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Donnerstag, 30. Januar 2020

Die Linken haben bezüglich Israel insofern recht

als Israel ein rechtes Land ist. Darunter darf man verstehen, dass dieses Land nach Werten lebt, die wir in Deutschland, wenn wir freundlich sein wollten, als 'traditionell' bezeichnen würden. Dazu gehört als erstes der Konsens über eine Landesverteidigung an der alle teilnehmen, auch unter Opfern. Dieser Konsens setzt verschiedenes voraus. Vor allem die Überzeugung, eine Identität zu besitzen, die es sich lohnt zu verteidigen. Ohne Spott und Polemik: Schon diese Auffassung ist in Deutschland unzeitgemäß.
Nicht nur grüne Politiker lehnen das Volk ab. Von anderen hört man dieses Wort ebenso wenig. Diese Haltung äußert sich etwa in der Distanz zu Symbolen, man nehme die Fahne. In Deutschland hängt sie alle vier Jahre aus, solange die Nationalmannschaft gewinnt und die Antifa sie nicht abreißt, und die schüchterne Begeisterung von 2006 ist längst vorbei. In Israel weht sie an jedem Eck. Und sie ist ernst gemeint.
Unsere rechten Sympathien für Israel sind also fundiert. Sie beruhen darauf, dass Israel ein Land ist, wie wir es uns wünschen: demokratisch organisiert, rechtsstaatlich abgesichert, souverän, selbstbewusst und couragiert. Sein Volk ist stolz auf sich selbst und auf seine Eigenartigkeiten. Die Juden dort leben ziemlich entspannt und genießen die Freude am Nachwuchs. Die Familie und die Bedeutung von Tradition und historischer Überlieferung werden nicht dem Spott preisgegeben. Jeder Besucher erlebt die atemberaubende Kinderfreundlichkeit dieser Leute, die man besonders dann als wohltuend empfindet, wenn man aus einem Altersheim wie Deutschland oder Italien kommt.
So etwas findet der gemeine Rechte ungemein sympathisch. Gut so! Und natürlich ist es immer ein Fortschritt, wenn jemand Vorurteile - sollte er sie je gehabt haben – über Bord wirft, sobald die Realität ihn eines Besseren belehrt. Das Primat der Empirie ist der Kern des Konservatismus. Dagegen spielt eine Abneigung gegen Araber – die in Deutschland neu wäre und vor 2015 selten war - keine Rolle. Freilich: Das Sein bestimmt das Bewusstsein.
All das ist weder Philosemitismus noch Vergangenheitsbewältigung noch 'Musterschülertum', sondern angewandte Empirie. Natürlich gibt es Trottel selbst unter Juden. Sie grundsätzlich und immer toll zu finden, wäre, wie die Kanzlerin sagen würde, wenn sie zu solchen Gedanken fähig wäre, nicht hilfreich. Aber die Erfahrung lehrt uns, dass die Juden in Israel etwas Großartiges aufgebaut haben – und dass sie es bewahren wollen. Das erfüllt uns mit Bewunderung.
So sehen gerade wir Rechte: Israel ist das bessere Deutschland.





Aber abgesehen von den militärstrategischen und geopolitischen Grundsatzfragen, die Kubitschek aufwirft, möchte ich unser Augenmerk auf metapolitische Tatsachen lenken, die uns Rechte beschäftigen. Darauf, dass wir in Deutschland tatsächlich ein Musterschülerproblem haben, das zu Gesichtslosigkeit und Geschichtslosigkeit geführt hat (Nicolaus Fest bezeichnet letztere treffender als "historische Demenz" und greift mit diesem Wort Höcke sehr geschickt unter die Arme: denn wir brauchen zwar keine 180°-Wendung, aber eine 110°-Wendung sollte es schon sein). Man kann das Musterschülergehabe tagtäglich im Alltag beobachten: am lächerlichen Eifer, mit dem sich Menschen wie Thomas Gottschalk in den USA niederlassen, obwohl z.B. Israel oder Italien eine viel bessere, interessantere, lehrreichere, europäischere, authentischere, würdigere und letztlich befriedigendere Wahl für eine deutsche Persönlichkeit wären, die über den deutschen Zaun hinaus will, was zum Beispiel Jürgen Klinsmann begriffen hat, der ganz genau weiß, was er Italien an lehrreichen Einsichten zu verdanken hat. Dass er sich dennoch in den USA angesiedelt hat, ist vernünftig, weil er während seiner dortigen Tätigkeit eine Amerikanerin geheiratet hat. Muss man, wie Andrea Kiewel, zum Lehrer ausgebildet worden sein und eine Abschlussarbeit über die Bedeutung von Abhärtung für die Gesunderhaltung geschrieben haben, um sich in Tel Aviv niederzulassen?

In vielerlei Hinsicht pendeln wir Deutschen zwischen dem (auch in anderen Ländern meist sehr stumpfsinnig artikulierten) Antiamerikanismus einerseits und dem Nachäffen (Nord-)Amerikas andererseits hin und her. Das Nachäffen geht so weit, dass man lieber ein halber Amy ist als ein ganzer Deutscher und sich pseudoamerikanische Wörter wie Beamer, Basecap und Public Viewing ausgedacht hat, die inzwischen Eingang in die deutsche Sprache gefunden haben, obwohl sie kein anglophoner Muttersprachler versteht.
So gut wie jedes Mal, wenn es in einem deutschen TV-Film oder auch Kinofilm gefühlig wird, beginnt ein Song in englischer Sprache, weil man in Deutschland nicht mehr dazu in der Lage ist, Gefühle in der eigenen Sprache zu artikulieren. In diesem Zusammenhang ist auch daran zu erinnern, dass die immer noch einzige wirklich gute Aufnahme deutscher Volkslieder von den britischen King's Singers stammt. Und dass das beste Arrangement auf der Scheibe der "Singer Pur" von einem amerikanischen Komponisten stammt.
Die Anomalie der jüdischen Geschichte hat zu einer Anomalie wie Israel geführt. Friedrich Dürrenmatts „Zusammenhänge“ ist in meinen Augen immer noch das beste Buch zum Thema Israel. Dieses winzige Land schafft es, unter Bedingungen als parlamentarische Demokratie zu bestehen, unter denen anderen europäischen Ländern ihre demokratischen, rechtsstaatlichen Institutionen längst um die Ohren geflogen wären. Das verdient nicht nur Bewunderung, sondern inzwischen auch musterschülerhafte Imitation, insofern Deutschland gerade aus freien Stücken die Konflikte importiert, die Israel schicksalhaft nolens auf sich nehmen musste. Israel tut sicher gut daran, sich in den USA den Beistand eines mächtigen Alliierten zu sichern. Dennoch ist der Regime Change ein Hirngespinst, dem Kubitschek zu recht keine grundsätzliche Unterstützung gewährleisten möchte. Denn diese Doktrin ist mittlerweile oft genug gescheitert (mit Mossadeq begann die Erbsünde – so sehr ich persönlich auch bedaure, dass der Schah von Persien vertrieben wurde).

Bevor Merkel die Schleusen öffnete, lehnte ich noch ab, Israel in die EU aufzunehmen, eben weil dadurch die israelische Problematik zu einer Problematik der verwöhnten Europäer geworden wäre. Jetzt ist es aber eine europäische Problematik, und die einzigen, von denen wir lernen können, wie man damit umgeht, sind die Israelis. Und die Italiener, die die größte Erfahrung mit der Bekämpfung von Clankriminalität haben. Es wäre also zumindest innenpolitisch (egal ob auf nationalstaatlicher oder europäischer Ebene) inzwischen wünschenswert, Israel in die EU aufzunehmen, um sie reformieren zu können (oder wie Broder vorschlägt, Deutschland von Israel annektieren zu lassen). Außerdem würde dadurch der gesunde Teil der italienischen Politik gekräftigt. Tarak Ben Ammar sagte allerdings einmal nicht ohne Grund: "Die Italiener sind die Araber des Nordens". Und von Ennio Flaiano stammt die Bemerkung: "Die kürzeste Linie zwischen zwei Punkten ist in Italien eine Arabeske."  Aber um Israel aufnehmen zu können, muss mit deutscher Nibelungentreue zum Regime Change Schluss sein.
Deutschland befindet sich in Eurabien. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis deutlich werden wird, dass man sich als amerikanischer Musterschüler, der versucht, amerikanischer als die Amerikaner zu sein, in Eurabien nur lächerlich macht. Dass Kathrin Göring-Eckardt jetzt den 8. Mai als Tag der Befreiung feiern möchte, ist nur das letzte Beispiel für eine lange Reihe von heuchlerischen Gesten des weltfremden Musterschülers Michel, der zwar gerne Israel schmäht, aber den Masochismus so sehr zur Raison d’etre gemacht hat, dass er sich am liebsten als 51. Staat an die Spitze der USA stellen würde, um aus Maso- endlich in Sado- werden zu lassen und den Amies unter Kathrins Fuchtel klar zu machen, dass Deutschland jetzt das Bollwerk der parlamentarischen Demokratie auf diesem Planeten ist und Regime Change nicht nur in Syrien durchgeführt werden wird, sondern auch in den USA.
Ich schlage vor, dass die AfD sich als Antwort auf KGEs Vorstoß auf das Hambacher Fest als Gegenvorschlag versteift, damit in Deutschland endlich die Demokratie angemessen gefeiert wird. Ich würde sogar darauf dringen, nicht nur einen Tag lang Hambach zu feiern, sondern drei Tage lang am letzten Wochenende im Mai und an diesen drei Tagen, den Verkehr mit motorenbetriebenen Fahrzeugen außer den öffentlichen Verkehrsmitteln verbieten (um den Grünen eins auszuwischen und um von Merkel zu lernen: den Gegnern die Themen wegnehmen!!) und gleichzeitig Programme fördern, die der historischen Regionalkultur dienen (das müsste sogar Frau Özuguz gut heißen) damit der Bürger - egal wie lange er hier schon lebt - mehr Fahrrad fährt, der Binnentourismus drei Tage lang zum Kochen gebracht wird und die Deutschen ihr eigenes Land nicht nur durch die Regionalkrimis kennenlernen, die nach der Wende entstanden (in den 70-ern war das höchste der Gefühle, wenn im Tatort mal statt eines deutschen Ermittlers der Wiener Kollege an der Reihe war) und mittlerweile an die Stelle der Heimatfilme getreten sind, die es in den 50-ern und 60-ern gab und erst nach 68 durch Roy Black derartig verblödeten, dass sie niemand mehr wollte. Durch so eine Dreitages-Demokratie-Fest-Großoffensive würde die AfD mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen. Man könnte dazu Christi Himmelfahrt eingemeinden bzw. als Ausgangspunkt nehmen und erweitern. Auf diese Weise müsste man nur zwei weitere Tage hinzufügen und ein langes Wochende daraus machen, das mit dem Vatertag beginnt. Am besten man untersagt während der Dauer dieses Demokratiefestes auch Flugreisen, Fernsehen und Internet, damit der demokratische deutsche Republikaner einen Vorgeschmack auf den Blackout bekommt (wie gesagt: den Grünen müssen die Themen weggenommen werden) und wieder mehr Menschärgeredichnicht spielt. Man kann ja Radiosendungen erlauben. Die kann man auch beim Fahrradfahren anhören. Wer erinnert sich noch an die tollen Fußballkommentare der Radiojournalisten von einst!? Hauptsache, der Michel und der Achmet erkunden während dieser Tage die Umgebung, und die Volkshochschulen behalten ihren Namen und werden seiner würdiger als durch die Verfilzung mit den Grimmepreis-Juroren.

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