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Montag, 18. Oktober 2021

Terror ist fast immer auch ein Hilferuf

 

Die, die von Anfang an sagten, der islamische Terror habe nichts mit dem Islam zu tun, hatten also doch recht.
Hätte die Polizei die angeblichen Terroristen Anis Amri (Berlin, Breitscheidplatz) oder Mohamed Lahouaiej Bouhlel (Nizza, Strandpromenade) nicht erschossen, säßen beide heute in einer medizinischen Einrichtung und könnten psychisch betreut werden. Dasselbe gälte für die psychisch Kranken, die den Bataclan und die Redaktion von Charlie Hebdo ausräucherten, für den mit einem Messer auf seine Lage hinweisenden Somali von Würzburg und all die anderen kranken und verwirrten Menschen, die wir, teils irrtümlich, teils böswillig, als Terroristen bezeichnet haben. Kein psychisch gesunder Mensch ruft „Allahu akbar!” und bringt Ungläubige um. Ist doch logisch! Wahrscheinlich ist der gesamte IS eine unbewusste Selbsthilfegruppe psychisch Kranker. Statt diese Menschen in Gefängnisse zu stecken, wo sie auf echte Terroristen und Gesinnungsmörder wie Anders Breivik und Beate Tschäpe stoßen, müssen wir ihnen helfen. Terror – sofern er nicht von rechts kommt – ist immer auch ein Hilferuf!

Wir stehen jetzt natürlich vor der Frage, inwieweit das alles rückwirkend gilt. Waren womöglich auch die Eroberungszüge der Osmanen ins christliche Osteuropa die Taten seelisch Gestörter? Verging sich Karl Martell bei Tours und Poitiers an psychisch Kranken? Wurde Jerusalem 1187 von Verrückten (zurück-)erobert? Es könnte einem der Atem stocken, wenn wir uns jetzt noch weiter über den Rand des Brunnens der Vergangenheit lehnen… Und warum sich auf den Orient beschränken? Die RAF, die Roten Khmer, Lenins Bolschewiken, Tamerlans Bogenschützen (!) – alles nur Fälle für kundige Seelenklempner? Wir brauchen keine Polizei, wir brauchen keine Truppen, was wir brauchen, sind Psychologen, Sozialarbeiter, Streetworker! Dann klappt’s auch mit Friedrich Schillers bösem Nachbarn.

 



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