Illusion ist, während wir in Wahrheit von einer kleinen Gruppe globaler Spezialinteressen kontrolliert werden, die das System manipulieren, und unser System ist manipuliert. Das ist die Realität. Ihr wißt es, sie wissen es, ich weiß es, und so gut wie die ganze Welt weiß es.
Das Establishment und seine Gehilfen in den Medien beherrschen das Land durch wohlbekannte Mittel. Jeder, der ihre Macht in Frage stellt, wird zum Sexisten, Rassisten, Fremdenfeind und moralischen Krüppel erklärt. Sie werden euch angreifen, sie werden euch verleumden, sie werden versuchen, eure Karriere und eure Familie zu zerstören. Sie werden versuchen, alles an euch zu zerstören, inklusive eures guten Rufs. Sie werden lügen, lügen, lügen, und dann werden sie noch Schlimmeres tun. Sie werden tun, was nötig ist. Die Clintons sind Kriminelle, denkt daran, Kriminelle!
Dergleichen hat man im US-Wahlkampf noch nie gehört, und es läßt sich 1:1 auf unsere Situation in Deutschland und einen großen Teil von Westeuropa umlegen: das tiefe Mißtrauen gegenüber den herrschenden Eliten, die Entmachtung der einfachen Wähler, die Macht der Medien, die zunehmend der Propaganda und Gleichschaltung dienen, die Herrschaft durch die Zuchtrute der politischen Korrektheit und der sozialen Ausgrenzung…

Entsprechend einseitig, bis an den Rand zur unfreiwilligen Komik, wird in unseren Medien der US-Wahlkampf präsentiert. Trump wird regelmäßig als gefährlicher Irrer, Monster, Egomane, Spinner, Trottel, Clown, Lügner, Trampel oder Frauenfeind dargestellt, seine Charakterschwächen und die eher deftigen Züge seiner Persönlichkeit und seines Auftretens disproportional und systematisch übertrieben. Nach jeder Kandidatendebatte behaupteten die professionellen Erklärer hartnäckig und wider alle Evidenz, Clinton hätte brilliert und gepunktet, Trump dagegen eine schlechte und lächerliche Figur abgegeben.
Clinton selbst wird schonend behandelt, auch wenn sich die aktuellen und nun durch den erzwungenen Internetarrest Julian Assanges abgedrehten Wikileaks-Enthüllungen sowie die Nachrichten über ihren offenbar schlechten Gesundheitszustand kaum verschweigen lassen.
Seit Monaten geistern nach amerikanischem Vorbild Meldungen durchs deutschsprachige Netz im Stile von: „Diesmal ist Trump zu weit gegangen“, „Das wird ihn den Sieg kosten“, „Trump fällt weit hinter Hillary zurück“, „Trump stürzt ab“, „Trump ist der klare Verlierer“, „Kostet Trump Skandalvideo die Kandidatur?“, „Trump hat alle Chancen verspielt“ usw. usf.  Hinzu kommt ein Dauerfeuer aus schmähenden und abwertenden Schlagzeilen dieser Art: „Donald Trump: Seine peinlichsten Fehltritte“, „Die schlimmsten Sprüche von Politik-Rüpel Donald Trump“, „Trumps miese Woche“, „Trump läßt kein Fettnäpfchen aus“, „Trump: Der Typ ist nur noch peinlich“, „Trump: die peinlichsten Fails“ usw. usf.
Doch nichts davon scheint auf die Dauer zu wirken und wird mit jedem weiteren überstandenen aufgeblasenen Skandälchen unglaubwürdiger. Trumps Chancen stehen trotz aller Widrigkeiten und Schmutzkübelladungen weiterhin gut.






Man mag  gegenüber der effektvollen dramatischen Zuspitzung skeptisch sein, derer sich Trump in seinen Reden bedient. Es ist schließlich ein alter Trick, in drastischen Farben eine Krise zu beschwören, und sich dann als Retter zu inszenieren. Aber seine Reden würden kaum auf derart fruchtbaren Boden fallen, wenn die Krisenstimmung und Unzufriedenheit im Land nicht wirklich enorm hoch wären.  Bei dieser Wahl steht offenbar tatsächlich mehr auf dem Spiel, als daß ein weiteres Mal ein roter Kandidat einen blauen ablöst (oder umgekehrt). Nun steht das ganze System auf der Anklagebank und dem Prüfstand.
Vielleicht droht sogar Krieg, sollte Clinton gewählt werden. Und zwar einer, der über das bisher gekannte Ausmaß weit hinaus geht. Trump hat skandalöserweise mehrfach verkündet, daß er eine friedliche Zusammenarbeit mit Russland und Putin sucht; in der zweiten Debatte äußerte er tiefe Skepsis gegenüber der gängigen Vorstellung, daß Amerika „Rebellen“ gegen die Schurken Assad und Putin unterstützen müsse, und prangerte die „Dummheit“ der amerikanischen Außenpolitik insbesondere im Nahen Osten an (hier wird wohl auch Michael Moore, der aus dieser Anklage eine Karriere gemacht hat, schwerlich widersprechen können).
Sie (Hillary) führt markige Reden gegen Putin und gegen Assad. Sie spricht zugunsten der Rebellen. Sie weiß nicht einmal, wer diese Rebellen sind. Sie wissen, jedes Mal, wenn wir Rebellen unterstützen, ob im Irak oder sonstwo, dann bewaffnen wir Leute. Und wissen Sie, was dann passiert? (…) Schauen Sie sich an, was sie in Libyen mit Gaddafi gemacht hat. Gaddafi ist weg. Es herrscht Chaos. Und nebenbei, der IS hat ein gutes Stück von ihrem Öl. (…) Es war ein Desaster. Es ist eine Tatsache, daß alles, was sie gemacht hat, ein Fehler und ein Desaster war.
Wer wagt, hier zu widersprechen? Hillary ist eine Hauptakteurin der Clique, die der Welt die Kriege im Irak, in Afghanistan, Libyen, Syrien und der Ukraine beschert hat, mit all ihren desaströsen Folgen, auch für Europa und Deutschland. Von ihr ist auch in Zukunft more of the same zu erwarten. Mindestens. Denn es gibt Anzeichen, daß weitere, weitaus schlimmere Eskalationen bevorstehen. Ziel wird wahrscheinlich der derzeitige Hauptfeind der Globalisten sein, Wladimir Putins Rußland.
Im Schweizer Tagesanzeiger vertrat Günter Meyer, Leiter des Zentrums für Forschung zur Arabischen Welt an der Universität Mainz, die Ansicht, daß mit der Präsidentschaft Clintons die Gefahr eines Dritten Weltkriegs wachse:
Clinton hat immer wieder betont, dass sie eine härtere Gangart gegen Assad einschlagen will. Während Obama gerade die Einrichtung einer Flugverbotszone in Syrien entschieden abgelehnt hat, wird von Clinton nach wie vor die Einrichtung einer Flugverbotszone gefordert. Dazu ist die Zerstörung der syrischen Luftwaffenbasen durch Marschflugkörper geplant. Nachdem Russland inzwischen zahlreiche Abwehrsysteme gegen ballistische Raketen in Syrien installiert hat, würde diese militärische Intervention der USA unvermeidlich zu einer direkten militärischen Konfrontation der beiden Nuklearmächte führen. Ob Clinton dies tatsächlich in Kauf nehmen wird oder nur blufft, bleibt abzuwarten. (…)
Die weltpolitischen Spannungen werden sich in einem Masse verschärfen, das alles in den Schatten stellt, was wir seit dem Ende des Kalten Kriegs erlebt haben. Diese Richtschnur für die US-Aussenpolitik, die vor allem auf die militärische Überlegenheit der USA setzt und ein beispielloses Wettrüsten nach sich ziehen wird, führt an die Schwelle des dritten Weltkriegs beziehungsweise des ersten Nuklearkriegs. Hoffnungen auf ein Ende des Mordens in Syrien und eine Beilegung der dortigen Stellvertreterkriege sind ebenso vergeblich wie die Erwartung einer friedlichen Entwicklung in der Golfregion.

Auch Trump warf nun Clinton direkt vor, auf einen Weltkrieg zuzusteuern.
Ist diese Gefahr real, der Vorwurf berechtigt? Ich sage ja, ja und ja. Sogar Jakob Augstein ist dieser Meinung!
Aber der Mehrheit der Deutschen müsste der Gedanke eines Waffengangs zwischen den USA und Russland einen Schauer der Furcht über den Rücken jagen. Dennoch – wenn die Deutschen zu entscheiden hätten, am Triumph der Demokratin gäbe es keinen Zweifel. Sonderbar. Wie kann es sein, dass die deutsche Öffentlichkeit diese reale Gefahr eines Clinton-Sieges ignoriert?
Vielleicht hat die Berichterstattung des Spiegels ein klitzekleines bißchen dazu beigetragen?
Es liegt daran, dass Trumps Kandidatur derart schrill ist, dass zu viele Leute das Signal nicht wahrnehmen, das sie in Wahrheit ist. Hillary Clinton ist genau das Produkt des amerikanischen Polit-Establishments, das Trump und seine Anhänger in ihr sehen. Sie genießt in Europa den Ruf, für außenpolitische Berechenbarkeit und Kontinuität zu stehen. Aber das bedeutet eben auch, dass sie die im wahrsten Wortsinne verheerende amerikanische Außenpolitik militärischer Interventionen fortsetzen würde.
Ähnlich der linke Journalist Doug Henwood gegenüber der Welt:
Die Welt: Wie wird ihre Außenpolitik aussehen?
Henwood: Sie wird sehr aggressiv vorgehen. (…) Sie liebt das Militär und seine Macht. Ich denke, sie wird amerikanischen Einfluss in Syrien und anderswo im Nahen Osten geltend machen. Sie wird deutlich näher als Obama an Netanjahu heranrücken. Und ihr liegt viel daran, die Spannungen mit Russland und China zu verstärken. Es wird sich anfühlen wie eine Neuauflage des Kalten Kriegs, nur ohne Kommunisten.
So wie sie die Russen in der Sache der geleakten E-Mails bezichtigen, wie sie über Putin reden – das macht einem Angst. Sie spricht jetzt schon davon, über Syrien eine Flugverbotszone einzurichten, was synonym dafür wäre, russische Flugzeuge abzuschießen.
Ich habe diesen Artikel mit einer überraschenden Quasi-Parteinahme für Trump begonnen, und möchte ihn mit einer weiteren (vielleicht nicht ganz so überraschenden) beenden. Sie kommt von niemand geringerem als der den Lesern der Sezession und insbesondere Ellen Kositzas wohlbekannten amerikanischen Kulturkritikerin Camille Paglia, eine im Gegensatz zu Moore echte Nonkonformistin, die für ihre politischen Querschläge berühmt-berüchtigt ist. Sie gilt seit Jahren als wahre Hillary-Hasserin und rühmte bereits im März Trumps „erfrischende Offenheit“, „Furchtlosigkeit“ und „ungestüme Energie“.
Die vormalige Unterstützerin von Bernie Sanders äußerte in einem Interview mit dem Spectator, Hillary sei ein „Desaster“, und hätte nichts geleistet, außer „Nordafrika zu destabilisieren“ und damit „eine Flut von Flüchtlingen nach Italien“ loszutreten. Wie Moore äußert sie sich zwar nicht explizit Pro-Trump, aber ihre Begeisterung für die Aussicht, seine Wahl könnte das System komplett umkrempeln, ist offensichtlich:
„Wenn Hillary gewinnt, wird sich nichts ändern. Sie kennt die Bürokratie, all die Ämter der Regierung und das macht sie gerne, hinter den Kulissen sitzen und die Hebel der Macht manipulieren.“ (…)
Paglia sagt, sie habe keine Ahnung, wie die Wahl ausgehen wird: „Aber die Leute wollen Veränderung und sie haben die Nase voll vom Establishment. (…) Diese Vorstellung, daß Trump so eine große Gefahr für die westliche Zivilisation sei – das hat man schon oft über Präsidenten vorausgesagt, und nichts ist jemals passiert – wenn allerdings Trump gewinnt, dann wird das ein erstaunlicher Moment der Veränderung sein, denn es würde die Machtstrukturen der republikanischen Partei, die Machtstrukturen der demokratischen Partei und die Macht der Medien zerstören. Es wäre ein unglaublicher Ausbruch an Energie… in einer Zeit der internationalen Spannungen und Krisen.“
Plötzlich wirkt die Professorin aufgeregt. Vielleicht hofft Paglia, wie alle Radikalen auf der Suche nach Wahrheit, immer noch auf die kommende Revolution.
Die alte Löwin auf dem Trump-Train! Der Trump-Train als Weg zur Revolution! Herrlich!
Trumps Sieg würde zweifellos auch die anti-globalistisch-populistisch-nationalstaatlichen Kräfte in Europa stärken. Er würde zeigen, daß ein Durchbruch in die Blase des Machtkartells und der „blinden Eliten“ (Christopher Lasch) möglich ist. Wie Trumps Rede von West Palm Beach zeigt, befinden wir uns in den wesentlichen Dingen in ein- und derselben Frontstellung. Dürfen wir soviel „Hope“ auf „Change“ haben? Bleiben wir skeptisch – auch gegenüber der Person Trumps!- aber dennoch optimistisch.  Martin Lichtmesz






Donnerstag, 27. Oktober 2016

Junge Freiheit auf der Buchmesse 2016


Viel Glück!


Das Recht des Brutaleren

In der spanischen Stadt Almeria steht der muslimische Kapitän eines „Flüchtlings“-Bootes vor einem Geschworenengericht. Er soll vor zwei Jahren bei der Überfahrt von Marokko als Schleuser sechs Christen ins Meer geworfen haben.

Alle ertranken. 57 Flüchtlinge aus Afrika hatte der Kameruner Kapitän Alain N. B. an Bord, als er im Dezember 2014 mit seinem nur zehn Meter langen Schlauchboot das Mittelmeer überquerte. Als das Wetter schlechter wurde, begann laut Zeugenaussagen ein christlicher Priester aus Nigeria zu beten. Vier Zeugen bestätigen, dass Alain N. B. sowie sein Steuermann mit einem Holzbalken auf den Priester eindroschen und ihn über Bord warfen. Dann suchten die beiden die Passagiere nach christlichen Symbolen wie Kreuzen oder Amuletten ab. Die dadurch identifizierten fünf Christen wurden beschimpft, traktiert und ebenfalls über Bord geworfen und fanden den Tod.

Dem Kapitän sei bewusst gewesen, dass die Opfer aufgrund der Kälte oder ihrer Verletzungen nicht überleben würden. Wegen der stürmischen See ertranken auf der Weiterfahrt weitere Asylsucher, darunter sieben Babys. Am 5. Dezember fanden spanische Rettungskräfte 29 muslimische Überlebende, die drei Tage auf dem Meer getrieben hatten. Von den 57 Passagieren ertranken im Laufe der Fahrt weitere 22, darunter auch sieben Kinder. Nur vier von den Überlebenden waren bereit, gegen den Kapitän auszusagen, der daraufhin verhaftet wurde. Der spanische Staatsanwalt plädiert wegen religiös motivierten Mordes auf sechs Mal 15 Jahre Gefängnis. Alain N. B. bestreitet vor Gericht, Menschen über Bord geworfen zu haben. Er sagt: „Ich habe ein reines Gewissen.“

Eine ähnliche religiös bedingte Christenverfolgung gab es im April 2015 vor der italienischen Küste. Damals nahm die Polizei in Palermo 15 muslimische „Flüchtlinge“ fest, die auf ihrer Fahrt über das Mittelmeer kurz vor der Küste Italiens offenbar zwölf christliche Passagiere ins Meer geworfen hatten, weil diese angefangen hatten zu beten. Zeugen zufolge sollen die Muslime, die aus Mali, dem Senegal und der Elfenbeinküste stammten, aus religiösem Hass gehandelt haben. Eine Gruppe von weiteren christlichen Passagieren, die die Täter später anzeigten, konnte nur überleben, weil sie eine Menschenkette gegen die Angreifer gebildet hatten.
Die große Wanderungsbewegung der letzten Jahre begann seltsamerweise nicht mit dem Ausbruch der Bürgerkriege im Nahen Osten und in Westafrika, diese hatten schon sehr viel früher begonnen. Erst das Erstarken des radikalen gewaltbereiten Salafismus und des Dschihadismus, mit dem auch der Aufstieg der islamistischen Terrororganisationen IS und Boko Haram zusammenfällt, hat die Wanderungsbewegung anschwellen lassen. Die zwei angezeigten Fälle scheinen dabei nur die Spitze des Eisberges zu sein. Wo es keine Zeugen mehr gibt, gibt es keine Anzeigen und somit auch keine Taten mehr.    Bodo Bost


Woelkis Boot

Großartig! Echte, beispielhafte Fairniss - Martin Sellner bei ServusTV




Hut ab vor Efgani Dönmez!! Und Hut ab vor Servus.TV!!!


Erziehungshoheit

Weil ein Schüler im schleswig-holsteinischen Rendsburg sich geweigert hat, an einem Moschee-Besuch teilzunehmen, sollen seine Eltern nun 300 Euro Strafe zahlen. Der 13 Jahre alte Siebtklässler sollte im Frühsommer während des Erdkundeunterrichts mit seiner Klasse die benachbarten Centrum-Moschee besuchen, berichtet der Anwalt der Familie, Alexander Heumann, der JUNGEN FREIHEIT.

Thema des Ausflugs: „Der Orient – Machtfaktoren Wasser und Erdöl“. Die Eltern seien Atheisten und fürchteten um eine „religiöse Indoktrination“ ihres Kindes, das ebenfalls keiner Glaubensrichtung angehöre. Deshalb wollten sie „aus weltanschaulichen Gründen“ nicht, daß der Sohn die Moschee besuche.
Dies teilten sie auch der Schulleitung mit. Sie hätten die Auffassung vertreten, daß niemand gegen seinen freien Willen zum Betreten eines Sakralbaues gezwungen werden dürfe. Ihr Kind an dem betreffenden Tag einfach krank zu melden, sei für die Eltern nicht in Betracht gekommen, da sie das Problem nicht auf diese Art und Weise lösen wollten, erläuterte Heumann. Wie der Junge später von Mitschülern erfuhr, hätte zur Zeit des Moscheebesuchs auch ein Imam gepredigt.
Die Schule leitete daraufhin ein Ordnungswidrigkeitenverfahren wegen des Verstoßes gegen die Schulpflicht ein. Vater und Mutter sollten jeweils ein Bußgeld in Höhe von 150 Euro zahlen. Hiergegen legten beide Einspruch ein und wandten sich an die islamkritische Bürgerbewegung Pax Europa. Dieser gehört auch Heumann an, der daraufhin das Mandat übernahm. Nun beschäftigt der Fall die Staatsanwaltschaft Itzehoe. Diese muß entscheiden, ob es zum Prozeß kommt.
„Hier läuft etwas gewaltig schief“, empörte sich Heumann gegenüber der JF. „Hätten muslimische Eltern sich geweigert, ihr Kind zu einem Kirchenbesuch zu schicken, hätte sich wohl niemand getraut, sie dafür zu bestrafen.“ Nur wenn sich die Ablehnung gegen den Islam richte, werde sofort politisch korrekt durchgegriffen. Dies sei die typische Privilegierung des Islam gegenüber dem Christentum. „Es kann nicht sein, daß in deutschen Schulen Kruzifixe abgehängt werden, weil sich ein Schüler daran stört und gleichzeitig werden Bußgelder verhängt, weil ein Siebtklässler nicht in die Moschee möchte.“

Heumann sieht gute Chancen, daß der Bußgeldbescheid vor Gericht keinen Bestand haben wird. Hierbei gehe es auch um eine grundsätzliche Entscheidung. Er hoffe allerdings, daß er diese nicht bis zum Bundesverfassungsgericht ausfechten müsse.
Laut dem Landrat des Kreises Rendsburg-Eckernförde, Rolf-Oliver Schwemer, wäre eine solche Entwicklung vermeidbar gewesen. „So wie mir der Fall geschildert wurde, hätte die Angelegenheit möglicherweise auch anders geklärt werden können“, sagte er der Schleswig-Holsteinischen Landeszeitung.
Bauherr der 2008 eröffneten Centrum-Moschee in Rendsburg war die islamische Gemeinschaft Mili Görüs (IGMG).

Diese wurde vom Verfassungsschutz in der Vergangenheit als islamistisch eingestuft. Zwar hätten extremistische Aktivitäten und Positionen der IGMG in den vergangenen Jahren abgenommen, dennoch führt der Verfassungsschutz die Organisation weiterhin in seinen Jahresberichten auf. Die Behörde wirft der IGMG unter anderem antisemitische Bestrebungen vor und das Ziel zu verfolgen, weltliche Ordnungen durch islamisch-geprägte zu ersetzen. JF