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Mittwoch, 15. Mai 2019

EU-Wunden

Wenn Journalisten nichts anderes mehr einfällt, als einen erfolgreichen Politiker als "Kasper" zu bezeichnen, werden gesellschaftliche Debatten oft erst wirklich interessant. Von Mahatma Gandhi stammt bekanntlich die Erkenntnis, daß ein Politiker erst ignoriert, dann belächelt, dann bekämpft und schließlich als Sieger erkannt werde.
Was der Verfasser des hier verlinkten Textes (wie viele andere) vollends ausblendet, ist der Umstand, daß der Zuspruch für Nigel Farage eine Reaktion auf etwas Vorheriges darstellt: Erst hat die EU falsche Politik betrieben, dann haben sich Briten überfahren gefühlt, dann war das Referendum nicht mehr zu verhindern und dann sprach das Volk in der ältesten Demokratie unseres Kontinents.
Nigel Farage wird also nicht "hochgespült" wie ein Stück Unrat im Ausguß, sondern er findet Gehör, weil er den Finger in genau die Wunden legt, die die EU produziert. Es gab Menschen, die schon vor längerer Zeit davor warnten, daß die Vereinheitlichungsexzesse aus Brüssel Abwehrreaktionen provozieren werden. Wer nicht hören will, muß sich politisch abwickeln lassen. Wer dabei "Kasper!" schreit, beschleunigt nur den Vorgang. Schon andere sind an den Kreidefelsen vor Dover hängen geblieben.

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