Normalerweise
sollte ein Mensch, der in die Verlegenheit gerät, einen Prozess führen
zu müssen, zudem noch als Debütant, Schweigen darüber bewahren. Da meine
Klage gegen den ehemaligen AfD-Fraktionschef von NRW und
EU-Abgeordneten Marcus Pretzell aber von einem gewissen öffentlichen
Interesse ist und ich regelmäßig gefragte werde, wie die Sache denn
stünde, will ich kurz vermelden, dass heute vor dem Arbeitsgericht
München mein Prozess gegen meinen ehemaligen Arbeitgeber in die, wie man
sagt, nächste Runde ging.
Zum letzten Termin war Pretzell nicht
erschienen, die Richterin fällte ein Versäumnisurteil, nachdem mir das
Gericht in allen Punkten recht gegeben hatte. Der Beklagte legte
fristgemäß Einspruch ein. Heute überraschte das Arbeitsgericht München
mit der feinsinnigen Unterscheidung zwischen den Arbeiten, die ich für
den Europaabgeordneten Pretzell und jenen, die ich für den Politiker
Pretzell geleistet habe. Diese Janusköpfigkeit von Abgeordneten war mir
bislang in der Rechtsprechung nicht geläufig. Im Grunde ist ja jeder
exponierte Politiker eine mystische Vereinigung aus dem
Fraktionsabgeordneten und dem Parteifunktionsträger; Pretzell ist eine unio mystica aus EU-Abgeordnetem und Landespolitiker in NRW, Frauke Petry war eine unio mystica
aus sächsischer Fraktionsvorsitzender und Parteichefin usw. Jedenfalls
wollte mir das Gericht aus diesem Grunde nur den halben von mir
geforderten und im Vertrag mit dem Europaabgeordneten vereinbarten
Betrag bewilligen.
In diesem Vertrag zwischen Pretzell und
mir steht übrigens unter Artikel 9 die "Ausschlussklausel des
Europäischen Parlaments", die da lautet:
"Hierbei handelt es
sich um einen privatrechtlichen Vertrag, der nur für den Arbeitgeber und
den Arbeitnehmer verbindlich ist. Das Europäische Parlament ist keine
Vertragspartei und unter keinen Umständen als Arbeitgeber,
Vertragspartner oder Kontrolleur des Arbeitnehmers anzusehen. Es kann
auch nicht an Streitigkeiten beteiligt werden, die sich aus dem
vorliegenden Vertrag ergeben, und trägt keinerlei Verantwortung für
Handlungen oder Unterlassungen des Arbeitgebers oder des Arbeitnehmers."
(Es scheint, die kennen dort manche ihrer Pappenheimer sehr genau.) Es
ist ungefähr so, als wenn man von einer Putzfrau verlangte, sie hätte
unterscheiden müssen, welches Zimmer sie saubermachen darf und bei
welchem sie hätte ablehnen müssen.
Nun lernt jeder
Betriebswirt im Grundstudium, dass man ein Luxusprodukt durch
Preisnachlässe beschädigt. Ich halte meine Prosa und einen Teil meiner
Gedanken für Luxus, und der hat seinen Preis. Auch mein Anwalt
Maximilian Krah hält wenig von der Mystik des Arbeitsgerichtes und freut
sich auf die Berufung des Falles zum Landesarbeitsgericht.
Dies als Zwischenbescheid. In der Reminiszenz fällt mir allerdings eine Parallele auf, die ich Ihnen nicht vorenthalten möchte.
Am Tag als bekannt wurde, dass ich meinen Arbeitgeber Pretzell verklagt hatte, erteilte dieser einem Journalisten des Focus die Auskunft, er habe nie einen Vertrag mit mir geschlossen. Als etwas später der Spiegel
bei ihm anrief, dem der nie geschlossene Vertrag vorlag, erklärte
Pretzell, dieser Vertrag sei aber nie erfüllt worden, ich hätte nie für
ihn gearbeitet. Als ich zwei Reden online stellte, die ich für ihn
geschrieben hatte, und die Youtube-Mitschnitte daneben, wo er diese
Reden vortrug, und das Arrangement mit sms-Nachrichten vom ihm
dekorierte, wo er sich für eine Rede bedankte und auf die Stimmung bei
der zweiten einging, trat er vor die Mikrophone und sagte: Ja, der Mann
hat mir bei zwei Reden geholfen, und jetzt will er 40.000 Euro
dafür (eine reine Phantasiezahl; tatsächlich verlange ich exakt jene
24.000 Euro, die mir für ein halbes Jahr vertraglich zustehen).
Im
Schriftverkehr mit dem Gericht verstieg sich Pretzell zuletzt zu der
Behauptung, ihm sei zwar klar gewesen, dass ich mit seiner Frau als
Fraktionschefin der AfD im sächsischen Landtag einen Beratervertrag
geschlossen habe, aber ihm sei der genaue Inhalt des Vertrages nicht
bekannt gewesen, weshalb ihm auch nicht bewusst gewesen sei, dass beide
Verträge einander ausschlössen und der seine mit mir deshalb hinfällig
sei. Ich schickte daraufhin über meinen Anwalt dem Gericht zweierlei:
den von seiner Frau (genauer: seiner späteren Frau) unterzeichneten
Beratervertrag mit der Dresdner AfD-Fraktion, den ein gewisser Herr
Pretzell "zur Kenntnis" unterzeichnet hatte, und eine sms von ihm an
mich, datiert auf den 17. August 2016, in der er erklärte, er könne
keinen Interessenskonflikt zwischen beiden Verträgen erkennen.
Das
Arbeitsgericht München bekundet also ein gewisses Faible für einen
Beklagten, der es erstens versetzt, indem er nicht zum Termin erscheint,
und es zweitens belogen hat. Ts, ts, ts...
Warum ich das
erzähle? Weil mich dieses Aufstellen einer dreisten Falschbehauptung
nach der anderen bei schrittweisem Rückzug nach dem Offenlegen der
Tatsachen an etwas erinnert. Woran?
"Es kommen überwiegend gut
ausgebildete Fachkräfte zu uns." – "Diese Menschen fliehen vor dem
Bürgerkrieg in Syrien." – "Es sind viele Frauen und Kinder dabei." – "Es
gibt keinerlei Zusammenhang zwischen Flüchtlingen und Terrorismus." –
"Es gibt keinen Zusammenhang zwischen Flüchtlingen und Kriminalität." –
"Flüchtlinge sind nicht krimineller als Deutsche." – "Flüchtlinge nehmen
dem Steuerzahler nichts weg." – "Flüchtlinge werden den Deutschen die
Renten sichern."
Der Herr Pretzell hat ein ähnliches Verhältnis
zur Wahrheit wie viele derjenigen, die momentan unser Land regieren. Im
Grunde hätte er prima in diese Truppe gepasst. Was für eine
verheißungsvolle politische Karriere ist hier vorzeitig gescheitert!
PS:
"War's denn zufälligerweise eine RichterIN, die in der Causa Klonovsky
./. Pretzell dem Münchner Arbeitsgericht vorsaß und jenes feinsinnige
Urteil zur Welt brachte?", erkundigt sich Leser ***, und zwar aus zwei
Gründen:
1) Erhöhte statistische Wahrscheinlichkeit. Gerade
jüngst wieder hat der bekanntermaßen frauenfeindliche, gleichwohl
hartnäckig von Ihnen empfohlene Hetzblogger Hadmut D.
alternative Fakten über eine angebliche "Verweiblichung der Justiz"
weitergetratscht, die zwar naturgemäß nicht stimmen können, die aber
aufgrund des semper aliquid haeret-Prinzips eine gewisse Verunsicherung
bei mir erzeugt haben, es könnte ja vielleicht doch etwas dran sein.
2)
Die Natur des Weibes. Diese wiederum in zwei Hinsichten bzw.
Auswirkungen: a) Erhöhte Wahrscheinlichkeit von Feinsinn auch und gerade
in der Urteilsfindung, vgl. etwa "subtiles Gegeneinander-Ausbalancieren
der individuellen Begehrlichkeiten von Kindern". Das ganz ungewöhnlich
feinsinnige Münchner Urteil könnte, dürfte, müsste daher eigentlich von
einer Frau stammen; andere Urteile mit demselben Qualitätsmerkmal
scheinen mir diese Annahme zu bestätigen, vgl. etwa Amtsrichterin Sonja
Birkhofer-Hoffmann in einer der zahlreichen Causae Stürzenberger,
München 2017. Außerdem b) erhöhte Wahrscheinlichkeit von Sympathie für
Verbrecher. Dieses Persönlichkeitsmerkmal wird ja besonders bei Frauen
so häufig beobachtet, dass es beinahe schon als spezifisch weiblich
gelten kann, und führende Wanderprediger wie Jordan B. Peterson weisen in allerschärfster Form darauf hin ("Women don't even like harmless men – they hate them!").
Kurzum:
Wenn da so ein attraktiver, hochgewachsener (ganz wichtig!) und
offensichtlich verwegener Gauner im Gerichtssal sitzt, der schon ganz
andere Frauen rumgekriegt hat, dann könnte ich mir durchaus vorstellen,
dass er auch eine Münchner Arbeitsrichterin ...
War's so? Ich meine: War's eine Richterin?
Schöne Grüße und viel Spaß beim Revisionsverfahren!"
PPS:
"Sehr geehrter Herr Klonovsky, so unterhaltsam ich den Bericht über
Ihren Ausflug in die Winzererstraße in München fand, so wenig
zielführend finde ich die Frage, welchen Geschlechts der oder die
Vorsitzende nun hat", rügt Frau Dr. ***, Fachanwältin für ***. "Ich bin
es leid, ständig mit gewissen Damen in einen Topf geworfen zu werden und
ja, so fühlt sich das an, wenn in dieser Art bei Ihnen oder Danisch
geschrieben wird. Es gibt genügend vernünftige Frauen, die zwar in
Zeiten wie diesen nicht gehört werden, aber dennoch vorhanden sind. Man
sollte also lieber den Vernünftigen einen Platz in der Berichterstattung
einräumen, anstatt den Auswüchsen linksgrüner Weiblichkeit so viel Raum
zu geben. Eigentlich ist Weiblichkeit und linksgrün ja ein Widerspruch.
Das Problem sind nämlich auch die verweiblichten Männer, die diesen
Namen teils gar nicht mehr verdienen.
Nichts für ungut, aber dies wollte ich loswerden."
***
"Ich allein muß einsam trauern,
Denn mich flieht der süße Wahn,
Und geflügelt diesen Mauern
Seh ich das Verderben nahn.
Eine Fackel seh ich glühen,
Aber nicht in Hymens Hand,
Nach den Wolken seh ichs ziehen,
Aber nicht wie Opferbrand.
Feste seh ich froh bereiten,
Doch im ahnungsvollen Geist
Hör ich schon des Gottes Schreiten,
Der sie jammervoll zerreißt.
Und sie schelten meine Klagen,
Und sie höhnen meinen Schmerz,
Einsam in die Wüste tragen
Muß ich mein gequältes Herz,
Von den Glücklichen gemieden
Und den Fröhlichen ein Spott!
Schweres hast du mir beschieden,
Pythischer, du arger Gott!"
Das
ist nicht nur das vielleicht schönste Komma in der deutschen Lyrik,
sondern ziemlich exakt die Schilderung meiner Gemütslage. MK am 18. 1. 18
z.B. Krah!
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