Freitag, 16. August 2019

Man kommt aus dem Staunen nicht raus

"Scheitert der Euro, dann scheitert Europa", sagte bekanntlich die Hoffnungsträgerin an der Staatsspitze, und inzwischen nimmt der dummenfängerische Spruch Konturen an. Er muss nur um ein Wörtchen ergänzt werden: "Erst scheitert der Euro, dann scheitert Europa." Nämlich als semisozialistische Plan- und Enteignungswirtschaft via EZB (hier).

Es wird kolportiert, der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) sei im erzgebirgischen Stollberg, wo seine Partei vor dem Amtsgericht einen Wahlkampfstand aufgebaut hatte, von einem Gespräch mit AfD-affinen Bürgern (=Nazis) so genervt gewesen, dass er einen Satz sagte, den ich nicht glauben kann, weshalb ich noch darauf warte, dass er durch Zeugen bestätigt wird (aber bis sich jemand gefunden hat, möge der Ausspruch als erfundene Unterstellung gelten). Und zwar soll er gesagt haben: "Die Grünen werden mit in der Regierung sein, und ihr werdet kotzen."

Was ebenfalls kolportiert wird, und was ich sofort und ohne jede Bedenken glaube, ist die Frage, die ein Bürger dem Ministerpräsidenten gestellt haben soll: "Warum soll sich die AfD von Höcke trennen, wenn sich die CDU nicht von Merkel trennt?"

Immerhin: In Sachsen tritt die Kanzlerin beim Wahlkampf nicht auf. Felix Saxonia!


"Auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise mußten die Spieler mit „Refugees welcome“-Stickern auf dem Ärmel wie Antifa-Litfaßsäulen über den Platz rennen."   (mehr hier

Und hier) die neueste Relotiade der FAZ.

Großes Lob für Markus Lanz

Endlich hat er eine Sendung über die Clan-Kriminalität gemacht und dazu sogar Deutschlands intelligentesten Polizisten (Sebastian Fiedler) eingeladen.

Warum erst jetzt?

Als Italiener muss er doch wissen 1. wie schwierig es ist, die Macht von Familienclans zu bekämpfen, wenn sie einmal verwurzelt ist und 2. dass Deutschland, im Gegensatz zu Italien, besonders verwundbar ist, weil es keine kulturellen Antikörper gegen diese Art Kriminalität entwickelt hat (und daher Europas Geldwäscherparadies ist) und zu allem Überfluss auch noch seit über 20 Jahren taub für die Mahnungen und Appelle der italienischen Polizei ist.

Donnerstag, 15. August 2019

Vomito

Es war irgendwie erwartbar, dass sie bei der Tagesschau am 13. August, dem Tag des Mauerbaus, versuchen würden, sämtliche Grenzen der Erde als einreißenswürdig zu deklarieren und damit irgendwie gleich zu machen, aber dass sie es geschafft haben, Honeckers Lauftstallbegrenzung, an der es, wenn du von drinnen ins Freie wolltest, den Fangschuss setzte, in einem Atemzug mit der israelischen Grenze zu nennen, das hätte unseren kleinen Doktor aus Rheydt erheitert.

Das erste Mal habe ich diese Gleichsetzung im Advent 2011 im Deutschlandfunk gehört, wo ein (muslimischer!) Palästinenser in Bethlehem interviewt wurde. Damals dachte ich, ich höre nicht recht. Im Deutschlandfunk!! Also nicht in einem kommunistischen Radiosender Italiens der 80-er Jahre, sondern in einem der wichtigsten deutschen Radiosender, einem der wenigen, die in ganz Deutschland über UKW empfangbar sind.
Damals hoffte ich noch, dass es sich nur um eine vorübergehende Umnachtungsepisode während der Hoch-Zeit des merkelistischen Wir-sind-wieder-wer-Taumels handele (die ihren Höhepunkt im Sommer 2014 erreichte, als "die Mannschaft" Brasilien die historische 7:1 Niederlage bereitete). Aber mittlerweile muss resignierend zur Kenntnis genommen werden, dass es sich um einen irreversiblen Zustand sehr viel allgemeinerer Verblödung handelt.

Man kann sozusagen zusehen, wie die Verlogenheit der Sozialistischen Internationale die Bühne erklettert. Und niemand widersetzt sich, denn die überwältigende Mehrheit der in Deutschland maßgeblichen Menschen hat den Verstand und die Bodenhaftung verloren. Meine Generation, die Generation der jetzt in den Chefsesseln sitzenden, ist eine Lost Generation. Und bei der ihr nachfolgenden sieht es nicht besser aus, schon mal weil ihre Zahl im wahrsten Sinne des Wortes verschwindend ist. Dieses Land verschrottet gerade die eigene Realitätstüchtigkeit. Als Abwrackprämie erhalten seine Bürger den Wiedergutwerdungstraum und das Hochgefühl, sich mit Hybris gegenüber Ungarn und Italien brüsten zu dürfen.

Mittwoch, 14. August 2019

Ländliche Ritterlichkeit

in Matera (bis 2. September)

Zur Entstehung der Ritterlichkeit bietet Arnold Hauser eine plausible Beschreibung und Erklärung im ersten Band seiner Sozialgeschichte der Kunst und Literatur an.
Bei aller marxistischen und psychoanalytischen Spekulation ist Hausers Buch immerhin wohl durchdacht und sorgfältig und umfangreich recherchiert. Unangenehm ist, dass er bei seinen Ausführungen nicht zwischen gesicherten Erkenntnissen, hohen Wahrscheinlichkeiten,  reinen Spekulationen und seinen eigenen subjektiven Vermutungen unterscheidet. Er kann Ernst Gombrich das Wasser nicht reichen. Trotzdem anregend und lesenswert.

Further Drachenstich

Montag, 12. August 2019

Der Bauch von Florenz

bis zum 10. September

Die Schwätzer von arte haben ihre dumme Nase in florentinische Töpfe gesteckt. Immerhin, den Zentralmarkt, das Maiano der Corsini und Miari-Fulcis und einen Lampredottostand haben sie besucht.

Aber es ist typisch für arte, dass sie völlig unhaltbare Behauptungen aufstellen: vor mehr als 1000 Jahren sei in Florenz der Lebensmittelmarkt erfunden worden, heißt es gleich in der Einleitung. Als hätte es nicht bereits bei den Etruskern Lebensmittelmärkte gegeben und als hätten die alten Ägypter keine Lebensmittelmärkte gehabt... Es ist nicht die einzige schwärmerisch verklärende Lüge, aber sei's drum.
Gegen kulturmarxistische Schwätzer nach Art von Sarah Wiener und Robert Habeck ist kein Kraut gewachsen; sie sind die frömmelnden Speichellecker unserer Zeit.


Das Wort κάραβος, mit dem ursprünglich eine Käferart bezeichnet wurde und das angeblich der carabaccia zugrunde liegt, scheint sich in viele Richtungen entwickelt zu haben: CarabusGabarreKaravelle, Karfi. Auch das Wort "krabbeln" soll damit verwandt sein.

Ein feste Burg



Umgekehrt

Der größte Mensch bleibt stets ein Menschen-Kind,
Die größten Köpfe sind das nur, was andre sind;
Allein, das merkt, sie sind es umgekehrt.
Sie wollen nicht mit andern Erdentröpfen
Auf ihren Füßen gehn, sie gehn auf ihren Köpfen,
Verachten, was ein jeder ehrt;
Und was gemeinen Sinn empört,
Das ehren unbefangne Weisen.
Doch brachten sies nicht allzu weit,
Ihr non plus ultra jeder Zeit
War: Gott zu lästern und den Dreck zu preisen.  J.W.v.G



Egon Friedell


Ludwig Hohl



Nicolás Gómez Dávila




Tu ne quaesieris (scire nefas) quem mihi, quem tibi
finem di dederint, Martine, nec Babylonios
temptaris numeros.
Ut melius quicquid erit pati!

Seu pluris hiemes seu tribuit Iuppiter ultimam,
quae nunc oppositis debilitat pumicibus mare
Tyrrhenum, sapias, vina liques et spatio brevi
spem longam reseces. Dum loquimur, fugerit invida
aetas: carpe diem, quam minimum credulus postero.







Sonntag, 11. August 2019

Amata kruegeri



Wer hätte gedacht, dass es unter den ohnehin geliebten Widderchen sogar eine Amata kruegeri gibt?







Freitag, 9. August 2019

Niedertracht der kanzleramtsnahen Medien

André H.

Meenstriimschit haam wa jenuch




Immerhin, Unbeirrbarkeit, Entschlossenheit und das Herz am rechten Fleck scheinen diese bei aller Tätowierung doch ehrlichen Häute zu haben. Und sie tragen sich zu Markte! Aba mehr ooch nich.

Donnerstag, 8. August 2019

Die Wüste wächst





Der Dichter Abu-Hatem es Segestani
- aus Persien, oder Sizilien (darüber
wurde man sich noch nicht einig) -
schrieb ein langes Loblied auf die Palme:

von Gottes Hand geformter Baum,
Abbild des Menschen,
wie der Mensch Abbild Gottes ist.
Vortrefflicher Baum,
der dem Schritt des Islam folgt,
dem Gläubigen eine Gabe,
wird er spenden milden Schatten

den schwarzäugigen, keuschblickenden Jungfrauen im Paradies,
deren Nacktheit in den Händen des wahren Gläubigen fließen wird.


Die Wissenschaftler
sagen, die Palmenlinie hat
nichts mit dem Vormarsch des Islam zu tun,
aber sie verschiebt sich jedes Jahr 500 Meter
nach Norden.
Was mich betrifft,
würde ich nicht beschwören,
dass diese Verschiebung nichts mit dem Islam
zu tun hat, und dass die Palmenlinie jedes Jahr
nur 500 Meter nach Norden rückt.
Es sind wahrscheinlich mehr.
Mal verharrt sie eine Weile...
Mal rückt sie weiter...

Leonardo Sciascia (1970)






Erinnerung an den Juni 2019



Das schöne Horn

Eucera

"ker" ist ein alter Wortstamm, der mit dem Wachstum in Verbindung steht und in diesem Zusammenhang spezifisch weiche und spezifisch harte Dinge bezeichnet. Zum Beispiel das Wachs, dass im Lateinischen "cera" heißt. Oder die Kreide "creta", die aus dem Perfektpartizip von "cresco" abgeleitet ist (und die auch namensgebend für die Mittelmeerinsel wurde).
Onthogenese: von weich zu hart
Philogenese: von hart zu weich (Neotenie), von Kain zu Abel, von Esau zu Jakob, von Goliath zu David, vom Vater zum Sohn, vom Sohn ..., nein, nicht zur Schwester, sondern zum heiligen Geist.

Das Korn, das Horn, der Kern, das Hirn, der Hirsch, die Kirsche.
Ceres (korrekt ausgesprochen "Kerres")
creatur
Kerberos
Cerumnus
cervus
cerasus
cervix
cerebrum
corium
caro, carnis

Cornus mas hatte das härteste bekannte Holz. Der Speer, den Romulus im Gründungsmythos vom Aventin aus (wo die Vogelschau stattgefunden hatte) auf den Palatin (von dem die Wörter Pfalz und Palast abgeleitet sind) wirft, um den ersten Schritt der Besitznahme zu vollziehen, war aus diesem Holz geschnitzt. Aus ihm schuf man auch die 6 Meter lange Sarissa.
Schon bei Plinus hieß dieser Strauch cornus mas (und den heute als Cornus sanguinea bekannten, viel schöneren, nannte er cornus foemina).

To make a prairie it takes a clover and one bee,
One clover, and a bee,
And revery.
The revery alone will do,
If bees are few.
Westrichs Webseite über die Wildbienen gehört zum Besten, was man im Netz finden kann.




Die DDR-isierung geht unaufhaltsam weiter

Drei unverkennbare Anzeichen:

1. Hubertus Knabe wurde von einer Halunkenmeute aus dem Amt gedrängt
2. Unverhohlene Lügen
3. Der Familie wird endgültig der Krieg erklärt

Überall quillt die marxistische Gülle aus der Kanalisation.

Drive



Mediokratie? - Jein!



Was hätten die Deutschen wirtschaftspolitisch von einer Bundesregierung unter grüner Beteiligung oder sogar grüner Führung zu erwarten? Diese Frage stellt die WELT der grünen Parteichefin Annalena Baerbock.
Der Versuch, das ökonomische Grundverständnis der derzeit stärksten Partei auszuloten, ist lobenswert. Es gab in der vergangenen Zeit einige Irritationen, etwa, als Baerbock das Stromspeicherproblem mit einem Satz löste („das Netz ist der Speicher“), sich beim CO2-Ausstoß um den Faktor eine Milliarde vertat („Deutschland stößt pro Kopf neun Gigatonnen CO2 aus“) und die esoterische Elektrochemie begründete („wo kommt das Kobold in den Batterien her?“). Aber gut: man kann diese Fälle einmal beiseite lassen, und ganz neu anfangen.
„Wir segeln, was die Konjunktur betrifft, gerade in sehr schwieriges Wetter“, gibt die WELT zu bedenken. „Wie nehmen Sie das wahr, und wie würden die Grünen in der Regierungsverantwortung mit einer Wirtschaftskrise umgehen?“
Baerbock: „Das Wichtigste ist, die Dinge nicht schönzureden. Aus meiner Sicht droht nicht nur eine konjunkturelle Schwäche. Wir laufen Gefahr, in eine strukturelle Krise zu rutschen. Es reicht nicht, schnell noch mal ein paar mehr Autos zu exportieren. Konjunkturelle Maßnahmen müssen zu strukturellen Erneuerungen führen, also einem Umbau in der Wirtschaft.“
Vermutlich meint sie konjunkturverlängernde Maßnahmen – üblicherweise wären das Steuersenkungen oder höhere Staatsausgaben. Meint sie, der Staat müsse einen „Umbau der Wirtschaft“ einleiten? Das bleibt das gesamte Interview über offen, leider wird auch nicht nachgefragt: Wen meint sie mit Wir? Die Bundesregierung? Die Grünen? Uns alle?
Baerbock: „Die dominierenden Rahmenbedingungen werden im 21. Jahrhundert Klimaschutz und Digitalisierung sein, da lösen wir die Innovationen aus. Das Gute ist: Wir können das. Der Wohlstand unseres Landes beruht darauf, dass wir in schwierigen Zeiten des Umbruchs den politischen und gesellschaftlichen Mut hatten, die richtigen Weichen zu stellen.“
WELT„Also wie die Grünen unter Gerhard Schröder, die die Steuern gesenkt und dereguliert haben.“
Darauf geht die grüne Parteichefin bemerkenswerterweise nicht ein. Offenbar gilt ihr die noch verhältnismäßig wirtschaftsfreundliche Politik von Rot-Grün unter Gerhard Schröder nicht mehr als Referenz. Stattdessen folgt ein wundersamer historischer Exkurs:
Baerbock: „Zum Beispiel wie in den Siebzigern, als die sozial-liberale Regierung Willy Brandts wegweisende Reformen durchgesetzt und die Sozialpartnerschaft ausgeweitet hat. Das hat die soziale Marktwirtschaft gestärkt und uns übrigens auch gut durch die letzte Krise geführt.“
Richtig ist, dass die Regierung Brandt ab 1969 die Leistungen des Sozialstaats ausweitete. Unter „Sozialpartnerschaft“ versteht man in erster Linie die Tarifpartnerschaft zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern. Die änderte sich allerdings unter Brandt nicht wesentlich. Eine wirklich wichtige wirtschaftspolitische Änderung geschah mit der paritätischen Besetzung von Aufsichtsräten. Aber die wurde 1976 beschlossen, also unter Helmut Schmidt. Wovon Baerbock hier überhaupt redet, bleibt völlig nebulös. Ausgerechnet die Erhöhung von Sozialstaatsausgaben von 1969 bis 1974 sollen „uns“ gut durch die Finanzkrise von 2008/09 geführt haben? Offenbar beherrscht die Grüne auch das Gebiet der esoterischen Wirtschaftsgeschichte.
Aber noch einmal zurück: „Digitalisierung […], da lösen wir die Innovationen aus. Das Gute ist: Wir können das.“
Wirtschaftliche Innovationen hält sie offenbar für etwas, was nicht ständig geschieht, sondern erst „ausgelöst“ werden muss. Ob sie schon einmal Zeit gefunden hat, um nachzusehen, wo die großen Digitalunternehmen der Welt sitzen? In welchen Ländern sich die meisten Patente zur Künstlichen Intelligenz konzentrieren? Welche Mobilfunkstandards außerhalb Deutschlands üblich sind? Aber gut, vielleicht hängt Deutschland deshalb hinterher, weil die Grünen noch nicht in der Regierung sitzen, die die Innovationen auslöst.
Genau das scheint sie ernsthaft zu meinen.
Baerbock: „Wir sollten als Europa die Standards setzen, zum Beispiel bei der künstlichen Intelligenz. Niemand zwingt uns, uns von den USA oder China Regeln diktieren zu lassen, die zum Teil sogar unseren Werten widersprechen.“
Standards setzt derjenige, der etwas entwickelt und Patente hält – ob es einem passt oder nicht.
Gut drei Viertel Prozent der Patente auf dem Gebiet weltweit entfallen auf nur drei Länder: China, USA, Japan. Und auf Deutschland noch nicht einmal drei Prozent. Und wie hat man sich die Vorstellungen zum Nicht-Diktat der wichtigsten Entwicklerländer von KI praktisch vorzustellen? Programme, die nicht nach „unseren Werten“ entstanden sind – was immer das heißt – dürfen dann auf deutschen Servern nicht laufen? Keine Gastprofessuren für amerikanische oder japanische KI-Forscher, die sich nicht zu den Vorstellungen bekennen, die Grüne zur Datenerhebung hegen? Das verblüfft schon bei einer Politikerin, die es andererseits für selbstverständlich hält, dass die Welt der deutschen Energiepolitik folgt.
Baerbock weiter: „Und solange wir keinen vernünftigen Preis für CO2 haben, wird der Hochofen der Zukunft nicht in Duisburg, Salzgitter oder Eisenhüttenstadt gebaut. Und solange zittert die Stahlbranche, zittern Tausende Beschäftigte, ob sie wettbewerbsfähig bleiben. Wir brauchen die Entkopplung des Wohlstands von fossilen Rohstoffen, das beginnt mit dem Kohleausstieg, geht aber weiter zu jeder fossilen Produktion.“
Ernsthaft – ohne eine CO2-Besteuerung nach Vorstellungen der Grünen können Ingenieure den „Hochofen der Zukunft“ einfach nicht entwerfen und bauen? Weil die Innovation eben noch nicht „ausgelöst“ wurde? Und so lange müssen die Beschäftigten zittern? Ein Wunder eigentlich, dass Entwicklern in Deutschland in den letzten hundert Jahren trotzdem die eine oder andere Neuerung gelungen ist. Übrigens: Weder die Salzgitter AG noch Arcelor Mittal Eisenhüttenstadt bauen Hochöfen. Die Unternehmen verarbeiten Stahl, Salzgitter stellt außerdem noch Verpackungsmaschinen her. Aber vielleicht würden die Ingenieure bei der Salzgitter AG und in Eisenhüttenstadt ja gern etwas Neues ausprobieren, statt Flachstahl künftig Hochöfen herstellen, und trauen sich nur nicht, weil sie den vernünftigen CO2-Preis nicht kennen?
Was Baerbocks Satz mit der beliebten Formel „wir brauchen“ angeht: Die Entkoppelung führender Grüner von volkswirtschaftlichem und physikalischem Grundwissen hat schon mal gut geklappt.
Jetzt möchte die WELT noch wissen, was die Grünen konkret gegen das Abflauen der Konjunktur tun würden:
„Was ist Ihr Werkzeugkasten, wenn die Wirtschaft abschmiert?“
Baerbock: „Erst mal die Binnennachfrage ankurbeln, indem wir kleine und mittlere Einkommen entlasten.“
Moment einmal: Binnennachfrage ankurbeln? Das ist eine erstaunliche Aussage für die Chefin einer Partei, die den Verbrennungsmotor verbieten, Inlandsflüge abschaffen und die CO2-Reduktion zum übergeordneten Staatsziel machen will. Kleine und mittlere Einkommen entlasten – ebenfalls erstaunlich für eine Truppe, die dafür gesorgt hat, dass der Haushaltsstrom in Deutschland heute der teuerste in ganz Europa ist, die über CO2-Steuer und Fleischverteuerung nachdenkt. Leider fragt der Interviewer der WELTauch hier nicht weiter nach.
Dann kommt die Grünen-Chefin zum Thema Fachkräftemangel:
„Es fehlen Planer – etwa für Stromtrassen. Auf dem Bau fehlen Bauarbeiter, es herrscht ein absoluter Fachkräftemangel. Deshalb braucht es ein Einwanderungsgesetz.“
An der Stelle fehlt leider auch die Frage: Wie kommt es eigentlich, dass auch nach der Einwanderung von gut zwei Millionen Menschen seit 2015 immer noch Fachkräftemangel herrscht? Sollte das nicht gerade nach Ansicht führender Grüner längst anders gelaufen sein? „Die Einwanderer bezahlen die Rente derjenigen, die in Dresden auf die Straße gehen und gegen Asylbewerber und Einwanderer demonstrieren” (Katrin Göring-Eckardt im Januar 2015).
Es folgt das Thema Steuern, das sich aufs Schönste mit dem reimt, was Annalena Baerbock bis jetzt zur Konjunkturstützung und Fachkräftegewinnung aus dem Ausland zu referieren wusste.
„WELT: Nehmen wir die Steuern. Spitzensteuersatz erhöhen: Ja oder nein?“Baerbock: „Höhere Steuern für Spitzenverdiener fordern wir schon seit Längerem. Wenn wir Gerechtigkeit wollen, müssen wir die niedrigen und mittleren Einkommen entlasten, die, die viel verdienen, sollten mehr schultern.“
Bis jetzt hat offenbar niemand Frau Baerbock darauf hingewiesen, dass der Spitzensteuersatz in Deutschland nichts mit Spitzeneinkommen zu tun hat. Er wird schon ab 55 961 Euro Jahreseinkommen fällig, liegt bei 42 Prozent plus 5,5 Prozent Solidarzuschlag und betrifft schon Handwerksmeister und gut verdienende Vorarbeiter in der Industrie. Zum Vergleich: In den USA liegt der Spitzensteuersatz (Bundessteuer, Single) bei 37 Prozent ab 500 001 Dollar Jahreseinkommen, er bezieht sich also auf die wirkliche Einkommensspitze.
Und weiter in der Steuerpolitik:
„WELT: Abschaffung des Solis für alle?“
Baerbock: „Nein. Umbau zu einem Soli für gleichwertige Lebensverhältnisse im Land. Ich verstehe echt nicht, warum die Bundesregierung nun ausgerechnet die, die am besten verdienen, entlasten will.“
Nun plant die Bundesregierung bekanntlich, den Solidarzuschlag bis 2021 nur für 90 Prozent der Einkommensbezieher abzuschaffen, und für die oberen Einkommen zu belassen. Sie plant also gerade nicht, „ausgerechnet die, die am besten verdienen“, zu entlasten.
Ernsthaft: Wäre es der Chefin einer Partei, die demnächst womöglich den Kanzler stellt, nicht zumutbar, zu einer nicht ganz unwichtigen innenpolitischen Frage wenigstens die Tagesspresse zu verfolgen?
Aber gut, wir fassen zusammen: Ein gutes Instrument, um den Konjunkturabschwung zu bekämpfen, dringend benötigte Fachleute ins Land zu locken und vor allem die, die da sind, zu halten, ist also die Steuererhöhung. Die Steuer- und Abgabenlast Deutschlands ist schließlich erst die zweithöchste Europas (nach Belgien).
Wofür soll der umgewidmete Solidaritätszuschlag nach Baerbocks Vorstellungen eingesetzt werden?
„Ich sehe […] Orte und Stadtteile, in denen Bahnhöfe und Schwimmbäder geschlossen werden, Spielplätze gesperrt sind, weil die Schaukel nicht repariert wird. Das akzeptiere ich nicht. Dörfer und Städte brauchen eine starke öffentliche Infrastruktur, inklusive schnellen Internets, damit Menschen dort gerne leben und wirtschaftliche Akteure in die Region kommen.“
Wenn ein gemeindeeigener Spielplatz tatsächlich wegen einer kaputten Schaukel geschlossen wird, dann dürfte die Gemeindeverwaltung ein Problem haben, das auch nicht mit Extrageld aus Berlin zu beheben ist. Die Steuereinnahmen in Deutschland bewegen sich auf Rekordniveau. Und dann kann noch nicht einmal eine Steuer ganz abgeschafft werden, deren Abschaffung schon seit Jahren versprochen wird, und der Spitzensteuersatz muss hoch, weil anderenfalls Spielplatzschaukeln nicht repariert werden?
Aber zurück zu den strukturschwachen Gebieten, die Baerbock am Herzen liegen. Die Spitzengrüne stammt aus Brandenburg. In der ansonsten strukturschwachen Lausitz existiert nur eine Branche, in der es im nennenswerten Umfang industrielle Arbeitsplätze gibt:
Kohleabau und -Verstromung. Direkt und indirekt handelt es sich um gut 20 000 Jobs. Und die sollen auf Drängen der Grünen sogar noch ein bisschen schneller wegfallen als bis 2038. Ihre Partei strengt sich also an, eine Region, in der es schon nicht rosig aussieht, so richtig abzuhängen – um dann mit einem umgewidmeten Soli Probleme zu bekämpfen, die es nicht geben müsste. Kleine Randbemerkung: Den Kohlestrom, den Deutschland für seine Grundlast braucht, wird es nach der Abschaltung der Kraftwerke in der Lausitz in Polen einkaufen, wo man sich schon auf das Geschäft freut.
Folgt noch eine Frage zu Bremen. Dort koalieren die Grünen neuerdings mit dem Wahlverlierer SPD und einer sehr linken bis linksradikalen Linkspartei.
WELT„In Bremen koalieren Sie mit der Linken.“
Baerbock: „Ja. Wir machen Politik, um Dinge zum Besseren zu verändern. In Bremen ist das hohe Armutsrisiko eine der größten Herausforderungen, und wir haben gesehen, dass wir dort sozialpolitisch mit Rot-Rot-Grün am besten gestalten können.“
Moment einmal: Das Armutsrisiko die größte Herausforderung? Wer regiert eigentlich in Bremen? Die Grünen kamen 1991 erstmals in eine Bremer Regierung, seit 2007 bestimmen sie durchgehend mit. Wer das nicht weiß und Baerbock zuhört, könnte glauben, ihre Partei hätte jetzt gerade erst diesen Zustand vorgefunden, beseelt von dem Willen, „Dinge zum Besseren zu verändern“. In Bremen erreichen laut MINT-Studie 25 Prozent der Grundschüler noch nicht einmal das niedrigste Kompetenzniveau im Mathematikunterricht. Das ist einer von mehreren Gründen für späteres Jobversagen und Armut. Und die Folge einer ruinösen Politik.
Fazit: Gegen Wirtschaftsabschwung helfen Steuererhöhungen und viele Regulierungen. Beschäftigte zittern schon vor Angst, weil sie fürchten, dass die CO2-Steuer doch nicht kommt. Beim Thema Künstliche Intelligenz ist es das Wichtigste, sich von den USA und China nichts diktieren zu lassen. Strukturschwache Regionen brauchen eigentlich keine Jobs, sondern staatliche Transferleistungen. Und ein selbst gezüchtetes Armutsrisiko gehört „politisch gestaltet“.
Wir alle brauchen außerdem den Ausstieg aus der fossilen Wirtschaft. Was offenbar heißt: auch aus dem Gas. Da Baerbock bekanntlich auch keine Atomkraftwerke will, bleibt die Frage offen, wo dann die größte Volkswirtschaft Europas ihren grundlastfähigen Strom herbekommt. Und womit sie heizt. Ganz nebenbei: Woher kommt der ständig verfügbare Strom, wenn tatsächlich gut 60 Millionen Kraftfahrzeuge mit Batterien unterwegs wären?
Aber gut, vielleicht erfinden die arbeitslos gewordenen Kohlebeschäftigten in der Lausitz zu diesem Problem etwas Schönes.
In Annalena Baerbocks Kopf sieht es aus wie in der Villa Kunterbunt nach einem Tornado. Aber das ist leider keine Garantie, dass die Wirtschafspolitik in Deutschland nicht bald genau ihren Vorstellungen folgt. Pessimisten reden sich ein, es könnte nicht mehr schlechter kommen. Optimisten wissen: doch, kann es sehr wohl.    Wendt


Felix, ein erderwärmungskritischer Junge aus gutem Elternhaus, lässt sich ungern etwas vormachen: „Ich hasse es, wenn sich Erwachsene aufspielen, als hätten sie die Wahrheit mit Löffeln gefressen.“ Schließlich tragen die Erwachsenen die Verantwortung für das drohende Unheil, das ihm jedoch nicht nur Kummer bereitet: „Ein Teil des Landes säuft ab, der andere wird zu einer riesigen Schneewüste. Wenn es dann allerdings aussieht wie jetzt hier auf dem Feld, ist das nicht das Schlechteste.“ Abgesehen von der hierzulande nicht außergewöhnlichen Lust an der Apokalypse hat der Held des 2011 erschienenen Jugendbuches Wolfsnacht keine schwerwiegenden Probleme. Das ändert sich, als ihm mitten im Wald ein Wolf bedrohlich nahe kommt.

Weil Felix das kleine Abenteuer nicht für sich behält, erfährt schon bald die gesamte Gemeinde von dem Problemwolf, der endgültig in Ungnade fällt, als er kurz darauf die Hühner des ortsansässigen Bauern erbeutet. Die Wut wächst. Die Bürger bewaffnen sich, sogar die Armee rückt an. Das hat Felix nicht gewollt. Also beschließt er zusammen mit Lea („Autos sind scheiße“) und dem von Greenpeace angeheuerten Wolfsexperten Dr. Koopmann, das Tier vor der Bürgerwehr zu schützen. Die Mission gelingt. Im Verlauf der Rettungsaktion erweist sich der junge Tierfreund als verantwortungsbewusster Problemlöser, der sich von Leas Radikalismus („Zum Beispiel könnten wir allen Polizeiautos und Armeejeeps die Reifen durchstechen“) nicht infizieren lässt. Am Ende herrscht Harmonie, Lea übergibt Felix ein herzzerreißendes Geschenk: „Aus der Plastiktüte zog ich einen Rucksack. Er ist knallgelb. Und auf der Vorderseite ist eine Wolfstatze abgebildet.“

Die Geschichte über die Rettung eines wilden Tieres, das seit Ewigkeiten als Projektionsfläche für Naturbegeisterte herhalten muss, hat sich das auf jugendpolitische Erbauungsliteratur spezialisierte Autorenehepaar Robert Habeck und Andrea Paluch ausgedacht*. In einer Welt, in der Konflikte schnell eskalieren können, so die Botschaft, kommt es darauf an, Verantwortung zu übernehmen und bei dem, was man tut, Engagement zu zeigen, ohne über die Stränge zu schlagen. Dann wird man auch mit einem Happy End belohnt. Hier haben Eltern aus dem gründeutschen Mittelstandsmilieu in eine fade Story verpackt, wie sie sich die perfekten Kinder vorstellen: als konstruktive Querdenker, die gerne an der frischen Luft sind, ein Herz für Tiere haben und statt über ihren Auszug bei den Eltern lieber über die Zukunft des Planeten nachdenken. Die Alten mit den falschen Wahrheiten, gegen die sie aktiv werden, sind freilich nicht die eigenen Mütter und Väter, sondern verantwortungslose Egoisten, die lieber den Wolf abknallen, als sich an den runden Tisch zu setzen.

Engagierte Schüler demonstrieren derzeit jeden Freitag unter dem Applaus der ökologisch korrekten Mehrheit dieses Landes mit Parolen wie „Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr unsere Zukunft klaut!“ für den Klimaschutz. Die Obsession, den Planeten zu retten, hat ihnen längst nicht nur jeden Begriff vernünftiger Interessenvertretung, sondern auch jene Unbekümmertheit ausgetrieben, die die Jugend einmal auszeichnete. Stattdessen vermitteln sie den Eindruck atemluftneidischer Frühvergreister, denen noch das bisschen Selbstachtung fehlt, das einen daran hindern könnte, im Einverständnis mit Erziehungsberechtigten auf Klimademonstrationen herumzulungern.
In der herauskrakeelten Sorge um die eigene Zukunft artikuliert sich der Klassenstandpunkt von früh angegrünten Akademikerkindern, bei denen die permanente Stimulation ihres Egos die vom Glauben an die eigene Selbstwirksamkeit beseelte Vorstellung erweckt, dass auf sie die großen Gestaltungsaufgaben warten. Unterdessen könnte den Realistischeren unter ihnen ein Blick auf all die mitdemonstrierenden Klimastreber ringsherum klarmachen, dass man von einer Zukunft unter solchen Leuten auch unabhängig vom Wetter nicht allzu viel erwarten sollte.

Den Sound zum umweltpolitischen Engagement liefert Robert Habeck heute nicht mehr als Jugendbuch-Schreiber, sondern als grüner Frontmann. Die Happy-End-Parolen fürs Wahlvolk sind aber mindestens so kitschig wie die pädagogischen Leitsätze aus der Wolfsschmonzette für erlebnisorientierte Ökokids: „Es gibt eine Sehnsucht nach einer Politik, die Visionen nicht für ein Schimpfwort hält, eine Politik, die Menschen bewegt und mitnimmt, die Demokratie erlebbar macht.“ In seiner 2016 erschienenen politischen Autobiographie Wer wagt, beginnt. Die Politik und ich beschreibt Habeck, der den Grünen 2002 als bereits Überdreißigjähriger beitrat, seine Politisierung als Folge einer produktiven Sinnkrise, die ihm klargemacht habe, „dass mir die Bindekraft meines Alltags, meines privaten Binnenkosmos, nicht mehr genügte.“

Ihm war also langweilig, weshalb er beschloss, bei den „coolen, Robin-Hood-ähnlichen Vorkämpfern für eine bessere Welt“ mitzumachen. Zur Erinnerung: Im Jahr 2002 war die rot-grüne Bundesregierung schon fast vier Jahre lang im Amt. Die romantischen Weltverbesserer hatten im Zuge der Hartz-IV-Reformen mit der Deregulierung des Arbeitsmarktes und der Abschaffung sozialer Absicherungen ein Ertüchtigungsprogramm mit auf den Weg gebracht, das darauf zielte, das Menschenmaterial auf Trab zu bringen, um den Standort Deutschland für den totalen Weltmarkt aufzurüsten.
Auch die Zustimmung der Grünen zur militärischen Zerschlagung Jugoslawiens hätte damals schon zur Einsicht verhelfen können, dass es bei den Grünen nicht vordergründig um die Rache der Enterbten geht. Möglicherweise verhalf Habeck sein Talent zum positiven Denken dazu, sehr schnell Landesvorsitzender und ein paar Jahre später Umweltminister in Schleswig-Holstein zu werden. Diesen Job als „Draußenminister“ (Habeck über Habeck) gab er im vergangenen Jahr auf, um zusammen mit Annalena Baerbock den Bundesvorsitz der Grünen zu übernehmen. Spätestens seit seinem Wechsel in die Bundespolitik gilt Habeck als politische Sensation. Er begeistert das auf sinnstiftende Erzählungen lauernde Publikum nicht mit Inhalten, die so belanglos sind, dass sie getrost vernachlässigt werden können, sondern mit seinem Auftritt. Der Mann verkörpere einen neuen Stil und spreche eine andere Sprache als alle bisherigen Politiker, heißt es allenthalben.

Ob als „Öko-Heiland“ (Hamburger Morgenpost ), „grüner Schwan“ (Spiegel online ) oder künftiger Kanzler (Daniel Cohn-Bendit) − Habeck soll das zerstrittene Land über die Milieugrenzen hinweg wieder zusammenbringen. Kurzum: „Habeck funktioniert in Prenzlauer Berg genauso wie in einem Holsteiner Kuhstall.“ In der Etikettierung „Draußenminister“ steckt eine entscheidende Komponente seines Erfolgsrezeptes. Habeck gilt als Macher, der sich nicht zu schade ist, auch mal in Gummistiefeln loszuziehen, um die Probleme vor Ort zu lösen.
Existenzielle Weltverbundenheit kombiniert er mit einem Notstandsjargon („In Krisen schlägt die Stunde des Politischen“), der unterstreichen soll, dass sein politisches Engagement den tieferen Bedeutungsschichten unseres Daseins entstammt. Habeck hat nicht einfach politische Interessen, er fühlt bei dem, was er tut, nicht weniger als die „Sehnsucht nach dem Meer“. Die „Relativität des ängstlichen Abtastens“ lehnt er ab, ganz unbemerkt knüpft er dabei an eine sehr deutsche Tradition an, die besagt: Wer leben will, hat ranzuklotzen. Den grünlackierten Kraft-durch-Freude-Gestus reichert er mit schamlosestem Kitsch an, der bei der Sehnsucht nach dem Meer anfängt und zwischen toten Pottwalen an der Nordseeküste, die ihm bei der Entscheidung für die Kandidatur zum Parteivorsitz auf die Sprünge geholfen haben, ans Ziel kommt: „Aber jetzt, hier im Watt zwischen den toten Walen, sortierte sich wieder, was richtig und wichtig war.“
Das Hausieren mit der eigenen Empfindsamkeit wird allein deswegen nicht als aufdringliche Anbiederung an esoterisch Anfällige empfunden, weil die zeitgenössische Politik längst mit den großen Gefühlen, die alle haben wollen, verschmolzen ist. Die betonte Sensibilität bedient zudem das virale Massenbedürfnis nach zartfühliger Männlichkeit, die auch als morbider Fimmel für tote Tiere daherkommen darf, solange die jeweilige Selbstinszenierung als Bekenntnis zur eigenen Schwäche desjenigen erkennbar bleibt, der auch schlecht rasiert nicht als derber Macker, sondern als softer Wuschelkopf erscheint. Bei aktuellen Aufnahmen von männlichen Schauspielern und Popstars zeige sich ein ganz neuer Blick, war jüngst in der Süddeutschen Zeitung zu lesen. Der neue Mann schaue nicht mehr von oben herab, sondern so, „als habe man das gesenkte Haupt gerade erst aufgerichtet, um jetzt ein bisschen verlegen, ein bisschen rätselhaft in die Kamera zu blicken.“
Fotos von Habeck, auf denen sein nachdenklich-gesenkter Kopf und drolliger Blick Gedankenschwere und Kontaktfreudigkeit vermitteln sollen, bezeugen, dass der Imagewandel, von dem hier die Rede ist, auch die Berufspolitik erreicht hat. Der „Frauenschwarm-Politiker“ (Bild) kann aber nicht nur süß gucken: „Er hört zu und denkt nach, bevor er etwas sagt. Der Mann hat seinen Intellekt an großen Philosophen wie Immanuel Kant geschult.“

Dass dem Gefeierten die Lobhudelei peinlich sein könnte, ist auszuschließen, denn er selbst macht’s auch nicht unter Kant: „Ich weiß, dass ich nicht alles besser weiß. Kant hat mir die Kritik beigebracht und Camus den Zweifel.“ Bei Karl Kraus ist die Rede davon, dass die klassische Bildung zuweilen vor allem die Banalität des Schmocks veranschaulicht, der sie dauernd vor sich herträgt. Entsprechend bekundet Habeck im Gestus überheblicher Bescheidenheit: „Vielleicht liegt es daran, dass ich zu viel Hegel gelesen habe, aber ich glaube fest daran, dass es hinter einer scheinbar zufälligen und zusammenhanglosen Reihe von Ereignissen oft eine gemeinsame Erklärung gibt.“
Wohlgemerkt: Solche Sätze leiten weder ein Zitat noch philosophische Exkurse ein, was es auch nicht besser machen würde, sondern fungieren ausschließlich als Werbung in eigener Sache. Habeck schafft es sogar, die banale Tatsache, dass ihm seine anfängliche Zurückhaltung beim Ringen um den Parteivorsitz am Ende nicht geschadet hat, als „negative Dialektik at works“ zu interpretieren. Bemerkenswert ist, dass an den intellektuellen Fähigkeiten des Großdenkers auch dann keine Zweifel kommen, wenn seine in der Öffentlichkeit breitgewalzten intellektuellen Selbstzeugnisse klingen, als handele es sich um den stümperhaften Versuch eines Philosophiestudenten, die Kommilitonin anzumachen, die im Hegelseminar immer in der ersten Reihe sitzt. Die halbgebildete Angeberei mit Kant, Hegel und Co. verwurstet diese zu Versatzstücken einer hemmungslosen politischen Selbstmarketingstrategie, die bezeugt, dass sich hinter der zu Schau getragenen Belesenheit ein besonders abgefeimter Karrierist versteckt.

Teil 2 finden Sie hier.

David Schneider ist regelmäßiger Autor der Zeitschrift BAHAMAS. Auf Achgut.com erschien bisher: Juden in der AfD: Kein Recht auf extreme Meinungen?

Anmerkungen:

* Neben Jugendbüchern umfasst ihr gemeinsames Werk übersetzte englische Lyrik, Romane (etwa über den G8-Gipfel in Heiligendamm oder den Herero-Aufstand) und ein Theaterstück, in dem es um Gustav Noskes Rolle während des Kieler Matrosenaufstandes geht. Gedichte über das Meer und den Wind wurden ebenfalls geschrieben. Die dazugehörige Webseite ist aus dem Netz entschwunden (http://www.paluch-habeck.de/kleinearbeiten/gedichte/index.html.)



Ist das Spektakel, das uns diese widerwärtigen Protagonisten darbieten, nun ein Fall von Mediokratie oder nicht?

Einerseits nicht, denn, was hier inszeniert wird, ist ja nur das kollektive Unbewusste der Mehrheit des Publikums. Die Marionetten, die wir betrachten, hängen mit ihren Fäden an eben diesem Unbewussten, dass sich super partes über die Bühne wölbt.
Andererseits ist es aber doch ein Fall von Mediokratie, denn das inszenierte Unbewusste, das hier in Szene geht, ist ja nur das einer momentanen und scheinbaren, fadenscheinigen Mehrheit, weil die AfD und vor allem alle konservativen und rechten Intellektuellen geächtet und "aus dem Diskurs" ausgeschlossen werden (ganz zu schweigen von den liberistischen Intellektuellen, die es in Deutschland nicht einmal mehr gibt, wie die FDP ja auch nicht einmal eine eigene Wochenzeitung, geschweige denn Tageszeitung aufweisen kann). Es handelt sich hierbei insofern regelrecht um Mediokratie bzw. Mediendiktatur, weil es der AfD in Deutschland nicht möglich ist, die Teilnahme an Talksendungen einzuklagen (im Gegensatz zu, z.B., Italien, wo eine Ächtung wie die, der wir in Deutschland wehrlos ausgeliefert sind, gesetzlich verboten ist).

Habeck-Baerbock sind frömmelnde Repräsentanten einer Theokratie ohne Gott. Dekadent und unfähig wie es nicht einmal Cosimo III. war. Für den Schaden, den sie anrichten werden, gibt es keine Obergrenze. Die Identitäre Bewegung ist die einzige vitale Jugend, die dieser grauenhaften Entwicklung Paroli (und Einhalt ge)bieten könnte, aber dank einem halben Jahrhundert Antibabypille und Abtreibungen gibt es heute zu wenig Jugendliche, um eine Bewegung entstehen lassen zu können, die (wie einst in Woodstock) von den Märkten wahrgenommen werden muss.

Hidden Nazi



Rigoros, todesmutig konsequent und unerschütterlich

Ähnlich wie Erasmus -  Ego mundi civis esse cupio communis omnium vel peregrinus magis, utinam contingat asscribi civitati coelesti, nam eo tendo - war Simone Weil letztlich nur im Himmel verwurzelt.

Unter die Lupe wie sonst keiner nahm die Entwurzelung ein dezidiert entwurzelter Inder aus der Karibik, der wie ein englischer Lord in England lebte (bzw. wie Josephus Flavius in Rom): V. S. Naipaul




Fluchtursache


Wiedergutwerdung



Merke: Ein Bevölkerungsaustausch findet offiziell so lange nicht statt, bis er unumkehrbar geworden ist!

"Warum Zukunftsdeutsche? Weil sie in der Zukunft die Mehrheit in Deutschland darstellen werden. Ab 2035 beginnt ein neues Zeitalter! Es wird ein Zeitalter sein, in dem wir Herkunftsdeutschen in unserem Land die Minderheit darstellen werden." Martin Gillo

Mittwoch, 7. August 2019

Guten Tag!

Buongiorno a questo giorno che si sveglia oggi con me,
buongiorno al latte ed al caffè,
buongiorno a chi non c'è...
... e al mio amore buongiorno per dirle
che è lei,
che per prima al mattino veder'io vorrei
È un giorno nuovo e spero che sia buono
anche per te.
Buongiorno voce, vita mia, buongiorno Fantasia,
Buongiorno Musica che sei l'oblio dei giorni miei...
... e a coloro che aiutan chi non ce la fa,
per donar loro un giorno che migliorerà...
È un giorno nuovo, e poi chissà, se il mondo
cambierà e ballerà.
Come un walzer, la vita danzarla dovrai,
è un vestito da sera che tu indosserai,
è una festa con mille invitati, un po' belli
e un po' odiati, con cui ballerai.
Ma è danzando la vita che tu imparerai
che ogni grande proposito è un passo che fai!
È un giorno nuovo anche per te,
festeggialo
con me!
Buongiorno cari figli mei, buongiorno a tutti voi!
Pensate al giorno che verrà come una novità,
Ed un dono inatteso che vi arricchirà,
di una nuova esperienza che si può ballar.
E un passo nuovo e un altro ancor, e il
mondo cambierà e ballerà.
Come un walzer, la vita danzarla dovrai,
è un vestito da sera che tu indosserai,
è una festa con mille invitati, un po' belli
e un po' odiati, con cui ballerai.
Ma è danzando la vita che tu imparerai
che ogni grande proposito è un passo che fai!
È un giorno nuovo anche per te,
festeggialo
con me!
Ma è danzando la vita che tu imparerai
che ogni grande proposito è un passo che fai,
È un giorno nuovo e prego che sia tutto
da ballar con te




Dienstag, 6. August 2019

Die bisher einzige gelungene Darstellung der deutschen und der italienischen Mentalität




Und zwar von Ulrike Schwarzenberger

Aufruf an Friseure, Masseure, Bader, Augen-, Ohren- Haus- und Zahnärzte

De prasinis


Michael Klonossvsky teilt mit:
Zu den Besuchern des kleinen Eckladens, mutmaßt Leser***, zählten "mit Sicherheit auch eine Reihe von Ärzten, Zahnärzten, Physiotherapeuten etc., kurz: Leute mit Wartebereich und Zeitungsauslage. Und diese sind ja in der Regel so mit Arbeit zugekippt, dass eine eigene aktive politische Betätigung schwer ist." Ob ich nicht in den Acta einen Aufruf an diese Klientel verbreiten könne, bestehende Abonnements umzustellen oder zu erweitern, also Magazine wie Cato und Tichys Einblick in den Wartezimmern auszulegen. "Wenn das alleine 100 Ihrer Leser machen, bedeutet das schnell eine Reichweitenerhöhung um bis zu 10.000 Leute."
Leser *** hat völlig recht, und ich reiche seine Empfehlung gern weiter.


                                    ***

Apropos. Ich wollte hier schon seit längerem zur Lobrede auf Cato ansetzen ­–, also auf das Magazin, nicht auf Marcus Porcius resp. Cato Uticensis (gelobt sei auch jener) ­–, und nun sei die Gelegenheit beim sogenannten Schopfe ergriffen. Seit dem Tod des FAZ-Magazins und der FAZ-Tiefdruckbeilage gab es ja lange kein periodisch erscheinendes Druckerzeugnis mehr, dass unsereins mit einem gewissen Vergnügen lesen konnte (auch wenn der Spiegel unter Aust noch erträglich war). Der "Strukturwandel der Öffentlichkeit" findet im Wesentlichen online statt, online ist jene Vielfalt und Meinungspluralität inzwischen hergestellt, die den gemeinen Wahrheits- und Qualitätsjournalisten erschreckt, etwa bei ZDF heute, wo man die Agonie des qualitätsmedialen Frontalunterrichts und den Verlust des Manipulationsmonopols mit den Worten beklagt: „Sich öffentlich zu äußern - das war früher Politikern und Journalisten vorbehalten. Heute kann das jeder – dank Internet und den sozialen Netzwerken. Hass im Netz hat Hochkonjunktur."
Das Internet, man halte von seinen Latrinen und Grüften, was man wolle, ist ein Medium der Freiheit.
Doch, guter Freund, die Zeit kommt auch heran,
Wo wir was Guts in Ruhe schmausen mögen.
Zum Beispiel eine echte, das heißt nichtvirtuelle Zeitschrift, in der man blättern kann, ästhetisch anspruchsvoll gestaltet, auf manierlichem Papier gedruckt, mit Texten über Kultur, Politik, Kunst, Gesellschaft aus dem In- und Ausland, geschrieben von seriösen, gebildeten, analysefähigen Leuten, die einen weder belehren oder erziehen noch ein schlechtes Gewissen machen oder irgendetwas verbieten wollen, wie eben Cato – auch wenn dort das Salz des Hasses, der Knoblauch der Hetze und das Olivenöl des Sarkasmus womöglich mitunter etwas zu sparsam zur Anwendung kommen.

Ich lese das Zweimonatsperiodikum seit der ersten Nummer. Dort schreiben kluge Autoren wie Roger Scruton, Jordan Peterson, Norbert Bolz, Jörg Friedrich, Sebastian Kleinschmidt, David Engels oder Karlheinz Weissmann, um nur ein paar zu nennen. Letztgenannter beendete eine Rezension des Stauffenberg-Buches von Thomas Karlauf mit der Feststellung, dem Autor und jenen, die sein Buch feierten, gehe es darum, die "hohe symbolische Bedeutung" (Ernst Kantorowicz) des Attentats "vergessen zu machen, sie auf Mittelmaß zu bringen und den 20. Juli zu irgendeiner Denkwürdigkeit im Feierjahr der Vergangenheitsbewältigung zu machen. Was wiederum auf einen Defekt hinweist, den Peter Hoffmann in seinem großen Buch über Stauffenberg benannt hat: der Widerwille der Heutigen gegenüber dem 'Besonderssein', der Tatsache, daß es Ausnahmemenschen gibt, oder wie man einmal sagte: Helden."
Die aktuelle Ausgabe ist politischer als ihre Vorgängerinnen und beschäftigt sich primär mit dem wundersamen Aufstieg der Grünen. Alexander Wendt gräbt die totalitären Wurzeln der Partei aus, braune wie rote, und erinnert unter anderen an Werner Vogel, der, nachdem bekannt wurde, dass er SA-Führer, NSDAP-Mitglied und Beamter im Reichsinnenministerium war, weiter im Grünen-Landesvorstand NRW bleiben und sich um Jugendpolitik kümmern durfte: "Der frühere NS-Karrierist setzte sich mit allen Kräften für diejenigen in der Partei und ihrem Umfeld ein, die Geschlechtsverkehr zwischen Erwachsenen und Kindern für einen Baustein der neuen Gesellschaft hielten".
 Auf der anderen Seite der sich bekanntlich touchierenden Extreme stand eine Figur wie Dieter Kunzelmann, der sich in Jordanien von der Fatah im Bombenlegen unterrichten ließ, aber offenbar nicht gut genug, denn die Bombe, die am 9. November 1969 im voll besetzten Berliner Jüdischen Gemeindehaus gezündet werden und die Deutschen von ihrem "Judenknax" befreien sollte, explodierte nicht. Als Drahtzieher der Aktion gilt Kunzelmann, der in den Achtzigern für die Alternative Liste im Berliner Abgeordnetenhaus saß.
Gern pflegten Veteranen der Bewegung die Legende, erst die Achtundsechziger und die Grünen hätten die deutsche Gesellschaft zivilisiert; tatsächlich, hält Wendt fest, "lief es genau umgekehrt: Die Grünen brauchten ein Jahrzehnt, um einigermaßen in der Bundesrepublik anzukommen."
(Auf Seite 32 gibt es übrigens das bekannte Ledersessel-Foto von Joseph "Joschka" Fischer, das den Grünen am 27. Oktober 1998 vor der ersten Kabinettssitzung der Regierung Schröder zeigt, und man sieht seiner Miene an, was dem Gevatter durch die Rabaukenrübe rauscht, nämlich: Die haben doch tatsächlich einen wie mich zum Vizekanzler und Außenminister gewählt, es ist unglaublich.)
Bemerkenswert ist das Interview, welches Andreas Lombard mit dem Grünen-Mitgründer, Landwirt und heutigen Manuscriptum-Verleger (also meiner) Thomas Hoof über Wirtschaftswachstum, fossile Energieträger und die kommende Krise des Industriesystems führt. Der knackigste Passus daraus: "Die Grünen waren in den achtziger Jahren die Partei des Naturschutzes, der Lokalität und Regionalität (...), die Partei einer Dezentralisierung (auch der Energieversorgung), sogar einer bündnispolitischen Lockerung (Neutralität, Nato-Austritt). Mit jedem dieser Stichworte können Sie aber die heutigen Grünen jagen und zu exorzistischen Selbstreinigungszeremonien veranlassen. Was die Partei inzwischen darstellt, ist das Ergebnis einer regelrechten Umstülpung. Heute sind sie eine der vielen Tentakeln des globalistischen Kraken."
Ein Essay von Roger Scruton schildert den Schutz der konkreten Umwelt als konservative Antwort auf die abstrakte "Klimarettung". Norbert Bolz beschreibt den Aufstieg der Grünen aus theologischer Sicht: "Die Grünen sind so erfolgreich, weil sie das tiefe religiöse Bedürfnis einer atheistischen Gesellschaft befriedigen." Der Weg, den sie weisen, führe "weg von Gott Vater und hin zu Mutter Erde", was vor allem dem ungläubigen modernen Protestanten frommt. "Diejenigen, die sich mit religiöser Inbrunst der Natur zuwenden, sind von der Geschichte enttäuscht."
Ich komme bekanntlich gern ins Zitieren und muss mich immer bremsen. Erwähnen will ich zuletzt aber noch den Text des Juristen und Staatsrechtlers Ulrich Vosgerau, der ein Buch eines regierungsfrommen und souveränsunholden Kollegen – nein, es handelt sich nicht um Merkels Miniatur-Carl-Schmitt Prof. Thym – über die "Krise des heutigen Parlamentarismus" rezensiert und die eigentliche Gestalt der besagten Krise folgendermaßen zusammenfasst: "Weil der postdemokratische Wandel des Regierungssystems in Deutschland, die spätestens seit 2010 betriebene Entparlamentarisierung und Entrechtlichung einer politisch-medialen Doppelherrschaft, der Durchsetzung globalistischer, universalistischer und vor allem gesinnungsethischer Politikziele dient – und nicht, wie etwa in Polen oder Ungarn, deren Abwehr –, gilt er dem Wissenschaftssystem (das durch sein Bedürfnis nach Finanzierung und Publizität vom politisch-medialen Komplex abhängig geworden ist) als 'demokratisch'."

Zur Webseite von Cato geht es hier.

Libretto




Goethe sagte am    , ein Libretto müsse auch ohne Musik als Theaterstück verwendbar sein. Als gelungenes Beispiel sah er Bouillys Les deux journées an. Es wäre an der Zeit, diese wundervolle Oper in Salzburg von Zeffirelli inszenieren lassen. Aber Zeffirelli lebt ja nicht mehr. Dann muss Currentzi eben jemand anderen finden, der dieser Aufgabe gerecht wird.

Wie wunderbar!

Dass es noch Menschen wie Joan Holender und Teodor Currentzis gibt.

Sonntag, 4. August 2019

Mit Maaßen


"Das grundlegende Problem hinter der Straftat eines Migranten ist die politsche Verantwortung dafür", sagt Hans-Georg Maaßen im Interview mit der Rheinischen Post (dort hinter der Bezahlschranke, hier nicht). Ob er den Satz, dass er nicht in die CDU eingetreten sei, damit 1,8 Millionen Araber nach Deutschland kommen, auch bei 1,8 Millionen Japanern gesagt hätte, erkundigen sich die Interviewer. Der einstige Verfassungsschutzchef erklärt, die Frage sei "blödsinnig", gerade in Düsseldorf wisse man, dass Japaner sich musterhaft integrierten; außerden sei ihm "nicht bekannt, dass zum Beispiel Japaner, Briten oder Amerikaner bei Vorkommnissen in den Düsseldorfer Freibädern oder bei den Anschlägen auf dem Breitscheidplatz in Berlin, in Würzburg, Ansbach, Hamburg oder Hannover aufgefallen sind."

Auf die Frage: "Herr Maaßen, warum sind Sie eine so umstrittene Figur geworden?"
repliziert er zitierenswert, ja -würdig:

"Ich finde es bemerkenswert, dass Sie mich als 'umstrittene Figur' bezeichnen. Ich denke, dass dieses Etikett besser zu vielen Spitzenpolitikern passt."


                                    ***


Das willkommenskulturelle Blutbad geht im Tagestakt munter weiter. In Stuttgart hat auf offener Straße ein Syrer bzw. ein unter "syrischer" Identität eingereister Palästinenser (hier) einen Deutsch-Kasachen mit einer Art Samuraischwert abgeschlachtet (hier, hier), es kursieren mehrere Videos, wo man sieht, wie der Täter mehrfach mit viel Schwung auf das am Boden liegende Opfer einsticht, danach versucht er, mit einem Hieb dem Liegenden den Kopf abzuschlagen. Ich verlinke hier auf keine der Sequenzen, sondern lediglich, meine Chronik der Ikonografie der späten Merkeljahre anbequemend, auf ein Bild der Leiche (hier, aber Vorsicht!).


                            ***

Die Völkerpsychologie, eine aus den bekannten Gründen eher als anrüchig geltende Wissenschaft, hat lange schon nachgewiesen, dass sich Nationalcharaktere bzw. ethnische Prägungen auch im Ausland und dort über Generationen erhalten. In seinem Buch "Völkerpsychologie" zieht Andreas Vonderach eine eindrucksvolle Bilanz der bis dato statistisch, kriminologisch, soziologisch, ethologisch, kriminologisch, physiologisch und – hui! – genetisch ermittelten kollektiven Verschiedenheiten. Im Kapitel "Moral- und Kriminalstatistik" ist zu lesen:
"Aufschlussreich sind Daten aus den Staaten, in denen verschiedene Völker lebten. So war in Österreich-Ungarn die Gewaltkriminalität in allen nicht deutschen Gebieten größer als in den deutschen. Die Juden wiesen nur eine sehr geringe Gewaltkriminalität auf, dafür aber hohe Werte bei Betrug. Die Zigeuner waren beim Diebstahl stark vertreten. Auch innerhalb des zaristischen Russlands war die Gewaltkriminalität bei Deutschen und bei Juden am geringsten. Am meisten neigten dort die Kaukasus-Völker und die Tataren zu Gewalttaten. Das europäische Verteilungsmuster spiegelte sich auch in der amerikanischen Gesellschaft wider. Auch hier hatten die Nachkommen der aus Nord- und Westeuropa Eingewanderten eine viel geringere Straffälligkeit als die der aus Süd- und Osteuropa stammenden."
Linke und liberale Soziologen bringen bei solchen Statistiken die sozialen Verhältnisse als wichtigste Einflussgröße ins Spiel. Unbeantwortet lassen sie die Frage, warum verschiedene Völker oder Ethnien verschiedene soziale Verhältnisse herstellen. Allerdings haben empirische Untersuchungen ergeben, dass sich bereits Neugeborene in ihrem Verhalten nach ihrer Ethnie unterscheiden. So beginnen weiße Babys leichter zu schreien und sind schwerer zu beruhigen als chinesische Babys, die weniger erregbar und mit fast jeder Lage zufrieden sind, in die man sie bringt. Diese Unterschiede gelten übrigens auch für Babys chinesischer Herkunft in den USA.
Am interessantesten wird es – und hier beginnt zugleich die Zone der akademischen Kopfschüsse, weil das derzeit größte Tabu der westlichen Welt den Weg sperrt –, wenn genetische Unterschiede zwischen den großen ethnischen Gruppen zur Erklärung für unterschiedliches Verhalten herangezogen werden. Zum Beispiel eben für die unterschiedliche Gewaltneigung.
Wir kennen dieses Problem aus den Diskussionen um kriminelle Zuwanderer. Statistisch ist deren Kriminalität, verglichen mit den Eingeborenen, um ein Vielfaches höher, was trotz mehr oder weniger smarter Statistikmanipulation, trotz Dunkelfeld und Gesinnungsdruck nicht mehr offiziell geleugnet werden kann. Man beschallt uns freilich multimedial mit der endgültigen Wahrheit, die Herkunft habe nichts damit zu tun, Flüchtlinge seien nicht per se krimineller als Deutsche, auch wenn sie pro Kopf deutlich mehr Straftaten begehen, andere Faktoren seien dafür verantwortlich, es handle sich vor allem um junge Männer, also eine Gruppe, die überall auf der Welt die meisten Straftaten begehe, sie seien oft traumatisiert, vegetierten weiberlos und ohne ihre Familie in überfüllten Heimen und so weiter. Wenn Holger und Jochen so leben müssten, würden sie genau so oft straffällig werden wie Achmed und Mustafa. Denn alle Menschen und Ethnien sind gleich.
Also was uns diese Wohlmeinenden eigentlich vorrechnen, ist folgendes: Wenn Martin im selben Land wie Muhammad geboren wäre, seine Eltern und Vorfahren aus demselben Milieu stammten und derselben Religion folgten, wenn er genauso aufgewachsen wäre, dieselbe Bildung erfahren, einen ähnlichen Beruf gelernt, überhaupt ein ähnliches Schicksal hätte, dann wären beide auch in einem ähnlichen Maße gewaltaffin. Zwar hat der FC Schalke 1:7 gegen Manchester City verloren, aber wenn wir statistisch alles herausrechnen, was zu Schalkes Ungunsten spricht, Budget, Trainer, Spielergehälter, Konkurrenzdruck in der Liga und so weiter, liefe die Sache auf ein Remis hinaus. Die linke Vorliebe für die Zukunft und das Reich des Optativ bringt jeden, der auf die tristen Tatsachen hinweist, in den verdienten Ruch der Ewiggestrigkeit, denn unter den immer idealeren Bedingungen einer immer gerechteren, von Diskriminierung, Rassismus, Armut und sozialer Ungleichheit gesäuberten Welt werden sich auch die großen Menschengruppen, die schlechte Menschen früher Rassen nannten, immer ähnlicher, bis man sie dermaleinst gar nicht mehr unterscheiden kann. Da bleibt dem Ewiggestrigen nur noch der Stoßseufzer: Aber kann man nicht die Massenmigration bis dahin vertagen?
Nun kommt indes ein Problem durch die Hintertür, nämlich die Genetik mit der Erkenntnis, dass die unterschiedliche Gewaltneigung innerhalb von Ethnien mit genetischen Unterschieden korreliert. In Rede steht das Mono-amino-oxidase A-Gen, kurz MAOA-Gen, das auf den plakativen Namen "Krieger-Gen" getauft wurde. Es handelt sich um ein Gen auf dem X-Chromosom, das in mehreren Allelen vorstellig wird. Seit den 1990er Jahren ist bekannt, dass das Vorkommen eines dieser Genloci, das MAOA-2R-Allel, mit aggressivem Verhalten korreliert. Die genetischen Details sind kompliziert, zusammenfassend lässt sich konstatieren, dass das MAOA-2R-Allel nur bei 0,1 bis 0,5 Prozent der Europäer vorkommt, bei amerikanischen Schwarzen mit Werten zwischen 4,7 bis 5,5 Prozent deutlich häufiger ist, bei Chinesen überhaupt nicht gemessen werden konnte, aber bei Arabern den beeindruckenden Wert von 15,6 Prozent erreicht. 
Die Volksempirie – das Vorurteil – sagt bekanntlich schon lange, Araber seien heißblütig. Die Genetik pflichtet dem jetzt bei. Eine plausible, wenn auch nicht allumfassende Erklärung lautet: Eine kriegerische, patriarchalische Beduinenkultur, in der Polygamie praktiziert wird, hat über Jahrhunderte im Kampf erfolgreiche, aggressive Männer mit mehreren Frauen und zahlreichen Nachkommen versorgt, während weniger aggressive Männer von der Fortpflanzung ausgeschlossen wurden. Plausibel oder nicht – in unserem Zusammenhang genügt die Feststellung des signifikanten Unterschieds. Auch das deckt sich mit den Alltagsbeobachtungen und den Pressemeldungen über Vorfälle mit "Gruppen" und Messern in Deutschland. Aggressivität kann durchaus im Blut liegen. Ein Blick in die Gefängnisse gibt darüber Aufschluss. Keine der schon in den Zeiten vor der Flut routiniert gefälschten Polizeistatistiken wird daran etwas ändern.

(Vonderachs Buch, in dem man das alles nachlesen kann, finden Sie hier.)

Ein PS "in Sachen Mono-aminoxidase-A und China" sendet Leser ***: "Die chinesische Gesellschaft war und ist bis heute eine außergewöhnlich gewaltaffine. Dies bestätigen meine Erkenntnisse aus jahrzehntelanger Beschäftigung mit Kriminalität, Alltagsgewalt und Militär. Ich verbrachte viele Jahre im Land und konnte Zeuge zahlloser tätlicher Auseinandersetzungen werden, die in unseren europäischen Breitengraden wenn nicht ignoriert, so zumindest mit ein paar Worte geregelt worden wären.
Adrian Raine, einer der führenden Wissenschaftler auf dem Gebiet der biologischen Grundlagen von Gewalt, bemerkte jüngst zu China: 'While the base rate of the low-MAOA gene is about 34 percent in Caucasian maless and 56% percent in the Maori, it is 77 percent in Chinese males.' (in The Anatomy of Violence –
The Biological Roots of Crime, Pantheon Books, New York 2013, p. 55). Eine herausragende Lektüre zur Historie der Alltagsgewalt bietet William T. Rowe in
"Crimson Rain – Seven Centuries of Violence in a Chinese County", Stanford University Press 2007.

Es findet sich kein einziges Jahr in Chinas später Kaiserzeit (1368-1911), in dem nicht irgendwo im Land massiv Militär eingesetzt wurde. Die Taiping-Rebellion (1851-1864), das größte Aufstandsereignis in diesem Zeitraum, zählte wenigstens 30 Millionen Tote. Auf die Atrozitäten der Mao-Herrschaft hinzuweisen ist überflüssig."   MK

Freitag, 2. August 2019

Maas

Für das, was Deutsche im vergangenen Jahrhundert Polen angetan haben, "kann man nur Scham empfinden", sagte heute Außenminister Heiko Maas bei seinem Besuch im Nachbarland angelegentlich einer Gedenkstunde an den Warschauer Aufstand – Herr Maas reist ja am liebsten ins Ausland, um sich zu schämen, und das kann er ja immerhin. Ich habe kein Problem damit, dass sich ein deutscher Politiker bei den Polen für die Exzesse der Nationalsozialisten entschuldigt. Ich erwarte freilich von einem deutschen Politker auch, dass er, nicht unbedingt an diesem Datum, aber überhaupt, auf die Vertreibung der Deutschen hinweist, und ich meine vor allem die Vertreibung von mehr als einer Million Deutscher aus dem plötzlich polnisch gewordenen "Korridor" in der Zwischenkriegszeit, also lange bevor Hitler Polen angreifen ließ. Ich vermute freilich, dass Herr Maas davon noch nie gehört hat.

L'amico Fritz



Donnerstag, 1. August 2019

Die neue Grausamkeit



Die Hypermoral erwürgte den Anstand und pflanzt sich fort.

Wer noch nie von Lee Rigby gehört hat, soll jetzt einfach mal ein paar Jahre lang den Mund halten

(zum Thema "blinde Hetze verbreiten" versus "einfach mal die Wahrheit sagen")

Montag, 29. Juli 2019

Sonntag, 28. Juli 2019

Standing ovation!




Hier geht es weiter.

Und hier erst!

Und wir haben eine depperte Kanzlerette und eine völlig verblödete, selbstgefällige Medienkaste, die dieser unsäglichen Gestalt huldigt, weil die nichts sagende und das Wachstum des Nichts fördernde Kröte sich besagter Kaste angebiedert hat und die Altparteien sich schon so lange mit der Kröte kompromittiert haben, dass kein Zurück merh möglich ist..







Deutschland macht Ernst

Deutschland macht endlich Ernst mit dem Grenzsschutz. Nachdem die Sicherheitsvorkehrungen bereits in vielen Bädern verstärkt wurden, gibt Düsseldorf nun ein Debüt mit Ausweiskontrollen beim Einlass. Die addierte Gesamtgrenze aller ca. 4600 Frei- und Freizeitbäder bei gemittelten ca. 800 Metern pro Bad mit 3700 Kilometern entspricht ziemlich genau der Außengrenze Deutschlands, ca. 3850 Kilometer, an welcher, im Gegensatz zum Schwimmbad, Zäune Menschen nicht aufhalten können, allein schon deswegen, weil dort ja keine stehen.

Es ist wie eine späte Karikatur von Emil Spannocchis strategischem Konzept, der Ende der 70-er mit gewichtigen Gründen vorschlug, aus dem Dilemma der nuklearen Eskalation in Mitteleuropa einen Weg zu schaffen, indem man die Grenzverteidigung durch Raumverteidigung ersetze.

Alle reden vom Wetter




Selbst Shakespeare fiel am Ende nichts anderes mehr ein.

115000 Jahre Eiszeit

Wie einer versucht, sich zu orientieren

Es gibt sogar eine Übersetzung ins Neapolitanische von Shakespeares Tempest.

Die Tagesthemen sind inzwischen so weit, uns dazu aufzufordern, uns im Eilschritt in den Maosmus zu begeben. Man reibt sich nur noch die Augen angesichts dieses vollständigen Schwundes historischer Erinnerung und dieser Unfähigkeit zu historischer Empirie. Absolute Leere. Historische Demenz. Das kommt davon, wenn Allgemeinbildung durch eine Oberstufenreform einfach abgeschafft wird und die Überspezialisierung bereits Jahre, bevor die Menschen halbwegs erwachsen sind, beginnt, und so nur noch Fachidioten entstehen: die Techniker werden zu Blinden und die Geistes"wissenschaftler" zu Ideologen. Wer vor 40 Jahren davor warnte, wurde ausgelacht.


Samstag, 27. Juli 2019

Alle Jahre wieder

"'Aber der Gehalt der Wagnerischen Texte! Ihr mythischer Gehalt, ihr ewiger Gehalt!' – Frage: wie prüft man diesen Gehalt, diesen ewigen Gehalt? – Der Chemiker antwortet: man übersetze Wagner in’s Reale, in’s Moderne, – seien wir noch grausamer! in’s Bürgerliche! (...) Nichts ist unterhaltender, als sich Wagnern in v e r j ü n g t e n Proportionen zu erzählen: zum Beispiel Parsifal als Candidaten der Theologie mit Gymnasialbildung (– letztere als unentbehrlich zur r e i n e n T h o r h e i t). Welche Überraschungen man dabei erlebt! Würden Sie es glauben, dass die Wagnerischen Heroinen samt und sonders, sobald man nur den heroischem Balg abgestreift hat, zum Verwechseln Madame Bovary ähnlich sehn! – wie man umgekehrt auch begreift, dass es Flaubert f r e i s t a n d, seine Heldin in’s Skandinavische oder Karthagische zu übersetzen und sie dann, mythologisiert, Wagnern als Textbuch anzubieten.
(...)
Ja, in’s Grosse gerechnet, scheint Wagner sich für keine anderen Probleme interessirt zu haben, als die, welche heute die kleinen Pariser décadents interessiren. Immer fünf Schritte weit vom Hospital. Lauter ganz moderne, lauter ganz g r o s s s t ä d t i s c h e Probleme!"

Nietzsche, "Der Fall Wagner"

"Es war Deutschlands Glück, dass das Attentat vom 20. Juli 1944 scheiterte", schreibt Arno Widmann, dem man nunmehr schon über Jahre beim mählichen Verrücktwerden hospitieren kann. Denn: "Ohne die vernichtende Niederlage Deutschlands hätten die Deutschen nicht herausgefunden aus ihrer Herrenrassenherrlichkeit."

Was dort tatsächlich steht, ist: Hitler war ein Glück. So sahen das auch die Briten, die den übermütigen Konkurrenten auf dem Festland spätestens seit 1914 niederwerfen wollten und von der größten politischen Niete der deutschen Geschichte dazu eingeladen wurden, ihm den politischen Garaus zu machen. So sahen das auch die Amerikaner, die dank Hitler das Erbe des British Empire antraten. So sah das auch Stalin, der dank des Berliner Vabanque-Spielers sein Reich bis zur Elbe ausdehnen konnte. Und was unsere Widmänner angeht: Hitler hinterließ ein gewaltiges Beschäftigungsprogramm für die Moralherrenmenschenrasse dieser Republik. Ohne Hitler wären sie nichts. (Na ja, mit Hitler sind sie auch nicht viel, Hanswurste, die mit ihrer schlechten Familie prahlen...)  MK

Heute wurde gewonnen in Italien


Federica Pellegrini



Vincenzo Nibali


In Deutschland geht indessen ungehemmt und offenbar unaufhaltsam die masochistische Entsorgung unseres kulturellen Erbes weiter.

Alle Jahre wieder laden deutsche Wahrheits- und Qualitätsmedien zur ewiggleichen Märchenstunde über Richard Wagner. Diesmal ist es der Spiegel, der die Leier ertönen lässt: "Noch immer begeistert seine Musik die Menschen, noch immer tun sie sich schwer, weil auch die Nazis sich daran berauschten. Wem gehört Richard Wagner?" Merke: Die Nazis berauschten sich an ihm. Die Nazis? Tatsächlich dürfte eine große Mehrheit "der" Nazis unter seiner Musik eher gelitten haben. Tatsächlich befand sich unter den NS-Größen nur ein einziger wirklicher Wagnerianer: A. Hitler.

Die populärhistorische Suggestion, Wagners Musik sei gleichsam die Tonspur gewesen, mit welcher der Film namens Drittes Reich unterlegt wurde, hat mit der Wirklichkeit wenig zu tun und galt nur für ein paar Zirkusnummern des Gesamtwerkes. So erklang die "Rienzi"-Ouvertüre zur Eröffnung der Reichsparteitage – später dann als Einstiegsdröhnung in die Spiegel TV-Reportagen –, der Trauermarsch aus der "Götterdämmerung" bei Totenehrungen, Siegfrieds Schmiedelieder bei "Führers Geburtstag". Aber Bruckner und Beethoven wurden bei offiziellen Anlässen häufiger gespielt, und die bekannteste Melodie im Dritten Reich dürfte das Hauptthema von Liszts "Les Préludes" gewesen sein, das seit dem Beginn des deutsch-sowjetischen Krieges als Erkennungsfanfare der Wehrmachtsberichte in den Wochenschauen diente.

Seit der Machtübernahme der Nazis ging die Gesamtzahl der Vorstellungen von Wagnerwerken stetig zurück – ein Trend, der bereits in der Weimarer Republik begonnen hatte. In der Saison 1932/33 befanden sich unter den sechs meistaufgeführten Opern vier von Wagner, in der Spielzeit 1938/39 tauchte unter den Top Ten gar keine mehr auf. Behauptete sich Führers Lieblingstonsetzer bis zum Kriegsausbruch nach der Gesamtzahl der Aufführungen noch auf Platz eins, wurde er nun von Verdi, Puccini und sogar Lortzing überholt. Dafür gibt es zunächst eine ganz praktische Erklärung: Wagners Riesenwerke benötigten mehr Mitwirkende als die anderer Komponisten, und der Krieg riss immer größere Lücken auf den Bühnen und in den Orchestergräben.

Aber die inhaltlichen Gründe überwogen. Hatte es im Bayreuth-Festspielführer 1938 noch geheißen, der "Ring" sei "die erste und bis jetzt gewaltigste künstlerische Gestaltung des Rassegedankens", dürfte spätestens die Stalingrader Lektion den NS-Kulturvögten in Erinnerung gerufen haben, dass die Tetralogie, wenn man sie denn unbedingt rassisch interpretieren wollte, ja vom Untergang der Siegfried-Sippe handelte. Und nicht nur die: Das gesamte Germanenpersonal geht mit seinen goldgeilen Göttern unter. Überhaupt gehörte Wagners Personal eher in die Kategorie Kulturbolschewismus. Auf seiner Bühne agieren lauter ambivalente Charaktere, psychisch hochproblematisch, bindungslos, nach Erlösung schmachtend, auf beängstigende Weise opferbereit, reif für jede Art Psychologen. Die meisten seiner Helden stammen aus zerrütteten Familienverhältnissen und sind Halb- oder Vollwaisen. Im Ersten Aufzug der "Walküre" vollzieht sich der Inzest eines Geschwister-Paares, dessen Gelingen jeder fühlende Hörer die Daumen drückt und aus dem der Beinahe-Welterlöser Siegfried hervorgeht (man bedenke, die Uraufführung war 1870). Wagners Frauengestalten sind Emanzen, Blaustrümpfe, gebärunfähige Mannweiber, gänzlich ungeeignet, um deutschen Müttern oder Mutterkreuzträgerinnen ein Beispiel zu geben. Der Gralskönig Amfortas ist ein um Erbarmen flehender Herrscher, der an einer peinlichen Wunde leidet. Sein Gegenspieler Klingsor: ein Selbstkastrierer. Tristan: ein liebeskranker Defätist, der praktisch den ganzen Dritten Aufzug durchstirbt und dessen Todessehnsucht eher den Tatbestand der Wehrkraftzersetzung erfüllt. Wotan: ein erotischer Windbeutel und moralisch fragwürdiger Geschäftemacher, der seine Verträge nicht hält, seine Immobilie nicht bezahlen kann und Beihilfe zur Tötung seines Sohnes leistet.




Quer zur NS-Propaganda stand in noch stärkerem Maße der Pazifismus im "Parsifal". Ausgerechnet dieses Werk, eine Apotheose des Mitleids, soll nach Ansicht einiger Borderliner der Vergangenheitsbewältigung die geistige Brücke von Wagner zum Holocaust geschlagen haben, wobei sie bislang keine plausible Erklärung dafür herbeiwuchten konnten, warum es dann bei Kriegsausbruch von allen Spielplänen verbannt wurde.

Tatsächlich wäre Wagners Karriere im Dritten Reich ohne die Passion Hitlers für seine Musik eher unauffällig verlaufen. Unter NS-Funktionären genoss der Kunstrevolutionär höchst selten jene Popularität, die heute "den" Nazis unterstellt wird. Der Presse- und Kulturwart Curt von Westernhagen schrieb 1935 in einem Brief, die Sympathie des Führers dürfe "keineswegs darüber hinwegtäuschen, daß weite Kreise unserer Bewegung der Gesamtpersönlichkeit Wagners fremd oder ablehnend gegenüberstehen". Die NS-Ideologen Hans Günther und Alfred Baeumler waren Wagner-Gegner. Auch Alfred Rosenberg, der einen mystischen Wotan-Kult etablieren wollte, hätte sich und dem Reich den problematischen "Ring"-Obergott gern vom Hals geschafft.

Joseph Goebbels behauptete zwar, Wagner zu mögen, aber weder in seinen Reden noch seinen Tagebüchern findet sich irgendeine mehr als oberflächliche Bezugnahme auf dessen Werk und Ansichten. Der Beitrag des Reichspropagandaminsters zur Wagner-Exegese bestand darin, den "Wach auf!"-Chor im Dritten Akt der "Meistersinger", mit dem sich die Volksmenge an Hans Sachs wendet, in einen "Wacht auf"-Chor zu verfälschen, welcher, so Goebbels, "von sehnsuchtserfüllten, gläubigen deutschen Menschen als greifbares Symbol des Wiedererwachens des deutschen Volkes aus der tiefen politischen und seelischen Narkose" empfunden worden sei. Doch auch Hitler selbst, der seinen Wagner auswendig kannte, hat sich selten öffentlich über sein Idol geäußert. Wenn in Wagners Opern wirklich so etwas wie die geistige Vorläuferschaft des Nazitums verborgen gewesen wäre, hätte dann sein Oberfan nicht bei jeder Gelegenheit darauf insistieren müssen? Man findet bei Hitler aber weder eine nationalsozialistischen Deutung der Musikdramen noch irgendeine Bezugnahme auf Wagners theoretische Schriften. In "Mein Kampf" fällt der Name Wagner nur einmal, zwei seiner Opern, "Lohengrin" und "Parsifal", werden kurz erwähnt. Nicht einmal gegen das Judentum hat Hitler den verehrten Meister als Eideshelfer angerufen.

Aber waren die Opernhäuser bei den staatsoffiziellen Wagner-Darbietungen nicht rappelvoll mit Uniformierten? Gewiss. Friedrich der Große hat auch seine Gardisten in die Lindenoper einrücken lassen, um die Akustik für die königlichen Ohren zu optimieren, denn ein leeres Haus klingt nicht; es existiert aber kein Zeugnis, wie die Kerls auf die Klänge reagierten, ob sie die Musik genossen oder nicht einfach einschnurrten. Am Beginn der "Meistersinger"- Galavorstellung zum NSDAP-Parteitag 1933 war so wenig Publikum anwesend, dass ein erboster Führer Greiftrupps in die Bordelle und Biergärten aussandte, um die Parteigenossen der Hochkultur zuzuführen. Im Jahr darauf hatten seine Paladine zwar für ein von Anfang an gefülltes Haus gesorgt, aber viele Anwesende schliefen oder klatschten an den falschen Stellen. Wie Hitlers Sekretärin Traudel Junge berichtete, wurde während einer "Tristan"-Aufführung ein Angehöriger von Hitlers Entourage, der eingeschlafen war und über die Brüstung zu kippen drohte, gerade rechtzeitig von seinem Sitznachbarn festgehalten, der Sekunden zuvor ebenfalls noch im Bubu-Land geweilt hatte.

Man stelle sich vor, der Chef eines großen Unternehmens würde heute seine Untergebenen bei Strafe des Sympathie-Entzugs verdonnern, mit ihm sämtliche Wagner-Opern zu hören. Der Bayreuth-Besucher Paul de Lagarde durchlitt 1881 die Festspiele und klagte danach, es sei "zum Sterben langweilig" gewesen, und er werde sich "einer derartigen Qual" kein zweites Mal aussetzen. Warum sollte es den Allerwelts-Nazis anders ergangen sein?

Hitler wiederum kannte seinen Wagner zu gut, um nicht zu wissen, mit welch unsicherem Kantonisten er es zu tun hatte. Die wirkliche Gleichschaltung Wagners war wohl erst für die Zeit nach dem Endsieg geplant. So kam es, dass bei Hitlers regelmäßigen Bayreuth-Besuchen die Ideologie hinter die Kunst zurückzutreten hatte. Bezeichnenderweise erschien er stets in Zivil auf dem Grünen Hügel und verbat sich politische Kundgebungen im Zuschauersaal. Eine propagandistische Einwirkung auf irgendeine Inszenierung ist weder in Bayreuth noch in Berlin nachweisbar, und Hitlers Lieblingskapellmeister Wilhelm Furtwängler dirigierte alles andere als einen breiten, pathetischen Wagner. Erst ganz am Ende, im Bunker unter der Reichskanzlei, dürfte sich in Hitlers Kopf die Realität mit Wagners Kunstwelt überlagert haben, näherhin mit dem Finale der "Götterdämmerung", und es ist von einer tiefen Symbolik, dass er einige Originalpartituren mit in die Hölle nahm. Jedenfalls sind die in seinem Privatbesitz befindlichen Autographen von fünf Wagner-Opern – "Die Feen", "Das Liebesverbot", "Rienzi", "Rheingold" und "Walküre" – bis heute verschollen.

Fassen wir zusammen: Hitler "berauschte sich" an Wagner, nicht "die Nazis". Ungefähr so wie heute Merkel, nicht die CDU. Mit einem kleinen Unterschied: Hitler verstand etwas von Wagners Musik. MK