Stationen

Dienstag, 25. Juni 2019

Kinder ohne Väter und ohne Kindheit




“Das Urteil des Kindheitsforschers Michael Hüter ist eindeutig: Nie ging es Kindern seelisch und emotional so schlecht wie heute. Eine der Ursachen für seine verheerende Diagnose sieht Hüter im Niedergang der Institution Familie. In Europa weise inzwischen jedes zweite Kind eine chronische Krankheit auf. Hinzu kämen stark zunehmende Entwicklungsstörungen und psychische Auffälligkeiten. Nimmt man diese Beobachtungen zur Grundlage, sind gesunde Kinder inzwischen zu einer kleinen Minderheit geschrumpft, schreibt Hüter in seinem Gastbeitrag für den Focus." schrieb Matussek schon vor 22 Jahren.

Und vor  11 Jahren fügte Rainer Gebhardt einen für Deutschland wichtigen Aspekt hinzu:
„Besondere politische oder intellektuelle Qualifikationen sind hier nicht gefragt. Alles, was man vorweisen muß, ist dieser unheimliche Waschzwang, diese Fixierung auf den Antifaschismus. Mit dieser Profession kann man heute an alle Türen klopfen. Zu kritischer Distanz ist keinem zu raten, der hier mitmischen will. Auch nicht zu den Exerzitien ideologiefreien Denkens. Denn wo die Gedanken so tief hängen, muß man sich nicht besonders strecken. Es reicht, wenn man die paar Sprechblasen beherrscht, mit denen der Betrieb in Schwung gehalten wird: Erinnerungskultur, Vergangenheitsbewältigung, Aufarbeitungsauftrag, Verantwortungsinitiative usw. So sieht er aus, der wunderbare Waschsalon, in dem der Sohn die Biographie seines Vaters mal schnell im Entnazifizierungs-programm durchgespült hat.“




"Die wirklich entscheidenden Vorgänge der Wirklichkeit können nicht entschieden werden, sondern sie vollziehen sich autonom. Dies wird etwa im Zerfall der Familie deutlich, der kulturellen Differenzierung der Generationen. 'Gewollt' hat dies, von einigen Außenseitern abgesehen, niemand, und nirgendwo sind die Weichen dafür gestellt worden; noch weniger ist es möglich, diesen Vorgang rückgängig zu machen. Wir können bestenfalls versuchen, zu verstehen, was da geschehen ist.
Die Familie war ja nicht nur eine pragmatische Wirtschaftseinheit, sondern sie vermittelte zugleich den Zugang zum Elementaren, schlug eine Brücke zwischen Leben und Tod, zwischen Geburt und Sterben. Sie flocht damit die Existenz des einzelnen in den Kosmos ein; die Kräfte der Natur durchzogen auch das menschliche Leben, das über das Sichtbare und Greifbare hinausreichte. Die Alten hielten Kontakt mit den Ahnen, mit der Geisterwelt, und verfügten über ein Wissen, das aus dem Jenseits kam. Der Lebenslauf war damit geschlossen, die Zukunft eine Phase, die grundsätzlich nicht unbekannt war. Eine stationäre Welt, welche die Unbewegtheit des Ewigen und Absoluten präsent hielt.
Die Auflösung der Familie, deren Abschluß wir in diesem Jahrhundert erleben, schneidet das Individuum von seinen Ahnen, von der Geisterwelt, vom Absoluten ab. Es verbleibt ein Elementarteilchen in einem endlosen kalten und finsteren Raum. Älterwerden bedeutet dann, in eine Zone persönlichen Hoffnungsschwunds zu geraten; die Möglichkeiten blieben ungenutzt, die Gelegenheiten vertan. Man treibt in einen sich verengenden Korridor hinein, aus welchem es nur noch kontingente Auswege gibt. Das Verschwinden des Kosmos bedeutet, daß man in eine endlose, irreversible Bewegung geraten ist, einen Sog ins Nichts, sobald die Illusionen des Fortschritts geplatzt sind."   Rolf Peter Sieferle in 'Finis Germania' (2017)

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