Stationen

Dienstag, 21. April 2020

Autorassismus

In den vergangenen fünfzig Jahren hat der Rassismus in der westlichen Welt in einem einzigartigen Maße abgenommen, er ist nicht nur so gut wie verschwunden, sondern auf autoaggressive Weise invers geworden, er hat sich gegen den Westen selber gerichtet, aber man dankt es den selbstkritischen Okzidentlern nicht; je weniger Rassismus existiert, desto lauter wird das Geschrei über den angeblichen Alltags- und Struktur-Rassismus, so wie das Geschrei über die schädliche Umweltbilanz des Automobils immer lauter erklang, je weniger Schadstoffe im Straßenverkehr frei wurden; angefeuert von westlichen Linken crescendieren die Diskriminierungs- und Entschädigungklagen, und niemand soll glauben, dass sie einmal von selbst enden, dass sie sozusagen wie ein Feuer allmählich ausgehen, sondern im Gegenteil, der Rassismus gegen die einstigen weißen Herren wird noch seine großen Zeiten erleben, er wird wachsen und auflodern, seine Agenten werden das Geld, die Habe und das Land der Nachkommen der einstigen Unterdrücker fordern, und es werden womöglich auch "Ströme von Blut" (Enoch Powell) fließen.

Eine schwarze Virenforscherin unterstellt jetzt, die Covid-19-Pandemie könne wegen "weißer Privilegien" und "systematischer Unterdrückung" der Schwarzen auf einen "Genozid" an Letzteren hinauslaufen. Ein weiteres Steinchen wurde so in das Mosaik der Anklageschrift gegen die Weißen gefügt. Auch dies mal wird auf Beweisaufnahme verzichtet.


Die westliche Kultur "ist die einzige, die ihre 'Schuld' anderen gegenüber eingesteht und obsessiv nach eigener Schuld sucht. Wenn in anderen Kulturen von kollektiver 'Schuld' die Rede ist, dann fast ausschließlich im Sinne von Ungehorsam gegenüber Gott oder seinen Geboten. Dort begreifen die Eliten ihre eigenen Kollektive entweder als unschuldige Opfer oder als glorreiche Sieger. In Europa hingegen emergiert die Vorstellung, 'Täter' zu sein und ein kulturübergreifendes 'Unrecht' begangen zu haben."

Diese Einstellung "ist zur Achillesferse der westlichen Kultur geworden. Die westliche Kultur insgesamt steht 'groupes mémoriels' gegenüber, die überhaupt nicht daran denken, Schuld bei sich selber zu suchen. Unter Bedingungen einer Globalisierung, die sich gegen den menschenrechtlichen Universalismus entschieden sträubt – denn sie klagt dessen Klauseln radikal einseitig nur gegen den Westen ein –, ist es selbstmörderisch geworden, dieser geistigen Tendenz in unserer Kultur freien Lauf zu lassen."

Egon Flaig, "Was nottut", Berlin 2019, S. 145/146


"Die Selbstkritik war immer die Stärke der westlichen Tradition. Damit sie nicht zur Schwäche wird, muss an die Stelle der Selbstkritik Wahrhaftigkeit treten". schrieb ich am 15. September 2011

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