Stationen

Mittwoch, 30. Dezember 2020

Ein Bildungsbürger wird 80

Der stets noch mit  Ehrfurcht befrachtete Begriff des Bildungsbürgers – in der Person des Historikers, Publizisten, Buchautors Eberhard Straub hat er Gestalt angenommen. Wer ihn kennengelernt, mit ihm geplaudert hat – gern bei einem Glas Wein –, der denkt an einen hochgebildeten und kultivierten Mann, der in der Philosophie, Geschichte, Kunst, aber auch der Politik gleichermaßen bewandert ist, der über eine hohe Formulierungsgabe sowie über Humor und Selbstironie verfügt. Ein Kavalier der alten Schule also. Doch was heißt das in seinem Fall?

Nichts wäre falscher als die Vorstellung von einem, der über die Verluderung der Gegenwart im allgemeinen und der Jugend im besonderen lamentiert und sich ganz sicher ist, daß früher alles besser war. Straub ist auch ein studierter Archäologe und weiß, daß alles fließt und seine Zeit hat.

Er hütet sich aber auch vor dem anderen Extrem, dem der Beliebigkeit, und vor der Verführung, „sich selbst vor Veralterung zu schützen durch eine pointillistische Lebensweise unter dem Feuerwerk der Augenblicke“. Auf sicherem Fundament aus Bildung, Reflexion und Erfahrung stehend, ist er offen für die Gegenwart und fragt: Was ändert sich? Und was davon ist geeignet und wert, meinen Kosmos zu erweitern?

1940 in Berlin geboren, führen ihn seine Kindheitserinnerungen in die Kriegs- und Nachkriegsjahre. Er hat Bücher über Preußen, über Wilhelm II. und über Albert Ballin, den jüdischen Reeder und Freund des Kaisers, veröffentlicht. Sein Blick auf die Geschichte ist dennoch eher süddeutsch-katholisch als preußisch-protestantisch geprägt. Seine Dissertation verfaßte er zum Thema „Die höfischen Feste in der Münchner Residenz vom 16. bis zum Ende des 18. Jahrhunderts“. 1977 habilitierte er sich mit einer Arbeit über „Spaniens Kampf um seine Friedensordnung in Europa zwischen 1617 und 1635“.

Zehn Jahre lang, bis 1986, gehörte er der Feuilleton-Redaktion der FAZ an. Später leitete er die Öffentlichkeitsarbeit beim Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft in Essen. Seit 1998 lebt er als freier Autor in Berlin und legt seitdem Schlag auf Schlag neue Bücher vor: über die Krise der Städte, über die Furtwänglers, über den Wiener Kongreß. Große Geschichte wird bei ihm anhand psychologisierender Personendramen lebendig. Gar nichts hält er von den „Werten“, mit denen wir öffentlich-rechtlich tyrannisiert werden.

Ihren Verfechtern geht es um die politische und ökonomische Verwertbarkeit, die bis zur Legitimierung von Dummheit und Niedertracht reicht. Wichtig sind ihm die Freiheit, die Tugenden und aufrechten Haltungen, die tatsächlich gelebt werden und für die Menschen bereit sind, etwas zu riskieren. Leser der JUNGEN FREIHEIT können sich seit vielen Jahren an seiner Sprachkunst, seinem Wissen und seinem polemischen Talent erfreuen. Am 30. Dezember vollendet Eberhard Straub sein 80. Lebensjahr.   Hinz

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