Stationen

Dienstag, 26. Januar 2010

Musik aus Polen

Ich glaube nicht, dass es in Deutschland im Bereich Jazz/Unterhaltungsmusik etwas von ebenbürtiger künstlerischer Qualität gibt. In Deutschland wie in Poland gab es in den 70-ern eine vitale Freejazzszene. Tomasz Stanko kommt aus dieser Szene! Aber er reifte weiter, ohne dabei das damals Erlernte zu vergessen. Der Freejazz hat sich nur in den germanischen Ländern gehalten. Die Liste der European Free Improvisation Pages enthält vor allem deutsche und englische Namen. In Deutschland hielt sich der Freejazz lange, länger als sonst wo, und nahm einen minimalistischen, administrativ anmutenden Charakter an. Die einst großartige, brodelnde, überbordende, eruptive Energetik wurde durch Routine, eine gewisse Strenge und etwas senil wirkende Zurückhaltung gebändigt. Es wurde eine Art Druckkammermusik daraus. Eigentlich müsste auf Alexander von Schlippenbachs Flügel (einem seiner Vorfahren verdanken wir übrigens ein paar Volkslieder wie "Ein Heller und ein Batzen") ein Wimpel stehen, mit der Aufschrift SPARTA. Denn fantasievoller wurde der deutsche Freejazz nie, eine Reflexion, die diesen Namen verdient, hat nie stattgefunden, der Perkussionscharakter nahm zu, und er entfremdete die Melodieinstrumente nachhaltig ihrem Zweck und erleichterte auf diese etwas schlitzohrige Weise die "Spontaneität": amorphe Vereinfachung statt Entwicklung von aufrichtigen Interaktionsregeln für den Status Nascendi (siehe auch meine Eintragung vom 3.1. über Spontaneität). Als Ausrede dient eine fast mystisch anmutende Aufmerksamkeit gegenüber der "Materialität" und Mechanik, die leider auch bei Heiner Goebbels zu beobachten ist. Aber Goebbels Horchexerzitien zu folgen ist immerhin lohnend. Man kommt zwar nicht dort an, wo er gern hin würde, aber das war bei Columbus ja auch so ähnlich.







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