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Montag, 22. Januar 2018

Übergeschnapptes Deutschland



Die neueste Blüte unseres energetisch-klimatischen Ablasshandels ist die „Klimateller-App". Diese Internet-Anwendung, die mit staatlichen Fördergeldern erstellt wurde, hilft orthorektischen Planeten-Rettern, festzustellen, wo und wie man klimaschonend speist:
Nachdem von der Bundesregierung bei den wichtigen, großen Klimaschutzthemen nicht viel gekommen ist, sollen nun kleine Maßnahmen etwas bewirken", informiert uns das Energiewendeportal.
"Klimateller-App ist ein im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative (NKI) vom Bundesumweltministerium gefördertes Projekt. Es soll dazu beitragen, in der Gastronomie klimafreundliche Gerichte zu entwickeln und anbieten zu können. Besonders klimafreundliche Gerichte der Restaurants, Cafés, Kantinen oder Imbisse sollen dann mit dem Klima-Teller-Label in der Speisekarte gekennzeichnet werden können. So soll ein Beitrag zur Minderung von Treibhausgasemissionen geleistet werden. Unter www.klimateller.de lassen sich Gerichte und ihre CO2-Bilanz abrufen. Da sieht man zum Beispiel, dass ein Linsencurry weniger CO2 verursacht als Spargel-Ragout mit Bandnudeln."
Diese Rückverlegung politischer Kämpfe in den menschlichen Körper hätte dem Kritiker der modernen „Biomacht", Michel Foucault, helle Freude gemacht. Was er noch anhand von Psychiatrie, Klinik und Haftanstalt exemplifizierte – die Disziplinierung einer Gesellschaft durch Erfassung, Kontrolle und Zurichtung menschlicher Körper in Zwangsanstalten – jetzt soll es auf unserem Kantinenteller stattfinden.  Anna-Veronika Wendland

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