Stationen

Montag, 6. Dezember 2021

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Lauterbach, 31.10.21: Eine Booster-Impfung für alle wäre jetzt auf keinen Fall sinnvoll.
Lauterbach, 18.11.21: Aber es ist klar seit ein paar Monaten, dass wir jeden Erwachsenen boostern müssen. - Lanz bekommt einen Lachanfall
 
(ich habe mehrmals versucht, das Video, das ihn bei den beiden Ausssagen zeigt, hier einzubetten, aber es ist nicht möglich; es wird offenbar von einem entsprechenden Algorhitmus wegzensiert)

 

 

„Es kann kein Widerspruch sein, wenn man sich widerspricht.“ Karl Lauterbach (frei nach Franz Beckenbauer in der Dittsche-Version).

Söder stützte sich auf falsche Zahlen

Eine extrem verzerrte Darstellung

"Söder hat noch am Freitag mit Inzidenzen von 1600 bei den Ungeimpften und 100 bei den Geimpften argumentiert", kontert Matthias Fischbach (FDP) im Landtag. "Das ist keine kleine Unschärfe, sondern eine extrem verzerrte Darstellung, die einer Erklärung bedarf. Das Gesundheitsministerium hätte frühzeitig auf die Größenordnung der Verzerrung hinweisen müssen." 

Schließlich, so Fischbach, sei es auch im Interesse der Geimpften, zu wissen, wie hoch ihr eigenes Infektionsrisiko statistisch sei. Auch das Vertrauen in die Impfkampagne werde durch das Verhalten der Staatsregierung nachhaltig erschüttert. 

Der verleugnete Widerstand

"Wenn die Gegenwart über die Vergangenheit zu Gericht sitzen will, wird die Zukunft verlieren". W. Churchill
 
Die existenzielle Frage nach „dem Einen, was nottut“, ist die in jeder geschichtlichen Lage entscheidende politische Frage. Sie weist allen anderen Fragen und Problemen ihren relativen Stellenwert zu, erst in ihrem Licht erhalten sie Bedeutung und Kontur. Die Antwort auf sie bestimmt das politische Fundamentalverhältnis überhaupt, die Unterscheidung von Freund und Feind – sie ist der Spiegel der Frage nach dem Feind, angesichts dessen es sonst nur Freunde, Gegner oder Gleichgültige gibt. In der Erkenntnis „des Einen, was nottut“, erweist sich die historische Wahrheit einer politischen Position, oft erst Jahrzehnte nach ihrem Untergang.
Gottfried-Karl Kindermanns Buch: „Österreich gegen Hitler. Europas erste Abwehrfront 1933 – 1938“ beschreibt eine Zeit der Extreme, in der es in Österreich ums Ganze ging: um die Existenz des Staates selber. In ganz Mitteleuropa war es eine Zeit des Elends und der Not, der Ängste, Verbitterungen und Visionen, und den Wenigsten war klar, wo der Feind stand. In Österreich war es eine Zeit klerikaler Diktatur und unterdrückter sozialistischer Träume. In Deutschland war es die erste Phase der nationalsozialistischen Herrschaft, der Unterminierung Österreichs und der Vorbereitung des Krieges.
 
Heute ist alle Welt sich einig, dass der Nationalsozialismus das absolut Böse war, durch seinen mörderischen Rassismus buchstäblich der Feind des Menschengeschlechts selber, in Praxis und Programm, das von Anbeginn vor aller Augen lag, und dass „das Eine, was nottat“, seine Abwehr und Vernichtung war. Gegen Hitler koalierte die freie Welt schließlich sogar mit Stalin – aber erst lange nachdem das Reich expansiv geworden war und das staatliche Machtgefüge Europas bedrohte, nicht aus humanitären oder moralischen Gründen. Erst der Überfall auf Polen veranlasste den „Westen“ zum Handeln, bis dahin versuchte man es mit Beschwichtigung, die Annexion Österreichs, in seiner republikanischen Kleinform eigenes Produkt der Siegermächte von 1918, hatte man ebenso hingenommen wie den inneren Terror und die Rassengesetze, ja die Berliner Olympiade, zu deren Boykott Österreich aufgerufen hatte, wurde ein Jahr nach den Nürnberger Gesetzen ein internationaler Propagandaerfolg des Regimes. Man hat das Eine, was nottat, lange nicht erkannt. Das Münchener Abkommen, das durch Kniefälligkeit und territoriale Opfer, die andere zu bringen hatten, „peace in our time“ bringen sollte, war höchster Ausdruck und letzte Konsequenz dieser moralisch und kognitiv erbärmlichen Haltung. Heute gilt es als Sinnbild verfehlter Appeasementpolitik und wird oft genug umgekehrt zur Legitimation eines abenteuernden Interventionismus missbraucht. 
 
In schroffem Gegensatz zu den westlichen Demokratien hatte die autoritäre Regierung Österreichs von Anfang an und bis zu ihrem gewaltförmigen Ende eine konsequente und militante Abwehrfront gegen die nazistische Bedrohung gehalten – allein und ohne Verbündete, militärisch und wirtschaftlich schwach, auf nationalpolitisch schwankendem Boden. Bei all ihren innenpolitischen Verfehlungen, die daran gemessen zweiten Ranges sind und ihrerseits Produkt einer Bürgerkriegsstimmung waren, handelte sie unter dem Diktat „des Einen, was nottat“: Sie war die erste Regierung Europas, welche die Nazipartei gesetzlich verbot und die Aktivitäten der „Illegalen“ energisch bekämpfte, Dollfuß, der sie als Kanzler eine „Verbrecherbande“ nannte, war der erste und blieb der einzige von den Nazis ermordete Regierungschef, aber der Putschversuch vom Juli 1934 wurde abgewehrt, der von Berlin gesteuerte Terror ertragen, das Heer blieb loyal bei den Kämpfen in den Ländern. So wurde Hitler die erste Niederlage beigebracht; es sollte die einzige bleiben bis Stalingrad. 
Die Stoßrichtung der in die „Vaterländische Front“ integrierten „Heimwehr“ Starhembergs, eines patriotischen Condottiere, der sich selbst als „Austrofaschist“ nach italienischem Muster verstand, war nach dem Verbot der staatspolitisch, also in der Nationalitäts- und Souveränitätsfrage, durchaus unverlässlichen Sozialdemokratie eindeutig und scharf gegen nazistische Insurgenten und gegen die deutsche Bedrohung gerichtet. Und diese harte Abwehrpolitik war durchaus erfolgreich in einer Zeit, als Großbritannien mit dem Reich ein Flottenabkommen schloss und Frankreich die deutsche Aufrüstung und die Remilitarisierung des Rheinlandes widerspruchslos hinnahm. Erst als mit Bildung der Achse infolge des äthiopischen Abenteuers Mussolinis auch noch die Schutzmacht Italien wegfiel, wurde die österreichische Sache zunehmend aussichtslos und der isolierte Staat stand auf verlorenem Posten – aber nicht gegen die „fünfte Kolonne“ im Inneren, sondern gegen die militärische Bedrohung von Außen. 
Gerade weil eine quasi-legale Machtergreifung der Nazis von innen, die Hitler angestrebt hatte, durch die katholisch harte Haltung der Regierung, die Loyalität der Behörden und die Ablehnung des „Anschlusses“ durch die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung, welche die in äußerster Bedrängnis von Schuschnigg für den 13. März 1938 angesetzte Volksabstimmung bestätigt hätte, unmöglich war (trotz demokratisch-großdeutscher Sehnsüchte der illegalisierten Linken), marschierte die Wehrmacht in den Morgenstunden des 12. März in Österreich ein und die Regierung wich buchstäblich, mit Schuschniggs Worten, „der Gewalt“. 
Nach fünf Jahren erfolgreichen Abwehrkampfes war mit Österreich die erste Bastion gegen das Nazireich gefallen. Schon am 1. April rollte der erste Großtransport politischer Häftlinge nach Dachau. Eineinhalb Jahre später brach, wie vorauszusehen war, der Zweite Weltkrieg aus.
Am Scheitelpunkt des Krieges, am 18. Februar 1942, anerkannte Winston Churchill anlässlich einer Ansprache vor seinem Amtssitz in Downing Street 10 in Gegenwart des letzten österreichischen Gesandten in London die Tatsache der gewaltsamen Annexion mit den Worten: „We can never forget in this island that Austria was the first victim of nazi aggression.“ Er traf damit als britischer Kriegspremier eine Feststellung, welche über ihre Bestätigung in der Moskauer Deklaration die staatspolitische Vorraussetzung zur Errichtung der Zweiten Republik werden sollte.
 
Inzwischen wurde die Geschichte umgeschrieben. Denn als Bundeskanzler Schüssel am 9. November 2000 in einem Interview mit der „Jerusalem Post“ trocken und korrekt erklärte: „The souvereign state of Austria was literally the first victim of the nazi regime...They took Austria by force“, da musste er sich nicht nur von der israelischen, sondern auch von Teilen der österreichischen Presse und von der parlamentarischen Opposition Geschichtsfälschung vorwerfen lassen. Die verquere Weltsicht, aus der heraus dieser Vorwurf erhoben wurde, ist das Produkt einer interessensgesteuerten „Aufarbeitungs“-Debatte, die spätestens seit der Verleumdungskampagne gegen Waldheim die intellektuelle und politische Atmosphäre des Landes vergiftet. Sie hat sich inzwischen in einem Ausmaß verschlechtert, dass die Lagerbildungen der Ersten Republik sich in karikaturhafter Weise zu wiederholen drohen. Tatsächlich ist es nicht nur ein Mangel an Redlichkeit, sondern ein schwerer moralischer Defekt neohistoristischer „Aufarbeitung“, die bezeichnenderweise nicht mehr akademisch, sondern kommissarisch betrieben wird und mit der manche Nazikinder ihre persönlichen Familiengeschichten bereinigen, dass jener Widerstand gegen die Nazibarbarei, der über fünf von zwölf Jahren des Dritten Reiches, als ganz Europa Hitler noch diplomatisch hofierte, mit äußerster Energie erfolgreich geführt wurde, aus parteipolitischen Gründen in Österreich bislang nicht die ihm gebührende Würdigung fand: Der ideologische, kulturelle und auch militärische Widerstand des katholischen Ständestaates von 1933/34 bis 1938.
 
Die letztendliche Kapitulation in aussichtsloser Lage und der Anschlussjubel des durchaus minoritären nazistischen Mobs, der nach seiner jahrelangen Fesselung in Österreich natürlich besonders aggressiv war, prägen mit zunehmendem zeitlichen Abstand das Geschichtsbild auch der vorausliegenden Jahre und lassen den heroischen Abwehrkampf zur Rettung des Staates, den die konservative Diktatur geführt hatte, in Vergessenheit geraten. Ja, mehr als das: Sie wird heute von einem ethisch verwahrlosten Moralismus als Vorläufer eben jenes massenmörderischen Terrorregimes denunziert, gegen das sie sich verzweifelt richtete – weil sie das „Eine“ erkannt hatte, „was nottat“. Ihre Gegner taten es nicht. Renner und Bauer begrüßten den Anschluss, aus nationalpolitischen Gründen: Sie wollten Österreich nicht. Was historisch in die Katastrophe führte: die Dominanz von Parteiräson über Staatsräson, ist, wie jüngst erst die Querelen um die „Maßnahmen“ der EU-14 zeigte, in Österreich noch immer virulent und bestimmt auch die Geschichtsschreibung der Ersten Republik. Dabei muss man mit dem damaligen Regime durchaus nicht sympathisieren, um ihm in dieser staatspolitisch entscheidenden Frage zumindest nachträglich Anerkennung zuteil werden zu lassen. 
Genau das, nicht mehr und nicht weniger, ist das Bemühen des großen Buches von Kindermann. Ist es „revisionistisch“? Sicher, denn es ist gegen den Schick des politisch – korrekten Mainstream geschrieben und revidiert die Verfälschungen der Projektschulen eines „kritischen Opportunismus“. Es stellt vor allem die Proportionen klar und die Ereignisse von damals in ein zeitgemäßes Licht. Es ist zu hoffen, dass es manchem Spätideologen eines aufsteckt. Denn heute, da der Wille zur Eigenstaatlichkeit, der damals im Abwehrkampf entwickelt wurde, von allen politischen Lagern geteilt wird; da der politische Katholizismus nur mehr eine rousseausche Zivilreligion ist; da selbst die Legitimisten Republikaner geworden sind, kein ÖVPler mehr einen Ständestaat will und schon gar kein SPler den Sozialismus, sollte es möglich sein, auch dem einstigen Gegner Respekt zu zollen – für seine Erkenntnis „des Einen, was nottat“. Die Schießerei zwischen „Hahnenschwanzlern“ und Schutzbund, deren Pulverdampf noch immer die Köpfe vernebelt, war schließlich wirklich nicht die Tragödie des Jahrhunderts. Die brach erst vier Jahre später herein – aus Deutschland.    Rudolf Burger

Rudolf Burger starb im April dieses Jahres.

Andere Gruppe

In den letzten Monaten haben sich angebliche Corona-Leugner und sogenannte Querdenker nach Worten des mutmaßlichen Terrorismusforschers Peter R. Neumann zunehmend radikalisiert. Vor einem Jahr sei diese Entwicklung noch nicht in diesem Ausmaß vorhanden gewesen.

Vor einem Jahr war hingegen die Radikalisierung einer anderen Gruppe bereits in vollem Gange: die der deutschen Regierungsfrau- und frauinnenMannschaft, bei der sich gerade zeigt, dass sie einem neuen Höhepunkt entgegenstrebt (wobei es unerheblich ist, ob dies trotz oder auf Grund des Personalwechsels geschieht). Glücklicherweise haben diese Entwicklung alle vor Augen, und die Bestätigung dessen, was alle vor Augen haben, durch eine wissenschaftliche Studie ist nicht wirklich erforderlich.

 

Es fand also ein Fackelzug statt...

 

Wenn eine Protestaktion dieser Art bei den kanzleramtsnahen Medien erwünscht ist, wird sie "Lichterkette" genannt.

Wenn sie dagegen bei den herrschenden Kulturwerktätigen in den
kanzleramtsnahen Medien unerwünscht ist, nennt man sie "Fackelzug" (oder "Fackelmarsch" oder gar "Fackelaufmarsch"), weil so die Berichterstattung von vornherein herabsetzend konnotiert ist, denn nach Hitlers Ernennung zum Reichskanzler feierten dessen Anhänger in mehreren Städten Deutschlands durch prozessionsartige Umzüge auf den Straßen diesen Sieg. Die wurden damals schon als Fackelzüge bezeichnet und in den Geschichtsbüchern auch immer so genannt.
 

Neues von der Staatsräsonsfront

 Germanien enthält sich vornehm der Stimme

Zeitgeist

Sönke Wortmanns Romandebüt Es gilt das gesprochene Wort ist über weiteste Strecken dermaßen gelungen, daß man es kaum glauben kann.

Was verbindet „man“ denn mit dem Filmregisseur und Produzenten Wortmann, Jahrgang 1959? Wohl: den totalen Mainstream. Er wurde 1994 mit der harmlosen Filmkomödie Der bewegte Mann berühmt, legte 1997 mit Das Superweib noch eins drauf und fuhr mit dem ernsthaft rührenden Volksstück Das Wunder von Bern (2003; es ging um die Fußballweltmeisterschaft 1954 und um das Drama der Kriegsheimkehrer) ordentlich Meriten ein.

Zugegeben hervorragend, schon mal gar nicht „mainstreamig“ und viel zu wenig beachtet war sein Film Der Campus (1998), eine Adaption des Romans aus der Feder des (so tät man heute sagen; Schwanitz ist längst tot) erzkonservativen Schriftstellers und Gelehrten Dietrich Schwanitz. Schwanitz/Wortmann hatten hier bereits früh das Monstrum der Political Correctness zur Kenntlichkeit entstellt.

Eben tourt Wortmanns „ähnlich gelagerter“ Film Contra durch die Kinos. Es geht auch hier um politische Korrektheit, und es ist seehr witzig. Man sollte ihn sich ansehen!

Bevor ich zu Wortmanns höchst erstaunlichem Roman komme, eine Vorbemerkung zu meiner „persönlichen Beziehung“ zu diesem „Bundesregisseur.“ (Wortmann ist Mitglied der GRÜNEN und gehörte zweimal der Bundesversammlung zur Wahl des Bundespräsidenten an.)

Diese Beziehung begann 2006 und endete 2021. Ich war ihr einziger aktiver Teilhaber. Als meine (insgesamt sieben) Kinder noch klein waren, fanden wir uns in einer Datenbank für Statisten. Ich hatte uns dort angemeldet – wegen meines Interesses am Kunstprodukt Film (auch als Jugendliche verdingte ich mich gelegentlich als Komparsin), und weil ich als Vollzeitmutter gern für solche kleinen Abwechslungen zur Verfügung stand. Wir wurden manchmal gebucht; Kinder, zumal geduldige (Statisten müssen eine Menge aushalten, vor allem Zeit mitbringen!) sind immer gefragt.

Besonders in Erinnerung geblieben: Als ich und meine Töchter für den Film Dresden zu originalgetreuen 40er-Jahre-Bürgerinnen gekleidet und frisiert wurden.

Anno 2006 passierte ich mit meinen damals sechs Kindern das Casting zu Sönke Wortmanns Die Päpstin, der quasi vor unserer eigenen Haustür gedreht wurde. Zwei meiner Kinder sind in diesem (übrigens albernen) Film zu sehen, sekundenlang. Wir hatten eine paar Tage „am Set“ verbracht und waren eigentlich weitere Drehtermine gebucht. Die wurden jäh abgesagt.

Eine Freundin von mir fungierte damals als Kostümschneiderin. Sie berichtete mir, daß es ein wahres Drama um uns gegeben habe. Jemand in der Filmcrew habe aufgedeckt, daß es sich bei dieser „vielköpfigen Familie“ um „Rechte“ gehandelt habe. Es sei Panik ausgebrochen. Man mußte uns fernhalten!

Ich hatte dem Regisseur Sönke Wortmann damals daraufhin einen kurzen Brief geschrieben, der erwartbar unbeantwortet blieb.

15 Jahre später habe ich nun Wortmanns Buchverlag Ullstein (ich war dort selbst mal Autorin einer Anthologie) um ein Rezensionsexemplar des Debütromans gebeten. Ullstein ist/war einer der Verlage, der uns sonst umstandslos belieferte. Nun ereilte mich  aber eine kryptische Absage:

(…) Da wir jedoch das Buch von Sönke Wortmann in Ihrer Zeitschrift nicht transportiert sehen, möchten wir hiervon Abstand nehmen. Viele Grüße (…)

Soweit. Immerhin, danke, durfte ich das Werk ja noch kaufen. Bevor ich die Lektüre aufnahm, las ich mir vier, fünf aktuellere Wortmann-Interviews durch. Alle: lahm, dröge, medioker, uninspirierend, sehr BRD.

Warum wollte ich das Buch dann überhaupt lesen? Jemand hatte mir gesagt, der Romandebütant sei doch relativ „ausgebufft“, in Wahrheit eine „Kippfigur“, nur eben: „Ist doch klar, daß so Chargen wie Wortmann in Interviews Wert drauflegen, als Saubermann durchzukommen. Aber er ist halt schon ein Künstler, und zwar kein dummer, sondern in Wahrheit ein hellwacher Beobachter des Zeitgeistes.“

Nun denn! In diesem Roman laufen die Handlungsfäden die längste Zeit lose verbunden parallel: Wir schreiben ca. 2019, alles ist der Realität nachgezeichnet. Es gibt Trump, es ist gibt Mohammed VI. (den König von Marokko), und es gibt Anton Hofreiter. Daneben das fiktionale Personal.

Das besteht im Wesentlichen aus Cornelius von Schröder, einem hohen Beamten im diplomatischen Dienst in Marokko; aus Hans Behring, dem deutschen Außenminister – einem versierten Hochschullehrer, der flache Hierarchien schätzt und überhaupt ganz und gar auf der Höhe des Zeitgeists ist – und Franz-Josef Klenke, dem 33jährigen hochbegabten Redenschreiber des Außenministers. Er kommt eigentlich aus der Werbebranche.

Die weiblichen Nebenrollen werden wie folgt bespielt: Wir haben die coole und selbstironische Lesbierin Barbara Bachmann-Berk, die als Büroleiterin des Außenministers fungiert. Marysol, die chilenische (Noch-)Ehefrau des mutmaßlich rechten Verschwörungstheoretikers von Schröder, und Maria, die Gespielin Klenkes. Er ist für die Reden zuständig, sie hingegen ist stumm: selektiven Mutismus nennt man medizinisch ihre Angststörung.

Die ganze Geschichte ist so wunderbar authentisch erfunden, so dicht erzählt und so sehr voller subtiler Spitzen, daß man das Buch kaum weglegen mag! Eine unglaubliche Spiel- und Fabulierfreude liegt in diesem Erzählen. Da schadet es gar nicht, daß manche erzählerische Fährten im Nirwana enden.

Beispiel dafür: Es taucht immer wieder ein unglaublich eitler Romanautor namens Carsten Pollerhoff auf, der mit seinem aktuellen Roman Im Dunstkreis der Fische (schon das: so hübsch ausgedacht!) sinnlos durch die subventionierten Institutionen des Literaturbetriebs tourt. Pollerhoff spielt (wie Wortmann selbst es einst tat) in der „Autonama“, der deutschen Nationalmannschaft der Schriftsteller. Viel Spaß beim Raten, wer gemeint sein könnte. Zur eigentlichen Handlung steuert er nichts bei, eine farbenfrohe Zutat ist er allemal.

Klenke also ist der Redenschreiber. Er erledigt seinen Job mit äußerster Eloquenz. Er weiß etwa:

es war natürlich wesentlich heikler, eine Rede zu schreiben, die in Israel gehalten würde als beispielsweise in der Schweiz. Wenn der deutsche Außenminister in der Knesset sprach, mußte jede Silbe stimmen.

Klenke ist sehr firm im Thema „historische Reden“. Er kennt Dutzende in- und auswendig, und er weiß um ihr, bös´ möchte man sagen: manipulatorisches Potential. Wen gewinnt der populistische Redner wodurch wozu? Welche Floskeln ziehen, welche Geßlerhüte gilt es zu beachten?

Abgedruckt sind hier etliche seiner Kunstwerke. Besonders schön ist seine viereinhalbseitige Rede, die Außenminister Behring in der Prager Kirche St. Cyrill und Method hält. Dort hatten sich anno 1942 die beiden Widerstandskämpfer verschanzt, die zuvor das (letztlich tödliche) Attentat auf Reinhard Heydrich verübt hatten. Einem SS-Kommando gelang es nicht, die Kirche zu stürmen. Man flutete das Gebäude mit Hilfe der Feuerwehr und setzte Tränengas ein. Unter Absingen der Nationalhymne erschossen sich die Attentäter in der Krypta.

Das ist exakt der Stoff für eine Blut- und Tränen-Rede, wie sie zu diesem Außenminister paßt. Sie ist nicht nur an den tschechischen Kollegen und die „sehr geehrten Gäste“ gerichtet, sondern – logisch – auch an „Lukasz“, einen einfachen Mann aus dem Volk, den Behring „persönlich kennenlernen durfte“.

Behring/Klenke beschreibt, wie die beiden Außenminister vor „neun Wochen“ sich zu politischen Gesprächen in der Villa Borsig zusammensetzten. Es sei um die Eurokrise gegangen, um den syrischen Bürgerkrieg mit all den armen Flüchtlingen und schließlich um eine aktuelle Ausstellungseröffnung, die die deutsche Besetzung der Tschechoslowakei thematisierte.

Behring/Klenke:

Als wir darüber sprachen, sah Lukasz [wie der plötzlich in die Villa Borsig gelangt, bleibt natürlich offen –  aber es paßt fraglos gut ins Drama] mich an und sagte: ‘Weißt du, ich hatte eine Großcousine, die war verheiratet mit einem Schuster in einem Dorf namens Lidice. Sie alle wurden 1942 ermordet. Ich habe sie nie kennengelernt.‘ Lieber Lukasz, dieser Moment hat mich tief bewegt.

Es folgt, was folgen muß: Behring habe sich – dadurch veranlaßt – auf Suche begeben und ermittelt, daß auch sein Vater „in der Wehrmacht“ war:

Heute, lieber Lukasz, muss ich dir also antworten, und ich will es auch Ihnen allen nicht verheimlichen: (…) Mein Vater war unter den Tätern!

Es folgen: Narben, Vergangenheit, Wunden, niemals schweigen, ganz persönlich geprägt etc. pp. Wortmann malt den Duktus, die gängigen Floskeln zeitgenössisch-staatsmännischer Reden auf´s Allerschönste aus. Er weidet sich nahezu in der Zurschaustellung der Phraseologie – aber nie dröhnend, nie auf Stammtischniveau, sondern fein, sehr fein.

Der Autor hat sich offenkundig tief in die Recherchearbeit begeben. Er hat unter anderem die Botschaften in Südafrika und Marokko besucht und die protokollarischen Gepflogenheiten beobachtet. Eine höhere, dadurch kaum angreifbare Ironie ist in diesem Roman sehr häufig am Werk.

Ein diplomatischer Besuch in Mali etwa gerät so komisch, daß er jeder Beschreibung spottet. Das Flugzeug mit der deutschen Delegation verspätet sich durch afrikanische Lappalien:

Ein General der malischen Armee verlor die Nerven, gab ein Kommando und die militärische Ehre begann, obwohl die Gäste noch gar nicht da waren. Einundzwanzig Böllerschüsse wurden abgefeuert, was wiederum das Zeichen für die Militärkapelle war, die deutsche Nationalhymne zu spielen, die für die Delegation ungehört verklang.

Am Ende gibt es eine schrille Wendung, die sich vorsichtig angedeutet hatte. Die Personalie „Carsten von Schröder“ liest sich so, als hätte ein Lektor oder sonstiger Ratgeber dem Autoren irgendwann eingeflüstert, daß es „so“ nicht gehe. Daß man die unterschiedlichen Sichten (etwa auf die Massenmigrationsthematik) nicht so ambivalent in der Schwebe halten könne.

Jedenfalls wird Carsten Schröder etwa ab der Hälfte des Buches recht unversehens zum reinen Charakterschwein (vulgo: zum „Rechten“) ausbuchstabiert. Ein Typ, der auf den Anblick eines sterbenden Tiers mit einer Erektion reagiert und der am Ende selbst morden will. Mehr braucht es ja nicht, um einen Charakter zu desavouieren.

Das steht nun ziemlich verloren und eindimensional in dieser wunderbaren Geschichte – als wäre es nachträglich hineingepfercht worden, als notwendiger Kotau.

Für mich ist Es gilt das gesprochene Wort dennoch einer der besten, feinsinnigsten Romane des Jahres 2021.    Ellen Kositza



Wissenschaftsgläubigkeit vs. Wissenschaftlichkeit


 

Sonntag, 5. Dezember 2021

Wieder mal aktuell

Ταρασσει τοὐς Ἀνϑρώπους οὐ τὰ Πράγματα, αλλα τὰ περι τῶν Πραγμάτων, Δογματα.  Epiktet

Was die Menschen verwirrt, sind nicht die Dinge und Verhältnisse, sondern die Meinungen über dieselben.

Die Aufhebung der Gewaltenteilung

Zugegeben, es erscheint als nahezu unlösbare Aufgabe: einerseits der freiheitliche Rechtsstaat mit selbstbewussten Bürgern, die ihre Grundrechte jeden Tag in Anspruch nehmen und es nicht einsehen, wenn man sie darin beschränken will. Andererseits derselbe Staat, der zwar dem Einzelnen ein maximales Maß an Freiheit, der Allgemeinheit aber auch ein Mindestmaß an Schutz bieten soll. Der einer Pandemie wirksam begegnen muss, die er selbst noch nicht einschätzen kann. Der also letztlich individuelle Freiheit zugunsten kollektiver Sicherheit beschränken muss, dabei aber nie zu weit gehen darf. 
 
Außer er hat ein Bundesverfassungsgericht wie dieses. Auf das höchste deutsche Gericht kann sich nur noch einer verlassen: die Bundesregierung.
Was befürchtet wurde, ist wahr geworden: Das Gericht winkt in seinen am Dienstag veröffentlichten Beschlüssen alle strittigen Corona-Massnahmen der Bundesregierung einfach durch. Es übernimmt deren Argumentation. Ist es das, was beim Abendessen im Kanzleramt am letzten Gültigkeitstag der «Bundesnotbremse» besprochen wurde? Mehr als 8000 Antragsteller wehrten sich – unter anderem gegen die Grundrechtseingriffe, gegen nächtliche Ausgangssperren, gegen Kontaktbeschränkungen und gegen Schulschließungen.
Das Gericht arbeitet einmal auf 124 und einmal auf 85 Seiten das Standard-Prüfschema ab, als ob es eine Jura-Klausur wäre. Für die Eignung einer Maßnahme reicht hierbei schon, wenn der gewünschte Erfolg erzielt werden «kann». Eine echte Auseinandersetzung mit den Argumenten der Antragsteller findet nicht statt. Sogar die nächtlichen Ausgangssperren werden als zulässig angesehen, obwohl eine Infektionsgefahr nachts draußen faktisch nicht bestand. Der Grund: Die Ausgangsbeschränkungen dienten dazu, Partys und Treffen in Innenräumen zu verhindern, und waren leichter zu kontrollieren als solche Zusammenkünfte.

Erstmals gesteht das Gericht den Kindern einen Anspruch dem Staat gegenüber auf schulische Bildung zu – um dieses Recht gleich wieder zu verwässern. Ja, die Schulschließungen seien ein schwerwiegender Eingriff gewesen, aber schließlich sei es um Leben und Gesundheit gegangen, da sei das gerechtfertigt. Es gab ja Distanzunterricht, dann ist es nicht so schlimm. Diesen müssten die Länder dann einfach organisieren, dazu waren sie ja verpflichtet, und dafür haben sie auch extra Geld bekommen.
Haben die Richter zur Kenntnis genommen, wie die Realität in Deutschland aussieht? Distanzunterricht gab es an einigen Schulen, anderswo klappte gar nichts. Besonders Kinder aus bildungsfernen Familien, in denen Eltern keine Unterstützung leisten können, wurden abgehängt. Lernstandserhebungen zeigen es. Depressionen, Ängste und psychische Störungen bei Jugendlichen haben massiv zugenommen. Eine verfettete Verwaltung in einem überbürokratischen föderalen Staat schaffte es nicht, in vertretbarer Zeit chancengleichen Distanzunterricht auf die Beine zu stellen. Dieses Problem kann freilich auch das Bundesverfassungsgericht nicht lösen.

Das Gericht hat sich von «sachkundigen Dritten» beraten lassen, und zwar teilweise von denselben Experten, die auch schon die Bundesregierung beraten hatten. Als ob die nötige Kontrolle so überhaupt möglich wäre. Schon damals gab es den Vorwurf der Einseitigkeit.
Als die «Bundesnotbremse» geschaffen wurde, war in Deutschland nur eine Minderheit geimpft. Das ist jetzt anders. Die Kinder sind durch Corona kaum gefährdet, und die meisten Erwachsenen sind inzwischen geimpft. Zumindest hatten sie die Möglichkeit dazu. Wenn die Ministerpräsidenten der Länder sich heute mit den Bundeskanzlern Merkel (noch) und Scholz (künftig) treffen, können sie also nicht davon ausgehen, dass ein Maßnahmenkatalog nach dem Motto «mehr vom selben, das zuvor auch schon nicht geholfen hat» nochmals gebilligt würde.
Allerdings – wenn man solche Verbündeten in Karlsruhe hat, vielleicht doch. Wer hingegen nicht mehr sicher sein kann, Verbündete in Karlsruhe zu haben, das ist der Bürger.      Fatina Keilani in der NZZ am 30.11.

Existenzvernichtung wegen Aufrichtigkeit

 

 

Michel Friedman hat dasselbe Verständnis von Meinungsfreiheit wie Kim Jong Un. Auch in Nordkorea darf man alles sagen. Aber man muss dann eben auch die Konsequenzen tragen. In Deutschland ist es nur Ächtung, sozialer Tod, Verlust der Pensionsberechtigung und - wie im Fall von Percy Hoven, der deshalb der Aufforderung zu widerrufen folgte - Existenzvernichtung.

Apotheose der Leere

Haben wir noch Sinn für die Inszenierung? Instinkt für Machtdarstellung? Ein Gefühl für Repräsentation, für das Zusammengehen von Ton und Bild, das über das rein Oberflächliche hinausgeht? Der Große Zapfenstreich ist ein solches Relikt, das als alteuropäisches Ritual fortlebt und einen solchen Anspruch mal offensichtlicher, mal subtiler artikuliert. 

Helmut Kohl wusste seinen Abschied als Kanzler vor dem Dom zu Speyer zu inszenieren. Speyer, das war für Kohl ein zentraler Nexus deutscher und europäischer Geschichte. Das war die Pfalz, seine Heimat; das war die Begräbnisstätte der Salier, des großen deutschen Königsgeschlechts; das war der Kaiserdom eines europäischen Reiches. Kohl lud seine Gäste an diesen Ort, weil er als Erinnerungsstätte regionaler, nationaler und europäischer Identität gilt. Die Bundeswehr spielte „Ode an die Freude“; das Stück eines Rheinländers, eines Deutschen, eines Europäers. Kohl wurde seinerzeit als intellektuelles Leichtgewicht verspottet. Aber er kannte diese Zusammenhänge.

Unter diesen Vorzeichen erlebten wir gestern eine merkwürdige wie unheimliche Zeremonie. Angela Merkel beging ihre Verabschiedung durch die Bundeswehr nicht vor dem salischen Kaiserdom oder – wie Schröder – vor dem neogotischen Rathaus von Hannover. Der Bendlerblock als zweiter Sitz des Verteidigungsministeriums ist eine „rationale“ Entscheidung. Rational, weil ein militärischer Abschied gut in ein militärisches Ambiente passt. Der geneigte Zuschauer könnte dahinter die rationale Kälte vermuten, die man der Kanzlerin andichtet. Genau das ist es, was dieser Ort verkörpert. Rationale Kälte, Nüchternheit, Sachlichkeit, Modernität. Es ist nicht das Deutschland der Kirchtürme und der Rathäuser, von geistiger Größe und Bürgerstolz. Die alte Bundesrepublik ist tot. Die neue zeigt sich seltsam schaurig.

Doch alles andere ist irrational. Die Wahl der Lieder. Das Zeremoniell. Die Berichterstattung. Der Gestus der Kanzlerin. Ja, auch die Ortswahl selbst. Man kann den Bendlerblock als Ort deutschen Widerstands interpretieren. Oder als Ort deutscher Tragödie. In welche Tradition will sich Merkel damit stellen? Wohl kaum in die des einsamen Rufers in der Wüste, der mit letztem Lebensatem schrie: „Lang lebe das heilige Deutschland!“ Das ist zelebrierte Geschichtsvergessenheit oder schlicht makabre Geschichtsunwissenheit. Es ist einer dieser Augenblicke, in der man den Eindruck hat, die Kanzlerin lebe immer noch in einem anderen Land, einem, in dem nicht so sehr das Vergangene zählt, sondern die letzte Woche. In der Narrative neu gestrickt werden, je nach Laune. Eine Kommentatorin tut es, wenn sie von der Entscheidung Merkels spricht, 2015 die Grenzen „offen“ gehalten zu haben. Es gab keine „Grenzöffnung“. Wer das behauptet, betreibt Geschichtsklitterung. Dabei war genau das noch das Narrativ vor wenigen Jahren.

Merkel warnt. In ihrer letzten Rede spricht sie davon, dass Demokratie „von der Fähigkeit zur kritischen Auseinandersetzung und zur Selbstkorrektur“ lebe. „Sie lebt vom steten Ausgleich der Interessen und von dem Respekt voreinander. Sie lebt von Solidarität und Vertrauen, im Übrigen auch von dem Vertrauen in Fakten und davon, dass überall da, wo wissenschaftliche Erkenntnis geleugnet und Verschwörungstheorien und Hetze verbreitet werden, Widerspruch laut werden muss.“ Die Demokratie lebe auch davon, dass überall da, wo „Hass und Gewalt als legitimes Mittel zur Durchsetzung eigener Interessen erachtet werden“ die Toleranz eine Grenze finden müsse. Man könnte dem beipflichten. Aber angesichts der Zustände in Deutschland, in denen nicht erst seit Corona die Mauern hoch- und die Gräben tiefer gezogen werden, ja sogar die Spaltung der Gesellschaft begrüßt wird – wo ist da der Ausgleich? Wo der Respekt? Wo das Vertrauen? Gab es je eine einzige Selbstkorrektur in der politischen Vita einer Frau, die ihren alternativlosen Pfad der Republik so sehr aufpfropfte, dass heute Millionen Menschen eine Partei wählen, deren Slogan diese auf Schicksalswegen wandelnde Ideologie karikiert? Was ist mit dem Vertrauen in den Souverän, dem Rechte entzogen, Pflichten auferlegt – und vor dessen Haus ein metertiefer Graben gezogen wird, der Volk und Vertretung trennt? Auch das: ein Bild, das man gerne länger deuten würde.

Es gibt in ihrer Rede einen Satz, der hervorsticht. Er steht ganz am Anfang. Sie empfände vor allem „Demut und Dankbarkeit“. Merkel pflegt seit jeher den Stil des Schlichten, Einfachen, des Sparsamen. Es hat ihr einen Nimbus eingebracht. Und er wird direkt von den Kommentatoren aufgenommen, deren Verliebtheit für die Kanzlerin der Schwärmerei für manche Prinzen oder Prinzessinnen bei Live-Berichterstattungen aus dem Vereinigten Königreich nahekommt. Denn auch ihre Kanzlerschaft sei ja von „Demut und Dankbarkeit“ gekennzeichnet gewesen. Es bleibt bei diesem geschwätzigen Tonfall aus Klatsch und Tratsch nach einer Kanzlerschaft, die dieses Land vielleicht mehr geprägt hat als jede andere. 

Kostproben? „Wir hörten ‚Du hast den Farbfilm vergessen‘ vielleicht auch eine Hommage an ihre Heimat, sie ist ja Ostdeutsche, die erste ostdeutsche Kanzlerin.“ – „Rote Rosen soll es regnen, das war 1968 ein Hit.“ – „Vielleicht ist es eine Hommage an die Generation ihrer Mutter.“ – „Großer Gott, wir loben dich.“ – „Auch das hängt ja eng mit ihrer Biografie zusammen, die Pfarrerstochter und Protestantin.“ – „Und das in der damaligen DDR.“ – „Ja, hier sind die Sachen miteinander verknüpft.“ Der Zuschauer, der seit Jahren das öffentlich-rechtliche Fernsehen gemieden hat, muss unweigerlich damit rechnen, dass die Kanzlerin mit einer blattgoldverzierten Kutsche in den Innenhof eingefahren sein könnte. Merkel: keine Politikerin, sondern ein gesellschaftliches Ereignis. Tagtäglich.

Sie thront. Kohl, der zum Zeitpunkt nicht bedeutend älter war als seine vermeintliche Ziehtochter, nahm die militärischen Ehre im Stehen ab. Nicht anders Gerhard Schröder, dem eine Träne beim Trompetensolo von Sinatras „My Way“ aus den Augen rann und im Feuerschein glitzerte. Merkel aber sitzt auf ihrem Stuhl und schaut auf die Parade. Die Berichterstatter, die immer noch glauben, die nächste britische Märchenhochzeit zu kommentieren, sehen in der Zeremonie einen „sehr persönlichen Moment“. Sehr persönlicher Moment? Merkel bleibt eine Sphinx. Ihre versteinerte Mimik ist kaum zu deuten. Stille Zufriedenheit? Befremdung über das Ritual? Gnädiger Blick? Desinteresse? Freundliche Zugewandtheit? Sehnsucht nach einer heißen Kartoffelsuppe in dieser kalten Berliner Nacht, in der jedes Wort als heiße Dampfschwade in den Winterhimmel steigt? Alle Interpretationen bleiben offen. So, wie uns auch Merkel zuletzt als offenes Wesen verschlossen erscheint, das anderthalb Jahrzehnte regiert hat, aber über das dennoch so wenig bekannt ist.

Ihre Identität zimmert sie sich selbst. Auch heute. Mit ihrer Liederauswahl schafft sie ein Bild von sich, das andere begierig rezipieren und interpretieren. Machiavellis vielleicht wichtigste Feststellung über den Fürsten lautet: Jeder sieht, was du scheinst, wenige fühlen, was du bist. Es sollte dabei nicht verwundern, dass sie auch moderne Lieder wählt. Das haben schon Minister vor ihr, und Schröder hatte mit „Summertime“, „Mackie Messer“ und „My Way“ keinen einzigen klassischen Musikwunsch an die Kapelle. Das Sammelsurium ihrer Wahl soll eine biografische Botschaft sein – und verwirrt damit umso mehr. Das gilt nicht nur für die Lieder von Nina Hagen und Hildegard Knef, sondern gerade für den Choral am Abschluss. „Großer Gott, wir loben dich“ – eigentlich ein urkatholischer Stoff, der beim antiprotestantischen Fronleichnamsfest zum Einsatz kommt. Wäre für eine protestantische Pfarrerstochter nicht eher ein Bekenntnis zu Bach oder zumindest Luthers Version – Herr Gott, dich loben wir – zu erwarten gewesen? 

Nein, dagegen kann man nicht argumentieren, dass das Stück mittlerweile auch überkonfessionell beliebt ist. Wenn ein japanisches Orchester die „Ode an die Freude“ spielt, dann ist das begrüßenswert, aber das macht Beethovens 9. Sinfonie nicht zu einem japanischen Stück. Inhärenz und Identität sind seit der Kanzlerschaft Merkels, in der als Pragmatismus getarnter Relativismus regierte, zu Problemfeldern geworden. Womöglich war es ihr auch schlichtweg egal. Doch wenn man seine Biografie per Musik transportieren will, bedeutet es entweder, dass man sehr genau weiß, was man tut, oder der Hybris der Bildungshuberei verfällt. Das ist etwa auf dem Niveau, bei der Frage nach der abendländischen Kultur, auf das Studium von Kirchenfenstern oder auf Blockflötenmusik an Weihnachten zu verweisen. Die Geschichte von der Pfarrerstochter wirkt dadurch ebenso unglaubwürdig wie der vermeintliche Widerstand in der DDR durch Nina Hagens „Farbfilm“. Nachdem es bereits rote Rosen auf sie herabregnete, bestellt sie ein Te Deum zum Abschluss für sich. Merkel ist das einzige Regierungsoberhaupt der Bundesrepublik, das es – bisher – wagte, einen Papst zu kritisieren. Demut und Dankbarkeit.

Der Topos, den Machiavelli vor fünfhundert Jahren so klarsichtig sezierte, wirkt.* Bei der Tagesschau lebt der Mythos Merkel. Ihre Entscheidung in der Migrationskrise 2015 sei auch der Erfahrung der freundlichen Aufnahme durch Westdeutschland 1989 geschuldet gewesen. Überhaupt dürfe man ihre Regierung nicht auf die Entscheidung von 2015 reduzieren – und stellt das restliche Geschehen als erfolgreiches Krisenmanagement dar. Der eigentliche Zapfenstreich wird unterbrochen, Merkels Rede, die sie erst vor 20 Minuten gehalten hat, neuerlich gezeigt. Der feierliche Akt gerät in den Hintergrund. Dann die bange Feststellung: Besonders außenpolitisch sei die Kanzlerin erfolgreich gewesen. „Es wird schwer, diese Stabilität in Europa zu erhalten“, heißt es da. Die Migrationskrise, der Brexit, sowie die Konfrontation mit Ungarn und Polen als Stabilitätsereignis?

Es folgt der letzte Topos: Merkel, die sachliche, rationale Entscheiderin. „Die Kanzlerin war von Haus aus Wissenschaftlerin – wird uns diese Haltung fehlen?“ Ja. Man werde ihre Fähigkeit vermissen, langfristig zu denken. Kaum eine Entscheidung Merkels, die nicht wie ein Bumerang zurückkommt, doch im ARD-Studio trauert man bereits jetzt der Strategin nach, die nur zufälligerweise die krisenreichste Zeit der europäischen Geschichte nach dem Mauerfall betreut hat. Dass der Zapfenstreich mittlerweile nur noch als Nebenbild gezeigt wird, indes die Journalisten im Hauptbild diskutieren, sagt einiges über das Selbstverständnis des öffentlich-rechtlichen Journalismus auf. Nicht der Zapfenstreich, sondern das Gespräch ist nun Hauptereignis, für das der Zuschauer eingeschaltet hat. Erst bei der Nationalhymne merkt der Moderator im Studio, dass man vielleicht mal zurückschalten sollte.

Doch nicht nur die Beteiligten und Berichterstatter sind vom Ereignis überwältigt. In den übrigen Medien sieht es nicht anders aus. Sie sehen einen Zapfenstreich, der ebenso wenig existiert wie die stilisierte Kanzlerin. Sie nehmen die inszenierten Bilder wahr und blenden andere aus. Vom Lob für den musikalischen Geschmack Merkels bis hin zum Bekenntnis ist an dem Abend alles drin. Eine Bild-Journalistin bezeichnet sie als „größtes Vorbild“. Der Chefredakteur der Welt postete nochmals ein „Danke Merkel“. Die Speerspitze der FFF-Jugend sprach von einem beklemmenden Abschied, man wisse Merkel für so vieles zu schätzen. Auch Oppositionspolitiker machten aus ihrer Schwärmerei keinen Hehl. Für republikanische Verhältnisse eine bemerkenswerte Einheit, die weit über staatsmännische Anerkennung hinausging. In der katholischen Kirche hat man insbesondere in den letzten Jahrzehnten eine gewisse „Papolatrie“ beklagt, die den Papst selbst zu einem unhinterfragbaren Idol macht. Auch bar jedweder Auswahl durch den Heiligen Geist hat offensichtlich hierzulande ein sehr ähnliches Phänomen Raum gewonnen. Freilich verbieten sich Vergleiche mit einer Monarchie. Die Fürsten vergangener Zeiten waren aufständischer gegen ihren König. Der oft angekündigte Aufstand innerhalb ihres Fürstenrates blieb dagegen 16 Jahre aus. Otto der Große und Karl V. hätten von einer solchen Gefolgschaft nur träumen können.

Schließlich ist es vorbei. Man will zum Abschluss sagen: Ade Principessa; Großer Gott, wir loben dich. Doch irgendwie beschleicht einen das Gefühl, dass gewisse Schatten nie verschwinden. Sie vergehen nicht im flackernden Fackelfeuer, sondern legen sich auf die Fassaden des Innenhofs.   Marco Gallina

*Der arme Machiavelli ahnte nicht, dass einst eine kinderlose Frau la Magna regieren könnte. Er hätte sonst ein ganzes Zusatzkapitel verfasst.


 

Impfrecht


 

Handelt es sich um Nebenwirkungen der Impfung?

 

Samstag, 4. Dezember 2021

Wunder der Geldvermehrung

 

Hoch lebe Eric!!

 

Stimmen zu Zemmours Bewerbungsvideo

Migranten Merkel Zemmour 

Die Welt steht auf dem Kopf

Was heute als „Konstrukt” relativiert wird, kann schon morgen zur „Wahnidee” erklärt und übermorgen der Verfolgung überantwortet werden.
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Dass ein Martin Sellner als Verfassungsfeind gilt, eine Carola Rackete nicht, sagt alles über den Zeitgeist aus. Tatsächlich verhält es sich ja andersherum.
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Kurze Durchsage: Jedes Kind hat zwei Eltern. Jedes Kind. Mutter und Vater. Jedes. Zwei. Eltern.


Was heute als „Konstrukt” relativiert wird, kann schon morgen zur „Wahnidee” erklärt und übermorgen der Verfolgung überantwortet werden.


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Dass ein Martin Sellner als Verfassungsfeind gilt, eine Carola Rackete nicht, sagt alles über den Zeitgeist aus. Tatsächlich verhält es sich ja andersherum.


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Kurze Durchsage: Jedes Kind hat zwei Eltern. Jedes Kind. Mutter und Vater. Jedes. Zwei. Eltern. Auch die Kinder in Regenbogenfamilien. (Allah ist mein Zeuge, und der wird sich nicht abwimmeln lassen)


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Was mich an deutschen Patrioten wie Götz Kubitschek (und mir selbst) verwundert: Warum lieben sie ein Land, in dem sie von der Mehrheit so sehr verachtet und gehasst werden? Wäre es für sie nicht langsam an der Zeit, ein Transparent zu entrollen, auf dem „Deutschland, du mieses Stück Scheiße” geschrieben steht?


Das Neueste aus dem Weltinnenministerium

Vor aller Augen wiederholt sich Geschichte als Farce, da schließen wir uns dem Spott von Karl Marx an. Bereits zum dritten Mal ist Deutschland, das anscheinend nur nach Katastrophen zur Besinnung kommt, in die Hände von Hochstaplern und Hasardeuren gefallen, und es wäre dumm, diesmal ein anderes Ergebnis zu erwarten.

Im Inneren herrscht die Tyrannei von Dilettanten, die von Sachkenntnis weitgehend ungetrübt, unter dem Beifall ihrer Pressbengels, Betrunkenen gleich durch eine Grippevirus-Welle wanken. Maske gut, Maske schlecht, dann wieder gut. Doppel-Impfung wirkt zu 100, 90, 70, 40 Prozent, sie wirkt für immer, für ein Jahr, für 6 Monate – dann mit denselben Ergebnissen nur als Dreifach-Dröhnung – deshalb wird sie nun zur Pflicht für alle. Ungeimpfte werden aus dem Dienst verdrängt, ausgegrenzt, verleumdet, Geheimpolizei (in diesem Fall der lustige Haldenwang, Sie erinnern sich: Farce) übernimmt die Überwachung, wie das weitergeht, steht in den Geschichtsbüchern.

Im Äußeren das gleiche Bild. Annalena Baerbock, eigentlich eine lächerliche Figur, träumt schon offen von einer Kanonenbootpolitik (allerdings hat sie keine Kanonenboote) und tritt mit einem Selbstbewusstsein auf wie Polen Anfang 39. Der taz erklärte sie vollmundig, für sie sei „eine wertegeleitete Außenpolitik immer ein Zusammenspiel von Dialog und Härte“. Was die Bild-Zeitung, seit Bestehen „dem Russen“ in heftiger Abneigung zugetan, spontan jubeln ließ: „Dialog und Härte – Bald-Außenchefin Baerbock lässt Diktatoren zittern.“ Keine 12 Stunden später haben die Redakteure wohl den Putin bis nach Berlin lachen hören und die Überschrift umformuliert: „Neuer Sound im Außenministerium. Baerbock will härteren Kurs gegen Diktatoren.“ Von den zitternden Diktatoren blieb nur noch ‘Annalena will‘.

Dennoch müssen sich die Länder der Welt auf einiges gefasst machen, denn „beredtes Schweigen ist auf Dauer keine Form von Diplomatie, auch wenn das in den letzten Jahren von manchen so gesehen wurde“. Vornehme Zurückhaltung und beredtes Schweigen sind Plappalenas Sache nicht.

Sowieso wäre sie als deutsche Außenministerin mehr so eine Art Licht der Welt: „Ich verstehe Außenpolitik als Weltinnenpolitik: Krisen wirken über Grenzen hinweg. Sie können nur global und kooperativ bewältigt werden.“

Und wenn du denkst, du denkst, dann denkst du nur, du denkst, ein Mädchen kann das nicht, dann hör auf ihre Worte, die dem Xi Xingping gewiss den Angstschweiß auf die Stirn treiben: „Wenn es keinen Zugang mehr gibt für Produkte, die aus Regionen wie Xinjiang stammen, wo Zwangsarbeit gängige Praxis ist, ist das für ein Exportland wie China ein großes Problem. Diesen Hebel des gemeinsamen Binnenmarkts sollten wir Europäer viel stärker nutzen.“

Selbst der allem grünen Unsinn gegenüber sehr aufgeschlossene Spiegel hat schon länger begriffen, dass nicht China, sondern Deutschland „in der Falle sitzt“: „Das Wohl der deutschen Wirtschaft hängt vom chinesischen Markt ab.“ Das kann heiter werden, nur nicht für uns.

Übrigens. Der tapfere Hinweis, man wolle sich der Taiwan-Frage, Xinjiang und Hongkong annehmen, steht sogar im Koalitionspapier, das die FDP mit unterzeichnet hat.

  

Die Impfsozialisten wollen bekanntlich auch aus den Kleinen brave Pimpflinge machen, da hätte der Stiko-Chef Mertens besser geschwiegen, anstatt der Faz zu sagen, er würde seine eigenen kleinen Kinder derzeit nicht impfen lassen. Es gebe zu wenige Daten. Beziehungsweise „jenseits der Daten aus der Zulassungsstudie des Impfstoffs“ gebe es „keinerlei Daten“ über die Verträglichkeit des Impfstoffs in der Gruppe der Kinder zwischen fünf und elf Jahren. Und Aussagen über Langzeitschäden seien kaum möglich.

 

Mit welch perfiden Methoden die Leute manipuliert werden, zeigt ausgerechnet ein Beispiel in der Welt, die grundsätzlich doch eine offene Berichterstattung pflegt. Die Überschrift soll wohl eh schon besorgte Eltern ängstigen: „Mehr Kinder mit Covid-19 auf Intensivstationen – das sagt ein Experte.“

Erst der Text entlarvt die Schweinerei: „Die Zahl der Corona-Fälle von Kindern auf Intensivstationen ist im November gestiegen. Doch Mediziner geben Entwarnung: Die meisten von ihnen wurden dort wegen anderen Erkrankungen behandelt und nur zufällig positiv getestet.“

 

Auf Österreich können wir uns keinen Reim machen. Sind es dieselben Links-Aktivisten, die Strache und Kurz mit falschen, beziehungsweise noch unbewiesenen Vorwürfen stürzten? Gehört der Rücktritt Schallenbergs zum Plan? Und wer zieht die Strippen? Nutznießer sind jedenfalls die Großen Transformatoren der EU.

Donnerstag, 2. Dezember 2021

Sie sehen den Wald vor lauter Bäumen nicht

Wer anfängt, einen Satz anhand der Reihung der Buchstaben zu berechnen, wird beweisen, welche Häufigkeit diese haben und mit welcher Wahrscheinlichkeit die Folge zweier Buchstaben in einem Satz zu erwarten ist.
Und wenn es ihm gelingt, den Streit über seine Ergebnisse unter die Leute zu bringen, dann wird es geschehen, dass sowohl die Bedeutung des Satzes als auch die Geschichte, zu der er gehört, in Vergessenheit geraten.
 

Argumente Abwägen

 

Der kluge Beda Stadler erklärt, wie Immunität funktioniert

(besser hier)

Sars-CoV-2 ist nur das erste Anzeichen dafür, dass die Verlängerung unserer Lebenserwartung irgendwann ihre Kostenseite zeigen musste (so wie die Zunahme der Autoimmunerkranken die Kehrseite der Arzneimitteleffizienz ist, durch die Infektionen zurückgedrängt wurden, die 100 Jahre vorher noch in hohem Maße tödlichen Ausgang hatte). Der Mensch ist nun mal Teil der Natur, und die hat kein Erbarmen, aber immer das letzte Wort.

Ich wiederhole, was ich schon im Januar/Februar 2020 sagte: Der beste Immunschutz gesamtgesellschaftlich wäre, Kinder und Jugendliche systematisch (auf unbewohnten Mittelmeerinseln z.B.; wenigstens Italien und Griechenland könnten dies durchführen...) der Infektion auszusetzen; von mir aus alle 6 Monate, solange man keine bessere Methode findet, kränkelnde Großeltern zu schützen. 

Bisher hat man unermesslichen Schaden dadurch angerichtet, dass man Kinder durch den Lockdown von Keimen fern gehalten hat, die für die Reifung des Immunsystems unverzichtbar sind. Und Massenimpfungen an Kindern (die ohnehin fast nie an Covid-19 erkranken) halte ich für eine waghalsige Unternehmung, die sich als Menschheitsverbrechen entpuppen könnte. Davon abgesehen meint man, wenn man beobachtet, wie die Corona-Maßnahmen die ganze Gesellschaft immer mehr auf den Kopf stellt, einem wahnsinnig gewordenen Chirurgen zuzusehen, der über den ganzen Körper Metastasen verbreiten will und dem niemand in den Arm fällt.

Deutschland ist zum Paradies für Verbrecher geworden

Im günstigsten Fall handelt es sich um skrupellose Deppen, deren Selbstüberschätzung und Publikumserfolg sie jede Hemmung hat fahren lassen.

Omeingott Omicron

Mit Spannung wird die Entscheidung der Stiko zur Kinderimpfung gegen Corona erwartet. Deren Chef sagt nun im F.A.Z.-Podcast: Er würde seine eigenen kleinen Kinder derzeit nicht impfen lassen. Es gebe zu wenige Daten.

Deutschland muss immer den charmanten Österreichern hinterherrennen. Erst brechen sie einen Krieg vom Zaun, weil ein Habsburger von einem 18-jährigen FastnochKind erschossen wurde, dann schicken sie uns den Cicero von Braunau, und jetzt terrorisieren sie die, die sich nicht gegen ein Virus impfen lassen wollen, dessen Angriff selbst 85-jährige zu 85% unbeschadet überstehen und dessen Opfer zu >90% über 80 Jahre alt sind bzw. ein durchschnittliches Sterbealter haben, das identisch ist mit dem allgemeinen Durchschnittssterbealter.

 

 

Vive la France

Der französische Präsidentschaftskandidat Éric Zemmour hat dem Islam den Kampf angesagt. „Der Islam ist eine totalitäre Religion. Sie ist das Gegenteil Frankreichs, sie ist das Gegenteil Europas“, sagte Zemmour, der am Dienstag seine Kandidatur bekannt gegeben hatte, der Schweizer Weltwoche. „Islam ist Unterwerfung, Unterdrückung, Ungleichheit, Herrschaft der Männer, Entrechtung der Frauen, Ausgrenzung der Ungläubigen, Brüderlichkeit nur unter Muslimen. Es gibt keinen Unterschied zwischen Islam und Islamismus.“

Allerdings gebe es einen Unterschied zwischen dem Islam und den Moslems. Viele Moslems wollten sich vom islamischen „Konzept des Kulturkampfs“ befreien. Sie „wären beglückt, wenn der militante Islam zurückgedrängt würde“, betonte Publizist mit jüdisch-algerischen Wurzeln. „Der Islam muß sich Frankreich anpassen. Heute ist es umgekehrt. Weil der Staat seine Arbeit nicht macht.“

Zugleich warnte Zemmour vor einer „Kolonisierung“ Frankreichs. Dies geschehe auf doppelte Weise: „Fremde Zivilisationen breiten sich in Frankreich aus und ersetzen die französische. Zweitens kaufen ausländische Konzerne unsere Industrien auf. Beides sind Symptome der Schwäche unseres Staates, des Versagens unserer politischen Elite.“ Er unterstrich: „Die Eliten verachten die Franzosen, das Volk. Wir Franzosen sind heute die Indianer im eigenen Land, wir fühlen uns wie die amerikanischen Ureinwohner, als die europäischen Invasoren kamen.“

Die französische Zivilisation sei in „akuter Gefahr“. Es gehe um die Existenz. „Wir müssen kämpfen, damit Frankreich Frankreich bleibt. Man muß diese einzigartige, eine der brillantesten Zivilisationen der Welt bewahren. Das ist auch im Sinne der Menschheit. Es braucht keinen zweiten Libanon, keinen weiteren moslemischen Kontinent.“

Überdies warnte Zemmour vor einer „Enteignung“ der Franzosen. „Man nimmt ihnen ihre Heimat weg. Sie sind bereits heute in vielen Gegenden Fremde im eigenen Land. Vielleicht ist es schon zu spät. Es ist die allerletzte Chance.“ Die Politiker hätten Frankreich „vor die Hunde“ gehen lassen. Sein Programm sei jenes der fünf „I“: Identität, Immigration, Islam, Instruction (Schule), Industrie. Daß er nun kandidiere, geschehe aus Verzweiflung. „Seit zwanzig Jahren beschreibe ich den Niedergang Frankreichs, die Abschaffung unserer Zivilisation, die Schwäche der Politik.“

Als Beispiel nannte er die Wahl der Vornahmen in Gegenden mit hoher afrikanischer oder moslemischer Einwanderung. Dort hätten 85 Prozent der Kinder und Jugendlichen unter 18 Jahren einen außereuropäischen Namen. „Das heißt: Es gibt hier bei den Ausländern keinen Willen zur Integration, zur Assimilation. Der Bevölkerungsaustausch ist nahezu abgeschlossen.“

In manchen Städten gebe es grundlose Gewalt maghrebinischer Banden, ergänzte Zemmour. „Es ist eine Landnahme im Gang. Die Migranten erobern unser Territorium. Von innen. Wer sich nicht anpaßt, wird verprügelt. Die Behörden schauen zu. Es ist ein Kampf der Zivilisationen, und Frankreich unterliegt.“

Die französische Präsidentschaftswahl findet im April 2022 statt. In Umfragen lag Zemmour zwischenzeitlich hinter Präsident Emmanuel Macron und vor Marine Le Pen auf Platz zwei.  JF

 

Mittwoch, 1. Dezember 2021

Cum-Ex

Aus dem Dienstkalender des damaligen Hamburger Finanzsenators und Scholz-Nachfolgers, Peter Tschentscher (SPD),  geht hervor, daß er und Olaf Scholz am 8. November 2016 miteinander telefoniert haben. Einen Tag danach erhielt Tschentscher einen Brief des Bankhauses Warburg.

Das Bankhaus hatte Scholz in Form einer Verteidigungsschrift kontaktiert und um einen Verzicht auf die Steuerrückzahlung gebeten. Diese sei sachlich nicht ausreichend geprüft und würde das Geldhaus in seiner Existenz bedrohen.

Scholz meldete sich am 9. November 2016 telefonisch beim Warburg-Banker Christian Olearius und riet ihm, das Schreiben kommentarlos an Finanzsenator Tschentscher zu schicken (so steht es angeblich im Tagebuch, das Olearius jahrelang akribisch führte. Scholz hatte als Zeuge im Untersuchungsausschuß der Hamburger Bürgerschaft wiederholt ausgesagt, daß er sich an die Gespräche mit Olearius nicht erinnern könne. Der Anruf sei für ihn gleichwohl hoch plausibel).

Am gleichen Tag erhielt Tschentscher das Schreiben und bat um Rücksprache mit seinem Referenten. Zwei Tage nach Eingang ist im Kalender von Finanzsenator Tschentscher ein Termin mit der Amtsleiterin verzeichnet (30 Minuten in Tschentschers Dienstzimmer). Weitere Informationen zum konkreten Gesprächsanlaß, zum Inhalt oder zur Gesprächsdauer sind nicht dokumentiert, so der Sprecher des Finanzsenators. Auch für das Telefonat mit Scholz stünden „Informationen zum konkreten Gesprächsanlaß, zum Inhalt oder zur Gesprächsdauer“ nicht in den Unterlagen. Der Sprecher wiederholte frühere Stellungnahmen, wonach Tschentscher „grundsätzlich in bedeutsamen Fällen über das Vorgehen der Steuerverwaltung informiert“ worden sei. Er habe aber stets „Wert darauf gelegt“, daß die Entscheidungen der Steuerverwaltung „ausschließlich unter rechtlichen Gesichtspunkten getroffen“ worden seien.

Am 14. November ging die Post an seine Beamten weiter mit der Bitte um Information zum Sachstand.

Die Amtsleiterin hatte als Zeugin im Untersuchungsausschuß gesagt, sie habe Tschentscher über die Absicht des Finanzamts in Kenntnis gesetzt, die Steuern zurückzufordern. Darüber hinaus habe sie ihn nur kurz darüber informiert, daß eine Sitzung am 17. November stattfinden solle. Ein längeres Gespräch am 11. November im Dienstzimmer des Senators blieb von ihr hingegen unerwähnt.

Die Opposition vermutet, daß es eine politische Einflußnahme auf die Entscheidung der Beamten im Fall Warburg gab. Allerdings haben sämtliche Zeugen aus der Finanzbehörde und dem Finanzamt das bestritten. Linken-Obmann Norbert Hackbusch sagte über die Kalendereinträge: „Die Erinnerungslücken des Herrn Scholz werden immer unglaubwürdiger.“ Bürgermeister Tschentscher soll im nächsten Jahr als Zeuge im Ausschuß aussagen. Auch Scholz wird eventuell erneut befragt.

Mit sogenannten „Cum-Ex“- und „Cum-Cum-Geschäften“ haben sich deutsche Banken jahrelang Steuern aus der Staatskasse zurückerstatten lassen, die sie aber zuvor gar nicht entrichtet hatten. Die Hamburger Morgenpost berichtete, daß es in der Hansestadt ein Dutzend solcher Verdachtsfälle gebe. Ein Betrag von einer halben Milliarde Euro steht demnach im Raum. Die Hamburger Finanzämter prüften aktuell sechs Fälle. Seit dem Jahr 2012 habe die Stadt bereits 321 Millionen Euro aus solchen Geschäften zurückgefordert.

Auch die Kölner Staatsanwaltschaft ermittelt in Hunderten solcher Fälle und hält Tschentscher für „tatsächlich eingebunden“ in die Steuerentscheidung Ende 2016. Gegen die zuständige Finanzbeamtin und den früheren Hamburger SPD-Politiker Johannes Kahrs stehe der Anfangsverdachts der Begünstigung im Raum.     JF

 

Die Leiterin des Finanzamts teilte Tschentscher mit, dass das Amt die Steuern zurückfordern wolle (sagt sie später im Untersuchungsausschuss aus)

8. 11. 2016 Tschentscher und Scholz telefonieren miteinander. Vor oder nach diesem Telefonat schickt die Warburg Bank eine Bitte um Verzicht auf die Steuerrückzahlung an Scholz, zusammen mit einer Verteidigungsschrift.

9. 11. Scholz ruft Olearius an, rät ihm die Verteidigungsschrift kommentarlos an Tschentscher zu schicken. Tschentscher erhält die Schrift.

11. 11. Tschentscher hat 30minütiges Gespräch mit Finanzamtsleiterin (das sie vor dem Untersuchungsausschuss nicht erwähnt) 

14.11. Tschentscher schreibt an seine Beamten mit Bitte um Information zum Sachstand.



 

Dienstag, 30. November 2021

Vielleicht folgt Schleswig am Ende dem guten Beispie Weimars?

Ein Landkreis hat verraten, wie hoch der Anteil der Geimpften unter den aktuell gemeldeten Corona-Fällen ist. Das hat jemand bemerkt und publiziert. Jetzt gibt es diese Zahlen nicht mehr.

Sie erinnern sich vielleicht an den Oberbürgermeister von Weimar. Der hatte mit einer großen Erklärung ein paar kritische Zahlen von der Webseite seiner Stadtverwaltung streichen lassen. Diese Zahlen, so schrieb er, könnten den Kritikern der grundrechtseinschränkenden Corona-Politik nutzen, deshalb würden sie nicht mehr veröffentlicht. So offen ausgesprochen wird das nicht überall, wo Zahlen und Fakten verschwinden, die nicht zur Corona-Politik passen.

Zum Beispiel im Kreis Schleswig-Flensburg. Hier hatte die Kreisverwaltung den interessierten Bürgern im Internet eine Übersicht über die Fälle der positiv getesteten Einwohner angeboten, aufgeschlüsselt nach Alter und Impfstatus. Und diese Zahlen sind – wie der im Netz noch auffindbare Datenstand vom 18. November zeigt – äußerst aufschlussreich:

So waren von 329 Corona-Positiven 173 vollständig Geimpft, zwei waren einmal geimpft und 154 waren nicht geimpft. Doch diese Zahlen – sieht man sie nur so grob – verzerren das Bild ein wenig, denn unter Betroffenen unter zwölf Jahren kann es ja noch keine Geimpften geben. Und auch bei den 12- bis 17-Jährigen, die noch nicht so lange geimpft werden, sind nur fünf von 26 positiv Getesteten vollständig und einer einmal geimpft.

Doch bei allen weiteren Alterskohorten sind dann die Geimpften deutlich in der Mehrheit.

18 bis 29 Jahre: 42 Fälle, davon 33 vollständig geimpft und neun ungeimpft.

30 bis 44 Jahre: 63 Fälle, davon 35 vollständig geimpft und 28 ungeimpft.

45 bis 59 Jahre: 80 Fälle, davon 62 vollständig geimpft, einer einmal geimpft und 17 ungeimpft

60 bis 74 Jahre: 37 Fälle, davon 30 vollständig geimpft und sieben ungeimpft.

75 bis 89 Jahre: neun Fälle, davon sieben vollständig geimpft und zwei ungeimpft.

Der eine Corona-positiv Getestete, der älter als 90 Jahre ist, war ebenfalls vollständig geimpft.

„Grafik über Altersstruktur ohne Impfstatus“

So richtig passt das nicht zur Erzählung von der „Pandemie der Ungeimpften“. Auch nicht zu dem regierungsamtlich gern verkündeten Narrativ, dass wir kein Problem mehr mit Corona-Infektionen hätten, wenn es nicht mehr so viele von diesen unverantwortlichen Ungeimpften gäbe.

Diese Zahlen erfüllten zweifelsohne das Kriterium, das dem Oberbürgermeister von Weimar genügte, Zahlen-Zensur zu üben.

Diesem Beispiel ist der Kreis Schleswig-Flensburg nun gefolgt. Nachdem die Zahlen Eingang in die Corona-Debatte fanden, sind sie von der Seite verschwunden. Nicht ganz sang- und klanglos, aber ohne Begründung. Jetzt (Dienstagmittag) liest man auf der Seite des Kreises lapidar: „Hinweis: In der nächsten Woche stellen wir an dieser Stelle wieder eine Grafik über die Altersstruktur der Infizierten aber ohne Impfstatus zur Verfügung.“

Der Versuch der Zahlen-Zensur in Weimar ist übrigens am Ende gescheitert. Nach einiger Empörung in der Öffentlichkeit ruderte der Oberbürgermeister zurück und ließ die ungeliebten Zahlen wieder veröffentlichen. Danach ist in Weimar bei vielen Corona-Fällen der Impfstatus offenbar nicht erfasst worden. Äußerst interessant sind hier allerdings die Zahlen aus dem Krankenhaus, denn es wird zwischen den Corona-Patienten, die coronapositiv getestet wurden, aber aus anderen Gründen in der Klinik sind, und jenen, die wegen einer Corona-Erkrankung aufgenommen wurden, unterschieden.

In Weimar kann man sich nun wieder informieren. Vielleicht folgen die Schleswiger ja dem Weimarer Beispiel im Umgang mit der Zahlen-Zensur.

Korrekturanmerkung: In der ursprünglichen Fassung hieß dieser Beitrag noch „Zahlen-Zensur in Flensburg“, weil dem Autor vor lauter Corona-Zahlen entfallen war, dass Flensburg als kreisfreie Stadt nicht zum Kreis Schleswig-Flensburg gehört. Danke an die Leser, die auf diesen Fehler hingewiesen haben.   Grimm

 

An die evangelischen Ketzer

Es gilt als das 19. Ökumenische Konzil. Im modernen Wortsinne der ökumenischen Bewegung war das Konzil von Trient hingegen alles andere als ökumenisch, im Gegenteil, es war das erste Konzil, das in der durch die Reformation gespaltenen Westkirche stattfand. Die ungeheuren Umwälzungen, die durch die Reformation hervorgerufen worden waren, zwangen die katholische Kirche zu einer Reaktion, und so berief Papst Paul III. im Jahre 1545 das Konzil von Trient ein, dessen Ende er allerdings nicht mehr erleben sollte, da das Konzil insgesamt 18 Jahre lang tagte.

In einigen Punkten, insbesondere im Bereich kirchlicher Praxis, erkannte man die Kritik der Reformatoren durchaus an. So wurde etwa der Ablasshandel, ein entscheidender Auslöser für Luthers Thesenanschlag im Jahre 1517, ebenso verboten wie die Ämterhäufung im Bischofsamt. Auch das Niveau der Priesterausbildung sollte durch die Errichtung entsprechender Seminare erhöht werden. Nicht zuletzt wurde die heutzutage heftig umstrittene Tridentinische Messe etabliert, deren Name sich von dem Konzil ableitet.

Die zentralen theologischen Anliegen der Reformation wurden hingegen streng verurteilt. Dem reformatorischen „allein“ setzte die katholische Kirche ihr „sowohl als auch“ entgegen. Die Reformatoren lehrten, dass der Mensch absolut nichts zu seinem eigenen Heil beitragen könne und allein durch den Glauben gerettet werde.

Hierauf erwiderte das Konzil, „der Anfang dieser Rechtfertigung müsse bei Erwachsenen hergeleitet werden von der zuvorkommenden Gnade Gottes durch Jesum Christum, das ist, von seiner Berufung, durch welche sie, ohne alle ihre wirklichen Verdienste, berufen werden; so dass sie, die durch die Sünden von Gott abgewendet waren, durch dessen erweckende und helfende Gnade bereitsam gemacht werden, sich umzuwenden zu ihrer eigenen Rechtfertigung, dadurch dass sie dieser nämlichen Gnade frei bestimmen und mitwirken […] Wenn jemand sagt, der Sündhafte werde allein durch den Glauben gerechtfertigt; so dass er damit versteht, es werde nichts anderes, das zur Erlangung der Rechtfertigungsgnade mitwirke, erfordert, und es sei keinen Teils notwendig, dass er sich aus Antrieb seines Willens dazu vorbereite, und bereitsam mache, der sei im Banne.“

Die katholische Kirche hat niemals geleugnet, dass der Mensch auf die Gnade Gottes angewiesen ist. Aber sie beschränkt sich nicht darauf, sondern betont, dass der Mensch ebenfalls eine Verantwortung zur Mitwirkung hat.

Ein weiteres entscheidendes Element reformatorischer Theologie ist das sola-scriptura-Prinzip, also die Vorstellung, dass die Heilige Schrift alleiniger Maßstab aller kirchlichen Lehre sein solle*.

Hierzu wurde in Trient festgehalten, dass die göttliche Wahrheit „enthalten ist in den geschriebenen Büchern, und in den ungeschriebenen Überlieferungen, welche von den Aposteln aus dem Munde Christi selbst empfangen, oder (2 Thess 2,14) von diesen Aposteln, unter Eingebung des Heiligen Geistes, gleichsam von Hand zu Hand überliefert worden, und bis zu uns gekommen sind […] Wenn aber jemand […] die vorgenannten Überlieferungen wissentlich, und bei Verstande verachtet, der sei im Banne.“ Auch hier wird also mitnichten die Autorität der Heiligen Schrift geleugnet, aber ihr wird mit der kirchlichen Tradition ein weiterer Faktor der Wahrheitsfindung hinzugestellt. Die langjährige Arbeit des Konzils sollte sich lohnen. Die hier getroffenen Entscheidungen waren von solch grundlegender Kraft, dass erst nach mehr als 300 Jahren ein weiteres Konzil notwendig wurde.   Tagespost

*Woran sich nicht einmal Luther hielt. Die Worte des Glaubensbekenntnisses "Niedergefahren zur Hölle" stehen nirgendwo in der Heiligen Schrift (ich suchte nach meiner Konfirmation in der Bibel danach, aber erst die Lektüre von Dantes Commedia klärte mich darüber auf, dass es sich um eine Doktrin handelt, die zwar sehr alt ist, aber erst seit dem Konzil von Lyon für die Christenheit verbindlich wurde; Dante juckte diese Frage erstaunlicherweise auch, obwohl er keine verwirrenden evangelischen Glaubensvorschriften zu befolgen hatte). Luther, der nie daran zweifelte, dass die Erde eine Kugel ist, wusste natürlich, dass die im ersten Buch Mose beschriebene Erde eine Scheibe ist, die durch ein Firmament von den "oberen Wassern" geschieden ist. 


Die unterschiedliche Auffassung der katholischen Doktrin bewirkte, dass die frommen Katholiken ihren Gott in der Kirche lassen, sich intermittierend ihre Sünden vergeben lassen und im Alltag entspannt und unbefangen Fünfe gerade sein lassen. Selbst im deutschsprachigen Raum kann man beobachten, dass in Bayern und Österreich die Lebensfreude größer ist. Ganz zu schweigen von Spanien, Portugal, Brasilien und Italien. Die frommen Lutheraner haben den ins Gewissen dringenden Gott tiefer verinnerlicht und tragen ihn ständig mit sich herum. Zwangscharaktere sind unter den Lutheranern daher häufiger. Die Freiheit eines Christenmenschen trifft man seit langem unter Katholiken häufiger an. Nach evangelischer Ansicht wird der Wunsch Gutes zu tun, sich verantwortlich zu verhalten, seinen Mitmenschen Aufmerksamkeit zu schenken und Zuwendung zu spenden, dann besonders wach, wenn sich jemand "von Gott angenommen weiß". Wenn er also fest an ihn glaubt und daran, auch dann durch Gottes Gnade Erlösung zu finden, wenn er zu schwach ist, Gutes zu tun. Einerseits also Verinnerlichung Gottes als mahnende Gewissensinstanz, andererseits ein immergrünes, ewig gutes Gewissen, da der evangelische Christ ja sowieso auf der richtigen Seite ist, wenn er nur fest glaubt. Dieser Widerspruch bewirkt, dass evangelische Christen zu Selbstgerechtigkeit neigen (wobei Gewissenhaftigkeit und Gewissenlosigkeit eine merkwürdige Koexistenz eingehen). Eins der unangenehmen Ergebnisse und Symptome ist, dass evangelische Christen nie richtig lernen, sich zu entschuldigen, wenn sie jemandem weh getan haben. Sie stellen kaum je eine Prüfung ihres Gewissens an, sie werden sich ihrer Schuld nicht bewusst. Sie empfinden kaum je Reue, wenn sie jemandem willentlich geschadet haben und nie, wenn es unwillentlich geschah. Es ist diesem Menschenschlag peinlich, wenn sie im Theater während der Vorstellung einen Hustenanfall bekommen, und dann entschuldigen sie sich eifrig. Aber man wartet bei ihnen vergeblich, wenn man denkt, sie könnten aus eigenem Antrieb (und nicht nur auf einen Vorwurf hin) die Initiative ergreifen, sich bei jemandem zu entschuldigen und ihm zu sagen, es tue ihnen leid, was sie gedacht, getan oder gesagt hätten. In dieser Hinsicht ist die katholische Erziehung wahrlich die bessere. Über diese Zusammenhänge sollte jeder evangelische Christ einmal selbstkritisch nachdenken. Auch darüber, dass es keinen typisch evangelischen Humor gibt! Falls es in der EKD überhaupt noch Menschen gibt, die an Wahrheitsliebe interessiert sind. Die deutschen Katholiken werden den Lutheranern, nebenbei gesagt, immer ähnlicher.

 

Wir haben einen Tiefpunkt erreicht

Wir haben einen Tiefpunkt erreicht in Deutschland. Allein, dass Baerbock und Roth Ministeramtswürden erlangen konnten... Mir fällt nichts ein, mit dem ich den Satz zuende führen könnte. Es ist eine Art Rekord soziopathischer Verirrung (Baerbock als Repräsentantin unseres Landes und Roth als langer Arm von Ton, Steine, Scherben, als Verschlimmerung der Grüttersschen DDRisierung). Beunruhigender aber ist, dass die westlichen Demokratien insgesamt in einen Zustand geraten zu sein scheinen, der ihre Überlebensfähigkeit in Frage stellt. Die Gewissheit, dass die westlichen Demokratien zukunftsfähig sind, verflüchtigt sich immer mehr. Der Westen (dessen Stärke war immer die Selbstkritik; aber Übertreibung macht aus jeder Tugend ein Laster, die Selbstkritik wurde immer mehr zur Achillesferse des Westens) taumelt blind seinem Ende entgegen. Die in Deutschland überdeutlich hervortretende Unfähigkeit, aus dem historischen Erfahrungsfundus zu schöpfen oder sogar aus Erfahrung klug zu werden, hat auch Nationen angesteckt, die sich nicht so gesichts- und geschichtslos geben wie wir, die nicht wie hypnotisiert auf 12 Jahre Kaa starren. Die USA haben nicht so gravierende demographische Probleme wie die Raum ohne Jungvolk Länder Deutschland, Japan und Italien. In Deutschland gibt es nur etwa 5 Millionen deutschstämmige Einwohner männlichen Geschlechts im Alter von 15 bis 35. Deshalb sind wir Konservative von GermanZ mittlerweile nur noch ein Kaffeekränzchen historischer Verlierer. Wirtschaftliche Fehlentwicklungen kann man umkehren, wenn die Not dazu zwingt, demographische nicht mehr, wenn wann wartet, bis einen die Not beißt. Die Schwäche dieses FAZ-Artikels (wie praktisch aller Kommentare, die seit Einführung des Euros von den meisten Wirtschaftsjournalisten gemacht werden) ist, dass er nicht zwischen Teuerung und Inflation unterscheidet. Die Teuerung, die je nach Land und Volkswirtschaft eine andere sein kann, kann auf sehr unterschiedlichen Gründen beruhen und ist keine Eigenschaft der Währung. Die Inflation ist die Eigenschaft einer Währung, die an Wert verliert, sie ist der Anteil der Kaufkraftminderung, der sich über alle Länder erstreckt, die dieselbe Währung benutzen. Nicht jeder Kaufkraftverlust ist eine Folge von Inflation.

Extraktiv versus inklusiv


 
 
Der Mann in dem blauen Burnus sitzt auf einem wackeligen Plastikstuhl und hält ein Sturmgewehr zwischen den Knien. Vor ihm steht eine Kiste mit leeren Bierflaschen. Er liest ein Buch mit dem Titel „Why Nations Fail“. Nichts illustriert Daron Acemoglus und James A. Robinsons Bestseller besser als dieses Foto, das im Südsudan aufgenommen wurde.
In „Warum Nationen scheitern: Die Ursprünge von Macht, Wohlstand und Armut“ (Fischer, 2014) unterscheiden die beiden Ökonomen zwischen „inklusiven“ und „extraktiven“ Institutionen. Gesellschaften mit „inklusiven“ Institutionen respektieren Privateigentum und erlauben es den Menschen, durch eigene Arbeit voranzukommen. „Extraktive“ Institutionen begünstigen Eliten, die sich die Produkte der Arbeit anderer aneignen. Die Anteile „inklusiver“ und „extraktiver“ Institutionen entscheiden über Wohlstand und Armut einer Nation.
Diese Kriterien sind ökonomisch aussagekräftiger als links, rechts, faschistisch, kommunistisch. Es ist zwar keine völlig neue Erkenntnis, dass Reichtum und Armut vom Ausmaß der Staatseingriffe in Privateigentum abhängen, daber Robinson und Acemoglu belegen sie mit zahlreichen historischen und aktuellen Beispielen.
 
In weiten Teilen Afrikas dominiert die „Extraktivität“. Mit einem jährlichen BIP pro Kopf von 295, 66 Dollar rangierte der Südsudan 2020 knapp vor Burundi an vorletzter Stelle. Donald Trump hat solche Länder einmal politisch absolut unkorrekt, aber empirisch gesättigt, als „shithole countries“ bezeichnet.
Revolutionen und Bürgerkriege sind der sicherste Weg in die Verelendung.Venezuela war ein reiches Land, bevor es Chavez und Maduro mit ihren Experimenten ruinierten. Die Revolution in Nicaragua war einmal unglaublich populär gewesen, weil sie nicht von Kommunisten, sondern von einer linken Sammelpartei unter Einschluss von Stalinisten und befreiungstheologischen Lichtgestalten vorangetrieben wurde, die einen „demokratischen Sozialismus“ propagierte. Doch die Sandinisten haben das mörderische Regime Somozas nur durch ein ebenso mörderisches ersetzt.
Ihre Revolution endete in der Familiendiktatur Daniel Ortegas, die der Nicolae Ceausescus ähnelt. Vizepräsidentin ist Rosario Murillo, die Frau des Präsidenten, deren im Exil lebende Tochter ihren Stiefvater Ortega des sexuellen Missbrauchs bezichtigt. Wie einst in Rumänien herrscht ein absolutes, ausnahmsloses und mit drakonischen Strafandrohung begleitetes Abtreibungsverbot. Man sollte meinen, Nicaragua wäre die Hölle für Jungsozialisten, Junggrüne und Radikalfemministen, aber die kümmern sich nicht um die Irrtümer ihrer Eltern, und sie wollen partout nicht hören, dass die Gleichung Sozialismus=Armut+Unterdrückung in der Praxis immer aufgegangen ist. 
 
Es gibt „extraktive Institutionen“ allerdings auch in Ländern, in denen sozialistische Experimente nicht angestellt wurden. Dazu gehören islamistische Regime, Militärdiktaturen sowie sämtliche Varianten des ökonomischen Nationalismus, der die wirtschaftliche Freiheit angeblich kollektiven Interessen unterordnet.
Honduras steht, gemessen an Tötungsdelikten pro Einwohner, im internationalen Vergleich an zweiter Stelle nach El Salvador. Zwei Drittel der Morde gehen auf das Konto des organisierten Verbrechens und der Jugendbanden. In diesem hochkorrupten, von Drogenkartellen kontrollierten Staat stimmte eine Mehrheit am Sonntag bei der Präsidentenwahl für Xiomara Castro, die auf einer „sozialistischen Plattform“ antrat. Schlägt das gemarterte Honduras den Weg ein, auf dem Venezuela zugrunde ging?
Gescheiterte Nationen exportieren ihr wichtigstes Gut, ihre Menschen. Manche meinen, man müsse nur mit viel Geld die Fluchtursachen beseitigen, dann werde der Migrationsstrom mit der Zeit versiegen. Ihnen sei das Buch von Daron Acemoglu und James A. Robinson ganz besonders empfohlen.   Karl-Peter Schwarz

Man wundert sich mittlerweile fast, dass so ein kluges Buch in Deutschland noch verlegt wird. Ansonsten wäre dem nur noch hinzuzufügen, dass Trumps Bezeichnung in vielerlei Hinsicht, vor allem in politischer Hinsicht, völlig korrekt war und dass der Glaube, am weiblichen Wesen werde einst noch die Welt genesen, ein Irrglaube ist, der der Welt noch viel Unheil bringen wird. Denn sie ist aus dem Lot. Die Atmosphäre der Mahlerschen Symphonien ist alltäglich geworden. Was zu Cecco Beppes Zeiten verloren ging, war nicht nur Ballast, sondern auch Essenz, und die Extraktion setzt sich fort. Artikel 1 des deutschen Grundgesetzes ist hübsch als programmatische Präambel, hat aber in einem Gesetzestext eigentlich nichts zu suchen und wirkt wie ein Extraktionskatalysator.

So infektiös wie Delta, so gefährlich wie Ebola!

Omikron – eigentlich Xi, aber so heißt leider schon der chinesische Oberboss – ist trotz strengster Kontrollen bei der Einreise (hihi) längst in der EU angekommen und verursacht Panik bei unserer polit-medialen Elite. Journalistinnen liegen die Nerven blank, aber ausgerechnet unser Dr. Drosten sagte vergleichsweise vorsichtig im Staatsfunk: „Keiner kann im Moment sagen, was da auf uns zukommt.“ Keiner? Falsch!

Frank Ulrich Montgomery, Sohn eines britischen Offiziers, Ehrenpräsident der Bundesärztekammer, Ehrenvorsitzender der Ärztegewerkschaft Marburger Bund und noch vielerlei mehr – eigentlich aber Radiologe, also hauptsächlich bewandert in der Strahlenheilkunde – weiß schon jetzt, dass Omikron „so infektiös ist wie Delta und so gefährlich wie Ebola“.
Obwohl damit das letzte Stündchen der Menschheit (wenigstens in Deutschland) geschlagen haben dürfte, stoppte die Polizei am Lübecker Flughafen „eine illegale Impfaktion“. Was ist eine illegale Impfaktion?, wird sich mancher fragen. Nun, wenn ein Impfstoff verspritzt wird, der „experimentell und nicht zugelassen“ ist, schreibt die Presse. Beziehungsweise keine „Notfallzulassung“ hat, wie die Ware, die unser Jens en gros einkauft.

Aber Momentamal! Sagte nicht der Rechtsanwalt und Experte für europäisches und deutsches Pharmarecht, Markus Ambrosius, erst kürzlich dem Ärzteblatt „Das Problem der Notfallzulassung beginnt schon damit, dass es sie für solche Fälle im EU-Recht eigent­lich gar nicht gab“? Ja, aber das führt uns doch nicht weiter. Bei der „illegalen Impfung in Lübeck“ wurde der klassische Impfstoff des Mediziners Winfried Stöcker verimpft und zwar von Ärzten, die selbstverständlich impfen dürfen. Stöcker liefert das Mittel in Komponenten, die ein Arzt dann vermischt. Deshalb handelt es sich - so sein Anwalt Wolfgang Kubicki - formal gar nicht um einen Impfstoff, so dass Stöcker aufwendige Zulassungsstudien vermeidet. Stöcker hat seinen Impfstoff an sich selber und 50 Personen in seinem Umfeld getestet, aber eine Notfallzulassung bekommt er nicht, weil er mal 20.000 Euro an die AfD spendete.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt übrigens bereits seit einem Jahr wegen des Verdachts strafbarer Patientenexperimente gegen den Arzt. Seit einem Jahr! Offensichtlich geht es dem politmedialen Komplex (dem die Staatsanwaltschaft folgt) nicht um Impfen und Gesundheit per se, sondern um gesinnungskompatible Mittelchen.    Paetow