Mittwoch, 30. November 2016

Das Ende der Umerziehung




Bayernhymne

Die SPD kann das Umerziehen nicht lassen. Nach dem Krieg gab es Bedarf dafür. Noch in den 70er Jahren ärgerten sich manche deutsche Fernsehzuschauer darüber, dass Kriminelle einen Strafverteidiger beanspruchen können. Dass die Altparteien, Medien und Drehbuchautoren damals immer etwas weiter links als die Basis standen, war 20 Jahre lang ein Segen. Aber seit 20 Jahren ist es ein Unheil. Irgendwann ist genug mit sich übereinandertürmenden Denkverboten, Ignorantifizierung und systematischer Verblödung.

Mehr Respekt für „die, die schon länger hier leben“!



Deutschland ist ein Land der Freiheit. Und das muss so bleiben. Eine dieser Freiheiten rückt zunehmend in das Blickfeld der öffentlichen Aufmerksamkeit: die Religionsfreiheit. Auslöser ist ein politischer Islam, der sich aus religiösem Fundamentalismus und politischem Extremismus speist und einen allumfassenden Geltungsanspruch des islamischen Rechts in einer totalitären Auslegung für alle Bereiche von Staat, Recht und Gesellschaft fordert.

Er befindet sich weltweit auf dem Vormarsch, ist längst auch bei uns angekommen und lehnt in seiner Rückwärtsgewandtheit all die Grundwerte ab, die unser Grundgesetz schützen will: Demokratie, Meinungsfreiheit, Gleichberechtigung von Mann und Frau oder Religionsfreiheit – jedenfalls die der anderen. Auch in Deutschland schafft sich dieser politische Islam zunehmend Freiräume. In wachsenden Parallelgesellschaften werden grundgesetzkonträre Werte und patriarchalisch-archaische Traditionen gelebt und eingefordert.
Es tut sich zunehmend ein besonderes Spannungsfeld auf zwischen der Religionsfreiheit auf der einen und anderen Grundwerten unserer freiheitlichen demokratischen Grundordnung auf der anderen Seite. In die Öffentlichkeit gelangt dieses Thema vor allem dann, wenn gut ausgebildete Einzelpersonen hervortreten, die sich ohne erkennbare Bereitschaft zur Rücksichtnahme auf andere Grundrechte und -werte unserer Verfassungsordnung energisch auf ihre Grundrechte berufen: die Lehrerin, die im Klassenzimmer mit Kopftuch unterrichten will, auch wenn Eltern, Kinder und Schulleitung das ablehnen; die Rechtsreferendarin, die im Gerichtssaal mit Kopftuch auftreten will, obwohl damit der fatale Eindruck einer religiös motivierten, von der Scharia beeinflussten Rechtsprechung entstünde.
Ich bin gespannt, ob das Bundesverfassungsgericht vor dem Hintergrund des politischen Islams seine bisherige Auslegung der Religionsfreiheit in Zukunft neu denken wird. Denn in den bisherigen Konfliktfällen entpuppt sich das aktuelle verfassungsrechtliche Verständnis der Religionsfreiheit als ein sehr weites. Es hat keine klaren objektiven Konturen und errichtet hohe Hürden für staatliche Beschränkungen.
Die Religionsfreiheit umfasst nach der aktuellen Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts und der herrschenden Rechtslehre nicht nur typisch religiöse Verhaltensweisen wie etwa Gebete oder Gottesdienste. Sie schützt auch Verhaltensweisen, die – wie etwa die Bekleidung – erst und entscheidend durch das subjektive Verständnis der einzelnen Betroffenen zur Religionsausübung werden.

Werfen wir nur einmal einen Blick auf die Vollverschleierung: Auch wenn sie aus vorislamischer Zeit herrührt und man aus dem Koran kein klares Gebot entnehmen kann, erklären betroffene Frauen im Einzelfall, dies sei für sie Ausdruck ihrer religiösen Überzeugung und geschehe freiwillig – also nicht auf Druck ihres Mannes oder ihrer Familie. Ist die Bekleidung erst einmal zur Religionsausübung erklärt, sind die Hürden für staatliche Beschränkungen hoch und nur zum Schutz überwiegender Grundwerte mit Verfassungsrang zulässig: Weil die Frau aber freiwillig ihre religiöse Pflicht erfülle, könne man für ein Verbot nicht die Menschenwürde anführen, nicht die Gleichberechtigung von Mann und Frau, nicht die negative Religionsfreiheit anderer, die mit einer solchen Glaubensbekundung nicht konfrontiert werden wollen.

Im Zweifel für die selbstbestimmte, emanzipierte Burkaträgerin also? Da erinnert man sich doch, dass Frauen sich mancherorts erst voll verschleierten, nachdem IS-Kämpfer ihr Dorf besetzt hatten. Dass Frauen in vielen muslimischen Ländern noch vor 50 Jahren kaum Kopftuch oder Schleier trugen und selbstverständlich auch studieren durften.

Muss es da nicht ein legitimes Ziel sein, unsere offene Kommunikation zu schützen? Sie ist ein Grundpfeiler unserer freiheitlich-demokratischen Kultur. Echtes Zusammenleben ist für uns nur möglich, wenn wir unserem Gegenüber ins Gesicht sehen können. Warum soll es schützenswert sein, dass jemand in der Öffentlichkeit sein Gesicht verbirgt, sich ausgrenzt und entindividualisiert?
Was ist das für ein schützenswertes Verständnis von Freiheit und Gleichberechtigung, wenn eine Frau voll verschleiert durch die Innenstadt läuft, während der Mann neben ihr kurze Hosen und T-Shirt trägt? Selbst wenn es im Einzelfall eine selbstbestimmte Entscheidung sein mag, legitimiert der Staat mit ihrem Schutz die Unterdrückung der muslimischen Frauen, die zur Verschleierung gezwungen werden, und erhöht den Druck auf diejenigen, die das bisher verweigert haben.
Viele haben Zweifel, ob in Deutschland ein allgemeines Vollverschleierungsverbot in der Öffentlichkeit verfassungsrechtlich zulässig wäre. Ich bin da nicht so pessimistisch. Unser Grundgesetz war immer in der Lage, auf neue Entwicklungen adäquate Antworten zu geben. Die sogenannten IT-Grundrechte etwa wurden ohne eine Verfassungsänderung aus dem Grundgesetz heraus entwickelt. Wenn sich die Zeiten wandeln, kann sich auch die Verfassung wandeln. Gerade wenn weltweit ein fundamentalistischer, intoleranter, nicht integrationsbereiter politischer Islam auf dem Vormarsch ist und Islamisten die Religion als Schutzmantel für ihre politischen Zwecke missbrauchen, muss man die Religionsfreiheit neu denken und in diesem Gesamtkontext neu einordnen.
Widerstreitende Grundrechtspositionen sind stets in einen angemessenen Ausgleich zu bringen. Wenn sich angesichts des politischen Islams herausstellt, dass eine zu weite Auslegung der Religionsfreiheit die Tür zu weit aufstößt für die Einschränkung anderer Grundrechte und damit die Grundrechte anderer zu stark einschränkt, wäre es nur folgerichtig, wenn das Bundesverfassungsgericht die Tür einen Spalt weiter schließen würde.

Das hätte nichts mit einem Rückbau der Verfassung oder gar einem Generalverdacht zu tun, sondern wäre die Folge einer nüchternen Analyse der Realität.
Deshalb sollte man künftig durchaus höhere Anforderungen an die Plausibilität der Behauptung stellen, etwa eine Bekleidung sei Teil der Religionsausübung. Es droht eine Banalisierung der Religionsfreiheit, wenn jedes Verhalten vom Betroffenen in kaum nachprüfbarer Weise zur Religionsausübung erklärt werden kann. Und selbst wenn die Vollverschleierung noch darunter fiele: Wenn der Koran eine solche Bekleidung nicht unmissverständlich vorschreibt und nur fundamentalistische Islamgelehrte dies herauslesen, zählt sie in keinem Fall zum Kernbereich der Religionsausübung, sondern allenfalls zu ihrem Randbereich. Dann sollten auch die verfassungsrechtlichen Anforderungen an die Rechtfertigung einer staatlichen Beschränkung niedriger sein - vor allem wenn es um eine besonders intensive Form der Religionsausübung mit vielen Drittbetroffenen geht.
Grundrechte des Einzelnen sind Teil einer freiheitlich-demokratischen Grundordnung und bestehen auch zu ihrem Schutz und damit im öffentlichen Interesse. Der Einzelne ist nicht nur Individuum, sondern auch Teil einer Gemeinschaft, die ihm diese Rechte verleiht. Deshalb kann man von dem Einzelnen - auch unterhalb der Strafbarkeitsgrenze - ein Mindestmaß an Rücksichtnahme auf die Interessen seiner Mitmenschen verlangen: auf ihre Religionsfreiheit, ihr Erziehungsrecht, ihr Verständnis von der Gleichberechtigung von Mann und Frau und ihre allgemeine Handlungsfreiheit.

Der vom Bundesverfassungsgericht postulierte möglichst „schonende Ausgleich“ der Religionsfreiheit mit widerstreitenden anderen Verfassungsgütern sollte auch tatsächlich so erfolgen und nicht regelmäßig zu Lasten der Allgemeinheit gelöst werden. Die aktuelle Entwicklung sollte auch Anlass sein, der offenen Kommunikation als Grundpfeiler unserer freiheitlich-demokratischen Gesellschaft - zum Beispiel gestützt auf das Demokratieprinzip beziehungsweise die Menschenwürde und die Freiheitsrechte - Verfassungsrang beizumessen und ihr Vorrang vor dem subjektiven Religionsverständnis zu geben.
Ein freiheitlich-demokratischer Rechtsstaat muss seine Grundlagen und Grundwerte bestmöglich schützen und verteidigen auch und gerade, wenn er es mit Anhängern eines politischen Islams zu tun hat, die besonders kompromisslos und vehement auf ihre Rechte pochen, und erst recht, wenn sie unsere Werte nicht teilen.   Winfried Bausback

Berlin bleibt noch lange Berlin und wird immer mehr Berlin




In Berlin haben Linksextremisten die Rettungsmaßnahmen an einer leblos aufgefunden Frau behindert. Die zur Verstärkung gerufene Polizei mußte mit einer Einsatzhundertschaft und sechs Einsatzwägen den Weg für den Notarzt frei machen und eine längere Zeit mit den Bewohnern des linksextremen Szenetreffs „Köpi“ über den Zutritt verhandeln.
In Folge des Großaufgebotes am Ort des Geschehens mußte die Straße eine Stunde lang gesperrt werden. Anwohner in der Köpenicker Straße 137 hätten die Frau mit einem Kreislaufstillstand aufgefunden und nach Wiederbelebungsversuchen die Berliner Feuerwehr verständigt, berichtet die Nachrichtenagentur dpa. Der Notarzt konnte nur noch den Tod der Frau feststellen. Ein Fremdverschulden sei nicht zu erkennen gewesen, die Leiche wird dennoch gerichtsmedizinisch untersucht.

Marcel Luthe (FDP): „Während Rot-Rot-Grün mit Linksextremisten verhandelt, die den Staat offen ablehnen, kommen durch dieses zaghafte Vorgehen Menschen zu Schaden. Das muß ein Ende haben und der Rechtsstaat in ganz Berlin durchgesetzt werden.“ Das 1990 besetzte und mittlerweile zu Wohnzwecken legalisierte Haus in Berlin Mitte ist ein Treffpunkt der gewaltbereiten linken Szene. Immer wieder kommt es dort zu Ausschreitungen. Als etwa eine Räumung des Hauses im Jahr 2011 angedacht war, wurden 61 Polizisten von linksradikalen Demonstranten verletzt.  JF

Dienstag, 29. November 2016

EKD positioniert sich gegen Kritiker von Frühsexualisierung und Gender-Ideologie

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) sorgt sich vor einem Erstarken sogenannter Gender-Gegner. Auf einer Tagung in Hamburg will die EKD deshalb Anfang Dezember nach geeigneten Gegenstrategien suchen.
Seien Genderkonzepte in der Vergangenheit nur von „kleinen Minderheiten am rechten Rand“ angegriffen und in Frage gestellt worden, erhalte die Anti-Gender-Bewegung mittlerweile auch Zulauf aus bürgerlichen Milieus, warnt die EKD.

Dies gelte auch für konservativ-christliche Kreise „Die Kirche, die aus der Vision einer inklusiven Gemeinschaft lebt, in der Vielfalt und Gleichwertigkeit zentral sind, steht hier vor einer besonderen Herausforderung.“
In Workshops solle daher herausgearbeitet werden, wie sich „kirchliche Funktionsträger_innen“ dagegen wirksam positionieren und gegen Haßattacken wappnen können. Auch solle der Frage nachgegangen werden, wie die Kirche den zunehmenden Stammtischparolen begegnen solle.

Als Referenten der von der Beauftragten für Geschlechtergerechtigkeit der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland verantworteten Veranstaltung in Kooperation mit der EKD sind unter anderem die Feministin Katrin Rönicke, der Antifa-Blogger Andreas Kemper und die Pfarrerin Eli Wolf angekündigt. Letztere lebt in einer eingetragenen Partnerschaft mit der Grünen-Politikerin Marlis Bredehorst.   JF



Die Monstranz vor Teufels Küche

Letzte Woche wurde einer meiner Lieblingsgastronomen im medialen Dorf gefeiert, weil seit neuestem ein Aufkleber an der Eingangstür zu seinem Berliner Speiselokal prangt, das der „AfD“ den Eintritt verwehren soll.

Es geht um einen runden Aufkleber mit rotem Rand und rot durchstrichenem AfD-Schriftzug. So etwas wird in Zeiten, in denen es nur noch darum geht, irgendwelche „Zeichen zu setzen“, von den Medien natürlich dankbar aufgegriffen.
Auf Facebook hatte das Nobelhart&Schmutzig, dessen Miteigentümer der wunderbar sympathische und feinfühlige Billy Wagner ist, mitgeteilt, nun seine Pforten für „das Pack“ nicht mehr öffnen zu wollen. Etliche Printmedien berichteten darüber und die einen klopften sich auf die Schenkel über so viel „Mut“ und „Zivilcourage“, während andere sich über das merkwürdige Demokratieverständnis der Betreiber mokierten.

Wie genau der Hinweis, die AfD sei nun in einem der angesagtesten Sternerestaurants Berlins unerwünscht, umgesetzt werde, blieb natürlich im Unklaren. Soll es in Zukunft Gewissensprüfungen für jeden Gast geben, die in früherer Manier der Gewissensprüfung bei Wehrdienstverweigerern von zwei Parteienvertretern - natürlich der „guten“ Parteien - und einem Abgesandten eines Sozialverbands durchgeführt werden?
Oder wird jedem Gast bei Eintritt ein Fragebogen ausgehändigt und das Essen erst serviert, wenn dieser zur allgemeinen Befriedigung korrekt ausgefüllt wurde? Man weiß es nicht.
Was man aber weiß: der Aufkleber ist eine Provokation und Provozieren gehört zum Geschäft. Das ist so wie Titten bei Autowerbung. Funktioniert zwar, aber jeder halbwegs intelligente Mensch wendet sich bei so viel intellektueller und ästhetischer Unterforderung ab. Das Wecken niederer Instinkte gilt in einer aufgeklärten Gesellschaft als verpönt. Der Aufkleber des Nobelhart&Schmutzig ist so ein Code der niederen Instinkte, eine Art Geheimzeichen, um die ganz offensichtlich Guten von den noch offensichtlicher Bösen zu trennen. Man fühlt sich einfach wohler, wenn man unter sich bleibt. Unfreiwillig komisch wird es nur, wenn das Restaurant für die Ankündigung, jetzt endlich diesen Anti-AfD-Aufkleber auf der Eingangstür prangen zu haben, die Worte „Vielfalt, Diversität und Aufgeschlossenheit…" als Überschrift wählt.
Vielfalt, Diversität und Aufgeschlossenheit sind also die Gründe, wegen derer man Einfalt, Gleichheit und Abschottung betreibt. Das nach dem ehemaligen Richter am Bundesverfassungsgericht benannte Böckenförde-Dilemma, nach dem Demokratie ihre eigenen Voraussetzungen nur mit undemokratischchen Mitteln, vor denen sie sich tunlichst hüten möge, sicherstellen könne, wurde nie schöner und anschaulicher aufgezeigt. Böckenförde schrieb dazu: „Der freiheitliche, säkularisierte Staat lebt von Voraussetzungen, die er selbst nicht garantieren kann. Das ist das große Wagnis, das er, um der Freiheit willen, eingegangen ist. Als freiheitlicher Staat kann er einerseits nur bestehen, wenn sich die Freiheit, die er seinen Bürgern gewährt, von innen her, aus der moralischen Substanz des einzelnen und der Homogenität der Gesellschaft, reguliert. Anderseits kann er diese inneren Regulierungskräfte nicht von sich aus, das heißt mit den Mitteln des Rechtszwanges und autoritativen Gebots zu garantieren suchen, ohne seine Freiheitlichkeit aufzugeben.“

Der entscheidende Begriff in der Beschreibung Böckenfördes ist der des Wagnisses: Freiheit ist ein Wagnis. Im Umkehrschluss bedeutet es aber auch, dass für die Zaghaften und die Spießer, die nach Sicherheit und Bequemlichkeit gieren, Freiheit immer wie eine Bedrohung wirken muss. Und während die einen nach Kopftuch-Verboten rufen, um das Wagnis, das die freiheitliche Gesellschaft ist, auf ein für sie erträgliches Maß zu reduzieren, pappen die anderen irgendwelche AfD-Verbots-Aufkleber auf ihre Türen, um sich ebenfalls den Zumutungen der Freiheit nicht stellen zu müssen. Was am meisten ärgert: dass gerade die Aufgeklärten und Fortschrittlichen, die nicht müde werden, ständig die Schwarmmoralbegriffe von Vielfalt und Offenheit im Mund zu tragen, diejenigen sind, die als erste Vielfalt und Offenheit über den Jordan jagen. Offenheit ist scheinbar immer nur die Offenheit den Gleichdenkenden gegenüber.

Vor wenigen Wochen erst wurde der Fall eines Stuttgarter Zahnarztes bekannt, der die Bewerbung einer Muslima ablehnte mit dem Hinweis, er würde niemals eine Kopftuchträgerin einstellen. Wüsteste Beschimpfungen waren die Folge, die Presse berichtete, natürlich entschuldigte sich der Zahnarzt umgehend. Man kann trotzdem davon ausgehen, dass der Zahnarzt noch Post eines deutschen Gerichts erhält, das bei ihm das Antidiskriminierungsgesetz in Anschlag bringen wird.
Wer aber von Fremdenfeindlichkeit reden will, sollte auch von Benachteiligungen wegen politischer Anschauungen nicht schweigen. Nicht nur ist es ein Verfassungsgrundsatz der Bundesrepublik („niemand darf wegen (…) seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden“), spätestens seit dem Antidiskriminierungsgesetz hat dieser Grundsatz auch Eingang in den Privatrechtsverkehr gefunden.

Dass nun gerade diejenigen, die sich voller Stolz im Lichte dieses Antidismkriminierungsgesetzes sonnen, die ersten sind, die es bei den Rechten und Dunkeldeutschen über Bord zu werfen bereit sind, überrascht nicht.

Seit sich die politische Debatte in Deutschland extrem polarisiert hat, sind es gerade die „Offenen“, die nicht müde werden, ihr Scherflein dazu beizutragen, immer mehr zu polarisieren. Natürlich mit dem Krokodilstränen-Hinweis, man sei über die Polarisierung der politischen Debatte so erschüttert.
Demokratie ist eine Struktur, eine Metaebene, sie ist, auch wenn man das bedauern mag, kein festgefügter Inhalt. Wer sich als Demokrat versteht, hat das Wagnis einzugehen, auch die Meinungen des politischen Gegners zu respektieren. In einer funktionierenden Demokratie - und Demokratie funktioniert nur, wenn sie das Wagnis eingeht, sich selbst zu vertrauen -, ist es dem Rechtsstaat und Verfassungsschutz überlassen, die Feinde der Demokratie zu benennen und auszuschalten.

Alles andere grenzt an Selbstjustiz von Gutmeinenden, die in Wahrheit das Fundament der Demokratie unterhöhlen. Ihre Verwunderung, dass die Feinde der Demokratie immer mehr werden, ist dann die Blindheit für den Balken im eigenen Auge.
Was am Ende bleibt: die Trauer darüber, dass selbst bei gutem Essen und Trinken auf einmal die politischen Anschauungen wie eine Monstranz vor sich hergetragen werden müssen. Diese Religiösierung des Politischen ist das sicherste Zeichen für einen Fundamentalismus, der jede Gesellschaft zu spalten bereit ist. Die Religiösierung des Politischen stößt die Pforten zur Hölle auf. Statt dem Vornehmen der Sinnlichkeit und ihrer ganz eigenen Moral zu vertrauen, erweist sich auch der Genuss irgendeiner hergelaufenen Ideologie des Guten untergeordnet.
Vor allem weil ich Billy Wagner als sehr feinen Menschen und herausragenden Sommelier kennengelernt habe, der mir einige der schönsten Weinerlebnisse meines Lebens bereitet hat, bin ich erschüttert.
Mit der AfD hat das nichts zu tun.    Markus Vahlefeld

Politikversagen

Würtz-Wein

Ein Reservat für wilde Edle wie Roth, Göring-Eckardt, Tauber, Merkel, Laschet...

Nur Mut, denkt ruhig laut!


Akzeptanz


Sardinien




Einer der Schlüssel zur jahrtausendealten Vergangenheit Sardiniens ist die Musik der Sarden. Die Dokumentation begleitet den Musiker Stefano Ferrari auf der Suche nach den archaischen Klängen seiner Heimat. Dabei durchstreift er die Weiten der sardischen Berge und besucht die Kultstätten der Nuraghen-Zeit.

Gemeinsam mit seinen Freunden, die alle als Musiker auf der Mittelmeerinsel leben, öffnet Stefano Ferrari eine Tür zur traditionellen Musik Sardiniens, dem Cantu a Tenores, und dem Spiel der antiken Rohrflöte, der Launedda. Er unternimmt eine poetische Reise zu den Ursprüngen der sardischen Musik und wirft einen Blick zurück in die uralte Geschichte der Insel. So wird die Dokumentation zu einem sardischen Roadmovie im Wechselspiel von Gegenwart und Vergangenheit.


Sound of Heimat 






In der Barbagia - das die alten Römer Barbaria nannten, „Barbarenland“ - schlägt noch das ursprüngliche Herz Sardiniens. Den meisten Besuchern, die wegen der kilometerlangen Strände auf die Mittelmeerinsel kommen, ist das Hinterland Sardiniens unbekannt. Hier zeigt sich die Insel von ihrer urwüchsigen und ungezähmten Seite. Sanfte Hügel wechseln sich ab mit bizarren Granitfelsen, dann wieder weite Ebenen. Überall liegt der Duft der Macchia aus Immortelle, Ginster, Myrte, Thymian, Rosmarin und Wacholdersträuchern in der Luft. Bis über 1.800 Meter erheben sich die Berge.

Der Gegensatz zum bekanntesten Küstenstreifen Sardiniens, der Costa Smeralda, könnte nicht größer sein, wo weiße Sandstrände, verschwiegene Buchten und immer wieder das smaragdgrüne Meer die Insel prägen. Die Zeit ist im Hinterland Sardiniens keineswegs stehen geblieben; neue Häuser, Geschäfte und Straßen haben das Gesicht der Gegend verändert - der Touristenlärm von der Küste dringt aber nur als schwaches Echo in die Bergtäler. Viele Frauen sind noch traditionell schwarz gekleidet und tragen Kopftücher.
Die Menschen begegnen dem, was sich an den Küsten abspielt mit Zurückhaltung.
In Orune, einem abgelegenen Bergdorf, werden die Traditionen noch gelebt. Das Fest der Madonna della Consolata, die den Menschen Trost spenden soll, wird gefeiert. Auf der von Armut geprägten Insel gehörten Familienfehden und Blutrache viele Jahrhunderte zum Alltag. Kirchenfeste versöhnten die Menschen miteinander.
Der Film zeichnet ein Porträt von Sardiniens Hinterland und seinen Menschen. Er begibt sich aber auch an die einmaligen Küsten der zweitgrößten Insel im Mittelmeer. Er begegnet Hirten, Fischern, Korkschälern, Archäologen und einer Schneiderin, der es gelungen ist, aus Kork Stoff zu machen, um daraus extravagante Kleider zu kreieren. Im Mittelpunkt steht das Fest der Madonna della Consolata.
Die stereotype Behauptung des Films, die Hirtenkultur des Landesinnereien mit ihren Blutfehden und ungeschriebenen Gesetzen, sei eine „Männergesellschaft“ ist mit Vorsicht zu genießen. Die Kehrseite all der wunderbar männlichen Merkmale ist nämlich eine Frauengesellschaft, in der die Frauen hohen Respekt genießen und im Verborgenen die Fäden ziehen. Wie selbstverständlich sind im Alltag matriarchale Elemente anzutreffen, die in den durch afamilialen, kinderarmen Individualismus geprägten Gesellschaften der modernen westlichen Demokratien, die die Möglichkeit der Auswahl bis zum Exzess zu  ihrem Ideal gemacht haben, nicht einmal mehr vorstellbar ist, wie in denselben auch die Fähigkeit verlorenging, wahrzunehmen, dass man als Mann in einer Hirtengesellschaft genausowenig die Wahl hat, wie als Frau.

Beide, Mann und Frau verfügen in ihren jeweiligen Funktionsbereichen über zahlreiche Fähigkeiten, die in unseren modernen, arbeitsteiligen Gesellschaften an Fachidioten (Bäcker, Metzger, Käseproduzent) delegiert werden: beide sind Alleskönner in einem komplementären Universum, in dem karge Ressourcen genutzt werden. Der Viehraub im Gebirge, fern vom Dorf, war noch in den 50-er Jahren eine nicht geahndete Selbstverständlichkeit unter Hirten. Mit einer Ausnahme: wer wagte das Milchschaf, das im Dorf die Milch für die Kinder sicherte, zu stehlen, musste mit Blutrache rechnen.





Statt geheuchelter „Fremdenliebe“, zivilisierte Menschen

Mittäglicher 28. November

Leser *** sendet einen "kleinen Nachschlag zur Trump-Wahl: Am 9. September war ich in Mexiko und habe vom Hotelbett aus mit der Fernbedienung vor dem Fernseher gefiefert und bin gegen 1.00 Uhr früh mit einem dicken, satten Grinsen eingeschlafen und seit langer Zeit nicht mehr so gut gelaunt aus den Federn gehüpft. An diesem Tage habe ich die Mexikaner getröstet und ihnen meine deutsche/europäische Sicht der Dinge dargelegt, und die Leute haben tatsächlich zugehört, ganz im Gegensatz hierzulande, wo einem die meisten Menschen bei abweichender, nicht zeitgeist-ideologisch ausgeprägter Meinung sofort ins Gesicht springen; es war durchaus angenehm, sich mal wieder richtig unterhalten und austauschen zu können.
Abends stand im lokalen Theater 'Madama Butterfly' von G. Puccini auf dem Programm, was an diesem Tage wohl durchaus für den subtilen Humor der Mexikaner spricht. Die Aufführung war excellent, große Stimmen und Gefühle inklusive, nach Wiesbaden und Irkutsk war das meine dritte 'Butterfly', und in allen drei Völkern nähert man sich diesem Meisterwerk mit viel Respekt und großer Spielfreude, aber hier in León hat es auf aufgrund der speziellen Umstände besonders viel Freude gemacht:

Ich habe einen positiven Kulturschock erfahren, denn die Mexikaner sind im Alltag von einer Zivilisiertheit und Höflichkeit, voll des angenehmen und respektvollen Umgangs mit einander, was man in Deutschland nur noch aus Geschichtsbüchern kennt. Kein 'Hallo', kein 'Tschüß', kein 'Schönen Tag noch' und wie all diese geschmacklosen Stereotypen daherkommen (bis hin zur ultraprimitiven Anrede 'junger Mann' selbst für Achtzigjährige, die nun aus Mitteldeutschland auch schon ihren Eingang in den westlichen Besatzungszonen gefunden hat), 'Guten Tag' (in allen drei Abstufungen, je nach Tageszeit), 'Auf Wiedersehen', 'Danke', 'Bitte', 'Gern geschehen'; wenn man auf der Straße jemanden nach dem Wege fragt, bekommt man nach der Auskunft oft zu hören: 'Ich freue mich, daß ich Ihnen behilflich sein konnte', wenn man ein Geschäft oder ein Restaurant betritt hört man nie das fade 'Kann ich Ihnen hälfään?', sondern fast immer 'Womit kann ich Ihnen dienen?', und selbstverständlich wird man fast immer mit 'Señor' angesprochen.

Die Überlandfahrten unternehmen die Mexikaner mit bequemen Reisebussen, der zentrale Busbahnhof ist dort, was uns der Hauptbahnhof bedeutet. Wenn die Abfahrtzeit herannaht, geht man zum entsprechenden Bus, wo immer und ausnahmslos eine hübsche junge Dame im Hosenanzug (nein, bitte jetzt nicht an die Bundesraute denken) den Fahrgast aufmerksam begrüßt, ihm etwas zu knabbern sowie ein Getränk seiner Wahl überreicht und ihm eine gute Reise wünscht. Haben alle Fahrgäste im Bus Platz genommen, tritt der ebenfalls ansprechend gekleidete Busfahrer (immer mit Krawatte) in den Gang, begrüßt lächelnd seine Gäste, bittet höflich darum, daß man sich anschnallen möge und wünscht ebenfalls eine gute Fahrt. Am Ziel angekommen, verabschieden sich die Fahrgäste beim Busfahrer und zwar ausnahmslos und bedanken sich auch noch bei ihm... Nein, das sind keine Fieberträume, das ist wirklich wahr.

Wie oft hatte ich noch meine deutsche Schere im Kopf, wenn ich zögernd einen Patio betreten habe oder ein Geschäft, mehr aus Neugierde oder zum Stöbern und befürchtete das Schlimmste, wenn sich mir jemand näherte – aber man wird immer auf bezaubernde Art hereingebeten, man möge sich ruhig umschauen und wenn man nichts kauft, trotzdem auf das Angenehmste verabschiedet, wohl gemerkt, das ist überall so und nicht etwa nur in den Touristenzentren, wo man sich eher aufgrund der vielen Besucher an europäisches Benehmen anpaßt.

Naja, es ist eigentlich nett zu wissen, daß es noch Gegenden auf dieser Welt gibt, wo die Menschen noch wissen, daß der zivilisiert verbrachte Moment mehr wert ist als dystopische Visionen a la Klimaschnurz, Rinder/-,upps, Genderwahnsinn oder Fremdenliebe."  MK am 28. 11. 2016


Wie soll man?

Die Inquisitorenbrut macht mobil

Nachdem unser landesweit wichtigster Minister Heiko Maas – er lebe hoch! Hoch! Hoch! – mit Vehemenz für Zensurmaßnahmen im Internet eintritt, war es eine Frage der Zeit, bis ihm nicht nur Kollegen wie CDU/CSU-Fraktionschef Volker Kauder zur Seite springen, sondern auch echte Manager ihr engagiertes Nichtlängerabseitsstehenwollen zu verkünden sich anheischig machen würden.

Etwa Dominik Wichmann, Managing Director & Editor-in-chief bei Hubert Burda Media. In seinem Text „Vorsicht vor Facebook“ (ohne Ausrufezeichen) teilt er dem interessierten Leser mit, es sei nach der Trump-Wahl „an der Zeit, über die Begrenzung digitaler Freiheiten zu diskutieren“. Da dergleichen staatsfromme Obsessionen derzeit gewiss auch bei der Bertelsmann-Stiftung, der Heinrich-Böll-Stiftung, der Friedrich-Ebert-Stiftung und natürlich der Amadeu-Antonio-Stiftung inszeniert und ausgelebt werden, möge das von mir gewählte Beispiel als zugleich beliebig und repräsentativ gelten. Lauschen wir denn der Botschaft des „Insiders für Digitale Zukunftsthemen“.

Der Wahlsieg Donald Trumps, statuiert Wichmann, sei „auch der Triumph der sozialen Medien über die etablierten Medien. Es ist nicht übertrieben zu sagen: Facebook ist Schuld daran, dass ein Mann wie Donald Trump in das mächtigste Amt der Welt gespült werden konnte. Die vornehmliche Qualifikation Trumps scheint sich jedoch darauf zu reduzieren, wesentlich besser als seine Kritiker und Gegner verstanden zu haben, wie dieser neue öffentliche Raum tickt, wie man sich in ihm bewegen muss, um ihn zu beherrschen.“

Soll heißen: Trump kann praktisch nix – außer halt so lange auf der Klaviatur der neuen Medien spielen, bis er ins „mächtigste Amt der Welt“ (was es alles gibt!) gespült wird. Wofür ein Schuldiger zu suchen war und alsogleich gefunden wurde.

„Nach den bisherigen Regeln des Mediengeschäfts hätte Trump diese Präsidentschaftswahl niemals gewinnen können. Er hat gelogen, gedroht und beleidigt. Aber die alten Regeln besitzen im neuen öffentlichen Raum keine Geltung mehr. Im Gegenteil: die Eskalation, die Lüge, der Hass, die Tyrannei der Emotion ist (sic!) das Benzin in den Motoren von Facebook und Konsorten. Denn der Kompromiss, die Reflexion und die Ausgewogenheit des Urteils generieren keine Klicks und damit keine Daten und damit auch keinen Wert.“

Und die sachliche, ausgewogene, wahrheitsliebende Hillary Clinton, die mit ihrer Sammelbüchse sogar bis zu den Saudis taperte, um dort Sponsoren für Toleranz, Reflexion und Weltfrieden zu werben, wurde einfach um ihre Klicks, ihre Daten und ihren Wert betrogen, während Trump die multimediale Eskalation bis zum Endsieg trieb.

„Man muss kein Hellseher sein, um vorherzusagen, dass diese Mechanik der Kommunikation künftig in aller Welt kopiert und technisch verfeinert werden wird“, fährt Wichmann fort. „Für die Zukunft und das Wohlergehen demokratisch und rechtsstaatlich verfasster Gemeinwesen ist das aus drei Gründen eine eher trübe Aussicht. Erstens, weil damit noch mehr Aggression in den politischen Diskurs Einzug einhalten wird. Zweitens, weil künftig die Manipulation, um nicht zu sagen: die Lüge, das probate Mittel der Wahl ist. Und drittens, weil auch die totale Entfremdung von der Politik eine logische Konsequenz sein wird.
Wenn wir diesen Teufelskreis für einen Irrweg halten, wenn wir die Lüge, den Aufruf zur Gewalt und die Volksverhetzung nicht als Mittel zum Zweck akzeptieren möchten, dann werden wir nicht umhin kommen, über die Begrenzung digitaler Freiheiten zu diskutieren. Auch, um uns letztlich vor uns selbst zu schützen.“

Die einen halten den Teufelskreis für einen Irrweg oder umgekehrt, die anderen glauben nach der regelmäßigen Teilnahme am alljährlichen Genialentreffen „Digital Life Design“ tatsächlich an Schamanensprüche wie „Das Medium ist die Botschaft“. Nun soll aber das Phänomen Trump mit solcher Orakel-Lallerei gedeutet werden, was vor allem darauf hinausläuft, die Wähler des dissidenten Republikaners für blöd und unbegrenzt manipulierbar zu erklären. Diesen Menschen stehen nach Ansicht unserer Zeitgeist-Schickeria einfach keine Gründe für ihre Entscheidung zu, schon gar keine wahren und guten – insofern erscheint dieses treuherzige „uns vor uns selbst zu schützen“ so glaubwürdig, als wenn Blasiertheitsathleten wie J. Augstein oder H. Prantl dergleichen vortrügen. Die Entfremdung der Wähler von der Politik soll jedenfalls keineswegs das Werk der Politiker und des Establishments sein, sondern derjenigen, die dem wechselwarmen Blutkreislauf der Demokratie bisweilen zwar sogar neue, aber stets erschütternd falsch votierende Wähler zuführen. Wie der Lügner und Beleidiger Trump.

Es ist ganz gleich, ob unser digitaler Eingeweideleser tatsächlich glaubt, was er da schreibt, oder bloß düpierte Zeitgeisterei aus ihm spricht – die Selbstverständlichkeit, mit welcher er den Wahlausgang als falsch behandelt, weist diesen Mann als alles mögliche aus, nur eben nicht als Demokraten (das Wort hier mit aller gebotenen Ironie verwendet). Er hätte den Text nicht geschrieben, wenn Clinton als Siegerin aus den Wahlen hervorgegagen wäre, obwohl diese Frau als Präsidentin aller Wahrscheinlichkeit nach sowohl die Lage in Syrien als auch in der Ukraine verschärft hätte (ob nun mit oder ohne Facebook), so wie sie es als Außenministerin bereits in Libyen bewerkstelligt hat, indem sie Obama zur Bombardierung des Landes drängte. Die kompromissbereite, reflexive, ausgewogene Frau Clinton ist mitverantwortlich dafür, dass der entscheidende nordafrikanische Riegel aufgesprengt wurde und die Europäer sich heute der Invadierung ihrer Staatsgebiete durch Hunderttausende und bald Millionen nordafrikanische Hochbegabte ausgesetzt sehen.

Nun mag jeder die Weltlage kommentieren, wie er will. Aber wenn auf einmal Staats- und Wirtschaftsfunktionäre ihre Polizeiinstinke entdecken und Zensurmaßnahmen fordern, weil ihnen die Ergebnisse von Volksabstimmungen nicht passen, muss man hellhörig werden. Selbstredend hört unsereiner mit seiner Zonenvergangenheit das totalitäre Gras eher wachsen als ein in der Diversity- und Toleranz-Brühe gegarter smarter Westdeutscher mit Oberschichtskontakt. Das Netz ist nämlich gar kein rechtsfreier Raum, wie diese Leute uns einzuflüstern versuchen, um staatlichen Eingriffen in die Redefreiheit so etwas wie Legitimität zu verleihen, und es war nie ein rechtsfreier Raum; das Strafrecht gilt im Netz wie überall sonst (gewisse bunte Stadtteile in NRW, Bremen und der Hauptstadt der DDR vielleicht ausgenommen), und auch wenn es wegen der teilweisen Anonymisierung der Absender und ausländischer Server schwierig ist, können Beleidigungen und Verleumdungen im Internet strafrechtlich verfolgt werden. Aber um strafrechtlich relevante Beleidigungen geht es hier nicht, sondern um politische Kontrolle; man will uns suggerieren, das Netz sei ein rechtsfreier Raum, damit es schrittweise in einen Unrechtsraum verwandelt werden kann, in den dreidimensionalen Maas-Kauder-Kahane-Raum aus Zensur, Löschung und Sperre. Nicht das klar definierte Strafrecht soll im Netz gelten, sondern der nach Gutdünken und Willkür handverlesener Ideologen, Spitzel und Denunzianten veranstaltete „Kampf gegen rechts“.

Die "Menschen da draußen im Land" (A. Merkel) werden sich entscheiden müssen, ob sie lieber ein amerikanisches Freedom-of-speech-Internet haben wollen oder ein staatlich kontrolliertes halbchinesisches Erziehungsinternet. Und wenn Sie mich fragen: Besser ein tatsächlich rechtsfreier virtueller Raum mit all seinem Schmutz und Geifer als ein steriler Unrechtsraum nach dem Geschmack von Parteifunktionären, Karriere-Opportunisten und aggressiven Papageien der jeweils gerade angesagten politischen Tendenz.   MK am 28. 11. 2016

Wie soll man?

Wie umgehen mit Verleumdung

Montag, 28. November 2016

Das rechte Maß

Das Ergebnis läßt keine Zweifel zu: 66,5 Prozent der Wähler bei den Vorwahlen der Konservativen und des Zentrums in Frankreich haben sich für François Fillon entschieden, nur 33,5 Prozent für seinen Kontrahenten Alain Juppé. Der Figaro spricht von einem K.O.-Sieg, Juppé sei zu Boden gegangen.

Daran ist er vermutlich selber Schuld. Denn in der Woche zwischen dem ersten Wahlgang und der Stichwahl hatte er die bisher in der Form zwar harte aber in der Sache argumentative Auseinandersetzung durch persönliche Angriffe plötzlich und unerwartet verschärft. Er warf Fillon vor, das „Grundrecht der Frauen auf freiwillige Unterbrechung der Schwangerschaft“ abschaffen und Frankreich in eine reaktionär-konservative Vergangenheit zurückführen zu wollen.
Nachdem die linksliberalen Medien sich von dem Schock des ersten Wahlgangs erholt hatten, hieben sie mit ungebremster Wut in diese Kerbe als vermeintliche Schwachstelle. In einem Fernsehinterview sprach Juppé von einer „extrem traditionalistischen, um nicht zu sagen rückwärtsgewandten Vision“ seines Gegners. Seinen katholischen Glaubensgenossen sagte er, er stehe „den Worten Papst Franziskus näher als der Manif pour tous (Demo für alle)“. Er verlange von Fillon ein klärendes Wort zu seiner Position über das „Grundrecht auf Abtreibung“.

Fillon zeigte sich über die Angriffe seines „Freundes“ bestürzt. Nie hätte er geglaubt, daß sein Kontrahent so tief fallen und zu solchen Mitteln greifen würde. Er zweifele, ob Juppé den Papst höre oder gelesen habe, denn der sage das Gleiche wie er, Fillon. Zu seiner Position in der Frage der Abtreibung wiederholte er, was er schon bei einer Wahlveranstaltung gesagt hatte.
In dieser Veranstaltung hatte er den Unterschied gemacht zwischen seiner persönlichen Haltung („weltanschaulich und aufgrund meines Glaubens bin ich persönlich gegen Abtreibung“) und den „Überzeugungen des allgemeinen Interesses“ oder der Mehrheit der Bevölkerung. Für ihn sei deshalb klar: „Niemand und schon gar nicht ich selbst werden Hand anlegen an dieses Gesetz“. Und was die Abtreibung als Grundrecht angehe meinte er: „Die Grundrechte stehen bei uns in der Verfassung. Dort finde ich das Grundrecht auf Abtreibung nicht.“

Konservative Politiker zeigten sich empört. 215 Abgeordnete schrieben einen offenen Brief an Juppé, Senatoren meldeten sich in Interviews zu Wort. In Blitzumfragen verlor er an Boden. Juppé ruderte zurück und konzentrierte sich auf das Wahlprogramm seines Kontrahenten. Aber es war zu spät. Auch die Angriffe aus der linksliberalen Presse und den elektronischen Medien, sowie in den sozialen Netzwerken konnten die Dynamik für Fillon nicht mehr stoppen.
Zuletzt erschienen Artikel in Le Monde und anderen linksliberalen Blättern, in denen Gleichgeschlechtliche dazu aufriefen, Juppé zu wählen, auch wenn man noch nie für einen Konservativen gestimmt hätte, es gehe einfach nur darum, „Fillon abzublocken“. Die Beteiligung war mit rund 4,5 Millionen Wählern zwar noch größer als beim ersten Wahlgang, aber die Rufe von links verhallten oder mobilisierten eher die Konservativen.
Mit Juppé tritt nach Sarkozy ein weiterer Kandidat des Ancien Régime, des Establishments, von der Bühne. Fillon war immer nur am Rand als Teil dieses Establishments gesehen worden. Aber er hat seine eigene Agenda, sein eigenes Programm. Und das verspricht für die ersten Jahre nur Blut und Tränen: Abbau des aufgeblähten Staatsapparats um 500.000 Stellen, Abschaffung der 35-Stunden-Woche, Einschnitte im Sozialsystem, Erhöhung der Mehrwertsteuer, und so weiter.
Fillon spricht harte Wahrheiten aus, er verschönt nichts. Juppé wollte eine sanfte Wende, Fillon sagt offen, diese Zeiten sind vorbei. Die Franzosen sind offenbar bereit, ihm zu folgen. Noch am Wahlabend scharten sich die Konservativen um ihren neuen Hoffnungsträger. Jetzt wird es darauf ankommen, die Dynamik dieser Sammlungsbewegung in die Mitte und auf die Flügel auszudehnen.
Nach den Umfragen stehen die Chancen dafür gut. Demnach wäre Fillon auch der einzige, der die Präsidentin des Front National, Marine Le Pen, in der Stichwahl um die Präsidentschaft im kommenden Mai schlagen könnte. Und zwar ebenso deutlich wie am Sonntag Juppé.   Jürgen Liminski

Es lebe Israel!




Urushalim

Vorbildlich

Lob der Angst

Die meisten Menschen wollen nicht schwimmen, solange sie es noch nicht können. Novalis, Fragmente und Studien, 678

Auch um Angst zu haben braucht man Mut. Montaigne, Essays III,6

Man soll sich nie von dem trennen, was anderen Furcht einflößt; denn wer aufhört zu fürchten, beginnt sofort zu drohen. Aesop, Der verliebte Löwe und der Bauer

Kein Gefühl wächst so üppig wie die Angst und wir wären armselige Gestalten ohne die Ängste, die wir einst erlitten. Die Menschen neigen dazu, sich ständig Ängsten auszusetzen. Unsere Ängste dürfen nicht verloren gehen, wenngleich ihre Verstecke geheimnisvoll sind. Canetti, Die gerettete Zunge, zweiter Teil, Napoleon - Die Kannibalen zu Gast - Sonntagsfreuden

Com'io divenni allor gelato e fioco,
nol dimandar, lettor, ch'i' non lo scrivo,
però ch'ogne parlar sarebbe poco.
Io non mori' e non rimasi vivo. Dante, Inferno - canto 34, vv. 22-25

Sonntag, 27. November 2016

Eruditi primum!

Nach meinen gestrigen Ausführungen, die in der Aufforderung endeten, alle Politiker abzuwählen, die nicht bereit sind, die muslimische Masseneinwanderung zu stoppen, ergibt sich zwangsläufig die Frage, wie man sich als Konservativer gegenüber den bereits hier ansässigen Muslimen positionieren soll.
Diejenigen, die daheim vorm PC die nächste Reconquista ausrufen, obwohl sie es kaum noch im Laufschritt zum Bäcker schaffen, scheinen mir nicht die geeigneten Verbündeten zu sein. Wenn in den hier mehrfach zitierten Studien etwa jeder zweite in Deutschland lebende Muslim die Vorschriften des Islam über die Gesetze des Landes stellt, bedeutet dies immerhin auch, dass jeder zweite es nicht tut. Wenn Samuel Schirmbeck in Algerien beobachtet hat, wie eine religiöse Minderheit der Mehrheit binnen kurzer Zeit ihre Regeln aufgezwungen hat, bedeutet das nicht, dass dergleichen sich in Deutschland zwangsläufig wiederholen muss.

So mühsam es wegen der oftmals hohen mentalen und kulturellen Barrieren auch scheint: Wir müssen uns mit der anderen Hälfte verbünden. Die Muslime, die nicht wollen, dass dieses Land verwahrlost, dürfen nicht in die Arme der Radikalen oder der SPD und der Grünen getrieben werden, also von Parteien, die nationale und zivilisatorische Selbstbehauptung für Rassismus halten und, feige wie sie sind, dem radikalen Islam "kultursensibel" ein Zugeständnis nach dem anderen machen werden.

Der muslimische AfD-Symphatisant, der muslimische FPÖ- oder Front National-Wähler, das sind Menschen, mit denen die Aufrechterhaltung bzw. die Wiederherstellung des sozialen Friedens möglich ist. Diese Leute sind oft erfreulich normal in ihrem Familienbild, ihrem Gesellschaftbild und ihrem Unwillen, sich für das Elend der Welt verantwortlich zu fühlen und in Haftung nehmen zu lassen (ich habe gelegentlich gehört, dass türkischstämmige Polizeibeamte "schärfer" seien, als ihre biodeutschen Kollegen).

Den Muslim zum Feind zu erklären, ist nicht nur unmoralisch gegenüber denjenigen, die dieses Land als Heimat annehmen, sondern auch politisch dumm. Ein allmählich vergreisendes Volk muss mit seinen Beständen rechnen und realistisch sein. Es geht nicht um christlich/deutsch gegen muslimisch, sondern um Zivilisation gegen Barbarei. Nicht Deutsche zuerst! ist der angemessene Wahlspruch, sondern: Zivilisierte zuerst!  MK am 26. 11. 2016

Elke Bader



Jetzt sind sie beide tot – der eine starb vorgestern, der andere schon vor Jahrzehnten, und erstaunlich ist, wie gut die linke Ikonisierung dieser sicherlich charismatischen, fraglos tapferen, politisch aber inkompetenten und in der Durchsetzung ihrer Utopien natürlich menschenverachtenden, persönlich sogar grausamen Revolutionäre gelang. Es gibt über Castro und über Che ein jeweils sehr gelungenes Hörbuch, das der Zeit, den Umständen und den Lebenswegen gerecht wird, den Ikonen aber jeden romantisch-nostalgischen Anstrich nimmt:

Fidel Castro und Che Guevara sind zweifellos das alle anderen Namen überstrahlende Zwillingsgestirn der kubanischen Revolution von 1959, dem Jahr, in dem Präsident Batista zurücktrat und den Staat den siegreichen Rebellen überließ. Castro war schon aufgrund seiner in ihr 57. Jahr gehenden Amtsführung die gewissermaßen lebend einbalsamierte Ikone linker Aufstandsgeschichten – man ließ ihn einfach machen.
Im März erst war Obama in Kuba, der Papst bereits im September vergangenen Jahres, und das alles beförderte eine altersmilde Atmosphäre: Es scheint, als habe das kraftstrotzend Gute (Obama) neben dem gebrechlichen Schlechten (Castro) Anekdoten austauschend mit einem Drink oberhalb von Guantanamo gesessen, auf die Käfige und die orangenen Gefangenen darin blickend und darüber sinnierend, warum es den Guten nicht gelang, dieses Lager endlich aufzulösen, den Schlechten nicht, wenigstens die eigene Insel ganz frei von US- amerikanischen Sauereien zu halten.

Das Hörbuch: aufwendig recherchiert, wirklich lehrreich, spannend, den Mythos Castro aus seiner Zeit heraus verstehend, die ikonisierenden Berichte indes um jenes Stück Wahrheit (und das heißt: Unzulänglichkeit, Schäbigkeit, Skrupellosigkeit) ergänzend, sodaß der Hörer letztlich Zeuge einer Einordnung geworden ist:
1. Die Geschichte wird von Persönlichkeiten gemacht, und was in der Luft liegt, geschieht nicht einfach von selbst;
2. Der Kampf um Kuba war durchaus ein Kampf um die Identität, die Selbständigkeit, die Souveränität, denn die Insel war drauf und dran, ein Mega-Las-Vegas in der Hand US-amerikanischer Investoren, Politiker und Mafiosi zu werden;
3. Der Kampf dagegen wurde von Leuten geführt und gewonnen, die ihrerseits das Land vergewaltigten, auf den Kopf stellten und sich zur Beute machten – in heilloser Selbstüberschätzung und berauscht vom selbst angestimmten Lied über das eigene Heldenleben.

Man könnte den Untertitel des Hörbuchs – »Revolutionär und Staatspräsident« – auch ersetzen durch »Warum Che ging und Fidel blieb«, denn die Redakteurin Elke Bader arbeitet glücklicherweise den wichtigen Aspekt heraus, daß der eine rasch die Lust verlor, der andere aber vom Amt des Präsidenten sich in die Pficht genommen sah und nach den Mühen der Guerilla auch die Mühen der Staatspolitik schulterte.

Über den Revoluzzer-Popstar Ernesto Che Guevara ist auch ein sehr empfehlenswertes Hörbuch erschienen, ebenfalls verfaßt von Elke Bader: 3 CDs ohne Längen, samt sehr hilfreichem Booklet. Es ist von vornherein ein Signal, daß Bader sich stark an den Deutungen des Halbrenegaten Gerd Koenen orientiert, der als Beteiligter der Szene gründlich mit seinen 68er-Genossen abgerechnet hat.
Ches Leben wird vom ersten Atemzug bis zur letzten Kugel nacherzählt, und zwar mit einem hauchfein ironischen Unterton: Che wird nicht als der Heroe gefeiert, der er als WG-Zimmer-Plakat-Ikone für linke Gefühle samt verruchtem Hintergrund war. An etlichen Stellen seines Lebenswegs hätte es nämlich auch ganz anders weitergehen können – Marx und Coca-Cola konkurrierten ernsthaft um diesen selbstverliebten Egomanen. Marx gewann, und das wird stimmig erzählt: wie die Unentschiedenheit aus Che Guevaras Leben wich, als er sich eingeordnet und gebraucht sah als Teil der kubanischen Befreiungsbewegung und bald als eine deren treibender Kräfte.
Der Einbruch der Relevanz in das Leben, so könnte die Überschrift zu dieser Lebensphase lauten. Es ist ein Verdienst des Hörbuchs, daß es auch das individuell grausame Vorgehen Che Guevaras gegen die tatsächlichen und vermeintlichen Feinde der Revolution ausführlich thematisiert: die eigenhändigen Folterungen und Hinrichtungen, außerdem das politische Versagen Ches als Präsident der kubanischen Nationalbank und als Handelsminister Kubas.
Che hatte an Fakten, an sachkundigen Entscheidungen und an verantwortungsbewußter Kärrnerarbeit für das revolutionierte Volk kein Interesse. Der Ton des Hörbuchs paßt ausgezeichnet zu Che Guevaras ständiger Flucht nach vorn in eine permanente Revolutionierung seiner Umgebung. Weiteres Plus: Für die Entheroisierung dieser Ikone konnte Griot mit Johannes Steck und Gert Heidenreich zwei professionelle Sprecher gewinnen. Natürlich werden kaum diejenigen, denen es vor allem guttäte, die 3 CDs hören. Aber die Bekämpfung des Halbwissens, gepaart mit Ausnüchterungspassagen, ist nie falsch in Zeiten völlig unangemessener linker MythenbildungGK

Stadien der Verblödung

Barack Obama hat um den moralischen Hochsitz, auf dem unsere Kanzlerin thront, zum Abschied noch einen dichten Lorbeerkranz geflochten. Nachdem seine getreue Staffelträgerin Hillary Clinton so kläglich an einem unerfahrenen Polit-Rabauken gescheitert ist, soll nun Angela Merkel die westlichen Werte verteidigen. Die New York Times stilisiert die deutsche Regierungschefin gar zu einer Jeanne d’Arc der Freiheit, die unerschrocken gegen Nationalismus ankämpft und nicht weniger als die Welt vor dem Sog des „Rechtspopulismus“ bewahre.
Es sind dies vergiftete Lobeshymnen. Denn es ist nicht im deutschen Interesse – das Angela Merkel nun in einer vierten Amtszeit vertreten will –, sich zur Gegenspielerin Donald Trumps ausrufen zu lassen. Wir brauchen die (Digital-)Supermacht mehr als sie uns. Auch ist der 45. US-Präsident kein Wiedergänger eines George W. Bush, gegen dessen Kriegslüsternheit sich von SPD-Kanzler Schröder überzeugend polemisieren ließ.
Der neue Oberbefehlshaber der amerikanischen Streitkräfte will ja gerade nicht mehr Weltpolizist spielen und den globalen Handel ausbremsen, was doch eigentlich den Beifall aller Linken finden sollte. Auch mit seinem Kampf gegen das Establishment müßte der reiche Klassenkämpfer doch allen Systemkritikern aus der Seele sprechen. Rechten wie linken.
Sollte Obama wirklich glauben, was er über Kanzlerin Merkel sagt, so offenbart der von den Deutschen bejubelte Hoffnungsträger a. D. eine erschreckende Europa-Fremdheit. Mit ihrer Politik der offenen Grenzen hat seine „wundervolle Freundin“ gerade jenen Nationalismus befeuert, der nun allseits als Bedrohung für das liberale Europa gefürchtet wird. Denn wenn es ein gemeinsames Band gibt, das die sogenannten Rechtspopulisten von London (Ukip) über Paris (Front National) bis Warschau (PiS) und Wien (FPÖ) verbindet, dann ist es die aufgegriffene Sorge, nicht mehr Herr im eigenen Haus zu sein.
In der Flüchtlingspolitik steht Deutschland so ziemlich alleine da. Selbst die liberalen Skandinavier treibt die Angst vor Überfremdung zur Abschottung. In Bulgarien und Mazedonien haben gerade auch deshalb rußlandfreundliche Kandidaten gesiegt, weil sich die Bürger von der Brüsseler Flüchtlings-Zwangsverteilung übergangen fühlen. Und wie reagieren wir, wenn demnächst auch die Österreicher, die Holländer und Franzosen „falsch“ wählen?

Kern der bundesdeutschen Außenpolitik war es immer, jeden Anflug von Isolationismus zu vermeiden. Deshalb betrieb Konrad Adenauer die Westbindung (übrigens gegen den Willen großer Teile des Volkes), deshalb opferte Helmut Kohl die D-Mark für den Euro. Das Merkel-Gabriel-Steinmeier-Deutschland glaubt hingegen, andere über die „demokratischen Werte“ belehren zu müssen. Jetzt soll die Welt am deutschen Öko- und Sozialwesen genesen:
Die abrupte „Energiewende“ vollzog Berlin ohne Abstimmung mit unseren Nachbarn, obwohl diese über Stromverbünde in Mithaftung gezogen werden. Eine ganz große Koalition aus CDU, SPD, Grünen, Linken, Kirchen, Verbänden, Kultureinrichtungen und Medien will unseren Nachbarn eine moralische Flüchtlingspolitik aufzwingen, die alle praktischen Probleme ausblendet.
Deshalb ist es eigentlich schon egal, ob Merkel nun gegen einen sprunghaften Gabriel oder den Supereuropäer Schulz um den Verbleib im Kanzleramt kämpft. Gemeinsam werden sie alles tun, um von den eigentlichen Herausforderungen abzulenken. Ein bißchen Steuersenkung hier, noch mehr kostenlose Kitas dort.
Selbst das von der SPD geforderte Einwanderungsgesetz ist pure Augenwischerei, solange ohnehin fast jeder bleiben darf, der es nach Deutschland schafft. Wer Zweifel hegt, sich gar um die nationale Identität sorgt, wenn wir nun auch noch Migranten aus Italien und Griechenland mit dem Flugzeug abholen, der wird als „Rassist“ diffamiert.
Wer also ist schuld an der ständig beklagten „Spaltung der Gesellschaft“ und der (verbalen) Radikalisierung? Hartnäckig überhören die sogenannten Eliten in diesem Land die Warnschüsse aus Amerika, Großbritannien, Frankreich und all den Staaten um uns herum, in denen sich eine nationalkonservative Bewegung gegen ein Establishment auflehnt, das die Sorgen der eigenen Bevölkerung ignoriert.
Merkel mag für den Wahlkampf ein Herabklettern von ihrem hohen moralischen Roß und die solide Pragmatikerin spielen. Doch solange die kostenlose Rundumversorgung (Unterkunft, Verpflegung, Medizin und Taschengeld) wie ein monetärer Magnet nach Arabien und Afrika ausstrahlt, laufen alle „Asylpakete“ ins Leere. Fluchtursache ist nämlich auch unser humanitäres Strebertum. Hier steht sich Merkel selbst im Weg.

Sie ist nicht die Lösung, sondern Teil des Problems. Wer die Pfarrerstochter zur letzten Fackelträgerin der Demokratie stilisiert, tut dies aus Eigennutz. Unsere europäischen Nachbarn akzeptieren Deutschland als Führungsmacht allenfalls beim Zahlen. Im Stillen denken sich die schmeichelnden Staatsmänner: Uns ist keine Last zu groß, die Deutschland für uns trägt. Notfalls schüren wir eben den Schuldkomplex. Das funktioniert immer. Siehe Griechenland.

Noch können wir uns das leisten. Aber was, wenn Deutschland vom Bannstrahl des Trumpschen Protektionismus besonders hart getroffen wird? Sind die Strafaktionen gegen Volkswagen und die Deutsche Bank erst der (versteckte) Anfang eines folgenschweren Handelskrieges mit den Vereinigten Staaten? Nicht einmal Luxemburg wird dann Deutschland beistehen. Schon jetzt katzbuckeln nämlich unsere „europäischen Freunde“, um einen Termin beim neuen Herrn des Weißen Hauses zu bekommen. Um Merkel-Deutschland wird es einsam. Denn der Geisterfahrer sind wir.   Wolf B. Kernig



Wie jede Blüte welkt und jede Tugend
Dem Laster weicht, blüht jede Lebensstufe,
Blüht jede Dummheit auch und jede Jugend
Nur kurze Zeit und muss nicht ewig kauern.
Das Herz dagegen muss bei jedem Lebensrufe
Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
Aufs neue in Verwicklung zu begeben.

Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.
Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
An keinem wie an einer Heimat hängen,
Die Ohnmacht will nicht fesseln uns und engen,
Sie will uns Stuf' um Stufe heben, weiten.
Kaum sind wir heimisch einem Höllenkreise
Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen,
Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
Mag wohliger Gewöhnung sich entraffen.

Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
Uns neuen Schäumen jung entgegen senden,
Frau Merkels Ruf an uns wird niemals enden...
Wohlan, bereit sei für die nächste Runde!



1. Advent



Zu Bethlehem geboren

Advent 2016

21. November – Ziemlich häufig fragen mich Leute, wie das denn gehe: Kinder außerhalb des Mainstreams großzuziehen. Oder anders: Sie innerhalb des umgebenden Mainstreams so zu erziehen, daß sie nicht Teil desselben werden. Das geht natürlich nicht mit zwei, drei Kniffen oder Regeln, es ist ja eine Lebensaufgabe!

Ich kenne (viele) Leute, die in diesen Fragen vor einer Art „Outing“ stehen.
Sie haben „die Politik“ immer ausgeklammert vor den Kindern („als Eltern praktizieren wir eine Art Doppelsprech, untereinander so, vor den Kindern aber: so), und spätestens in der Vorpubertät sehen sie ihre Kinder mit dem Hauptstrom davontreiben: Jetzt bitte Dämme bauen, Schleusen einführen! Nur, wie jetzt?

In unseren Gefilden war dazu kein kompliziertes Vorhaben nötig, im Gegenteil. Im Hause K.u.K. ist das Private seit je notwendigerweise politisch. Früher haben wir am Mittags- oder Abendbrottisch gelegentlich in die englische Sprache (Kubitschek: „See you a problem, while I gebrauchte the word … ?“) gewechselt, aber nachdem mittlerweile fast alle Kinder das Kubitscheksche Englisch verstehen, gibt es bei Tisch nur noch Tacheles.
Warum auch nicht? Wir reden ja nie unschicklich. Eigentlich bringen wir den Kindern nie irgendetwas „Weltanschauliches“ bei, sie nehmen einfach an den Gesprächen teil. Wenn Sie Einwände „von außen“ vorbringen („Aber, Papa, heißt `Nächstenliebe´ nicht, daß man…“): Um so besser, das schärft die Argumentation!
Ich ärgere mich sogar, wenn wir einen Disput am Tisch pflegen und die Kinder nicht nachfragen. Dann geht es so (aktuelles Beispiel): „[Sohn], wir reden ja die ganze Zeit über die IRA.“ Ich: „Was ist das denn eigentlich?“ Wenn das Kind die Schultern zuckt, gleich das ungestüme elterliche Nachhaken: „… und warum fragst du nicht nach?“ Unsere Kinder sind dadurch große Nachfrager geworden, auch in der Schule. Ich finde es nicht schlecht! Fragt nach, wenn ihr irgendwo nicht mitkommt! Nur die treuesten Sklaven fragen nicht nach, wenn ihnen irgendwas widersprüchlich oder unklar erscheint!
Heute ging es um das Modewort des „Postfaktischen“. Es war zugegeben eine etwas abgehobene Diskussion. Am Ende stellte sich heraus, daß der Sohn einen Verhörer á la Der weiße Neger Wumbaba erlitten hatte. Post! Fuck! Tisch! Seiner Auffassung gemäß – nachgefragt! – konnotiert dieses In-Wort folgendes: Über den Postweg, also über den Schalter auf der Post (die Theke, oder der„Tisch“), werden per Brief angeblich gefährliche, unerhörte Irrmeinungen (Fuck!) verbreitet, die die Stimmung beeinflussen. An solcher Interpretationsleistung kann man wohl auch die analoge Grundstimmung (de facto haben sie alle echte Brieffreunde) bzw. Rückwärtsgewandtheit unserer Kinder erkennen.
– – – – –
23. November 2016, mittags – Meine liebste Freundin (Betreff: „jetzt bin ich richtig betroffen“) stellt mir gerade den neuesten Edeka-Werbefilm samt anhängender Diskussion (vulgo shitstorm) durch.
Worum geht es? Um eine wirklich schöne Werbung: Eine Konsumentin redet knapp anderthalb Minuten lang darüber, was man in der Vorweihnachtszeit so alles „muss“ oder „soll“. Dekoquatsch, Schönbackolympiaden für’s Handyphoto, und vor allem: kaufen, kaufen, kaufen. Wir sehen die beiden tapferen Kinder dieser mustergültigen deutschen Muss-und-Soll-Familie. Die Kleinen ahnen, daß man all diesen materiellen Schnickschnack wohl absolvieren muß, wenn man mal groß ist.
Am Ende des spots kippt die Koofmichhektik ins Idyll: Mama, Papa, Kinder unternehmen was richtig Schönes: eine wilde Bäckerei, Spieleabend etc. Die Konsumentin zeigt sich besonnen: „Ich muß nur eines: Für Dich dasein- mein Kind!“
Das allein, diese familiaristische, unemanzipierte Mama-am-Herd-Aussage: unerhört, im zwiefachen Sinne! Wo kämen wir hin, wenn Mama und Papa nicht nur Qualitytime mit ihrer Brut verbrächten, sondern die Zeit, die eigentlich für’s Schaffen und Anschaffen gedacht ist, mit den Blagen verbrächten!
Der nun herniedergehende Sturm der Entrüstung weicht aber aus, und zwar auf die Autokennzeichen dieser erst multigestressten, dann sich besinnenden Eltern! Sie werden je einmal kurz und einmal ganz kurz eingeblendet: MU-SS 420 und SO-LL 3849. SS: verboten! Aber damit nicht genug. Frau Bamberger-Stemmann von der Bundeszentrale für politische Bildung weiß, daß das Ende der Fahnenstange hiermit keinesfalls identifiziert ist! Sie schlüsselt für uns die aggressiven Nummernschilder auf:
„Die 420 ist eine aus dem angelsächsischen Raum stammende, in rechten Kreisen auch hierzulande gängige Abkürzung für Hitlers Geburtstag am 20. April.(…) Das zweite Autokennzeichen, das im Spot zu sehen ist, zeigt ebenfalls Zahlenkombinationen, die in der rechtsextremistischen Szene verwendet werden. Das Nummernschild laut „SO LL 3849″.Die Zahl 84 steht für „Heil Deutschland“. Sie ist umrahmt von den Zahlen 3 und 9. Die 39 steht für „Christliche Identität“ oder „Christian Identity“. Dies bedeutet in rechten Kreisen im Umkehrschluss Antisemitismus. Damit ist die Aussage klar.(…) Die Verwendung in einem nicht diesen Kreisen angehörigen Spot ist erschreckend.(…) Sowieso vermittelt der Spot besonders am Anfang eine heile Welt und transportiert Werte, die auch für die Neue Rechte stehen. Die Kinder spielen zum Beispiel auch eine altmodische Version von „Mensch ärgere dich nicht“.
Ich kann derweil nur hoffen, daß wir es irgendwie hinkriegen, am Ende des Jahres keine Steuern bezahlen zu müssen. Haben wir bisher fast immer irgendwie hingekriegt. Ich stell mir jetzt nämlich vor, daß Frau Bamberger-Stemmann von der Bundeszentrale für politische Bildung ihr sicher nicht ganz kleines Monatsgehalt unter anderem durch unsere Abgaben finanziert bekommt, während wir noch immer die alte Version des Brettspiels im Regal zu stehen haben.
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23. November 2016, abends – Die Jugend sei mainstreamverseucht. Stimmt so nicht! Die Jugend ist konservativ! Insofern, daß sie länger an den ihr eingefleischten Überzeugungen festhält, als es die Medien hergeben. Es ist ja meine Grundfrage, die ich bis heute nicht gelöst/beantwortet fand: Warum gerade junge Leute heute nicht rebellieren, sondern den Merkelsound in ihre vitalen Äußerungen übertragen – und ausgerechnet das dann als rebellisch empfinden!
In den Großfeuilletons wird ja von den „cooleren“ Stimmen die grassierende Political correctness längst lächerlich gemacht. Wider den Stachel zu löcken ist längst kein Vorrecht der Underdogs mehr. Allein, die halbgebildete junge Generation (Gymnasiasten, Studenten) ist ja soo konservativ, so verstiegen ins Verharren auf den Sprachregeln des Establishments, das da rein „gar nichts geht“.
Jüngstes Beispiel, Tochter: „Der P. steht übrigens unter Rechtsverdacht. Großes Thema.“- „Echt? Der P.? Der? Was du mir bisher von dem erzählt hattest, klang aber ziemlich anders. Ist das nicht der, der die Flüchtlingsnachhilfe ins Leben gerufen hat? “- „Nja, er war dabei jedenfalls beteiligt.“- „Und jetzt, was hat er verbrochen?“- „Er hat in Sozi gesagt, man solle sich hüten, so zu tun, als wären alle Geflüchteten Engel.“- „Und- mehr nicht? Nur diesen Satz? Das war‘s??“- „Ja, diesen Satz. Das war‘s.“    Ellen Kositza

Peter Mück nach 30 Jahren gefeuert!

MÜHLDORF AM INN. Ein wegen eines Facebook-„Gefällt mir“ entlassener Nikolaus hat sich von der „Identitären Bewegung“ (IB) und der AfD distanziert. „Ich hätte mich vielleicht besser über die ‘Identitäre Bewegung’ informieren müssen, das muß ich einräumen“, zitiert das Oberbayerische Volksblatt Peter Mück, der 30 Jahre lang Nikolaus auf dem Mühldorfer Christkindlmarkt war.
Er sei weder Mitglied der IB, noch sei er Mitglied der AfD und unterstütze deren Aktionen, wie ihm unterstellt worden sei. „Auch distanziere ich mich ausdrücklich von diesen Gruppierungen.“

Mück verteidigte in seiner Stellungnahme jedoch die Botschaft. „Die Kernaussage ‘Kinderehe ist gleich Kindesmißbrauch‘ ist für mich dennoch richtig und vertretbar.“

Bürgermeisterin Marianne Zollner (SPD) hatte Mück zuvor entlassen, nachdem bekannt geworden war, daß der ehemalige Nikolaus einen Facebook-Eintrag der IB mit „Gefällt mir“ markiert hatte. Der vom Verfassungsschutz beobachtete Verein hatte Plakate vor städtischen Kindergarten angebracht auf denen stand: „Kinderehe = Kindermißbrauch – Das Maas ist voll“. Von der Aktion kursierten Fotos in dem sozialen Netzwerk. Mück likete ein Bild und verbreitete es mit den Worten „Gut gemacht, Jungs!“.
Laut Zollner hätten sich Eltern der „Engerl“, die den Nikolaus begleitet, bei ihr gemeldet und besorgt über die angeblichen Verbindungen von Mück mit der IB geäußert. „Die ‘Identitäre Bewegung’ hat mit ihrer Aktion unsere Gebäude für ihre Zwecke mißbraucht. Deshalb hat die Stadt Mühldorf auch bereits Anzeige erstattet“, zitiert das Nachrichtenportal Salzach24 die Bürgermeisterin.
In einem anschließenden Gespräch mit Mück sei es darum gegangen, in welcher Beziehung er zur IB stünde. „Dazu hat er sich aber nicht geäußert. Und da er sich nicht bereit erklärte, sich in irgendeiner Form von der IB zu distanzieren, ließ er mir keine Wahl.“
Mück sagte dagegen, die Bürgermeisterin hätte ihn aufgefordert, sich von der Aussage „Kinderehe ist gleich Kindesmißbrauch“ zu distanzieren. Und dazu sei er nicht bereit gewesen. Er bestreitet, daß die IB Thema der Unterhaltung gewesen sei.
Eine Rückkehr in seiner Funktion als Nikolaus schließt Mück aus. „Ich will es den Engerl und den vielen anderen Kindern ersparen, daß mir jemand beim Gaben verteilen am Christkindlmarkt zum Beispiel hinterher ruft: ‘Da ist er ja, der Nazi-Nikolaus‘.“   JF





Samstag, 26. November 2016

15 Minuten Realismus bei Markus Lanz




Gestern trat in der Gesprächsrunde des Herrn Lanz der Autor und TV-Journalist Samuel Schirmbeck auf. Der Mann hat als ARD-Korrespondent zehn Jahre in Nordafrika gelebt, die meiste Zeit in Algerien, und erfuhr dort die Re-Islamisierung der Gesellschaft aus nächster Nähe. Das heißt, die Sendung verließ für zehn oder fünfzehn Minütchen die üblichen Kuschel- und Wunschwelten, um kurzeitig in der Wirklichkeit – womöglich sogar in der Zukunft – aufzuschlagen.

Als er 1991 nach Algier kam, berichtete Schirmbeck, sei das Leben dort „absolut frei“ gewesen, er habe „Diskussionen in jede Richtung“ erlebt, die Frauen trugen weder Kopftuch noch Nikab, und baden gingen sie im Bikini. Damals sei vom islamischen Fundamentalismus, wie er sich heute dortzulande „und leider auch in Europa“ ausbreitet, keine Spur zu finden gewesen. Inzwischen sei der gesamte Strand von vollverschleierten Frauen bevölkert, die sich ihrer feschen Überzüge auch dann nicht entledigten, wenn sie ins Wasser gingen. Eine algerische Bekannte von ihm habe unlängst versucht, sich im Badeanzug am Stand niederzulassen, sei aber von ihren verschleierten Geschlechtsgenossinnen regelrecht vertrieben worden. Das war nicht schön, weder für die Frau, noch für unseren Moderator Lanz, der bereits leicht nervös auf des Journalisten Aussage reagiert hatte, dass der Islamismus selbstverständlich zum Islam gehöre, und wir in Kein-schöner-Land zwar unendlich viele Talk-shows zum Thema veranstaltet hätten, aber aufgrund des linksgrünen Dogmas, der Islam habe nichts mit den Unerfreulichkeiten zu tun, die in seinem Namen passieren, noch nie eine ernsthafte und realitätsnahe Debatte zum Thema geführt worden sei. Hierzulande pflegten sich viele verschleierte Frömmlerinnen als Opfer der diskriminierenden Mehrheitsgesellschaft darzustellen, doch in Algerien habe er erlebt, wie es sich anlasse, wenn sich die Verhüllten erst einmal in der Mehrheit befinden. Kaum habe der Islam dort politische Macht erhalten, sei er sofort fundamentalistisch geworden. Man müsse, sagte Schirmbeck, „den Islam vom Islamismus befreien“.

Ein vom empirischen Eiweißschock leicht gezeichneter Moderator fragte nun keineswegs, wie man das am besten bewerkstelligen solle, sondern warf seine eigenen Erfahrungen in die Runde. Er habe schließlich auch arabische Muslime kennengelernt, versicherte Lanz treuäugig, und er habe sich bei ihnen immer willkommen und gut aufgehoben gefühlt und nichts von Restriktionen oder gar Aggressionen verspürt. Also die übliche Das-kann-man-doch-nicht-verallgemeinern- und Ist-doch-alles-gar-nicht-so-schlimm-Rhetorik. Wie jeder, der alle Tassen im Schrank hat, weiß auch Schirmbeck, dass das eine das andere nicht ausschließt. „Gerade weil ich die Muslime so toll fand, bin ich zehn Jahre dort geblieben, trotz Bürgerkrieg und trotz der Morddrohungen, die ich erhalten habe“, entgegnete er. Der in der hiesigen Öffentlichkeit allgegenwärtige Vorwurf, wer den Islam kritisiere, wende sich gegen die Muslime als solche, sei ungefähr so schlüssig, „als wenn man zu Zeiten des Stalinismus gesagt hätte, wer den Stalinismus kritisiert, kritisiert den einzelnen Russen“. Islamkritik bedeute nicht, alle Muslime schlechtzumachen, „sondern sie vor den furchtbaren Auswirkungen des radikalen Islam zu schützen“. Lanz kann erlöst hinzufügen: „Die Mehrheit der Opfer des Islamismus, das wird oft vergessen, sind Muslime.“ Das war ja noch mal gut gegangen für den Moderator. Er hatte schon Angst gehabt, jemand sage in seiner Sendung etwas gegen Muslime.

Was aber ist der Erkenntnisgewinn aus diesem spätabendlichen Zwiegespräch?

Zunächst einmal: Schirmbeck hat erlebt, wie sich binnen weniger Jahre eine westlich orientierte, säkulare Gesellschaft in eine restriktive islamische Gesellschaft verwandelt hat, obwohl viele Menschen dort, vielleicht sogar die Mehrheit, es nicht wollten. Eine radikale Minderheit hat ihre Ideologie durchgesetzt und den öffentlichen Raum islamisiert. Die Menschen sind unter diesem Angriff umgefallen wie Dominosteine, sie haben die Regeln der Scharia als verbindlich akzeptiert, sie trinken keinen Alkohol mehr in der Öffentlichkeit, spielen keine verbotenen Spiele, befolgen die religiösen Speisevorschriften und Rituale, teilen die Menschen in Reine und Unreine, die Frauen verschleiern sich usw. Mehr noch, nachdem sich die Masse erst einmal den Regeln der Radikalen unterworfen hat, übt sie nunmehr kollektiven Druck auf diejenigen aus, die noch nicht umgefallen sind. Algerien steht hier nur als pars pro toto. Dasselbe ist schon vor Jahrzehnten im Iran geschehen, desgleichen in Afghanistan, es geschieht derzeit in Ägypten, etwas langsamer in der Türkei, weitaus radikaler im Irak und in Teilen Syriens. In ganz Nordafrika befindet sich der radikale, intolerante, gewalttätige Islam auf dem Vormarsch. Das Christentum wird in diesem Weltteil sukzessive ausgelöscht, und was einstmals zumindest in Teilen eine offene, freundliche, exotische Welt war, verwandelt sich mit jedem Jahr mehr in eine düstere, uniforme, brutale, niederdrückende Antizivilisation.

Sodann: Dieser Prozess hat längst auf Europa übergegriffen. Viele Stadtteile in Frankreich, England, Belgien, den Niederlanden und Schweden werden von muslimischen Mehrheiten bevölkert. Im englischen Blackburn etwa, einer Stadt von der Größe Freiburgs, sind neun von zehn Schulkindern Muslime, die letzten autochthonen Briten verlassen die Stadt. In der zweitgrößten englischen Stadt Birmingham kommen seit längerem mehr muslimische Kinder auf die Welt als Kinder von Alteingesessenen. Dasselbe gilt für viele andere westeuropäische Kommunen. In immer mehr Regionen Europas bilden Muslime die Majorität, teils durch Einwanderung, teils durch hohe Geburtenzahl.

Die massenhafte Einwanderung von Muslimen ist zwar nicht gleichbedeutend mit einer massenhaften Einwanderung radikaler Reinheitsvollstrecker, aber nach allem, was sich in den Ländern Nordafrikas und in der Türkei beobachten lässt – und hier kommen wir zu unserer TV-Plauderrunde zurück –, wehren sich die meisten moderaten Muslime nicht dagegen, wenn religiöse Hardliner ihre Lebenswelt nach den Kriterien der Scharia verändern und die zivilen Freiheiten damit immer mehr einschränken. Die Grundloyalität zu Allah und zur Umma scheint es bei vielen Muslimen nicht zuzulassen, dass sie sich mit Christen oder Atheisten verbünden, um gegen die Islamisierung ihrer Umwelt zu kämpfen. Wenn Muslime gegen Muslime zu den Waffen greifen, dann geschieht dies im Namen der Familie, des Stammes, des Volkes, ihrer innerislamischen Glaubensgemeinschaft, aber keineswegs im Namen der Menschrechte, der Demokratie, der Freiheit, der religiösen Toleranz und anderer westlicher Ideen, die im orientalischen Wertekosmos überhaupt keine oder allenfalls eine sekundäre Rolle spielen. Das heißt letztlich: Wie freundlich, aufgeschlossen, liberal und weltlich einzelne Muslime in einer säkularen Gesellschaft auch sein mögen, es sagt wenig darüber aus, wie sie sich verhalten werden, wenn die Gesellschaft peu à peu islamisiert wird. Und die europäischen Gesellschaften werden schrittweise islamisiert.

Die Araber haben es im Mittelalter nicht geschafft, Europa zu erobern; sie kamen bis nach Südfrankreich, wo sie 732 vernichtend geschlagen wurden, und hielten sich fast 800 Jahre in Spanien, bis die Reconquista die iberische Halbinsel ins Abendland heimholte. Die Türken haben es nicht geschafft, Europa zu erobern, sie unternahmen vom 15. bis zum frühen 17. Jahrhundert immer neue Anläufe und okkupierten weite Teile des europäischen Südostens, aber schließlich wurden sie aus Europa vertrieben wie die Araber auch. Militärisch war den Europäern auf Dauer nicht beizukommen, ihre Technik, ihre Organisation und Disziplin war jener der Muslime überlegen, und solange Männer an seiner Spitze und in seinen Heeren standen, blieb das Abendland christlich. Aber die Europäer zogen es vor, sich in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gegenseitig in einem unvorstellbaren Ausmaß zu massakrieren. Damals begann der Abstieg jenes Kontinents, der die Welt mehr geprägt hat als alle anderen zusammen. Heute wird Europa nicht mehr mit Waffengewalt invadiert, sondern durch Einwanderung und den sogenannten „Kampf der Wiegen“. Spätere Historiker auf anderen Kontinenten werden womöglich die Köpfe darüber schütteln, wie sorg- und arglos die Europäer dem dritten Ansturm des Morgenlandes ihre Tore öffneten. Jahrhundertelang hatten tapfere christliche Männer ihren Kontinent gegen orientalische Invasoren verteidigt, heute geben europäische Politiker im Namen der Menschenrechte Stück für Stück die europäische Freiheit, die europäische Demokratie, das europäische Recht, den europäischen Geist, die europäische Kultur, den europäischen Pluralismus und natürlich das europäische Christentum preis.

Ob nun ausgerechnet diese Leute den Muslimen dabei helfen, den Islam vom Islamismus zu befreien, darf bezweifelt werden. Vielmehr kann es aus dem Sturz der nordafrikanischen und vorderasiatischen Gesellschaften in eine neue Glaubenssklaverei für Europäer nur eine Konsequenz geben: sich das Problem so weit wie möglich vom Leibe zu halten und sämtliche Politiker abzuwählen, die es importieren. MK am 25. 11. 2016


Ich warte immer noch darauf, dass der von Akif Pirinçci abgemahnte Markus Lanz sich bei ihm entschuldigt!

Immobilitas perpetua, irremediabilis et ultimativa

Seit Jahrhunderten suchen schlaue Menschen und diverse Irre nach einer Idee, wie das Perpetuum mobile zu konstruieren sei. Nun verkündet die Welt die Lösung. „Flüchtlinge retten Deutschland vor der Rezession“, schlagzeilt das Blatt. „Das Plus bei der deutschen Wirtschaftsleistung hat sich im dritten Quartal halbiert. Dass es überhaupt noch einen Zuwachs gibt, liegt an den Staatsausgaben für die Versorgung der Flüchtlinge.“ Diese Unterhaltszahlungen seien „der entscheidende Grund für den rasanten Anstieg bei den Staatsausgaben“. Rasant sei auch der Nachschub an Konjunkturgaranten: „Allein in den Monaten Januar bis Oktober beantragten knapp 694.000 Menschen Asyl in Deutschland.“ Am 23. November meldete die Bundespolizei bereits 180.000 Neuankömmlinge für diesen Monat. Wir erreichen also in 2016 die nächste Million. Das nächste Wirtschaftswunder walzt heran.

Die Versorgung eines syrischen Flüchtlings in Deutschland koste die Steuerzahler im Schnitt 11.800 Euro pro Jahr, habe die Bundesregierung mitgeteilt. Das Geld fließe in die Ausstattung der Unterkünfte und in deren Reinigung durch meistens externe Fachkräfte – vergessen wir nicht die Unterkünfte mit den vergitterten Fenstern und deren kundiges Personal –; es fließt  in die Asylbewerberleistungen, was wiederum der Händi-, Turnschuh- und Halal-Industrie zugute kommt, es fließt in die Betreuung von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen, ferner in Kinderbetreuung, Schulen, Sprachkurse und Lehrer für Sprachkurse. „All das sind Leistungen, die der Staat nachfragt und für die er bezahlt und an denen Unternehmen zum Teil sehr gut verdienen. Denn oft übersteigt die Nachfrage das Angebot.“ Klar. Ungefähr 874.000fach. „Die ökonomisch logische Folge: Die Preise steigen – und der Staat muss noch mehr zahlen.“

Merke: Der Staat zahlt. Die Wirtschaft verdient. Anstatt in die Forschung, in die Universitäten, in die Infrastruktur oder in die Landesvereidigung investiert die Bundesregierung endlich in Deutschlands Zukunft. Und alle sind glücklich. (Mehr hier.)

Bei der Vergabe des nächsten Wirtschaftsnobelpreises kann Deutschland nicht mehr länger umgangen werden. MK am 24. 11. 2016

Fast so schlimm wie Altmeier. Aber was sag ich, noch schlimmer!



Der Vorsitzende der Innenministerkonferenz hat der „Welt“ ein bemerkenswertes Interview gegeben. Darin fordert er eine nachträgliche Kontrolle von syrischen Flüchtlingen. "Wir wissen mittlerweile, dass sich auch einige Gewaltbereite und Gefährder unter die Flüchtlinge gemischt haben." Hat nicht sein Kollege, Justizminister Maas, behauptet, dass es nicht einen einzigen Nachweis dafür gibt?

Bouillon: "Die Schließung der Balkanroute und das Abkommen mit der Türkei haben dafür gesorgt, dass die Zahlen zurückgegangen sind. Das war auch notwendig. Wie jetzt? Hat nicht die Kanzlerin die Schließung der Balkanroute ausdrücklich verurteilt und versagt nicht das Abkommen mit der Türkei auf der ganzen Linie?

Bouillon: Wichtig ist aber: Kein Mensch konnte damit rechnen, dass sich in kurzer Zeit so viele Menschen nach Europa aufmachen. Wieso informierte FRONTEX dann den Bundestag über etwas, was die Politik im Nachhinein nicht gewusst haben will? *
 
Was wäre denn passiert, wenn wir die Grenze geschlossen hätten? Vielleicht hätten die Menschen mit Gewalt versucht, in die Bundesrepublik zu kommen.“ Was tut ein Staat, wenn jemand "mit Gewalt“ versucht, auf sein Territorium zu kommen?

Bouillon: "Wir sind alle überrollt worden. Das trifft auf den Staat und die gesamte Gesellschaft zu". Hat nicht seine Chefin Angela Merkel im Alleingang die Grenzen geöffnet? Und darf ein Innenminister das Wort "überrollt" überhaupt im Zusammenhang mit Flüchtlingen verwenden, wenn es doch für normale Bürger als Hassbotschaft gewertet wird?

Ist nicht das ganze Interview ein Eingeständnis kompletten Politikversagens bei gleichzeitigem Kleinreden der daraus entstandenen Probleme? Manfred Haferburg

*   Dass Merkel zwei oder drei Tage nach dem griechischen Oxi-Referendum, Anfanh Juni 2015, in einer kurzen Stellungnahme in der Tagesschau auf einmal sagte, viel größer als die Probleme, die Griechenland uns bereite, seien die, die durch Flüchtlingsströme aus dem Mittelmeer auf uns zukämen, scheint niemandem aufgefallen zu sein. In YouTube keine Spur davon.

Damals dachte ich sofort, du wirst doch wohl nicht ein Ablenkungsmanöver vom Zaun brechen wollen, indem du ein noch größeres Problem schaffst...? 

Vorbildlich

In Israel zieht man aus der Tatsache, daß zwar nicht alle Muslime Terroristen sind, aber die meisten Terroristen nun mal Muslime, die logische Konsequenz, diese Gruppe bei Sicherheitskontrollen an Flughäfen und gefährdeten Plätzen besonders aufmerksam unter die Lupe zu nehmen und potentielle Verdächtige unter Nutzung aller verfügbaren Informationen frühzeitig herauszufiltern, statt unterschiedslos alle zu filzen und mit langen Warteschlangen an Sicherheitsschleusen selbst neue Terrorziele zu schaffen.
Hierzulande ist das als ethnisches „Profiling“ streng verpönt. Weil es als politisch unkorrekt und unfein gilt, konkrete Verdachtsmomente zu benennen, werden alle unter Pauschalverdacht gestellt.

 Erst recht gilt das für die verhängnisvolle Praxis, die Benennung der ethnischen Herkunft oder Hautfarbe mutmaßlicher Täter in Polizei- und Medienberichten unter Tabu zu stellen und die Sicherheitsbehörden sogar anzuweisen, Delikte bestimmter Tätergruppen herunterzuspielen oder zu verschweigen, um nur jede „Diskriminierung“ zu vermeiden.
Arglosen jungen Deutschen, denen ohnehin in der Filterblase behüteter sozialpädagogischer Kuschel-Ecken vom Kindergarten an die Selbstbehauptungsreflexe systematisch aberzogen wurden, fehlen so selbst lebensnotwendige Informationen, wem sie im Zweifelsfalle besser aus dem Weg gehen sollten. Lieber sollen sie ihr Leben riskieren für ein Gesellschaftsexperiment mit ungewissem Ausgang. So verspielt ein Staat, der seine Bürger entwaffnet hat, aber nicht schützen kann, die Legitimation für sein Gewaltmonopol.

„Googelt, wo es in eurer Nähe Asylheime gibt“, rät eine chinesische Studentin, die kürzlich in Bochum am hellichten Tage neben einem stark frequentierten Gehweg von einem Täter „augenscheinlich arabischer oder afghanischer Abstammung“ vergewaltigt worden war, ihren Kommilitoninnen.  Michael Paulwitz

Wann wird Höcker Kanzler? Erst 2021?

Ralf Höcker, Rechtsanwalt, Autor und seit 30 Jahren Mitglied in Junger Union und CDU: „Ich kenne kein einziges CDU-Mitglied, das sich unter vier Augen für ihre Politik ausspricht. Hinter vorgehaltener Hand sagen alle das gleiche: Was sie macht, ist furchtbar, aber wer soll es sonst machen?" Cora Stephan

Positive Thinking


Apropos Volker Kauder und Heiko Maas

Es war ein schöner Sommertag des Jahres 1985, als ich bei einem Abstecher nach Ost-Berlin mit zwei Damen im Straßencafé in ein interessantes Gespräch verwickelt wurde. In für mich verblüffender Offenheit zogen sie über die Missstände ihrer Republik her.
Das dauerte, bis sich eine weitere Dame zu uns gesellte. Meine bisherigen Gesprächspartnerinnen haben als gelernte DDR-Bürger sofort gerochen, dass mit der Frau irgendwas nicht stimmte,  und verstummten weitgehend. Die Neue warf sich denn auch sofort in die Schlacht zur Verteidigung des Arbeiter- und Bauernstaates. Selbstverständlich habe jeder DDR-Bürger das Recht, offen seine Meinung zu sagen, meinte sie allen Ernstes.
Ach ja? Da wollte ich wissen, ob ich meine Meinung denn auf Flugblättern verteilen dürfe in den Straßen der DDR. Ja sicher, antwortete die mutmaßliche Genossin − vorausgesetzt natürlich, dass das, was ich da schreibe, auch der Wahrheit entspreche.
Ich war baff. Das Abitur gerade hinter mir, musste ich eingestehen: Keiner meiner Politiklehrer hatte es vermocht, mir den Unterschied von Demokratie und Diktatur, Freiheit und Unterdrückung so fein zugespitzt zu servieren wie diese rote Tante.
In freiheitlichen Demokratien gilt: Niemand „besitzt“ die Wahrheit, sie ist immer umstritten, weshalb jeder seine eigene Version öffentlich verkünden darf, ohne dafür bestraft zu werden. In unterdrückerischen Diktaturen dagegen gibt es eine Instanz, welche die „Wahrheit“ festlegt. Wessen öffentliche Kundgebungen dieser Wahrheit nicht entsprechen, spürt die Knute.

War ich aber froh, durch den Kontrollposten an der Friedrichstraße zurück in einen freien Staat entweichen zu können, in dem ich ohne eigenes Zutun leben darf − oder nur bis vor Kurzem leben durfte?
Die Gestalt der roten Tante ist nämlich wieder auferstanden, nur trägt sie heute die Gesichtszüge von Volker Kauder. Der Chef der Unionsfraktion im Bundestag ärgert sich in einem Beitrag für „Welt/N24“ darüber, dass große Internetforen zu „Plattformen geworden (sind), auf denen Unwahrheiten verbreiten werden“ und fordert: „Wir müssen weiter diskutieren, ob die Betreiber der Plattformen nicht mehr tun müssen, um das Netz nicht nur von rechtswidrigen Inhalten freizuhalten, sondern von Lügen generell in der politischen Debatte.“
Donnerwetter: Ab sofort gibt es oben an der Macht also wieder Leute, die für alle verbindlich festlegen, was als „Wahrheit“ zu gelten hat und was als „Lüge“. Wessen öffentliche Absonderungen im Internet sich nicht an jene „Wahrheit“ halten, der soll aus der Debatte geworfen werden.

Diktatorische Machthaber werfen ihren Kritikern gern vor, sie seien für das böswillige Ausland unterwegs, mithin feindliche Agenten. Bei Kauder liest sich das so: „Bekanntlich wird aber auch aus Russland versucht, politische Debatten bei uns zu beeinflussen.“ Diese skandalöse Enthüllung kommt gerade rechtzeitig, da bekannt wird, dass eine staatliche deutsche Institution ein paar Milliönchen hat springen lassen für die Stiftung der Eheleute Clinton.
In den USA können sich die einzig wahren Bestimmer der Wahrheit noch immer nicht damit abfinden, dass das Volk den Falschen gewählt hat. „Widerstand“ formiert sich. Wogegen eigentlich? Gegen Trump, klar. Allerdings ist der gerade demokratisch gewählt worden.
Wie das passieren konnte, ist nach wie vor ein großes Rätsel. Auch, warum man es nicht hat kommen sehen. Dabei standen doch alle gemeinsam gegen den blonden Teufel! Das scheint auch weiterhin so zu sein, wie der „Welt/N24“-Korrespondent erfreut berichtet: „Wer sich in diesen Tagen mit New Yorker Aktivisten, Sozialarbeitern, Künstlern, Journalisten und Pädagogen unterhält, spürt eine gewaltige Mobilisierung und Bereitschaft, sich Trump und dessen Ideologie entgegenzustellen.“ Mit welchem Ziel? Die demokratische Entscheidung zu „korrigieren“? Interessant, was „engagierte Demokraten“ heute für Blüten treiben.
Indes, die Frage, warum „wir“ den Trump-Sieg nicht haben kommen sehen, könnte mit der Auslassung des Korrespondenten durch die Blume beantwortet worden sein: Wer sich sein Bild von der öffentlichen Stimmung in den USA im Gespräch mit „New Yorker Aktivisten, Sozialarbeitern, Künstlern, Journalisten und Pädagogen“ zusammenpinselt, dürfte das Gemüt des Durchschnitts-Amerikaners um etliche Meilen verfehlen.

Bei uns wäre das kaum anders: Wer in Deutschland nach diesem Schema vorginge, könnte heute noch nicht begreifen, warum die DDR der Bundesrepublik beigetreten ist und nicht umgekehrt.
Wahrheit hin, Wahrheit her: Der hasserfüllte Kampf gegen Donald Trump liefert uns zumindest ein paar aufschlussreiche Erkenntnisse darüber, wofür die politische Linke heute steht und wofür nicht (mehr). Was hat der Mann versprochen? Er will nicht mehr überall auf der Welt militärisch eingreifen, was Clinton ganz gewiss getan hätte. Seit den 60er Jahren prangerten besonders die Linken diese Eingriffe als „US-Imperialismus“ an. Heute attackieren sie denjenigen, der diesen „Imperialismus“ abstellen will. Trump will zudem den Ausgleich mit Russland, keinen neuen Kalten Krieg. Die angeblichen Erben der „Entspannungspolitik“ gehen durch die Decke. Dann verspricht er, die einfachen Arbeiter vor Billigkonkurrenz zu schützen − sozialdemokratisch durch und durch. Die etablierte Linke? Sie findet das ekelerregend.
Friedenspolitik und den Schutz des „kleinen Malochers“ erklären die Linken also für Teufelszeug. Man reibt sich die Augen. Auf wessen Seite stehen die eigentlich? Das kann erahnen, wer einen kurzen Rückblick wagt. Damals, in den schlimmen Zeiten der „abgeriegelten Nationalstaaten“ mit ihren abgeschotteten Arbeitsmärkten lief das so: Wenn die Wirtschaft brummte, wurden bald die Arbeitskräfte knapp. Das nutzten die Arbeitnehmer frech aus und forderten höhere Löhne. Da sie keinen Ersatz hatten, muss­ten die Arbeitgeber oft nachgeben. Das war ärgerlich für sie.

Nun ist es aber so, dass die Wirtschaft so gut wie niemals in allen Staaten zugleich boomt. Es gibt immer welche, wo es nicht so gut läuft und Arbeitskräfte über sind. Daher haben wir heute die „Arbeitnehmerfreizügigkeit“, durch die man schnell Ersatzarbeiter aus lahmenden Ländern holen und die Lohnforderer zu Hause so in die Schranken weisen kann. Als Steigerung dieser „Freizügigkeit“ haben Merkel und ihre linken Jünger noch die „Politik der offenen Grenzen in einer globalisierten Welt“ draufgesattelt. Haben Sie mal einen Konzernchef, einen Grünen-Politiker oder einen Sozi über Zuwanderung reden hören? Die sagen alle genau das Gleiche. Zufall? Wohl kaum.
Neben dem Fetisch Zuwanderung und offene Grenzen blieb der Linken noch die „Klimapolitik“ (mit der die Konzerne Milliarden verdienen) und die Pflege einiger sorgsam ausgesuchter „Randgruppen“, wo Trump im Wege stehen könnte. Und der Frauen. Na ja, nicht aller Frauen. Das reaktionäre Weibsstück, das ausschließlich Hausfrau und Mutter werden will statt sich der Erweiterung des Arbeitskräfte-Angebots zu verschreiben, das hat von links ebenso wenig Anerkennung zu erwarten wie aus den Vorstandsetagen von Daimler oder der Deutschen Bank.

Es ist sicher kein Zufall, dass Trumps mächtigster Widersacher in den USA George Soros heißt, der skrupelloseste Milliarden-Spekulant unserer Epoche. Dass der „Humanist“ Soros allerhand linke Initiativen und ihre „Aktivisten“ vor seinem Wagen massiv unterstützt, wundert nicht.
Die zeitgenössische, globale Linke erscheint einem wie die abgefeimteste List, die sich die Geschichte je hat einfallen lassen. Alles ist anders, als wir glaubten. Wer diese Erkenntnis teilt, darf stolz einen neuen Titel tragen: Er lautet „Populist“.    Hans Heckel