Stationen

Dienstag, 12. Juni 2018

Es schreit zum Himmel

Es ist „Veteranentag 2018“. Aber keiner geht hin. Keine Politiker, geringes mediales Interesse. Ein Filmteam vom ZDF dreht für eine Dokumentation, ein Zeitungsjournalist schreibt Antworten in seinen Notizblock. Sonst ist da niemand. Und die Veteranen. Einige Dutzend Männer und Frauen, die alle dieselben blauen T-Shirts tragen. „#vergissmeinnicht“, steht auf ihnen. Die Stimmung: gedrückt.
108 deutsche Soldaten ließen bisher bei Auslandseinsätzen der Bundeswehr ihr Leben. Und viele derer, die heil zurückkamen, kämpfen mit den Folgen, leiden zum Beispiel an posttraumatischen Belastungsstörungen. Die Nachkriegsgenerationen des vergangenen Jahrhunderts kannten das Phänomen, doch in der Bundesrepublik geriet es in Vergessenheit, bis Anfang der 1990er Jahre die ersten Auslandseinsätze beschlossen wurden.

Wie unerträglich muss es für die Angehörigen der Gefallenen und für die traumatisierten Heimkehrer sein, in einer Gesellschaft zu leben, in der Soldaten nicht nur nicht die ihnen gebührende Achtung entgegengebracht wird, sondern ihnen mit offen zur Schau getragener Missachtung oder sogar Verachtung begegnet wird? In einer Gesellschaft, in der ein Kotzbrocken wie De Maiziere Verteidigungsminister werden konnte, ein Verteidigungsminister, der den Soldaten flapsig herablassend vorwarf, nach Anerkennung zu dürsten und nicht genug von Hotel Mamma kriegen zu können.

Organisiert hat den Veteranentag 2018 der Bund Deutscher EinsatzVeteranen, also ein Verein, nicht der Staat. Zwar habe sich in den vergangenen Jahren einiges verbessert, sagt Björn Schreiber, Mitglied im Vorstand des Vereins, doch gebe es immer noch keine offizielle Definition des Veteranenbegriffs, von einem offiziellen Gedenktag ganz zu schweigen.
Dabei ist es der Bundestag, vor dem die Veteranen stehen, dessen Abgeordnete deutsche Soldaten in Kampfeinsätze in zahlreiche Länder schicken. Sie stehen vorm Bundestag, lassen symbolisch Glockenschläge erklingen, erinnern so an gefallene Weggefährten. „So lange die Gesellschaft nicht akzeptiert, daß wir eine Parlamentsarmee sind, eines Parlaments, das uns in diese Einsätze schickt, so lange haben wir verloren“, stellt Afghanistan-Veteranin Jenni Bruns nüchtern fest.

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