Freitag, 19. Oktober 2018

Bildungspolitik


Purer Wahnsinn

Ein krasser Widerspruch in der Argumentationskette politisch-korrekter Kulturrelativisten und moralischer Narzissten: In einem Artikel der BILD-Zeitung vom August 2018 über den Prozess gegen den Messerstecher von Burgwedel heißt es: „Abdullah A., der sich selbst als „Musterflüchtling“ bezeichnet, hält nach BILD-Informationen an der schriftlichen Erklärung fest, die sein Anwalt vor dem Prozess abgegeben hatte. Auszug: „Der Beschuldigte kennt es aus seiner Kultur so, dass Konflikte mit dem Messer ausgetragen werden. Er beschreibt die regionalen Bräuche wie folgt: Wird man beleidigt, darf man zustechen. In schweren Fällen darf man die Person töten.“ Und: „Er führt aus, dass sein Verhalten nach den religiösen Anforderungen nicht zu beanstanden war und begreift nicht, weshalb er in Haft sitzen muss.““

Wenn ich als Kritiker behaupte, der islamische Kulturkreis neige eher zu patriarchalen und gewaltaffinen Denk- und Handlungsmustern, bin ich im schlimmsten Fall der böse „Nazi“ und „Rassist“ und werde in jedem Fall mit kulturrelativistischen, weltfremden und unlogischen Kommentaren geteert und gefedert.
Argumentiert aber der Anwalt eines muslimischen Messerstechers bzw. der Straftäter selbst exakt so (es liege an der Kultur bzw. Sozialisation), wirkt sich das Ganze womöglich sogar noch strafmildernd aus (Stichwort Kulturbonus).

Während also diejenigen, die den Import radikaler Weltbilder aufgrund unterschiedlicher Wert- und Moralvorstellungen kritisieren, für das Argument diffamiert werden, werden die Radikalen mit exakt demselben Argument in Schutz genommen.

Politisierte Justiz wie in Italien

Jetzt soll die Schriftstellerin Juli Zeh Verfassungsrichterin in Brandenburg werden. Auf SPD-Ticket wird die 44-Jährige ins höchste Gericht des Bundeslandes aufrücken, obwohl sie noch nie als Richterin gearbeitet hat.
Die SPD-Fraktion habe sich einstimmig für Zeh ausgesprochen, hieß es am Abend aus der Klausur der Abgeordneten. Die Publizistin – wegen ihrer migrationsfreundlichen und linksliberalen Haltung häufig Gast in Talkshows – wird einen von drei Richterstühlen besetzen, für die die SPD das Vorschlagsrecht reklamiert.   ZAROnews

Donnerstag, 18. Oktober 2018

Man kommt vor lauter Kotzen gar nicht mehr zum Fressen


„Jetzt weiß ich, warum muslimische Frauen zuhause bleiben müssen.“- Wie man die Welt auf den Kopf stellt


Amne ist 15 und ein aufgewecktes Mädchen, eine gläubige Muslimin mit Kopftuch. Und eine Heranwachsende mit vielen Träumen. „Ich möchte später gerne Medizin studieren“, sagt die Realschülerin.
Bei der Suche nach einem Schülerpraktikum fällt ihre Wahl deshalb zuerst auf eine Apotheke. Und zunächst scheint auch alles glatt zu laufen. So sieht es auch die Apothekerin, die regelmäßig Schülerpraktikantinnen in ihrem Betrieb gehabt und dabei stets gute Erfahrungen gemacht habe. Sie ist gerne bereit, Amne für knapp drei Wochen zu nehmen.
Beim Gespräch am letzten Montag stempelt sie das ausgefüllte Formular der Schule ab, setzt ihre Unterschrift darunter – und äußert dann eine Bitte, die eine völlig unerwartete Eskalation auslöst. „Ich habe das Mädchen in einem freundlichen Ton gebeten, während des Praktikums auf das Kopftuch zu verzichten.“ Bei einer marokkanischen Praktikantin habe sie genauso gehandelt, ohne dass es Probleme gegeben habe. „Das Mädchen hat das Kopftuch morgens vor der Arbeit abgelegt und abends wieder angetan.“

Apothekerin zerreißt die Zusage

Doch im Fall Amne werden die Meinungsverschiedenheiten um ein banales Stück Stoff gefühlt ein kleines Erdbeben auslösen. Der Streit wird so heftig sein, dass er die geschockte Apothekerin selbst Tage später immer noch aufwühlt.
Denn dieselbe Schülerin, die die Apothekerin zuvor als ein intelligentes, freundliches Mädchen erlebt hat, habe sich nach der Bitte um den Kopftuch-Verzicht schlagartig verwandelt. „Sie war aufgebracht und wurde aggressiv“, erinnert sich die Apothekerin. Den Schleier abzulegen, habe die 15-Jährige kategorisch abgelehnt.
Wenige Minuten später sei sie mit ihrem Vater an der Seite zurückgekehrt. Und der muss sich aufgeführt haben wie ein Berserker. „Er wurde sehr laut und sehr aggressiv, er hat mich und meine Mitarbeiterinnen beschimpft und bedrängt“, berichtet die Inhaberin. Eine Frau, die sich als weltoffen, tolerant und hilfsbereit beschreibt. Drei ihrer Mitarbeiterinnen sind türkischstämmige Frauen, Muslima, die sich schminken und gerne modische Kleidung tragen. Alle beteuern glaubhaft, gerne in der Apotheke zu arbeiten. Bei der Kundschaft kommt so viel Multikulti übrigens gut an. Denn in dem Viertel leben viele Zuwanderer.
Der Vater habe sich dann – ohne Rücksicht auf die Kundschaft – weiter in den Zorn hineingesteigert. Das Kopftuch sei ein genauso normales Kleidungsstück wie ein Schuh, habe er argumentiert. Und der Inhaberin immer wieder die verletzende Frage gestellt: „Haben Sie überhaupt ein Herz?“
Als die Drohungen und Beschimpfungen nicht enden wollen, zerreißt die resolute Apothekerin das Schulformular mit ihrer Zusage in Stücke. „Daraufhin hat er mich als Rassistin beleidigt.“

Der Koran verbiete ihm, Frauen zu frisieren

Tags darauf greift Amnes Vater zum Telefon und beschwert sich in dieser Redaktion über die Apothekerin. Bashar Al Daraji, ein Iraker, gebürtig aus Bagdad und seit 18 Jahren in Deutschland, sieht sich in dem heftigen Kopftuchstreit völlig im Recht. „Deutschland ist ein demokratischer Staat mit Religionsfreiheit“, sagt der 45-Jährige, der als Beruf Friseur angibt.
In Holsterhausen führt er den Vorsitz in einem schiitisch-islamischen Kulturverein mit rund 120 Mitgliedern. Ihr Domizil: eine alte Gewerbeimmobilie mit mehreren Etagen, in denen einst ein Fitness-Studio untergebracht war. Ganz oben befindet sich sein geräumiges Vorsitzendenbüro.
Aus seiner tiefen Religiosität macht Bashar Al Daraji kein Hehl. „Ich habe den Koran von klein auf gelesen.“ Von sich selbst zeichnet er das Bild eines gottesfürchtigen frommen Mannes, der andere Religionen respektiere. „Das Kopftuch“, sagt er, „ist wie ein Teil des Körpers, wie eine Hautfarbe.“ Nebenbei räumt er ein, dass der Koran ihm strikt verbiete, Frauen zu frisieren. „Ich möchte keinen Kontakt zu Frauen haben.“

Apothekerin: „Ich empfinde es als verkehrte Welt“

Amne, die 15-Jährige, erzählt, dass sie das Kopftuch schon seit dem neunten Lebensjahr trage – also lange vor der Geschlechtsreife. „Ich trage es freiwillig, und es ist für mich überhaupt keine schlimme Entscheidung.“ Sie sei in Deutschland geboren und sehe ihre Zukunft in diesem Land – auch beruflich. Dann klagt sie pauschal all jene Unternehmen an, die das Kopftuch untersagen. „Jetzt weiß ich, warum muslimische Frauen zuhause bleiben müssen.“
Ein Schuh, den sich die Essener Apothekerin nicht anzieht. „Ich empfinde es als verkehrte Welt, dass ausgerechnet ich mich dafür rechtfertigen soll, wenn ich das Kopftuch nicht wünsche.“ Besonders hart treffe sie der Rassisten-Vorwurf. Für sie ein Schlag ins Gesicht. Es habe nicht viel gefehlt, berichtet die Apothekerin, und sie hätte die Polizei zur Hilfe gerufen.
Der unnachgiebige Vater kündigt unterdessen weitere Schritte an. Er will sich an den Grünen-Politiker Omeirat gewandt haben, und dieser erwäge angeblich, den Kopftuch-Vorfall bei der Apothekerkammer zur Sprache zu bringen.    Gerd Niewerth

Dass ich das noch erlebe!

Wie nicht anders zu erwarten, tritt mir Martin Lichtmesz am verabredeten Treffpunkt, dem Wiener Naschmarkt im sechsten Bezirk, vermummt gegenüber. Mütze tief ins Gesicht geschoben, Kragen des gefütterten Wintermantels hochgestellt.
Gut, sicher, ja, es sind Minusgrade, auch die anderen Passanten hier mummeln sich ein. ­Einerseits. Andererseits ist Martin Lichtmesz ein «neuer Rechter» und einer der Köpfe der Identitären Bewegung, die in Deutschland vom Verfassungsschutz «beobachtet» wird und laut Wikipedia von einigen Politikwissenschaftlern als «kulturrassistisch» eingestuft wird.
Ist dieser Typ dort drüben im grauen Wolfskin-Anorak einer von denen?
Wir müssen wohl einige grundlegende Dinge klarstellen, lieber Verfassungsschutz, bevor wir uns auf die Reise durch das rechte Deutschland begeben und zu den Identitären vorstossen, die offenbar eine so grosse Gefahr für das Land darstellen, dass sie Ihre kostbare Zeit verdienen.
Zur Sache: In Frankreich als «Génération Identitaire» gegründet, in Österreich 2012 und Deutschland 2014 als «Verein zur Erhaltung und Förderung der kulturellen Identität» eingetragen, verfolgt die Identitäre Bewegung das Konzept des Ethnopluralismus, also keiner biologischen, sondern einer europäisch-kulturellen Identität, was sie, ebenfalls laut Wikipedia, zu «Rassisten ohne Rassismus» macht.

Sollte man da nicht misstrauisch werden?

Nun ist Rassismus ohne Rassen, also ohne ­­­Bio­logie, eine irgendwie nur halbe Sache, ­weshalb man sich in der nicht näher spezifi­zierten «Rassismus»-Forschung den Begriff des «Kulturrassismus» erdacht hat.
Es wimmelt vor «rechts» und «rechtsextrem» in diesem Wikipedia-Verweis, immer wieder wird auch der Nationalsozialismus als Referenzgrösse angeführt, allerdings mit der Relativierung, dass sie eben nicht nationalsozialistisch sind, die Identitären, aber es sein könnten, wenn man genauer hinschaut.

Hm. Tatsächlich lohnt da mal näheres Hinschauen: Nehmen wir den «Kulturrassismus», verehrte Schlapphüte. War die Politik des sozialistischen Kulturministers Jack Lang, der sich bereits in den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts in Frankreich «für die ­Stärkung der europäischen Kultur durch die Quotierung einheimischer und europäischer Filmproduktionen im Fernsehen eingesetzt hat» (Wikipedia), ­damals allerdings gegen die verhasste US-amerikanische imperialistische Kultur, war die also ­rassistisch?
Ja, war Jack Lang ein erster Identitärer im Ministerrang?
Nochmals hm, zur Identität: Wir leben in Zeiten, in denen führende EU-Politiker wie Peter Sutherland von einer Abschaffung der Nationalstaaten träumen. Unsere Bundeskanzlerin spricht von den Deutschen bereits nur noch als von «denen, die schon länger hier wohnen», als sei ihr Volk, von dem «Schaden abzuwenden» sie geschworen hat, nur ein ­vorüberziehender Nomadenstamm und die Flüchtlingskrise ein Streit um Weideplätze.

Dazu übrigens passt, dass «Flüchtlinge» in einem EU-Papier als «Neuansiedler» bezeichnet werden. Sollte man da nicht misstrauisch werden?
Doch nicht nur dieses, verehrte Herren vom Verfassungsschutz.
Zum Thema Identität: Wir leben ebenfalls in Zeiten, in denen die beiden führenden Ver­treter der Kirchen in Deutschland auf Bitten ihrer muslimischen Gastgeber bei einem Besuch auf dem Tempelberg das Kreuz von der Brust nehmen, ihr Bekenntnis als Christen ­also verstecken – im Gegensatz zu jenen anderen, die in dieser Weltgegend für ihr christliches Bekenntnis geköpft werden. Sollten da nicht die Alarmglocken läuten?
In Zeiten auch, liebe Herren Agenten, in der eine religiös nicht mehr ganz sattelfeste Politik vorschlägt, muslimische Lieder zur Christmette zu singen, was, neben dem Affront ­gegen christliche Messbesucher, auch für die angesprochenen Muslime unmöglich ist, denn es würde selbstverständlich eine Ein­ladung zur Häresie bedeuten, da wir Christen an Weihnachten die Geburt des Messias ­feiern – all das also ein gedankenloser, ­breitärschi­­­ger Versuch der Willkommenskultur, Unterschiede plattzusitzen.
Vielleicht gibt es, verehrte Agenten, doch Gründe für die Entstehung einer Identitären Bewegung, denn wir leben in Zeiten, in denen der Zustrom von knapp einer Million anti­semitischer, aufklärungsfeindlicher, grossteils analphabetischer Muslime dafür sorgt, dass wir ernsthaft über verfassungswidrige Kinderehen diskutieren müssen, die allerdings von den Grünen aus Folkloregründen teilweise begrüsst werden, da sie in den Herkunftsländern Sitte seien.

Ach ja, die Medien

Darüber hinaus haben wir es mit einer grossen Koalition aus linksextremen und muslimischen Demonstranten zu tun, die verfassungsfeindlich «Juden ins Gas» gröhlen und ansonsten, zumindest bei Letzteren, mit kriminellen Übergriffigkeiten auf Frauen auffallen.
Gäbe es hier nicht Zugriffsgründe genug? Oder wäre da schlechte Presse zu befürchten?
Ach ja, die Medien: Als jüngst eine Studentin von einem afghanischen Jugendlichen vergewaltigt und getötet wurde – sie war tragischerweise in der Flüchtlingshilfe engagiert – wollte die «Tagesschau» die Nachricht nicht bringen, da sie nur «regional von Bedeutung» sei. In der überregionalen Talkshow, die wie selbstverständlich drei Tage später folgte, wurde besonderer Wert auf die Feststellung gelegt, dass auch deutsche Männer solche Verbrechen verübten.
Jetzt mal unter uns, liebe Agenten, und ganz zu schweigen von der ständig präsenten Terrorgefahr – ist die Befürchtung einer von Po­litik und Leitmedien immer wieder klein- und schöngeredeten Überfremdung ganz ­speziell aus islamischen Ländern denn so ganz aus der Luft geholt?
Es gibt die Identitären mittlerweile auch in anderen europäischen Staaten, vor allem den osteuropäischen, denen die Vereinnahmung durch den kommunistischen Block und die ­erzwungene Treue zur Sowjetunion noch so gut in Erinnerung ist, dass sie mit unverhohlenem Nationalstolz auf die schöne neue Welt der EU reagieren.
Zum Schluss: Sollten Sie, liebe Herren vom Verfassungsschutz, nicht vielleicht doch sich selber beobachten, da kürzlich ein islamistischer Spion in Ihren eigenen Reihen aufflog? Das allerdings veranlasste wiederum die Grünen in Deutschland prompt, Sie aufzufordern, Ihre eigenen Mitarbeiter strenger zu untersuchen, insbesondere auf Verbindungen zu – Rechtsextremen.
Ja, diese Blickrichtung ist staatlich festgeschraubt. Insofern, verehrte Agenten, handeln Sie wohl regierungskonform, wenn Sie die Identitären «beobachten».

Frage nach Gott

Martin Lichtmesz und ich trotten durch den Weihnachtsbetrieb, durch jenen Glanz also, der ja eigentlich heidnischen Ursprungs ist, wie viele Schlaumeier wissen, der aber trotzdem wärmt und der laut Chesterton nur beweist, dass die «Heiden von damals viel verständiger waren als die Heiden von heute».
Martin Lichtmesz wirkt jünger als die vierzig Jahre, die er ist. Blassblaue Augen, blasses Gesicht, Anflug eines Lächelns.
Auf dem Weg zu seinem böhmischen Lieblingslokal spricht er nicht von einem neuen Führerstaat oder von Rohrbomben, sondern von Pasolini und dessen «Matthäus-Passion». Er schwärmt. Diese Gesichter, die Wüste, die Felsbrocken, gedreht wurde in Sizilien, weil im Heiligen Land unberührte Motive nicht zu finden waren.
Schliesslich die Wirtsstube. Gelbes Licht über karierten Tischdecken, an der Wand eine tschechische und eine amerikanische Fahne, daneben ein Stich, der die Belagerung Wiens durch die Türken darstellt. Kartenspieler um einen Tisch, wir gehen ins Hinterzimmer, um ungestört zu sein.
Auch wollen wir, entschuldigen Sie, meine Herren vom Verfassungsschutz, ausserhalb ­Ihrer Beobachtung Subversives besprechen – nämlich die Frage nach Gott.
Mit seinem Buch «Kann nur ein Gott uns retten?» stellt Martin Lichtmesz – sein Name ist ein Anagramm aus seinem bürgerlichen Namen Martin Semlitsch – diese Frage und die nach unserer christlichen Kultur mit einem Brennen, das die Diskussionsrunden unserer katholischen Akademien verblassen lässt.
Jetzt, zwei Jahre nach seinem Erscheinen, wird es neu aufgelegt (Antaios-Verlag, 416 S., 22 Euro bei Amazon, doch «nur durch Dritt­anbieter», wie es dort heisst, offenbar heisse Ware, heiss wie eine Herdplatte).
Im Grunde ist sein Buch ein einziger tief ­melancholischer Klagegesang über Verluste, über weggerissene Verankerungen und die öden Triumphe der Moderne. Wer sind wir, wohin sind wir unterwegs? Lauter Fragen, doch «kein Besinnlicher fragt sie mehr», ­dichtete bereits Gottfried Benn.
Die Wiener Zeitung, als österreichisches Amtsblatt aus dem Jahre 1703 älteste Tageszeitung der Welt und keiner noch so genauen Beobachtung als rechtsradikal aufgefallen, urteilte: «Martin Lichtmesz hat ein aufrichtiges, ein schönes, ein grossartiges Buch geschrieben», und sie vermutet zu Recht, dass es ­deshalb kaum besprochen wurde, weil er ein «scharfer Kritiker der Masseneinwanderung nach Europa» ist. Was wiederum mit unserem Thema zusammenhängt.
Internetplattformen wie «Schmetterlingssammlung» ersparten sich die Lektüre und ­begnügten sich mit Attacken gegen die Wiener Zeitung und dem Hinweis, dass Lichtmesz der «neuen Rechten» angehöre, nein, einer ihrer «führenden Köpfe» sei.
Was wiederum aufs Schönste belegt, was Lichtmesz im Vorwort beklagt, nämlich dass die entscheidenden Fragen, die nach unserem Schicksal und unserer Kultur, nur noch von rechts gestellt werden können, da der linke Diskurs in seiner Moderne-Raserei gar nicht mehr in die Nähe des Problems vordringt: dass wir die «Welt gewonnen haben, aber unsere Seele verloren».
Die Linke, die doch in den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts so aufregende ­Antworten gegeben hat, ist seit Adornos und Horkheimers «Dialektik der Aufklärung» ­ohne echte Entwicklung geblieben; auf die «Morgenröte folgte kein Mittag», wie der ­linke Romanist Peter Bürger in seinem Buch «Nach vorwärts erinnern» gerade beklagte.
Mittlerweile ist diese linke Gesinnung mit all ihren exotischen Minderheits- und Opferdiskursen Regierungspolitik geworden, der Weg durch die Institutionen war erfolgreich. In ihrer studentischen Variante ist diese Linke heute infantilisiert, verkümmert in ihren Echokammern, total verblödet in ihren «Schutzräumen» gegen «Mikroaggressionen», wo sie etwa im akademischen Bereich auf Trigger-Warnungen gegen Buchinhalte besteht, die sie traumatisieren könnten. Oder wo ein Politologiestudent im 15. Semester den Auftritt eines schwarzen AfD-Kandidaten aus Benin an seiner Heimatpenne bei Hamburg mit einem Internet-­Flash und Telefonterror verhinderte. Nachdem einige Schüler scharf gegen ihn ausgeteilt hatten, wandte sich der Aktivist der Grünen Schwulen an die «Beratungsstelle zur Gewalt gegen rechts» («Einer hält die Stellung», WamS, 24.5.2014).

Avantgarde von rechts

Das alles bei insgesamt zunehmender Aggressivität «gegen rechts», mit «Nie wieder Deutschland»-Gegröle und risikofrei, da sie den Nanny-Staat auf ihrer Seite wissen. So ­herabgesunken ist das, was 1968 mit widerständiger Lektüre, mit Samisdat und Raubkopien von Marx und Sartre, mit Hunger nach dem ganz Neuen begann.
Nein, heute sind alle Arterien verstopft, alle Bohrungen vergeblich, nichts geht mehr, der Traum vom Aufbruch endete leider längst mit dieser verwöhnten, bildungsfernen Denunziantenbrut. Doch knapp fünfzig Jahre nach der 68er-Revolte gibt es eine neue, eine von rechts. Und die Identitären sind deren Avantgarde. Statt Sartre, Marx oder Mao allerdings wird hier Heidegger gelesen oder Ernst Jünger.

Also mal von rechts her denken, wo es nicht um Zwecke und Wohlstand und neue Technologien geht, sondern wo die Reflexion auf das Dasein aufleuchten kann und womöglich das Numinose?
Maria, die Wirtin, bringt warme Mohn­nudeln und grossen Braunen, und Lichtmesz erzählt von einer Freundin, die ihren Klavierschüler verlor, nachdem sie bekannt hatte, dass sie wohl den Hofer, den Kandidaten der Rechten, wählen werde. Bei so einer wollte er keine ­Chopin-Etüden lernen.
Aber das ist die blöde Tagseite, die der einfachen Antworten, jetzt ist Abend, jetzt ist die Zeit des Zweifels, der Fragen, der nachdenklichen Bohrungen, der Melancholie.
Wie die deutschen Frühromantiker beklagt Lichtmesz in seinem Bekenntnisbuch die Entzauberung der Welt, «das Verschwinden des Geheimnisses, des Mystischen, des Wunderbaren, des Sakralen», Novalis wird zum Zeugen aufgerufen, der Träumer der Christenheit und des Mittelalters und einer Nation, bevor es sie gab.
Seine Reise zu den grossen Fragen beginnt Lichtmesz mit Dante und dessen Wanderung in den Wald der «Göttlichen Komödie» an der Hand Vergils, einen Wald aus Fragen, Irritationen, Versuchungen und der Schwärze der Verzweiflung. «Kann nur ein Gott uns retten?», diese Frage Heideggers aus dem berühmten Spiegel-Gespräch mit Rudolf Augstein ist wieder virulent geworden anlässlich einer umdüsterten Zukunft mit ihren politischen, demografischen, ökologischen, kulturellen und ethnischen Verheerungen. Und wo wäre er zu suchen?

Lichtmesz, unglücklich aufgeklärt wie viele von uns, weiss: «So sehr sich der analytische und objektivierende Geist auch bemüht: Im subjektiven Pol ist die Religion als inneres Drama und als Sehnsucht zwischen Furcht und Zittern nicht totzukriegen.»
Er begegnet auf seiner Suche Religionsphilosophen wie Walter Schubart und William James, dem Apostel Paulus, später dann Kierkegaard und Heidegger, Ernst Jünger, dem grossen Einzelnen, und in den hinteren Kapiteln Nietzsche – ein Wald aus einzeln beleuchteten Stämmen, von denen er hofft, dass sie im Kopf des Lesers «eine Spur ergeben».
Er fragt mit Hans Blüher, woher der Gebetstrieb kommt, und er sinniert mit Wittgenstein über den, der «unendliche Not» fühlt, denn nur für ihn, «der unendliche Hilfe braucht», biete sich das Christentum an. Ja, es geht auch um den christlichen, genauer: den katholischen Glauben. Lichtmesz ist katholisch aufgewachsen, den Protestantismus gewahrt er nur noch in seiner gegenwärtigen Verfallsform, im «Stande seiner tiefsten Erniedrigung», der kaum noch brauchbar ist für die «entscheidenden Schlachten», die nach Jean Raspail «in der Seele geschlagen werden».
Sicher, das war mal anders. Das war mal heroisch, zu Zeiten Nietzsches, des Pfarrerssohns, dem fast schwindelig wurde mit seinem Ausruf «Gott ist tot», diesem Verzweiflungsschrei in ein leeres, kaltes, ewiges Universum; er war der «tolle Mensch», der aus dem He­roismus der Gottverlassenheit den Übermenschen träumte, aber zitternd. Heute zittert keiner mehr, denn allen ist klar, dass Gott tot ist, endlich, heute sind da nur noch «die letzten Menschen», die «blinzeln» (Nietzsche) und ihr Lüstchen für den Morgen und den Abend brauchen und sonst nichts mehr.
In Lichtmesz’ Augen leuchtet es, als er hier im warmen Licht der Wirtsstube von seiner Wallfahrt nach Chartres erzählt, lächelnd, zwei Tage lang ist er vorne mitmarschiert unter den Bannern und Fahnen, Blasen an den Füssen, der Wald wie ein grüner Dom, hundert lange Kilometer von Paris aus, das endlose Band der Pilger und schliesslich der Dom selbst mit seinen in die Höhe gejubelten ­Spitztürmen, diese Andacht in Stein, und das Glücksgefühl bei seinem Anblick.
Da lebt doch noch was in der armen, der ­kirchensteuerbefreiten katholischen Kirche Frankreichs! Charles Péguy, der frühe Sozialist und Mystiker, hat die Wallfahrt vor dem Ersten Weltkrieg ins Leben gerufen, er starb 1914 im Kugelhagel an der Front. Péguy ist einer der Gründer des «Renouveau catholique», der katholischen Erneuerungsbewegung um 1900, aus der sich Michel Houellebecq für «Sou­mission» bediente, für diesen Roman über die Dekadenz und die Selbstaufgabe der meinungsbildenden Hedonistenklasse im Angesicht des islamischen Ansturms.

Wilde Romantik

Lichtmesz’ Buch endet mit Péguy, mit einer Meditation aus dem Jahr 1911, in der jener im Kampf um den Glauben in glaubensfernen Zeiten eine «besondere Grösse», ja «die Schönheit des Widerstandes» entdeckt. Wilde Romantik: «Wir stehen heute alle an der Front. Die Front ist überall. Der Krieg ist überall, in tausend Stücke aufgespalten, zerteilt, zerbröselt. Wir stehen heute alle an den Marken des Königreiches.»
Später wird mir Lichtmesz in seiner kleinen Einzimmerwohnung in der Nähe eine Briefmarke mit dem Kopf Péguys zeigen, die er auf Ebay ersteigerte und in die grüne, ledergebundene Erstausgabe des Péguy-Romans «Clio» geklebt hat, stolz, darin auch eine Postkarte mit Widmung von Jean Raspail, dem aristokratischen Ethnologen und Romancier, dessen seherische Flüchtlings-Dystopie «Heer­lager der Heiligen» er neu übersetzt hat. Sein Zimmer ist mit in die Höhe gewachsenen Bücherstapeln vollgestellt, er steigt darüber hinweg wie über Minen, die Matratze liegt auf dem Boden, Postkarten mit seinen Geistes- und Glaubenshelden sind an die überquellenden Bücherregalbretter geheftet, Erzengel Michael, Ernst Jünger und John Donne, sein Lieblingslyriker – so leben Samurais, Krieger, Einzelkämpfer.
Wir verabreden uns für den nächsten Morgen vor dem Stephansdom, die Wintersonne strahlt aus einem eisig blauen Himmel, Lichtmesz weist auf die rätselhaften Reliefsäulen mit den Fertilitätssymbolen Eichel und Vulva hin, die das Eingangsportal rahmen, auch auf die hellen Tonunterschiede in der Fassade; als Kind hat er sie nur eingeschwärzt erlebt, nun wird sie blank geschrubbt. «Schön», sagt er, «dass der Dom restauriert wird.»
Und dann stehen wir im Halbdämmer des Hauptschiffes, links ein Votivbild der Thérèse von Lisieux, Kerzen vor den Seitenaltären, die Heiligenfiguren in den gotischen Säulen, der Gewölbehimmel – «Mausoleen für den toten Gott», so hat Nietzsche die Dome genannt. Tatsächlich sind Kirchen, zumindest in Deutschland, mittlerweile eher Abklingbecken für den Glauben.

Dann zur Südfassade, zum «Zahnweh-Herrgott», dem Schmerzensgesicht des Gekreuzigten, all das hat er aufgesogen als Kind und Teenager in seiner katholischen Familie. Seine Freunde haben hier geheiratet, im Stephansdom, sie wollten diesen Moment eingespannt wissen in einen tausendjährigen Rahmen, eine Kultur, die bis in die Antike reicht.

An der Front zum Gestern

Anschliessend, im Café «Wien», erzählt er sein Leben. Wie er in den frühen Teenagerjahren in die Grufti-Szene geraten ist, in den Gothic-Folk, eine Protestgeschichte in schwarzen Klamotten, dann zum Filmstudium nach Berlin, sein Buch «Besetztes Gelände» weist ihn als klugen, ja überaus scharfsinnigen Kinointerpreten aus. Pasolini, immer wieder, dann Robert Bresson. Vor allem die semireligiösen Filme «Der Teufel möglicherweise» und «Das Geld», und er möchte alles genau wissen über mein Treffen mit ihm vor dreissig Jahren, dem verschlossenen Kultregisseur und Schweiger aus Paris.
Im Café, wo er eine Freundin erwartet, die sich als wache und hübsche Dresdnerin herausstellen wird, summt sein Handy. Er liest, und er lächelt. Die Identitären Wiens haben in der letzten Nacht eine ihrer kühnen Sponti­-Aktionen durchgezogen. Er selber sympathisiert mit der Bewegung, aber er ist formell kein Mitglied (Entwarnung, Verfassungsschutz!) – er gibt mir die Nummer von deren Anführer, von Martin ­Sellner, der mich im Café «Eiles» erwartet.
Im Café «Eiles» mit seinen Spiegeln und roten Samtnischen sitzt der junge Martin Sellner mit einem bärtigen WDR-Reporter zusammen, den er über Aktionismus und Gandhi belehrt. Der Reporter soll über die Identitären Wiens berichten und über den «europäischen Rechtspopulismus». Ja, die Identitären sind im Gespräch. Soeben hat Mariam Lau über sie in der Zeit geschrieben, unter der sinnvollen Überschrift «Die Avant-Gestrigen».
Jawohl, die Identitären stehen an der Front zum Gestern und seinen Traditionen, sie blicken wie Walter Benjamins «Engel der Geschichte» auf einen wachsenden Trümmerhaufen, sie sehen die Opfer, und sie haben die europäische, die abendländische Geistesgeschichte im Blick, die so rasend schnell verabschiedet und abgeworfen wird wie nutzloser Ballast. Mariam Lau über die Identitären: «Sie sind rechts und bedienen sich der Strategien der Linken.» Die Autorin bemüht sich um Gerechtigkeit, auch wenn sie von Verbindungen zur Le-Pen-Truppe gefährlich raunt, und jedes Mal, wenn sie Sellner zu Wort kommen lässt, «behauptet er», statt dass er einfach «sagt», ­etwa, dass die Identitären einen scharfen ­Trennungsstrich zu Neonazis gezogen haben: «Wer bei uns einen Judenwitz erzählt», so Sellner, «fliegt sofort raus.»
Die Aktion der vergangenen Nacht: Die Identitären haben der zwanzig Meter hohen Statue der Kaiserin Maria Theresia eine schwarze ­Burka übergestülpt, eine Verhüllungsaktion im Stile des Aktionskünstlers Christo, wie sie erklären. Der US-Sender CNN hat die Sache gefilmt. Es sind wagemutige Burschen in ihren Zwanzigern, die mit einem Baukran und Schutzwesten und Scheinwerfern in der Nacht wie offizielle Stadtangestellte auf der Statue herumturnten und ein Schild mit dem Schriftzug «Islamisierung – nein danke!» abstellten. Ma­riam Lau: «Strassentheater, Kunstblut und ­hippe Undercuts statt Springerstiefel und Glatze – die Identitären wollen nicht mit den Neonazis verwechselt werden. Auch wenn etliche aus ihren Reihen stammen. Offiziell distan­zieren sie sich von Gewalt. Sind sie gefährlich?» Innerer Leserkommentar: Wahrscheinlich, sie verstellen sich, sie «behaupten» nur.

«Gipfel der Verlogenheit»

Worin aber besteht die Gefahr? In der Ablehnung einer beliebigen und prinzipienlosen Multikulti-Gesellschaft, der die Kanzlerin selber 2003 eine entschiedene Abfuhr erteilte? In einer gar nicht mehr so schleichenden und von vielen Politikern geleugneten Islamisierung, nach dem Motto der Grünen Göring-Eckardt: «Uns werden Menschen geschenkt»? Oder ist es nicht doch eine Unverschämtheit, gegen die Identitären gleich die Nazikeule zu ziehen und den Verfassungsschutz zu mobilisieren? Angela Merkel, zumindest die von 2003, würde hier eindeutig bejahen.
Damals rief sie dem hingerissen applaudierenden Parteivolk zu: «Manche unserer Gegner können es sich nicht verkneifen, uns in der ­Zuwanderungsdiskussion in die rechtsex­treme Ecke zu rücken, nur weil wir im Zusammenhang mit Zuwanderung auf die Gefahr von Parallelgesellschaften aufmerksam machen.» Ach was?
Und sie fuhr fort: «Das, liebe Freunde, ist der Gipfel der Verlogenheit! Eine solche Scheinheiligkeit wird vor den Menschen wie ein Kartenhaus in sich zusammenbrechen. Deshalb werden wir auch weiter eine gere­gelte Steuerung und Begrenzung von Zuwanderung fordern!»
«Der Gipfel der Verlogenheit», der «Scheinheiligkeit»! Und nun? Die Drehung um 180 Grad ist wahrscheinlich die noch unverschämtere, weil arrogantere Haltung der Macht, ein willkürlicher politischer Scheinwerferschwenk, der es gar nicht mehr nötig hat, sich rational zu erklären, samt der Verdächtigungen und Schikanen gegen die Abtrünnigen von heute.
Aber immerhin: Die Identitären Wiens erinnern sich. Sie sind frei. Sie wildern. Sie sprengen Schablonen auf wie Eierschalen. Sie denken selbständig, ohne Angst vor der sozialen Ächtung als «rechts», das stets das «rechtspopulistisch» oder «rechtsradikal» oder eben den schlichten «Nazi» als Schatten mitführt und mittlerweile Berufsverbote und wirtschaftliche Erpressung und Boykottaufrufe gegen Anzeigenkunden nach sich ziehen kann nach dem Motto: «Kauft nicht bei Juden.»

Lesen Sie nächste Woche in Teil 2: Die wilden Identitären Wiens, die Land-Identitären Bayerns, die coolen Aktionisten Berlins – und die weise Einordnung der Szene bei einem ­Essen mit Romantik-Spezialist und Regierungskritiker ­Rüdiger Safranski.    Matthias Matussek

Yoseph Haddad teilt mit

„Ich kann nicht schweigen, ich muss mich äußern. Ich diente während der Zweiten Intifada in den Israelischen Verteidigungskräften (IDF). Das war eine schwierige Zeit. Ich war auch an Kontrollpunkten eingesetzt und habe Wache gestanden, Menschen verhaftet und im zweiten Libanonkrieg gedient. Als israelischer Araber und israelischer Soldat in der Golani-Brigade habe ich mit anderen Israelis zusammen gedient: Mit Juden mit den verschiedensten Hintergründen, mit Drusen und Beduinen. Wir waren alle gleichberechtigt, wir kämpften Seite an Seite als Brüder, und ich kann bezeugen, dass ich in der humansten und moralischsten Armee der Welt diente, in der die höchsten ethischen Standards und menschlichen Werte gelten. Die Israelischen Verteidigungskräfte sind in einer explosiven Region mit komplexen Herausforderungen und Notlagen konfrontiert, doch sind sie besonnen und stets bestrebt, menschliches Leben zu bewahren. Die Israelischen Streitkräfte scheuen keine Mühe, um Leben zu schützen und sicherzustellen, dass Unschuldige nicht zu Schaden kommen, selbst dann, wenn militärische Operationen dadurch verkompliziert werden.
Es mag Vorfälle gegeben haben, bei denen diese Standards nicht eingehalten wurden, doch handelte es sich dabei um Ausnahmen. Sie waren nicht die Norm und entsprachen nicht dem Kodex, der die IDF leitet. Sie sind für die Israelischen Verteidigungskräfte und den Staat Israel nicht repräsentativ. Ich bin stolz darauf, Kommandeuren gedient zu haben, die nicht nur einen besseren Soldaten, sondern auch einen besseren Menschen aus mir gemacht haben.“ (Yoseph Haddad: „It’s time I break my silence“)


Spread

Zwei Zahlen sagen alles: In Italien sind 33 Prozent der Jugendlichen arbeitslos, und 1,5 Millionen Italiener haben ihre Heimat verlassen, um anderswo ihren Lebensunterhalt zu suchen. Die neue Regierung in Italien ist zwar populistisch und oft degoutant – aber sie irrt sich trotzdem nicht. „Weiter so“ ist keine Option für Italien. Man muss die Wirtschaft ankurbeln.
Die italienische Regierung hat daher einen Haushalt aufgestellt, der ein moderates Defizit von 2,4 Prozent vorsieht. Doch selbst diese kleine Kreditaufnahme geht der EU-Kommission schon zu weit: Die italienischen Pläne seien eine „Provokation“. Sparen heißt das heilige Ziel; die italienische Not interessiert überhaupt nicht.
Es scheint also auf einen Machtkampf hinauszulaufen. Noch erweckt die italienische Regierung den Eindruck, als scheute sie die Konfrontation nicht, und posiert als David ­gegen Goliath. Doch wird auch diese Regierung am Ende kuschen, wie ihre diversen Vorgänger. Denn es gibt eine Knute namens „Spread“. Diese technische Vokabel kennt inzwischen jeder Italiener – und fürchtet sich davor. Gemeint ist der Risikoaufschlag, der für italienische Staatskredite fällig werden könnte.
Eurozone und EZB können jederzeit entscheiden, ob sie die Finanzmärkte von der Leine lassen – und eine Spekulation gegen Italien erlauben. Sobald aber die Zinsen für italienische Kredite steigen, droht die Staatspleite, während die Wirtschaft in die Krise stürzt. Italien ist also maximal erpressbar, was auch schon mehrfach genutzt wurde.
Doch sollte sich die Eurozone nicht zu sicher wähnen. Die meisten Italie­ner wissen, dass sie im Euro bisher nur verloren haben. Seit 1999 ist die italienische Wirtschaft in der Summe kaum gewachsen. Nur zum Vergleich: Deutschland kam im selben Zeitraum auf ein Plus von 31 Prozent. Es könnte also sein, dass die Italiener in naher Zukunft die Hoffnung ganz aufgeben und sich gegen den Euro entscheiden. Wenn die Eurozone auseinanderbricht, dann nicht wegen Griechenland – sondern wegen Italien.   Ulrike Herrmann

Mittwoch, 17. Oktober 2018

Lebendige Hosen






Raven's Wood




Mit diesem wunderbaren Stück begann einst meine Liebe für die Oboe.

Dienstag, 16. Oktober 2018

Grünkorea in der Münchner City



Wenn die steinreiche City von München mit 44% das neue Grünkorea Deutschlands ist, dann ist das mit der Kannibalisierung der "S"PD ebenso wenig zu erklären, wie das grundsätzlich weit überdurchschnittliche Abschneiden von Claudia Roths radikalegalitärer Ökosekte in ausgerechnet (read: nicht überraschend) den beiden reichsten Bundesländern der Republik.

Zum einen gibt sich eine Schulze oder ein Kretschmann betont unideologisch und habituell unlinks, vor allem aber hat man es mE mit einem Dekadenzphänomen zu tun: Grünwählen ist ein todschickes Haltungs-Accessoire, ein weltanschauliches "Veblen good", purer "Geltungskonsum" ("conspicuous consumption").

Unter Veblen Gütern versteht man in der Mikroökonomik, dass luxuriöse Produkte und Dienstleistungen anders als alle anderen umso stärker nachgefragt werden, je höher ihr Preis ist. Je absurdere, abgehobenere und oberflächlich ihren eigenen Interessen zuwiderlaufende Positionen die Grünen also vertreten, desto schicker wird es, sie zu wählen: "Schaut alle her, wieviel designerlinken Totalbullshit ich mir leisten kann, ohne dass es mir schaden würde".

Grüne sind auch nach wie vor jene Partei, zu der man sich am freimütigsten, ja stolzesten bekennt und deren Merchandising man dann als Taschen oder am Körper trägt - sowas hielt ich immer für das allergrößte Alarmsignal und man findet es auch bei quasi keiner anderen Partei, schon gar nicht bei von medialen Dressureliten verfemten Wahlvereinen.

Möge es diesen erheblich verwirrten Statussuchern, die heute morgen wieder mit dem X5 oder Tesla ihre überzüchteten Blagen in die Privatschule gefahren haben, so ergehen, wie den schwärmerischen Aristokratentöchtern im zaristischen Russland, die zuhause das Tafelsilber stahlen, um die revolutionären Bolschewiken (galten als "chic") zu finanzieren - Letztere stellten Erstere als (nichtsdestotrotz) Klassenfeinde in der russischen Revolution später als Erste an die Wand. Gut möglich, dass sie vor lauter unsicherem, egalitär angekränkeltem Selbsthass lachend und glücklich in den Tod gingen.





Sonntag, 14. Oktober 2018

Seit 1918 (oder seit 1517?)


"Die Aristokratie bringt Aphorismen hervor, die Demokratie Parolen" – diese Sentenz habe ich vor einigen Monaten hier zitiert. Abgewandelt könnte sie auch lauten: Der Reaktionär/der Rechte/der Freund der Meritokratie bringt Aphorismen hervor, der Progressist/der Linke/der Gleichheitsanbeter Parolen. Ich hatte diese Worte im Sinn, als ich zur Buchmesse fuhr, einer Veranstaltung die inzwischen vor Parolen nur so schwirrt; man darf sagen: Aus dem Autorenstrich ist eine Parolenmanufaktur geworden.

Auf der Fahrt las ich in der Sentenzensammlung "Kleines Handbuch für den Umgang mit Unwissen" des Nassim Nicholas Taleb (das Original trägt den Titel "The Bed of Procrustes. Philosophical and Practical Aphorisms"). Der aus dem Libanon stammende philosophierende Finanzmathematiker und Ex-Derivatehändler ist Verfasser von vielgelesenen bzw. -gekauften Sachbüchern wie "Der schwarze Schwan" oder "Antifragilität", und während belletristische Besteller immer unlesbar sind, kann sich unter die populären Sachbücher bisweilen ein schwarzer Schwan mischen. Um für mich zu klären, ob man Talebs Bücher lesen sollte, las ich also dessen Aphorismen, etwa:
"Der Narr hält sich selbst für einzigartig und die anderen für gewöhnlich; der Weise hält sich selbst für gewöhnlich und die anderen für einzigartig."
"Das Ziel der Sozialwissenschaft besteht darin, eine bestimmte Sorte Menschen zu erfinden, die wir verstehen können."
"Der Großartige glaubt die Hälfte dessen, was er hört, und das Doppelte dessen, was er sagt."
"Ich frage mich, ob mein ärgster Feind eifersüchtig würde, wenn er herausfände, dass ich einen anderen hasse."
"Wenn eine Frau über einen Mann sagt, er sei intelligent, meint sie häufig gutaussehend; wenn ein Mann über eine Frau sagt, sie sei dumm, meint er immer attraktiv."
"Kein Autor sollte als gescheitert angesehen werden, bevor er nicht angefangen hat, anderen das Schreiben beizubringen."
"Wenn Sie auch nur einen Grund dafür angeben können, mit einem anderen Menschen befreundet zu sein, dann sind Sie keine Freunde."
Das ist die Daseinsgestimmtheit der französischen Moralisten, jene angenehme Mischung aus Scharfblick, Arroganz, Unsentimentalität, Illusionslosigkeit und Urteilsvergnügen, die mich für einen Autor sofort einnimmt, erst recht, wenn er überdies noch gebildet ist. Talebs Meinung über einen Menschenschlag, den man heutzutage gewöhnlich als "Entscheider" bezeichnet, ist erfreulich dezidiert. Seine Fußnoten zu Gaunerfiguren wie Robert Rubin, Finanzminister unter Clinton, Obama-Berater und "möglicherweise der übelste Dieb in der Geschichte der Menschheit", weisen Taleb, der übrigens in New York lebt, als nicht sonderlich gefallsüchtig aus.
Passend zur Lage in Deutschland ist die Sentenz: "Seneca war der Meinung, der kluge Stoiker solle sein Engagement für das öffentliche Wohl einstellen, wenn man nicht auf ihn hört und das Staatswesen unwiderruflich korrumpiert ist. Es zeugt von größerer Weisheit zuzuwarten, bis es sich selbst zerstört."
(Frauke Petry – der eine oder andere mag sich ihrer erinnern – pflegte, bevor sie es selber tat, zu sagen: "Man muss seine Gegner ihre Fehler zu Ende machen lassen.")
Passend zur Buchmesse wiederum: "Vermeiden Sie unter allen Umständen verbale Drohungen, Klagen, Rechtfertigungen, Narrationen, Umformulierungen, Versuche, in Diskussionen die Oberhand zu behalten, Appelle – vermeiden Sie Wörter!"
Kurzum: Man soll ihn wohl lesen.


                                    ***


Den, wie gesagt wird: PR-Coup auf der Messe erzielte zweifellos Götz Kubitschek. In der Halle 4.1 hatte der im April 2018 gegründete Loci-Verlag des Zahnmediziners Thomas Veigel seinen Stand gebucht und dort stracks das Logo von "Antaios" enthüllt. Nun präsentierte Kubitschek dort seine Antaios-Bücher neben Loci-Buchattrappen. Unter Letzteren befand sich der Titel "Deutscher als ich geht eigentlich nicht", dessen fingierter Autor, der Pianist Kemal Yilmaz, versprochen hat, das Buch nachzuliefern. Von Yilmaz gab es am Stand immerhin eine Einspielung der Goldberg-Variationen zu kaufen, eben hat er Schuberts Impromptus aufgenommen, viel deutscher geht es in der Tat nicht. Wirklich entzückend waren die Kommentare zu diesem Streich, deren sogenannter Tenor ungefähr lautet: Wenn wir nicht so zwanghaft über rechte Verlage schrieben, würde nicht alle Welt über sie reden. Oder in den Worten eines Gottbegnadeten vom Tagesspiegel:
"Alle berichten drüber. Aber kann man das noch ernst nehmen? So tun, als verkaufe man seinen Verlag, nur um bei der Buchmesse dabei zu sein, und zwar wie sich das Götz Kubitschek vorstellt. Gute Güte, das ist Realsatire, über die man nicht mal wirklich lachen kann. Subversion für nichts."
Direkt neben dem Loci-Stand befand sich übrigens irgendein Verlag aus der ebenfalls erst vor kurzem gegründeten Kette #verlagegegenrechts. Einträglich hausten beide nebeneinander, wobei die drei Mädels zur Rechten des Götzenstandes samt ihrer Auslage erschütternd unbeachtet blieben (was zumindest eine der drei Maiden keineswegs verdient hatte), während daneben Trubel herrschte. Kopf hoch, Schwestern! Lieber unbeachtet auf der richtigen Seite als vielbeachtet auf dem Weg zur Hölle!

Nachtrag: Das Verlegerehepaar Ellen Kositza/ Götz Kubitschek ist gestern Abend in einem Lokal von Vermummten überfallen worden. Die Angreifer traten Kubitschek gegen den Kopf und schlugen auf seine Frau ein (mehr hier). Wenn man die beiden auf dem Wege der Ausgrenzug und Standortschikane nicht von der Buchmesse wegbekommt, dann müssen halt die bewährten SA-Methoden eingesetzt werden. Ich hoffe, dass beim nächstenmal ein paar von jenen Kerlen Wache halten, die jener Art von Angreifern unvergessliche Erlebnisse bescheren.


                                   ***


An einem anderen Stand erfahre ich, dass mein längerer Aufenthalt dortselbst am Vorabend wenig später zur Aufkündigung einer Freundschaft geführt habe. Irgendetwas Schlimmes nistet seit ca. 1918 (manche behaupten sogar seit 1517) in diesem armen Volk. Am Manuscriptum-Stand wiederum erzählt mir eine Dame, sie habe bei einer Buchvorstellung eine Frage zur ambivalenten Bewertung eines AfD-Politikers durch den Autor gestellt, die sie sofort dem Verdacht der Sympathie wenn nicht der Parteinahme ausgesetzt habe. Über bestimmte Themen und Personen sei schlechterdings keine Diskussion möglich. Abscheu und einschränkungslose Distanzierung gälten in einem oftmals durchaus gebildeten Milieu als die einzig angemessene Art, mit dergleichen Unholden umzugehen. Ich empfahl ihr, sich nicht zu ärgern, sondern bei nächster Gelegenheit lieber die Frage zu stellen, ob es nicht besser sei, man schlüge solche Kreaturen einfach umstandslos tot – und dann die abwehrenden Reaktionen der sich in ihren wonnigsten Phantasien ertappt fühlenden Wohlmeinenden zu beobachten.


                                    ***


Wer sich nicht von den Spaltern distanziert, hat in unserer Mitte keinen Platz!


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Apropos Buchmesse:
"Es ist unmöglich, heutzutage eine Putzfrau zu bekommen – alle schreiben."
(Leider nicht von mir, sondern von Paul Léautaud und schon vor knapp 70 Jahren geschrieben; wenn der wüsste!)


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Erst kamen die aktuellen Bolschewiken unter dem Etikett #wirsindmehr busladungsweise nach Chemnitz (in gewissem Sinne auch bußladungsweise, wobei Loges "Zur Buße gehört noch die Beute" hier andersherum gilt: Der Büßer büßt um der Beute willen), nun zogen sie unter dem Label #unteilbar durch Berlin, was insofern witzig ist, als tags zuvor gemeldet wurde, dass die Clans mit dem existenzveredelnden Hintergrund im Westteil der Stadt ganze Straßenzüge für sich reklamieren, und insofern noch eine Nuance witziger, als die Nachfolger der Mauerbauerpartei, die Genossen von SED-PDS-Linkspartei, halbwegs stramm vorneweg marschierten und, nehme ich doch mal an, ihre edlen Parolen gegen "rechts" in antiphonalen Chören vielstimmig zu Gehör brachten.
150.000 oder sogar mehr sollen es gewesen sein, was jemanden, der dem euphorischen Fackelzug der FDJ am Vorabend des letzten DDR-Geburtstages hospitierend beiwohnen durfte, nicht wirklich beeindruckt; einen noch viereinhalb Jahrzehnte tieferen Blick in den Brunnen der Vergangenheit verkneife ich mir heute. Es war eine der üblichen deutschen Staatsveranstaltungen, fast alle Organisationen, die zur Gesinnungsparade riefen, sind steuerfinanziert. Man demonstrierte zu Berlin übrigens nicht nur gegen "rechts", sondern auch für offene Grenzen, und manchmal frage ich mich, ob man denen nicht geben sollte, worum sie bitten, denn dann wären sie endlich, wie Leser *** notiert, "an ihrem eigentlichen Platz in der Nahrungskette" angelangt.
Dazu nochmals Taleb: "Der Schwache kann nicht gut sein; oder wenn vielleicht doch, dann nur innerhalb eines flächendeckenden, übergriffigen Rechtssystems."


                                       ***


Lesenswert Dushan Wegner dazu:
"Als hätten sie nichts aus der Geschichte gelernt, marschieren in Berlin wieder Menschen auf, unterhalten von Staatsfunk, eingeschworen von Journalisten mit 'Haltung' und aufgepeitscht von entsprechenden Künstlern. Stellen wir uns kurz vor, in einem andern Land würden Regierungspolitiker und Staatsfunk zu Großkundgebungen und Demonstrationen gegen Opposition und Regierungskritiker aufrufen – was für Worte würden wir für solche Aktionen wählen? 'Propaganda' vielleicht? 'Totalitarismus' gar? (...)
Ich war lange Zeit wütend und entsetzt, wie einfach es (wieder) ist, so viele Deutsche wie gehirngewaschene Schafe wirken zu lassen. Staatsfunk und gewisse Minister versuchen scheinbar nicht einmal, seriös oder demokratisch zu wirken. Der Tanker Deutschland steuert auf die Idiokratie zu und die Berliner Masse brüllt wieder: Hurra! Wir schaffen das! Wir sind mehr!" (Weiter hier.)


                                    ***


Pikant ist die Demo vor dem Hintergrund der immer breiteren Blutspur, die von willkommenskulturell Fellationierten durch dieses Land gezogen wird (aktuell hier oder hier oder hier). Frühere Gesellschaften opferten ihre Söhne und Töchter den Göttern, um sie gnädig zu stimmen; heutige westliche Gesellschaften opfern ihre Söhne und vor allem Töchter auf dem Altar der Willkommenskultur, um dem Zeitgeist zu dienen und den Zorn der Fremden zu stillen, wie unter anderem die Eltern von Maria Ladenburger gezeigt haben. Frühere Opferpraktiken waren entsetzlich rückschrittlich, und es gab weder RTL noch Pro7 für die symbolische Ersatzhandlung, heute sollte man einen Preis für das fortschrittlichste Menschenopfer ausloben. Den "Familie-***-Preis für integratives Märtyrertum" zum Beispiel, gestiftet vom Zentralinstitut für Teilhabe an der Akademie für kritische Weißseinsforschung (das reaktionäre Schreibprogramm schlägt "Weißweinforschung" vor). Dazu gibt es die Sawsan-Chebli-Ehren(mord)nadel oder die Göring-Eckardt-Medaille für tolerantes Verdrängtwerden.

So, und jetzat geh i wähl'n.    MK am 14. Oktober 2018


Nahles mit Arafat

Samstag, 13. Oktober 2018

So sehe ich das auch



Die Hegemonie des linksliberalen Diskurses ist leider noch lange nicht am Ende. Aber die Faschismuskeule wird endlich morsch.

Noch ist Bayern das Bollwerk des klugen Restbürgertums. Aber es ist auch der Ort, wo die Grünen die SPD als Partei der Traumtänzer abgelöst hat.

Seehofer ähnelt immer mehr Ottfried Fischer.

Grüne und AfD sind die Volksparteien der Zukunft bundesweit. Aber in Bayern wird die AfD nie richtig Fuß fassen, sondern immer nur als Opposition den Wagen lenken. Die CSU wird sich auch dann halten, wenn die CDU bundesweit in der dritten Reihe stehen wird. Aber sie wird zusammen mit den Freien Wählern als Zugtier fungieren. Die Richtung wird die AfD in Berlin vorgeben.






De weechen besiischen de hortn!



Bitte liebe Bayern, bitte verpasst dieser verlogenen Schlampe, die in Bayern an der Spitze der Grünen kandidiert, am Sonntag eine Lektion!









Jedem müsste doch inzwischen klar sein, dass „jene, die man nicht benennen darf“ jederzeit Vorfahrt im Straßenverkehr haben. Oder? Welcher Lump wagt, nicht respektvoll, mit gesenktem Haupt, Platz auf der Straße und dem Bürgersteig zu machen, wenn „jene, die man nicht mehr benennen darf“ von ihrem Wegerecht Gebrauch machen? Wer nicht hören will, muss fühlen.
Focus erwähnt daher in seiner überregionalen Berichterstattung auch nicht, dass der Radfahrer einen spezifischen ethnisch kulturellen Hintergrund hat. Denn es ist ja inzwischen sowieso klar, dass es sich in Fällen wie diesen um „jene, die man nicht benennen darf“ handelt.



Freitag, 12. Oktober 2018

Bilder lesen können müsste man




1. Wieso ist Herbert Grönemeyer als Heinz Rudolf Kunze verkleidet? Er trägt sogar eine Original-Heinz-Rudolf-Kunze-Maske. Ist das so ein Battle-Ding zwischen den beiden?
2. Der Song dient der Untermalung einer türkischen Hochzeit auf einem Schiff. Obwohl der Text insistiert, daß jeder eine zweite Heimat besäße, also die Türken zu Deutschland gehörten und irgendwie auch umgekehrt, und obwohl bei dieser Feier anscheinend nur moderne und intellektuelle Türken anwesend sind (Kopftuch = 0), ist außer Grönemeyer alias Kunze kein einziger Deutscher eingeladen. Heißt das, die Integration ist selbst bei denen gescheitert?
3. Die Braut schaut traurig drein. Wie es scheint, hat man sie zu dieser Heirat gezwungen, also Zwangsheirat. Doch dann emanzipiert sie sich schlagartig, nimmt ihren ganzen Mut zusammen und … nein, sie flieht nicht, sondern wird spontan lesbisch. Daraufhin wird der Brautvater schwul und küßt den Bräutigam innigst auf den Mund. Worauf dieser wiederum sich die Kleider vom Leib reißt und in einen ekstatischen Tanz verfällt. Was zur Folge hat, daß die ganze Hochzeit zu einem angedeuteten Gangbang ausartet. Ist das so türkischer Brauch?
4. Grönemeyer alias Kunze singt den Song zu Teilen auf Türkisch. Wieso aber hört sich das so an, als würde ein Ire die rumänische Nationalhymne singen?
5. Irgendwann kommt der obligatorische Rap-Break, der von einem Türken mit dem üblichen Isch-fick-deine-Mudda-Akzent angestimmt wird. Warum hat sich Grönemeyer alias Kunze für diese Einlage den schlechtesten Rapper Deutschlands ausgesucht? Ich meine, selbst wenn man persönlich von dieser Musikrichtung nichts hält, so muß man doch zugestehen, daß es in dieser Sparte wahre Könner und Meister gibt. Will Grönemeyer alias Kunze damit ausdrücken, daß das Kanaken-Geseire eh immer gleich ist?
6. Wieso springt die Braut am Ende des Videos mit ihrer Lesbenfreundin über Bord? War ihr zu heiß auf dem Kahn?
7. Warum schmeißt Grönemeyer alias Kunze den beiden einen Blumenstrauß hinterher ins Wasser? Soll das ein Wink mit dem Zaunpfahl sein, daß sie gefälligst heiraten sollen? Können sie nicht einfach so zusammen sein bzw. schwimmen?  

Donnerstag, 11. Oktober 2018

Öffentlicher Widerstand gegen die Schweigemauer des Studienräteklerus

Der stellvertretende AfD-Bundessprecher Georg Pazderski weist den Vorwurf von Justizministerin Barley, der AfD gehe es bei ihren Online-Meldeportalen „Neutrale Schule“ um organisierte Denunziation, aufs Schärfste zurück:
„Dass ausgerechnet die Bundesjustizministerin unsere sehr erfolgreich gestarteten Meldeportale ‚Neutrale Schulen´ als diktatorisches Mittel bezeichnet, ist vollkommen absurd. In Wahrheit sind die Online-Portale in Berlin, Brandenburg, Hamburg oder Niedersachsen unbedingt notwendig, weil in vielen Schulen von Lehrern nur noch ein einseitiges links-grünes Weltbild verbreitet und geduldet wird. Dieses undemokratische Meinungsklima gilt es zu durchbrechen. Lehrer, die mit ‚Fuck AfD´-T-Shirt unterrichten, haben in Schulen nichts zu suchen.
Durch unsere Portale wird zudem kein Lehrer an einen öffentlichen Pranger gestellt. Sie sind vielmehr eine Chance, Missstände nachhaltig zu beseitigen. Denn viele Eltern haben Angst, dass eine lehrerkritische Meldung bei der Schulleitung oder deren vorgesetzter Behörde Nachteile für ihr Kind nach sich zieht. Dieser höchst bedenkliche Umstand hat in der Tat diktatorische Züge, denen wir mit unseren Portalen entgegentreten. Unser Ziel ist, dass alle Lehrer politisch neutral, objektiv und ohne linke Schlagseite und ohne AfD-Hass unterrichten.“


Deutungshoheit Öffentlichkeit

Pazderski spinnt. Natürlich ist es organisierte Denunziation. Was denn sonst! Nur ist es keine Denunziation bei einem Diktator oder bei einer unabhängigen Behörde, sondern eine Form der Informationssammlung (ähnlich einer Petition), die - genau wie beim Kindsmissbrauch durch perverse Priester - leider nötig geworden ist, um den Indoktrinationssündern auf die Schliche zu kommen.

Marlehn Tieme und Angela Merkel

„Wir leben im Jahr 2050 in einer Welt, die keine (Staats)Grenzen mehr kennt ... Das traditionelle Bild der Familie gibt es nicht mehr. Die Menschen werden in großen 'Familiengemeinschaften' zusammen leben, ohne unbedingt verwandt zu sein ... die Ehe wurde abgeschafft."

Die Mitglieder des "Rates für Nachhaltige Entwicklung" (RNE) werden für drei Jahre von der Bundeskanzlerin berufen. Es handelt sich dabei um 15 Personen, die aus den Bereichen Wirtschaft, Umweltschutz, Landwirtschaft, Sozialpolitik, Wissenschaft, Entwicklungszusammenarbeit, Gewerkschaften und Kirche kommen.
Vorsitzende ist derzeit Marlehn Thieme. Außerhalb dieses Amtes ist sie Mitglied des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland und Vorsitzende des ZDF-Fernsehrates. Dreimal darf sie raten! 

Seit 2001 hält der RNE regelmäßig Jahreskonferenzen ab. Merkels Vorstellung von Paradies wird beim RNE zum Projekt. An ihn hat Merkel ihre Visionen delegiert. Sie hat das vom RNE verfasste Buch expressis verbis empfohlen. Offenbar hält sie diese Entwürfe zur Verwirklichung des von Yoko Ono ausgekochten Alptraums für hilfreich (im Gegensatz zu Sarrazins Büchern, die sie ungelesen als nicht hilfreich einstuft).

Zukunft






Mittwoch, 10. Oktober 2018

Köstlich

Ehrlich, wer hier nicht laut lachen muss, der geht zum Lachen in den Keller. Dieser Götz Kubitschek aus Schnellroda mag ja sein, was er will, auf jeden Fall ist er eines ganz sicher: Einer, dem es erneut gelungen zu sein scheint – wie schon in Leipzig, so auch in Frankfurt – auf der Buchmesse eine der am lautesten nachhallenden Nachrichten zu setzen. Eine konspirative Energie und überschäumende Kreativität des gerne Vordenker der neuen Rechten genannten Verlegers werden ihm nach Buchmesse jedenfalls schwer streitig zu machen sein. (weiter hier)

Das geschieht Justus Bender recht. Dieser manipulationsgeile, halbgebildete, denunziatorische Grünschnabel.


Kubitschek äußert sich zu seiner Köpenickiade hier.



In der nordischen Mythologie ist Loki der Gott der List und des Schabernacks. Berühmt für seine Streiche vermag er in die unterschiedlichsten Rollen zu schlüpfen und die Gestalt zu wechseln – kurz: Er ist ein Trickser. Auf der diesjährigen Frankfurter Buchmesse hat Loki erneut seine gewitzte Wandlungsfähigkeit unter Beweis gestellt. Er hat das „k“ in seinem Namen durch ein „c“ getauscht und sorgt in der Rolle eines Zahnarzts für mißmutiges Zähneknirschen auf der einen und Erheiterung auf der anderen Seite.
Dabei war es eigentlich die Frankfurter Buchmesse, die als schlauer Fuchs einigen unliebsamen Verlagen die lange Nase zeigen wollte. Zu groß war offenbar der Frust darüber, daß sich im Jahr zuvor ein großangelegtes Manöver als peinlicher Schuß ins Knie entpuppt hatte.
Messeleitung und Buchhandel wollten Flagge zeigen gegen einige rechte Verlage, darunter auch die Wochenzeitung JUNGE FREIHEIT und der Verlag Antaios von Götz Kubitschek aus Schnellroda. Doch die entfachten Protesten brachten nicht den gewünschten Effekt. Im Gegenteil: Sie verschafften den unliebsamen Verlagen eine solche Aufmerksamkeit, daß diese am Ende die Messe zu dominieren schienen.

Wütend zürnte im Anschluß der griesgrämige Zwerg Amadeu und warnte, ein solches Desaster dürfe sich nicht noch einmal wiederholen. In den dunklen Wintermonaten heckten sie daher ein finsterer Plan aus: Als vermeintlicher Hort der Freiheit würde man auch in diesem Jahr allen Austellern – ganz gleich welcher politischen Couleur – den Zutritt zur Bücherveste gewähren.
Den vermaledeiten Verlagen, die im Vorjahr unfreiwillig das Spektakel bestimmt hatten, sollte dabei jedoch ein ganz besonderer Platz zugewiesen werden: der des Aussätzigen. Im Nirwana, abseits der heiteren Lichter und des bunten Zaubers, würde sich niemand für ihre Waren interessieren.
Und der Plan schien aufzugehen: Zufrieden zwinkerten sich der Messe-Fuchs und der Amadeu-Zwerg zu, als der Antaios-Verlag verkündete, er habe kein Interesse an dem ihm zugewiesenen Katzentisch und werde dem Spektakel fernbleiben.
Ein Sieg auf ganzer Linie, so glaubten sie. Doch dieser Zahn sollte ihnen schon bald gezogen werden. Denn als die Zeit der Anmeldung kam, stand auch ein kleiner unbekannter Verlag namens Loci vor der Pforte. Sein Besitzer, ein Zahnheiler aus dem Süden, hatte seine Liebe zu den Büchern entdeckt und bat um einen Stand.

Gern nahm man seine Thaler und wies ihm einen Platz in Mitten des Marktes zu – unweit jenes Standes, dessen Wappentier einst als scharfe Pantherpranke für Furore gesorgt hatte, nun aber, in die Jahre gekommen, satt und zufrieden seine krallenlose Tatze leckte.
Am Abend vor Beginn der großen Bücherschau war alles bereit. Sogar der weißhaarige König hatte sein Kommen für den nächsten Tag angekündigt, da vermeldete der Stadtschreiber, der Besitzer des Antaios-Verlages Götz Kubitschek, werde sich künftig anderen Aufgaben widmen. Seine Büchergilde habe er verkauft. An wen, das wußte auch der Stadtschreiber nicht. Nur daß es ein Neuling sei. Mehr aber könne auch er nicht sagen.
Um so größer war am nächsten Tag die Überraschung, als die Bücherburg ihre Tore öffnete und am Loci-Stand ein Loki stand. Zwar fand sich dort auch der Zahnheiler, doch um seinen Äskulapstab wand sich nicht die berühmte Natter. Statt dessen blitzte dem überraschten Publikum verschmitzt die Antaios-Schlange entgegen.

Der deutsche Michel im 21. Jahrhundert

Der Verlust ganzer Herden durch einzelne Wölfe ist auch durch fehlende Instinkte verursacht. Statt beim Anblick eines Wolfes das Heil in der Flucht zu suchen - und dadurch den größten Teil der Herde zu retten -, würden heutige Schafe einfach auf den Wolf zulaufen, weil sie außer Hirtenhunden gar nichts anderes mehr kennen. Ein Hirtenhund aber bedeutet Futter. Was der Wolf unter Futter versteht, das verstehen die Schafe dann erst, wenn es zu spät ist. Tiervergleiche mit dem Menschen verbieten sich natürlich von selbst...

Goldener Oktober

Chrysodeixis chalcites


Noch inniger beplärrte die Wahrheits- und Qualitätspresse mit freundlicher Unterstützung einiger staatsfrommer jüdischer Funktionäre (oder, was die Unterstützung angeht, umgekehrt) die Gründung der Gruppe "Juden in der AfD", die sich frecher- bzw. unverständlicherweise auch noch ohne Anweisung von oben, wie das in echten demokratischen Parteien üblich ist, sondern auf eigene Faust konstituierte.
Die Maßlosigkeit der Beschimpfungen erweckte den Anschein, diesmal sei den Brüdern und Schwestern der ganze Planet auf die Hühneraugen getreten. Mit der AfD habe zum ersten Mal eine Partei den Einzug in den Bundestag geschafft, "deren Programm sich zusammenfassen lässt mit den Worten: 'Juden raus'", phantasierte Charlotte Knobloch im Spiegel und bekundete damit immerhin ihre erschütternde Unkenntnis des AfD-Programms. Alfred Jacoby, der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde in Offenbach und augenscheinlich eine der hellsten Kerzen auf der Menora, wurde in einem Interview gefagt:
"Zuerst sollte die Gründung der JAfD ja in Offenbach stattfinden. Jetzt trifft sich die Partei am Sonntag in Wiesbaden. Wie finden Sie das?"
Worauf er mit den geflügelten und sogar gefinkelten Worten antwortete:
"Ich finde, dass wir uns die Stinktiere gut vom Hals gehalten haben."

Ich überlasse es Ihrem Geschmacksurteil, geneigter Leser, ob Sie es als ein Zeichen von Normalität werten, dass sich nun auch unter jüdischen Funktionären die Nazimentalität auf die Suche nach neuerdings sogar jüdischen Nazis begibt. Für unsere Linksfaschisten ist das natürlich ein Fest: ein legaler Judenboykott!
Warum der (jüdische) Wirt in Offenbach, bei dem die Veranstaltung ursprünglich stattfinden sollte, aufgegeben hat, kann sich jeder denken, der mit den Erpressungs- und Bedrohungsgepflogenheiten im besten Deutschland aller Zeiten halbwegs vertraut ist; dass auch die Wiesbadener Zusammenkunft verspätet begann, hatte bloß mit einer Bombendrohung und einem allzu pedantischen Polizeisuchhund zu tun. Bei der gleichwohl erfreulich gut besuchten Pressekonferenz wurde den Medienschaffenden schnell klar, dass sie zu den üblichen Distanzierungstänzchen, wie sie ein biodeutsch besetztes Podium wahrscheinlich hingelegt hätte, nicht länger aufzufordern brauchten; die Juden auf dem Podium ließen sich einfach nicht bitten.

Dass die AfD von allen Parteien die israelfreundlichste sei bzw. dies immerhin simuliere, musste sogar Bild eingestehen. Diese Antisemiten arbeiten mit allen Tricks. Sie engagierten sogar zwei Künstler, die auf Pianoforte und Cello das "Kol Nidre" darboten, bevor eine besonders zwielichtige Figur die Bühne betrat und folgende hetzerische Rede hielt:

"Meine Damen und Herren, ein alter jüdischer Witz, der in verschiedenen Versionen erzählt wird, geht so: Im New Yorker Central Park sitzt ein Schwarzer auf einer Bank und liest die Jerusalem Post. Ein Jude kommt vorbei und fragt ihn: 'Neger zu sein genügt Ihnen wohl nicht?'
Wenn ich in diese Runde schaue, kann ich mir die Frage nicht verkneifen: Jude sein genügt Ihnen wohl nicht?
Wenn sich jetzt Juden auf die Seite der AfD schlagen, ist das natürlich ein Fest für linke Antisemiten. Gönnen wir ihnen die geifernde Lust. Man muss nur das etwas unappetitliche Gedankenexperiment anstellen und sich vorstellen, um wieviel gebremster die öffentliche Empörung ausgefallen wären, wenn sich eine Gruppe 'Juden in der Antifa' gegründet hätte.
Etwas enttäuschender, wenngleich ähnlich erwartbar, waren die Reaktionen des offiziellen Judentums. Bedauerlicherweise scheinen sich viele Juden in Deutschland mit zwei sehr deutschen Stilmitteln angefreundet zu haben: dem Gleichschritt und dem Maulkorb. Insofern ist es zu begrüßen, dass Sie, meine Damen und Herren, aus der Reihe scheren und eine alte Regel wieder in Kraft setzen, welche ungefähr lautet: fünf Deutsche – eine Meinung, fünf Juden – zehn Meinungen.
Wir müssen nicht lange drumherum reden, das Hauptmotiv für Juden, der AfD beizutreten, ist die Förderung der Masseneinwanderung von überwiegend Muslimen durch sämtliche anderen Parteien. Ob nun in unbegrenzter Zahl, wie Linke und Grüne fordern, oder in jährlichen Kontingenten, wie es der Koalition vorschwebt, Deutschland wird die muslimische Judenfeindschaft auch künftig großzügig importieren.
Deutschlands Offenheit für diese Masseneinwanderung – die vermeintlichen oder tatsächlichen Flüchtlinge sollen ja nicht wie Flüchtlinge behandelt werden, sondern definitiv hierbleiben, und das nur als Vorhut für kommende Einwandererkohorten –, Deutschlands Offenheit für Einwanderer hängt psychostruktuerell eng mit der Schoa zusammen. Dieses Land will sühnen, genauer: seine Funktionseliten wollen sühnen, was wiederum heißt: sie wollen die anderen Deutschen sühnen lassen – und selber zwischen Sektempfang und Golfturnier Resolutionen unterzeichnen. In der sogenannten Willkommenskultur hat die rituelle Sühne eine neue Qualität erreicht. Ein Land, das keine Grenzen mehr kennt, ist ein Land, das von der Karte verschwinden will. Wer nicht mitverschwinden möchte, sieht sich heute zur politischen Entscheidung geradezu genötigt.
Die Deutschen sind ein seelisch labiles Volk, sie neigen zu Fundamentalismus, Irrationalismus und kollektiver Hysterie. Nachdem sie Hitler hinterhergelaufen sind und die halbe Welt mit Krieg und Mord überzogen haben, wollen sie heute die halbe Welt bei sich aufnehmen. Es ist nicht allein der Wunsch nach Wiedergutmachung der NS-Verbrechen, der die deutschen Grenzen wie Wunden offenhält, es kommt noch ein Phänomen hinzu, das man speziell auch in Schweden studieren kann: ein Protestantismus, der nicht mehr an Gott glaubt und seinen Zerknirschungsfuror innerweltlich ausleben muss. Beiden Buß- und Sühnegemeinschaften gemeinsam ist die über sie verhängte ewige Unerlöstheit.
Was hierzulande zu der bemerkenswerten Pikanterie oder doch besser politischen Perversion führt, dass Deutschland den Judenmord sühnt, indem es Scharen von Judenfeinden willkommen heißt. Das ist sehr 'tief', sehr deutsch, sehr krank, und Sie als Juden bekommen damit zunehmend ein Problem. Zum deutschen psychopolitischen Dachschaden gehört, dass die einzige Partei, die gegen diese Entwicklung protestiert, von den Medien und der politischen Konkurrenz zu einer Art NSDAP light umgelogen wird.
Meine Damen und Herrn, der Historiker Michael Wolffsohn, den ich hier zitiere, weil er zu den zurechnungsfähigen Gegnern dieser Gründung gehört, hat vor kurzem der Neuen Zürcher Zeitung gesagt: 'Der gewalttätige Antisemitismus kommt heute nicht von rechts, auch wenn die irreführenden Statistiken etwas anderes sagen. Wenn ich mich in meinem jüdischen Bekanntenkreis umhöre, dann sagen alle das Gleiche: Gewalt gegen Juden geht ausschließlich von Muslimen aus.'
Und die Kanzlerin, die für diese Entwicklung verantwortlich ist, besucht am deutschen Nationalfeiertag Israel und tags darauf Yad Vashem. Verstehen Sie, was ich mit politisch pervers meine? Die populärsten Juden in Deutschland sind, um eine Sottise von Alexander Wendt zu zitieren, Herr und Frau Stolperstein.
Derselbe Michael Wolffsohn schrieb ein paar Wochen später in derselben Zeitung: 'Judenfeindschaft verdammen und gleichzeitig möglichen Judenfeinden Tür und Tor zu öffnen, ist bestenfalls naiv. Frankreich bekämpft die antijüdische Gewalt von Muslimen ebenfalls erfolglos. Wen wundert es daher, dass rund 30 Prozent der Juden Frankreichs jüngst die rechtsextreme Marine Le Pen wählten oder eine Mini-Minderheit deutscher Juden zur AfD wandert?' Dass sich Juden für die AfD oder Le Pen entscheiden, so Wolffsohn, sei 'analytisch erklärbar, aber moralisch und politisch falsch'.

Was für ein Eiertanz. Analytisch erklärbar, aber politisch falsch? Was wäre denn politisch richtig bzw. korrekt?
Sich lieber für die linken und grünen Israelboykotteure und Masseneinwanderungs-Propagandisten zu entscheiden? Oder für die SPD, deren einer Außenminister, Herr Gabriel, Israel einen Apartheidstaat nannte, während der nächste, Herr Maas, verkündet, er sei wegen Auschwitz in die Politik gegangen – darunter macht es dieser Schneidsimulant nicht –, aber zugleich den Saudis in den Allerwertesten kriecht, also den Hauptfinanziers der weltweiten Verbreitung des Islam und damit des muslimischen Antisemitismus? Oder sollten Juden am besten gleich der größte Antisemiten-Importspedition der deutschen Nachkriegsgeschichte beitreten, der Merkel-CDU?
Meine Damen und Herren, es liegt eine unglaubliche Verlogenheit darin, die Muslime zu den 'Juden von heute' zu erklären, was Narren wie Herr Benz und Interessenvertreter wie Herr Mazyek bekanntlich tun.
Ich meine dabei nicht einmal die krasse Verschiedenheit der beiden Bevölkerungsgruppen hinsichtlich ihrer Zahl, ihrer Bildung, ihrer Erwerbsgeneigtheit, Kriminalitätsbilanz, Wissenschaftler-, Künstler-, Professoren- und Nobelpreisträgerdichte. Ich meine auch nicht den radikalen Mentalitätswandel bei den Deutschen nach 1945, die nur noch Sozialpartner und Betreuungskollektive kennen wollten. Worauf ich hinauswill, ist vielmehr die simple Tatsache, dass ein zügig vergreisendes, bereits jetzt bei einem Durchschnittsalter nahe der Fünfzig angelangtes Volk, in dessen vitaler Alterskohorte der fünfzehn- bis dreißigjährigen Männer gerade mal um die acht Millionen übriggeblieben sind, von denen wiederum ungefähr ein Drittel bereits einen sogenannten Migrationshintergrund hat, dass ein solches Volk sich unmöglich je zu irgendwelchen kollektiven Schandtaten anspornen lassen wird, schon gar nicht gegen eine Minderheit, die in den letzten drei Jahren um etwa eine Million meist junge Männer gewachsen ist und heute bereits, schlösse sie sich zusammen, ein zahlenmäßig nahezu ebenbürtiges Kämpferkontingent in der besagten Alterskohorte aufstellen könnte. Tendenziell nimmt die eine Gruppe ab, die andere zu. Tendenziell wächst die Bedrohung der einen Gruppe durch die andere, wie das heute bereits in diversen Stadteilen, Schulen und öffentlichen Verkehrsmitteln der Fall ist.
Diejenigen, die 1933 anfingen, den Stacheldraht auszurollen und bei Juden die Scheiben einzuschmeißen, waren junge Männer, der Nationalsozialismus war eine Jugendbewegung, wie auch der Bolschewismus oder der Maoismus Jugendbewegungen waren – und der radikale Islam eine ist. Keine Ideologie ohne Biologie.
'Erkenne die Lage!', heißt die erste aller politischen Maximen. Von wem geht eine Bedrohung aus und von wem eher nicht? Sie, meine Damen und Herren, haben die Lage augenscheinlich erkannt.
Das führt uns zu der Frage, warum Israel in Deutschland keinen sonderlich guten Leumund genießt, auch wenn die Kanzlerin verkündet, die Bundeswehr werde mit all ihren fahrtüchtigen Panzern und flugfähigen Kampfhubschraubern für die Existenz des Judenstaates einstehen. Beim tonangebenden linken Milieu, bei den Akrobaten der Israel-Anklage, handelt es sich um Leute, die der Meinung sind, die deutsche Vergangenheit 'aufgearbeitet' zu haben, und die sich überhaupt moralisch vorbildlich fühlen. In diesem Milieu wird Israel sozusagen als 'rechter' Staat wahrgenommen. Dass die Israelis immer noch wie ein Volk agieren, das Wohlergehen der eigenen Landsleute wichtiger nehmen als das fremder Minderheiten und ihr Territorium rustikal verteidigen, widerspricht all den Buntheits­, Multikulti­, Teilhabe­ und Diversity-Vorstellungen der hiesigen Wortführer. In diesem Kontext gehört Israelkritik paradoxerweise zum staatsreligiösen deutschen 'Kampf gegen rechts', auch wenn man gerade den Rechten vorwirft, heimlich oder offen antisemitisch zu sein. Die deutschen Progressisten erwarteten von Israel, es möge sich die pazifizierte, auch gegen ihre Feinde tolerante, auf eigene Souveränität und Verteidigung weitgehend verzichtende, Selbsterhaltung für Rassismus haltende Bundesrepublik zum Vorbild nehmen. Nur wäre Israel, wenn es sich wie das heutige Deutschland aufführte, übermorgen von der Landkarte verschwunden.
Meine Damen und Herren, lassen Sie sich nicht kirre machen von Leuten, die Ihnen einreden wollen, die AfD sei eine Antisemiten-Partei. Wenn die AfD antisemitisch wäre, stünde ich nicht hier. Wir sind Populisten, das heißt: Wir wenden uns gegen ein Establishment, das in seinem globalistischen Amoklauf alles aufs Spiel setzt, was dieses Land lebenswert macht: den Rechtsstaat, die öffentliche Sicherheit, die Meinungs- und Religionsfreiheit, die Gleichberechtigung der Frau, die Bildungsstandards an den Schulen und Universitäten, überhaupt unsere Art zu leben.
Die Linke hat nach dem Zusammenbruch des Dritten Reichs die Chance erkannt, die darin bestand, die Nazis zu Rechten zu deklarieren und die Juden als Verbündete im 'Kampf gegen rechts' zu gewinnen. Inzwischen haben sowohl die Linken als auch die von Frau Merkel zur Partei ohne Eigenschaften umgekrempelte Union die Solidarität mit dem Judentum aufgekündigt. Der deutsche Zeitgeist wird von Feiglingen gemacht, und diese Leute lassen derzeit jedes ihrer einstigen Hätschelkollektive fallen. Gewalt gegen Frauen, Unterdrückung von Frauen, das war noch vor zehn Jahren ein deutsches Sakrileg. Heute gilt beides, von den Richtigen ausgeübt, als Folklore und Kollateralschaden der Gesellschaftsverbuntung. Gewalt gegen Schwule? Dasselbe. Gewalt gegen Juden? Wenn man sie nicht den Rechten in die Schuhe schieben kann, kein Thema mehr.
Meine Damen und Herren, Juden in der AfD, das ist nichts weiter als die Herstellung von Normalität. Normalität heißt, dass Juden zu sämtlichen politischen Lagern gehören.
Ich gestatte mir, Karl Kraus zu zitieren:
'Wo Leben sie der Lüge unterjochten,
war ich Revolutionär.
Wo gegen die Natur sie auf Normen pochten,
war ich Revolutionär.
Mit lebendig Leidendem hab ich gelitten.
Wo Freiheit sie für Phrase nutzten,
war ich Reaktionär.
Wo Kunst sie mit ihrem Können beschmutzten,
war ich Reaktionär.
Und bin bis zum Ursprung zurückgeschritten.'
Man wüsste doch gern, was Otto Weininger zu 'Gender' sagen würde, Egon Friedell zum letzten deutschen Historikertag, Karl Kraus zur deutschen Lückenpresse, Rudolf Borchardt zu deutschen Bestsellerlisten, Jacob Taubes zur Theologie des Islam. Aber das ist ein anderes Thema. Freuen wir uns fürs erste, dass der jüdische Geist nun auch in die einzige Oppositionspartei einzieht.
Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit."   MK am 8. bzw. 7. Oktober 2018






Dass der Rabbiner von Wiesbaden Zweifel an Dimitri Schulzens Judentum hat, hat nichts mit Intoleranz zu tun, sondern damit, dass die Juden nicht missionieren und die Zugehörigkeit respektive Aufnahme zum Judentum von strengen, jahrtausendealten Regeln bestimmt wird. Außerdem wäre ein gefinkelter Jude, der eine womöglich gefinkelte Judengruppe in der AfD gründet, eine Schmach für die AfD und für die Juden. Da muss man schon genau hinsehen.






Stolz auf ihren Sohn, besuchen die Eltern von Leo Trotzki den Kreml. Fragen den Sohn nach den Anwesenden. Der Blick fällt auf Lawrent Beria. „Is dos a Jid?" Trotzki: „Ja, dos is a Jid“. Es geht reihum. Schließlich kommt Lenin an die Reihe. „Is dos a Jid?". Trotzki: „Nein, aber auf den läuft die Firma“.

Ein herzliches Shalom liebe AfD- Wähler, Sympathisanten, Mitglieder...liebe Freunde.
Wir sind überwältigt!
Die Gründung der Bundesvereinigung: 'Juden in der AfD' ist wenige Tage her, doch der Zuspruch übertrifft alles Denkbare. Duzende Schreiben erreichen uns täglich, von Danksagungen, mut-machenden Worten bis hin zur Beitrittserklärung des/der Ein- oder Anderen.
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Wir möchten Ihnen allen von Herzen Danken - jedem Einzelnen von Ihnen.
Wir wissen um die Kontroverse in den Mainstream-Medien, doch lassen Sie sich davon nicht beeinflussen. Ihr Zuspruch zeigt uns, wie wichtig es war, unsere Vereinigung zu gründen.
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Im heutigen Deutschland, in dem wieder das Recht des Stärkeren gilt, in dem Aufrichtigkeit & Courage kaum noch existent ist und Fairness & Meinungsfreiheit mit Füßen getreten wird, ist es umso wichtiger, für die Ideale die einst den Horizont schmückten, einzustehen und dafür zu kämpfen!
Deutschland ist unsere Heimat, viele von uns gingen hier in den Kindergarten, zur Schule, genossen unsere Freiheit und sind in diesem wundervollen Land groß geworden.
Doch vieles davon war einmal.
In einer Zeit, in der Jüdische Gläubige ihr religiöses Symbol, die Kippa, nicht mehr offen tragen können, aus Angst vor verbalen und körperlichen Angriffen in der Öffentlichkeit, ist es höchste Zeit, die Notbremse zu ziehen.
Ich frage Sie ganz persönlich: Wo war der Aufschrei, als ein junger, zumindest augenscheinlicher Jude in Berlin mit einem Gürtel angegriffen und geschlagen wurde?
Wo waren die Lichterketten, als Deutsche Opfer von Gewalttaten wurden. Die Schreie und Stimmen all jener verstummen und werden nicht gehört -
außer von uns.
Der Alternative für Deutschland.
Wir möchten all jenen eine Stimme geben, die so nicht mehr leben möchten. Jungen Frauen die Angst haben, alleine in den Park zu gehen - sich ohne Pfefferspray nicht mehr auf die Straße trauen. Rentner, die selbst im eigenen Haus nicht mehr sicher sind.
Und Juden, die von radikalen Muslimen angegriffen, bespuckt und beleidigt werden.
Wir freuen uns eine Partei gefunden zu haben, in der wir unseren Glauben ausleben, unser Herz für Israel und Deutschland Ausdruck verleihen können und über den Rückhalt, den Sie uns geben. Dafür danken wir Ihnen von ganzem Herzen!
Helfen Sie uns, unser Land, nicht nur für uns Juden - für alle, wieder sicher zu machen!
-
Sie mögen über uns spotten, sie mögen über uns hetzen, sie mögen uns diffamieren - doch unseren Glauben können sie uns nicht nehmen. Niemals!
Im Herzen Jüdisch.
Im Herzen Deutsch - Im Gedanken vereint.
Shalom Aleijem, Marvin - Ihr JAfD Team -

Die Dummheit unserer Medien strebt unaufhaltsam ihrem endgültigen Höhepunkt zu

Die immer neuen Perfidien des hiesigen Gesinnungsbetriebs frappieren allmählich sogar mich. Der Tagesspiegel hält es für geboten, zwei twitternde Hochbegabte zum Gegenstand eines Artikels zu machen, der unterstellen will, Alexander Gaulands Gastbeitrag in der FAZ lehne sich passagenweise an eine Hitlerrede aus dem Jahr 1933 an. Während einer der beiden Twitterer in Anonymität verharrt, tritt Jonas Mueller-Töwe, Redakteur beim so genannten "Nachrichtenportal" t-online.de, im vollen Wichs an die Öffentlichkeit und statuiert, "die Struktur des Arguments und der Aufbau der Textpassage" bei Gauland ähnelten auffällig Hitlers Rede. Das passe zur AfD-Strategie des kalkulierten Tabubruchs, die Partei richte sich mit solchen Codes an für die Botschaften empfängliche Zielgruppen. Ich dachte gestern beim Statement von Wolfgang Gedeon zur Gründung der "Juden in der AfD" dasselbe wie bei der Lektüre dieses Tweets: Ein geschlossenes Weltbild muss zuweilen durchaus eine Wonne sein. Mit Luhmanns Worten: "Die Unterstellung von Absichten erleichtert die Perspektive des Beobachters."

Das Führerzitat, um welches es geht, lautet:
"Es ist eine wurzellose internationale Clique, die die Völker gegeneinanderhetzt. Es sind das die Menschen, die überall und nirgendwo zu Hause sind, die nirgends einen Boden haben, auf dem sie gewachsen sind, sondern die heute in Berlin leben, morgen in Brüssel sein können, übermorgen in Paris und dann wieder in Prag oder in Wien oder in London, und die sich überall zu Hause fühlen.  Sie können überall ihre Geschäfte tätigen, aber das Volk kann ihnen nicht nachfolgen, das Volk ist ja doch gekettet an seinen Boden, ist gebunden an seine Heimat, ist gebunden an die Lebensmöglichkeiten seines Staates, der Nation."
Wen Hitler mit "wurzelloser internationaler Clique" meint, dürfte klar sein (und die "Juden"-Zwischenrufe aus dem Publikum zeigen, dass er verstanden wurde). Wer hier Parallelen zu Gaulands Text entdeckt, muss sich schon fragen lassen, ob er noch bei Sinnen ist. Davon abgesehen spricht der AfD-Vorsitzende von keiner Clique, die Völker gegeneinanderhetzt, sondern von einer neuen sozialen Klasse und einer gesellschaftlichen Interessensspaltung in Globalisten und Partikularisten, die wir exemplarisch in den USA, aber auch in allen anderen westlichen Ländern beobachten können. Während die Universalisten von der One World und der Auflösung der Nationen keineswegs nur träumen, sondern beides ins Werk setzen, haben die Partikularisten daran kein Interesse, weil sie an ihrer Heimat hängen. Gauland spricht keiner der beiden Gruppen die Legitimität ab (wie es ihm gegenüber mit der Fingierung eines Hitler-Kryptozitats niederträchtig versucht wird), aber er erklärt, dass die Globalisten mehr aufs Spiel setzen und damit den Populismus hervorgerufen haben. Das ist eine These, über die nachzudenken offenbar einigen Leuten schwerer fällt, als sie zu denunzieren.

Gauland hat diesen Gedanken übrigens in einer Rede schon einmal ausführlicher dargelegt, und von den vermeintlichen Parallelen zu Merkels Amtsvorgänger dürfte selbst für unsere semantischen Okkultisten wenig übrig bleiben; wer sich überzeugen will, bitte (ab 6,30).

Historische Großtrends wie die Globalisierung haben eine lange Vorgeschichte. Niemand kann sagen, wann genau sie begonnen hat. Aber damit, dass ein Beobachter im Jahr 1933 die Embryonalform dieses Prozesses beschreiben würde, aus welcher Perspektive auch immer, war zu rechnen. Im Übrigen gibt es reihenweise Texte vor der besagten Hitlerrede, in denen ähnliche Gedanken geäußert wurden. Thomas Mann stellte in seinen "Betrachtungen eines Unpolitischen" (1918) bekanntlich die partikularistische deutsche "Kultur" der universalistischen westlichen "Zivilisation" gegenüber, eine Dichotomie, die damals Gemeingut war. In seinem Essay "Preußentum und Sozialismus" (1919) statuierte Oswald Spengler wiederum zwei konkurrierende "Wirtschaftsprinzipien": das preußische "Eigentum als Auftrag der Allgemeinheit" gegen das angelsächsischen "Eigentum als private Beute", bildlich gesprochen: Ordensritter gegen Seefahrer resp. Piraten; also auch hier wieder: partikular gegen universal.

Aber wir können auch 170 Jahre zurückgehen und bei Marx und Engels nachlesen:
"Unsere Epoche, die Epoche der Bourgeoisie, zeichnet sich jedoch dadurch aus, daß sie die Klassengegensätze vereinfacht hat. Die ganze Gesellschaft spaltet sich mehr und mehr in zwei große feindliche Lager, in zwei große, einander direkt gegenüberstehende Klassen: Bourgeoisie und Proletariat. (…)
Alle festen eingerosteten Verhältnisse mit ihrem Gefolge von altehrwürdigen Vorstellungen und Anschauungen werden aufgelöst, alle neugebildeten veralten, ehe sie verknöchern können. Alles Ständische und Stehende verdampft, alles Heilige wird entweiht (…)
Das Bedürfnis nach einem stets ausgedehnteren Absatz für ihre Produkte jagt die Bourgeoisie über die ganze Erdkugel. Überall muß sie sich einnisten, überall anbauen, überall Verbindungen herstellen. (…)
Die Bourgeoisie hat durch ihe Exploitation des Weltmarkts die Produktion und Konsumption aller Länder kosmopolitisch gestaltet. Sie hat zum großen Bedauern der Reaktionäre den nationalen Boden der Industrie unter den Füßen weggezogen. Die uralten nationalen Industrien sind vernichtet worden und werden noch täglich vernichtet. (...)
Die Bourgeoisie hat das Land der Herrschaft der Stadt unterworfen. Sie hat enorme Städte geschaffen, sie hat die Zahl der städtischen Bevölkerung gegenüber der ländlichen in hohem Grade vermehrt (…)
Die bürgerlichen Produktions- und Verkehrsverhältnisse, die bürgerlichen Eigentumsverhältnisse, die moderne bürgerliche Gesellschaft, die so gewaltige Produktions- und Verkehrsmittel hervorgezaubert hat, gleicht dem Hexenmeister, der die unterirdischen Gewalten nicht mehr zu beherrschen vermag, die er heraufbeschwor."
(Manifest der komunistischen Partei, Kapitel I: Bourgeois und Proletarier)

Stefan Zweig schrieb 1925:
"Alles wird gleichförmiger in den äußeren Lebensformen, alles nivelliert sich auf ein einheitliches kulturelles Schema. Die individuellen Gebräuche der Völker schleifen sich ab, die Trachten werden uniform, die Sitten internationaler. Immer mehr scheinen die Länder gleichsam ineinandergeschoben, die Menschen nach einem Schema tätig und lebendig, immer mehr die Städte einander äußerlich ähnlich. (...)
Schon wird es schwieriger, die Besonderheiten bei Nationen und Kulturen aufzuzählen als ihre Gemeinsamkeiten. Konsequenzen: Aufhören aller Individualität bis ins Äußer­liche. Nicht ungestraft gehen alle Menschen gleich angezogen, gehen alle Frauen gleich gekleidet, gleich geschminkt: die Monotonie muß notwendig nach innen dringen. Gesichter werden einander ähnlicher durch gleiche Leidenschaft, Körper einander ähnlicher durch gleichen Sport, die Geister ähnlicher durch gleiche Interessen. Unbewußt entsteht eine Gleichartigkeit der Seelen, eine Massenseele durch den gesteigerten Uniformierungstrieb, eine Verkümmerung der Nerven zugunsten der Muskeln, ein Absterben des Individuellen zugunsten des Typus. Konversation, die Kunst der Rede, wird zertanzt und zersportet, das Theater brutalisiert im Sinne des Kinos, in die Literatur wird die Praxis der raschen Mode, des 'Saisonerfolges' eingetrieben. (…)
Die wahre Gefahr für Europa scheint mir im Geistigen zu liegen, im Herüberdringen der amerikanischen Langeweile, jener entsetzlichen, ganz spezifischen Langeweile, die dort aus jedem Stein und Haus der numerierten Straßen aufsteigt, jener Langeweile, die nicht, wie früher die europäische, eine der Ruhe, eine des Bierbanksitzens und Dominospielens und Pfeifenrauchens ist, also eine zwar faulenzerische, aber doch ungefährliche Zeitvergeudung: die amerikanische Langeweile aber ist fahrig, nervös und aggressiv, überrennt sich mit eiligen Hitzigkeiten, will sich betäuben in Sport und Sensationen. Sie hat nichts Spielhaftes mehr, sondern rennt mit einer tollwütigen Besessenheit, in ewiger Flucht vor der Zeit: sie erfindet sich immer neue Kunstmittel, wie Kino und Radio, um die hungrigen Sinne mit einer Massennahrung zu füttern, und verwandelt die Interessengemeinschaft des Vergnügens zu riesenhaften Konzernen wie ihre Banken und Trusts. Von Amerika kommt jene furchtbare Welle der Einförmigkeit, die jedem Menschen dasselbe gibt (...)
Noch ist Europa das letzte Bollwerk des Individualismus, und vielleicht ist der überspannte Krampf der Völker, jener aufgetriebene Nationalismus, bei all seiner Gewalttätigkeit doch eine gewissermaßen fieberhafte unbewußte Auflehnung, ein letzter verzweifelter Versuch, sich gegen die Gleichmacherei zu wehren."
("Die Monotonisierung der Welt")

Dergleichen Äußerungen werden bevorzugt mit dem "Wegbereiter-" und "Vorläufer"-Knüppel plattgemacht, was, von banalen politischen Interessen abgesehen, damit zusammenhängt, dass historische Ereignisse in der Rückschau – und nur in der Rückschau – auf einmal den Charakter von Kausalitäten annehmen, während die Zeitgenossen stets die Option besaßen, den Lauf der Geschichte zu ändern. Aber auch wenn der Nationalsozialismus unter anderem eine Reaktion auf globale Trends gewesen ist, die heute noch weit stärker wirken als zu Zeiten unseres seligen Adolfs, heißt das ja nicht, dass er die einzige mögliche Reaktion war. Es ist einfach schwachsinnig zu erwarten, dass alle Weltprobleme sich lösen lassen, indem man in Allem exakt das Gegenteil von dem tut, was das Alien aus Braunau getan hat oder hätte. Wobei der Populismus in einem entscheidenden Aspekt tatsächlich exakt das Gegenteil zum Nationalsozialismus darstellt: Er ist vollkommen defensiv – partikularistisch eben. Er will nur die nationalen Besonderheiten gegen die Tristesse der "Diversity" verteidigen; er will, im Mindestfall, den grauen Einheitstod nicht so schnell wie möglich, sondern wenigstens auf Raten sterben. Mag dies Ansinnen donquichottesk sein, er kann wie Don Quichotte von sich sagen: "Yo sé quien soy."


                                  ***


Nachtrag: Inzwischen haben sich ein Historiker und ein Kretin in historicis der Argumentation der beiden Twitterer angeschlossen. Was den Historiker betrifft, gehe ich davon aus, dass er nach der harten Schelte durch Sawsan Chebli seinen Altherrencharme auf etwas verdrehte Weise auszuleben suchte. Freilich: Er liest Gaulands Text wie ein Antisemit auf der Suche nach der versteckten jüdischen Schliche; besonders appetitlich ist das nicht. Ist es wenigstens traulich und warm im Kreise der Wichte, verehrter Wolffsohn?   MK am 9. 10. 2018


Aber damit nicht genug informiert uns der Blog der BILDzeitung:

Nun kann man dort durchaus Ähnlichkeiten erkennen. Vielleicht hat Gauland aber gar nicht, wie der „Tagesspiegel“ vermutet, bei Hitler abgeschrieben, sondern — beim „Tagesspiegel“.
Der veröffentlichte 2016 nämlich einen Gastbeitrag von Michael Seemann, in dem es hieß:
Diese neue globalisierte Klasse sitzt in den Medien, in den StartUps und NGOs, in den Parteien, und weil sie die Informationen kontrolliert („liberal media“, „Lügenpresse“), gibt sie überall kulturell und politisch den Takt vor.
Gauland in der FAZ:
Diese globalisierte Klasse sitzt in den international agierenden Unternehmen, in Organisationen wie der UN, in den Medien, Start-ups, Universitäten, NGOs, Stiftungen, in den Parteien und ihren Apparaten, und weil sie die Informationen kontrolliert, gibt sie kulturell und politisch den Takt vor.
„Tagesspiegel“ 2016:
Es ist eine Klasse, die fast ausschließlich in Großstädten lebt, die so flüssig Englisch spricht wie ihre Muttersprache, für die Europa kein abstraktes Etwas ist, sondern eine gelebte Realität, wenn sie zum Jobwechsel von Madrid nach Stockholm zieht.
Gauland:
Ihre Mitglieder leben fast ausschließlich in Großstädten, sprechen fließend Englisch, und wenn sie zum Jobwechsel von Berlin nach London oder Singapur ziehen, finden sie überall ähnliche Appartements, Häuser, Restaurants, Geschäfte und Privatschulen.
Diese teils wörtliche Übereinstimmung ist nicht nur „Tagesspiegel“-Lesern aufgefallen, sondern auch dem Verfasser des ursprünglichen „Tagesspiegel“-Beitrags:
Nur der „Tagesspiegel“ selbst scheint noch nichts bemerkt zu haben. Aber vielleicht bringt er’s ja morgen auf der Titelseite: Tagesspiegel verwechselt Tagesspiegel mit Hitler.    BILDblog





Jetzt hat sich sogar das Internationale Auschwitz Komitee zu Alexander Gaulands FAZ-Gastbeitrag geäußert und dem Politiker vorgeworfen, er wolle die deutsche Gesellschaft "durch Hass und die Förderung niedriger Instinkte zerstören". Christoph Heubner, der Vizepräsident der Organisation, erklärte: „Auschwitz-Überlebende kennen die Gaulandsche Strategie aus der eigenen Lebenserfahrung während der Nazi-Jahre: Menschen zu stigmatisieren und sie als Artfremde und Wurzellose innerhalb der heimischen Gesellschaft zu charakterisieren und dann das 'gesunde Volksempfinden' gegen sie zu mobilisieren."

Menschen, die die Hölle von Auschwitz überlebt haben, hat man mit Takt und Mitgefühl zu begegnen, was ihre persönlichen Erfahrungen betrifft; ihre politischen Ansichten besitzen per se keine größere Dignität als die anderer. Herr Heubner, Jahrgang 1949, fällt nicht in diese Kategorie und verdient also keine besonders taktvolle Behandlung. Dass er Schriftsteller ist, aber offenbar außerstande, einen einfachen Zeitungsartikel anders als mit der Denunziantenbrille zu lesen, könnte sogar zarteren Gemütern als mir die Idee eingeben, dass man den Anfängen tatsächlich immer noch wehren muss.


                                 ***


Man halte sich einmal diesen unglaublichen Schwachsinn vor Augen, der aus der Unterstellung spricht, der AfD-Vorsitzende verwende in seinen öffentlichen Äußerungen Kryptozitate Hitlers, um auf diese Weise codiert mit seinen Anhängern zu kommunizieren. Das würde zuerst voraussetzen, dass diese Anhänger sämtliche Reden und Schriften des Führers auswendig parat haben, sonst würden sie ja die Anspielungen nicht verstehen. Sodann, dass niemand außerdem den Code versteht, weil das ja der Partei politisch auf die Füße fiele (insofern wäre ein Gastbeitrag in der FAZ schon die Nagelprobe). Überdies, dass der Talleyrand- und Bismarck-Verehrer Gauland auch eine Schwäche für die größte politische Niete des 20. Jahrhunderts habe. Und last but not least, dass Hitler für das Gros der AfD-Wähler und -Mitglieder eine maßgebliche Figur sei, natürlich nur klammheimlich, nach Sektenart. Ich würde wetten, dass mehr AfDler Ayn Rand gelesen haben als Hitler.   MK am 10. 10.




Siehe auch "Allerechtester Hitler"