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Mittwoch, 28. November 2018

Planlos

Der stets klarsichtige Markus Vahlefeld macht sich kluge, vielleicht allzukluge Gedanken daüber, warum das Merkel-Syndikat den Aufstieg der AfD "hingenommen" habe, wie der andere aktuelle Rivale von Merkel II. seiner Truppe vorwirft. Das Schlüsselwort heiße "asymmetrische Wählermobilisierung", führt Vahlefeld aus. Die Merkel-CDU habe vor Zeiten kosende Blicke auf die sogenannten urbanen Wählerschichten zu werfen begonnen, die Angehörigen der linksgrünen Großstadtschickeria, die einer globalistischen Umwelt- und Humanitätsreligion folgen und "nichts von dem ausbaden müssen, was sie an politischen Katechismus in die Welt posaunen". Atomausstieg und Grenzöffnung waren "grandiose Schachzüge, um diese Wähler der CDU zuzuführen". Die rigide Klientelumschichtung, die Merkel ihrer Partei verschrieb, brachte natürlich auch einen Klientelschwund mit sich, die CDU büßt seither konstant sogenannte Wählergunst ein, freilich weniger als die auf ähnlichen Pfaden wandelnde SPD, doch vor dem Hintergrund, dass auch eine schwindende Union die stärkste Kraft der "demokratischen Mitte" bleibt – Vahlefeld schreibt "ewig", darauf würde ich nicht wetten –, stünden ihr Koalitionen mit allen Parteien offen, sogar mit der Linkspartei. Damit habe die Union das Monopol auf Regierung und Kanzlerschaft, und mehr wollen Parteien bekanntlich nicht, wenn sie erst einmal verstanden haben, wie illusionslos der demokratische Hase läuft.

Das Diktum von Franz Josef Strauß, dass es rechts der CDU keine demokratisch legitimierte Partei geben dürfe, "wurde ja bisher so interpretiert, dass die Union eben auch diese hässlichen rechten Wähler an sich binden müsse", notiert Vahlefeld. "Erst Angela Merkel interpretierte es ästhetisch schöner: Wir als CDU verzichten auf diesen hässlichen rechten Wähler, lassen eine neue rechte Partei zu, sprechen ihr in der Folge aber einfach die demokratische Legitimation ab. Und siehe: Die CDU wurde für diese urbanen Wählerschichten auf einmal vom hässlichen Entlein zum schönen Schwan."

Von hier ab ist es Vahlefelds Spekulation, die hässlich wird, was ihre Plausibilität nicht tangiert. Die vielbeklagte Spaltung der Gesellschaft, die bekanntlich nicht nur in Deutschland den Rechtspopulisten in die Schuhe geschoben wird, sei kein Kollateralschaden, sondern vielmehr "politisch geplant" gewesen, schreibt er. Wer Macht wolle, benötige einen Feind, einen möglichst diabolischen, aber besiegbaren Feind, dessen Niederwerfung die Macht legitimiere, notfalls auch ihren Missbrauch. Die bis zum letzten Provinzkabarettisten durchgesetzte Stigmatisierung der Opposition als Paria-Truppe soll garantieren, dass sie Minderheit bleibt, aber in den gelenkten Medien zugleich als große Gefahr dargestellt werden kann, wobei es witzigerweise die Landesverräter sind, die Verrat! schreien, diesmal eben nicht mehr Verrat an Volk, Führer und Vaterland, sondern an der Demokratie, den Menschenrechten und dem Fortschritt insgesamt. Da das "moralisch geläuterte, grenzenlose und pazifistische Deutschland" keine äußeren Feinde mehr akzeptiere, habe der Feind "ins Innere transformiert" werden müssen. "So pazifistisch sich die Gutmeinenden geben, in letzter Konsequenz wollen sie nicht den Krieg, sondern den Bürgerkrieg gegen diesen inneren Feind." Dessen Vorboten seien sichtbar. Auch das gehöre zu Merkels Vermächtnis.

Ich habe keinen Einwand gegen die These, dass die Kanzlerin der Herzen den Bürgerkriegsindex in 'schland signifikant erhöht hat (und die Endphase der Nerobefehle läuft ja eben erst an). Mein einziger Einwand gegen diese Art Theorie ist der, dass sie die Intelligenz der Akteure sehr hoch veranschlagt und ihnen eine prognostische Sicherheit unterstellt, der sie folgen wie ein bei starkem Nebel landendes Flugzeug dem Leitstrahl. Ich meine vielmehr, dass Merkel aus Feigheit, Schwäche und Opportunismus (und fehlender Loyalität ihrem Land gegenüber) in diese Situation geraten ist und dass sie den Karren aus Gründen von Sturheit, Rechthaberei und Ätschbätsch nun weiter gegen die Wand fährt. Gewollt hat sie es, frei nach Karl Kraus, womöglich nicht; es ist ihr bloß gelungen.   MK am 28.


Dem wäre nur noch hinzuzufügen, dass Merkeln sich nicht einmal - obwohl das oft behauptet wird - an Meinungsumfragen orientiert. Nein, sie orientiert sich nur an den von den Medien veröffentlichten Meinungen. Genau darauf weisen Kernkraftausstieg und Grenzöffnung hin! Und die Medien danken es ihr. Es ist so einfach, dass es keiner glauben kann.

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