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Mittwoch, 13. Juni 2018

Waghalsiger geht's nicht

Die Europäische Zentralbank hat Verpflichtungen im Rekordwert von 956 Milliarden Euro bei der Bundesbank angesammelt. Deutschland ist damit Hauptgläubiger im Target2-System.
„Die Kapitalflucht nach Deutschland ist in vollem Gange. Sicher wird viel Geld nach Deutschland überwiesen, um sich hier einzukaufen, was die Bundesbank zwingt, die Käufe zu kreditieren“, sagte der Ökonom Hans-Werner Sinn der Welt. Bald würden die deutschen Forderungen die eine-Billionen-Euro-Marke überschreiten.
Deutschland hält die meisten Schuldpapiere
Deutschland ist bei weitem der größte Kreditgeber für die Europäische Zentralbank. Hauptschuldner sind Italien, Spanien und Frankreich. Die drei Mittelmeerländer schulden der EZB zusammen 972 Milliarden Euro. Den stärksten Zuwachs an Verbindlichkeiten wies die Banca d’Italia mit fast 40 Milliarden Euro allein im Mai auf. Sie hat 456 Milliarden Euro Schulden bei der EZB.
Die Verbindlichkeiten der Zentralbank gegenüber der Bundesbank wuchsen seit Jahren kontinuierlich. Ende Mai 2017 betrugen sie noch 857 Milliarden Euro. Das ist ein Zuwachs von 11,5 Prozent.
Verglichen mit Mai 2016 ist die Summe der Target2-Froderungen der EZB gegenüber der deutschen Bundesbank sogar um über 40 Prozent gewachsen. Sie betrug vor zwei Jahren 655 Milliarden Euro.
Target2 ermöglicht zinslose und unbesicherte Kredite
Neben Deutschland haben nur wenige Euro-Länder Schuldscheine von der EZB. Darunter sind Luxemburg mit über 200 Milliarden Euro, die Niederlande mit 135 Milliarden Euro und Finnland mit 66 Milliarden Euro.
Target2 ist ein Verrechnungssystem für den innereuropäischen Zahlungsverkehr. Eine negative Bilanz kann entstehen, indem private Personen, Banken, Firmen oder der Staat selbst permanent mehr in einem anderen Land investierten oder dort Produkte kauften.
Das System ermöglicht den Euro-Mitgliedern, quasi zinslos Geld bei der EZB zu leihen. Für diese indirekten Kredite fordert die Zentralbank keine Sicherheit. Es gibt auch keine Vereinbarung zu regelmäßigen Rückforderungen.
Ein Austritt wäre für Italien lukrativ
Würde man die Target-Forderungen als Staatschulden werten, wäre Italien zu 160 Prozent seines Bruttoinlandsprodukts verschuldet. Gegen das Land sind Forderungen in Höhe von 2,3 Billionen Euro offen. Das entspricht einer Staatsverschuldung von 133 Prozent.
Ein Austritt Italiens aus dem Euro wäre für die Italiener demnach über 400 Milliarden Euro wert. Der Verbleib ermöglicht, aber weitere Target2-Schuldscheine anzuhäufen.    JF

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