Stationen

Donnerstag, 16. Januar 2020

Er ist nicht mehr

"Desmond war nach dem Krieg mit den Resten eines vergeudeten Vermögens und einem hemmungslosen sexuellen Begehren nach Paris gekommen, um sein Erbe zu verschleudern und sich dem eigenen Leben zu stellen. Aber weil er bei aller Lasterhaftigkeit ein goldenes Herz hatte, wurde er von einer Frau gerettet, die es gut mit ihm meinte, die ihn nach Fontainebleau brachte und dort eine Bleibe für ihn und die Kinder aus seinen gescheiterten Ehen einrichtete – und auch für mich, der ich mich in eines dieser Kinder verliebt hatte, nur um dann von ihr fallen gelassen zu werden."Wer hat‘s geschrieben?

Der Autor ist Roger Scruton, und ich las genau diesen Passus, als mich die Nachricht von seinem Tode am 12. Januar erreichte. Sie versetzte mich in eine seltsam tiefe Betrübnis; ich kannte Sir Roger ja nicht persönlich, und doch war mir, als sei ein entfernter Angehöriger, ein eigenwilliger, auf einer fernen Insel lebender Großonkel von mir gegangen. Dieses eigenwillig ist höchst wörtlich zu nehmen: nach eigenem Willen lebend. Scruton war ein polyglotter Polyhistor, in vielen Genres, Kulturen und Sprachen zuhause. (weiter geht es mit dem Nachruf hier)

Roger Scruton verbreitete keine neuen Lehren (und hüllte sich nicht in den Panzer eines akademischen Slangs), er kümmerte sich um das stets geschmähte Banale und um schöne Selbstverständlichkeiten und um die unter Diskursmüllhalden verschütteten nicht banalen, nicht selbstverständlichen Einsichten.

Danke, Roger Scruton!! Danke.




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