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Mittwoch, 22. August 2018

Gniffke ruiniert den Ruf der Tagesschau immer mehr

Der Streit zwischen dem Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) und dem Chefredakteur der ARD-Tagesschau, Kai Gniffke, geht in eine neue Runde. Palmer hatte am Wochenende die Tagesschau dafür kritisiert, daß sie nicht über den Mord an einem Arzt in Offenburg durch einen somalischen Asylbewerber berichtet hatte.
Wenn ein Mensch, der im Beruf anderen Menschen helfe, ohne erkennbaren Grund erstochen werde, sei das kein gewöhnlicher Raubmord, sondern ein Fall von besonderer Abscheulichkeit, über den auch berichtet werden müsse, forderte Palmer. Hinzu komme, daß Asylbewerber bei schweren Gewalttaten in der Kriminalstatistik überrepräsentiert seien. „Gesichert ist mittlerweile auch, daß die Angriffe mit Messern zunehmen und wiederum Asylbewerber dafür wesentlich verantwortlich sind.“

Gniffke wies am Montag in einem über 30minütigen Videostatement die Kritik zurück und rechtfertigte die ausgebliebene Berichterstattung. „Wir müssen einfach nur gucken, ob jeder Mordfall, jede Tötung tatsächlich auch ein Fall ist, der in der Tagesschau vorkommen soll. Wir sind eine Sendung, die über das berichtet, was Relevanz hat für eine gesamte Bevölkerung in diesem Land. Einzelne Kriminalfälle haben in dieser Tagesschau nicht ihren Platz. Wir wären sonst ein Kriminalmagazin, was wir nicht sein wollen“, erläuterte er.
Die Ansicht, daß die Nachrichtensendung über den Fall hätte berichten sollen, da es sich dabei um ein besonders abscheuliches Verbrechen handle, teile er nicht. „Wenn wir sagen, nur die besonders abscheuliche Taten kommen in der Tagesschau vor, dann hätten wir eine Sendung, die ein Großteil unseres Publikums so nicht sehen wollte”, gab Gniffke zu bedenken. Palmers Argumente hätten ihn „nicht wirklich überzeugt“.
Es stimme zwar, das Asylbewerber sehr häufig an Verbrechen beteiligt seien. „Wenn man sich die Statistik aber genau anschaut, stellt man fest, wenn man diese Gruppe der jungen, alleinstehenden Asylbewerber vergleicht, mit der Gruppe der jungen, alleinstehenden Deutschen, merkt man, da ist dann schon wieder gar nicht mehr so ein großer Unterschied.“ Diesen Grad der Differenzierung müsse die Tagesschau leisten.
Palmer: Gniffke setzt Reputation aufs Spiel
Dem hielt Palmer wiederum am Dienstag abend auf Facebook entgegen: „Es handelt sich nicht um einen Mord, wie er leider täglich vor kommt, aus Habsucht, Rache oder zwischen verfeindeten Banden. Es ist ein außergewöhnlich tragischer Fall und daher eine Nachricht.“
Wenn die Tagesschau als eine der wichtigsten Nachrichtenquellen Deutschlands zudem behaupte, nach ihren Recherchen gebe es keine Hinweise auf eine überproportionale Beteiligung von Asylbewerbern an Tötungsdelikten, sei das „äußerst bedauerlich“. Auch wenn man Alter und Geschlecht berücksichtige, „bleibt ein großer Unterschied bei der Häufigkeit von Tötungsdelikten zwischen Asylbewerbern und deutschen Staatsbürgern“.
Der Grünen-Politiker warf Gniffke vor, die Reputation der Tagesschau leichtfertig aufs Spiel zu setzen. Er setze sich ohne Not dem Verdacht aus, den Menschen Nachrichten über den wahren Zustand des Landes verschweigen zu wollen. „Ihre Rechtfertigungsversuche haben das noch verschlimmert. Denn jetzt steht auch im Raum, Sie wollten den Leuten vormachen, es gebe kein Problem mit der Häufigkeit von Tötungsdelikten bei Asylbewerbern“, schrieb Palmer.

Die Bürger erwarteten, daß ein Mensch, der Hilfe verlange und erhalte, seinen Helfern nicht in kürzester Zeit Schaden zufüge oder ihnen sogar nach dem Leben trachte. „Deshalb ist es für mich auch gesellschaftlich relevant, wenn Asylbewerber so häufig zu Mördern werden, wie dargestellt. Ich bin nicht davon überzeugt, daß unser Asylsystem bisher ausreichend gut funktioniert, um die Gefahr, daß ein Arzt oder jeder andere Helfer zum Opfer wird, zu minimieren.“
Es ist nicht das erste Mal, daß die Tagesschau wegen ausbleibender Berichterstattung über Verbrechen von Asylbewerbern in der Kritik steht. Als der Mörder der Freiburger Studentin Mari L. gefaßt wurde, hielt das die Tagesschau ebenfalls nicht für berichtenswert. Der Fall, so Gniffke, habe keine überregionale Relevanz gehabt.    JF


 

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