Stationen

Sonntag, 7. Januar 2018

6. Jaguar 2018


"Wie das Galgenkind die Monatsnamen lernt: Jaguar, Zebra, Nerz, Mandrill ..." (Christian Morgenstern)


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Warum sind bei den Jahreswechselfreiluftevents diesmal so viele Feuerwehrleute und Sanitäter angegriffen worden? En passant weist Vera Lengsfeld in ihrer Bilanz der diesjährigen Silvestergewalt, die von unseren sozialistischen Medienschaffenden in bewährter Konsequenz und im noch bewährteren Chor kleingeredet wurde, auf eine mögliche Ursache hin: Es waren diesmal weniger Frauen auf den Straßen unterwegs, worüber viele erwartungsfrohe Neumitbürger mit Recht sauer gewesen sein dürften – sieht denn so Willkommenskultur aus? –, so dass sie ihre überschüssigen Energien anderswo abarbeiten mussten. Und müssen.

Beispielsweise auch beim Arztbesuch. Die Angriffe gegen Ärzte und Helfer nehmen zu, beklagt der Präsident der Bundesärztekammer, Frank Ulrich Montgomery – das ist derselbe Herr, der vor ein paar Tagen die Altersfeststellung uns zugelaufener Mittzwanziger, die sich als minderjährig ausgeben, für menschenunwürdig hält – in einem Zeitungsinterview. Aber was heißt eigentlich, die Gewalttaten gegen Ärzte nehmen zu? Noch vor fünf Jahren war dieses Phänomen hierzulande so gut wie unbekannt. Aber, so Montgomery: "Wir erleben derzeit eine totale Verrohung bei einigen Patienten und ihren Angehörigen gegenüber medizinischem Personal.“ Auch in Notaufnahmestellen passiere es immer wieder, dass Leute wegen der Wartezeiten sehr aggressiv würden. In einigen Krankenhäusern gebe es bereits Sicherheitsdienste, um das Personal zu beschützen. 

Was mögen das für Menschen sein, die neuerdings wegen der Wartezeiten auf das Klinikpersonal losgehen und deren Beschaffenheit unser Ärzteobervertreter beflissen beschweigt? Sachsen? Reichsbürger? Schalke-Anhänger? Waffennarren? Trumpianer? Oder "Männer" aus "Gruppen"? Fragen über Fragen...


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Man muss den Kölner Polizeioberen dankbar sein, dass sie Beatrix von Storch wegen ihres Twitter-Raunzers gegen die unnötige Begrüßung arabischer Silvesterpartygäste in deren Heimatsprache angezeigt haben; nun wird die Öffentlichkeit bald erfahren, wenn auch nur auf den hinteren Seiten der Gazetten versteckt, was keine Volksverhetzung ist.


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In meinem Zweit- oder Drittlieblingsnarrenkäfig Spiegel online haben die beiden Quoten-Törinnen S. Berg und M. Stokowski zum Jahreswechsel den Zenit ihrer Glaubwürdigkeit und womöglich sogar Selbsterkenntnis erreicht; die eine übertitelt ihre heutige "Vorsatz für 2018"-Kolumne mit: "Erkennen, wie unwichtig man ist", die andere hatte vor ein paar Tagen mit "Mehr Schweigen wagen" vorgelegt. Leider werden die meisten guten Vorsätze am Ende doch nicht eingehalten.

 

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Irgendwann in den späten Achtzigern produzierte die DDR-Industrie, und zwar der VEB Halbleiterwerk Frankfurt/Oder in Kooperation mit Carl Zeiss Jena, einen Ein-Megabit-Chip. Toshiba stellte die Dinger damals schon massenhaft her, und Chips mit weit höherer Speicherkapazität befanden sich in Arbeit, doch die Propaganda tönte tagelang vom DDR-Elektronikwunder. Damals kursierte der Witz: "Wir bauen die größten Mikrochips der Welt!" Daran fühlte ich mich erinnert, als ich las, dass Bundesinnenminister Thomas de Maiziére mahnt, Deutschland müsse sich mehr auf die Entwicklung von Chiptechnologie, vor allem von Sicherheitstechnologien kaprizieren, denn deutsche IT-Sicherheitsprodukte seien weltweit hoch anerkannt. Ungefähr so wie der Ein-Megabit-Chip aus der DDR?

Deutschland verfüge doch kaum über IT-Sicherheitstechnologien, notiert der bloggende Informatiker Hadmut Danisch. "Außerdem gehören Mikroprozessoren und deren Speicherverwaltung nicht zu den 'IT-Sicherheitsprodukten', obwohl sie damit viel zu tun haben. Man kann aber nicht einfach mal unter 'Sicherheitsprodukte' einen Prozessor neu bauen. Und ob wir hier in Deutschland genug Know-How haben, um solche Fehler zu vermeiden, möchte ich bezweifeln – ich glaube nicht mal, dass wir hier rein leistungsmäßig konkurrenzfähige Prozessoren hinbekommen. Lasst es mich so sagen: Sie können ja nicht mal einen Flughafen bauen, und das ist prinzipiell einfacher. Und die Sicherheitsforschung ist in Deutschland ein Witz. Wir haben kaum befähigte Professoren, und die Professuren werden noch mit Quotenfrauen vermurkst, die bei Kryptographie und ähnlichem sofort kapitulieren." (Weiter hier.) Den künftig drohenden Cyberattacken von Terroristen, Kriminellen und unfreundlichen Staaten haben de Maizière und seine Truppe jedenfalls nicht allzu viel entgegenzusetzen.

Zugleich hat die Bundespolizei, weil sie kaum noch Rekruten findet, die Anforderungen an die potenziellen Bewerber auf einen Ausbildungsplatz grotesk minimiert (hier): Wer für den mittleren Polizeivollzugsdienst kandidiert, darf beim Einstellungstest-Diktat auf zweihundert Wörter 24 Rechtschreibfehler machen; die Unter- oder besser Obergrenze beim Body-Mass-Index (BMI) wurde auf 35 angehoben (ich dürfte als Polizeibewerber 116 Kilogramm wiegen, aber Mike Tyson hatte immerhin einen BMI um die 31), und die bislang geforderte Mindestkörpergröße wurde ebenfalls abgeschafft. Du darfst als Polizeianwärter dumm, fett und ein Gnom sein und wirst verbeamtet, aber trotzdem finden sie keine. Wer hat schließlich schon Lust, sich in den molekularen Bürgerkriegen der Zukunft verheizen lassen, zumindest solange kein Gustav Noske im Amt ist?

Inwischen fordern sogar führende Sozis, die Polizei solle personell aufgestockt werden – nur mit Merkellego, so die dahinter lauernde Erkenntnis, wird der Schutz der Bürger vor Schutzsuchenden bei konstant offenen Grenzen und weiterhin ungeregelter Einwanderung im unteren fünfstelligen Bereich pro Monat nicht funktionieren. (Konsequenterweise müssten sie auch den Bau neuer Knäste fordern.) Die Grenzen kontrollieren geht bekanntlich nicht, denn das fordert die AfD, und dann würden wir uns abschotten und schnurstracks "in Inzucht degenerieren" (W. Schäuble). Zugleich sind die roten Strolche, wenn ich richtig informiert bin, für den Familiennachzug. Das heißt, die Polizeiplanstellen müssten dann von Neuem aufgestockt werden. Da jetzt schon Rekrutenenmangel herrscht, werden sie wahrscheinlich früher oder später auch um Gehbehinderte, Blinde, Sekundäranalphabeten, Drogensüchtige, durchgefallene DSDS-Kandidaten und Gender-Forscherinnen werben.

Überaus weise, wenn auch nicht wirklich warme Worte zum Thema deutsche Politik und Innere Sicherheit finden Sie hier.  


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Man kann es ja auch mal so sehen: Die Leute, die dafür plädieren und politisch daran arbeiten, dass auf Erden eines Tages eine durchmischte mittelbraune Einheitsrasse leben möge, verkörpern vielleicht nur eine spezielle Reaktion auf die von Tag zu Tag ein bisschen weniger unplausibel erscheinende Theorie A. Hitlers, die Weltgeschichte sei und bleibe letztlich eine endlose Folge von Rassenkämpfen.

Übrigens: Auch den eifrigsten Antirassisten wird man im Bürgerkriegsfall ohne Umschweife seiner Ethnie zuordnen.


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Dass er das Wirtstier und damit sich selbst am Ende umbringt, ist das Dilemma des Parasiten – und die letzte Genugtuung des Wirts.  MK am 6. Januar 18

 Der frühere SPD-Bundesinnenminister Otto Schily (85) hat am Freitag im münsterländischen Borken ein Neujahrskonzert dirigiert - vor ausverkauftem Haus.
An dem Abend beim Klassikfestival "musik:landschaft westfalen" standen etwa Tänze und Märsche von Johannes Brahms und Johann Strauss sowie die Ouvertüre zu "Figaros Hochzeit" und das Klavierkonzert A-Dur KV 488 von Mozart auf dem Programm. Beim Publikum stieß Schily auf positive Resonanz.
Borken ist die Geburtsstadt der Großmutter von Schily, Julia Schily-Koppers (1855-1944). Sie war Künstlerin. Der Jurist spielt Cello und Klavier und wollte auch einmal Musik studieren. Er hatte 2005 bereits in der ZDF-Gala "Klassik für alle" den Radetzky-Marsch dirigiert.
In einem Interview des Senders Deutschlandfunk Kultur nannte Schily das Dirigieren am Pult vor einem Orchester, das nun mal aus lauter Individualisten bestehe, "harte Arbeit". "Es kommt schon sehr stark auf Präzision an, damit ein Kunstwerk auch entsteht", sagte er.  Hamburger Abendblatt

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