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Donnerstag, 20. Dezember 2018

Südafrika

Das SWR-Polit-Magazin „Report Mainz“ will einen Skandal aufgedeckt haben: Der AfD-Außenpolitiker Petr Bystron soll in Südafrika bei einem „Schießtraining“ mit einer „rechtsextremen rassistischen Gruppe“ gewesen sein – auf Kosten der Steuerzahler. Was ist dran an der Geschichte? Die JF hat bei Bystron nachgefragt.
Herr Bystron, die Redaktion von Report Mainz vermeldet, sie habe aufgedeckt, daß Sie Ende August in Südafrika waren.
Bystron: Von Aufdecken kann gar keine Rede sein. Über die Reise wurde in den vergangenen Monaten in mehreren alternativen Medien ausführlich berichtet, darunter auch in der JUNGEN FREIHEIT. Die Report-Mainz-Geschichte ist offensichtlich eine Reaktion auf einen detaillierten Bericht in der aktuellen Ausgabe des Magazins Cato. Dort haben wir mit vielen Zahlen und Fakten belegt, daß die Mordrate an weißen Südafrikanern 4,5 mal höher ist als die an der übrigen Bevölkerung. Das zeigt, daß das Projekt des friedlichen Zusammenlebens der unterschiedlichen Ethnien in Südafrika am Scheitern ist.
Inwiefern?
Bystron: In dem Land gibt es vor allem im Vorfeld der Wahlen im Mai 2019 sehr große Spannungen. Es gibt fast täglich Unruhen und gewaltsame Demos. Besonders besorgniserregend sind Äußerungen führender schwarzer Politiker, die zum Mord an weißen Farmern aufrufen, ebenso wie die Bestrebungen des ANC, die weißen Farmer entschädigungslos zu enteignen. Letzte Woche hat der Chef von „Black First Land First“, Andile Mngxitama, gefordert, weiße Männer, Frauen und Kinder sowie ihre Haustiere und Rinder zu töten, und für jeden toten Schwarzen fünf Weiße zu töten.
„Völlig von der Realität entfernt“
Sie sollen während des Besuchs auch einmal schießen gewesen sein.
Bystron: Beim Besuch einer Farm wurde mir vom Besitzer und dessen Sohn das Anwesen gezeigt, was sie dort anbauen, die Tiere und so weiter. Dabei sind wir auch an einem Schießstand vorbeigefahren und haben dort ein paarmal geschossen. Von großangelegten Schießübungen oder paramilitärischen Aktionen kann gar keine Rede sein. Diese Darstellung ist völlig von der Realität entfernt.
Sie haben sich aber auch mit den Suidlanders getroffen, die laut Report Mainz „rassistisch“ und „rechtsextrem“ sind.
Bystron: Wir machen uns die Ansichten der Suidlanders nicht zu eigen. Trotzdem wollte ich mich auch mit ihnen treffen, denn das ist eine der größten Buren-Organisationen, und die größte Zivilschutzgruppe der Welt. Sie vertreten nach eigenen Angaben über 120.000 Menschen. Man kann sich nicht über die Situation der weißen Farmer in Südafrika umfassend informieren, ohne mit ihnen zu sprechen.
Ich habe mich aber natürlich genauso mit Vertretern der schwarzen Bevölkerung wie der Frauenrechtsaktivistin Titi Luzipo getroffen, die die entsetzliche Vergewaltigungsrate in Südafrika anprangert, und mit weiteren unabhängigen NGOs. Ich habe allen Seiten die gleichen Fragen gestellt, nämlich ob und wie das gemeinsame Zusammenleben gelingt, wie es aussieht mit dem Traum der gemeinsamen Regenbogennation.
Suidlanders distanzieren sich ganz klar vom Ku-Klux-Klan
Was stand noch auf dem Reiseprogram?
Bystron: Ich habe die Deutsche Schule besucht, den DAAD und das Goethe-Institut. Zudem habe ich Vertreter der deutschen Wirtschaft getroffen, zum Beispiel von BMW, Siemens und der Frankfurter Messe, sowie den Leiter von „Germany Trade and Invest“ und der DAHK. Auch habe ich Gespräche mit Mitgliedern der im südafrikanischen Parlament vertretenen Parteien geführt. Ebenso mit NGOs, Menschenrechtsaktivisten und Verbänden der Farmer und Farmern selbst. Es war also ein sehr anspruchsvolles und ausgewogenes Programm, wie Sie sehen.
Dem Bericht nach sollen die Suidlanders Kontakte zum ehemaligen Chef des Ku-Klux-Klans, David Duke, haben.
Bystron: Ich glaube, beim Thema Übergriffe auf weiße Farmer ist das drängendste Problem nicht unbedingt, daß ein Mitglied der Suidlanders auf einem Kongreß war, bei dem auch ein führendes Mitglied des Ku-Klux-Klans anwesend war. Die Suidlanders distanzieren sich ganz klar vom Ku-Klux-Klan und wollen nicht mit dieser Gruppierung in Verbindung gebracht werden.
In dem Beitrag wird moniert, daß der Bundestag die Reise bezahlt hat. Ist es wirklich Aufgabe des Steuerzahlers, Politikern eine Reise nach Südafrika zu finanzieren?
Bystron: Das Reiseprogramm war sehr ausgewogen und dementsprechend vom Bundestag und den Kollegen aller anderen Fraktionen genehmigt. Selbstverständlich gehört es zu den Aufgaben der Abgeordneten, insbesondere im außenpolitischen Ausschuß, auch ins Ausland zu reisen und sich vor Ort aus erster Hand zu informieren.
Es liegt in der Natur der Dinge, daß diese Reisen vom Steuerzahler bezahlt werden. Das ist bei allen Vertretern aller Parteien so. Und nebenbei: Es verwundert mich etwas, daß dieser Aspekt gerade bei mir thematisiert wird. Denn zuvor war ich in Rußland, den USA und in Dänemark – immer auf Einladung der Gastgeber. Es hat die Steuerzahler keinen Euro gekostet. Die Reise nach Südafrika dagegen war meine erste Dienstreise ins Ausland, die vom Bundestag bezahlt wurde. 
Es geht um Aufmerksamkeit für die Farmer
Welchem Zweck diente Ihre Reise?
Bystron: Ich wollte mich umfassend über die aktuelle Lage und Situation in Südafrika informieren. Die dortigen Weißen sind genauso ein Teil der Rainbownation und verdienen den gleichen Schutz wie alle anderen Bevölkerungsgruppen in dem Land. Mich erreichen aber sehr beunruhigende Nachrichten von dort. Nehmen Sie beispielsweise die entschädigungslose Enteignung von Weißen, die dort diskutiert wird. Die hierfür verantwortlichen Politiker bekennen freimütig, daß Simbabwe in dieser Frage ihr Vorbild ist. Durch solche Vorgänge und Diskussionen sind auch Interessen der deutschen Wirtschaft bedroht.
Warum glauben Sie, daß Sie mit Ihrer Reise etwas an der Situation der weißen Farmer verändern können?
Bystron: Es sind Menschen, die Angst um ihre Zukunft in Südafrika haben und auch um ihr Leben. Denn sie leben in einem Land, in dem führende schwarze Politiker immer wieder offen zum Rassenhaß gegen Weiße aufrufen, der Präsident zur Enteignung der weißen Farmer aufruft und andere Radikale wie Julius Malema und Andile Mngxitama sogar zu ihrer Ermordung. Auf diese Situation möchte ich aufmerksam machen. Es geht darum, Aufmerksamkeit für die Situation der weißen Farmer zu schaffen.
Müßte sich die Bundesregierung Ihrer Ansicht nach mehr für die Rechte der Farmer engagieren?
Bystron: Es ist immer wichtig, international Aufmerksamkeit auf Mißstände zu lenken. Das frühere Apartheid-Regime Südafrikas ist auch nur auf stetigen internationalen Druck zu Fall gebracht worden. Genauso inakzeptabel wie damals die weiße Apartheid war, sind nun die rassistisch motivierten Übergriffe auf die weiße Minderheit.   JF

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